Montreux – Brig (Schweizer Rundreise Day 5)

Am Vorabend konnte ich die wunderbare Abenstimmung in Montreux geniessen, zuerst am See unten, dann vom Balkon aus, wo ich noch eine ganze Weile sitzen blieb.

IMG_9220

Abendstimmung in Montreux

Am Morgen stehe ich früh auf, ich habe eine lange Etappe vor mir und da eine Regenfront angekündigt ist, möchte ich so bald als möglich losfahren und ihr, wenn möglich, entrinnen. Als ich auf den Balkon trete und hinausschaue, ist das Wetter aber noch ganz passabel.

IMG_9224

Morgenstimmung in Montreux

Um halb acht fahr ich los. Es geht zuerst dem See entlang, auf der Hauptstrasse, was aber nicht stört, da es noch kaum Verkehr hat an diesem Samstagmorgen.

Bald schon erblicke ich das berühmte Schloss Chillon, das eine beliebte Sehenswürdigkeit ist. Als Kind hatte ich das auch mal aus einem Bastelbogen zusammengebastelt; das war gar nicht so einfach, weil nur schon der Grundriss dieses Schlosses recht komplex ist.

IMG_9226

Schloss Chillon bei Montreux

Wenig später verlasse ich den See und fahre zuerst Richtung Südosten meist der Rhone entlang. Es hat kaum Wind und so komme ich gut vorwärts.

IMG_9229

Fahrradroute entlang der Rhone

Die Rhone ist meist kanalisiert (leider!) und die Fahrradroute befindet sich oft auf dem Deich.

Das Rhonetal ist hier im unteren Bereich bis St. Maurice, wo es eine enge Stelle hat, sehr breit. Nach St. Maurice hindert mich plötzlich ein heimtückischer Gegenwind am zügigen Vorankommen.

IMG_9232

Gegegenwind nach St. Maurice

Das kann ja noch heiter werden, denke ich, hoffe aber, dass sich dies nach dem „Rhoneknick“, wo das Tal gegen Osten abbiegt, bessert. Dazu kommt noch, dass ich mich leicht verfahre und ich wundere mich, dass mir dies trotz Komoot-App und beschilderter Fahrradroute passiert.

Nach dem Rhoneknick ist der lästige Gegenwind tatsächlich wieder weg und ich bin froh, dass ich wieder meine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 18 km/h erreiche.

Das Wetter wird immer besser und ich kann kaum glauben, dass es heute noch regnen soll.

IMG_9233

Fahrradroute bei Martigny

Es ist schon viel einfacher, vorwärtszukommen, wenn es eben ist – und ich geniesse es. Es sind ziemlich viele Velofahrer unterwegs an diesem Morgen. Aber der Ansturm auf die Fahrradwege hält sich in Grenzen, wie man auf dem Bild sieht.

Ohne richtige Pause zu machen fahre ich fast bis Sion. In der Agglomeration vor Sion entdecke ich einen Coop Pronto. Endlich kann ich meine Vorräte aufstocken. Ich kaufe Getränke und etwas zu essen und lösche meinen Durst gleich vor dem Laden.

Sion (dt. Sitten) ist die Hauptstadt des Kanton Wallis; da ich sie noch nie richtig besucht habe, weiche ich leicht von der vorgegeben Route ab und fahre langsam durch die für mich mediterran wirkende Altstadt.

IMG_9240

Sion, Altstadt

Kurz nach Sion entdecke ich einen Imker, der mit seinem „Astronautenanzug“ bei seinen Bienenvölkern am Hantieren ist. Das erinnert mich an meinen Vater, der passionierter Bienenzüchter war, mir aber seine Begeisterung für dieses Hobby nicht vererben konnte.

IMG_9239

Imker an der Arbeit

An einem kleinen Seelein in der Nähe von Siders, wo sich Leute in Badehose tummeln und einige davon schon baden, mache ich eine kleine Mittagsrast. Auf dem gegenüberliegenden Berghang entdecke ich Crans-Montana – hier liegt also dieser bekannte Skiort, den ich nur vom Hörensagen und den Skirennen kenne.

IMG_9244

Badeseelein i. d. Nähe v. Siders, im Hintergrund Crans-Montana

Die Sonne ist in der Zwischenzeit verschwunden und dunkle Wolken verdecken den Himmel – also, nichts wie weiter, denn der Weg nach Brig ist immer noch weit.

Als ich in der Nähe von Leuk zurückblicke, sehe ich, dass eine bedrohliche Wetterfront schnell näher kommt.

IMG_9246

in der Nähe von Leuk

Dazu setzt plötzlich ein stürmischer Wind ein, der zum Glück von hinten kommt. Jetzt hält mich nichts mehr. Wie ein Verrückter trete ich in die Pedalen und erreiche bis 40 km/h. Vielleicht schaffe ich es ja noch bis ins Ziel, ohne nass zu werden.

Schon fallen die ersten Tropfen und der Wind bläst orkanmässig:

 

Was für ein Spektakel. Ich geniesse es fast ein wenig. Leid tun mir die paar wenigen Velofahrer, die in die andere Richtung fahren. Das macht bestimmt keinen Spass.

Kurze Zeit später setzt heftiger Regen ein. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als schnell die Regenkleider überziehen und den Rest der Etappe in strömendem Regen zu fahren – und es sind immerhin noch ca. 25 km.

IMG_9250

in der Nähe von Visp, Simplon-Bahnstrecke

Es ist aber gar nicht so schlimm, denn der Rückenwind bläst immer noch, und so erreiche doch noch mein Etappenziel Brig.

Fakten:
7 Std. 42 Fahrzeit
134 km Strecke
17.4 km/h Durchschnittsgeschw.
1’110 m bergauf
810 m bergab

CH Tour Day 5

Fribourg – Montreux (Schweizer Rundreise Day 4)

Der heutige Tag beginnt relativ spät. Coronabedingt gibt’s kein Frühstück in Hotel, in dem ich übernachtet habe, und da mein Velo eingeschlossen wurde und die Reception erst um 8.30 Uhr öffnet, kann ich ausschlafen an diesem Morgen. Ich schaffe es aber, ziemlich genau um halb neun loszufahren. Nachdem ich eine Zeitlang durch Vororte von Fribourg gefahren bin, finde ich mich plötzlich in einem Wald mit Naturweg wieder. Das ist schön, aber ich komme langsam vorwärts. Wenig später bin ich nicht sicher, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin; der Weg wird plötzlich schmal und ich muss absteigen.

IMG_9177

Fahrradtourenweg in der Nähe von Fribourg – Ist das der richtige Weg?

Unten komme ich zu einer romantischen Landschaft:

IMG_9178

Waldromantik

Ein ständiges Auf und Ab auf Waldwegen, so gestaltet sich in der Folge die Strecke. Es ist schön, aber ich bin ein wenig besorgt, weil ich so kaum vorankomme.

Glücklicherweise werden die Strassen besser und als ich kurz vor Romont in einer Patisserie/Boulangerie meinen ersten Kaffee trinken und dazu einen feinen Kirschenkuchen essen kann, bessert sich meine Laune merklich auf.

IMG_9181

Kaffee und Kuchen in Villaz-St-Pierre

Das Städtchen Romont, das erhöht auf einem Hügel liegt, ist schon von weitem zu sehen. Eigentlich würde die Fahrradroute nicht direkt durch diesen Ort führen; da ich ihn aber nicht kenne, beschliesse ich, dort hinaufzufahren. Es ist ziemlich ruhig in diesem Städtchen, das vielleicht schon bessere Zeiten gesehen hat – auf der Suche nach einem Restaurant werde ich auch nicht fündig. So fahre ich schnell wieder weiter, nicht ohne noch schnell ein Foto zu schiessen von Festung und Kirche.

IMG_9184

Romont

Nach Romont werden die Wege besser. Oft fahre ich auch leicht erhöht Hügelkuppen entlang, wo ich eine gute Aussicht habe.

IMG_9186

In der Nähe von Romont, Aussicht auf die Freiburger und Savoyer Alpen

Ich glaube sogar, in der Ferne den Montblanc, den höchsten Berg Europas zu erblicken; ich bin aber nicht ganz sicher. In dieser Region kenne ich mich mit Bergen nicht so aus.

Ich geniesse es sehr bei diesem sommerlichen Wetter durch die Landschaft zu gondeln. Der Himmel ist auch wieder blauer und die milchigweissen Schleierwolken sind nun fast verschwunden. Nur der Gegenwind kündigt einen Wetterumschwung an.

