In meiner Jugend habe ich gerne Velotouren gemacht und so die Schweiz kennengelernt. Nachdem ich jahrelang kaum mehr Fahrrad gefahren bin, habe ich den Reiz von Fahrradtouren wiederentdeckt...
Heute schlafe ich ein bisschen länger also sonst, denn es ist der letzte Tourtag und habe nur eine «Halbetappe» nach Vicenza vor mir, von wo ich den Zug nach Mailand nehmen werde.
Im Pilgerhotel, in dem ich übernachtet habe, waren wirklich auch Pilger-Gäste, wie ich beim Frühstück unschwer feststelle. Nach einem Cafe Americano (filterkaffeeartig) und ein paar Brötchen, mache ich mich um viertel nach neun auf den Weg.
Vor dem Verlassen dieser schönen Stadt mache ich nochmals eine Foto.
Padova
Es dauert eine Weile, bis ich aus dieser grossen Stadt heraus bin, immerhin habe ich aber meist einen Velostreifen entlang der Ausfallachse. Nach kurzer Fahrt durch ziemlich dichten Herbstnebel drückt bald die Sonne durch und danach ist der Himmel den ganzen Tag wolkenlos.
In der Folge fahre ich auf einem schönen, auf einem Deich angelegten Fahrradweg, der entlang des Flusses Bacchiglione führt.
Fahrradweg dem Bacchiglione entlang
Nach etwa 35 km erreiche ich schon die Ortstafel von Vicenza.
Stadtgrenze von Vicenza
Es dauert aber noch ein Stück, bis ich die Innenstadt erreiche. Auch diese Stadt ist sehenswert und vor allem berühmt durch die Palazzi von Palladio.
Am Hauptplatz finde ich Platz in einem Restaurant mit wunderbarer Aussicht. Den Abschluss meiner tollen Tour feiere ich mit einer feinen Lasagne; das hab ich doch verdient, oder?
Mittagessen in Vicenza
Bevor der Zug fährt, besichtige ich noch ein wenig die Altstadt und bestaune all die sehenswerten Gebäude.
Vicenza
Nun ist sie also schon zu Ende, meine Po-Ebene-Tour. Ich bin froh und dankbar, dass mir nichts passiert ist, dass ich keine Schmerzen zu ertragen hatte und dass ich immer schönes Wetter hatte und auch kaum Wind – was will man mehr! Positiv überrascht war ich von den vielen schönen Fahrradwegen abseits stark befahrener Strassen – das hatte ich gar nicht erwartet. Die Highlights aber waren natürlich alle diese Städte, die ich besucht habe und in denen man so richtig in die Renaissance-Zeit eintauchen kann.
Auf meiner Reise von Mailand nach Vicenza legte ich genau 500 km zurück – auf die Angaben von bergauf und bergab geleistete Höhenmeter habe ich bei dieser Tour verzichtet, denn die gesamte Strecke war topfeben!
Zum Schluss meines Reiseberichts geht ein Dank an meine Leser für die positiven Feedbacks und die Likes. Ich werde mich nach der Winterpause im Frühling wieder mit neuen Tourberichten melden – hoffentlich!
Fakten Etappe 6: Padova-Vicenza Gefahrene Strecke: 43 km Durchschnittsgeschwindigkeit: 14 km/h
Beim heutigen Frühstück höre ich wieder schweizerdeutsch. Und als ich bemerke, dass meine Tischnachbarn einen Ostschweizer Dialekt sprechen, werde ich hellhörig. Der Dialekt klingt so vertraut, dass ich denke, dass das ältere Paar aus dem Raum Schaffhausen kommt. Das Wort «Tünnä» (= dünner Kuchen) outet die beiden definitiv als aus dieser Region. Ich spreche sie an und wir kommen miteinander ins Gespräch. Sie kommen aus Schlattingen und kennen eine ehemalige Schulkollegin von mir – die Welt ist klein. Sie fahren heute nach Mantua und ich mache mich auf den Weg nach Padua.
Frühstücksraum im Hotel de Prati
Ich staune, dass am heutigen Sonntagmorgen schon viel Betrieb ist in Ferrara. Unter anderem komme ich an einer Gruppe von Leuten vorbei, die sich in mittelalterliche- oder Renaissance-Montur geworfen haben und Pfeil und Bogen mit sich tragen.
