Day 5: Pula-Lovran (Istrien-Tour)

Der heutige Tag beginnt mit einem üppigen Frühstück im Hotel Modo. Die Käse-Fleisch-Gemüs-Platte, die mir aufgetischt wird, würde für 6 Personen reichen. Ich kann damit noch locker 2 Brote für die Reise zubereiten und es bleibt immer noch die Hälfte übrig.

Frühstück im Hotel Modo

Auf meinem Weg fahre ich heute auch nochmal durch Pula. Die Hafen- und Werftanlagen prägen das Bild von Pula, wenn man es von weitem fotografiert.

Pula

Diesmal fahre ich durch die Innenstadt und entdecke weitere Gebäude aus der Römerzeit

Pula, Zentrum

Ich halte mich aber nicht lange in der Innenstadt auf, denn die heutige Etappe ist wieder ziemlich lang. Als ich die Stadt verlasse, sticht mir das schöne Bahnhofsgebäude von Pula ins Auge. Es steht ein mickriges Zügchen dort und fährt gerade ab, als ich vorbeifahre.

Bahnhof von Pula

Die Istrier scheinen keine Zugfahrer zu sein und auch die Rezeptionistin im Hotel Modo gestand, noch nie mit dem Zug von Pula losgefahren zu sein, denn er sei viel zu langsam. Randbemerkung: Pula hat 50’000 Einwohner.

Heute fahre ich immer auf Asphaltstrassen, denn nach der gestrigen schlechten Erfahrung mit den Naturstrassen, habe ich die heutige Etappe nochmals neu geplant – diesmal als Rennvelofahrer – denn dann habe ich die Gewissheit nur auf Asphaltstrassen zu fahren.

Die erste grössere Ortschaft, die ich erreiche ist, heisst Galižana und ist sehr reizvoll mit ihrer Ursprünglichkeit.

Galižana

Galižana hat heute 1500 Einwohner, von welchen der Grossteil zu einer italienischen Gemeinde gehört, die tief verwurzelte Eigentümlichkeiten wie Lieder, Tänze, Musik und spezielle Kleidung pflegt. (Quelle: Internetrecherche)

Heute bin ich oft im Grünen unterwegs und durchquere wenig Siedlungen und Ortschaften.

Auf der Hochebene in der Nähe von Vodjane

Selten ist die Route heute eben, insgesamt habe ich 3 Anstiege zu bewältigen, was beim zweiten Anstieg etwas nervig ist, weil die Strasse ziemlich stark befahren ist – vor allem die Lastwagen machen mir immer etwas Angst.

Rückblick ins Tal

Dank den Aufstiegen gibt’s aber immer wieder rasante Abfahrten.

Abfahrt bei schlechterem Wetter

Bis jetzt hatte ich zumeist die Sonne im Rücken, nun scheint sich das Wetter aber wieder zu verschlechtern; doch bleibt’s zum guten Glück bei ein paar wenigen Regentropfen.

Auf meinem letzten Anstieg mache ich einen Halt in einer kleinen Bergnest-Ortschaft; sie heisst Plomin.

Plomin

Hier treffe ich auf ein grosses Rudel von deutschen E-Bike-Fahrern aus dem Allgäu, die an einer organisierten Bike-Tour von Arnold-Bike-Reisen teilnehmen und von einem Riesen-Bus mit Anhänger begleitet werden.

Teilnehmer einer organisierten Bike-Tour

Es gibt viel zu sehen von Plomin aus: Im Tal unten befindet sich ein Kohlekraftwerk, wenn ich das Bild richtig interpretiere.

Kohlekraftwerk bei Plomin

Und in die andere Richtung hat man einen schönen Blick auf einen Meeresarm, der fjordartig ins Landesinnere reicht.

Aussicht bei Plomine

Hier mache ich meine Mittagspause und geniesse meine Wurst- und Käsebrötchen.

Der folgende Abschnitt ist der schönste der ganzen Tour. Auf erhöhter Panoramastrasse geht’s nun auf der Ostseite der Istrischen Halbinsel auf der Küstenstrasse Richtung Norden. Immer wieder muss ich anhalten um das schöne Panorama zu fotografieren

Blick nach Osten auf die Insel Cres

In Fahrtrichtung Norden kann man schon bald die grosse Agglomeration von Rijeka erkennen.

Blick Richtung Norden

Als ich um halb fünf in Lovran ankomme, ist gerade viel los und junge Leute in Uniformen eilen über die Strasse. Die Rezeptionistin im Hotel Lovran erklärt mir, dass heute die «Marunada» stattfinde, das grosse Marronifest. So schlendere ich noch ein wenig im Zentrum dieses kleinen Städtchens herum, um die „chilbimässige“ Kirmess-Stimmung einzufangen.

Marunada in Lovran

Es ist mir aber ein bisschen zu laut, weshalb ich mich ans Meerufer begebe und auf einer schönen Strandpromenade zurück zum Hotel spaziere.

Abendstimmung am Strand von Lovran

Im Hotel darf ich ein spannendes Buffet-Essen geniessen und viele lokale Köstlichkeiten probieren – eine neue Erfahrung. Es sind ziemlich viele Gäste anwesend, was erstaunlich ist für diese Nebensaisonzeit.

Abendessen im Hotel Lovran

Nach dem Abendessen muss ich meine Nachhausefahrt neu organisieren. Ausgerechnet am Sonntag, meinem Rückfahrtag streiken die Mitarbeiter der italienischen Eisenbahngesellschaft FS. Eigentlich wollte ich morgen Samstag mit dem Velo nach Trieste fahren und am Tag darauf über Bologna und Mailand zurück nach Zürich reisen. – Aber das fällt nun ins Wasser, meine Züge fallen aus. Nun versuche ich von Rijeka (das nur 20km entfernt von Lovran ist) über Ljubljana und Graz heimzureisen. Ich hoffe, das klappt.

Damit enden meine Berichte über die Istrien-Tour, über die ich ein durchzogenes Fazit ziehe, da das Wetter nicht immer mitspielte und ich auch manchmal mit schlechten (oder fehlenden) Fahrradwegen hadern musste. Ich habe aber viele sehenswerte Städte besucht und – wie heute – auch traumhafte Panoramas geniessen können.

Zum Schluss möchte ich mich wie immer bedanken bei meinen Lesern für die Feedbacks, Likes und Aufmunterungen. Spätestens im nächsten Frühling werdet ihr wieder von mir hören.