Bei meinem letzten Aufstieg erhasche ich einen Blick in die Walliser Alpen und glaube, das Monta-Rosa-Massiv zu entdecken.

IMG_9193

Blick nach Osten, Walliser Alpen im Hintergrund

Gespannt bin ich auf den Genfersee. Der sollte doch nun bald in mein Blickfeld geraten, da ich die letzten Anhöhen der heutigen Etappe überwunden habe.

Endlich ist es soweit. Der Anblick raubt mir fast den Atem.

IMG_9195

Genfersee

Da die Szenerie so einzigartig schön ist, folgt hier noch ein weiteres Bild, fast von der gleichen Stelle aus aufgenommen.

IMG_9197

Genfersee

Etwas weiter unten gerate ich in die berühmten Weinberge dieser Region. Meine Fahrradroute führt mitten hindurch.

IMG_9199

Weinberg in der Nähe von Vevey

 

IMG_9198

Blick Richtung Montreux

In Vevey ist die Fahrradroute nun am See unten. Ich staune, wieviel Volk hier unterwegs ist. Vor einem Monat wäre das coronabedingt noch unvorstellbar gewesen.

IMG_9202

Strandpromenade in Vevey

Bald schon erreiche ich Montreux, das mondäne heutige Etappenziel. Es hat mit seinem Yachthafen fast schon monacoartige Züge.

IMG_9204

Montreux mit Yachthafen, Schloss Chillon in der Bildmitte

In einem Hotel, das schon bessere Zeiten gesehen hat, steig ich ab, nehme eine Dusche, mache ein kurzes Nickerchen und suche frisch und ausgeruht nach einem Restaurant. Wieder habe ich Glück. In der Molina-Pizzeria finde ich noch ein Plätzchen, zwar nicht draussen, dafür habe ich Internet und kann deshalb zwischen den Gängen gut am Blog schreiben.

IMG_9207

Guten Appetit!

Die heutige Etappe hat ein bisschen zäh begonnen, es wurde aber immer besser. Fantastisch der Genfersee heute mit seinen verschiedenen Blautönen!!!

Fakten (Fribourg-Montreux):
6 Std. 44: Fahrzeit
82 km: gefahrene Strecke
12.2 km: Durchschnittsgeschw.
1’500 m hinauf (so viel?)
1’740 m hinab

CH Tour D4

 

 

Interlaken – Fribourg (Schweizer Rundreise, Day 3)

Zum frühstmöglichen Zeitpunkt finde ich mich an diesem Morgen im Frühstücksraum ein, es ist 7 Uhr 30. Bald schon breche ich auf und ich freue mich auf diesen Tag, denn das Wetter ist herrlich.

Kaum bin ich einen Kilometer gefahren, halte ich schon wieder an, weil nun Eiger, Mönch und Jungfrau miteinander zu sehen sind.

IMG_9128

Eiger, Mönch und Jungfrau

Nach kurzer Zeit erreiche ich den Thunersee, der an diesem Morgen unglaublich schön daliegt – ein Stück Bilderbuchschweiz.

IMG_9130

Thunersee

Ich fahre auf dem linken Ufer dieses Sees entlang und mache immer wieder eine Foto. Bei Spiez führt der Radweg etwas weiter weg vom See über eine Anhöhe, von der ich das Schloss Spiez erblicke.

IMG_9133

Thunersee bei Spiez

Wenn ich zurückblicke, kann ich immer wieder die grandiose Berner Oberländer Bergwelt bestaunen.

IMG_9134

Thunersee mit Berner Alpen

Am Ende des Thunersee befindet sich die grössere Stadt Thun, die ich kaum kenne; nur einmal musste ich vor Jahren hierhin zu einem militärischen Wiederholungskurs einrücken, aber von der Stadt hatte ich kaum etwas gesehen damals. Deshalb nehme ich mir Zeit, diesen Ort etwas näher anzuschauen.

An einem erstaunlich belebten Platz, lasse ich mich in einem Strassencafé nieder und trinke einen Kaffee und esse ein Gipfeli dazu. Würde die Kellnerin nicht einen Mundschutz tragen, würde man meinen, die Corona-Zeiten wären nun endgültig vorbei.

IMG_9138

Café in Thun

Nachher fahre ich noch langsam durch die schmucke Altstadt und mache noch ein Foto von diesem schönen Platz:

IMG_9140

Thun, Rathausplatz ?

Auch das Schloss, das oberhalb von Thun auf eine Anhöhe thront, entdecke ich.

IMG_9141

Schloss Thun

Nach Thun geht es noch eine Weile in der Ebene weiter, nach Uetendorf aber beginnt die Strasse anzusteigen und ein stetiges Auf und Ab erwartet mich nun. Ich schau nochmals zurück auf die Berner Alpen.

IMG_9144

Blick auf die Berner Alpen mit Niesen, rechts und Blüemisalp, schneebedeckt

Bei Seftigen erwartet mich eine ziemlich happige Steigung. Da ich mich aber auf einer kaum befahrenen Nebenstrasse befinde, nehme ich es gemütlich und stosse das Fahrrad, wenn es mir zu steil wird.

IMG_9147

Landschaft bei Seftigen, da geht’s den Berg hoch

Es ist sehr ländlich hier, die Bauernschweiz, die so etwas wie heile Welt vermittelt, begleitet mich auf diesem Abschnitt meiner Etappe. Ich kenne diese Region gar nicht, so bin ich gespannt, durch welche Ortschaften mich meine Route führt.

IMG_9151

Ländliche Idylle bei Riggisberg

In der etwas grösserer Ortschaft Riggisberg, von der ich auch schon gehört hatte, erblicke ich auf einer Anhöhe ein grösseres, schlossähnliches Gebäude.

IMG_9152

Riggisberg

In der Folge fahre ich endlich mal eine längere Strecke mehr oder weniger gerade aus auf dieser Hochebene, die ca. 800 M. ü. Meer liegt.

IMG_9154

Landschaft bei Riggisberg und Schwarzenburg mit Ziegen

In der Ortschaft Schwarzenburg entdecke ich ein Verkehrsschild auf dem «Guggisberg» draufsteht.

IMG_9155

Verkehrsschilder in Schwarzenburg

Dieses Schild erinnert mich an das wohl berühmteste und auch schönste Schweizer Volkslied, das sogenannte «Guggisbärglied», das auch «‘S Vreneli ab äm Guggisbärg» betitelt wird. Es ist eines der wenigen Schweizer Volkslieder, welches in Moll steht und so die Tragik der Liebesgeschichte in diesem Lied gut zum Ausdruck bringt. Hier zwei speziell für meine Leser ausgewählte Versionen dieses Liedes.

https://www.youtube.com/watch?v=ao-6AfFkIcI

https://www.youtube.com/watch?v=WN0PS9yHoaY

Von Schwarzenburg sause ich hinunter an die Sense, den Grenzfluss zwischen dem Kanton Bern und dem Kanton Fribourg. Leider geht’s auf der anderen Seite gleich wieder hoch. Es ist so heiss heute wie im Sommer und da es auf dieser Strasse einigen Verkehr hat, bräuchte ich diese Steigung nicht zu meinem Glück.

IMG_9157

Grenze zum Kanton Fribourg bei Sense

Glücklicherweise bietet sich auf dreiviertel Höhe dieser Steigung ein wunderbares schattiges Plätzchen für eine Mittagsrast an.

IMG_9158

Mittagsrast

Zum Glück ist dies die letzte Steigung des Tages. Von nun an geht’s meist abwärts Richtung Fribourg, meinem heutigen Etappenziel. Ich erblicke im Westen den Höhenzug des Juras mit dem Chasseral als höchstem Punkt.

IMG_9162

Bei Heitenried, Aussicht in den Jura mit Chasseral (Bildmitte)

Mit dem Chasseral verknüpfe ich Jugenderinnerungen. Mit unserem Deutschlehrer haben wir dort einst vor vielen Jahren auf einer Schulreise übernachtet. Und es war nicht irgendein Deutschlehrer, sondern der berühmte Markus Werner, der nach seiner wohl nicht so befriedigenden Lehrerzeit bedeutender Schweizer Schriftsteller geworden ist. Ein Satz, den Markus Werner abends, als wir zusammensassen, an mich richtete, ist mir bis heute in Erinnerung geblieben: «Wäber, suufsch kän Wii?» (Weber, trinkst du keinen Wein?). Ich muss anfügen, dass wir damals etwa 17 Jahre alt waren.

