Day 2: Rietz – Bad Tölz (Isar-Tour)

Als wir heute um 08.15 Uhr von Rietz losfahren, ist es angenehm frisch und der Himmel verhangen mit einigen Nebelwolken.

Auf dem Innradweg bei Rietz

Wir fahren noch kurze Zeit dem Innradweg entlang, bevor wir bei Telfs links abbiegen und schon bald in eine heftige Steigung geraten. Zu Beginn fahre ich tapfer den Berg hoch, doch die Steigung ist zu happig für mich, so dass ich bald vom Rad steige und es zumeist schiebe auf dieser Passstrasse, auf der wir insgesamt 600 Höhenmeter bewältigen.

Steigung nach Mösern

Ein netter österreichischer Autofahrer hält sogar an, als er sieht, wie ich mühsam mein Rad den Berg hochschiebe und fragt mich, ob ich mein «Radel» aufladen möchte. Das lässt mein Stolz natürlich nicht zu.

Fast 2 Stunden verbringen wir auf dieser unendlichen Strasse, werden aber, als wir oben sind von einem wunderbaren Blick zurück ins Inntal belohnt.

Blick ins Inntal zurück

In der Folge gelangen wir nach Seefeld im Tirol, welches sehr touristisch ist.

Seefeld im Tirol

Der Radweg führt uns nun abseits von Hauptstrassen auf Kieswegen talabwärts. Es ist sehr schön hier in diesem Teil von Österreich und wir beobachten sogar eine Hirschkuh, die verängstigt auf einer Wiese herumspringt.

Fahrradweg in der Nähe von Scharnitz

Bei Scharnitz gelangen wir erstmals an die Isar, die im Karwendelgebirge nördlich von Innsbruck entspringt.

Es folgt ein sehr schöner Abschnitt dem natürlichen Flusslauf entlang.

Auf dem Isarradweg bei Scharnitz

Schon bald passieren wir die Grenze zu Deutschland. Im Geigenbauerdorf Mittenwald (meine Geige stammt wohl aus dieser Schule) machen wir unseren Mittagshalt und lassen uns im Garten eines griechischen Restaurants nieder, wo wir zwei verschiedene griechische Salate vertilgen.

Auf der Weiterfahrt gelangen wir an eine Art Panoramastrasse auf der man oft auf den naturbelassenen Flusslauf der Isar sieht. Solche Flusslandschaften sind sehr selten zu finden in Europa.

Panoramaweg der Isar entlang.

Der Fahrradweg führt danach ca. 15 km einer Hauptstrasse entlang, auf der ziemlich viel Sonntagsverkehr herrscht. Vor allem die lauten Töfffahrer sind ein bisschen nervig. Am Sylvensteinsee (die Isar wird hier gestaut) machen wir eine kurze Rast und füllen an einem Brunnen unsere Wasservorräte auf.

Blick auf den Sylvensteinsee

Von dort sind es noch ca. 15 km bis an unser Etappenziel Bad Tölz, welches wir um 16.45 Uhr ziemlich abgekämpft erreichen. Bad Tölz ist ein schmuckes Kleinstädtchen, welches mir bisher nur durch die alte Krimiserie «Der Bulle von Tölz» bekannt war.

Unser Hotel in Bad Tölz

Wir sind ziemlich hungrig, weshalb wir uns bald im hoteleigenen Strassenrestaurant niederlassen und uns ein Wienerschnitzel gönnen (es sind sogar zwei wie wir erfreut feststellen, als uns der Teller serviert wird).

Abendessen im Hotel Kolberbräu

Nachher sitzen wir noch ein wenig auf unseren Balkon und geniessen den warmen Sommerabend. Mein Sohn liest ein spannendes Buch und ich schreibe meinen Blog.

Etwas Sorgen macht uns das Wetter: Es soll morgen heftige Unwetter geben in dieser Region. Schauen wir mal…

Fakten Etappe 2: Rietz – Bad Tölz
Gefahrene Strecke: 92 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 24
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.4 km/h
bergauf: 1030 m
bergab: 1020 m
Übernachtung im Posthotel Kolberbräu

Screenshot

Day 1: Scuol – Rietz (Isar-Tour)

Die diesjährige Sommertour wird mich vom Unterengadin an die Isar führen, welcher ich bis zur Mündung in die Donau entlangfahren werde. Ich nenne sie deshalb Isar-Tour.

Die erste Etappe beginnt an einem sonnigen Samstagmorgen um viertel nach acht  in Scuol.

Bahnhof Scuol; Start ins Tourabenteuer

Es ist nicht das erste Mal, das ich von hier aus dem Inn entlangfahre und wie in den letzten beiden Sommertouren begleitet mich wieder mein Sohn für ein paar Tage.

Es ist ein angenehmer Sommertag heute, nicht zu warm und manchmal verdecken Wolken die Sonne, so dass keine Sonnenbrandgefahr besteht.

Zu Beginn fahren wir auf der Hauptstrasse Richtung österreiche Grenze und kommen so gut vorwärts.

Dem Inn entlang in der Nähe von Martina

Sobald wir in Österreich sind, folgen wir dem Innradweg, der sehr schön, aber auch ziemlich coupiert ist.

Auf dem Innradweg in der Nähe von Pfunds

In der Nähe von Zams erblicken wir wieder das Schlösschen auf einer Bergspitze, ein schönes Sujet:

Auf dem Innradweg in der Nähe von Zams

Bei Imst queren wir ein grössere Gruppe von Riverrafting-Abenteurern, die ihre Gummiboote ans Ufer des Inn tragen.

Riverrafting-Gruppe bei Imst

Obwohl die heutige Strecke eigentlich grösstenteils ein Gefälle aufweist, ist sie doch ziemlich happig wegen den vielen Gegensteigungen, die uns immer wieder ein bisschen ärgern. So bin ich nach ca. 90 km ziemlich fertig und quäle mich über die letzten 20 km.

Auch verspüre ich Schmerzen am ganzen Körper; das hatte ich noch selten so extrem. Ich bin wohl einfach ein bisschen ausser Form. Aber das wird sich sicher bessern im Verlaufe der Tour – das hoffe ich wenigstens.

Kurz vor unserem Etappenziel Rietz fahren wir bei Stams vorbei, welches bekannt ist für seine eindrückliche Klosteranlage, genannt Stift Stams und sein Skigymnasium.

Stams

Um 16.30 erreichen wir das heutige Etappenziel Rietz, welches ein kleineres Dorf ist.

