Day 1: Bayreuth – Bamberg (Main-Tour)

Die diesjährige Herbsttour begann gestern mit einer fast pannenfreien Anfahrt per Bahn von Zürich nach Bayreuth. Erst als ich schon fast in Bayreuth war, gab’s noch eine Stellwerkstörung, die eine Verspätung von einer halben Stunde verursachte.

Trotzdem blieb noch Zeit, diese Stadt zu erkunden. Der erste Eindruck war eine Nazikundgebung gleich vor dem Hotel; ziemlich hässlich, aber zum guten Glück nur eine Handvoll Leute, die unverständliche Parolen schrien und die anwesende Polizei beleidigte, die das Ganze aber gelassen über sich ergehen liess.

Nazis an einer Manifestation in Bayreuth

Nach kurzem Weitermarsch stand ich plötzlich vor dem Haus Wahnfried, dem ehemaligen Wohnhaus Richard Wagners. Da das Wagner-Museum gleich schliessen würde, begnügte ich mich mit einem Kaffee im Café Wahnfried – die letzten Sonnenstrahlen geniessend.

Haus Wahnfried, Bayreuth

Die Stadt Bayreuth gefällt mir sehr gut, und da es wenig Touristen hat, kommt sie ziemlich authentisch herüber.

Dinosaurier in Bayreuth

Mein Hotel liegt an der Opernstrasse, in der Nähe des berühmten barocken Opernhauses, wo an den Sommerfestspielen jeweils die Wagner-Opern zelebriert werden.

Hotel zum Goldenen Anker

Nach exquisitem Nachtessen im Hotel (Hab ich das wirklich schon verdient, frage ich mich), erholsamem Schlaf und üppigem Frühstück möchte ich an diesem Sonntagmorgen um ca. 09.00 Uhr losfahren. Es ist putzekalt an diesem Morgen, nahe am Gefrierpunkt. So ziehe ich fast alles an, was ich an Warmem dabei habe, zwei Paar Handschuhe, meine Langlaufmütze, den Faserpelz und über meine Velohosen und die Beinstulpen ziehe ich noch eine halblange Wanderhose, die ich im letzten Moment eingepackt hatte. Ein wenig Sorge bereiten mir die Füsse. Fusswärmer habe ich nicht dabei, aber die Skisocken, die ich bei Herbsttouren jeweils trage, sind Gold wert. Dank dieser winterlichen Ausrüstung friere ich kaum.

Raureif bei Bayreuth

Ohne Pause zu machen fahre ich über 2 Stunden am Stück, eine kleine Pause mache ich erst, als mich ein schöner Apfel von einem Apfelbaum her anlacht – den lasse ich mir nicht entgehen, denk ich, pflück ihn und geniesse ihn wenig später auf einer Bank.

Der rote Main, dem ich zu Beginn entlangfahre, ist anfangs eher noch ein Bach, dafür aber sehr idyllisch.

Roter Main in der Nähe von Bayreuth

Ich sehe den Main heute aber nicht so oft, der Fahrradweg entfernt sich manchmal vom Fluss und führt stattdessen durch schöne Dörfer, die abseits liegen.

Es ist wunderbar heute und je länger der Tag dauert, desto mehr Velofahrer sind unterwegs. Es sind aber keine Tourenfahrer, sondern meist betagtere Leute mit ihren E-Bikes.

Gegen Mittag meldet sich der erste kleine Hunger. Ein Café, wo ich mich draussen an die Sonne setzen könnte, wär schön, denke ich. Das Glück ist mir hold; gerade zur richtigen Zeit finde ich das Gewünschte in Lichtenfels, einer kleinen Stadt, die ich aber nicht näher besichtige.

Kaffee und Kuchen in Lichtenfels

Da noch ein ordentliches Wegstück zu bewältigen ist, breche ich bald wieder auf.

Der Weg ist ziemlich abwechslungsreich im weiten Oberen Maintal und führt durch schöne Landschaften auf wenig befahrenen Nebenstrassen oder Fahrradwegen Richtung Westen.

Oberes Maintal in der Nähe von Bamberg

Gegen 16.30 Uhr erreiche ich Bamberg, das sich in wunderschönem Abendlicht präsentiert.

Bamberg mit Main

Ich staune nicht schlecht, als ich sehe, welcher Betrieb in den Gassen dieser schönen Stadt herrscht. Es ist doch Sonntag und schon wieder recht kühl. Das hält die Leute aber nicht davon ab, draussen zu sitzen oder zu stehen, ein kaltes Bier zur trinken und viel Lärm zu machen.

Viel Betrieb in Bamberg beim Hotel Alt-Ringlein, wo ich übernachten werde.

Da ich in dieser Stadt schon auf meiner grossen Deutschlandtour Halt gemacht hatte, verzichte ich auf eine Sightseeingtour. Stattdessen setze ich mich nach der heissen Dusche bald ins hoteleigene Restaurant. Ich darf Platz nehmen an einem Tisch, an dem schon ein junger Mann sitzt: ein Amerikaner aus Texas, wie sich im Gespräch herausstellt, der in Deutschland Orte besucht, in denen er als Soldat stationiert war vor 10 Jahren. Er spricht nicht Deutsch, so habe ich Gelegenheit, wieder einmal mein Englisch aufzufrischen.

Nachtessen im Gasthof Alt-Ringlein

Er erzählt mir von seiner Freundin, die Medizin studiere und in einem Chor singe, der «BCM Docappella» heisse und «quite good» sei, aber dass könne ich als Chorleiter vielleicht besser beurteilen als er. BCM Docappella in Action:

Crazy (Gnarls Barkley) – BCM Docappella Cover – YouTube

Ja, sie sind wirklich gut, aber die Stücke, die sie singen, nicht so mein Stil.

Er sei übrigens fast ein wenig froh, dass seine Freundin ihn nicht begleite auf seiner Europa-Reise, weil man hier so viel Schweinefleisch esse und sie als Muslimin (aus Bangladesh stammend) kein Schweinefleisch esse.

Nach dem Essen und dem interessanten Gespräch mit dem jungen Amerikaner gehe ich schon bald aufs Zimmer und schreibe an meinem Blog.

Fakten Etappe 1: Bayreuth-Bamberg
gefahrene Strecke: 100 km
Fahrzeit: 6 Std. 22
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.8 km/h
bergauf: 760m
bergab: 860m


Day 8: Orange – Arles (Basel-Arles-Tour)

Heute bin ich ein bisschen später dran, die letzte Etappe meiner diesjährigen Sommertour ist nicht so weit, so habe ich mir erlaubt, mal ein bisschen länger zu schlafen und später loszufahren.

Orange, Hotel Saint-Florent, am frühen Morgen

Heute morgen hole ich das Verpasste des Vortages nach. Ich werfe noch einen Blick auf das römische Theater von Orange, welches ja die Sehenswürdigkeit dieser Stadt ist. Mein Hotel liegt nur unweit dieses monumentalen Baus aus der Römerzeit.

