Die diesjährige Herbsttour begann gestern mit einer fast pannenfreien Anfahrt per Bahn von Zürich nach Bayreuth. Erst als ich schon fast in Bayreuth war, gab’s noch eine Stellwerkstörung, die eine Verspätung von einer halben Stunde verursachte.
Trotzdem blieb noch Zeit, diese Stadt zu erkunden. Der erste Eindruck war eine Nazikundgebung gleich vor dem Hotel; ziemlich hässlich, aber zum guten Glück nur eine Handvoll Leute, die unverständliche Parolen schrien und die anwesende Polizei beleidigte, die das Ganze aber gelassen über sich ergehen liess.

Nach kurzem Weitermarsch stand ich plötzlich vor dem Haus Wahnfried, dem ehemaligen Wohnhaus Richard Wagners. Da das Wagner-Museum gleich schliessen würde, begnügte ich mich mit einem Kaffee im Café Wahnfried – die letzten Sonnenstrahlen geniessend.

Die Stadt Bayreuth gefällt mir sehr gut, und da es wenig Touristen hat, kommt sie ziemlich authentisch herüber.

Mein Hotel liegt an der Opernstrasse, in der Nähe des berühmten barocken Opernhauses, wo an den Sommerfestspielen jeweils die Wagner-Opern zelebriert werden.

Nach exquisitem Nachtessen im Hotel (Hab ich das wirklich schon verdient, frage ich mich), erholsamem Schlaf und üppigem Frühstück möchte ich an diesem Sonntagmorgen um ca. 09.00 Uhr losfahren. Es ist putzekalt an diesem Morgen, nahe am Gefrierpunkt. So ziehe ich fast alles an, was ich an Warmem dabei habe, zwei Paar Handschuhe, meine Langlaufmütze, den Faserpelz und über meine Velohosen und die Beinstulpen ziehe ich noch eine halblange Wanderhose, die ich im letzten Moment eingepackt hatte. Ein wenig Sorge bereiten mir die Füsse. Fusswärmer habe ich nicht dabei, aber die Skisocken, die ich bei Herbsttouren jeweils trage, sind Gold wert. Dank dieser winterlichen Ausrüstung friere ich kaum.

Ohne Pause zu machen fahre ich über 2 Stunden am Stück, eine kleine Pause mache ich erst, als mich ein schöner Apfel von einem Apfelbaum her anlacht – den lasse ich mir nicht entgehen, denk ich, pflück ihn und geniesse ihn wenig später auf einer Bank.
Der rote Main, dem ich zu Beginn entlangfahre, ist anfangs eher noch ein Bach, dafür aber sehr idyllisch.

Ich sehe den Main heute aber nicht so oft, der Fahrradweg entfernt sich manchmal vom Fluss und führt stattdessen durch schöne Dörfer, die abseits liegen.
Es ist wunderbar heute und je länger der Tag dauert, desto mehr Velofahrer sind unterwegs. Es sind aber keine Tourenfahrer, sondern meist betagtere Leute mit ihren E-Bikes.
Gegen Mittag meldet sich der erste kleine Hunger. Ein Café, wo ich mich draussen an die Sonne setzen könnte, wär schön, denke ich. Das Glück ist mir hold; gerade zur richtigen Zeit finde ich das Gewünschte in Lichtenfels, einer kleinen Stadt, die ich aber nicht näher besichtige.

Da noch ein ordentliches Wegstück zu bewältigen ist, breche ich bald wieder auf.
Der Weg ist ziemlich abwechslungsreich im weiten Oberen Maintal und führt durch schöne Landschaften auf wenig befahrenen Nebenstrassen oder Fahrradwegen Richtung Westen.

Gegen 16.30 Uhr erreiche ich Bamberg, das sich in wunderschönem Abendlicht präsentiert.

Ich staune nicht schlecht, als ich sehe, welcher Betrieb in den Gassen dieser schönen Stadt herrscht. Es ist doch Sonntag und schon wieder recht kühl. Das hält die Leute aber nicht davon ab, draussen zu sitzen oder zu stehen, ein kaltes Bier zur trinken und viel Lärm zu machen.

Da ich in dieser Stadt schon auf meiner grossen Deutschlandtour Halt gemacht hatte, verzichte ich auf eine Sightseeingtour. Stattdessen setze ich mich nach der heissen Dusche bald ins hoteleigene Restaurant. Ich darf Platz nehmen an einem Tisch, an dem schon ein junger Mann sitzt: ein Amerikaner aus Texas, wie sich im Gespräch herausstellt, der in Deutschland Orte besucht, in denen er als Soldat stationiert war vor 10 Jahren. Er spricht nicht Deutsch, so habe ich Gelegenheit, wieder einmal mein Englisch aufzufrischen.

Er erzählt mir von seiner Freundin, die Medizin studiere und in einem Chor singe, der «BCM Docappella» heisse und «quite good» sei, aber dass könne ich als Chorleiter vielleicht besser beurteilen als er. BCM Docappella in Action:
Crazy (Gnarls Barkley) – BCM Docappella Cover – YouTube
Ja, sie sind wirklich gut, aber die Stücke, die sie singen, nicht so mein Stil.
Er sei übrigens fast ein wenig froh, dass seine Freundin ihn nicht begleite auf seiner Europa-Reise, weil man hier so viel Schweinefleisch esse und sie als Muslimin (aus Bangladesh stammend) kein Schweinefleisch esse.
Nach dem Essen und dem interessanten Gespräch mit dem jungen Amerikaner gehe ich schon bald aufs Zimmer und schreibe an meinem Blog.
Fakten Etappe 1: Bayreuth-Bamberg
gefahrene Strecke: 100 km
Fahrzeit: 6 Std. 22
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.8 km/h
bergauf: 760m
bergab: 860m