Markus Werners Erstlingsroman „Zündels Abgang“ finde ich übrigens sein gelungenstes Werk.

kurze Radiosendung über „Zündels Abgang“

Bald schon bin ich in Fribourg/Freiburg, eine zweisprachige Stadt, die an der Sprachgrenze liegt und die von einer Flussschlaufe der Saane umgeben ist.

IMG_9166

Fribourg und Saane (mit vergitterte Brücke, damit man nicht von der Brücke springt)

Es war ein unglaublich schöner Tag heute mit Bilderbuchwetter und dazu auch eine landschaftlich sehr reizvolle Etappe. Nur das Auf und Ab hat mich ziemlich fertig gemacht am heutigen Tag. Deshalb lege ich mich nach der Dusche aufs Bett und mache ein ausgiebiges Nachmittagsschläfchen, bevor ich mich ans Blogschreiben mache.

Abends schlendere ich noch ein wenig in dieser etwas nüchtern wirkenden, aber interessanten Stadt herum auf der Suche nach einem lauschigen Plätzchen in einem Restaurant.

IMG_9168

Fribourg im Abendlicht

Ich habe Glück und find eines. Mmh, lecker, Spaghetti Bolognese:

IMG_9171

 

Fakten Interlaken – Fribourg:
Fahrzeit ca. 5 Std. 30 Min.
74.4 km Strecke
1’040 m hinauf
1’000 m hinab

CH Rundreise Day 3

CH Rundreise Day 3 profil

 

 

Luzern – Interlaken (Schweizer Rundfahrt Day 2)

Nach gutem Schlaf begebe ich mich um 07.00 in den Frühstücksraum; es hat sehr wenig Gäste – aus verständlichen Gründen – und ich setze mich an einen coronaunfreundlichen Tisch, auf dem schon alles vorbereitet ist, nur noch Kaffee und Orangensaft wird mir von der Kellnerin gebracht.

Bald schon breche ich auf und verlasse Luzern wieder auf dem gleichen Weg auf dem ich gekommen bin – der Reuss entlang.

IMG_9065

Rückblick auf Luzern

Bald biege ich aber links ab und es erwartet mich schon die erste Steigung des Tages – es sollte nicht die letzte sein. Nachdem ich Littau durchquert habe, geht’s nun ins Entlebuch, das Tal, das von der kleinen Emme durchflossen wird. Vor Malters überquere ich diesen munter dahinplätschernden Fluss, der aber bei Unwettern auch schon Unheil angerichtet hat.

IMG_9067

Kleine Emme bei Malters

In Malters rufe ich einen guten Freund an, der mit mir an Lehrmittelprojekten mitarbeitet, gerne hätte ich ihm Hallo gesagt und einen kurzen Schwatz geführt, er nimmt das Telefon aber nicht ab, vielleicht ist er ja gerade in einer Videokonferenz mit seinen Schülern.

Kurz nach Malters biegt mein Weg links ab, das ist eine Abkürzung, der Weg entlang der kleinen Emme wäre viel weiter gewesen. Als ich diese Holzbeige mit dem Blindfenster entdecke muss ich schmunzeln – das gibt doch ein tolles Fotosujet her:

IMG_9070

Holzbeige mit Fenster

Es ist fast immer das Gleiche mit den Abkürzungen: Der Weg ist zwar kürzer, dafür muss man Höhenmeter überwinden. Auch diesmal ist es so, zu Beginn ist es so steil, dass ich mein Fahrrad schieben muss. Ich habe aber einen schönen Rückblick

IMG_9071

Landschaft bei Malters

Bis fast auf 1000 Meter ü. Meer steigt die Strasse an, bis sie wieder hinunter zur Ortschaft Entlebuch führt. Ab da ist die Route meist auf der Hauptstrasse, was ziemlich unangenehm ist, da es ziemlich viel Verkehr hat an diesem Mittwoch morgen.

In Schüpfheim (von den Einheimischen Schüpfä genannt) mache ich mal wieder einen Fotostopp.

IMG_9075

Schüpfheim

In einem Café in diesem Ort decke ich mich mit Proviant ein und trinke hurtig einen Kaffee. Ich möchte nicht zu viel Zeit verlieren, denn ich bin ziemlich langsam unterwegs heute wegen den vielen Steigungen, die ich zu bewältigen hatte. So breche ich bald wieder auf.

Nach Schüpfheim ist die Route nun endlich ziemlich gleichmässig eben, dazu hat es einen schmalen Radweg und der Rückenwind gibt mir auch Unterstützung – so gefällt’s!

IMG_9076

Radweg nach Escholzmatt

In der nächsten grösseren Ortschaft, Escholzmatt, befindet sich die Wasserscheide zwischen kleiner Emme und Ilfis, die im Gegensatz zur kleinen Emme nach Westen fliesst.

IMG_9077

Escholzmatt

Nach kurzer Abfahrt biege ich links weg und komme in ein sehr schönes Tal, das nach Marbach führt. Hier hat es wenig Verkehr und ich komme gut vorwärts auf dem neu angelegten Radweg.

IMG_9080

Radweg Richtung Marbach

Nach einer angenehm zu bewältigenden Anhöhe komme ich nun in den Kanton Bern. Offenbar ist hier Beat Feuz, der Schweizer Abfahrtsskistar aufgewachsen, denn ich werde begrüsst mit seinem Bild und ich würde mich nun im Weltmeistertal befinden. Das Weltmeistertal ist das hintere Emmental und die Ortschaft heisst Schangnau.

IMG_9086

Schangnau im Emmental

Eigentlich würde der Weg hier weiter nach Thun führen (mein usprüngliches Etappenziel). Ich hatte aber dann die Idee nach Interlaken zu fahren. Das Problem dabei: Der Weg führt über einen kleinen Pass, den ich nicht kenne und der ziemlich hoch ist mit seinen 1550 Metern.

Zuerst aber geht’s runter an die Emme, die Abfahrt macht Spass. Doch sobald ich die Emme überquert habe, hört der Spass auf. Eine ruppige Steigung erwartet mich. Ich steig von meinem Drahtesel und schieb und schieb. Es hat kaum Leute hier auf diesem Nebensträsschen, nur einmal werde ich locker flockig von einem Paar mit E-Bikes überholt, denen ich zurufe, ich hätte auch gerne ein E-Bike – aber insgeheim wünsche ich, dass ihr Aku bald leer ist.

Die Steigung ist endlos, aber die Strasse führt durch eine schöne Landschaft mit immer wieder ändernden Ausblicken

IMG_9089

Rückblick auf Schangnau

Sehr froh bin ich, als der Weg ebener wird und ich nun endlich wieder fahrenderweise vorwärts komme.

IMG_9092

Richtung Eriztal

Auf einer Anhöhe auf der ich einen Ausblick ins Eriztal habe (von diesem Tal habe ich noch nie gehört), mache ich meinen Mittagshalt.

IMG_9095

Eriztal

Dieses Tal fahre ich in der Folge hoch. Bald schon muss ich vom Velo steigen, ein steiler  Schotterweg macht ein vernünftiges Fahren unmöglich.

IMG_9096

Auf dem Weg zum Grünbergpass

Es ist aber sehr schön hier und ausser 2 Mountainbikern und ein paar wenigen Wanderern begegnet mir auf dem Aufstieg zu diesem Säumerpass niemand.

IMG_9097

Eriztal

Ich schieb und schieb, während der Weg immer schlechter wird und die Steine darauf immer grösser werden. Ich komme mir vor wie ein Bergwanderer, der dummerweise noch ein Fahrrad dabei hat.

IMG_9105

Nicht gerade das, was man sich unter einer Fahrradroute vorstellt!

Als ich endlich oben bin, erwartet mich ein wunderbares Plätzchen mit einer tollen Aussicht und mit Bänken, die mich zu einem Nickerchen einladen – ich lass mich nicht zweimal bitten und lege mich für ein Viertelstündchen hin.

IMG_9108

Beim Grünbergpass

Gespannt bin ich auf die Abfahrt, oder muss ich wie aufwärts zu Fuss gehen, weil der Weg so schlecht ist? Zum guten Glück ist der Weg auf der Südseite dieses Passes weniger ruppig; ich gehe zwar zu Beginn auch ein Stückchen zu Fuss – aber bald schon kann ich fahren, langsam zwar und dabei muss ich höllisch aufpassen, dass ich nicht über zu grosse Steine oder zu schnell über Wasserrinnen fahre.