Wenig später beobachten wir vom Balkon unseres Hotelzimmers aus eine Unwetterfront, die schnell näher kommt.

Gewitterfront im Anzug

Bevor das Gewitter eintrifft, machen wir uns auf den Weg ins Dorf-Café, welches heute abend ausnahmsweise geöffnet hat und wo wir einen Grillabend geniessen dürfen wie wir telefonisch in Erfahrung bringen.

Als wir dort ankommen, ist auf der Terrasse des Cafés eine grössere Geburtstagsparty im Gange. Ganz unkomplizert dürfen wir uns zu den Gästen gesellen und uns am Salat- und Fleischbuffet bedienen. Das ist toll und wir geniessen das feine Essen.

Kaum haben wir im Innenbereich Platz genommen, beginnt es zu stürmen und stark zu regnen, worauf die Geburtstagsgesellschaft auch nach innen flüchtet.

Grillplausch in Rietz

Zufrieden und wohlgenährt schlendern wir im Regen ins Hotel zurück. Heute ist ja noch Frauenfussball angesagt und den Blog über die heutige Etappe sollte ich auch noch schreiben…

Fakten Etappe 1: Scuol – Rietz
Gefahrene Strecke: 109 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 24
Durchschnittsgeschw.;
bergauf: 810 m (deshalb bin ich so kaputt)
bergab: 1450 m
Übernachtung im Hotel Rietzerhof, Rietz

Screenshot


Day 4: Reggio – Bologna

Das heutige Frühstück darf ich im Hotel Posta einnehmen, das ist ein eindrücklicher Palazzo aus dem 16. Jahrhundert.

Hotel Posta, Reggio nell’Emilia

Ich nehme es gemütlich an diesem Morgen, denn die heutige letzte Etappe ist nur ca. 80 km lang, fast schon «Peanuts» für mich. Das Wetter ist wieder prächtig und auch meine Fahrradroute ist schön.

Unterwegs zwischen Reggio und Modena

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit erreiche ich Modena. Hier mache ich einen kleinen Halt und setze mich in ein Café im Schatten des Doms. Für einmal erlaube ich mir zum Kaffee etwas Süsses (ich bin ja sonst sehr diszipliniert diesbezüglich!). Das berlinerartige Gebäck mundet vorzüglich. Es heisst Bombolone und erinnert mich an meine Jugend, als ich mit meinen Eltern die Herbstferien an der Riviera bei Alassio verbrachte und ein Einheimischer jeweils den Strand ablief und von seiner Frau gebackene Bombolone verkaufte und sein Kommen mit lautem Rufen ankündigte.

Kaffeehalt in Modena

Der Dom soll eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke sein, lese ich – so lasse ich es mir nicht nehmen, nach dem Kaffee einen günstigen Ort zu suchen, um diesen Bau möglichst optimal fotografisch festzuhalten.

Dom von Modena

Es hätte bestimmt noch weitere Dinge zu entdecken gegeben in Modena, aber ich setze meine Fahrt nach ca. 45 Min. wieder fort. Ich habe eine schöne Route geplant heute und es freut mich, dass es sich gelohnt hat, sie nach den Erlebnissen vom Vortrag etwas umzuplanen. Aber als mich Komoot plötzlich zum Umkehren (d.h. Spitzkehre machen) auffordert, stutze ich, denn ich kann beim besten Willen keinen Weg entdecken im hohen Gras.

Fahrradroute ins Dickicht (?)

Vielleicht gab’s hier mal einen Weg, aber er ist nun völlig überwuchert. Also fahre ich weiter und suche einen Ersatzweg, den ich zum guten Glück finde und der mich wieder auf die geplante Route führt. Doch schon bald erwartet mich das nächste kleine Abenteuer. An einer Stelle ist der Weg komplett überschwemmt und ich sehe keine Möglichkeit die Pfützen zu umgehen.

Überschwemmter Fahrradweg

ich muss da durch und versuche es fahrenderweise, verliere aber, als ich es fast schon geschafft habe, das Gleichgewicht und zieh wortwörtlich einen Schuh voll heraus. So ein Pech!

Wenig später führt mich mein Weg an einen Park.

Parco Villa Sorra

Ich soll hier links abbiegen, aber ich sehe nur eine Wiese. Heute hat Komoot irgendwie einen schlechten Tag, denke ich. Da ich aber mit ein bisschen Fantasie einen Single-Trail erkennen kann, fahre ich da durch und gelange zum Glück nach 250 Metern wieder auf einer Teerstrasse.

Single-Trail durch die Wiese

Die kleinen Abenteuer wollen heute einfach nicht aufhören, denn plötztlich stehe ich vor einer Barrikade.

Gesperrte Strasse

Ich bin ein wenig irritiert, aber mangels Alternativen fahr ich bei der kleinen Lücke auf der rechten Seite durch und lande später auf einem sehr schönen Abschnitt, wo ich ganz alleine bin.

Fahrradroute in der Nähe von Bologna

Generell begegnen mir auf dieser Tour fast keine Tourenfahrer – die Velofahrer, dir mir begegnen, sind meist pensionierte ältere Herren, die auf dem Rennrad unterwegs sind – und einige rufen mir «Ciao» oder «Salve» zu.

Schon wieder gerate ich an eine Strassensperre, das wird langsam inflationär.

Gesperrte Strasse

Zum guten Glück kann ich mich auch hier wieder durchzwängen mit meinem Fahrrad. Wieso die Strasse gesperrt ist, finde ich nicht heraus.

Nach diesen kleinen Abenteuern kündigt sich bald Bologna an. Ich fahre nun längere Zeit auf einer Einfallstrasse, die von unendlichen Baustellen geprägt ist. Das ist etwas mühsam, da sich das kilometerweise hinzieht und ich deshalb meist auf der engen Strasse fahre, weil da, wo der Fahrradstreifen gewesen wäre, gebuddelt wird.

Baustellen ohne Ende

Endlich erreiche ich das Zentrum der Stadt, das imposante Stadttor lässt mich das vermuten.

Stadttor von Bologna

Ein wenig später – ich bin schon nahe der Innenstadt – herrscht ein ziemliches Verkehrschaos, Busse stauen sich und Unmengen von Touristen strömen über die Zebrastreifen.

Viel los in Bologna

Nun ist es nicht mehr weit zu meinem Hotel, das am Rande der Altstadt liegt und das ich gegen 16 Uhr erreiche. Somit ist das Ziel meiner diesjährigen Frühlingstour erreicht. Ich bin froh, dass ich pannen- und beschwerdefrei diese Tour zu Ende gebracht habe; das ist nicht selbstverständlich. Auch das Wetter war perfekt und Rückenwind hatte ich auch oft.

