Day 5: Charlesville – Profondéville (Maas-Tour)

Heute fahre ich schon um 8 Uhr los, denn ich habe wieder eine lange Etappe vor mir. Es ist kalt, dafür scheint die Sonne. Schon bald bin ich wieder auf der Maas-Fahrradroute, die mich gegen Norden führt. Es ist schön, im Morgenlicht auf dieser exzellenten Fahrradpiste zu fahren und ich komme sehr gut vorwärts.

Immer wieder sehe ich Wildgänse, die manchmal neben oder sogar auf der Fahrradroute herumschnattern . Ich halte an, als ich ein Paar mit vielen Küken erblicke und möchte ein paar Fotos machen; aber zu nahe darf ich nicht herangehen, sonst faucht mich der Gänserich (?) an.

Wildgänse mit Küken in der Nähe von Charleville

Ein paar Kilometer weiter treffe ich auf die fast Szenerie: Wieder eine Wildgansfamilie mit vielen Küken. Ich verlangsame die Fahrt und möchte die Küken zählen beim Vorbeifahren – da attackiert mich der wütende Gänserich und geht flatternd auf mich los und schnappt nach meinen Oberschenkel. Erschreckt trete ich in die Pedalen und suche das Weite.

Als ich wenig später eine weitere Wildgansfamilie neben der Fahrradroute erblicke, fahre ich ganz vorsichtig und diskret vorbei und spreche beruhigend auf die Gänse ein.

Ich komme gut vorwärts und es ist traumhaft, in dieser ruhigen, sonnigen Morgenstimmung ganz allein unterwegs zu sein.

Morgenstimmung in der Nähe von Charlesville

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit möchte ich die erste Pause machen. Ich habe schon 35 km geschafft und bin froh darüber. Bei einer Schautafel über die Maas-Fahrradroute halte ich an und fotografiere sie.

Plan der „Voie verte Trans-Ardennes“

Die Maas-Fahrradroute heisst hier „Voie verte Trans-Ardennes“, also übersetzt etwa „grünes Geleise durch die Ardennen“.

Gleich nebenan erblicke ich so etwas wie eine Raststätte: ein paar Tische sowie ein Bar-Wagon. Ob schon offen ist? Ich habe Glück, die Besitzerin ist schon da und ich kann einen Kaffee bestellen. Heute ist wirklich mein Glückstag! Ich wechsle ein paar Worte mit der sympathischen Frau und fahre bald wieder los.

Kaffeepause nach 2 Stunden Fahrt

Bis dahin verlief die Fahrt pannenfrei und in gutem Tempo, doch als ich an eine Tunneleinfahrt geführt werde von meiner App, bin ich etwas ratlos. Darf man da durchfahren oder nicht?

versperrte Fahrradroute

Ich zwäng mich unter dem Gitter hindurch und fahre langsam durch das dunkle und nasse Tunnel hindurch. – Geschafft!

Die Meuse (Maas) ist hier ähnlich wie die Mosel immer wieder durch Staustufen gebändigt. Für die Schiffe gibt es an diesen Stellen Schleusen.

Staustufe in der Nähe von Fumay

In Fumay, einem kleinen Städtchen ist gerade Markt – nichts Grossartiges wird hier feilgeboten: ein paar Kleider, Ramsch, Pflanzen, Früchte und Gemüse – das ist schon fast alles. Nichtsdestotrotz kommen zwei Polizisten auf mich zu, als ich kurz anhalte, und bitten mich vom Fahrrad zu steigen. Es sei hier verboten, Fahrrad zu fahren; dabei fahre ich nicht mal …

Markt in Fumay

Beim Früchte/Gemüsestand kaufe ich 2 Äpfel, 2 Mandarinen und 2 Bananen. Auf der anderen Seite der Meuse mache ich nochmals eine Foto von diesem aparten Städtchen.

Fumay

In Fumay hätte es sogar ein Restaurant gehabt – ein Wunder – aber es ist noch eindeutig zu früh für mich zu essen, denn es ist erst 11.45 Uhr. Also fahr ich weiter und plane meine Mittagspause auf etwa 12.30 Uhr ein. Um diese Zeit treffe ich in der grösseren Ortschaft Vireux-Molhain ein – und ich fahr tatsächlich an einem italienischen Restaurant vorbei namens „Pizzeria Chez Salvatore“. Ich trete ein und bekomme den letzten freien Tisch – mein Glückstag geht weiter …

Spaghetti Bolognaise in der Pizzeria Chez Salvatore

Ich bestelle Spaghetti Bolognaise und einen grünen Salat. Die perfekte Mahlzeit, wenn man auf Fahrradtour ist.

Jetzt fehlt nur noch der Liegestuhl fürs Verdauungsschläfchen, aber der fliegt nicht vom Himmel. So fahre ich halt ohne Mittagsschlaf weiter, denn der Weg ist noch weit.

Wieder einmal schneide ich in der Folge eine riesige Flussschlaufe ab und fahre kurzzeitig auf einer stark befahrenen Haupstrasse; deshalb bin ich auch sehr plötzlich im Grenzort Givet, wo die „Voie verte Trans-Ardennes“ endet. Zunächst bin ich etwas ratlos, wie es nun weitergeht, aber meine App führt mich zielsicher über die „liason voie verte“ zum belgischen Pendant der Maas-Fahrradroute. So lande ich irgendwann in Belgien und weiss gar nicht so genau wo.

Zollhaus oder Kinderkrippe?

Bei einem grünen Container, der mit einer belgischen und französischen Flagge geschmückt ist, und vielleicht das Zollhaus ist, vermute ich die Grenze, bin mir aber nicht ganz sicher. Villeicht ist es auch eine Kinderkrippe.

Auf jeden Fall bin ich nun in Belgien, wie ich an den Autoschildern unschwer feststellen kann. Übrigens – ich bin zum ersten Mal in diesem Land.

Nach kurzem Abstecher ins „Landesinnere“ bin ich aber bald wieder an der Meuse (die Stimme meiner Navigationsapp sagt dann jeweils immer „Mäuse“, was mich jedesmal ein wenig belustigt – z.B. „Ruhe dela Mäuse“ = rue de la Meuse)

Entlang der Meuse bei Hastière

Die Fahrradroute befindet sich nun auch manchmal auf Nebenstrasse mit Verkehr. Die Gegend hier macht einen touristischen Eindruck.

Wenig später entdecke ich sogar Kletterer an einem steilen Felsen vis-à-vis:

Wer entdeckt die beiden Kletterer?

Sehr touristisch wirkt die Stadt Dinant, die bald darauf folgt.

Dinant

Gerne hätte ich hier noch einen kurzen Kaffeehalt gemacht, lasse es aber bleiben, weil ich nicht zu spät am Etappenziel ankommen möchte.

Kurz nach Dinant bin ich etwas genervt. Der Fahrradweg geht unverhofft nicht mehr weiter, weil er neu geteert werden sollte. „Piste non cyclable“ heisst es lapidar, ohne dass eine Alternative angeboten wird. Ein ältere Frau, die mir mit einem kleinen Hund entgegenkommt, frage ich, ob das lange so dahingeht. Sie weiss es nicht so recht, sagt mir aber, dass Fahrradfahrer trotzdem durchfahren. So fahre ich halt auch weiter und kämpfe mich über einen Kilometer im Schritttempo über die Schotterpiste. So komme ich natürlich überhaupt nicht mehr vorwärts und als es endlich wieder besser ist, kommen noch Kopfsteinpflaster – diese sind am allerschlimmsten für die Fahrradfahrer!
Trotz allen Hindernissen erreiche ich schliesslich um 17.45 Uhr mein Ziel Profondéville, einen kleinen touristischen Ort in der Nähe von Namur.