Bald schon ist die Strasse geteert, ich bin sehr froh darüber.

IMG_9110

Strasse oberhalb von Habkern

Unterwegs überhole ich drei Wanderer mit Hund. Als ich vorbeifahren möchte, ruft jemand «Pass auf Beni». Ich rufe zurück «Heisst der Hund Beni?». «Ja», sagt die Frau. Ich entgegne, dass ich auch so heisse und wir müssen alle lachen…

Von Habkern wird die Strasse breit und komfortabel. Im Nu bin ich unten in Interlaken, respektive Unterseen, wo sich mein Hotel befindet. Dort angekommen unterhalte ich mich ein wenig mit dem Gastgeber, der mir davon erzählt, wie anders es nun sei hier in Interlaken seit dem Corona-Lockdown.

Vor dem Duschen sehe ich mich noch ein wenig um hier in Interlaken, fahre die Flaniermeile hoch und sehe die leeren 5-Sterne-Hotels, die immer noch geschlossen haben. Interlaken selbst hat – so wie ich finde – eigentlich nicht allzu viel zu bieten; es sind sicher die nahen, berühmten Berge, die diesen Ort attraktiv machen.

Das schönste Sujet bieten die Baby-Schwäne, die wirklich süss sind.

IMG_9116

Schwäne in der Aaare

Und damit man mir glaubt, dass ich in Interlaken war, hier noch in Bild eines berühmten Hotels in diesem Ort.

IMG_9120

Hotel Victoria, Interlaken

Kulinarisch habe ich auch heute abend Glück: Gleich neben dem Hotel befindet sich ein italienisches Restaurant mit grosser Gartenwirtschaft. Gerne setze ich mich dort an einen freien Tisch und geniesse einen gemischten Salat und Penne Arrabiata; natürlich darf der Corretto con Grappa zum Schluss nicht fehlen.

IMG_9123

Nachtessen im Ristorante Arcobaleno, Oberseen.

Ich bleibe noch lange sitzen und beginne am meinem Blog zu schreiben.

Zurück im Hotelzimmer schau ich aus meinem Fenster und erblicke als Krönung des Tages die im Abendlicht strahlende Jungfrau, den nebst dem Matterhorn bekanntesten Berg der Schweiz.

IMG_9126

Blick auf die Jungfrau

Mit diesem schönen Eindruck endet ein abenteuerlicher, aber sehr schöner Tag.

Die heutige Tour ist nur hartgesottenen Tourenfahrern zu empfehlen, denen es nichts ausmacht, zusammen mit dem Fahrrad eine Bergwanderung zu machen. Ich habe die heutige Etappe aber trotz aller Mühen sehr genossen.

Fakten: Luzern – Interlaken
07:35 Fahrzeit
76,0 km Strecke
10,0 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
1’940 m bergauf
1’830 m bergab
CH Rundreise Day 2

 

 

 

 

 

 

Zürich – Luzern (Schweizer Rundfahrt Day 1)

Da ich ein paar Tage frei habe und schönes Wetter ist, nehme ich heute meine geplante Schweizer Rundreise in Angriff. Um 14.15 startet meine Tour gleich beim Opernhaus Zürich. Der Sechseläuteplatz ist ziemlich leer heute; vor ein paar Tagen haben hier noch Corona-Antilockdown-Aktivisten demonstriert. Ich mache eine Foto des Opernhauses Zürich.

IMG_9037

Opernhaus Zürich

Da das Opernhaus leider momentan geschlossen ist, kann man jedes Wochenende eine gestreamte Aufführung dieses Hauses erleben, ein Angebot, von dem ich auch Gebrauch mache.

Kurz darauf überquere wieder einmal die Quaibrücke und weil der Blick von dieser Brücke jedesmal wieder erfreut, mache ich doch gleich zwei Fotos.

IMG_9038

Zürichsee

IMG_9041

Zürich Altstadt

Längere Zeit fahre ich danach durch Zürich Richtung Westen. Es hat ziemlich viel Verkehr, von Corona ist kaum mehr etwas zu spüren, da nun ja auch die Geschäfte wieder geöffnet haben.

Beim Letzigrundstadion halte ich kurz und mache ein Bild. Fussball wird ja momentan nicht gespielt in der Schweiz, dies im Gegensatz zu Deutschland.

IMG_9042

Zürich, Letzigrundstadion

Nach ca. einer halben Stunde Fahrt bin ich plötzlich im Grünen und auf dem Land

IMG_9043

bei Zürich Altstetten

Ich umrunde den Uetliberg, den Hausberg von Zürich und gelange bald nach Birmensdorf, eine Ortschaft, die ein bisschen abgelegen ist und vor allem durch seine Militärkaserne bekannt ist.

IMG_9046

Birmensdorf

In der Folge geht’s einer Fahrradroute entlang Richtung Süden. Da heutige eine kräftige Bise weht, habe ich eine willkommene Windunterstützung und fast mühelos gleite ich durch das sogenannte Säuliamt.

IMG_9048

Blick auf den Uetliberg bei Bonstetten

Bald schon erreiche ich die Reuss, überquere sie und bin nun im Kanton Aargau

IMG_9050

Reuss bei Obfelden

Nach über zwei Stunden Fahrt gönne ich mir die erste richtige Pause, sitze auf eine Bank unter einer Linde und geniesse den Ausblick auf die Rigi.

IMG_9051

in der Nähe von Merenschwand

Bald schon breche ich wieder auf und folge der Reuss in einiger Entfernung Richtung Süden. Der Weg ist abwechslungsreich und ziemlich eben, bis ich etwa 20 km vor Luzern einen grösseren Hügel überqueren muss. Oben angekommen werde ich mit einer wunderbaren Aussicht auf den Pilatus belohnt.

IMG_9053

Blick auf den Pilatus

Später in der Ebene fahre ich nun entlang der Reuss. Es ist sehr angenehm, da der Weg oft im Schatten ist und eben bis nach Luzern führt.

Als ich die Stadtmauern von Luzern erreiche, erblicke ich in der Reuss einen Wellensurfer, der mithilfe eines elastischen Seiles im Wasser herumkurvt; das hatte ich noch nie gesehen bisher, es scheint eine neue Sportart zu sein – vielleicht heisst sie Bungee-Surfing? So würde ich sie jedenfalls nennen

IMG_9056

Reuss, Stadtmauern von Luzern

Um 18.45 Uhr komme ich in meinem Hotel in Luzern an, das ziemlich zentral gelegen ist. Nach einer kurzen Dusche schlendere ich noch ein wenig in dieser wunderschönen Stadt herum. Es ist belebt und in den Restaurants sitzen wieder ziemlich viele Leute, aber es ist natürlich kein Vergleich zu normalen Zeiten, wenn sich Touristenströme (vor allem Asiaten) durch Luzern zwängen wie wir letztes Jahr zur gleichen Zeit hier erlebt haben.

IMG_9059

Luzern – Vierwaldstättersee mit Rigi (links) und KKL (ganz rechts)

IMG_9060

Luzern – Kappellbrücke mit Pilatus im Hintergrund

In einem italienischen Restaurant setze ich mich in den Garten und geniesse Salat, Lasagne und ein kleines Bier. Das leiste ich mir jetzt, obwohl ich mal wieder abnehmen möchte – und ich bin stolz darauf, dass meine Selbstbeherrschung gross genug ist, dass ich nicht noch eines bestelle.

Wieder zurück im Hotel würde ich mich jetzt am liebsten gleich aufs Bett legen, aber ich sollte ja noch meinen Blog schreiben… und vielleicht doch noch ein zweites Bierchen trinken.

Fakten Zürich – Luzern
04:16 Fahrzeit
65,6 km Strecke
15,4 km/h Durchschnittsgeschw.
600 m bergauf
570 m bergab

 

CH Rundreise Day 1

 

 

 

 

C-Tour 8: Rund um den Zürichsee

Die letzte Corona-Tour setzt meinen Touren die Krone auf. Es geht heute rund um den Zürichsee. Nein, natürlich nicht unten auf den stark befahrenen Strassen dem See entlang, sondern meist auf Anhöhen bestehenden Radtouren entlang.

Heute sind wir früh unterwegs, schon um 07.35 fahren wir los; mein Sohn begleitet mich auch heute wieder, so habe ich Gesellschaft und geniesse es. Diretissima geht’s zuerst den Pfannenstil hoch; wir möchten auf die andere Seite unseres Hausberges gelangen, um an dessen Südflanke dem Panoramaradweg nach Zürich zu folgen.