Natürlich erkunde ich nach dem Einchecken und dem Frischmachen die Stadt Bologna. Ich war noch nie hier; deshalb bin ich überrascht von der ganzen Pracht, die ich auf meinem Rundgang entdecke.

Bologna

Bologna ist eine ausserordentlich schöne Stadt mit unzähligen Palazzi, Kirchen, Türmen, schönen Häusern und langen Bogengängen (ähnlich wie die Lauben in Bern, nur viel höher und länger). Kein Wunder sind so viele Touristen hier.

Bologna

Mit diesen Eindrücken schliesse ich den Blog meiner spannenden Frühlingsradtour durch interessante Städte in der Po-Ebene und möchte mich gleichzeitig bedanken für die Rückmeldungen und Likes. Sogar ein selbstverfasstes Gedicht über meine «Heldentaten» wurde mir gewidmet!

Fakten Etappe 4: Reggio nell’Emilia – Bologna
Gefahrene km: 80
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.9 km/h
Bergauf: 140 m
Bergab: 140 m
Übernachtung im Hotel Regina, Bologna

Screenshot

Day 3: Cremona – Reggio nell’Emilia (Bologna-Tour)

Auch heute scheint wieder die Sonne, als ich um 9 Uhr von Cremona aufbreche. Zuerst kämpfe ich mich zu Fuss durch einen grossen Markt; es werden zumeist billige Kleider angeboten.

Markt in Cremona

Doch bald bin ich wieder auf dem Po-Radweg. Und es ist schon ziemlich warm und sehr angenehm an diesem schönen Morgen auf perfektem Belag auf dem Po-Damm Richtung Osten zu fahren.

Po-Radweg bei Cremona

Man hat einen guten Überblick auf die weite, ebene Landschaft rundum. Immer mal wieder fahre ich an grossen Gutshöfen vorbei; die einen scheinen unbewohnt, wie dieses festungsartige Gebäude.

Ehemaliger Gutshof

Als ich den Po auf einer langen Brücke überqueren muss, stehe ich erstmals vor einem kleinen Problem, denn eine Spur ist gesperrt und die andere wird abwechslungsweise jeweils in beiden Richtungen benutzt.

Bauarbeiten an Po-Brücke

Fahrradfahrer sind nicht eingeplant, wie ich etwas genervt feststelle. Ein bisschen frech befahre ich die freie Spur bei Rot, als ich sehe, dass kein Gegenverkehr mehr in Sicht ist. Ein cleverer Schachzug, denn so vermeide ich, dass mich Lastwagen von hinten bedrängen und mich überholen wollen.
Nach dieser kurzen Eskapade kann ich bald wieder von der Bundestrasse links abbiegen und meinen Weg auf Nebenstrassen fortsetzen.

Heute fühle ich mich ein wenig wie ein Tierfotograf: nachdem ich ein Kaninchen und eine Bisamratte fotografiert hatte und ausserdem Rebhühner sah, entdecke ich an einem Wassertümpel ein weiteres Tier, das ich nicht erwartete. Was könnte das wohl für eines sein? (Das heutige Rätsel)

Landschaft in der Nähe von Parma

Richtig, es sind Schildkröten, die ein Sonnenbad nehmen.
Wenig später biege ich nach rechts ab und folge dem Fluss Taro, der viel Wasser führt.

Fiume Taro

Wiederum ist der Radweg auf einem Damm angelegt. Rechts ist der Fiume Taro und links entdecke ich ein Bauwerk, das ich nicht so recht einordnen kann. Ist es ein Bewässerungskanal?

Auf dem Radweg beim Fiume Taro

Rastplätze sind entlang der Radrouten in Italien selten, deshalb nutze ich die Gelegenheit, als ich einen entdecke und mache hier meinen Mittagshalt.

Mittagspause

Als mich meine Route unter Autostrassen durchführt, folgt das nächste kleine Abenteuer, denn der Fahrradweg ist komplett überflutet.

Überschwemmter Fahrradweg

Zum guten Glück haben aber schon andere Velofahrer eine Ersatzschneise durch die Neophyten gebahnt, welche ich gerne benutze. So komme ich einigermassen heil aus dem Schlammassel heraus.
So erreiche ich nach einigen kleinen Abenteuern die Stadt Parma, die mich mit einem riesigen, und etwas protzigen Palazzo empfängt.

Palazzo della pilotta, Parma

Ich durchquere diese imposante und grosse Stadt schnell und befinde mich bald auf einer Strasse, die mich schnurgeradeaus nach Reggio Emillia führen soll, meinem Etappenziel.

Leider ist es nun aber vorbei mit den schönen Fahrradwegen, denn ich soll auf einem mickrigen und holprigen Weg neben einer stark befahrenen Bundesstrasse noch ca. 25 km zurücklegen.

Fahrradroute zwischen Parma und Reggio

Das wird mir bald zu bunt, so dass ich eine Ausweichroute suche. Ich mache dabei natürlich einen grossen Umweg, aber immerhin fahre ich nun auf wenig befahrenen Nebenstrassen.

Schliesslich erreiche ich ein wenig verspätet meine Zielstadt Reggio. Auch heute wieder war mir der Wettergott gnädig gesinnt – trotz einiger dunkler Wolken blieb der Tag regenfrei.

Reggio, Piazza

Nach dem Einchecken und der Dusche erkunde ich noch ein wenig diese mir bisher unbekannte Stadt und lasse mich schliesslich in einem Strassencafé nieder.

Reggio, in der Abendsonne

Ich schreibe ein wenig an meinem Blog, bevor ich ein kleines Restaurant aufsuche, das in der Nähe meines Hotels liegt. Auf Empfehlung esse ich Spaghetti Amatriciana mit Zucchini, es ist lecker und eine Abwechslung nach den Fleischmenus, die ich an den Vortagen genossen habe.

Abendessen in der Bottiglieria San Giovanni, Reggio

So neigt sich ein schöner Tourentag dem Ende entgegen. Nur noch das Beenden des heutigen Blogs erwartet mich im Hotelzimmer.