Am Blogschreiben in der Hotel-Lobby

Fakten Day 5: Pula-Lovran
Gefahrene Strecke: 87 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.4 Km/h
Bergauf: 960 m
Bergab: 950 m
Übernachtung im Hotel Lovran, Lovran

Screenshot

Nachtrag:
Am 6. Tag, dem Rückreisetag, radle ich zuerst bei schönstem Wetter nach Rijeka (ca. 20 km) und nehme dann dort den ersten Zug nach Ljubljana um 11:50 Uhr. Mein Fahrrad hat glücklicherweise auch Platz.

Hafen von Rijeka, Zielort meiner Istrien-Tour

Day 4: Poreč-Pula (Istrien-Tour)

Heute fahre ich bei gleissendem Sonnenlicht und blauem Himmel los. Dazu bläst ein warmer Wind, also optimale Verhältnisse.

Poreč, Blick auf Hafen und Hotel Palazzo

Meine Route führt mich ein wenig zickzack ins Landesinnere, da ich einen langen Fjord, den Limski zaljev, der weit ins Landesinnere reicht, umfahren muss.

Blick auf den Limski zaljev (Fjord)

In rasanter Fahrt geht’s nun ans Ende dieses Fjords hinunter, um nachher wieder etwa 200 m steil aufwärts zu gehen; das ist ziemlich zermürbend, aber ich fahr tapfer hoch; ohne abzusteigen. Oben angekommen folgen liebliche Landschaften – Olivenhaine, Weinreben und gestrüppartige Wälder prägen oft die Landschaft.

Unterwegs auf Nebenstrassen

Die nächste Stadt, die ich erreiche ist Rovinj. Diese Stadt ist ein Juwel und liegt auf einer Felserhebung direkt am Meer.

Rovinj

Ich schlendere ein wenig durch die Gassen dieser sehenswerten Stadt und ärgere mich ein wenig über eine Gruppe deutscher E-Biker, die mir fahrend und klingelnd entgegenkommt, während ich das Fahrrad schiebe.

Gerne möchte ich mich in eines der zahlreichen Strassencafés u. -restaurants setzen, finde aber lange Zeit nichts, was mir zusagt. Erst ausserhalb der Altstadt finde ich ein schönes Plätzchen mit Blick auf Stadt und Hafen. Ich esse eine feine istrische Gemüsesuppe und geniesse die schöne Aussicht.

Istrische Gemüsesuppe in Rovinj

In der Zwischenzeit hat sich der Himmel bezogen und leichter Regen setzt ein. Also ziehe ich die Regenkleider an und nehme den zweiten Teil der Etappe in Angriff.

Bald schon führt mich Komoot auf holprige Kieswege und ich komme kaum mehr vorwärts. Eine Abzweigung nach links verpasse ich zuerst und als ich zurück zur Verzweigung fahre, erwartet mich eine riesige Pfütze.

Fahrradroute (?)

Da fahr ich doch lieber auf dem Kiesweg weiter, habe nachher aber Schwierigkeiten, wieder den richtigen Weg zu finden. Und als ich endlich mal eine asphaltierte Strecke befahren kann, dauert das Vergnügen nur kurze Zeit.

Im Nirgendwo zwischen Rovinj und Pula

Der Regen und die schlechten Fahrradwege zehren ein bisschen an meinen sonst ziemlich robusten Nerven – umso froher bin ich, ca. 20 km vor Pula endlich wieder auf asphaltierten Strassen fahren zu können. So erreiche ich Pula gegen 5 Uhr und entdecke das berühmte römische Amphitheater auf dem Weg zu meinem Hotel.

Pula, römisches Amphitheater

Mein Hotel liegt etwas ausserhalb von Pula und ist sehr schön gelegen. Vom Balkon meines komfortablen Zimmers beobachte ich die schnell wechselnden Abendstimmungen mit starkem Wind, Regen und zuletzt auch noch ein paar Sonnenstrahlen.

Abendstimmung bei Pula

In der Hotelhalle schreibe ich meinen Blog, esse Darvidas und Salami-Sticks, mein heutiges Abendessen. Natürlich darf ein feines einheimisches Bier nicht fehlen.

Fakten Day 4: Poreč-Pula
Gefahrene Strecke: 75 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.4 Km/h
Bergauf: 710 m
Bergab: 70 m
Übernachtung im Hotel Modo, Pula

Screenshot

Day 3: Koper-Poreč (Istrien-Tour)

Für einmal habe ich nicht durchgeschlafen; immer wieder peitschte der Wind Regentropfen an die Scheiben meines Hotelzimmers. Aber als ich morgens aus dem Fenster schaue, hat sich das Wetter wieder beruhigt. Nach ordentlichem Frühstück in diesem noblen Hotel fahre ich ca. viertel vor zehn los. Das ist sehr spät für meine Verhältnisse, aber die heutige Etappe ist ziemlich kurz, so ist das kein Problem.

Ich mache noch einen kurzen Abstecher ins Zentrum dieses sehenswerten Städtchen.

Koper

Bald darauf befinde ich mich auf einem tollen Fahrradweg, der dem Meer entlangführt. Das ist ein schöner Start in die heutige Etappe!

Fahrradroute dem Meer entlang

Das Vergnügen dauert aber nicht sehr lange und die Route führt mich in hügeliges Gelände.

Hügelige Landschaft bei Koper

Bald befinde ich mich auf der Trasse einer stillgelegten Eisenbahnstrecke. Sie heisst Parenzana-Bahn, weil sie von Trieste nach Parenzo (heute Poreč) führte.

Längstes Tunnel der ehemaligen Parenzana-Bahn

Diese Bahn wurde 1902 im ehemaligen österreichisch-ungarischen Kaiserreich erbaut und war nur etwas über 30 Jahre in Betrieb.

Heutzutage wird die Trasse genutzt als multinationaler Radwanderweg, als sogenannter Weg der Gesundheit und Freundschaft.

Die nächste Sehenswürdigkeit auf dem Weg sind die Salinen von Sečovlje/Sicciole. Es wird hier offenbar immer noch Salz gewonnen, aber das Gebiet ist auch gleichzeitig Naturschutzgebiet.

Salinen von Sečovlje/Sicciole

Hier beobachte ich eine grosse Gruppe deutscher Touristen, die gerade ihre E-Bikes aus einem Car nehmen und sich für eine Tour bereitmachen. Überhaupt hat man das Gefühl, dass vor allem Deutsche hier Urlaub machen. Andere Sprachen hört man kaum, auch nicht Schweizerdeutsch.