Römisches Theater von Orange, Aussenfassade

Es ist heute morgen wieder leicht bewölkt, ich bin froh darüber. Schon bald bin ich wieder in der Natur draussen und bin erstaunt, dass die Strasse ziemlich stark ansteigt.

Morgenstimmung bei Orange

Ich bin nun in der Region von Château-Neuf-du-Pape, in der Gegend eines berühmten Weinbaugebiets. In der Tat „streife“ ich die auf einer Anhöhe gelegene Ortschaft gleichen Namens. Ich vermute, dass die grosse Schlossruine wohl das Schloss eines Papstes von Avignon war und der Ort deshalb so heisst.

Château-Neuf-du-Pape

Die Fahrt geht nun längere Zeit auf guten Wegen durch Weinberge und führt nun meist leicht abwärts. Unten, wieder in der Rhone-Ebene angekommen, ist schon bald die Agglomeration von Avignon spürbar, ich fahr nun meist auf Velostreifen auf Autostrassen, die in einem schlechten Zustand sind – ein richtiger Flickenteppich mit vielen Unebenheiten, ich muss gut aufpassen, wo ich durchfahre.

Als ich nach ca. 2 Stunden das geschichtsträchtige Avignon erreiche, lasse ich es mir nicht nehmen, mitten durch die Altstadt zu fahren und beim Palais des Papes einen grösseren Kaffeehalt zu machen. Seit längerem höre ich wieder einmal Schweizerdeutsch, Zürichdeutsch genau genommen, ich habe es nicht vermisst.
Es ist schon spürbar, dass aufgrund von COVID weniger ausländische Touristen als sonst die touristischen Hotspots bevölkern. Asiatische Touristen sind zum Beispiel keine zu sehen.

Avignon, Palais des Papes

Als ich Avignon verlasse, erblicke ich die alte, nicht mehr vollständig erhaltene Brücke über die Rhone, die wohl der Gegenstand des berühmten französischen Volksliedes «Sur le Pont d’Avignon» ist.

Sur le pont d’Avignon (Lied):
Lied

Sur le pont d’Avignon (Doku):
Film über rekonstruierte Brücke

Le Pont d’Avignon

Die Fahrradroute ist nach Avignon wieder sehr schön und abwechslungsreich. Vor allem die «voies vertes», Radwege auf stillgelegten Bahntrassees, mag ich besonders.

«voie verte» Richtung Beaucaire

Die Stadt Beaucaire, die ich als nächstes durchfahre, verströmt in eigenartiges Flair. Die Altstadt ist sehr gross, sie wirkt aber ziemlich verlottert und es hat kaum Geschäfte und Leben. Nur eine südamerikanische Hochzeit (bolivianische Indios, vermute ich), in dessen Corso ich gerate, versprüht Lebensfreude.

bolivianischer (?) Hochzeitscorso in Beaucaire

Das Leben spielt sich am Rande dieser Stadt ab, merke ich wenig später, als ich an den Kanal Rhône-Sète gelange. Hier hat es einige Strassenbistros und es ist belebter als in der Innenstadt. Ein kleines Bistro auf einem ausrangierten kleineren Schiff, weckt meine Aufmerksamkeit – das wäre doch ein schöner Ort für einen kleinen Glace-Halt.

Pause mit pêche melba in Beaucaire

Ein Coupe „pêche melba“ stillt mein Verlangen nach Süssem und lädt meine Batterien wieder auf.

Bis Arles ist es nun nicht mehr weit. Der Wind ist mir heute gnädig gesinnt und gibt mir ordentlich Schub, auch die Hitze ist so einigermassen erträglich.

Landschaft in der Nähe von Arles

Um halb Vier bin ich am Ziel meiner Reise; Arles ist erreicht.

Arles

Mein Hotel liegt am Rande der Altstadt und ist ein guter Ausgangspunkt zur Erkundung dieser Stadt. Heute bin ich zum Glück früher dran als am Vortag und habe genügend Zeit, nach Dusche und Erholungsnickerchen ein wenig durch die Stadt zu schlendern.

Amphitheater, Arles

Beim Amphitheater entdecke ich ein kleines Restaurant, das Bio- und Vegiessen anbietet. Genau das Richtige für mich nach dem exzessiven Fleischkonsum in den letzten Tagen, denke ich, und setze mich an einen freien Tisch.

Abendessen bei „Chez Félix“

Meine diesjährige Sommertour findet somit auch kulinarisch ein erfreuliches Ende (felix sum). Die Tour selbst war zumeist sehr schön und das Wetter hat fast immer mitgespielt. Die Etappen waren für meine alten Knochen manchmal etwas gar lang, aber Herausforderungen und die Meisterung derselben haben noch nie geschadet. Von Pannen und grösseren Beschwerden bin ich zum Glück verschont geblieben. Vielen Dank für die Rückmeldungen meiner treuen Leserschaft. Es ist schön zu wissen, dass meine Berichte mit Interesse gelesen werden.

Day 8: Orange – Arles
Gefahrene Strecke : 90 km
Fahrzeit: 5 Std. 45
Durchschnittsgeschw.: 15.6 km/h
Bergauf: 160 m
Bergab: 130 m

Day 8: Orange – Arles

Day 1-8: Basel – Arles
Gefahrene Strecke : 836 km

Day 1-8: Basel-Arles

Day 7: Valence – Orange (Basel-Arles-Tour)

Als ich heute um Viertel nach sieben losfahren möchte, beginnt es gerade zu regnen. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. So muss ich halt mal wieder die Regenklamotten überziehen, was ein ziemlich aufwändiges Prozedere ist. Da ich am Vorabend die Sightseeing-Tour von Valence wortwörtlich verschlafen habe, mache ich noch einen kleinen Abstecher in die Innenstadt. Es ist aber noch gar nichts los zu dieser frühen Zeit.

Morgenstimmung in Valence

Als ich wieder einmal die Rhone überquere, sieht’s wettermässig gegen Norden gar nicht so schlecht aus, ich fahre aber gegen Süden und dort hat es eine bedrohliche, dunkle Wolkenwand.

Bei Valence

Der Regen ist zum Glück nicht so stark und hört nach ca. einer Stunde wieder auf. Der Rhone-Radweg, die Via Rhôna, ist heute sehr abwechslungsreich, er führt nicht nur monoton der Rhone entlang, sondern er zweigt immer wieder ins «Hinterland» ab, wo es manchmal durch schöne Auenwälder geht, oder Obst- oder Gemüsekulturen entlang.

Via Rhona (Rhone-Fahrradroute)

Nach ca. 2 Stunden ist es wieder strahlend schön und da es noch angenehm kühl ist, trete ich heftig in die Pedalen und komme gut vorwärts.