Ankunft in Profondéville

Das Hotel, das ich gebucht habe, haut mich aus den Socken! Es ist darin alles so stylish:

Mein Zimmer im Hotel Vedette in Profondéville

Das Apéro-Plättchen, das ich vorbestellt habe, ist heute mein Abendessen. Dazu gibt’s ein feines belgisches Bier.

Apéro im Hotel Vedette

Ein wunderschöner Tag geht somit perfekt zu Ende. Was will man mehr?

Fakten Etappe 5: Charlesville – Profondéville (Belgien)
Gefahrene Strecke: Ca. 120 km
Weitere Daten leider nicht abgespeichert…

Day 5

Day 4: Verdun – Charlesville (Maas-Tour)

Nach tiefem Schlaf im Hotel de Mautaulbain in Verdun breche ich heute zeitig auf, denn die heutige Etappe ist mit über 110 km ziemlich happig. Ich bin froh, dass es nicht regnet, als ich um 08.15 Uhr losfahre, aber es ist dafür ziemlich kalt. Ich verlasse Verdun auf Strassen mit ziemlich viel Verkehr. Schon bald aber lässt er nach und ich bin wieder in der Natur draussen.

Morgenstimmung in der Nähe von Verdun

Ich bin froh, dass mich komoot auf eine Nebenstrasse führt und ich geniesse die morgendliche Stimmung. Die asphaltierte Strasse geht aber bald in eine Naturstrasse über und führt stetig aufwärts. Wahrscheinlich ist das wieder eine Abkürzung. Als ich oben bin habe ich dafür eine schöne Aussicht.

Aussicht auf Landschaft bei Verdun

Leider habe ich auch auf der Abfahrt Naturstrasse, so dass ich sehr vorsichtig und langsam wieder den Hügel runter fahre.

Der kommende Abschnitt der Tour ist sehr ländlich: Felder, Wiesen, Kühe, Hügel soweit das Auge blickt. Wenn ich durch Ortschaften fahre, sind es meist kleine Bauerndörfer ohne Läden, Restaurants etc. und ich frage mich, wo die Leute einkaufen gehen. Zum Fahrradfahren ist das aber optimal, denn es hat kaum Verkehr auf den komfortablen Departementsstrassen.

komfortable Strassen fast nur für mich

Immer wieder treffe ich zu Beginn der heutigen Tour auf Hinweisschilder zum 1. Weltkrieg, der ja in dieser Region heftigst geführt wurde und wo in der Schlacht um Verdun sinnlos Hundertausende von Soldaten ums Leben kamen (siehe auch https://www.dhm.de/lemo/kapitel/erster-weltkrieg/kriegsverlauf/verdun-1916.html).

In Cesse, wo ich einen kurzen Halt mache, ist im 1. WK das ganze Dorf zerstört worden, wie ich auf einer Schautafel bei der Kirche lese.

Kirche von Cesse

In der Nähe von Cesse mache ich meinen Mittagshalt. Ich habe eine Bank entdeckt (ein Wunder!), die neben einer winzigen Kappelle steht. Der Himmel hat sich inzwischen wieder bezogen und ein kalter Nordwind pfeift mir um die Ohren, als ich etwas Brot und Bündnerfleisch verspeise.

Mittagsrast in der Nähe von Cesse

So breche ich bald wieder auf. Ich ziehe meine Regenjacke als Windschutz über und bin froh um meine Odlo-Langlaufkappe, die meinen Kopf warm hält.

Wieder einmal lotst mich meine App über einen Hügel und ich frage mich, ob es nicht besser gewesen wäre, unten im Tal einen kleinen Umweg zu machen. Die Frage bleibt ohne Antwort.

Auf einem Ortschild wird die nächste Ortschaft als „Petite Cité de Caractère“ angekündigt.

Ortsschild von Mouzon

Ich hoffe inständig, dass sich dort ein Café befindet, in dem ich mich aufwärmen könnte. Meine Hoffnung wird aber enttäuscht. Es ist nicht viel los in diesem kleinen Städtchen. Immerhin gibt es eine eindrückliche Abtei aus dem 12. Jahrhundert.

Abtiale de Mouzon

So fahre ich halt ohne Kaffeepause weiter und werde dafür für kurze Zeit mit ein bisschen Sonnenwärme entschädigt.

Landschaft bei Mouzon

Meist weiss ich nicht, ob ich wirklich auf der Maas-Fahrradroute unterwegs bin, nur sporadisch sehe ich manchmal ein Schild. Als ich aber sehe, dass mich die Tour auf einen komfortablen Radweg entlang eines Kanals führt, bin ich erfreut, denn das bedeutet, dass das Auf und Ab ein Ende hat. – Und so ist es denn auch.

„Schilderbaum“ in der Nähe von Sedan

Ein bisschen verärgert bin ich wenig später, dass mich Komoot bei Sedan von dieser schönen Route weglotst und mich durch stark befahrene Strassen dieser Stadt führt.

Umso froher bin ich, als ich unverhofft wieder auf diesem schönen Radweg entlang der Maas oder dem dazugehörigen Kanal (so genau weiss ich es nicht immer) lande.

Maasradweg in der Nähe von Sedan

.Auf diesem wunderbar angelegtem Fahrradweg fahre ich in der Folge bis zu meinem Tagesziel, der Stadt Charleville-Mezières. Ich komme gerade zur Rush-hour an, der Verkehr staut sich hier überall und ich weiche aufs Trottoir aus, weil es keine Fahrradstreifen gibt.

Mezières

Um viertel nach fünf checke ich im Hotel Pelican ein, das im Stadtteil Charleville liegt. Nach einer wärmenden Dusche erkunde ich noch ein wenig den Stadtkern und suche ein Restaurant.

Überwältigt bin ich vom Zentrumsplatz dieser Stadt, dem Place Ducale. Er ist riesig um rundherum umsäumt von gleichartigen herrschaftlichen Häusern.

Place ducale in Charleville

An diesem Platz finde ich auch ein Restaurant, wo ich mir einen ausgezeichneten gemischten Salat und ein Entrecôte gönne.

Abendessen in der Brasserie Ducale

Müde spaziere ich zum Hotel zurück und schreibe danach an meinem Blog weiter.

Fakten Etappe 4: Verdun – Charleville
Gefahrene Strecke: 114 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.8 km/h
hinauf: 620 m
hinab: 680 m

Day 4

Day 3: Toul – Verdun (Maas-Tour)

Als um halb sieben der Wecker klingelt, geht gerade ein Platzregen nieder, der sich zu einem richtigen Gewitter mit Blitz und Donner entwickelt. Das habe ich nicht erwartet, aber als ich bei Kachelmann.com die Wettervoraussichten anschaue, bin ich beruhigt: Die Gewitterfront wird nach Osten weiterziehen und das Wetter sollte besser werden. Schauen wir mal!

Als ich um circa halb neun losfahre – es regnet zum Glück nicht mehr -, mache ich noch einen Umweg über die Kathedrale, denn am Vortrag war ich zu erledigt gewesen, um noch irgendetwas in diesem Städtchen zu besichtigen.

Kathedrale von Toul

Auch diese Kathedrale ist ein bedeutendes gotisches Baudenkmal.

Ich verlasse die Stadt und fahre auf Haupstrassen mit oder ohne Velostreifen aus der Agglomeration hinaus, bis ich mich wieder im Gründen befinde. Es ist ziemlich frisch und die tief hangenden Wolken verbreiten eine herbstliche Stimmung. Nur die gelb blühenden Rapsfelder bringen etwas Farbe in das Grau.