Als wir oben auf der anderen Seite sind, befinden wir uns oberhalb der sogenannten Goldküste, und haben einen wunderbaren Blick auf See und Alpen im Hintergrund.

IMG_9005

Zürichsee mit Blick auf Alpen

Auf unserer Route, die stetig abwärts führt, kommen wir schnell vorwärts und sind schon bald in Erlenbach und haben von dort eine phantastische Sicht auf die Seegemeinden und die Albiskette mit Uetliberg im Hintergrund.

IMG_9008

Blick auf Küsnacht (Vordergrund), Zürichsee und Albiskette

In Zürich angekommen überqueren wir wieder wie am Vortag die Quaibrücke. Ich kann es nicht lassen, weil’s so schön ist hier, und mache wieder ein Foto von dieser Brücke aus.

IMG_9009

Zürich

Wir umfahren in der Folge das untere Seebecken und folgen dabei einer Veloroute, die in Zürich Wollishofen rechts abbiegt und uns auf eine Hügelkrete in einigem Abstand zum Zürichsee Richtung Osten führt. Bei Rüschlikon machen wir unsere erste Trinkpause.

IMG_9013

Fahrradroute bei Rüschlikon

Es folgt ein sehr schöner Abschnitt, auf dem schon ziemlich viele Hündeler, Jogger, Velofahrer und Spaziergänger unterwegs sind. Glück habe ich, als ein grosser Bernhardiner gerade vor mir über den Weg springt – beinahe hätte er den Bernhard auf dem Fahrrad über den Haufen gerannt.

Oberhalb von Thalwil bis Horgen verläuft die Radroute parallel zur Autobahn. Das ist nicht so phantasievoll und auch nicht so schön wegen dem Strassenlärm, aber manchmal hat man trotzdem einen schönen Ausblick.

IMG_9014

Blick auf den Zürichsee, oberhalb von Horgen

Oberhalb von Horgen verlässt die Route die Autobahn und biegt ins Gebiet des Horgenberges. Das ist eine sehr schöne Hochebene mit ländlichem Charakter.

IMG_9018

Horgenberg

Nach dem Dorf Hirzel präsentiert sich eine interessante Landschaft mit kleineren tropfenförmigen Hügeln, Drumlins genannt, welche in der Eiszeit unter durchfliessenden Gletschern entstanden sind.

IMG_9019

Landschaft bei Schönenberg mit Drumlin

Kurze Zeit später legen wir eine grössere Pause ein. Wir setzen uns auf eine Bank mit herrlichem Blick auf den oberen Teil des Zürichsees, den Obersee und den Säntis, den mit 2502 M.ü.M  höchsten Berg der beiden Halbkantone Appenzell.

IMG_9020

Blick auf Zürichsee, Obersee, Säntis

Von hier sind wir schnell unten am See und überqueren diesen auf dem Seedamm, der uns nach Rapperswil führt.

IMG_9021

Seedamm bei Pfäffikon (SZ)

In der Folge fahren wir, leicht erhöht, bis Stäfa dem nördlichen Ufer des Zürichsees entlang.

IMG_9022

Fahrradroute bei Feldbach

Bei Stäfa geht’s wieder aufwärts. Die Ausläufer des Pfannenstils bilden den letzten Aufstieg des Tages. Auf der anderen Seite blicken wir auf Oetwil a. See. Dieser Name ist ein wenig merkwürdig, denn es gibt hier weit und breit keinen See. Der Zürichsee ist mindestens 4 km entfernt.

IMG_9024

Oetwil a. See

Bald schon sind wir wieder zuhause und dürfen uns an den gedeckten Tisch setzen.
Die Corona-Touren, wie ich sie nenne, gehen damit zu Ende.

Ob ich an Auffahrt eine grössere Tour machen kann, steht noch in den Sternen, auch die geplante Sommerferientour nach Sylt ist noch unsicher wegen dem Coronavirus. Wir werden sehen.

C-Tour 8: rund um den Zürichsee
05:26 Fahrzeit
76,7 km Strecke
14,1 km/h Durchschnittsgeschw.
1’310 m hinauf
1’310 m hinunter

C-Tour 8 Plan

C-Tour 7: Zürich – Reppischtal – Türlersee

Die heutige Tour hat den Türlersee zum Ziel. Das ist ein kleiner See, den ich nur vom Hörensagen kenne, deshalb möchte ich ihn heute anfahren. Mein Sohn, der momentan in der RS ist, hat endlich mal wieder Urlaub bekommen, und da er  auch ein begeisterter Tourenfahrer ist, begleitet er mich heute. Das freut mich sehr.

Ca. um halb acht fahren wir los; zuerst führt uns der Weg der Forchbahn entlang bis nach Zumikon, das höher liegt als Egg. Da es auch heute morgen wieder ziemlich warm ist – zu warm für den April – kommen wir bald ins Schwitzen. Nach Zumikon sehen wir bis zur Hügelkette der Lägern

IMG_8964

Zollikerberg (vorne), Zürich (weiter hinten) und Lägern

Rasch sind wir in Zürich, da nun die Strasse konstant abwärts geht. Es hat kaum Verkehr an diesem Corona-Samstag-Morgen, nur vereinzelt sind schon Leute unterwegs, die ihre Wochenendseinkäufe machen.

Bald schon überqueren wir die berühmte Quai-Brücke über die Limmat beim Zürichseeende.

IMG_8965

Zürich mit Fraumünster, Kirche St. Peter, Grossmünster

Beim Blick auf die andere Seite sieht man die Hügelkette des Albis, auf deren Rückseite wir heute noch entlangfahren werden.

IMG_8967

Quaibrücke Zürich mit Blick auf den Zürichsee

In der Folge fahren wir längere Zeit mitten durch die Stadt; das habe ich noch nie gemacht, es ist aber, weil’s eben ist und meist Velostreifen benützt werden können, an diesem Morgen ziemlich angenehm.

Nach Zürich-Altstätten befinden wir uns plötzlich im Grünen und haben einen schönen Blick auf den Uetliberg (Hausberg von Zürich), den wir in einer weiten Schlaufe umrunden.

IMG_8968

Uetliberg

Beim Bahnhof von Urdorf hat man eine gute Impression von der Agglomeration im Limmattal. Im Zug, der soeben anhält, sitzen kaum Leute, es ist ein sogenannter Geisterzug, wie man ihn momentan häufig sieht in Zeiten des Corona-Virus. Immerhin fahren die Züge noch und das gibt einem das Gefühl einer gewissen Normalität in diesen abnormalen Zeiten.

IMG_8972

Bahnhof Urdorf mit Blick aufs Limmattal

Die Tour verlässt nun  das Agglomerationsgebiet rund um Zürich und führt uns in das Reppischtal, dem wir nun längere Zeit folgen. Kurz vor Stallikon haben wir wieder einen tollen Blick auf den Uetliberg (870 M.ü.M..) mit seinem 187 m hohen Fernsehturm.

IMG_8978

bei Stallikon, Blick auf den Uetliberg

Auf wenig befahrenen Nebenstrassen und Fahrradwegen führt uns der Weg zum Türlersee. Die Fahrradroute lotst uns auf einen Seerundgangweg, der direkt dem See entlangführt. Es ist sehr schön hier, weshalb wir hier eine Verpflegungspause einlegen.

IMG_8986

Türlersee

Der darauf folgende Abschnitt ist sehr schön. Man hat meist eine wunderbare Aussicht auf die Innerschweizer Alpen, wie hier bei Kappel am Albis.

IMG_8989

Kloster und Kirche Kappel am Albis mit Innerschweizer Alpen im Hintergrund

Als ich bei Kappel anhalte, um obiges Foto zu machen, erinnere ich mich an die „Kappeler Milchsuppe“. Da ich aber nur noch eine vage Ahnung habe von diesem historischen Ereignis, schau ich beim Blogschreiben abends nach und möchte nun den Lesern die Geschehnisse aus dieser alten Zeit nicht vorenthalten:

„Die so genannte Kappeler Milchsuppe steht im Zentrum eines wichtigen Ereignisses aus der Geschichte der Schweiz. Ende Juni 1529 marschierten die Zürcher Truppen gegen die Innerschweizer Kantone (Religionskrieg zwischen reformierten Zürchern und katholischen Innerschweizern). In diesem Ersten Kappelerkrieg konnte dank Vermittlung durch die neutralen Orte ein Bruderkrieg unter den Eidgenossen verhindert werden. Gemäss den Berichten nutzte das gemeine Fussvolk der beiden Heere die Zeit, während die Führer verhandelten, zu einer Verbrüderung und stellte bei Kappel am Albis genau auf der Grenze zwischen den beiden Kantonen einen grossen Kochtopf auf ein Feuer. Die Zuger sollen die Milch und die Zürcher das Brot für eine Milchsuppe beigesteuert haben, die dann von beiden Heeren gemeinsam verspeist wurde.“

Kappeler Milchsuppe v. Albert Anker

„Kappeler Milchsuppe“, Gemälde von Albert Anker

Wenig später, bei Ebertswil, sieht man den Zugersee und Zug, die Hauptstadt des Kantons Zug.