Leute mit Pfeil und Bogen / Mittelalterfestspiele?
Als ich wieder den Po erreiche und auf dem Deichweg fahre, überholen mich viele Velofahrer, machmal allein oder sogar in grossen Gruppen mit bis 30 Männern. Als ich auf die linke Seite des Pos gewechselt bin, fällt mir zur linken ein stattliches Haus auf, es ist die Villa Norosini-Mantovani, wie ich dem Schild entnehmen kann.
Villa Norosini-Mantovani aus dem 16./17. Jahrhundert
Ich verlasse in der Folge die Po-Fahrradroute und erreiche nach etwa 40 km Rovigo, die erste grössere Stadt auf der heutigen Etappe. Auf der Piazza im Zentrum mache ich meinen ersten Halt und trinke eine Coca Cola.
Halt in Rovigo
Die heutige Route ist abwechlungsreicher als an den Vortagen. Ich befinde mich inzwischen am Fluss Adige (Etsch), den ich auf der fotografierten Brücke überquere.
Adige (Etsch) bei Rovigo
Der heutige Tag war bis jetzt eher trüb, aber zur Mittagszeit hellt sich der Himmel auf und der blaue Himmel zeigt sich.
Villa Miari de Cumani
Ziemlich überrascht bin ich, als zu meiner Linken plötzlich Hügel auftauchen, das hatte ich gar nicht erwartet. Wie ich später herausfinde, sind es die sogenannten Euganeischen Hügel, die sich südwestlich von Padua aus der Po-Ebene erheben.
Euganeische Hügel bei Monselice
Heute verzichte ich auf eine Mittagsrast, denn ich möchte möglichst bald in Padova ankommen, um genügend Zeit für eine Stadtbesichtigung zu haben.
In der kleinen Stadt Monselice werde ich aber fast schwach, als ich freie Plätze in einem Gartenrestaurant entdecke…
Monselice
Ich kann der Versuchung aber widerstehen und fahre weiter.
Die folgende Wegstrecke ist sehr schön und führt mich einem kleinen Fluss (oder Kanal?) entlang, der bis nach Padova führt.
Fahrradroute Richtung Padova
Unterwegs passiere ich ein imposantes Schloss, es ist das Castello del Catajo.
Castello del Catajo
Und täglich grüsst das Murmeltier (die Baustelle), ich hatte es schon ein wenig vermisst:
Baustelle auf dem Fahrradweg
Irgendwie schaffe ich es auch hier, die gut abgesperrte Baustelle zu überlisten. Nun ist es nicht mehr weit nach Padova und ca. um halb vier erreiche ich das Zentrum dieser ausserordentlich schönen Stadt.
Basilica der heiligen Justina am Prato della Vella, Padova
Die riesige Basilica fällt mir als erstes auf und der riesige Platz davor (einer der grössten Innenstadtplätze Europas). Als ich schon fast bei meinem Hotel bin, entdecke ich einen freien Tisch in einem Restaurant mit toller Aussicht auf die Basilica di Sant’ Antonio, die Unesco-Weltkulturerbe ist.
Basilica di Sant’ Antonio
.Hier bestelle ich einen Salat und Spaghetti al pomodoro, Mittagessen und Nachtessen in einem.
Nach dem Einchecken im Hotel, das neben dieser Basilica liegt, erkunde ich noch ein wenig die äusserst sehenswerte Stadt. Es wimmelt von Leuten an diesem Sonntagabend im Zentrum der Altstadt.
Sehr berühmt ist der Pallazzo della Ragione, offenbar das heimliche Wahrzeichen von Padua.
Palazzo della Ragione, Padova
Auf der Piazza dei Signori setze ich mich an den Tisch einer Bar mit Blick auf den berühmten Uhrtum, den Torre dell’ Orologio, mit einer astronomischen Uhr von 1437.
Torre dell’ Orologio
Hier schreibe ich bis zum Eindunkeln an meinem Blog. Voller Eindrücke schlendere ich nachher wieder zum Hotel zurück – ein weiterer schöner Tag neigt sich zu Ende.