Landschaft in dern Nähe von Toul

Der Weg führt mich in der Folge durch das Dorf Foug, welches einen heruntergekommenen Eindruck hinterlässt.

Foug

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit erreiche ich bei Sorcy-Saint-Martin die Meuse (Maas), die träge dahinfliesst. Sie wirkt sehr naturbelassenen. Silberreiher fliegen auf, als sie mich bemerken.

Meuse bei Sorcy-Saint-Martin

Ich bin nun auf der Maas-Fahrradroute. Der kommende Abschnitt ist sehr schön, ich fahre auf kaum befahrenen Nebenstrassen und überquere immer mal wieder die Meuse. Manche Dörfer wirken wie ausgestorben, nur die parkierten Autos verraten, dass hier Menschen leben.

Issey

Die Kirche in dieser Ortschaft wirkt wie aus einer anderen Zeit:

Kirche von Issey

Die Maas mäandriert in dieser Gegend stark, der Fahrradweg führt deshalb selten entlang des Flusses und führt auch manchmal über weiche Hügel, um grosse Flussschlaufen „abzuschneiden“. Das hat den Vorteil, dass man, wenn man oben ist, einen guten Weitblick hat.

Landschaft in der Nähe von Commercy

Zum ersten Mal zeigt sich am heutigen Tag der blaue Himmel – ich bin froh, dass das Wetter immer besser wird.

Ein schönes Sujet bietet sich mir, als ich bei einer auffallenden Baumgruppe vorbeifahre:

Landschaft etwas abseits der Maas

Es sind sehr wenige Tourenfahrer unterwegs am heutigen Tag. Diejenigen, denen ich begegne, kann ich an einer Hand abzählen.

Eine grössere Ortschaft, durch die ich fahre, ist die Stadt St. Mihiel.

St. Mihiel

Von hier aus geht’s auf einer Departementsstrasse (D34) ziemlich direkt weiter nach Verdun. Es hat hier leider keinen Fahrradweg oder einen Velostreifen und es hat auch mehr Verkehr als sonst am heutigen Tag, dafür komme ich gut vorwärts. Die Strasse führt – neben einem stillgelegten Bahntrassee – oft der Meuse entlang. Als ich ein schönes Plätzchen erblicke, halte ich an und mache neben aufgestapelten alten Bahngeleisen eine kurze Rast.

Rast am Meuseufer in der Nähe von Verdun

Da die heutige Etappe etwas kürzer war als diejenige vom Vortage, erreiche ich schon um halb vier das geschichtsträchtige Verdun.

Ankunft in Verdun

Die Stadt ist grösser als ich mir vorgestellt habe, sie wirkt aber auch ein bisschen heruntergekommen; viele Häuser stehen leer und auch in der Altstadt herrscht wenig Leben.

Bevor ich im Hotel einchecke, fahr ich noch ein wenig in der Stadt herum und gelange dabei auf die Erhebung mit der Kathedrale, dem Bischofssitz und weiteren historischen Bauten. Hier stosse ich auch auf auf das „Centre Mondial du paix“, welches Dokumentationen verschiedener Kriege beherbergt – wohl zur Abschreckung!

Palais Episcopal Verdun mit Centre Mondial du paix

Im Innenhof ist gerade eine Fotoausstellung mit grossformatigen Bildern aus Kiew vom 8. März zu sehen.

Nach einem Espresso und einem kleinen Bier draussen an der Sonne kann ich endlich im Hotel einchecken.

in einem Strassencafé in Verdun

Dort werde ich vom Besitzer persönlich und freundlich empfangen. Von aussen wirkte das Hotel unscheinbar, aber drinnen ist es sehr geschmackvoll eingerichtet und ich habe ein sehr geräumiges Zimmer.

Hotel de Montaulbain, Verdun

Nach dem Leidensweg vom Vortage konnte ich heute eine Osteretappe geniessen mit schöner Wegstrecke und gutem Wetter. – Gerade als ich das schreibe, erfasst mit ein sehr schmerzhafter Muskelkrampf am linken Oberschenkel; ich stehe schleunigst auf und mache Dehnübungen, bis der Schmerz wieder einigermassen vorbei ist.

Ich habe übrigens abends noch eine Pizzeria gefunden, wo ich endlich mal wieder etwas Warmes zwischen die Zähne kriegte.

Fakten Etappe 3: Toul – Verdun
Gefahrene Strecke: 90 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.3 km/h
hinauf: 530 m
herab: 540 m

Day 3

Day 2: Sarrebourg – Toul (Maas-Tour)

Als ich morgens erwache, höre ich Tropfgeräusche; das muss der angekündigte Regen sein. Ich öffne das Fenster meines Hotelzimmers und sehe Regentropfen auf das darunterliegende Dach prasseln (leicht übertrieben). Nun weiss ich, dass ich gleich zu Beginn meine Regenkleider montieren muss. So fahre ich – von unten bis oben regendicht eingepackt – kurz vor acht los. Ich verlasse mich wieder auf meine app Komoot, die mich schnell aus Sarrebourg hinausführt. Es regnet leicht und es ist unangenehm frisch. Nach einer knappen Stunde wird der Regen stärker, so dass ich unter einer Brücke anhalte und darauf warte, dass sich der Regen wieder abschwächt.

verregneter Tagesbeginn bei Sarrebourg

Bei Regen ist es viel komplizierter, eine Foto zu schiessen. Mein Iphone, welches mein Navigationsgerät ist, ist nebenbei auch mein Fotoapparat. Bei Regen steckt es in einem Gefrierbeutel in der Handyhalterung. Eine Foto zu machen bedeutet also in dieser Situation: Handschuhe ausziehen, Handy aus der Halterung lösen und aus dem Gefrierbeutel nehmen, evtl. Verbindungskabel zum Powerakku entfernen, den Gefrierbeutel sicher aufbewahren (sonst fliegt er davon), Foto machen und dann das ganze Prozedere in umgekehrter Reihenfolge…

Schon bald führt mich meine Fahrradroute wieder dem Marne-Rhein-Kanal entlang, der sich plötzlich in eine schöne Seenlandschaft umwandelt.

Seenlandschaft 25 km nach Sarrebourg

Ich mache hier meine erste Verpflegungspause und klaube mit klammen Fingern Cashewnüsse, gedörrte Früchte, alnatura-Bisquits und weitere Köstlichkeiten aus meiner Satteltasche. Wie gut, dass ich grosszügig eingekauft habe. Meine Odlo-Handschuhe sind inzwischen triefend nass geworden, sonst bin ich gut geschützt gegen den Regen.

Weiter geht’s dem Kanal entlang, der Regen ist inzwischen in einen Nieselregen übergegangen, der sich sehr herbstlich anfühlt; da ausserdem noch Gegenwind aufgekommen ist, komme ich nicht so richtig vorwärts und mir wird ein wenig bange, da meine heutige Etappe ziemlich lang sein wird.

Wieder unter dem Schutz einer Brücke mache ich um 11.30 Uhr eine kleine Mittagsrast:

Mittagsrast unter einer Brücke am Marne-Rhein-Kanal

Das ist eine ziemlich ungemütliche Sache, mir ist kalt und ich hätte mich lieber in einem Restaurant oder einem Café aufgewärmt, welche aber weit und breit nicht in Sicht kommen am heutigen Tag. Die Gegend hier ist wenig besiedlet, ich fahre selten durch Hausansammlungen, geschweige denn durch Dörfer.
Ich ziehe nun meine zweiten noch trockenen Handschuhe an, da es nun kaum noch regnet. Als ich endlich den Kanal verlasse, steigt die Strasse ein wenig an – ich komme fast ein wenig ins Schwitzen – und fahre danach durch ein ganz ansehnliches Dorf.