Immer wieder überquere ich heute die Rhone und manchmal schaukeln die Hängebrücken, was ein mulmiges Gefühl hinterlässt

Überquerung der Rhone

Ein schönes grünes Farbenspiel weckt beim Betrachten eines kleinen Flüsschen meine Aufmerksamkeit:

Grünes Farbenspiel

Von weitem schon sehe ich aufsteigende Wasserdampfwolken. Beim Näherkommen stellt sich, wie vermutet, heraus, dass sie von einem grösseren Atomkraftwerk mit 4 Kühltürmen stammen. Einer davon ist bemalt, was ich ein bisschen geschmacklos finde:

Atomkraftwerk bei Montélimar

Gegen halb zwölf beginnt sich der Hunger bemerkbar zu machen; ein Restaurant käme nun wie gerufen. Ich habe mal wieder Glück. In Rochemaure, einem Örtchen mit Burgruinen oberhalb des Ortes, finde ich eine Pizzeria. Das Gebotene ist aber sehr mässig.

Blick auf Rochemaure

Ein wenig enttäuscht fahre ich wieder weiter und gerate nochmals in einen Regenschauer. Das ist aber der letzte heute. Sobald die Sonne scheint, wird es sehr heiss heute. So heiss, dass ich ein bisschen überhitzt ein Mittagsschläfchen im kühlenden Schatten eines Baumes mache.

Nickerchen an der Rhone

Die Brückenüberquerungen nehmen kein Ende heute, immerhin hat man auf der Brücke meist einen tollen Ausblick:

Die Etappe ist wieder sehr lang heute. Ich würde eigentlich lieber kürzere Etappen fahren, aber ich wollte halt in einem Tag von Valence kommend Orange erreichen.

Sehr froh, bin ich heute um die Wegstrecken im Wald, der Rhone-Radweg wurde wohl mit Absicht hier angelegt. Überhaupt staune ich über die gute Qualität der Radwege auf der heutigen Strecke. Oft scheint der Weg frisch asphaltiert worden zu sein.

Radweg im Schatten

Nur die letzten 20  Kilometer der heutigen Etappe sind weniger schön, wohl weil ich die Via Rhôna verlassen habe und einen direkteren Weg nach Orange geplant habe. Die Hitze setzt mir zu; so bin ich froh, gegen 18.00 Uhr endlich mein Ziel zu erreichen

Orange, Arc de Triomphe

Zum Hotel fahre ich mitten durch die kleine, verwinkelte, sehenswerte und sehr belebte Altstadt.
Der Hotelier begrüsst mich freundlich und meint auf meine Bemerkung, es sei sehr heiss heute, es sei heute «kalt». Normalerweise sei die Temperatur in dieser Jahreszeit viel höher.

Mein Zimmer ist eine Foto wert:

Zimmer im Hotel Saint-Florian

Leider schaffe ich es nicht, noch das etwas ausserhalb liegende römische Theater zu besichtigen, ich bin zu müde und möchte nur noch etwas Kleines essen – und den Blog schreiben sollte ich ja auch noch…

Day 7: Valence – Orange
Gefahrene Strecke : 124 km
Fahrzeit: 8 Std. 2
Durchschnittsgeschw.: 15.3 km/h
Bergauf: 240 m
Bergab: 320 m

Day 7: Valence – Orange

Day 6: Lyon – Valence (Basel-Arles-Tour)

Der heutige Tag beginnt mit einem frühen Frühstück um 06.15 Uhr. Da ich heute wieder eine lange Etappe vor mir habe, bin ich froh, so früh frühstücken zu können im Hotel Simplon, welches ideal war für eine Nacht. Circa eine Stunde später mache ich mich auf den Weg und gerate in den morgendlichen Verkehr dieser grossen Stadt. Stark befahrenen Strassen entlang fahr ich Richtung Süden und erblicke bald von weitem ein futuristisch anmutendes Gebäude, das aussieht wie ein Ufo. Beim Näherkommen entpuppt es sich als ein Museum. Es ist das „musée des confluences“.

Le musée des confluences

Der Name ist nicht zufällig gewählt; es befindet sich nämlich an der Stelle, wo Saône und Rhône zusammenfliessen. Ein letztes Mal überquere ich die Saône, die zugunsten der Rhone (frz. le Rhône) ihren Namen aufgibt.

Überqueren der Saône in Lyon

In der Folge fahre ich auf Fahrradstreifen stark befahrenen Strassen entlang. Manchmal hat’s auch keine Fahrradstreifen. Das ist nicht schön und ich frage mich, ob ich den Rhone-Radweg verpasst habe. Endlich, nach fast 30km bin ich wieder an der Rhone und nun taucht auch die Beschilderung dieses Radweges wie aus dem Nichts auf. Ich bin froh, denn es folgen nun meist sehr schöne Wegstücke dem Fluss entlang.

Au Bord du Rhône

Das Wetter ist prächtig heute, jedenfalls viel besser als es in der Wettervorhersage tags zuvor verkündet wurde. Kaum ein Wölklein trübt den blauen Himmel.

Fast ohne Pause pedale ich die ersten Stunden, es ist sehr angenehm und noch nicht zu heiss. Gegen Mittag halte ich Ausschau nach Restaurants. Mein Blick schweift dabei auch auf die andere Seite der Rhone. Leuchtet da nicht ein roter Sonnenstoren? Das sieht nach einem Restaurant aus. Nichts wie hin!

Serrières

Wie vermutet befindet sich bei den roten Sonnenstoren tatsächlich ein Restaurant. Als einer der ersten Gäste nehme ich Platz an einem Tisch im Schatten. Ich bestelle einen Salat und côtes de boeuf.

Côtes de bœuf avec gratin dauphinois

Als mir der Kellner das grosse Stück Fleisch hinstellt, sagt er: «côtes de boeuf en forme d’Afrique». Ich bin nicht „sage“ (brav) und esse nur die magereren Stücke davon. Aber es schmeckt ausgezeichnet zusammen mit dem Gratin.

Nach einer Stunde breche ich wieder auf und fühle mich leicht beduselt nach diesem opulenten Mahl und dem Bierchen, das ich mir gegönnt habe.

Kaum bin ich losgefahren, entdecke ich zum ersten Mal in meinem Leben einen schwarzen Schwan, der friedlich mit zwei weissen Schwänen auf Futtersuche ist.

Schwarzer Schwan in der Rhone

Ich lese übrigens immer mal wieder, dass ein Black-Swan-Ereignis die nächste Finanzkrise auslösen wird, also ein unerwartetes kaum denkbares Ereignis ein Kettenereignis auslösen wird. Wir werden sehen…

Die Fahrradroute bleibt ausserordentlich schön, anders als die Saône ist die Rhone oft von weichen Hügeln umgeben, auf denen auch Weinbau betrieben wird.