Auf meiner Weiterfahrt erreiche ich bald die Grenze zu Kroatien; zwei grosse Zollbebäude sind zu passieren, aber es ist niemand da, der die Passierenden kontrolliert. So gelange auch ich fast unmerklich nach Kroatien. Was man aber sofort merkt, ist, dass die Fahrradwege nicht mehr so komfortabel asphaltiert sind wie in Slowenien.

Bald muss ich sogar vom Rad steigen, denn eine kurze steinig-felsige Passage ist fahrerisch nicht zu bewältigen.

Absteigen!

Immerhin bin ich alsbald wieder auf dem Parenzana, nur ist diesmal der Weg ziemlich steinig und holprig. Von einem schönen Aussichtspunkt hat man wieder einen schönen Blick auf die Salinen von von Sečovlje/Sicciole.

Auf dem Parenzana-Radweg mit Blick auf die Salinen

Die heutige Etappe ist geprägt von einem stetigen Auf und Ab, was ziemlich ermüdend ist. So entscheide ich mich für einen kurzen Kaffeehalt im schönen Touristenstädtchen Umag.

Kaffeehalt in Umag

In der Folge fahre ich an unzähligen grossen Geisterresorts und Geistercampingplätzen im Nirgendwo vorbei. Die Saison scheint vorbei zu sein für diese Art von Tourismus.

Immer wieder führt mich meine Fahrradroute direkt dem Meer entlang. Das ist natürlich besonders schön.

Panoramaradweg dem Meer entlang

Es ist angenehm warm heute, ca. 22° Grad und ich fahre ohne Jacke. Die nächstgrössere Stadt auf meiner Route heisst Novigrad (Cittanova). Es fällt mir auf, dass alle Ortschaftsnamen zweisprachig angeschrieben sind. Abends lese ich, dass Istrien offiziell zweisprachig ist, also im kroatischen Teil kroatisch/italienisch. Vor allem an der Westküste gibt es noch eine italienisch sprechende Minderheit.

Blick auf Novigrad/Cittanova

Ich weiche etwas von meiner Route ab und fahre ins Zentrum dieses schönen Städtchens, wo ich ein Bier trinke und dazu etwas Pommes esse.

Zwischenhalt in  Novigrad

Auf meiner Weiterfahrt durchquere ich das Meer auf einer auf einem Damm angelegten Strasse.

Dammstrasse

Auf der anderen Seite geht es wieder eine steile Strasse hoch, die ich zu Fuss bewältige. Etwas später gelange ich auf einen abenteuerlichen holprigen Weg, wo ich manchmal Slalom um Pfützen herum fahren muss.

abenteuerliche Radroute

In der Nähe von Poreč bewundere ich einen wunderbar angelegten Meer-Swimming-Pool. Beim heutigen starkem Wind getraut sich aber niemand ins Wasser.

Badegelegenheit

Nun ist es nicht mehr weit bis Poreč, meinem Etappenziel. Obwohl die Strecke heute ziemlich kurz war für meine Verhältnisse, bin ich ziemlich ausgepowert durch das ständige Auf und Ab und deshalb froh um 17 Uhr anzukommen.

Ankunft in Poreč

Das heutige Hotel ist auch wieder ziemlich edel – man gönnt sich ja sonst nichts, denke ich.

Das Abendessen im Hotel hab ich gleich mitgebucht. So lasse ich mich nach einem Apéro im Hotel-Restaurant nieder und werde nicht enttäuscht.

Lammkoteletts im Hotelrestaurant

Draussen ist’s wieder ziemlich stürmig. – Wie wird das Wetter wohl morgen sein?

Fakten Day 3: Koper-Poreč
Gefahrene Strecke: 78 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.4 Km/h
Bergauf: 730 m
Bergab: 730 m
Übernachtung im BO Hotel Palazzo

Screenshot

Day 2: Udine-Koper (Istrien-Tour)

Als ich an diesen Morgen den Rolladen hochziehe, sehe ich, dass es regnet und sehr grau ist.

Blick aus dem Hotelfenster

Das ist nicht überraschend, denn die Wettervorhersagen für diesen Dienstag sind nicht gut.

Also werfe ich mich nach dem typisch italienischen Frühstück (= nicht so gut; trockenes Weissbrot, süsse Gipfel, merkwürdiger Fruchtsaft, Scheibenkäse, wässriger Kaffee etc.) ins Regenkostüm und fahre um viertel vor neun los.

Es ist nicht lustig durch den Regen zu fahren und es sieht so aus, als würde es heute nur einmal regnen. Doch entgegen meinen Erwartungen lockern sich die Wolken nach ca. 1 ½ Stunden etwas auf und es hört auf zu regnen. Das halte ich fotografisch fest, denn es ist landschaftlich ziemlich schön auf diesem Abschnitt.

Friaulische Landschaft

Nachdem ich eine Zeitlang noch auf der Alpe-Adria-Fahrradroute unterwegs war, bin ich nun links abgebogen und fahre Richtung Triest.

Unterwegs komme ich an einer gigantischen Gedenkstätte für Kriegsgefallene vorbei. Es ist das grösste Mahnmal in Italien und erinnert an die 100’000 (!) Gefallenen, die hier bei Schlachten im 1. Weltkrieg gefallen sind.

Gedenkstätte für Kriegsgefallene bei Redipuglia

Hier mach ich einen kleineren Halt, ziehe die Regenkleider aus und esse ein paar Datteln und Nüsse. Meine neue Löffler-Regenhose hat sich bewährt; nur am Oberkörper bin ich etwas nass; das rührt aber wohl vom Schwitzen her.

Die bald folgende Strecke von Monfalcone nach Trieste kenne ich schon, trotzdem bin ich wieder überwältigt vom ersten Blick auf das Meer.

Blick auf das Meer bei Portopiccolo

Ein gigantisches Kreuzfahrtschiff ist im Hintergrund vor Anker; ich sehe es später immer wieder von anderen Blickwinkeln.
Auf der Küstenstrasse nach Trieste weht mir ein heftiger Wind ins Gesicht. Es geht hier eigentlich immer leicht runter, aber trotzdem muss ich in die Pedalen treten wie verrückt!