Fakten Etappe 5: Ferrara-Padova Gefahrene Strecke: 93 km Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.7 km/h Übernachtung im Hotel Casa del Pellegrino, Padova
Beim heutigen Frühstück sind die Schweizer unter sich. Mantua scheint sehr beliebt zu sein bei meinen Landsleuten. Gegen 8.15 Uhr verlasse ich das komfortable Hotel dei Gonzaga und starte in den vierten Tourtag. Es kündigt sich ein weiterer schöner Tag an.
Morgenstimmung in Mantua
Schon bald bin ich wieder in der Natur, wo mich Komoot heute sogar auf einen Single-Trail lotst. Der leicht abenteuerliche Abschnitt führt durch ein Naturschutzgebiet.
Single-Trail bei Mantua
Es ist wunderbar, an diesem frischen Morgen durch die Landschaft zu radeln.
Landschaft bei Mantua
Die Fahrradroute führt zuerst längere Zeit diesem Kanal entlang, bis ich wieder an den Po gelange und dort auf der rechten Seite auf dem Deichradweg der Sonne entgegen fahre.
Fahrradroute auf dem Po-Deich
Ich komme gut vorwärts, da die Wege meist geteert sind und es topfeben ist – Po-Ebene halt! In einem kleinen Dörfchen neben dem Po-Deich bietet sich mir ein Spektakel: Ein Arbeiter auf einer Kanzel eines Pneukrans repariert die Spitze eines Kirchturms.
Reparatur eines Kirchturms
Ein wenig später präsentiert sich mir ein weiteres Schauspiel: vier Jäger und zwei Hunde sind auf der Pirsch nach Hasen. Einer musste schon dran glauben, kann ich erkennen. Es sind übrigens nicht die einzigen Jäger, die ich heute erblicke.
Jäger in Aktion
Im Städtchen Revere machen ich nach ca. 40 km den ersten Halt. Bei einer typischen Kaffeebar steige ich vom Velo, setze mich auf einen Plastikstuhl und bestelle einen Café und ein Coca Cola. Die Barkeeperin, die Russin ist, wie sie sagt, ist erfreut über mein Trinkgeld und sagt «mi piacono i tedeschi», worauf ich sie natürlich korrigiere und sage «scusi, sono svizzero!!
Kaffeehalt in Revere
Eine Stunde später lädt mich eine kleine Raststätte mit Sonnensegel zur Mittagspause ein. Ich lasse mich nicht zweimal bitten und setze mich auf die Bank im Schatten. Heute gibt’s Nüsse und Datteln zum Apéro, Blévita zum Hauptgang und Biberli zum Nachtisch. Ein bisschen trocken alles, aber sicher nicht ungesund!
Mittagspause auf dem Po-Deich
Eine halbe Stunde später mache ich mich wieder auf und fahre weiterhin auf dem Deich, von dem man eine schöne Übersicht hat.
Po-Fahrradroute in der Nähe von Revere
Als ich in die Nähe von Ferrara komme, verlasse ich den Po-Deich, der heute mein treuer Begleiter war und komme auf eine schönen alleenartigen Fahrradweg, der bis an die Stadtgrenze von Ferrara führt. Das ist eine Abwechslung und ich geniesse den Schatten der Bäume, da es inzwischen wieder ziemlich warm geworden ist.
Fahrradroute im Schatten
Bald schon erreiche ich die Stadtgrenze, wo Ferrara etwas grossmundig als Stadt des Fahrrads (città delle biciclette) angekündigt wird.
Ferrara, città delle biciclette
Tätsächlich führen mich in der Folge Fahrradwege bis fast vor mein Hotel, das im Zentrum der Stadt liegt. Nach einer kurzen Dusch- und Verschnaufpause, mache ich mich auf, um ein wenig die interessante Stadt zu erkunden. Eingangs der Altstadt befindet sich ein riesiger Palast, es ist das Castello Estense, das von einem Wassergraben umgeben ist.
Castello Estense, Ferrara
Ich staune, wie viel Leute heute in dieser Stadt unterwegs sind. Vor allem in der Nähe des Doms wimmelt es von Leuten.
Kathedrale, Ferrara
Nach einem ausgedehnten Rundgang durch belebte Geschäftsstrassen aber auch dunkle Gassen, finde ich ein schönes Restaurant, das noch ein Plätzchen für mich hat. Ich bin froh darüber, denn man merkt, dass heute Samstag ist und deshalb viele Leute auswärts essen gehen. Beim Warten und zwischen den Gängen schreibe ich an meinem Blog.