Sommerviller, etwas abseits vom Kanal

Heute sind ja Wahlen in Frankreich; erinnert daran werde ich durch die mit Frankreichflaggen behängten Wahllokale, an denen ich mehrmals vorbeifahre. Der Wählerandrang hält sich aber überall in Grenzen.

In Dombasle-sur-Meurthe (deutsch, veraltet: Dombasel an der Mörthe) erregt ein riesiger Industriekomplex meine Aufmerksamkeit. Es dampft, quietscht und rattert und ich frage mich, was hier wohl hergestellt wird. Und die Anlage sieht schon ziemlich abbruchreif aus…

Solvay-Fabrik in Dombasle-sur-Meurthe

Wie abends meine Recherchen ergeben, gehört diese Fabrik zum Solvay-Konzern (grosser Chemiekonzern mit Mutterhaus in Belgien und mehreren Standorten) und produziert hier Salz.

Als ich den Kanal auf einer interessanten Eisenkonstruktion überquere, erblicke ich von weitem eine riesige Kirche. Es ist die Basilika St. Nicolas du Port.

Basilika St. Nicolas du Port

Gemäss Wikipedia weist die Basilika St. Nicolas du Port einen spätgotischen Flamboyant-Stil auf und verfügt über beeindruckende Ausmaße: das Kirchenschiff hat eine Höhe von 32 m, die Säulen sind mit 28 m die höchsten in Frankreich, die Türme erheben sich 85 beziehungsweise 87 m in die Höhe. Die Basilika beherbergt eine Reliquie des heiligen Nikolaus von Myra und war im Mittelalter ein bedeutendes Wallfahrtsziel.

Basilika St. Nicolas du Port

Interessante Fakten – vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Basilika in einem „Dorf“ von 7000 Einwohnern steht.

In der Nähe von Nancy erreiche ich die Mosel und fahre nun bis zum Etappenziel diesem Fluss entlang.

Mosel in der Nähe von Nancy

Um 17.30 Uhr erreiche ich mein Etappenziel Toul. Das ist ein kleines Städtchen an der Mosel, welches von einer gotischen Kathedrale überragt wird.

Erfreut stelle ich fest, dass gleich nebem meinem Hotel ein Spar-Laden geöffnet hat. Da werde ich mir etwas zum Nachtessen kaufen, da ich keine offenen Restaurants in der Nähe des Hotels entdeckt habe.

Hotel Villa-Lorraine in Toul

Ich bin ziemlich fertig nach dieser langen, kalten und regenreichen Etappe. Am liebsten würde ich mich nach dem „Abendessen“ ins Bett legen; aber ich muss ja noch den Blog schreiben.

Fakten Etappe 2: Sarrebourg – Toul
gefahrende Strecke: 112 Km
Durchschnittsgeschw.: 13.6 Km/h (wow, das ist langsam!)
hinauf: 390 m
hinab: 430 m

Day 2

Day 1: Strasbourg – Sarrebourg (Maas-Tour)

Pünktlich erreiche ich nach problemloser Reise von Zürich kommend um viertel vor zehn Strasbourg. Es ist ziemlich trüb als ich zu meiner Frühlingsradtour aufbreche.

Mein Ziel wird Maastricht in Holland sein und ein grosser Teil meiner Tour wird der Maas (frz. Meuse) entlangführen, weshalb ich diese Tour «Maas-Tour» nenne.

Bahnhof Strasbourg, Startpunkt meiner diesjährigen Frühlingsradtour

Schnell verlasse ich diese grössere Stadt, ohne viel von ihr zu sehen. Bald schon führt mich der Weg an einen Kanal, den Marne-Rhein-Kanal, wie ich später erfahre. Er wird von nun an mein treuer Begleiter sein.

Ich lieber es, Kanälen entlang zu fahren, denn diese Wege sind eben und autofrei.

De la marne au Rhin canal

Ich nehme es ziemlich gemütlich heute morgen, ich möchte nicht gleich am ersten Tag übertreiben. Immer wieder überholt mich eine Radfahrerin, die etwa gleich alt ist wie ich, schätze ich (und das fuchst mich ein kleines bisschen, aber ich steh darüber und erhöhe mein Fahrtempo nicht, obwohl ich das könnte…). Und da sie immer mal wieder Pause macht, überhole ich sie in diesem Moment wieder.

Als ich an einer schön gestalteten Raststätte mit dem Namen „Le Fleischwurst“ vorbeikomme, halte ich kurz. Schade, dass der Grillmeister nicht da ist und keine Würste brät – eine Fleischwurst hätte ich jetzt sehr gerne verzehrt, denn gerade meldet sich der erste Hunger; ich habe aber zum Glück meine Käsebrote dabei und gebe mich damit zufrieden.

In Saverne begegne ich wieder der Fahrradfahrerin. Sie spricht mich an und ich merke, dass sie Engländerin ist. Sie hat ihr Etappenziel erreicht und fährt mit dem Zug wieder nach Strassburg zurück.

Saverne ist ein sehr schönes kleines Städtchen mit einem riesigen Schloss, das oft auch kleines elsässisches Versailles genannt wird.

Château Rohan

Ich suche ein Café, finde aber keines, das mir passt, dafür kann ich verfolgen, wie ein Schiff durch eine mächtige Schleuse geschleust wird. Der Marne-Rhein-Kanal führt hier mitten durch den Ort.

In der Folge schlängelt sich der Kanal durch die Nordvogesen, eine sehr schöne und naturbelassene Gegend. Es sind hier auffallend viele Hausboote unterwegs; darauf sind meist deutschsprachige Touristen, wie ich den Gesprächen, die ich aufschnappe, entnehme.

Leider muss ich den Radweg kurzzeitig verlassen, da Bauarbeiten am Kanal ausgeführt werden und der Fahrradweg gesperrt ist deswegen.

piste barrée bei Saverne

Wenig später überquere ich die Grenze zu Lothringen, Lorraine auf Französisch. Die Ortsnamen hier haben aber oft einen deutschen Einschlag, wie z.B. Lutzelbourg.

Grenze Elsass / Lothringen

Die Wegstrecke wird nun immer idyllischer. An einem stillgelegten Abschnitt des Kanals stehen herzige Schleusenhäuschen, die meist zu Ferienhäuschen umfunktioniert wurden.

Häuschen Nr. 9 am ancien canal

Das Schleusenwärterhäuschen Nr. 2, das wenig später auftaucht, ist meine Rettung, denn hier befindet sich die PAPAR HASARD CREPERIE BAR – sie ist sogar geöffnet und ich der einzige Gast. Ich gönne mir eine Crêpe und einen Capucchino

Crêpe miel et citron avec capucchino in der PAPAR HASARD CREPERIE BAR

Gestärkt und aufgewärmt nehme ich die letzten 15 km unter die Räder. Bald schon erreiche ich Sarrebourg, mein Etappenziel. Das ist ein kleines, charmantes, aber etwas heruntergekommenes Städtchen.

Sarrebourg

Trotz Navigationsapp finde ich das gebuchte Hotel nicht sofort – kein Wunder, denn beim Haupteingang und im Gebäude drin wird mit grosser Kelle herumgehandwerkt, es stehen Gerüste vor dem Eingang und man kann gar nicht hineingehen. Glücklicherweise bemerkt mich eine Hotelangestellte, kommt heraus und führt mich über den Hintereingang ins Hotel.