Auf der Küstenstrasse nach Triest

Unterwegs überholt mich 2x ein Tourenfahrer. Beim zweiten Mal kommen wir etwas ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er Franzose (vom französischen Jura) ist und bis nach Griechenland radelt. Er staunt, dass ich so wenig Gepäck dabei habe. Kein Wunder, denn ich habe nicht noch ein Zelt dabei so wie er.

In Trieste sind gerade Vorbereitungen für eine grosse Messe in Gange; so ist der Blick auf den Palazzo del Governo durch einen Lexus-Stand beeinträchtigt.

Palazzo del Governo, Trieste

Im Hafen ankert ein weiteres riesiges Kreuzfahrtschiff, – da bin ich doch froh, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs bin und mich nicht mit tausenden Leuten wie Sardinen auf dieses Schiff quetschen muss!

Hafen von Trieste mit Kreuzfahrtschiff

In der Innenstadt genehmige ich mir einen Toast und ein kleines Bier, bevor ich diese interessante Stadt wieder verlasse. Leider sind hier die Velofahrer eine «quantité negligeable», denn Fahrradstreifen gibt’s es hier kaum und ich muss höllisch aufpassen im chaotischen Verkehrsgewühl in dieser Stadt.

Froh bin ich, als ich endlich wieder im Grünen bin und auf einem schönen Fahrradweg lande. Wenig später bin ich an der Grenze Italien-Slowenien.

Grenzübertritt nach Slowenien

Meine Freude ist aber nicht lange anhaltend, denn dunkle Wolken künden Regen an, der knapp 10km vor dem Ziel einsetzt. Das müsste jetzt nicht sein, denke ich, bin aber froh, dass ich an einer grossen Kreuzung ein modernes Bushaltestelle-Häuschen entdecke; ein Geschenk des Himmels!

Umziehhalt in Bushaltestelle-Häuschen

So kann ich vor Regen geschützt wieder meine Regenmontur überstreifen, d.h. Regenhose, Regenjacke und Schuhschütze, auch das iPhone wird regendicht in einen Gefrierbeutel verpackt. Nach dieser Prozeder geht’s in strömenden Regen weiter Richtung Koper, einem schönen Städtchen mit einer riesigen Hafenanlage, wo sich unzählige Containertürme stapeln und Autos auf ihre Verschiffung warten.

Die Fahrradwege sind hier wieder vorbildlich, was für ein Kontrast zu Triest.

Als ich im noblen Grandhotel Koper ankomme, habe ich ein ungutes Gefühl, hier mit meinen schmutzigen Taschen und nassen Kleidern einzuchecken, aber das Personal ist sehr freundlich und zerstreut meine Bedenken.

Einchecken im Grand Hotel Koper

Blick von meinem Zimmer

Nach einer wärmenden Dusche und einem kurzen Nickerchen geniesse ich die hervorragende Küche dieses Hotels. So findet ein nicht so angenehmer Tourentag ein Happy-End!

Im Restaurant des Grand Hotel Koper

Fakten Day 2: Udine-Koper
Gefahrene Strecke: 98 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.7 Km/h
Bergauf: 500 m
Bergab: 590 M
Übernachtung im Grand Hotel Koper

Screenshot

Day 1: Tarvisio-Udine (Istrien-Tour)

Nach Anreise am Vortrag beginnt heute meine Herbsttour, die ich Istrien-Tour nenne, weil ich von Tarvisio startend gegen Süden fahre und in den nächsten Tagen die Istrische Halbinsel umrunden möchte.

Tarvisio liegt im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien und ist ein alpiner Kur- und Skiort auf italienischem Gebiet.

Tarvisio mit Blick auf die slowenischen Alpen

Es ist sehr kalt heute morgen, ca. 7° Grad, als ich gegen 9 Uhr losfahre. Nach wenigen Minuten erreiche ich den Bahnhof Tarvisio, wo ich auf den Ciclovia Alpe Adria gelange. Ein Schulklasse auf Ausflug hat sich ebenfalls eingefunden und lässt geduldig eine Rede ihres Lehrers über sich ergehen.

Am Bahnhof Tarvisio Città

Das Spezielle an diesem Bahnhof ist aber, dass hier keine Züge mehr fahren und es auch keine Gleise mehr hat, dafür führt hier die Fahrradroute vorbei, die auf den ehemaligen Geleisen dieser Zugsstrecke angelegt ist. – Fahrradwege auf ehemaligen Zugssstrecken sind immer sehr angenehm, da sie abseits von Strassen sind und das Gefälle oder die Steigungen sehr moderat ausfallen. So ist es auch heute.

Ciclovia alpe adria in der Nähe von Tarvisio

Ich bin froh, als ich im Sonnenschein fahren kann, so werden meine kalten Muskeln, meine kalten Hände und Beine etwas aufgewärmt. Nach kurzer Steigung fahre ich in der Folge dem Fluss Fella (Fiume Fella) entlang abwärts. Es ist landschaftlich schön hier, aber die Berge sehr schroff.

Fahrradroute entlang dem Fiume Fella

Nach ca. 1 Stunde Fahrzeit erreiche ich die ehemalige italienisch-österreichische Grenze.

Alter Grenzstein bei Pontebbia

Die Route ist sehr interessant und führt manchmal über ehemaligen Eisenbahnbrücke und -tunnels, wobei in einigen sogar die Beleuchtung mit Bewegungsmeldern eingeschaltet wird.

Überquerung einer ehemaligen Eisenbahnbrücke

Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Chiusaforte wurde in ein Café umfunktioniert. Es erscheint gerade zur rechten Zeit auf meinem Weg, denn einen wärmenden Kaffeehalt habe ich bitter nötig.

Kaffeepause in Chiusaforte

Ich trinke eine dickflüssige heisse Schokolade und esse dazu einen feinen selbstgemachten Kuchen.

Bald schon wieder fahre ich gestärkt weiter und werde kurz darauf von einem Kran aufgehalten, der den ganzen Fahrradweg versperrt. Der Kranführer ist aber sehr freundlich und rät mir das Fahrrad über die Standbeine des Krans zu heben und bietet mir sogar an, mir dabei zu helfen; das ist aber nicht nötig.

Kran im Weg

Inzwischen ist die Sonne verschwunden und der Himmel wolkenverhangen. Das Tal, das ich durchfahre «beherbergt» neben der Fahrradstrecke eine Haupstrasse und eine Autobahn, die aber nicht gross stört, da sie sich oft in Tunnels oder auf der anderen Seite des Flusses befindet.