Fakten Etappe 3: Cremona-Reggio nell’Emilia
Gefahrene km: 98
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.7 km/h
Bergauf: 210 m
Bergab: 200 m
Übernachtung im Hotel Reggio

Screenshot

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Day 2: Monza – Cremona (Bologna-Tour)

Nach gutem Schlaf in einem aussergewöhnlichen Hotel mache ich mich um viertel vor neun zur Abfahrt bereit, nicht ohne den etwas speziellen Hoteleingang zu fotografieren.

Eingang zum Nine Hotel, Monza

Der Himmel präsentiert sich heute in schönstem Blau, das war aufgrund der Wetterprognosen nicht zu erwarten gewesen. So starte ich frohgemut zur 2. Etappe meiner Bologna-Tour. Zu Beginn ist die Etappe nicht so schön, ich befinde mich längere Zeit in der erweiterten Agglomeration von Mailand mit Velostreifen entlang von Ausfallstrassen, es hat Verkehrskreisel ohne Ende und relativ viel Morgenverkehr. Zum Glück wird es nach ca. 30 km besser und ich gelange auf einen tollen Fahrradweg einem kleinen See entlang.

toller Fahrradweg

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit mache ich eine Pause und setze mich in ein Strassencafé in einer kleineren Ortschaft und trinke einen Capuchino. Es ist schon ziemlich warm und ich bin froh, dass ich den Sonnenhut dabei habe.

Kaffeepause

Es herrscht ideales Fahrradtourenwetter heute und ich beginne den Tag zu geniessen, denn ich befinde mich nun auf einer schönen, beschilderten Fahrradroute, die mich meist abseits von Autostrassen Richtung Süden führt.
In der Nähe von Lodi fahre ich an einem riesigen schlossartigen Gebilde vorbei und ich frage mich, was das ist, denn es ist auf ca. 200m x 200m komplett von hohen Backsteinmauern umgeben. Wer errät, was es sein könnte?

Eindrückliches Gebäude bei Lodi

Richtig, es ist ein Friedhof, nämlich der Hauptfriedhof von Lodi, der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde und neuromanische Elemente enthält. Seine Umrisse sind sogar 280m x 175m mit total 35’000 m2. Das ist beachtlich.

Der Fahrradweg ist nun optimal, er scheint ziemlich neu zu sein und er führt einem kleinen Fluss entlang – so gefällt’s.

Neuer Fahrradweg

Jetzt fehlt nur noch ein lauschiges Plätzchen, wo ich meine Mittagspause machen kann. Kaum habe ich diesen Gedanken, wird mein Wunsch schon erfüllt:

Mittagspause

Die Gegend ist hier nur noch spärlich besiedelt und ich fahre selten durch Dörfer wie dieses:

Dorf

Circa nach 50 km überquere ich den Fluss Adda, dem ich in der Folge bis fast zur Einmündung in den Po folge. Ein italienisches Sprichwort lautet: Il Po non sarebbe Po, se l’Adda ed il Ticin non ci mettesser co’ (= capo) („Der Po würde Po nicht sein, flössen nicht die Adda und der Tessin hinein“).

Überquerung der Adda

Auch auf dem Damm des Po gibt’s wieder einen tollen Radweg, der mich bis nach Cremona begleitet.

Radweg auf dem Po-Damm

Man sieht, dass der Po immer noch sehr viel Wasser führt, und das Wasser eine braune Brühe ist. Kurz vor Cremona sind etliche Leute daran, Wege und Stege vom Schlamm zu säubern – offenbar hat der Fluss vor kurzem noch sehr viel mehr Wasser mit sich geführt.

Am Po bei Cremona

Die heutige Etappe endet nach 105 km um viertel nach vier. Ich erreiche mein Hotel, das gleich beim eindrücklichen Dom liegt.
Wie üblich schlendere ich nach der obligaten Dusche noch ein wenig in dieser schönen Stadt herum. Leider ist das Stradivari-Museum schon zu. So begnüge ich mich mit dem Hineinschauen in einige Geigenbauer-Ateliers, die sich auf meinem Rundgang befinden. Cremona ist heute immer noch eine bekannte Geigenbauerstadt.

Am Hauptplatz setze ich mich an einen Tisch mit wunderbarer Sicht auf die Fassade des Doms und den 112 m hohen Turm (zuerst viereckig, ganz oben dann achteckig).

Cremona, Dom mit Turm

Dieser Turm soll bis ins 20. Jahrhundert der höchste Turm Italiens gewesen sein; er wurde vor über 700 Jahren erbaut. Das ist unglaublich. Auch die Fassade des Doms ist faszinierend, sie enthält Elemente aus Gotik, Romanik und Renaissance und die beiden Türmchen zur Seite sind in mittelalterlichem Stil, so lese ich auf Wikipedia.

Nach dem kleinen Ausflug geht’s wieder in Hotel zurück, wo ich das Abendessen geniesse und an meinem Blog schreibe.

Fakten Etappe 2: Monza-Cremona
Gefahrene km: 105
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.9 km/h
Bergauf: 170 m
Bergab: 290 m
Übernachtung im Albergo Duomo, Cremona

Screenshot

Day 1: Lugano – Monza (Bologna-Tour)

Die diesjährige Frühlingstour wird mich von Lugano aus nach Bologna führen. Nach einem regnerischen, grauen Ostersonntag in Paradiso ist das Wetter am Ostermontagmorgen freundlicher, als ich um viertel vor 10 zu einem weiteren Veloabenteuer aufbreche. Die heutige Etappe wird nicht allzu lange sein, so dass ich es gemütlich nehme und auch gleich nach dem Start wieder vom Rad steige, um das schöne Panorama bei Lugano festzuhalten.

Rückblick auf Lugano

In der Folge fahre ich dem See entlang nach Melide und gelange dort auf eine Radroute, die mich meist auf Fahrradwegen bis zur Grenze begleiten wird. Bei Bissone fotografiere ich den Monte San Giorgio, ein Berg, auf dem ich vor vielen Jahren einst Fossilien suchte. Er ist berühmt dafür.

Blick auf den Monte San Giorgio

Wie schon auf einer früheren Tour durchfahre ich die sehenswerte Altstadt von Mendrisio.

Mendrisio

Der folgende Weg Richtung Chiasso bietet schöne Aussichten auf alle Seiten.

Route vor Chiasso

Statt aber bis nach Chiasso zu fahren, biege ich wenig später rechts ab und bin schon bald an der italienischen Grenze. Von hier führt mich der Weg aufwärts in hügeliges Gelände und ich komme bei den Steigungen ziemlich  ins Schwitzen, obwohl es eigentlich noch ziemlich kühl ist.
Ich fahre nun auf Regionalsstrassen (strada provinciale, abgekürzt SP), wobei sich der Verkehr zum Glück meist in Grenzen hält.