Nachtessen im TEN Restaurant Cafe, Gemüselasagne mit Salat
Mit einem Völlegefühl nach dem abschliessenden Tiramisu verlasse ich das gemütliche Restaurant und begebe mich in mein Hotel, das ganz in der Nähe liegt. Ein sehr schöner Tag geht seinem Ende entgegen.
Fakten Etappe 4: Mantova-Ferrara Gefahrene Strecke: 101 km Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.8 km/h Übernachtung im Hotel De Prati, Ferrara
Als ich um 8 Uhr den Frühstücksraum meiner B&B-Unterkunft betrete, komme ich ins Staunen. Der wohnzimmerartige ziemlich grosse Raum ist komplett überfüllt mit Möbeln aller Art: Schränke, Kommoden und Gestelle, wohin man auch blickt und alle sind überfüllt mit Büchern, Zeitschriften, Geschirr und weiteren Dingen. Als Höhepunkt zieren Dutzende von noch ungeöffnetet alten Whisky-, Schnaps- und Weinflaschen zuoberst auf den Schränken stehend den Raum. Schade habe ich das Handy nicht dabei, um das Gesehene zu dokumentieren.
Ca. um 8.45 Uhr verabschiede ich mich von der älteren Gastgeberin, die sich sichtlich über ihren einzigen Gast an diesem Tag freute.
Zuerst fahre ich noch einmal durch das kleine Städtchen Sabionneta.
Sabionneta am Morgen
Als ich den Ort durch ein Stadttor verlassen möchte, ist der Weg wegen Bauarbeiten komplett zugesperrt.
Stadttor von Sabionneta mit Baustelle
Und täglich grüsst das Murmeltier, denke ich und kehre wieder um und suche einen anderen Ausgang aus dieser Stadt, die fast komplett von einer monströsen Stadtmauer umgeben ist. Dadurch «versumme» ich ein paar Minuten, was nicht weiter schlimm ist, da die heutige Etappe ziemlich kurz ist.
Stadtmauer von Sabbioneta
Mein Weg führt mich nun wieder Richtung Po, den ich nach ca. einstündiger Fahrt auf wenig befahrenen Provinzstrassen erreiche.
Fahrradweg dem Po entlang
In der Folge fahre ich wieder auf dem Deich, von dem man eine gute Aussicht hat. Auf meiner Tour komme ich immer wieder an verlassenen und halb zerfallenen Gutshöfen vorbei. Die Landwirtschaft hat wohl schon bessere Zeiten gesehen in dieser Gegend.
Verlassener Gutshof
Nach knapp 3 Stunden Fahrzeit habe ich eine Pause nötig. Ich biege in ein kleines Dorf ab, das an meiner Strecke liegt. Ich setze mich auf eine Bank vor der Kirche und geniesse etwas «Trockenfutter»: Darwidas, Datteln und Nüsse sind meine Mittagsverpflegung
Mittagspause in Cizzolo
Meine ursprünglich geplante Route habe ich in der Zwischenzeit längst verlassen – ich hätte auf die andere Seite des Pos wechseln müssen; wegen einer stark befahrenen Brücke dorthin habe ich aber darauf verzichtet.
Nun fahre ich also immer noch auf der linken Seite des Pos und verlasse mich auf die Velorouten-Schilder, die mir den Weg nach Mantua weisen. Als ich wieder einmal auf einer Schotterpiste lande, bin ich nicht sicher, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin.
Feldweg durch Baumplantage
Nach kurzer Zeit bin ich aber wieder auf einer geteerten Strasse, auf der ich mich besser orientieren kann. In der Folge gelange ich an den Fluss Oglia, den ich kurze Zeit später überquere.
Oglia bei Torre d’Oglia
Diese Brücke hatte Carlo, der Velofahrer vom Vortrag, mehrmals erwähnt in seinen Ausführungen, nun bin ich also da. Die Besonderheit dieser Brücke ist, dass sie eine Pontonbrücke ist, also auf Schiffen schwimmt.
Pontonbrücke bei Torre d’Oglia
Es rumpelt gehörig, als Autos darüber fahren. Auf der anderen Seite geht’s weiter auf einem Deich, von dem aus ich für einmal einen mustergültigen Gutshof erblicke – kein Wunder, es ist ein Agroturismo-Betrieb.