Weinbau im Rhonetal

Es ist nun richtig heiss geworden, die Sonne brennt erbarmungslos nieder. (Als ich abends in den Spiegel schaue, sehe ich aus wie eine Schweizer Flagge: aussen rum rot und in der Mitte weiss).

Immer mal wieder wechselt der Radweg von der einen auf die andere Seite der Rhone und von den Brücken aus hat man meist einen besonders schönen Blick auf die Landschaft:

Überquerung der Rhone bei Saint-Vallier

Die Wege heute sind im Gegensatz zu gestern sehr gut, meist geteert oder wie hier gut befahrbare Naturstrassen:

Rhone-Radweg in der Nähe von Valence

So komme ich schnell vorwärts und erblicke ca. um 17.00 von weitem Valence, meine Zielstadt.

Dort angekommen, möchte ich endlich mein Rückticket buchen. Der Schalter ist tatsächlich noch offen um diese Zeit und ich kann problemlos mein Rückfahrticket mit Velo von Arles bis Genf buchen (etwas, das ich mit der Oui.sncf App einfach nicht schaffte – da lob ich mir wieder die SBB-App, wo man problemlos Veloplätze reservieren kann).

Als ich endlich ins Hotel einchecke um 18.00, bin ich ziemlich müde und lege mich kurz hin; was ein Powernap hätte sein sollen, wird aber ein zweistündiger Bärenschlaf – ich erwache gerade noch rechtzeitig, um im hoteleigenen Restaurant auf der Strassenterrasse noch etwas Kleines essen zu können und nachher den heutigen Blog zu schreiben.

Am Blogschreiben vor dem Hotel

Dabei werde ich überrascht von einem Telefonanruf meines Sohnes, der gerade per Fahrrad in Mexico unterwegs ist. Ich bin froh, wieder einmal etwas von ihm zu hören auf seiner abenteuerlichen Fahrradtour.

Ein schöner Tag geht gemütlich zu Ende.

Day 6: Lyon – Valence
Gefahrene Strecke : 126 km
Fahrzeit: 8 Std. 2
Durchschnittsgeschw.: 15.6 km/h
Bergauf: 300 m
Bergab: 350 m

Day 6: Lyon – Valence

Day 5: Mâcon – Lyon (Basel-Arles-Tour)

Als ich heute morgen um 8 Uhr aus dem Hotel trete, ist es ziemlich grau – «la rue est grise et triste» kommt mir in den Sinn, einer der ersten Sätze, den ich vor langer Zeit in der Sekundarschule gelernt habe.

„la rue est grise et triste“ in Macôn

Als ich kurze Zeit später am Bahnhof von Mâcon vorbeifahre, halte ich und suche den Schalter, um endlich ein Rückfahrticket zu buchen. Er ist aber leider noch geschlossen und öffnet erst um 09.45 Uhr! So fahre ich halt unverrichteter Dinge weiter.

Kurz nach Mâcon überquere ich mal wieder die Saône und mache zum Abschied dieses Foto:

Mâcon

Nach kurzer Zeit auf Hauptstrassen biege ich ab und komme auf einen Feldweg, der entlang der Saône führt; das Fahrverbotsschild macht mich zwar ein bisschen stutzig, aber da Komoot mich hier durchführt, wird es schon seine Richtigkeit haben, denke ich. Kurze Zeit später überfahre ich einen sogenannten «bovi-stop», d.h. ich bin nun auf einer Kuhweide. Und da tauchen schon die ersten Rinder auf meinem Weg auf – ich weiss nicht, ob ich mich ein bisschen fürchten sollte. Die Angst ist unbegründet, die Rinder nehmen Reissaus und finden einen Ausgang zur Weide nebenan. Der Weg ist katastrophal; eine Schotterpiste mit grossen Wasserpfützen und Schlammlöchern, das Ganze gemischt mit Kuhscheisse – auf einen tollen Fahrradweg bin ich da geraten.

„Fahrradweg“ bei Mâcon

Ich komme kaum noch vorwärts – kurze Zeit später wird es aber noch schlimmer, der Weg ist wieder fast komplett mit Wasser bedeckt und die Gräben nebenan sind auch voll Wasser; und es ist nicht frisches Regenwasser, sondern güllig stinkendes „Brackwasser“. Sowas habe ich noch nie erlebt. Ich bin froh, dass ich diesen Weg bald Richtung Hauptstrasse verlassen kann, denn aggressive Mücken hat es hier auch noch schwarmweise. Ich ziehe es nun vor, längere Zeit auf der Hauptstrasse zu fahren, die parallel zur Saône in den Süden führt. Auf dieser Strasse komme ich nun endlich flott voran, es gibt dafür nun aber auch ein wenig Verkehr, der aber aushaltbar ist.

auf der Hauptstrasse Richtung Süden

Nach ca. 30 km, in Montmerle-sur-Saône, trifft diese Strasse wieder mit der «Fahrradroute» zusammen. Ein Kaffeehalt wäre jetzt doch angebracht, denke ich und habe Glück. Das Bistro «la plage» hat soeben geöffnet und der junge Mann an der Theke ist froh um den ersten Gast. Er erzählt mir, dass wegen des Hochwassers Wildschweine in grosser Zahl von der gegenüberliegenden Halbinsel hierher ans sichere Ufer geschwommen seien und dass wegen der Mückenplage sogar Helikopter eingesetzt worden seien, um Insektizide zu versprühen.

Kaffeehalt in Montmerle-sur-Saône

Von hier weg mache ich nochmals den Versuch dem Uferweg entlangzufahren, gebe es aber bald wieder auf; es ist einfach zu mühsam: schlechte Wege und immer wieder grosse Pfützen und Schlammlöcher lassen keine Freude aufkommen.

In Saint-Bernard fahre ich an einem Restaurant vorbei und kann nicht widerstehen – zur Not hätte ich  ich mich heute mit Studentenfutter, Cashewnüssen und gedörrten Aprikosen ernährt, aber es ist doch schöner sich hinzusetzen und sich bedienen zu lassen

Mittagspause in Saint-Bernard

Da die heutige Etappe für meine Begriffe ziemlich kurz ist, nehme ich es gemütlich und mache ziemlich bald wieder eine Pause und lege mich an einem schönen Ort unter einem grossen Baum auf eine Bank und mache eine kleines Nickerchen.

Pause in Trévoux

Je mehr ich mich Lyon nähere, desto mehr Betrieb herrscht auf den Strassen. Der Fahrradweg ist nun z.T. auch nur ein Streifen neben einer Hauptstrasse, es herrscht also keine Naturidylle mehr.

Deshalb bin ich froh, dass ich schon bald die Innenstadt von Lyon erreiche.

Lyon

Mein Hotel, das Hotel Simplon, befindet sich auf der Halbinsel, die zwischen Rhône und Saône liegt. Nach Einchecken, Dusche und Erholung mache ich mich zum nahegelegenen Bahnhof Lyon-Perrache auf, vielleicht kann ich ja hier mein Rückticket lösen, aber nun bin ich zu spät, die Schalter sind um 17.55 Uhr schon geschlossen. Pech gehabt.