Bei einer modernen kleinen Kirche mit Sitzbänken aus Granit mache ich meinen Mittagshalt, nachdem ich immerhin schon fast 35 km geschafft habe.

Mittagshalt nach 35 km

Die heutige Etappe führt mich meist durch bebaute Landschaften – man merkt, dass man sich in der erweiterten Agglomeration von Mailand befindet.

Fahrradweg neben Regionalstrasse

Als ich an einem eindrücklichen Rohbau vorbeifahre und die Werbetafel daneben erblicke, frage ich mich, ob die Erbauer wohl pleite gegangen sind und es deshalb beim Bau nicht mehr weitergeht.

Imposanter Rohbau

Nachdem ich auf der heutigen Radtour bislang tolle Fahrradwege vermisst habe, führt mich Komoot 10 km vor meinem Etappenziel doch noch auf eine frisch geteerte, prächtige Fahrradstrasse.

Fahrradroute in der Nähe von Monza

Und zum Schluss wird es sogar noch idyllisch:

Route bei Monza

Schon um 15 Uhr erreiche ich mein Hotel; ich habe zuerst Mühe, es zu entdecken, denn es ist – wie mir scheint – vor allem ein riesiges Restaurant, in dem Hochbetrieb herrscht an diesem Ostermontag. Das Einchecken wird fast zum grössten Abenteuer an diesem sonst unproblematischen Tourentag: Ich muss mich in eine Riesenschlange bei der Kasse einreihen, denn offenbar ist der Restaurantkassier gleichzeitig auch Rezeptionist des an gleichen Ortes befindlichen Hotels. Ich warte über 10 Minuten, bis ich endlich an der Reihe bin und meinen Zimmerschlüssel bekomme.

Überrascht bin ich vom meinem Zimmer, denn es ist ein grosses Appartement mit Wohnraum und separatem Schlafzimmer – nicht schlecht für den moderaten Preis.

Blick von meinem Hotelzimmer aus, unter den Zelten befindet sich ein Teil des riesigen Hotel-Restaurants.

Nach obligater Dusche sehe ich mich noch ein wenig im schönen Städtchen Monza um.

Dom von Monza

Und nach einigem Suchen entdecke ich ein lauschiges Plätzchen in einem Strassencafé, wo ich den heutigen Blog schreibe.

Am Blogschreiben

Kulinarisch endet der Tag im Hotelrestaurant. Anfangs bin ich alleine

Doch nach und nach füllt sich das Lokal – die Italiener essen später als wir Schweizer. Mit offeriertem Limoncello endet der kulinarisch befriedigende Abend; ich ziehe mich in mein Appartment zurück, um den Blogfinish zu erledigen.

Nachtrag: Kaum hatte ich den Blog veröffentlicht, erreichte mich schon per E-Mail ein Gedicht eines Dichterfreundes, das ich hier teilweise veröffentliche:

Monza heisst sein erstes Ziel.
Dass ihm dieser Ort einfiel
für den ersten Boxenhalt
und den kleinen Aufenthalt,
scheint mir klar im Wunsch zu liegen,
statt mit «Treten» mal mit «Fliegen»
und mit Bleifuss auf Pedal
auf dem Monza-Ring einmal
Rund’ um Runde hinzudrehn.
Bernhard! – ehrlich! – wär’s nicht schön?

(Angelus Hux)

Fakten Etappe 1: Lugano-Monza
Gefahrene km: 67
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.6 km/h
Bergauf: 460 m
Bergab: 590 m
Übernachtung im Nine Hotel, Monza

Screenshot

Day 5: Pula-Lovran (Istrien-Tour)

Der heutige Tag beginnt mit einem üppigen Frühstück im Hotel Modo. Die Käse-Fleisch-Gemüs-Platte, die mir aufgetischt wird, würde für 6 Personen reichen. Ich kann damit noch locker 2 Brote für die Reise zubereiten und es bleibt immer noch die Hälfte übrig.

Frühstück im Hotel Modo

Auf meinem Weg fahre ich heute auch nochmal durch Pula. Die Hafen- und Werftanlagen prägen das Bild von Pula, wenn man es von weitem fotografiert.

Pula

Diesmal fahre ich durch die Innenstadt und entdecke weitere Gebäude aus der Römerzeit

Pula, Zentrum

Ich halte mich aber nicht lange in der Innenstadt auf, denn die heutige Etappe ist wieder ziemlich lang. Als ich die Stadt verlasse, sticht mir das schöne Bahnhofsgebäude von Pula ins Auge. Es steht ein mickriges Zügchen dort und fährt gerade ab, als ich vorbeifahre.

Bahnhof von Pula

Die Istrier scheinen keine Zugfahrer zu sein und auch die Rezeptionistin im Hotel Modo gestand, noch nie mit dem Zug von Pula losgefahren zu sein, denn er sei viel zu langsam. Randbemerkung: Pula hat 50’000 Einwohner.

Heute fahre ich immer auf Asphaltstrassen, denn nach der gestrigen schlechten Erfahrung mit den Naturstrassen, habe ich die heutige Etappe nochmals neu geplant – diesmal als Rennvelofahrer – denn dann habe ich die Gewissheit nur auf Asphaltstrassen zu fahren.

Die erste grössere Ortschaft, die ich erreiche ist, heisst Galižana und ist sehr reizvoll mit ihrer Ursprünglichkeit.

Galižana

Galižana hat heute 1500 Einwohner, von welchen der Grossteil zu einer italienischen Gemeinde gehört, die tief verwurzelte Eigentümlichkeiten wie Lieder, Tänze, Musik und spezielle Kleidung pflegt. (Quelle: Internetrecherche)

Heute bin ich oft im Grünen unterwegs und durchquere wenig Siedlungen und Ortschaften.

Auf der Hochebene in der Nähe von Vodjane

Selten ist die Route heute eben, insgesamt habe ich 3 Anstiege zu bewältigen, was beim zweiten Anstieg etwas nervig ist, weil die Strasse ziemlich stark befahren ist – vor allem die Lastwagen machen mir immer etwas Angst.

Rückblick ins Tal

Dank den Aufstiegen gibt’s aber immer wieder rasante Abfahrten.

Abfahrt bei schlechterem Wetter

Bis jetzt hatte ich zumeist die Sonne im Rücken, nun scheint sich das Wetter aber wieder zu verschlechtern; doch bleibt’s zum guten Glück bei ein paar wenigen Regentropfen.