IMG_8990

Blick auf Zug und Zugersee

Bald darauf folgt eine erfrischende Abfahrt nach Sihlbrugg. Der Sihl folgend fahren wir nun ein Stück Richtung Zürich, bevor wir rechts abbiegen.

IMG_8991

Sihl

Das nun folgende Stück ist sehr steil – so steil, dass sogar mein sportlicher Sohn bald vom Rad steigt. Immerhin ist es angenehm kühl im Schatten der Bäume des sogenannten Wildnispark Sihlwald.

IMG_8992

Steigung Richtung Horgenerberg.

Als wir oben sind, sehen wir im Rückblick dieses eindrückliche Waldgebiet noch einmal.

IMG_8993
Sihlwald

Bald schon blicken wir von oben auf den Zürichsee herab.

IMG_8994

Zürichsee

Auf steilen Strassen sind wir schnell unten bei der Anlegestelle der Fähre in Horgen und können mit dieser bald über den Zürichsee setzen.

IMG_8998

Überfahrt über den Zürichsee

Den Schlussaufstieg über die Pfannenstilhöhen meistern wir auch noch und sind bald wieder zuhause.
Eine abwechslungsreiche Tour mit einigen Steigungen und Abfahrten ist geschafft.
C-Tour 7 Zürich – Reppischtal – Türlersee
05:11 Fahrzeit
72,7 km Strecke
14,0 km/h Durchschnittsgeschw.
1’140 m hinauf
1’140 m hinunter

C-Tour 7 Plan

C-Tour 6: Pfäffikersee – Winterthur – Greifensee

Die heutige Tour wird mich über Pfäffikon nach Winterthur und von dort zurück über den Greifensee wieder nach Hause führen.
Um 08.00 Uhr fahr ich heute los, die Temperatur ist wieder viel angenehmer als 2 Tage zuvor. Im hügeligen Gebiet zwischen Mönchaltorf und Wetzikon komme ich deshalb schon bald ins Schwitzen. Auf einer Hügelkuppe habe ich einen schönen Rückblick auf den Pfannenstil:

IMG_8940

Pfannenstil mit Mönchaltorf (vorne links), Egg (links) und Forch (rechts)

Nach Wetzikon gelange ich bald schon an den Pfäffikersee. Das ist ein sehr schöner See, den man auch gut zu Fuss umrunden kann. Der Fahrradweg auf der Ostseite führt zuerst durch ein Naturschutzgebiet. Wenig später gelange ich an eine Stelle, wo man freie Sicht auf den See und den Ort Pfäffikon hat.

IMG_8944

Pfäffikersee und Pfäffikon

Nach Pfäffikon steigt die Strasse an. Wenig später eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf das Alpenpanorama. Ein einzelnes Flugzeug zieht seine Kreise. Möchte der Pilot wohl ein Herz an den Himmel zeichnen?

IMG_8946

Alpenpanorama bei Pfäffikon

Bald erreiche ich die erhöht gelegene Ortschaft Russikon, ein noch ziemlich ursprünglich gebliebenes „Bauerndorf“.

IMG_8947

Kirche von Russikon

Nach Russikon habe ich einen Weitblick gegen Westen; hier sind keine Berge zu sehen, dafür die Lägern, eine Hügelkette, die sich fast durch die halbe Schweiz, nämlich bis zum Jura hinzieht.

IMG_8948

bei Russikon, Blick nach Westen mit Lägern (rechts von Bildmitte)

Das Wetter ist auch heute wieder traumhaft. Ein schöner Tag folgt dem anderen und Regen ist (leider) keiner in Sicht.

Den Streckenabschnitt, der folgt, habe ich schon in der Corona-Tour 2 befahren; über Theilingen, Weisslingen geht’s in rascher Fahrt wieder ins Tösstal hinunter. Diesmal biege ich aber links ab, als ich unten bin, ich möchte nun ja nach Winterthur fahren.
Bald schon erreiche ich die zweitgrösste Stadt des Kantons (gemäss Wikipedia leben hier 112’000 Einwohner) und fahre dem Mattenbach entlang fast mitten ins Zentrum dieser auch Garten- oder Eulachstadt genannten Stadt.

IMG_8949

Winterthur, Marktgasse

Beim Bahnhof fotografiere ich das Sulzer-Hochhaus, das moderne Wahrzeichen von Winterthur. In diesem Gebäude habe ich vor ca. 35 Jahren nach meiner Maturität ein paar Wochen als Aushilfe gearbeitet. Ich erinnere mich daran, in einem Personalbüro mit der Schreibmaschine irgendwelche Karteikarten über Weiterbildungen der Mitarbeiter aktualisiert zu haben, ziemlich langweilig, aber gut bezahlt.

IMG_8950

Sulzer-Hochhaus, Winterthur

Der Sulzer-Konzern war damals riesig, mein Schwager erzählt mir kurze Zeit später, dass alleine in Winterthur bis zu 13’000 Personen beschäftigt waren und weltweit über 30’000! Nach und nach aber wurde der Konzern „filettiert“ und heute ist nur noch ein kleiner Teil übrig geblieben von der einst so stolzen Firma.

Auf Wikipedia entdecke ich ein eindrückliches Bild vom Sulzerareal um 1907. Das Unternehmen wurde 1834 durch Johann Jacob Sulzer gegründet und baute in der Folge Maschinen und Pumpen aller Art.

Ohne Titel

Sulzerareal in Winterthur, Aufnahme von 1907

Da meine ältere Schwester in Winterthur lebt, und ich sie natürlich kurz besuchen möchte, verlasse ich meine Fahrradroute in der Ebene unten und fahre deshalb den Brühlberg hoch, in das Wohnquartier, in dem sie und mein Schwager wohnt.

 

IMG_8956

meine Schwester und mein Schwager

Sie vermissen ihre vielen Enkel, die sie momentan nicht sehen dürfen wegen dem Corona-Virus, geniessen aber auch die dadurch ruhige Zeit. Wir plaudern ein wenig miteinander in ihrem Garten und geniessen das fast schon sommerliche Wetter.
Bald brech ich wieder auf, ich hab ja noch ein ordentliches Stück vor mir.

In der Folge fahre ich über Effretikon und Volketswil Richtung Süden und gelange bei Schwerzenbach an den Greifensee.

IMG_8958

Greifensee bei Schwerzenbach

Für einen Freitag sind heute ziemlich viele Leute unterwegs, Familien mit Kindern, Rollerblader, Wanderer. Die Umrundung dieses Sees ist sehr beliebt. Vor allem an Wochenenden tummeln sich Scharen von Leuten rund um den See.

Der Ort Greifensee, den ich wenig später erreiche, ist ein altes historisches Städtchen mit Schloss und Kirche (mit speziellem Grundriss), die 1340 erbaut wurde.

IMG_8960

Schloss Greifensee

 

IMG_8961

ref. Kirche Greifensee,

Bei Uster mache ich das letzte Bild der heutigen Etappe. Die Fahrradroute befindet sich ganz nahe beim Ufer.

IMG_8963

Greifensee bei Niederuster

Bald schon bin ich wieder zuhause und erlebe dort die heutige Überraschung: Mein Sohn durfte nach 4 Wochen Militärquarantäne am Stück endlich mal wieder nach Hause am Wochenende. Es ist schön, ihn wieder gesund und munter zu sehen. Morgen möchte er sogar die nächste Corona-Tour mit mir zusammen fahren. Darüber mehr im morgigen Bericht.