Der Aufenthalt in einem Bistro gegenüber dem Hotel hebt meine Laune aber wieder. Lustige und kommunikative Wirtsleute bringen mich immer wieder zum Schmunzeln. Omelette und Crème Brulée schmecken ausgezeichnet. So endet der Tag versöhnlich.

Das Bistro am anderen Morgen, schon wieder geöffnet

Day 5: Mâcon – Lyon
Gefahrene Strecke : 85 km
Fahrzeit: 5 Std. 54
Durchschnittsgeschw.: 14.5 km/h
Bergauf: 350 m
Bergab: 380 m

Day 5: Mâcon – Lyon

Day 4: Verdun-sur-le-Doubs – Mâcon (Basel-Arles-Tour)

Der heutige Tag beginnt mit einem tollen Frühstück – unter anderem darf ich verschiedene delikate Käsesorten, Wurst- und Fleischwaren geniessen, alles wunderschon präpariert. Ich habe wohl das grosse Los gezogen mit der Hostellerie Bourguignonne und seinem preisgekrönten Gault-Millau-Koch, wie ich erst heute morgen erfahre. Sparfüchse werden wohl einen grossen Bogen machen um diese Gaststätte, für mich war’s aber schon jetzt das Highlight dieser Tour.

Abschied von der «Hostellerie Bourguignonne» in Verdun-sur-le-Doubs

Um ca. 8.30 Uhr fahre ich heute wieder bei idealen Bedingungen los; ich habe die Monsteretappe vom Vortag gut verdaut und starte frohgemut in den neuen Tag, der mich bald ans Ufer der Saône führt. Ich bin noch nicht lange unterwegs, da versperrt mir ein heruntergestürzter Baum den Weg:

Was jetzt?

Da ist kein Vorbeikommen. Ich höre Motorsägen und hoffe, dass dieser Baum beseitigt wird, doch es sind offenbar mehrere Bäume, die ein Sturm gefällt hat und es ist kein Durchkommen, wie mir ein Forstarbeiter erklärt. So suche ich halt eine Umfahrungsmöglichkeit, die ich glücklicherweise dank Komoot ziemlich problemlos finde.

Offenbar hat hier vor kurzem ein heftiges Unwetter gewütet, denn wenig später passiere ich eine Brücke, die teilweise weggerissen wurde von einem reissenden Bach.

Unwetterschäden

Die Saône hat vor kurzem Hochwasser geführt, der Fahrradweg ist mancherorts überspült worden und von vertrocknetem oder noch feuchtem Schlamm bedeckt und die angrenzenden Wiesen und Felden stehen teilweise unter Wasser. An einer Stelle steht sogar der Fahrradweg unter Wasser; kein Problem, denke ich und fahre langsam durch das Wasser und schaffe es knapp mit trockenen Füssen auf die andere Seite:

Wasser auf dem Fahrradweg

Es wird aber noch schlimmer, beim nächsten Wegstück, das unter Wasser steht, bräuchte ich ein Kanu – hab ich aber nicht.

Ein Kanu wäre praktisch

Es gibt kein zurück, also fahr ich durch das Wasser, welches an den tiefsten Stellen ca. 20 cm hoch steht und bis zum Tretlager reicht. Mit pflotschnassen Füssen, Schuhen und Socken erreiche ich die andere Seite. Zum guten Glück habe ich Sandalen dabei, die ich nun anziehen kann. Die nassen Schuhe klemme ich auf den Gepäckträger und die Socken schmeiss ich weg.

Der Weg führt nun praktisch immer der Saône entlang und überall sieht man die Spuren der Überschwemmungen. Manchmal sieht man auch Schilder, die ankündigen, dass der Weg gesperrt sei – aber niemand beachtet sie, ich auch nicht.

Fahrradweg der Saône entlang

In einem kleineren Städtchen namens Tournus mache ich nach ca. 60 km den ersten grösseren Halt und esse einen Tomaten-Mozarella-Salat in einem kleinen, sehr schön gelegenen Gartenrestaurant über der Saône.

Mittagshalt in Tournus

Das Wetter ist heute wieder perfekt, es ist nicht zu heiss und der Himmel ist oft wolkenverhangen; auch der Wind ist mir heute freundlicher gesinnt. Nur gegen Abend baut sich zu meiner Rechten eine bedrohliche dunkle Wolkenwand auf.

Regen im Anzug?

Ich trete nun heftiger in die Pedalen, ich will nicht noch nass werden. So erreiche ich schon nach 16.00 Uhr Mâcon, meinen Zielort.

Mâcon in Sicht

In einem kleinen von aussen unscheinbaren Hotel checke ich ein. Heute sollte ich noch ein bisschen dreckige Wäsche waschen – aber zuerst trinke ich etwas (was wohl?) im idyllischen Hotelgarten und schreibe an meinem Blog.

Hotel Concorde, Macon

Day 4: Verdun-sur-le-Doubs – Mâcon
Gefahrene Strecke : 94 km
Fahrzeit: 5 Std. 57
Durchschnittsgeschw.: 15.8 km/h
Bergauf: 520 m
Bergab: 500 m

Day 4: Verdun-sur-le-Doubs – Mâcon

Day 3: Besançon – Verdun-sur-le-Doubs (Basel-Arles-Tour)

Wie fast immer bin ich zum frühstmöglichen Zeitpunkt beim Frühstück, das ist heute wieder um 07.00 Uhr. Los fahre ich um 07.50 Uhr; das ist spät für die heutige sehr weite Etappe. Deshalb geb ich auch ziemlich Gas und geniesse die morgendliche Stimmung am Doubs.

Morgenstimmung am Doubs bei Besançon

Ich nehme mir vor, mind. 30 km zu fahren und dann einen Kaffeehalt zu machen. Es taucht aber leider kein Café auf auf meinem Weg. So schiesse ich halt mal ein Schattenselfie:

Selfie der anderen Art

Die Veloroute führt zu Beginn entweder dem Doubs oder dem ihn begleitenden Kanal entlang. Es ist sehr angenehm, aber schon ein bisschen windig, meist Gegenwind natürlich!
Manchmal verlässt die Route Doubs und Kanal, das heisst dann meist, dass kleine Steigungen überwunden werden müssen, wo mich die E-Biker locker überholen. Es sind wie gestern auch wieder einige Touren- und andere Biker unterwegs, aber in überschaubarer Zahl.

Unterwegs dem Kanal entlang

Ich fahre fast ohne Pause ca. 60 km weit, bis ich in den ersten grösseren Ort komme:  Dole-sur-le-Doubs.

Dole-sur-le-Doubs

Das ist ein kleineres sehenswertes Städtchen, in welchem der berühmte Louis Pasteur aufgewachsen ist.