Talwärts auf der Ciclovia alpe adria

In Venzone einem kleinen Städtchen, das von einer mittelalterlichen Stadtmauer mit Graben umgeben ist, mache ich eine weitere Pause und trinke in einem Café draussen einen Capuccino und esse dazu ein Tiramisù. Etwas gar viel Süsses heute, wie ich mit ein wenig schlechtem Gewissen feststelle.

Kaffeepause in Venzone

Nach ca. 50km erreiche ich eine Ebene und verlasse die Berge.

Landschaft bei Gemona del Friuli

Bis jetzt bin ich gut vorangekommen am heutigen Tag, aber ca. 25 km vor dem Etappenziel Udine gerate ich auf Feldwege und ich frage mich, ob ich hier noch auf dem Ciclovia Alpe Adria bin.

Auf einem Feldweg im Naturschutzgebiet

Ca. 15 km fahre auf diesen Feldwegen – landschaftlich zwar schön, aber ich komme kaum mehr vorwärts. Als ich die holprigen Weg endlich hinter mir lassen kann, bin ich schon in den Vororten von Udine angelangt und rasch im Zentrum dieser grösseren Stadt, wo mir ein schönes Gebäude ins Auge springt. Es ist die Loggia del Lionello, das 1448-1457 im Stil der venezianischen Gotik mit offener Loggia im Parterre erbaut wurde.

Loggia del Lionello,  Udine

Auch die Piazza Libertà mit Loggia die San Giovanni und Castello, welches etwas erhöht über der Stadt trohnt, können sich sehen lassen

Auf der Piazza Libertà.

Damit ist meine Stadtbesichtigung aber schon mehr oder weniger zu Ende und ich fahre zu meinem Hotel, das etwas ausserhalb des Stadtzentrums liegt.

Leider ist das hoteleigene Restaurant geschlossen, so dass ich mich nochmals zu Fuss ins Zentrum aufmache, wo ich eine kleines, süsses Café finde, wo ich etwas Warmes essen kann. Beim Essen habe ich das Vergnügen, einem junge Mann zuzuhören, der am Piano einige Songs zum Besten gibt. Es ist aber mehr ein Üben als ein Vorspielen, so dass die Unterhaltung eher etwas nervt.

In einem Café in Udine

Natürlich darf ein Café Corretto nicht fehlen nach den ganz ordentlichen penne amatriciana.

Café Corretto

Nach diesem kurzen Ausflug setze ich mich noch in die Hotelhalle und trinke ein Bier und kriege dabei mit, wie es im Hintergrund ein Gezeter gibt zwischen Hotelbesitzerin und Handwerkern, die eine Tür reparieren sollten. Worüber die beiden Parteien aber genau streiten, finde ich mit meinen eher bescheidenen Italienisch-Kenntnissen nicht heraus.

Im Hotel San Giorgio, Udine

So neigt sich der gelungene erste Tourentag dem Ende entgegen – aber halt!  Ich muss ja noch den Blog schreiben.

Fakten Day 1: Tarvisio-Udine
Gefahrene Strecke: 102 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17.0 Km/h
Bergauf: 350 m
Bergab: 950 M
Übernachtung im Hotel San Giorgio

Screenshot

Day 5: Mojstrana-Ljubljana (Ljubljana-Tour)

Die Schlussetappe meiner Sommertour wird nicht so lang sein, so nehme ich es gemütlich an diesem Donnerstag-Morgen und fahre erst gegen halb neun Uhr los, nicht ohne noch eine Foto zu machen vom Garten dieser aussergewöhnlichen Unterkunft.

Garten meiner Unterkunft in Mojstrana

Die Fahrradroute führt mich im nördlichen Save-Tal weiter nach Osten. Die Fahrradroute ist zu Beginn wieder perfekt, nur die Autobahn ist zuweilen ein kleiner Störfaktor.

Fahrradroute bei Jesenice

Bei der grösseren Ortschaft Jesenice hört der tolle Fahrradweg leider auf. Die Route verläuft nun bis Ljubljana meist auf Nebenstrassen mit wenig Verkehr.

Eine kleinere böse Überraschung erlebe ich, als eine Brücke wegen Bauarbeiten gesperrt ist; ich frage mich, wie ich auf die andere Seite des Tobels gelangen kann.

Gesperrte Brücke

Glücklicherweise wurde nicht weit entfert eine kleine Ersatzbrücke für die Fahrradfahrer und Fussgänger gebaut.

Ersatzbrücke

Sonst bleibt die heutige Etappe ziemlich ereignislos. Auch heute ist das Wetter wieder perfekt zum Fahrradfahren und die Temperatur um 25°-27° Grad herum sehr angenehm.

Unterwegs

Als ich gegen die Mittagszeit bei einem schönen Gartenrestaurant vorbeifahre, kann ich nicht widerstehen und ich setze mich an einen Tisch im Schatten.

Mittagshalt in Naklo

Die tagliatelle bolognese schmecken ausgezeichnet und die Portion ist so riesig, dass ich beschliesse, abends nicht nochmals etwas Warmes zu essen.

Eine grössere Stadt auf der heutigen Etappe ist Kranj.

Kranj

Als ich wieder mal am Ufer der Save bin, sehe ich, dass der Fluss an dieser Stelle wohl zu einem See gestaut ist.

An der Save

Die heutige Etappe ist ziemlich coupiert. Überhaupt scheint Slowenien ziemlich bergig und hüglig zu sein – zumindest die Gebiete, die ich bis jetzt kennengelernt habe.

Schon um etwa 14 Uhr erreiche ich die Agglomeration von Ljubljana.

In der Agglomeration von Ljubljana

Von hier geht es noch ca. 8 km schnurgerade ins Stadtzentrum, wo ich um viertel vor drei bei meinem Hotel ankomme und damit mein Tourziel heil und ohne Unfall erreicht habe.
Ich geniesse mein kühles klimatisiertes Zimmer, bevor ich mich auf einen Stadtrundgang aufmache. Ljubljana kannte ich bisher nicht, weshalb ich mir ziemlich viel Zeit nehme, möglichst viel von dieser schönen Stadt aufzusaugen.

Besonders gefällt mir der Bereich unterhalb der Burg.

Alstadt von Ljubljana

Sehr schön ist auch der Fluss (nicht die Save), die die Altstadt in zwei Teile trennt. Immer wieder fahren hier Touristenboote vorbei und sogar Stand-Up-Paddlers paddeln darauf.