C-Tour 6: Pfäffikersee – Winterthur – Greifensee
04:06 Fahrzeit
68,2 km Strecke
16,6 km/h Durchschnittsgeschw.
660 m hinauf
660 m hinab

C-Tour 6 map

C-Tour 5: Höhenklinik Wald u. Bachtel

Nach einem Tag Pause – die Pflichten riefen – zieht es mich heute wieder auf’s Fahrrad. Ziel der heutigen Rundfahrt ist das Zürcher RehaZentrum Wald (bis 2015 Höhenklinik Wald), welches auf einer Aussichtsterrasse gelegen ist.
Es ist sehr kalt heute morgen, kaum über dem Gefrierpunkt, aber ich habe mich warm angezogen, so dass mir die Kälte nichts anhaben kann.

Der Weg führt mich zuerst nach Grüningen, ein kleines Städtchen (mit Stadtrecht), im Grünen gelegen.

IMG_8903

Schloss und Kirche von Grüningen

Wiedereinmal komme ich an meinem Lieblingsseelein vorbei, dem Lützelsee. Diesmal aber von Norden her. Bekannt ist der Ort für seine grosse Storchenkolonie. Auf dem grossen Baum habe ich vor kurzem 14 bewohnte Storchennester gezählt.

IMG_8905

Storchenkolonie am Lützelsee

Die Fussgänger dürfen übrigens coronabedingt nur im Uhrzeigersinn um den See spazieren. Das ist sicher die bessere Lösung als den ganzen Uferweg zu schliessen.

IMG_8907

Lützelsee

In der Folge führt mich mein Weg ostwärts über Wolfhausen nach Rüti, einem grösseren Industrieort. Während ich gemütlich durch die morgendliche Landschaft fahre, denke ich an ein schönes E-Mail, das ich gestern von einem „väterlichen“ Freund erhalten habe, einem Pädagogen, Historiker, Musiker, Poeten (soeben entdeckt) und ehemaligen Mitstreiter bei Lehrmittelprojekten. Er hat meinen Blog über meine Corona-Touren gelesen und mir darauf mit einem sinnigen Gedicht geantwortet, und dazu geschrieben, es sei die Fortsetzung des Gedichtes in meiner Seitenspalte. (Ihr findet nun dieses Gedicht, ich habe es „Ich bleibe zuhaus“ betitelt, nun ebenfalls in der Seitenspalte).

In Rüti habe ich leider kein schönes Foto-Sujet entdeckt, dafür aber dieses einmalige Bild in Wikipedia gefunden, das der berühmte Walter Mittelholzer vom Flugzeug aus aufgenommen hat:

Rüti aus 300 m W. Mittelholzer

Rüti (historische Aufnahem von 1919), Rüti war bekannt für seine Textilindustrie

Nach Rüti folgt bald ein langer, gerader, aber zuerst angenehmer Aufstieg Richtung Goldingen.

IMG_8909

Blick auf den Atzmännig (Bildmitte)

Es ist ziemlich ruhig hier abseits der grossen Verkehrsströme. Auch am Himmel ist kein einziges Flugzeug zu sehen.

IMG_8910

Blick zurück oberhalb von Wald (ZH)

Die Strasse steigt stetig und windet sich nun den Hügeln entlang, bis ich nach einer Kurve die Höhenklinik erblicke. Die Kälber im Vordergrund gucken mich neugierig an, sind aber ziemlich schüchtern, als ich sie streicheln möchte. Sie scheinen das Social Distancing auch schon verinnerlicht zu haben.

IMG_8921

Rindvieh mit Höhenklinik Wald (im Hintergrund)

Am höchsten Punkt (930 M.ü.M.) mache ich eine Rast und geniesse den tollen Ausblick. Die Sicht geht dabei bis in die Berner Alpen: Eiger, Mönch und Jungfrau glaube ich zu erkennen.

IMG_8923

Ortschaft Laupen, Obersee u. Zürichsee, Schweizer Alpen

Gerne hätte ich im Café der Höhenklinik Kaffee und Kuchen genossen – wie auch schon, als ich vor zwei Jahren einen meiner Chorsänger dort besuchte. Das wird heute aber nicht möglich sein, leider, deshalb fahre ich an der Klinik vorbei. Auf der anderen Seite eröffnet sich mir dafür ein tolles Panorama mit Blick auf die Hügelkette beim Bachtel.

IMG_8924

Nähe Höhenklinik Wald, mit Bachtel (Bildmitte)

Die nun folgende Abfahrt führt über Oberholz (dort gibt’s sogar ein kleines Skigebiet) nach Gibswil. Von dort geht’s zuerst wieder steil aufwärts. Ich steig vom Velo und schiebe meinen Drahtesel, das mache ich immer, wenn’s zu steil wird, ich bin ja keine junge Bergziege mehr.

Unterwegs muss ich anhalten, eine grosse Kuhherde wird über die Strasse auf die Weide getrieben. 57 Kühe seien es insgesamt, sagt mir der Bauer. Das ist beachtlich.

IMG_8927

Oberhalb von Gibswil

Wenig später fahre ich an diesem mit viel Liebe gemalten Bleib-Gesund-Gruss vorbei. Ich bin gerührt.

IMG_8929

Bliib gsund / Bleib gesund

Im Rückblick sehe ich nun erstmals auch die Churfirsten, eine Bergkette zwischen Toggenburg und Walensee.

IMG_8930

Landschaft bei Gibswil, mit Blick auf Churfirsten (Bildmitte)

Bald schon bin ich oben, fast auf 1’000 M.ü.M., auf dem höchsten Punkt meiner heutigen Etappe. Die Bachtelspitze mit dem Aussichtsturm befindet sich zu meiner Linken in unmittelbarer Nähe.

Auf der anderen Seite dieser Passstrasse bietet sich mir eine neue, traumhafte Aussicht. Bis zur nördlichen Agglomeration von Zürich geht der Fernblick von hier aus.

IMG_8935

Blick auf Wetzikon und Pfäffikersee (Bildmitte).

Nach rasender Abfahrt über Girenbad und Wermatswil bin ich schon bald wieder in ebenerem Gelände. Kurz nach Hinwil hat man einen schönen Blick auf den Glärnisch mit seinem „Vrenelis Gärtli“, worüber es eine bekannte Sage gibt.

Sage über Vrenelis Gärtli

IMG_8936

Glärnisch

Auf mir bekannten Wegen geht es nun wieder Richtung Egg, wo ich zuhause bin.

Schon fast zuhause:

IMG_8939

Egg, Pfannenstil (links) und ref. Kirche (rechts)

Eine tolle Tour bei wunderbarem Wetter geht damit zu Ende.

C-Tour 5: Höhenklinik Wald u. Bachtel
04:47 Fahrzeit
59,8 km Strecke
12,5 km/h Durchschnittsgeschw.
1’140 m hinauf
1’140 m hinunter

C-Tour 5

C-Tour 4: Obersee

Heute fahre ich ziemlich spät los für meine Verhältnisse, nämlich um 8 Uhr. Das macht aber nichts, denn die heutige Etappe ist eine  „Dessert-Tour“  nach der „Hauptgang-Tour“ vom Vortag.

Zu Beginn führt mich der Weg wieder nach Rapperswil, denn ich möchte von dort den Obersee umrunden. Ich nehme zuerst den gleichen Weg wie am Vortag und mach wieder eine Foto an meiner Lieblingsstelle:

IMG_8867

Landschaft bei Oetwil a. See

Wenig später halte ich wieder an, um ein Foto zu machen, denn ich erspähe den Tödi, den mit 3’614 M.  höchsten Berg der Glarner Alpen.

IMG_8869

Glarner Alpen mit Glärnisch-Massiv (links) und Tödi (rechts)

Die Landschaft am Lützelsee präsentiert sich heute ganz anders als gestern, deshalb beglücke ich meine Leser wieder mit einem Bild dieses reizenden Seeleins, an dem schon Leute unterwegs sind an diesem frühen Morgen.

IMG_8871

Landschaft beim Lützelsee

Wenig später fahre ich wieder an Roger Federers 50-Mio.-Grundstück vorbei. Ich muss jetzt nicht mehr werweissen, ob das sein Grundstück sei, ich weiss es jetzt. Ich bin auch nicht neidisch – vor allem auch, wenn ich daran denke, wieviel Rasen ich hier mähen müsste.

Da ich heute mehr Zeit habe als gestern, fahr ich mitten durchs Städtchen Rapperswil:

IMG_8872

Rapperswil

Auch aus der Distanz ein tolles Sujet. Das Schloss habe ich vor langer, langer Zeit, als Primarschüler mal nachgefertigt, mithilfe eines Bastelbogens aus Karton.