Geburtshaus von Louis Pasteur in Dole-sur-le-Doubs

Da ich ziemlich hungrig bin, setze ich mich gleich neben dem Louis-Pasteur-Haus in ein wunderbar gelegenes Gartenrestaurant und vertilge einen „Salade Comtoise“.

Mittagessen in Dole-sur-le-Doubs

Frisch gestärkt geht die Fahrt ca. um 13.00 weiter; ich bin ein wenig besorgt, da ich noch nicht einmal die Hälfte der heutigen Etappe geschafft habe. Wieder geht es längere Zeit einem Kanal entlang.
Bei einer Schleuse gibt’s wieder Spektakel; diesmal mache ich ein kurzes Video.

Schleuse in Aktion

Erstaunt bemerke ich, dass dieser Kanal an dieser Stelle in die Saône mündet, die hier ziemlich breit ist.

Saône

Die Landschaft ist nun sehr eben geworden, das Wetter ist perfekt, nur der Wind, der in meine Richtung bläst, erschwert mein Vorankommen. Beim Städtchen Saint-Jean-de-Losne sind nacheinander mehrere Schiffe – Hausboote(?) – am Ufer vertäut. Die Briefkästen davor lassen darauf schliessen, dass hier Leute fix wohnen.

Blick auf Saint-Jean-de-Losne mit Hausboot im Vordergrund

Auch auf diesem Streckenabschnitt gibt es einen Kanal, der die Saône begleitet und dem ich manchmal entlangfahre. An einer Anlagestelle springen Jugendliche ins Wasser. Ich denke, dass das nicht ungefährlich ist.

„Sprungbrett“

Als ich schon weiter bin und von einer Brücke aus die Szenerie fotografisch festhalte, springen mir drei Jungs entgegen und rufen: «nous allons sauter du pont». Die wollen doch tatsächlich von der Brücke springen, auf der ich mich befinde. Ich rufe ihnen zu: «C’est trop dangereux», die Brücke ist mind. 8 m hoch und es ist nicht ersichtlich wie tief der darunterliegende Kanal ist.  Deshalb fahr ich schnell weiter – ich möchte nicht Zeugnis sein eines solchen Wagnisses.

In Seurre, in einem kleinen Städtchen mit schöner, alter Kirche mache ich dieses Foto:

Seurre

Wenig später sehe ich 2 Badende in der Saône, Baden scheint an dieser Stelle offenbar nicht verboten zu sein, wie sonst fast überall.

Wer findet den Schwimmer?

Die letzten 15 km sind extrem hart. Ich verlasse die Saône und muss eine kleine Steigung im strengen Gegenwind bewältigen, dafür habe ich, als ich oben bin, eine tolle Aussicht:

Mit letzter Kraft erreiche ich um 17.45 Uhr den Zielort Verdun-sur-le-Doubs. Ich bin nun also wieder am Doubs, stelle ich erstaunt fest.

Bild Verdun-sur-le-Doubs

Komoot führt mich direkt vor das Hotel. Ich checke ein, nehme eine Dusche und möchte ein kurzes Nickerchen machen vor dem Nachtessen, das ich im hoteleigenen Restaurant einnehmen darf.

Das Nickerchen wird aber länger, erschrocken stelle ich fest, dass ich über eine Stunde geschlafen habe und somit fast das Highlight des Tages verpasst hätte.

Ich setze mich in das scheunenartige Gartenrestaurant des Hotels und lasse mich kulinarisch verwöhnen, das habe ich doch verdient nach dieser harten und langen Etappe!

Grüsslein von der Küche (eines von dreien)
salade mixte
filet de boeuf

Da wird man doch fast neidisch, oder?

Blogschreibend bleibe ich noch eine Weile an meinem schönen Plätzchen sitzen, nur die aggressiven Steckmücken trüben ein ganz klein bisschen meine gute Laune.

Day 3: Besançon – Verdun-sur-le-Doubs
Gefahrene Strecke : 125 km
Fahrzeit: 8 Std. 20
Durchschnittsgeschw.: 15.1 km/h
Bergauf: 510 m
Bergab: 580 m

Day 3: Besançon – Verdun-sur-le-Doubs

Day 2: Montbéliard – Besançon (Basel-Arles-Tour)

Der heutige Tag beginnt besser als der vorangegangene. Nach reichhaltigem Frühstück fahre ich um 08.20 Uhr los. Ich staune, dass an diesem frühen Sonntagmorgen schon ein Trödelmarkt für ziemlich Betrieb sorgt.

Trödelmarkt in Montbéliard

Das Wetter ist gut und es ist erfrischend kühl. Bald schon erreiche ich einen Fluss, der mich südwärts führt. Er heisst l’Allan und fliesst kurz nach Montbéliard in den Doubs. Auch der Kanal ist wieder da, oft parallel zum Fluss laufend – das kenne ich nun schon von gestern. Was ich gestern nicht gesehen habe, nämlich fahrende Schiffe, gibt es nun dafür heute – wenn auch ganz wenige.

Als ich eine Schleuse (zone éclusière) passiere, steckt dort gerade ein grösseres, älteres Schiff drin mit Schweizer Flagge und geschmückt mit vielen Blumen. Da schau ich natürlich gerne eine Weile zu und sehe wie das Schiff ziemlich schnell angehoben wird vom in die Schleuse laufenden Wasser. Das ganze scheint hydraulisch gesteuert zu funktionieren, also ohne kurbelnden Schleusenwärter.

Schleuse in Aktion

Als das Niveau des höheren Kanalabschnittes erreicht ist, öffnet sich das Schleusentor und das Schiff tuckert gemächlich weiter.

Gerade als ich weiter fahren möchte, huscht ein futuristisches Gefährt vorbei. Ist das das Velo der Zukunft?

Futuristisches Fahrrad

Die heutige Etappe ist landschaftlich sehr schön und führt bald dem Doubs oder parallel laufenden Kanalabschnitten entlang.

Überquerung des Doubs bei L’isle sur le Doubs

Das Wetter ist heute perfekt, es ist ca. 25 Grad warm und oft spenden vorbeiziehende Wolken etwas Schatten – besser kann man es sich kaum vorstellen.

le Doubs

Ich geniesse es heute, diesem Fluss entlangzufahren, ich staune nur, dass ich nirgends Badende entdecke – kein Wunder, es ist überall verboten und ich frage mich warum. Gerne wäre ich unterwegs mal eingekehrt um etwas Kleines zu essen; es hat aber lange Zeit keine Verpflegungsmöglichkeiten und als ich endlich in einem kleinen Dorf ein Restaurant entdecke, ist dieses proppenvoll. Enttäuscht fahre ich weiter und mache immer mal wieder eine Foto von dieser grandiosen Flusslandschaft:

Le Doubs

So erreiche ich bald schon mein heutiges Etappenziel, die Stadt Besançon, die sich durch ihre die Stadt überragende Festung ankündigt.