Stand-Up-Paddlers auf der Lubljanica mit Burg im Hintergrund

Es hat ziemlich viele Touristen hier, aber es hält sich in Grenzen. Man hört viele Sprachen, manchmal vernehme ich auch Schweizerdeutsch.
Nach dem ausgedehnten Stadtrundgang ziehe ich mich wieder in mein Hotel zurück, denn ich möchte ja noch den heutigen Blog schreiben. Die hoteleigene Dachterrasse ist dafür gerade richtig, es gibt sogar Life-Musik hier.

Auf der Hotelterrasse am Blogschreiben.

Damit enden meine Berichte über meine wunderbare Sommertour, die ich wärmstens empfehlen kann. Gefreut habe ich mich über die vielen Feedbacks zu meinen Blogeinträgen. Herzlichen Dank dafür.

Fakten Etappe 4: Mojstrana-Ljubljana
Gefahrene Strecke: 75 km
Durchschnittsgeschw. 15.1 km/h
bergauf: 420 m
bergab: 780 m
Übernachtung im City Hotel Ljubljana

Day 5: Paternion-Mojstrana (Ljubljana-Tour)

Der Gasthof Tell, in dem ich nächtigte, ist schon seit 1509 (!) eine Herberge. Ich geniesse deshalb nochmals den Aufenthalt in diesen historischen Gemäuern beim Frühstück.

Frühstück im Gasthof Tell, Paternion

Beim Auschecken frage ich die nicht mehr ganz junge Wirtin, wie der Gasthof zu seinem Namen gekommen ist. Sie gibt mir gerne Antwort. Ihr Grossvater sei 1902 der beste Schütze im österreichischen Kaiserreich gewesen und hätte deshalb die Tell-Auszeichnung erhalten und er hätte dann dem Gasthof diesen Namen gegeben. Ziemlich interessant!

Als ich um viertel nach acht losfahre, sind die Strassen noch nass vom nächtlichen Regen. Bald schon bin ich wieder auf dem Drautalradweg, der mich gegen Osten führt.

Auf dem Drautalradweg

Ich starte in gemütlichem Tempo an diesem wolkenverhangenen und angenehm kühlen Morgen. Bei Villach überquere ich die Drau zum letzten Mal, denn ich biege nun rechts ab auf den Gailtalradweg. Hier führt auch die Alpe-Adria-Radtour durch, weshalb hier ziemlich viele Radfahrer unterwegs sind.

Auf dem Gailtalradweg bei Villach

Ich überquere diesen Fluss nach ca. 10 km und fahre noch ca. eine Stunde bis ich die Grenze zu Italien erreiche.

Überquerung der Gail

Beim Zoll mache ich meinen ersten Halt, und da es schon halb zwölf Uhr ist, setze ich mich in den Aussenbereich einer Pizzeria und esse eine kleine Lasagne.
Die Veloroute ist auch hier abseits von Hauptstrassen angelegt, dafür geht es so ziemlich auf und ab, bis der Weg wieder auf einem ehemaligen Bahntrassee weiterführt.

Fahrradroute bei Tarvisio

Bald darauf verlasse ich aber den Alpe-Adria-Radweg und zweige links Richtung Slowenien ab. Überrascht und zufrieden merke ich, dass auch hier die Radroute auf einer ehemaligen Bahnstrecke in angenehmer Steigung Richtung Osten weiterführt.

Unterwegs Richtung Slowenien

So erreiche ich fast mühelos die Passhöhe auf 870 m.ü. M. Hier befindet sich auch die Grenze von Italien zu Slowenien.

Grenze Italien-Slowenien in der Nähe von Kranska Gora

Nun ist es nicht mehr weit bis zu meinem Etappenziel Mojstrana. Es ist sehr schön hier in den slowenischen Alpen. Zu meiner rechten Seite befindet sich der «Triglavski Narodni Park», der wohl etwa vergleichbar mit dem Schweizer Nationalpark ist.

Blick Richtung «Triglavski Narodni Park»

Bald erreiche ich den bekannten Skiort Kranska Gora, wo ich einen kurzen Kaffeehalt mache.

Halt in Kranska Gora

Die nördliche Save entspringt in der Nähe von Kranska Gora und ich befinde mich im nördlichen Save-Tal (es gibt noch eine südliche Save).

ausgewaschenens Flussbett der nördlichen Save

Der Radweg hier ist wirklich aussergewöhnlich schön – der begeisterte Tourenfahrer (das bin ich) ist begeistert!

Fahrradroute zwischen Kranska Gora und Mojstrana

Ca. um 15.15 Uhr bin ich schon bei meiner Unterkunft, die ich vor einiger Zeit vorreserviert hatte.
Die nette Gastwirtin zeigt mir mein Zimmer und beglückt mich mit einem eisgekühlten Willkommens-Wein; eine nette Geste, aber ich hätte ein Bier bevorzugt. So setze ich mich auf den Balkon meines Zimmer und genehmige mir ein Gläschen.

Willkommensdrink in meiner Unterkunft

Nach ausgiebigerer Siesta als sonst – der Wein zeigte Wirkung – setze ich mich in den Garten des einzigen Restaurants in diesem Ort. Die schöne Etappe findet auch kulinarisch ein gutes Ende!

Nachtessen in Mojstrana

Fakten Etappe 4: Paternion-Mojstrana
Gefahrene Strecke: 84 km
Durchschnittsgeschw. 14.6 km/h
bergauf: 720 m
bergab: 580 m
Übernachtung im Aparthotel Pr’Jakapč, Mojstrana

Day 4: Lienz-Paternion (Ljubljana-Tour)

Als wir heute um 7 Uhr ans Frühstücksbuffet kommen in der Erwartung wir seien die ersten, erleben wir eine Überraschung, denn es wird schon von ca. 20 Chinesen belagert. Es hat aber genug von allem und auch genug Platz. Wir lassen uns auf der Gartenterrasse nieder und geniessen das tolle Frühstück am Ufer der Isel.

Frühstück draussen

Wir beeilen uns nachher beim Packen und fahren wie geplant genau um 8 Uhr los, denn wir sollten spätestens um 13.30 Uhr in Spittal sein – immerhin 76 km entfernt – , wo mein Sohn den Zug nach Zürich nehmen wird.

Es ist angenehm kühl an diesem Morgen und oft verdecken Wolken die brennende Sonne.