Bis jetzt verlief der Tag rund, sogar der angekündigte Regen blieb aus. Doch nach der wärmenden Dusche und dem wohltuenden Haarfönen, werde ich vor ein bizarres Problem gestellt: der Fön lässt sich einfach nicht mehr ausschalten. Verzweifelt drücke ich eine Viertelstunde an ihm herum, aber es gelingt mir einfach nicht, das verflixte Ding zum Schweigen zu bringen und das Kabel ausstecken geht auch nicht, weil es fix montiert ist. Mir wird ein wenig mulmig zumute und ich stelle mir schon vor, die ganze Nacht nicht schlafen zu können wegen dem Lärm des laufenden Föns und zusätzlich noch genervte Zimmernachbarn zu haben.  Also melde ich der Rezeption mein Problem. Die Baustelle stellt sich nun als Segen heraus, denn unter den Arbeitern ist auch ein Elektriker, der sich dem Problem annimmt. Er nimmt den Fön auseinander, kann ihn aber auch nicht reparieren. Immerhin läuft er nun aber nicht mehr. Problem gelöst, zum Glück!

Defekter Fön im Hotelzimmer, er liess sich nicht mehr ausschalten…

Nach dieser lustig-tragischen Episode schlendere ich noch ein bisschen in der Altstadt von Sarrebourg herum in der Hoffnung, eine Verpflegungsmöglichkeit zu finden. Ich habe mal wieder Glück und und kann in einer Weinbar mit einem feinen flammkuchenartigen Baguettegebäck meinen Hunger stillen. So geht der Tag versöhnlich zu Ende.

Nachtessen in einer Weinbar (mit Bier!)

Der Tag ist aber noch nicht ganz zu Ende, denn den obligaten Blog zur heutigen Etappe sollte ich ja auch noch schreiben.

Fakten Day 1: Strassburg-Sarrebourg
gefahrene Strecke: 78 km
hinauf: 430m
hinunter: 320m

Day 1

Day 6: Seligenstadt – Mainz (Main-Tour)

Nach dem wunderbaren Aufenthalt im Hotel MainChateau in Seligenstadt fahre ich heute etwas früher los, denn ich möchte meinen Zug in Mainz pünktlich erreichen.

Hotel MainChateau in Seligenstadt

Der Tag beginnt mit einer goldenen Morgenstimmung, so richtig nach meinem Geschmack!

Morgenstimmung am Main in Seligenstadt

Es sind auffallend viele Hundebesitzer mit ihren Hunden unterwegs heute morgen; glücklicherweise sind sie, respektive ihre Hunde gut erzogen und sie machen immer schön Platz, wenn ich heranbrause.

Radweg am Main

Ich bin froh, dass heute das Wetter wieder besser ist und oft die Sonne scheint oder wenigstens ein Stück blauer Himmel zu sehen ist. Es ist wieder ziemlich kalt, ich friere ein wenig an Händen und Füssen.

am linken Mainufer

In Offenbach erfahre ich auf einer Schautafel mehr über den Fluss Main, der dabei mit dem Flus Indus verglichen wird. Weshalb gerade der Indus als Vergleich herangezogen wird, ist mir aber schleierhaft.

Informationen zum Main (und zum Indus)

Schon hier sehe ich die Skyline von Frankfurt. Als ich näher komme, bietet sich mir ein imposantes Bild, das an amerikanische Städte erinnert. Da haben die Banken aber mächtig geklotzt. Auch UBS ist dabei mit einem relativ bescheidenen „Doppeltürmchen“ rechts neben der Kirche.

Skyline von Frankfurt

Eigentlich hätte ich jetzt gerne eine Znünipause gemacht, aber da ich nicht bei einem Café vorbeikomme, fahre ich einfach weiter. Nach Frankfurt durchquere ich Industriegebiete mit grossen Fabrikgebäuden, bis es wieder ländlicher wird.

Mainüberquerung zwischen Frankfurt und Mainz

Vor Mainz gibt’s sogar ein kleineres Weinbaugebiet und da ich weder Apfel- noch Kaffeehalt gemacht habe, probiere ich ein paar bei der Weinernte vergessen gegangene Trauben. Sie sind nicht so süss und fein wie erhofft.

Weinberge in der Nähe von Mainz

Ich fahre nun schon über 60km ohne Pause und Rast. Soweit bin noch nie gefahren, ohne etwas zu trinken oder zu essen. Es ist mittlerweile angenehm warm geworden und meine Hände und Füsse sind aufgetaut. Der Radweg am heutigen Tag war wieder meist sehr schön, wie auch hier etwas abseits vom Main:

Mainradweg vor Mainz

Gerade als ich Mainz-Kastel erreiche, sticht mir ein Gartenrestaurant ins Auge. Da könnte ich doch endlich etwas essen.

Mittagessen in Mainz-Kastel

Die bestellten Kalbslebern mit Röstkartoffeln munden mir sehr; es geht mir mal wieder gut. Die lustige Wirtin, die gemerkt hat, dass ich Schweizer bin, fragt mich, ob der Umgang mit Corona in der Schweiz auch so bescheuert und bekloppt sei wie hier in Deutschland, man müsse jetzt sogar geimpft sein, um im Aldi einzukaufen. Ich versichere ihr, dass das Ganze in der Schweiz normaler gehandhabt werde…

Es ist nun nicht mehr weit bis zum Hauptbahnhof Mainz. Ich muss den Rhein überqueren, um dorthin zu gelangen.

Rhein, im Hintergrund Mainz

Das Timing stimmt perfekt. Um 15.00 erreiche ich den Bahnhof. Um 15.17 sollte mein Zug losfahren.

Hauptbahnhof Mainz

Die Rückfahrt verläuft nicht ganz pannenfrei; aber das habe ich auch nicht erwartet, mit einer halben Stunde Verspätung sitze ich dann aber doch im ICE, der mich von Mannheim nach Zürich bringen soll. Während der Zugfahrt schreibe ich den Blog der letzten Etappe meiner diesjährigen Herbsttour, die mich den Mainradweg entlang von Bayreuth nach Mainz führte. Ich habe diese schöne Tour sehr genossen, auch wenn es manchmal etwas gar kalt und grau war, glücklicherweise aber ohne nennenswerten Regen.

Mainradweg von Bayreuth bis Mainz

Fakten Etappe 6: Seligenstadt-Mainz
gefahrene Strecke: 76 km
Fahrzeit: 5 Std. 8
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.9 km/h
bergauf: 450m
bergab: 480m

Day 5: Wertheim – Seligenstadt (Main-Tour)

Als ich heute um halb acht zum Frühstück auftauche, meint der lustige Gastwirt ich würde aussehen wie ein Schiedsrichter in meiner schwarzen Velobekleidung.

Es ist mal wieder grau und ziemlich kalt, als ich aufbreche, aber immerhin sollte es heute nicht regnen, habe ich in den Nachrichten vernommen.

Komoot meine Veloapp möchte gleich zu Beginn eine Flussschlaufe abschneiden; aber als ich merke, dass es da ziemlich hoch geht, ziehe ich es vor, auf dem Maintalradweg zu bleiben und den Umweg zu machen.

Nachdem ich zuerst durch ein Industriegebiet mit einer riesigen, aber etwas verfallenen Glasfabrik gefahren bin, gelange ich schon bald wieder ins Grüne. Dort werde ich aufgefordert, einen Apfel vom Apfelbaum zu pflücken, aber es gibt 2 Regeln:

Pflück dir einen Apfel, Angebot bei Wertheim

Die obligate Apfelpause ist mir aber zu früh, ich bin kaum eine halbe Stunde unterwegs und muss erst noch das Frühstück verdauen.