Auf meinem letzten Anstieg mache ich einen Halt in einer kleinen Bergnest-Ortschaft; sie heisst Plomin.

Plomin

Hier treffe ich auf ein grosses Rudel von deutschen E-Bike-Fahrern aus dem Allgäu, die an einer organisierten Bike-Tour von Arnold-Bike-Reisen teilnehmen und von einem Riesen-Bus mit Anhänger begleitet werden.

Teilnehmer einer organisierten Bike-Tour

Es gibt viel zu sehen von Plomin aus: Im Tal unten befindet sich ein Kohlekraftwerk, wenn ich das Bild richtig interpretiere.

Kohlekraftwerk bei Plomin

Und in die andere Richtung hat man einen schönen Blick auf einen Meeresarm, der fjordartig ins Landesinnere reicht.

Aussicht bei Plomine

Hier mache ich meine Mittagspause und geniesse meine Wurst- und Käsebrötchen.

Der folgende Abschnitt ist der schönste der ganzen Tour. Auf erhöhter Panoramastrasse geht’s nun auf der Ostseite der Istrischen Halbinsel auf der Küstenstrasse Richtung Norden. Immer wieder muss ich anhalten um das schöne Panorama zu fotografieren

Blick nach Osten auf die Insel Cres

In Fahrtrichtung Norden kann man schon bald die grosse Agglomeration von Rijeka erkennen.

Blick Richtung Norden

Als ich um halb fünf in Lovran ankomme, ist gerade viel los und junge Leute in Uniformen eilen über die Strasse. Die Rezeptionistin im Hotel Lovran erklärt mir, dass heute die «Marunada» stattfinde, das grosse Marronifest. So schlendere ich noch ein wenig im Zentrum dieses kleinen Städtchens herum, um die „chilbimässige“ Kirmess-Stimmung einzufangen.

Marunada in Lovran

Es ist mir aber ein bisschen zu laut, weshalb ich mich ans Meerufer begebe und auf einer schönen Strandpromenade zurück zum Hotel spaziere.

Abendstimmung am Strand von Lovran

Im Hotel darf ich ein spannendes Buffet-Essen geniessen und viele lokale Köstlichkeiten probieren – eine neue Erfahrung. Es sind ziemlich viele Gäste anwesend, was erstaunlich ist für diese Nebensaisonzeit.

Abendessen im Hotel Lovran

Nach dem Abendessen muss ich meine Nachhausefahrt neu organisieren. Ausgerechnet am Sonntag, meinem Rückfahrtag streiken die Mitarbeiter der italienischen Eisenbahngesellschaft FS. Eigentlich wollte ich morgen Samstag mit dem Velo nach Trieste fahren und am Tag darauf über Bologna und Mailand zurück nach Zürich reisen. – Aber das fällt nun ins Wasser, meine Züge fallen aus. Nun versuche ich von Rijeka (das nur 20km entfernt von Lovran ist) über Ljubljana und Graz heimzureisen. Ich hoffe, das klappt.

Damit enden meine Berichte über die Istrien-Tour, über die ich ein durchzogenes Fazit ziehe, da das Wetter nicht immer mitspielte und ich auch manchmal mit schlechten (oder fehlenden) Fahrradwegen hadern musste. Ich habe aber viele sehenswerte Städte besucht und – wie heute – auch traumhafte Panoramas geniessen können.

Zum Schluss möchte ich mich wie immer bedanken bei meinen Lesern für die Feedbacks, Likes und Aufmunterungen. Spätestens im nächsten Frühling werdet ihr wieder von mir hören.

Am Blogschreiben in der Hotel-Lobby

Fakten Day 5: Pula-Lovran
Gefahrene Strecke: 87 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.4 Km/h
Bergauf: 960 m
Bergab: 950 m
Übernachtung im Hotel Lovran, Lovran

Screenshot

Nachtrag:
Am 6. Tag, dem Rückreisetag, radle ich zuerst bei schönstem Wetter nach Rijeka (ca. 20 km) und nehme dann dort den ersten Zug nach Ljubljana um 11:50 Uhr. Mein Fahrrad hat glücklicherweise auch Platz.

Hafen von Rijeka, Zielort meiner Istrien-Tour

Day 4: Poreč-Pula (Istrien-Tour)

Heute fahre ich bei gleissendem Sonnenlicht und blauem Himmel los. Dazu bläst ein warmer Wind, also optimale Verhältnisse.

Poreč, Blick auf Hafen und Hotel Palazzo

Meine Route führt mich ein wenig zickzack ins Landesinnere, da ich einen langen Fjord, den Limski zaljev, der weit ins Landesinnere reicht, umfahren muss.

Blick auf den Limski zaljev (Fjord)

In rasanter Fahrt geht’s nun ans Ende dieses Fjords hinunter, um nachher wieder etwa 200 m steil aufwärts zu gehen; das ist ziemlich zermürbend, aber ich fahr tapfer hoch; ohne abzusteigen. Oben angekommen folgen liebliche Landschaften – Olivenhaine, Weinreben und gestrüppartige Wälder prägen oft die Landschaft.

Unterwegs auf Nebenstrassen

Die nächste Stadt, die ich erreiche ist Rovinj. Diese Stadt ist ein Juwel und liegt auf einer Felserhebung direkt am Meer.

Rovinj

Ich schlendere ein wenig durch die Gassen dieser sehenswerten Stadt und ärgere mich ein wenig über eine Gruppe deutscher E-Biker, die mir fahrend und klingelnd entgegenkommt, während ich das Fahrrad schiebe.

Gerne möchte ich mich in eines der zahlreichen Strassencafés u. -restaurants setzen, finde aber lange Zeit nichts, was mir zusagt. Erst ausserhalb der Altstadt finde ich ein schönes Plätzchen mit Blick auf Stadt und Hafen. Ich esse eine feine istrische Gemüsesuppe und geniesse die schöne Aussicht.

Istrische Gemüsesuppe in Rovinj

In der Zwischenzeit hat sich der Himmel bezogen und leichter Regen setzt ein. Also ziehe ich die Regenkleider an und nehme den zweiten Teil der Etappe in Angriff.

Bald schon führt mich Komoot auf holprige Kieswege und ich komme kaum mehr vorwärts. Eine Abzweigung nach links verpasse ich zuerst und als ich zurück zur Verzweigung fahre, erwartet mich eine riesige Pfütze.

Fahrradroute (?)