Auf dem Drauradweg Richtung Spittal

Zu Beginn fahren wir auf dem Damm der Drau, wo wir ein forsches Tempo anschlagen und 20 km/h schaffen.

Überquerung der Drau

Wir haben wieder grosses Glück mit dem Wetter und geniessen die Fahrt dementsprechend.

Drauradweg zwischen Lienz und Spittal

Etwas später führt die Route durch etwas coupierteres Gelände und es folgt ein ständiges Auf und Ab – das ist nicht schlimm, aber ziemlich anstrengend.

Ca. um 11 Uhr machen wir die erste Pause an einer etwas erhöhten Stelle, von der wir eine schöne Aussicht haben.

Znünipause

Der Weg ist heute nicht immer asphaltiert, oft befahren wir Naturstrassen, so wie hier:

Fahrradweg in der Nähe von Spittal

Schon um 12.15 Uhr erreichen wir Spittal. So bleibt uns Zeit, miteinander essen zu gehen, bevor wir uns trennen.
Als wir am Bahnhof ankommen, erfahren wir, dass der Zug nach Salzburg eine halbe Stunde Verpätung hat.

Abschied von meinem Sohn in Spittal

Es war sehr schön, 4 Tage mit meinem Sohn zu radeln. Wir haben nun schon einige Touren miteinander gemacht und irgendwann wird er wohl nicht mehr mitkommen …
Wegen der grossen Verspätung des Zuges verabschieden wir uns, ohne dass ich den Zug abwarte.

Gemütlich fahre ich weiter, denn es ist nicht mehr weit bis zu meinem Etappenziel.

Auf dem Drauradweg bei Spittal

Als ich nach hinten blicke, sehe ich, dass dunkle Wolken aufziehen und schnell in meine Richtung wandern.

Dunkle Wolken im Anzug

So erhöhe ich mein Tempo, denn ich möchte trocken an meinem Zielort Paternion ankommen. Etwas später komme ich an eine Barriere und lese, dass der Fahrradweg wegen Mäharbeiten gesperrt ist.

Gesperrter Fahrradweg

Glücklicherweise ist die Umleitung gut signalisiert, so dass ich kaum Zeit verliere.

Als ich die Drau auf einem Stauwehr überquere, sind die Regenwolken schon sehr nahe und ich höre schon entferntes Donnergrollen.

Drauüberquerung bei Paternion

Schliesslich schaffe ich es dennoch gerade noch vor dem Regen im Hotel anzukommen. Es heisst Gasthof Tell und ich frage mich wie der Schweizer Nationalheld es hierhin geschafft hat.

Ankunft im Gasthof Tell, Paternion

Beim Warten sehe ich mich etwas um in diesem Gasthof und fühle mich dabei in eine andere Zeit versetzt.

Gaststube, Gasthof Tell, Paternion

Als ich mein nicht zugeschlossenes Zimmer 9 betrete, habe ich einen kleinen Schock. Es ist unaufgeräumt, Dinge liegen herum und die Bettdecke liegt zerknüllt auf dem Bett. Ich möchte schon zur Rezeption gehen und reklamieren, als ich auf die Idee komme, die Zimmernummer zu überprüfen: Die 9 könnte vielleicht eine 6 sein, denke ich – richtig gedacht. Meine Zimmer hat die Nummer 6, die Aufregung also umsonst.

Das «richtige» Zimmer

Ich bin froh, dass alles in Ordnung ist und ich die ersehnte Dusche nehmen kann, bevor ich mich etwas hinlege.

Nachher schlendere ich noch etwas im kleinen Dorf herum und suche das Schwimmbad, das als besonders schön angepriesen wird und wo es ein Café geben sollte gemäss Google Maps. Es ist aber alles geschlossen und keine Seele zu sehen – und das mitten im Sommer!

Ein jüngerer Mann, der mir begegnet, meint zu mir: «Na, ein bissl die Beine vertreten?» – Ihm ist wohl mein extrem langsamer Gang aufgefallen, so als wäre ich rekonvaleszent.

Unterwegs staune ich über Bäume, die auf einem verlassenen Haus wachsen:

Baumgarten auf einem Dach

Nach dem Spaziergang gibt’s schon bald etwas zu essen und ich bin froh, gleich im Hotel essen zu können, denn es ist wohl das einzige Restaurant im Dorf.

Zwischen den Gängen schreibe ich an meinem Blog, so vergesse ich fast, dass ich heute alleine speise.

Fakten Etappe 4: Lienz-Paternion
Gefahrene Strecke: 95 km
Durchschnittsgeschw. 18.1 km/h
bergauf: 500 m
bergab: 680 m
Übernachtung im Gasthof Tell, Paternion

Day 3: Obervintl-Lienz (Ljubljana-Tour)

Als wir am heutigen Tag losfahren, ist es ziemlich grau und trüb; aber das ist uns gerade recht, denn so kommen wir nicht so sehr zum Schwitzen beim Aufstieg, der uns bis auf 1120 m. ü. M. führen wird.

Auf dem Pustertalradweg i. der Nähe von Obervintl

Nach knapp 2 Stunden erreichen wir den ersten grösseren Ort, das kleine Städtchen Bruneck, wo wir einen kurzen Kaffehalt machen.

Bruneck

Wir folgen nun dem Fluss Rienz, der im Gebiet der drei Zinnen entspringt. Besonders idyllisch ist der Abschnitt nach Bruneck, wo die Fahrradroute auf Naturstrassen Richtung Toblach führt.

Der Rienz entlang

Auf einem ersten Plateau erreichen wir den Kurort Olang, der in drei Ortschaften gegliedert ist: Niederolang, Mittelolang und Oberolang.

Niederolang

In Niederdorf machen wir eine kurze Mittagsrast und essen unsere Brötchen.

Mittagsrast in Niederdorf

Von hier führt eine Strasse an den berühmten Pragser Wildsee, der von Touristen förmlich überrannt wird aufgrund seiner aussergewöhnlichen Schönheit. Auch das Gebiet der drei Zinnen ist von hier gut erreichbar.

Wenig später erreichen wir Toblach welches auf einer grossen europäischen Wasserscheide liegt, denn hier in der Nähe entspringt die Drau, die im Gegensatz zur Rienz in die Donau und schliesslich ins schwarze Meer mündet.

Bei Toblach

Nach Toblach folgen wir nun eben dieser Drau, die uns bis ans Etappenziel begleiten wird.