Bei Mondfeld, einem „staatlich anerkannten Erholungsort“ nehme ich die Fähre und setze nach Stadtprozelten (merkwürdiger Name) auf die andere Seite des Main hinüber. Der Ort wird von einer mächtigen Burgruine überragt.

Fähre nach Stadtprozelten

Der Blick auf den Main ist auch schön:

Main bei Stadtprozelten

In der Folge bleibe ich auf der rechten Seite des Mains bis ich bei Freudenberg, einem kleinen Städtchen wieder auf die andere Seite wechsle.

Freudenberg

Schade, dass hier relativ starker Verkehr mitten durchs Städtchen führt.

Kurze Zeit später erregt eine rostige, aber laufende „Industrieanlage“ meine Aufmerksamkeit. Hier wird wohl Sand gefördert und gesiebt.

Sandsiebanlage (?) am Mainufer bei Freudenberg

Nach ca. 30km mache ich die obligate Pause in Miltenberg, einer äusserst schmucken Kleinstadt.

Miltenberg

Die heutige Stärkung besteht aus einem „saftigen Zwetschgenkuchen auf Hefeteig“ und einer heissen Schokolade. Sehr lecker!

Zwetschgenkuchen mit heisser Schokolade

Es tut gut, sich in der warmen Stube etwas aufzuwärmen. Vor allem die Füsse sind trotz Skisocken ein bisschen steif gefroren.

Nach gut einer halbe Stunde mache ich mich wieder auf, der Weg ist noch ziemlich weit, ich sollte mich ein wenig sputen.

Nachdem ich wieder etwa eine Stunde geradelt bin, gelüstet mich nach einem Apfel. – Und täglich grüsst der Apfelbaum:

obligater Apfelhalt

Der tägliche Apfel ist schon fast zur Gewohnheit geworden. Ich pflücke sogar zwei davon, weil sie ziemlich klein sind. Sie schmecken hervorragend.

Bei Erlenbach am Main gibt es eine Werft zu bestaunen. Ich sehe dabei, auf welche Art grosse Schiffe aus dem Wasser gehievt werden.

Erlenbach am Main

Vor Aschaffenburg höre ich schon von weitem Helikopterlärm. Als ich näher komme, sehe ich, welche Arbeiten mit dem Helikopter ausgeführt werden.Zwei Arbeiter auf einer Kanzel, die am Helikopter hängt, versuchen einen Sichtballon an einer Stromleitung(?) zu montieren. So interpretiere ich das Ganze. Nur schon beim Zuschauen wird mir angst und bange.

gefährliche Arbeiten bei Aschaffenburg

In der Folge erreiche ich die grössere Stadt Aschaffenburg. Ich sehe mich ein wenig um und habe Mühe, die Altstadt zu finden. Am Abend lese ich, dass grosse Teil von Aschaffenburg im 2. Weltkrieg zerstört wurden.

Vor der Johannisburg kaufe ich an einem Stand gebrannte Mandeln, sie sind mein heutiger „Zvieri“.

Johannisburg in Aschaffenburg

Nun ist es nicht mehr weit bis Seligenstadt. Gemächlich nehme ich die letzten 20 km in Angriff.

Als ich mein Etappenziel erreiche, scheint sogar kurz die Sonne. Sie hatte ich an diesem Tag bisher schmerzlich vermisst.

Seligenstadt mit den Türmen der Einhardt-Basilika

Seligenstadt ist eine wunderschöne Kleinstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Mein Hotel liegt am Main. Bevor ich einchecke, sehe ich gerade wie Fähre und ein Passagierschiff hier anlegen.

Fähre und Passagierschiff auf dem Main bei Seligenstadt

Das Hotel MainChateau gefällt mir sehr, auch die Ambiance im Speiseraum ist sehr schön.

Abendessen im Hotel MainChateau

Der eher unspektakuläre Tag endet somit sehr erfreulich. Morgen nehme ich meine letzte, kürzere Etappe nach Mainz in Angriff und fahre gleich anschliessend zurück nach Hause.

Fakten Etappe 5: Wertheim-Seligenstadt
gefahrene Strecke: 97 km
Fahrzeit: 6 Std. 43
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.4 km/h
bergauf: 780m
bergab: 800m

Day 4: Karlstadt – Wertheim (Main-Tour)

Heute breche ich um 09.00 Uhr auf. Da ich Karlstadt am Vortag nicht besichtigt habe, fahre ich zuerst durch dieses überschaubare Städtchen und mache eine Erinnerungsfoto von der historisch bedeutsamen Kirche.

Pfarrkirche von Karlstadt

Kaum habe ich Karlstadt verlassen, beginnt es leicht zu regnen. Das müsste jetzt nicht sein, denn heute habe ich die Regenhose nicht schon beim Start angezogen. Glücklicherweise hört der Regen aber bald wieder auf und das Wetter wird immer besser.

Mainradweg bei Karlstadt

Schon bald scheint die Sonne, das hatte ich nicht erwartet, denn Kachelmann hatte eher trübes Wetter angekündigt.

Mainradweg in der Nähe von Gmünden

Nach ca. 20 km erreiche ich den ersten grösseren Ort, Gmünden. Ich weiche von der Fahrradroute ab und möchte dieses Städtchen kurz besichtigen. Für einen Kaffeehalt ist es aber noch zu früh.

Gmünden

Auf der Weiterfahrt überquere ich den Main auf einer ganz neuen Brücke.

Main bei Gmünden

Die heutige Apfelpause ist frühzeitig. Bei diesem Apfelbaum kann ich nicht achtlos vorbeifahren:

Apfelpause in der Nähe von Gmünden

Ich liebe diese frisch vom Baum geplückten Äpfel, obwohl sie immer auch ein bisschen sauer sind. Die gleich neben dem Apfelbaum stehende Infotafel gibt auch einen guten Überblick über den Mainradweg in dieser Region, den ich meinen geschätzten Lesern nicht vorenthalten möchte:

Mainradweg zwischen Würzburg und Wertheim

Auf dieser Karte kann man gut sehen, dass ich heute zuerst nach Norden gefahren bin und nachher grösstenteils Richtung Süden.

Bei Löhr mache ich meinen obligaten Kaffeehalt. Zur heissen Schokolade esse ich diesmal ein „mürbes Hörnchen“. Dieser Name belustigt mich, in der Schweiz ist das einfach ein „Gipfeli“.

Auf meiner Fahrt treffe ich immer wieder auf Wildgans-Kolonien. Wunderbar diese schnatternden und sozialen Tiere, die mich an „Nils Holgersson“ erinnern.

Wildgänse am Main bei Lohr

Das ist ein schönes Bild geworden; die Gänse liessen sich kaum stören durch meine Anwesenheit.

Wenig später mache ich eine Pause und setze mich auf eine Bank direkt am Main. Vis-à-vis befindet sich Neustadt am Main.

Neustadt am Main

Da ich sitzenderweise fast einschlafe, lege ich mich kurz hin und geniesse die wärmenden Sonnenstrahlen.

Wenig später erblicke ich auf meiner Weiterfahrt die Stadt und Burg Rothenfels, ein tolles Sujet:

Stadt und Burg Rothenfels

Die heutige Etappe ist wunderbar. Das unerwartet gute Wetter trägt natürlich auch dazu bei.

In Marktheidenfeld mache ich die nächste Pause. Auch dieses Städtchen ist reizvoll. Ich setze mich in einer Gelateria draussen an die Sonne und bestelle ein heisse Schokolade und einen Apfelstrudel; das ist mein heutiges Mittagessen.

Rast in Marktheidenfeld

Auch andere Tourenfahrer haben diese Gelateria entdeckt. Zwei davon treffe ich später wieder im Hotel in Wertheim.