Agroturismo-Gutsbetrieb
Die Strasse ist im folgenden neu geteert und ich komme deshalb sehr gut vorwärts. Bevor ich nach links Richtung Mantova abbiege, mache ich nochmals eine Foto kurz vor dem Zusammenfluss von Oglia und Po.
Fahrradroute beim Zusammenfluss von Oglia und Po
Von hier ist es nicht mehr weit bis Mantova. Schon um 14.00 bin ich in dieser ausserordentlich schönen Stadt.
Ziel erreicht – Hotel dei Gonzaga in Mantua
Da ich noch nicht einchecken kann, setze ich mich in ein Restaurant auf der Piazza Ducale und esse einen Tomatensalat mit Süssmost (nein, sieht nur so aus…)
Mal was Gesundes!
Vom Nachbartisch höre ich lautes Schweizerdeutsch – das müsste ich jetzt nicht unbedingt haben! Pünktlich um 15 Uhr checke ich im Hotel ein, dusche, wasche ein bisschen Wäsche und mache ein kurzes Nickerchen.
Ich bin froh, so früh angekommen zu sein, denn so habe ich Zeit den Palazzo Ducale zu besuchen, der gleich neben dem Hotel liegt. Der Rundgang durch diesen berühmten Palast begeistert mich. Unzählige wunderbare Säle und Räume, viele Bilder und Gemälde. Ich staune über die Pracht in den diversen Gebäudteilen dieses imposanten Palasts und lasse ein paar Bilder sprechen:
Camera delle sposiSaalDomenico Tintoretto: San Francesco d’Assisi riceve le stimmate (ca. 1605)Jacob Denys : Angeli musicanti (ca. 1678)SpiegelsaalLabyrinth-Decke«Hängender Garten»
Nach der grandiosen Palastbesichtigung setze ich mich in ein Café und beginne meinen heutigen Blog zu schreiben, den ich beim Nachtessen im hoteleigenen Restaurant fertig erstelle.
Der heutige Tag war – nach dem eher tristen Abend in Sabbioneta – ein erstes Highlight dieser Tour. Mögen noch weitere folgen!
Fakten Etappe 3: Sabbioneta-Mantova Gefahrene Strecke: 65 km Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.9 km/h Übernachtung im Hotel dei Gonzaga
Als ich am morgens um 7.30 Uhr aus meinem Hotelfenster blicke, sehe ich, dass mich wieder ein schöner Tag erwartet.
Morgenstimmung in Piacenza
Ich staune, wie ruhig es ist im Zentrum dieser doch ziemlich grossen Stadt (100’000 Einwohner), als ich um ca. halb neun losfahre. Bald schon befinde ich mich auf dem Deich, der vor Hochwasser schützt, gleichzeitig aber meist meine heutige Fahrradroute ist.
Fahrradweg auf Deich
Selten ist der Po in Sichtweite. Als es wieder einmal soweit ist, mach ich eine Foto.
Po in der Nähe von Piacenza
Als ich bei einer Abzweigung unsicher bin, auf welchem Weg es weiter geht, kommen zwei ältere Herren herbei und halten mich davon ab, auf der Komoot-Route weiterzufahren, da diese über die Felder führen würde. Ich bin froh um den Tipp und fahre auf guten Strassen einen kleinen Umweg.
Wenig später ist meine Fahrradroute aber abgesperrt – Bauarbeiten sind der Grund. Da ich aber keine alternative Route finde, zwänge ich mich an der Absperrung vorbei – niemand hat’s gesehen…
Bauarbeiten auf der Fahrradroute
Das ganze ist aber nicht so dramatisch: nach ca. 100m kann ich wieder normal weiterfahren. Als die Fahrradroute sich ausnahmsweise wieder dem Po nähert, fahr ich ans Ufer runter und schau ein wenig den Fischern zu.
Fischer am Po
Kurz nach 11 Uhr treffe ich in Cremona ein. Ich bin gespannt auf diese Stadt, in der ich noch nie war. Sie ist ja bekannt als Geigenbauerstadt, in der Stradivari und andere berühmte Geigenbauer gewirkt haben.
Schon von weitem ist der hohe Turm des Doms zu erblicken. Als ich nah genug bin, mache ich ein Foto von diesem imposanten Bauwerk (Der Turm war mit seinen 112 m lange Zeit der höchste Turm Italiens).