Da fahr ich doch lieber auf dem Kiesweg weiter, habe nachher aber Schwierigkeiten, wieder den richtigen Weg zu finden. Und als ich endlich mal eine asphaltierte Strecke befahren kann, dauert das Vergnügen nur kurze Zeit.

Im Nirgendwo zwischen Rovinj und Pula

Der Regen und die schlechten Fahrradwege zehren ein bisschen an meinen sonst ziemlich robusten Nerven – umso froher bin ich, ca. 20 km vor Pula endlich wieder auf asphaltierten Strassen fahren zu können. So erreiche ich Pula gegen 5 Uhr und entdecke das berühmte römische Amphitheater auf dem Weg zu meinem Hotel.

Pula, römisches Amphitheater

Mein Hotel liegt etwas ausserhalb von Pula und ist sehr schön gelegen. Vom Balkon meines komfortablen Zimmers beobachte ich die schnell wechselnden Abendstimmungen mit starkem Wind, Regen und zuletzt auch noch ein paar Sonnenstrahlen.

Abendstimmung bei Pula

In der Hotelhalle schreibe ich meinen Blog, esse Darvidas und Salami-Sticks, mein heutiges Abendessen. Natürlich darf ein feines einheimisches Bier nicht fehlen.

Fakten Day 4: Poreč-Pula
Gefahrene Strecke: 75 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.4 Km/h
Bergauf: 710 m
Bergab: 70 m
Übernachtung im Hotel Modo, Pula

Screenshot

Day 3: Koper-Poreč (Istrien-Tour)

Für einmal habe ich nicht durchgeschlafen; immer wieder peitschte der Wind Regentropfen an die Scheiben meines Hotelzimmers. Aber als ich morgens aus dem Fenster schaue, hat sich das Wetter wieder beruhigt. Nach ordentlichem Frühstück in diesem noblen Hotel fahre ich ca. viertel vor zehn los. Das ist sehr spät für meine Verhältnisse, aber die heutige Etappe ist ziemlich kurz, so ist das kein Problem.

Ich mache noch einen kurzen Abstecher ins Zentrum dieses sehenswerten Städtchen.

Koper

Bald darauf befinde ich mich auf einem tollen Fahrradweg, der dem Meer entlangführt. Das ist ein schöner Start in die heutige Etappe!

Fahrradroute dem Meer entlang

Das Vergnügen dauert aber nicht sehr lange und die Route führt mich in hügeliges Gelände.

Hügelige Landschaft bei Koper

Bald befinde ich mich auf der Trasse einer stillgelegten Eisenbahnstrecke. Sie heisst Parenzana-Bahn, weil sie von Trieste nach Parenzo (heute Poreč) führte.

Längstes Tunnel der ehemaligen Parenzana-Bahn

Diese Bahn wurde 1902 im ehemaligen österreichisch-ungarischen Kaiserreich erbaut und war nur etwas über 30 Jahre in Betrieb.

Heutzutage wird die Trasse genutzt als multinationaler Radwanderweg, als sogenannter Weg der Gesundheit und Freundschaft.

Die nächste Sehenswürdigkeit auf dem Weg sind die Salinen von Sečovlje/Sicciole. Es wird hier offenbar immer noch Salz gewonnen, aber das Gebiet ist auch gleichzeitig Naturschutzgebiet.

Salinen von Sečovlje/Sicciole

Hier beobachte ich eine grosse Gruppe deutscher Touristen, die gerade ihre E-Bikes aus einem Car nehmen und sich für eine Tour bereitmachen. Überhaupt hat man das Gefühl, dass vor allem Deutsche hier Urlaub machen. Andere Sprachen hört man kaum, auch nicht Schweizerdeutsch.

Auf meiner Weiterfahrt erreiche ich bald die Grenze zu Kroatien; zwei grosse Zollbebäude sind zu passieren, aber es ist niemand da, der die Passierenden kontrolliert. So gelange auch ich fast unmerklich nach Kroatien. Was man aber sofort merkt, ist, dass die Fahrradwege nicht mehr so komfortabel asphaltiert sind wie in Slowenien.

Bald muss ich sogar vom Rad steigen, denn eine kurze steinig-felsige Passage ist fahrerisch nicht zu bewältigen.

Absteigen!

Immerhin bin ich alsbald wieder auf dem Parenzana, nur ist diesmal der Weg ziemlich steinig und holprig. Von einem schönen Aussichtspunkt hat man wieder einen schönen Blick auf die Salinen von von Sečovlje/Sicciole.

Auf dem Parenzana-Radweg mit Blick auf die Salinen

Die heutige Etappe ist geprägt von einem stetigen Auf und Ab, was ziemlich ermüdend ist. So entscheide ich mich für einen kurzen Kaffeehalt im schönen Touristenstädtchen Umag.

Kaffeehalt in Umag

In der Folge fahre ich an unzähligen grossen Geisterresorts und Geistercampingplätzen im Nirgendwo vorbei. Die Saison scheint vorbei zu sein für diese Art von Tourismus.

Immer wieder führt mich meine Fahrradroute direkt dem Meer entlang. Das ist natürlich besonders schön.

Panoramaradweg dem Meer entlang

Es ist angenehm warm heute, ca. 22° Grad und ich fahre ohne Jacke. Die nächstgrössere Stadt auf meiner Route heisst Novigrad (Cittanova). Es fällt mir auf, dass alle Ortschaftsnamen zweisprachig angeschrieben sind. Abends lese ich, dass Istrien offiziell zweisprachig ist, also im kroatischen Teil kroatisch/italienisch. Vor allem an der Westküste gibt es noch eine italienisch sprechende Minderheit.

Blick auf Novigrad/Cittanova

Ich weiche etwas von meiner Route ab und fahre ins Zentrum dieses schönen Städtchens, wo ich ein Bier trinke und dazu etwas Pommes esse.

Zwischenhalt in  Novigrad

Auf meiner Weiterfahrt durchquere ich das Meer auf einer auf einem Damm angelegten Strasse.

Dammstrasse

Auf der anderen Seite geht es wieder eine steile Strasse hoch, die ich zu Fuss bewältige. Etwas später gelange ich auf einen abenteuerlichen holprigen Weg, wo ich manchmal Slalom um Pfützen herum fahren muss.

abenteuerliche Radroute

In der Nähe von Poreč bewundere ich einen wunderbar angelegten Meer-Swimming-Pool. Beim heutigen starkem Wind getraut sich aber niemand ins Wasser.