Auf der Weiterfahrt kann ich gleich live verfolgen wie ein Frachtschiff mit Sand od. Kies beladen wird.

Mainradweg in der Nähe von Homburg

Die heutige Etappe ist sehr schön, der Fahrradweg führt – nicht wie hier – meist abseits der Strasse dem Main entlang.

Nach Homburg, einem Weinort, entdecke ich wieder einmal einen Apfelbaum; das gibt doch ein wunderbares Bild:

Landschaft mit Apfelbaum in der Nähe von Homburg

Natürlich esse ich auch hier wieder einen frisch vom Baum gepflückten, biologischen Apfel und erinnere mich dabei an das Lied von der jungen Frau von Ryde, die zuviele Äpfel ass und daran starb:

There was a young woman of Ryde
who ate too many apples and died.
The apples fermented inside the lamented
and made cider inside her inside.

Also bin ich vorsichtig und übertreibe es nicht mit dem Verzehr von Äpfeln.

Nachdem ich heute fast den ganzen Tag gegen Süden gefahren bin, macht der Main bei Uphar eine Schlaufe und fliesst von nun an wieder mehrheitlich westwärts.

Main bei Urphar

Der Ortschaftsname Urphar klingt sehr exotisch in meinen Ohren, könnte z.B. persisch sein.

Bald erreiche ich Wertheim, mein heutiges Ziel. Das ist eine sehr schöne Stadt, von der ich zuvor noch nie gehört habe. Vor dem Einchecken im Hotel schlendere ich noch ein wenig in der Stadt herum.

Altstadt von Wertheim

Bei Wertheim fliesst die Tauber in den Main, wie ich auf meiner Erkundungstour festelle:

Tauber bei Wertheim

Als ich in meinem gebuchten Hotel einchecken will, erlebe ich eine Überraschung. Das Hotel ist geschlossen und präsentiert sich ausserdem in einem lamentablen Zustand. Das kann doch nicht wahr sein. Ich storniere das Hotel online und suche in der Altstadt nach einem Ersatzhotel; schliesslich lande ich wieder einem Hotel gleichen Namens (Hotel Löwensteiner Hof). Ich brauch ein bisschen Zeit, bis ich den Grund finde dieses kuriosen Missverständnisses: Es gibt/gab zwei Hotels mit dem Namen Löwensteiner Hof und die Adressdatei von Komoot hatte die Adresse dieses alten, geschlossenen Hotels gespeichert und mich dorthin gelotst.

Ende gut alles gut; ich bin froh, dass ich mein gebuchtes Hotel schliesslich fand, denn die Küche hier ist ausgezeichnet. Auch die Tourenfahrer, die ich schon in Marktheidenfeld getroffen habe, begegnen mir hier wieder. Ich wechsle ein paar Worte mit ihnen.

Rindergulasch im Hotel Löwensteiner Hof in Wertheim

Ein schöner Tag endet somit auch kulinarisch erfolgreich.

Fakten Etappe 4: Karlstadt-Wertheim
gefahrene Strecke: 73.7 km
Fahrzeit: 5 Std. 10
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.3 km/h
bergauf: 550m
bergab: 590m

Day 3 : Volkach – Karlstadt (Main-Tour)

Heute habe ich keine Lust früh aufzustehen. Immer wieder drücke ich bei meinem iPhone-Wecker auf Schlummern und und schlafe so 4×9 Minuten länger als ursprünglich geplant. Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich, dass es regnet – also wirklich kein Grund zur Eile.

Beim Frühstück liest mir die äusserst freundliche und gut gelaunte Bedienstete jeden Wunsch von den Lippen ab. Ich wusste gar nicht, dass Deutsche so freundlich sein können. Ah –  da fällt mir gerade ein, dass ich hier ja gar nicht in Deutschland bin sondern im Freistaat Bayern – das erklärt alles.

Um 09.15 Uhr fahr ich los. Da es leicht regnet, habe ich die Regenhosen angezogen und der Helmregenschutz ist immer noch von gestern her auf dem Helm montiert. Die Schuhregenschütze bleiben vorerst in der Tasche, da es gemäss Kachelmann.com ab 11.00 nicht mehr regnen soll.

Gleich zu Beginn führt mich meine App an den Main.

Fahrradweg bei Volkach

Es ist wärmer als an den beiden Vortagen und der Regen hört bald auf, so dass ich die schöne Landschaft trotz des grauen Wetters geniessen kann. Es ist ein Weinbaugebiet hier; überall sind Weinberge. Nicht weit von Volkach entfernt fahre ich an grossen verschieden farbigen Haufen vorbei. Was das wohl ist?

merkwürdige Haufen

Es sind ausgepresste Weintrauben, die hier zwischengelagert werden. Wozu werden die wohl verwendet? Schweinefutter? zum Düngen? Ich weiss es nicht. Immerhin kann ich erkennen, dass hier auch rote Trauben angebaut werden, nicht nur weisse, die aber klar beliebter sind.

Die Stimmung an diesem Morgen gefällt mir. Weinberge wechseln sich ab mit schönen Ortschaften, die vom Weinbau leben.

Reben in der Nähe von Sommerach

Eine grosse Kirche mit 4 Türmen erregt meine Aufmerksamkeit; es ist ein Benediktinerkloster.

Benediktinerkloster Münsterschwarzach

In der Folge überquere ich mal wieder den Main. Ein grosses Lastschiff namens «Rialto» fährt gerade vorbei. Dieses Schiff hatte ich doch schon mal gesehen.

Main bei Schwarzach

Heute fahre ich fast immer dem Main entlang. Vor Kitzingen zeigt sich an diesem trüben Tag sogar einmal kurz der blaue Himmel.

Mainradweg in der Nähe von Kitzingen

Es ist sehr angenehm zu fahren heute. Wenig Wind, wenig Regen, nicht so kalt wie an den Vortagen und Top-Fahrradwege.

In der schönen Kreisstadt Kitzingen machen ich heute den ersten Halt. Ich finde eine Gelateria und hoffe, dass ich einen feinen Capuccino bekomme. Die Wirtin hat Freude an mir, da ich ein bisschen Italienisch spreche (besser als sie deutsch). Ich staune, dass Leute vorbeikommen und ein Eis möchten. Dies bei diesem nasskaltem Wetter! Ich bekomme den ersehnten Capuccino und esse einen italienischen Nusskuchen, der zwar ein bisschen trocken ist.

In einer Gelateria in Kitzingen

Als ich Kitzingen verlasse, mache ich noch rückblickend eine Foto:

Kitzingen

Wenig später erreiche ich das Städtchen Marktbreit, das herzig und klein ist, eben marktbreitklein…

Stadttor von Marktbreit

Als ich das Städtchen Ochsenfurt erreiche, beginnt es zu regnen. Also mache ich halt noch einen Kaffeehalt. Diesmal trinke ich aber eine heisse Schokolade und einen frisch gepressten Orangensaft.

Ochsenfurt

Auf dem Bild sind übrigens 2 Tourenfahrer zu entdecken. Es sind so ziemlich die einzigen, die mir heute begegnet sind.

Es gäbe noch weitere schöne Weinorte auf meinem heutigen Weg, die ich besichtigen könnte, aber ich ziehe es vor, nicht alle zu besichtigen, da ich ja irgendwann auch noch an meinem Zielort ankommen möchte.