Auf dem Drauradweg in der Nähe von Toblach

Dieser Radweg ist einer der schönsten Radwege, den ich kenne; vor allem wenn man ihn flussabwärts befährt so wie wir.  Meist geht es in angenehmen Gefälle dem Fluss entlang abwärts und der Fahrradweg ist völlig entfernt von der Haupstrasse, man erlebt hier also Natur pur!

Auf dem Drauradweg

Es sind einige Fahrradradfahrer unterwegs an diesem Montag. Viele auch auf Mietvelos, die man an den Bahnhöfen ausleihen kann.
Die Wolken haben sich in der Zwischenzeit verzogen und wir geniessen nun das herrliche, angenehme Sommerwetter.

Auf dem Drauradweg

Wir kommen nun forsch voran und gönnen uns deshalb bei einem kleinen Zwischenhalt einen süssen Dessert.

Dessert!

Nun ist es nicht mehr weit bis Lienz, unserem heutigen Etappenziel. Es war gar nicht so einfach hier ein Hotel zu finden; schliesslich gab es noch freie Zimmer im edlen Grand-Hotel Lienz, was mein Budget aber arg strapaziert.

Unser Zimmer im Grand-Hotel Lienz

Wir sind zu müde, um den Wellness-Bereich zu erkunden und chillen deshalb ein wenig im Zimmer, bevor wir uns auf die Suche nach einem Restaurant machen.

Auf der Suche nach einem Restaurant

Die Suche gestaltet sich ziemlich schwierig, schliesslich werden wir aber fündig und bekommen den letzten Tisch in einem Restaurant im Zentrum.
Zufrieden mit dem Essen und dem heutigen Tag schlendern wir ins Hotel zurück, wo ich bis zum Eindunkeln auf dem Balkon unseres Zimmers an meinem Blog schreibe.

Am Blogschreiben

So endet ein ausserordentlich schöner Tag.

Fakten Etappe 3: Obervintl-Lienz
Gefahrene Strecke: 99 km
Durchschnittsgeschw. 14.9 km/h
bergauf: 820 m
bergab: 890 m
Übernachtung im Grand-Hotel Lienz

Day 2: Gargazon-Obervintl (Ljubljana-Tour)

Nach guter Nacht geniessen wir das Frühstück auf der wunderbaren Terrasse der Pension Sonnenheim, bevor wir um 9 Uhr losfahren.

Bald schon sind wir wieder auf dem Radweg entlang der Etsch und freuen uns über das schöne Wetter und die tolle Aussicht in die Berge.

Etsch-Radweg bei Gargazon

Es sind schon viele Radfahrer unterwegs an diesem Sonntagmorgen, zumeist Männer auf ihren Rennrädern, die uns überholen, was uns aber nichts ausmacht.

Nach ca. 1 Stunde Fahrzeit erreichen wir die Agglomeration von Bozen. Nun biegen wir links ab und fahren in der Folge dem Fluss Eisack entlang, der wie die Etsch auch ziemlich viel Wasser führt.

Die Altstadt von Bozen lassen wir links liegen – bestimmt werde ich ein andermal hier eine Stadtbesichtigung machen.

Fahrradroute dem Eisack entlang.

Der Fahrradweg nach Brixen ist sehr schön. Er ist an manchen Orten auf einem stillgelegten Eisenbahntrassee angelegt und ist meist abseits von Autobahn und Hauptstrasse, die auch durch das zu Beginn enge Tal führen.

Fahrradroute auf stillgelegtem Eisenbahntrassee

Der Wind ist uns gnädig gestimmt und hilft uns, die leichte Steigung bis Brixen problemlos zu bewältigen. Auch gibt es oft schattige Abschnitte, die etwas Abkühlung bringen.

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit lädt uns ein Biorestaurant mit schönem Garten ein, unseren Mittagshalt zu machen.

Zwischenverpflegung in Bio-Restaurant in Atzwang

Wir essen einen Salat mit Käse und Ei – ein bisschen gar viel Grünzeug für meinen Geschmack, aber man hat das Gefühl etwas gegessen zu haben.

Auf der Weiterfahrt bestaunen wir immer wieder Burgen, die hoch oben auf den Felsen thronen wie z.B. bei Klausen, einem kleineren Städtchen.

Burg bei Klausen

Etwa um 2 Uhr treffen wir in Brixen ein, einem grösseren Städtchen mit schöner Innenstadt. Hier machen wir unsere zweite Pause und genehmigen uns in einem Café an der Piazza ein Eis.

Brixen, Hauptplatz

Es ist nun ziemlich heiss geworden, die Wetter-App zeigt 30° Grad. Bald nachdem wir Brixen verlassen haben, verlässt die Fahrradroute den Fluss Eisack und führt uns nun steil aufwärts. Die Sonne brennt gnadenlos und ich muss schon bald vom Rad steigen und es bergauf schieben.

Ein Kloster in meinem Blickfeld erregt meine Aufmerksamkeit.

Kloster Neustift bei Brixen

Es handelt sich um das Kloster Neustift, welches eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat, wie ich abends auf Wikipedia lese.

Der Anstieg ist endlos und die Hitze macht mir so sehr zu schaffen, dass ich kaum noch vorwärts komme, währenddessen mir mein Sohn leichtfüssig wie eine Bergziege davon fährt. Schliesslich schaffe auch ich es auf den höchsten Punkt der Steigung. Mittlerweile haben nun aber drohende Wolken den Himmel bedeckt.

Gewitter im Anzug?

Schnell fahren wir weiter, wir möchten nicht noch in ein Gewitter geraten. Mit gütiger Unterstützung von heftigem Rückenwind erreichen wir kurz vor 17 Uhr unser Ziel, das Aktiv & Genusshotel Lodenwirt in Obervintl.

Ankunft im Hotel

Ich bin ziemlich fix und fertig und lege mich nach der Dusche aufs Bett und mache ein ausgedehntes Nickerchen. Nachher essen wir im hoteleigenen Restaurant ein feines Wienerschnitzel, dazu geniesse ich ein extra für dieses Hotel gebraute Bier, welches sehr lecker ist. Nun geht es mir wieder viel besser!

Nachtessen im Restaurant des Hotels Lodenwirt.

Fakten Etappe 2: Gargazon-Obervintl
Gefahrene Strecke: 82 km
Durchschnittsgeschw. 14.6 km/h
bergauf: 850 m
bergab: 370 m
Übernachtung im Aktiv & Genusshotel Lodenwirt in Obervintl.

Screenshot