Badegelegenheit

Nun ist es nicht mehr weit bis Poreč, meinem Etappenziel. Obwohl die Strecke heute ziemlich kurz war für meine Verhältnisse, bin ich ziemlich ausgepowert durch das ständige Auf und Ab und deshalb froh um 17 Uhr anzukommen.

Ankunft in Poreč

Das heutige Hotel ist auch wieder ziemlich edel – man gönnt sich ja sonst nichts, denke ich.

Das Abendessen im Hotel hab ich gleich mitgebucht. So lasse ich mich nach einem Apéro im Hotel-Restaurant nieder und werde nicht enttäuscht.

Lammkoteletts im Hotelrestaurant

Draussen ist’s wieder ziemlich stürmig. – Wie wird das Wetter wohl morgen sein?

Fakten Day 3: Koper-Poreč
Gefahrene Strecke: 78 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.4 Km/h
Bergauf: 730 m
Bergab: 730 m
Übernachtung im BO Hotel Palazzo

Screenshot

Day 2: Udine-Koper (Istrien-Tour)

Als ich an diesen Morgen den Rolladen hochziehe, sehe ich, dass es regnet und sehr grau ist.

Blick aus dem Hotelfenster

Das ist nicht überraschend, denn die Wettervorhersagen für diesen Dienstag sind nicht gut.

Also werfe ich mich nach dem typisch italienischen Frühstück (= nicht so gut; trockenes Weissbrot, süsse Gipfel, merkwürdiger Fruchtsaft, Scheibenkäse, wässriger Kaffee etc.) ins Regenkostüm und fahre um viertel vor neun los.

Es ist nicht lustig durch den Regen zu fahren und es sieht so aus, als würde es heute nur einmal regnen. Doch entgegen meinen Erwartungen lockern sich die Wolken nach ca. 1 ½ Stunden etwas auf und es hört auf zu regnen. Das halte ich fotografisch fest, denn es ist landschaftlich ziemlich schön auf diesem Abschnitt.

Friaulische Landschaft

Nachdem ich eine Zeitlang noch auf der Alpe-Adria-Fahrradroute unterwegs war, bin ich nun links abgebogen und fahre Richtung Triest.

Unterwegs komme ich an einer gigantischen Gedenkstätte für Kriegsgefallene vorbei. Es ist das grösste Mahnmal in Italien und erinnert an die 100’000 (!) Gefallenen, die hier bei Schlachten im 1. Weltkrieg gefallen sind.

Gedenkstätte für Kriegsgefallene bei Redipuglia

Hier mach ich einen kleineren Halt, ziehe die Regenkleider aus und esse ein paar Datteln und Nüsse. Meine neue Löffler-Regenhose hat sich bewährt; nur am Oberkörper bin ich etwas nass; das rührt aber wohl vom Schwitzen her.

Die bald folgende Strecke von Monfalcone nach Trieste kenne ich schon, trotzdem bin ich wieder überwältigt vom ersten Blick auf das Meer.

Blick auf das Meer bei Portopiccolo

Ein gigantisches Kreuzfahrtschiff ist im Hintergrund vor Anker; ich sehe es später immer wieder von anderen Blickwinkeln.
Auf der Küstenstrasse nach Trieste weht mir ein heftiger Wind ins Gesicht. Es geht hier eigentlich immer leicht runter, aber trotzdem muss ich in die Pedalen treten wie verrückt!

Auf der Küstenstrasse nach Triest

Unterwegs überholt mich 2x ein Tourenfahrer. Beim zweiten Mal kommen wir etwas ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er Franzose (vom französischen Jura) ist und bis nach Griechenland radelt. Er staunt, dass ich so wenig Gepäck dabei habe. Kein Wunder, denn ich habe nicht noch ein Zelt dabei so wie er.

In Trieste sind gerade Vorbereitungen für eine grosse Messe in Gange; so ist der Blick auf den Palazzo del Governo durch einen Lexus-Stand beeinträchtigt.

Palazzo del Governo, Trieste

Im Hafen ankert ein weiteres riesiges Kreuzfahrtschiff, – da bin ich doch froh, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs bin und mich nicht mit tausenden Leuten wie Sardinen auf dieses Schiff quetschen muss!

Hafen von Trieste mit Kreuzfahrtschiff

In der Innenstadt genehmige ich mir einen Toast und ein kleines Bier, bevor ich diese interessante Stadt wieder verlasse. Leider sind hier die Velofahrer eine «quantité negligeable», denn Fahrradstreifen gibt’s es hier kaum und ich muss höllisch aufpassen im chaotischen Verkehrsgewühl in dieser Stadt.

Froh bin ich, als ich endlich wieder im Grünen bin und auf einem schönen Fahrradweg lande. Wenig später bin ich an der Grenze Italien-Slowenien.

Grenzübertritt nach Slowenien

Meine Freude ist aber nicht lange anhaltend, denn dunkle Wolken künden Regen an, der knapp 10km vor dem Ziel einsetzt. Das müsste jetzt nicht sein, denke ich, bin aber froh, dass ich an einer grossen Kreuzung ein modernes Bushaltestelle-Häuschen entdecke; ein Geschenk des Himmels!

Umziehhalt in Bushaltestelle-Häuschen

So kann ich vor Regen geschützt wieder meine Regenmontur überstreifen, d.h. Regenhose, Regenjacke und Schuhschütze, auch das iPhone wird regendicht in einen Gefrierbeutel verpackt. Nach dieser Prozeder geht’s in strömenden Regen weiter Richtung Koper, einem schönen Städtchen mit einer riesigen Hafenanlage, wo sich unzählige Containertürme stapeln und Autos auf ihre Verschiffung warten.

Die Fahrradwege sind hier wieder vorbildlich, was für ein Kontrast zu Triest.

Als ich im noblen Grandhotel Koper ankomme, habe ich ein ungutes Gefühl, hier mit meinen schmutzigen Taschen und nassen Kleidern einzuchecken, aber das Personal ist sehr freundlich und zerstreut meine Bedenken.

Einchecken im Grand Hotel Koper

Blick von meinem Zimmer

Nach einer wärmenden Dusche und einem kurzen Nickerchen geniesse ich die hervorragende Küche dieses Hotels. So findet ein nicht so angenehmer Tourentag ein Happy-End!

Im Restaurant des Grand Hotel Koper

Fakten Day 2: Udine-Koper
Gefahrene Strecke: 98 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.7 Km/h
Bergauf: 500 m
Bergab: 590 M
Übernachtung im Grand Hotel Koper

Screenshot