Ca. 10 km vor Würzburg ist der Main besonders schön, da muss ich unbedingt eine Foto schiessen:

Main bei Würzburg

Würzburg habe ich auf meiner grossen Deutschlandtour im 2018 schon einmal besucht, deshalb fahre ich mehr oder weniger durch, mach aber eine Foto auf der berühmten Brücke, auf der viele Leute ein Weinglas in der Hand halten und Wein trinken; das scheint auf dieser Brücke wohl Mode zu sein.

Alte Mainbrücke, Würzburg

Der Weg weiter bis nach Karlstadt ist sehr schön – klar, bei schönen Wetter, wär er noch viel schöner – ich bin aber froh, dass es heute zumeist trocken geblieben ist.

Fahrradweg in der Nähe von Würzburg

Als ich mich 10 km vor Karlstadt befinde, fahre ich mal wieder an Apfelbäumen vorbei. Da kann ich nicht widerstehen. Der Hundehalter (im Hintegrund zu sehen) meint zwar, diese Äpfel seien zu sauer und ungeniessbar. Sie sind wirklich sauer, aber trotzdem gut, wenn man durstig ist und Hunger hat.

Apfelhalt in der Nähe von Karlsstadt

Um 17.15 Uhr erreiche ich endlich mein Ziel, Karlstadt

Karlsstadt

Mein App führt mich zielgenau zum Hotel Eisenbahn. Das ist eine gute Wahl, ich kann wieder im hoteleigenen Restaurant das Abendessen einnehmen und auch das Zimmer hat alles, was ich brauche.

Hotel Eisenbahn, Karlstadt

Nach dem vielen Schweinefleisch gibt’s heute einen gebratenen Lachs zusammen mit einem Weisswein aus der Region. Das passt und ich bin sehr zufrieden.

Zwischen den Gängen schreibe ich an meinem Blog und bin schon fast fertig, als ich beim Espresso bin.

Fakten Etappe 3: Volkach-Karlsstadt
gefahrene Strecke: 97 km
Fahrzeit: 6 Std. 15
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.4 km/h
bergauf: 730m
bergab: 760m

Day 2: Bamberg – Volkach (Main-Tour)

Der heutige Tag startet gemütlich. Da ich weiss, dass es wieder sehr kalt sein wird am heutigen Tag, möchte ich nicht allzu früh losfahren. Nach reichlichem Frühstück fahre ich warm eingepackt ca. um 09.00 los.

Bamberg am frühen Morgen

Der Weg führt mich zu Beginn meist dem Main entlang oder dem Main-Kanal, auch die Sonne scheint wieder, obwohl es heute morgen bewölkt ist.

Ich schlage ein gemächliches Tempo an, die Beine schmerzen noch ein wenig vom Vortag und schwitzen möchte ich auch nicht; das passiert nämlich schnell, wenn man warm eingepackt ist.

Friedliche Stimmung am Main-Kanal

In der Folge fahre ich an einer schönen Wallfahrtskirche vorbei; die muss doch fotografiert sein.

Wallfahrtskirche in der Nähe von Bamberg

Wieder pflücke ich einen Apfel von einem Apfelbaum, der am Strassenrand steht. Immer wieder gibt es diese „wilden“ Apfelbäume mit reifen Früchten, um die sich niemand kümmert.

Der Main ist nun schon viel stattlicher als bei der ersten Etappe und ein richtiger Fluss geworden, der allerdings oft gestaut ist und mit wenig Zug träge dahinfliesst.

Main in der Gegend von Hassfurt

Nach knapp 40 km erreiche ich den grösseren Ort Hassfurt. Gerade zur rechten Zeit für meine Kaffee- und Kuchenpause. Diesmal trinke ich aber eine heisse Schokolade, die ich zusammen mit einem Apfel-Rahm-Kuchen geniesse. Da es schon 12 Uhr ist, ist das gleichzeitig auch mein Mittagessen.

Kaffeehalt in Bauer’s Cafehaus in Hassfurt

Frisch gestärkt breche ich bald wieder auf. Der Himmel ist in der Zwischenzeit ziemlich grau geworden. Aber trotz Grau-in-Grau ist es doch noch ganz schön:

Main-Fahrradweg in der Nähe von Hassfurt

Die Fahrradwege sind in einem Top-Zustand; so komme ich mit wenig Anstrengung gut vorwärts und bin schon bald in Schweinfurt. Dort entdecke ich einen Schwimmer, der sich mutig in den Main wirft.

Schwimmer im Main, bei Schweinfurt

Das wäre nichts für mich!

Die Stadt Schweinfurt, lasse ich zu meiner rechten liegen, ich habe irgendwie keine Lust bei diesem grauen Wetter ein Stadt zu besichtigen. So fahre ich weiter und mach aber noch eine Foto:

Industrieanlagen bei Schweinfurt

Kurze Zeit später passiere ich eine Schautafel, wo unter anderem der ganze Main-Radweg gross abgebildet ist. Sowas hätte ich gerne vorher im Netz gefunden, das hätte mir die Planung erleichtert.

Karte des Mainradweges (Osthälfte)

Wie man auf dieser Karte sieht, muss man bei Wipfeld mit einer Fähre den Main überqueren. Als ich bei dieser Stelle eintreffe, bin ich der einzige, der auf die andere Seite möchte. Der Fährmann tuckert aber sogleich von der anderen Seite zu mir herüber, um mich abzuholen – welch ein Service, und dies für 1 Euro!

Fähre bei Wipfeld

In der Zwischenzeit hatte es leicht zu regnen begonnen. Glücklicherweise hält sich das Nass aber in Grenzen und ich muss nicht meine ganze Regenausrüstung überziehen, nur Helmschutz und Regenjacke ziehe ich an. Bei schönem Wetter wäre das wohl wunderschön hier, denn der Main macht hier eine grosse Schlaufe und auf der linken Seite sind grosse Weinberge zu sehen. Die Ernte ist wohl schon vorbei denke ich, aber da entdecke ich kurz vor meinem Etappenziel Leute, die an der Weinlese sind. Bei diesem nasskalten Wetter wohl nicht so eine schöne Arbeit!

Weinlese in der Nähe von Volkach

Das Ganze erinnert mich an meine Jugendzeit, in der ich oft als Erntehälfter beim „Wümme“ bei Bekannten in Wilchingen, Hallau und auch Bibern ein kleines Taschengeld verdiente.

Nach rund 90km Fahrt erreiche ich um 16.30 Uhr mein Etappenziel Volkach, welches ein herziges Kleinstädtchen ist. Mitten in der Altstadt liegt mein heutiges Hotel, der Gasthof Leipold.

Volkach

Ich bin froh, dass ich schon um 17.30 Uhr im Gasthaus das Nachtessen einnehmen darf, denn ab 19.00 Uhr wäre es ausgebucht gewesen. Ich bestelle ein Leipoldschnitzel.

Leipold-Schnitzel

Das Teil schmeckt gut (wieder einmal Schweinefleisch) ist aber so riesig – zwei Schnitzel übereinander- , dass ich nicht alles aufesse. Das seien eben fränkische Portionen meint die Kellnerin, als sie abräumt. Aha, jetzt weiss ich, weshalb es hier so viele dicke Leute gibt.

Nach dem Essen möchte ich noch einen Abendspaziergang durch das schöne Volkach machen, aber da es so kalt ist und ich zu schlottern beginne wie ein Sch(l)osshund (Bolonka?), verziehe ich mich schnell in mein Hotelzimmer – ich sollte ja noch meinen Blog schreiben.

Fakten Etappe 2: Bamberg-Volkach
gefahrene Strecke: 91.3 km
Fahrzeit: 6 Std. 21
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.4 km/h
bergauf: 1080m (so sagt es jedenfalls meine App, ist aber wohl ein bisschen zu hoch gegriffen)
bergab: 1130m