Festung bei Besançon

Bald schon bin ich in der Innenstadt und fahre durch die interessante, aber etwas nüchtern wirkende Altstadt.

Besançon, Fussgängerzone

Gegen 16.00 steuere ich mein Hotel an, das direkt am Doubs liegt:

Hotel Vauban am Doubs

Dummerweise öffnet es erst um 17.00. So bleibt mir nichts anderes übrig, als nochmals eine Streiffahrt durch die Innenstadt zu machen. Ich könnte doch schon meinen heutigen Blog beginnen, denke ich, und finde dazu einen sehr schönes, schattiges Gartencafé. Ich habe aber keine Lust auf Kaffee; ich gönne mir mein erstes Bier auf dieser Tour. Es gibt nichts Besseres nach einem anstrengenden Tourentag!

Am Blogschreiben im Biergarten

Punkt 17.00 fahre ich beim Hotel Vauban vor und kann einchecken. Der freundliche Herr an der Reception erklärt mir, dass dies auch früher möglich gewesen wäre, ich hätte nur läuten müssen.

Nach der obligaten Dusche und einem längeren Nickerchen, möchte ich am Blog weiterschreiben, Bilder hochladen etc. doch es gibt Probleme über Probleme. Ich ärgere mich über das schlechte Hotelinternet, über die Office-Software und das WordPress-Blog-Programm. Letzteres funktioniert anders als am Vortrag und ich habe meine liebe Mühe damit. Der Blick aus meinem Hotelzimmer im 4. Stock ist aber atemberaubend (ein bisschen übertrieben):

Besançon von oben

Danach esse ich im hoteleigenen Restaurant; kulinarisch stimmt es heute. Das Saltimbocca-Fleisch ist zwar ein bisschen zäh, aber mundet trotzdem und die Ambiance an diesem Sonntagabend ist schön und belebend. Dank öffentlichem Internet kann ich nun fast problemlos den heutigen Blog fertig machen.

Abendessen im le vesontio

Das war ein sehr schöner Tag heute und eine superschöne Etappe mit wunderbarem Radweg.
Morgen habe ich meine längste Etappe zu bewältigen und bin gespannt darauf, wie ich das schaffe.

Day 2: Montbéliard – Besançon
Gefahrene Strecke: 98 km (inklusive Stadtrundfahrt)
Durchschnittsgeschw. 15.1 km/h
Bergauf: 1’550 m (das stimmt definitiv nicht, was rechnet die App nur!)
Bergab: 1’620 m (stimmt auch nicht, logischerweise)
Tiefster Punkt: -100m – (da liegt der Hund, resp. Der Fehler begraben…)

Day 2: Montbéliard – Besançon

Day 1: Basel – Montbéliard (Basel-Arles-Tour)

Die diesjährige Sommertour, die mich von Basel in den Süden Frankreichs führen wird, startet grau und regnerisch. Im Bahnhof Basel, den ich von Zürich kommend morgens um 07.55 erreiche, muss ich zuerst die Regenkleider überziehen. Das dauert ein bisschen; so fahre ich ich ca. um 08.15 Uhr im Regen los; bald schon erreiche ich den Rhein, der immer noch sehr viel Wasser führt:

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Rhein bei Basel

Die Grenze zu Frankreich passiere ich bald ohne Kontrolle; niemand will mein Impfzertifikat sehen.

Bald schon verlasse ich das Ufer des Rheins und fahre in der Folge (eigentlich bis zum Zielort) immer einem Kanal entlang.

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Fahrradweg einem Kanal entlang

Nach ca. 30 km mache ich die erste Pause, ziehe meine Regenkleider aus, esse ein von zuhause mitgebrachtes Salamibrot und bin froh, dass man nun auch ein Stückchen blauen Himmel sieht.

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Znünipause 10 km vor Mulhouse.

Mein Weg führt auf der Euro-Route 6 zuerst in nordwestlicher Richtung nach Mulhouse, bevor es dann in südwestlicher Richtung weitergeht.

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Fahrradwege im Elsass

In Mulhouse suche und finde ich das Zentrum der Stadt; direkt vor der Kathedrale lasse ich mich in einem Café nieder und trinke einen Capuccino.

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Mulhouse, Centre-Ville

In der Folge hat der Rhein-Rhone-Kanal, dem ich entlangfahre, viele Schleusen (frz. écluse). Jede ist mit einer Nummer und einem Ortsnamen bezeichnet.

écluse no. 27 Saint-Bernard mit Schleusenwärterhaus

Bei jeder Schleuse steht übrigens ein Schleusenwärterhäuschen, welches zumeist schön herausgeputzt und bewohnt ist. Die Schleusen werden heute aber kaum mehr gebraucht, ich sehe jedenfalls am heutigen Tag kein einziges fahrendes Schiff…

Dafür sehe ich eine Rekordzahl an Bibern, neun Stück zähle ich insgesamt. Die einen sind sehr scheu und springen ins Wasser, wenn man sich ihnen nähert – andere lassen sich nicht stören beim Vertilgen von Blümchen.

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Biber frisst Blumen

Die heutige Etappe ist eine Flachetappe – zum Glück, denn ich bin ziemlich ausser Form, wie ich auch befürchtet hatte.

Nach 70 Kilometer beginnen die Beine zu schmerzen, nach 80 km habe ich das Gefühl, dass alles schmerzt. So sind die letzten Kilometer eine ziemliche Qual und ich kann die schöne Landschaft gar nicht mehr so geniessen.

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Rhein-Rhone-Kanal, ca. 20 km vor Montbéliard

Das Wetter wäre eigentlich ganz angenehm, wenn nicht immer wieder Regenschauer vorbeiziehen würden, die ein Montieren und Demontieren der Regenkleidung erforderlich machen würde. Sicher insgesamt viermal mache ich diese unangenehme Übung.

Ca. um 16.15 Uhr erreiche ich Montbéliard, mein erstes Etappenziel und check in einem schönen, altehrwürdigen Hotel ein.

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Montbéliard, Hotel Balance

Nach einer wohltuenden Dusche muss ich mich zuerst einmal hinlegen und ein Nickerchen machen, so kaputt bin ich…

Nachher erkundige ich noch ein wenig das sehenswerte Städtchen, das von einer riesigen Burganlage überragt wird, es ist aber recht wenig los hier, vielleicht drückt auch COVID und das kühle, graue Wetter auf die Stimmung.

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Château von Montbéliard

Zum Nachtessen gibt’s einen Salatteller – mehr schlecht als recht – aber immerhin kann ich draussen sitzen.

Schon bald schlendere ich wieder ins Hotel zurück, denn ich sollte ja noch den Blog schreiben.