IMG_8873

Rapperswil mit Hafen

Nach der Überquerung des Seedamms biege ich diesmal nach links ab, denn ich möchte ja den Obersee umrunden; das ist ein durch den Seedamm abgeschnittenes Teilstück des Zürich-Sees. Ich habe die nun folgende Strecke noch nie befahren und bin gespannt, was mich erwartet.

Zuerst führt mich die Route entlang einer breiten Strasse, was nicht sehr attraktiv ist. Deshalb fahre ich bei Gelegenheit an den See hinunter, muss aber erkennen, das hier auf dem Seeuferweg Fahrverbot herrscht.
Da es aber eine sehr schöne Stelle ist, mache ich eine kurze Pause. Wie schon bei meiner ersten Corona-Tour amüsiere ich mich über einen lustigen Hundenamen. „Gogo, nein, komm her!“ wird ein Hund von seinem Herrchen hergerufen, als er der sitzenden Velofahrerin etwas von ihrem Frühstück abbetteln will.

IMG_8876

Szene am Obersee (Gogo im Wasser schwimmend)

Der Name erheitert mich, denn ich muss daran denken, wie unsere Tochter sich im Alter von ca. 6 oder 7 Jahren sehnlichst einen „Gogo“ zu Weihnachten wünschte, einen batteriebetriebenen elektronischen Stoffhund – und sich das Ganze zu einem Drama entwickelte, weil einfach kein „Gogo“ aufzutreiben war, da die „Gogos“ damals gerade in Mode waren und alle einen „Gogo“ wollten. Den „Gogo“ konnten wir schliesslich doch noch organisieren – die Freude unserer Tochter über „Gogo“ war aber, wie zu erwarten war, leider nur kurzlebig und die ganze Aufregung um „Gogo“ deshalb ziemlich  „gaga“.

Die Veloroute verlässt glücklicherweise wenig später die Hauptstrasse und führt mich mitten durch den Ort Lachen, der von einer riesigen Kirche dominiert wird. Die Zwiebeldächer der beiden Kirchtürme erinnern mich dabei an die Kirchtürme  in Bayern.

IMG_8877

Lachen

Wenig später – beim Flughafen Lachen (ohne Flugzeuge) –  habe ich einen wunderbaren Weitblick in die Linthebene.

IMG_8879

Linthebene bei Lachen

Es ist sehr eben hier und deshalb ideal zum Rollerbladen und Velofahren.

Nachdem ich die kleinere Ortschaft Nuolen durchquert habe, muss ich rechts abbiegen, von nun an führt die Strasse nicht mehr dem See entlang. Als ich abbiege, entdecke ich ein Schild, auf dem „Kuster Sandsteine“ steht. Interessant, denke ich, denn ein sehr guter Freund meines Sohnes ist ein Sprössling der Kuster-Sandstein-Dynastie. Und als ich sehe, dass sich zu meiner Rechten ein Golfplatz befindet und ich mich daran erinnere, gehört zu haben, dass mal ein Golfball bei Kusters ins Badezimmer flog, habe ich die Vermutung, dass die Kusters wohl irgenwo hier in der Nähe wohnen. Und so ist es denn auch. 50 m weiter, direkt an der Veloroute – ist der Briefkasten eines Hauses mit „Kuster“ angeschrieben. Ich sehe durch ein Fenster Personen am Frühstücken und winke deshalb einfach mal. Und tatsächlich: Kusti, so nennt mein Sohn seinen Freund, erscheint und ist sehr überrascht mich hier zu sehen. Netterweise werde ich zu einem Kaffee eingeladen und habe dabei Gelegenheit, ein wenig mit Kusti und seiner Freundin zu plaudern.

IMG_8883

Kusti und der Blogschreiber

Nach dieser für alle Beteiligten überraschenden Begegnung geht’s nun auf der Vorderseite des Buechbergs einem Golfplatz entlang, der sich über ein grosses Gebiet erstreckt.

IMG_8885

Golfplatz bei Nuolen

Da mich die Veloroute nun weit oberhalb der Linthebene durchführt, habe ich einen wunderbaren Weitblick und nachdem ich die Ortschaft Tuggen durchfahren habe, komme ich bald an die Stelle, wo der Linthkanal überquert werden muss.

IMG_8887

Linthkanal bei Schloss Grynau, mit Mürtschenstock (Bildmitte)  im Hintergrund

Wenig später erreiche ich die Ortschaft Schmerikon. Hier möchte ich einen ehemaligen Lehrerkollegen besuchen, der mir auf meinen ersten Corona-Tour-Bericht hin geschrieben hatte, ich solle doch vorbeikommen, wenn ich in der Gegend sei. Das mache ich natürlich gerne, ich habe heute ja auch genügend Zeit für einen zweiten Schwatz.

IMG_8892

Bei Koe und Ruth

Koe (eigentlich Hans-Jakob) ist legendär für seine professorale Vergesslichkeit. Die lustigste Begebenheit diesbezüglich: Da ein Schüler eine Nachprüfung schreiben sollte in der letzten Lektion an einem Samstagmorgen (!), schloss er diesen mangels freier Zimmer zu diesem Zweck in den Luftschutzraum ein – vergass ihn dann aber und fuhr nach Hause. Unterwegs bemerkte er glücklicherweise sein Malheur…

Kurz nachdem ich wieder aufgebrochen bin, befahre ich die Strandpromenade von Schmerikon. Es ist unglaublich schön hier:

IMG_8888

Schmerikon

Das Stück das darauf folgt, ist traumhaft, die Fahrradroute führt nun meist dem Seeufer entlang. Es sind ziemlich viele Leute unterwegs an diesem schönen Ostermontag, aber die Menge hält sich, wohl coronabedingt, in Grenzen.

IMG_8893

Obersee

Als ich auf die gegenüberliegende Seeseite blicke, entdecke ich Kusters Sandsteinbruch und die kleine Hügelkuppe rechts davon, wo ich ca. 2 Stunden vorher durchgefahren bin.

IMG_8894

Obersee, Kusters Sandsteinbruch am gegenüberliegenden Seeufer

Kurz darauf passiere ich das wunderschön am See gelegene Kloster Mariazell in Wurmsbach, welches auch ein bekanntes Mädcheninternat beherbergt. Gemäss Infotafel existiert dieses Zisterzienserinnen-Kloster seit 1259 (also schon vor Gründung der Eidgenossenschaft um 1291). Offenbar gibt es auch ein Gästehaus hier für (Jakobs)pilger. Das wusste ich nicht.

IMG_8897

Kloster Mariazell, Wurmsbach

Bald schon bin ich wieder in Rapperswil, nehme von dort nun aber einen anderen Rückweg nach Egg. Die Veloroute führt mich durch die schöne Züri-Oberland-Landschaft an Gossau und Grüningen vorbei.

IMG_8901

Gossau (ZH)

Als ich mich kurz vor Egg befinde, steige ich vom Velo und mache ein Bild dieser mir wohlvertrauten Landschaft. Unter dem blühenden Apfelbaum ist gerade eine (Hobby)fotografin am Werk. Mit Hingabe fotografiert sie die Blüten dieses Baumes.

IMG_8902

Landschaft bei Egg (ZH)

Eine wunderbare, auch für Senioren geeignete Etappe, geht damit zu Ende.

Ich habe nun vier sehr schöne österliche Touren rund um meinen Wohnort herum gemacht und dankbar und staunend die Schönheit meiner näheren Umgebung (wieder)entdecken und geniessen können (Warum in die Ferne schweifen? – Das Gute liegt so nahe!)  – und dies bei strahlendem Frühlingswetter! Das Tüpfelchem auf dem i waren dabei die täglichen unverhofften und überraschenden Begegnungen mit mir lieben Menschen.

Damit sind meine Oster-Corona-Touren 2020 beendet. Da ich nun aber noch zwei Wochen Ferien habe und die geplanten Tessin-Ferien coronabedingt im Lago Maggiore versenkt wurden, werde ich bei schönem Wetter weitere Corona-Rundtouren von zuhause aus durchführen.

Ich danke allen meinen Lesern für ihre Feedbacks und Kommentare. Es tut immer gut, wenn man hört, dass die Berichte Gefallen finden; und falls ihr automatisch informiert sein wollt, wenn ich weitere Velotouren-Berichte veröffentlicht habe, dürft ihr mich gerne „followen“.

Bleibt gesund!!!

C-Tour 4: Obersee
04:59 Fahrzeit
69,9 km Strecke
14,0 km/h Durchschnittsgeschw.
740 m hinauf
740 m hinunter

C-Tour 4 Obersee