PS: Kaum war mein Blog online, erhielt ich von einem treuen Leser und Freund folgendes Gedicht:

Von Basel bis nach Mömpelgard
dünkt’ dich das Trampeln scheint’s noch hart.
Doch auf dem Weg entlang Kanälen
musst du dich nicht mehr so sehr quälen,
denn Wasser fliesst ja stets bergab,
was ich selbst auch am liebsten hab.

Da bleibt dir hoffentlich auch Musse,
um deinen Fans zu kurzem Grusse
den Tages-Blog samt Bild zu mailen,
mit ihnen deine Tour zu teilen.
Ich wünsch dir Sonn’ und Schatten viel
und gute Fitness bis zum Ziel.

(Angelus Hux)

D1: Basel – Montbéliard:
Gefahrene Strecke: 98 km
Gefahrene Zeit: 6 Std. 40
Durchschnittsgeschw.: 14.7 km/h
Bergauf: 1’000 m (kann ich kaum glauben, es war doch fast alles flach!)
Bergab: 1’020 m

 

D1: Basel – Montbéliard

Day 3: Langenthal – Egg b. Zürich (Genf-Zürich-Tour)

Auf Velotouren schlafe ich meistens sehr gut. Abends falle ich sofort in Tiefschlaf, wenn ich zu Bett gehe und ich schlafe dann in der Regel wie ein Stein, bis mich der Wecker wieder aus meinen Träumen holt. Hier im schönen Hotel Bären in Langenthal war es auch genau so.

Der Frühstücksraum und das -buffet können sich sehen lassen:

Frühstück im Hotel Bären, Langenthal

Reichlich verpflegt mache ich mich um 08.30 Uhr auf den Weg. Es ist grau und ein wenig trostlos zu Beginn, immerhin habe ich meist einen Velostreifen oder sogar einen Fahrradweg. Die Strasse führt mich in Richtung Aarburg, wo ich wieder den Aare-Radweg erreichen sollte.

Radweg in der Nähe von Langenthal

In Aarburg bin ich wieder an der Aare und damit auf dem Aare-Radweg. Aarburg ist eine mächtige Festungsanlage, die im Mittelalter entstand und im 17. Jahrhundert zu einer 400 m langen Festung ausgebaut wurde.

Festung Aarburg mit Aare

Von hier fahre ich wieder ein längeres Wegstück der Aare entlang. Die nächste grössere Stadt ist Olten, die man vor allem als wichtigen SBB-Verkehrsknotenpunkt kennt. Die Altstadt von Olten ist aber auch sehenswert. Vor allem dieses geschichtsträchtige Haus hat es mir angetan:

Ratskeller-Haus in Olten mit Darstellung des Auszugs der Oltner in den Bauernkrieg um 1653

Als ich Olten verlasse, überquere ich eine imposante Holzbrücke, die über die Aare führt.

Holzbrücke über die Aare, Olten

Weiter gehts es auf zuweilen idyllischen Wegen der Aare oder Aare-Kanälen entlang. Nur die Sicht auf das immer noch aktive Atomkraftwerk Gösgen trübt ein wenig meine Stimmung. Gösgen gehört noch zu den relativ neuen Atomkraftwerken der Schweiz und wird deshalb wohl nicht so bald abgeschaltet.

Radweg an der Aare mit Blick auf des Atomkraftwerk Gösgen

Der Fluss der Aaare oder parallel zur Aare verlaufende Kanäle werden immer wieder von Flusskraftwerken „unterbrochen“. Hier laufen gerade vorbereitende Arbeiten für eine Erneuerung eines solchen Flusskraftwerkes. Was der Bagger wohl aus der Tiefe des Flusses holt?

Arbeiten beim Aare-Kraftwerk bei Aarau

Bald darauf erreiche ich Aarau, die Hauptstadt des Kantons Aargau. Da ich diese Stadt nicht wirklich kenne, gucke ich sie mir näher an und mache eine kurze Besichtigungsfahrt durch die kleine, aber sehr schöne Altstadt.

Aarau, Altstadt

Ich suche ein Café, finde aber keines. Als ich schon weiterfahren möchte, entdecke ich eine kleine Crêperie – meine Rettung!

Stärkung in einer Crêperie in der Altstadt von Aarau

Der Kalorienschub verleiht mir neue Kräfte – es kann wieder weitergehen; nur hat dummerweise meine Navi-App Komoot eine kleine Krise, sie weigert sich ein geraumes Weilchen, mich zu orten und mich zu navigieren. Erst als ich die App neu starte, funktioniert’s wieder.

Das folgende Wegstück bis Brugg ist besonders schön und führt mich meist der Aare entlang.

Fahrradweg entlang der Aare zwischen Aarau und Brugg

Brugg ist ein auch herziges, kleines Städtchen. Ich mache schnell ein Bild, fahre aber bald wieder weiter.

Brugg

Bald gelange ich in die Agglomeration von Baden. Diese Stadt ist geprägt durch die Firma ABB, die hier ihren Hauptsitz hat.

bei Baden, Fabrikgebäude der ABB

Baden, welches auch eine historisch interessante Stadt ist, lasse ich links liegen. Über Wettingen und Würenlos gelange ich in der Folge schon bald in den Kanton Zürich. Über das Furttal geht’s nun Richtung Zürich-Affoltern.

In der Nähe von Regensdorf

Es ist nun noch grauer geworden und als ich in Zürich-Affoltern bin, beginnt’s leicht zu tröpfeln. Ich erhöhe ein wenig das Tempo, ich will doch noch trocken nach Hause kommen. Über Oerlikon und Schwamendingen komme ich wieder in heimatlichere Gefilde. Besonders schön ist der Abschnitt dem Greifensee entlang.

Greifensee bei Fällanden

Nun hab ich nicht mehr weit. Zuguterletzt wartet noch diese Steigung auf mich – die nehm‘ ich normalerweise locker, doch heute sind die Beine ziemlich schwer, weshalb ich das Fahrrad ein Stückchen schiebe.

Steigung von Mönchaltorf nach Egg b. Zürich

Bald darauf bin ich wieder zuhause.

Ich hatte trotz schlechter Prognosen ziemliches Wetterglück auf dieser „Ersatztour“ quer durch die Schweiz. Und es war auch, alles in allem, eine sehr schöne Tour. Natürlich wäre ich lieber der Rhône entlang Richtung Mittelmeer gefahren, aber das war aufgrund der Corona-Situation mit den aktuellen Quarantäne-Bestimmungen und auch des „schlechten“ Wetters wegen nicht ratsam. Bestimmt aber werde ich die Rhône-Tour auch irgendwann mal noch nachholen – aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Fakten Etappe 3: Langenthal – Egg b. Zürich
Strecke: 111 km
Fahrzeit: 6 Std. 29
Durschnittsgeschw.: 17.1 km/h
Bergauf: 990 m
Bergab: 960 m

Etappe 3: Langenthal – Egg b. Zürich