Torre del Duomo und Piazza Stradivari, Cremona
Ich schlendere ein wenig im Zentrum dieser sehenswerten Stadt herum und suche ein Restaurant. Ich bin ziemlich hungrig, da ich am heutigen Tag noch kaum etwas gegessen habe. Im Restaurant del Duomo ist schon aufgetischt. Ich habe Glück und bekomme einen Tisch mit wunderbarem Ausblick.
Mittagessen in Cremona mit Blick auf die Fassade des Doms
Die Fassade des Doms ist sehr interessant: eigentlich romanisch, aber mit Renaissance- und Gotikelementen, wie ich mich durch wikipedia belehren lasse.
Die Fahrradroute führt mich nach diesem schönen Abstecher wieder auf die Po-Deiche. Ich bin sehr zufrieden mit der Route und der Qualität der Fahrradwege. Es sind nun auch ziemlich viele Velofahrer unterwegs, aber keine Tourenfahrer so wie ich.
kleines Dorf am Fahrradweg
Es sind vor allem ältere Herren unterwegs mit Rennrad. Einige im Rudel, andere alleine.
Ein Velofahrer, der mich überholt, verlangsamt seine Fahrt und möchte mit mir ins Gespräch kommen. Das Interesse freut mich – es ist aber gar nicht so einfach miteinander zu kommunizieren, ich versteh nur etwa 50% von dem, was er mir erzählt und zu sprechen fällt mir auch nicht leicht. Immerhin fahren wir wohl fast eine halbe Stunde miteinander und plaudern über dies und das.
Carlo von Casalmaggiore
Bevor er sich von mir verabschiedet zeigt er mir noch ein wenig seinen Wohnort Casalmaggiore, ein kleines Städtchen direkt am Po – der einzige Ort neben Turin, welcher so nahe am Fluss liege, wie er mir versichert.
Piazza von Casalmaggiore.
In diesem Städtchen verlasse ich den Po-Radweg, denn mein Zielort Sabbioneta liegt ein bisschen vom Fluss entfernt.
Um ca. 16.30 Uhr erreiche ich nach genau 100 km mein Ziel. Sabbioneta ist ein schmucke kleine Renaissance-Stadt, welche ins Unesco-Kulturerbe aufgenommen wurde. Ausser der Chilbi ist aber nicht so viel los an diesem Tag.
Piazza Ducale, Sabbioneta
Nach dem Einchecken in meiner Unterkunft (B&B-Style), erkunde ich noch ein wenig das Städtchen und entdecke dabei die Galleria, ein erstaunliches Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert, das nicht einen wirklichen Zweck erfüllte.
Galleria di Sabbioneta
Leider öffnet das einzige wirkliche Restaurant erst um 19.30, so dass ich mich auf der Piazza in einer Bar von Bier und Chips ernähre und dabei an meinem Blog schreibe.
Ein bisschen beduselt mache ich mich im Dunklen auf den Heimweg in meine Unterkunft.
Fakten Etappe 2 Piacenza-Sabbioneta Gefahrene Strecke: 100 km Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.5 km/h Übernachtung im B&B da Nina
Heute beginnt meine Herbstfahrradtour. Sie startet in Mailand, das ich am Vorabend per Zug erreicht hatte. Das Hotel, in dem ich übernachtetete, liegt nahe beim Dom, so dass ich zu Beginn meiner Tour dieses berühmte Bauwerk im Morgenlicht fotografisch festhalte.
Dom von Mailand
Es herrscht schon viel Betrieb heute morgen in dieser Grossstadt. Ich muss aufpassen, dass nichts passiert. Die Italiener halten sich nämlich nicht so gerne an Verkehrsregeln. Es kommen mir sogar Velofahrer entgegen, die eigentlich auf der anderen Seite der Strasse fahren müssten. Aber immerhin gibt es Velofahrer; das hatte ich gar nicht erwartet.
Mailand am Morgen
Nach etwa 45 Minuten komme ich ins Grüne und verlasse Mailand. Ich bin sehr froh, dass mich Komoot auf einen Fahrradweg entlang eines Kanals (oder Flusses) lotst. Das Wetter ist angenehm; es hat ca. 15 Grad und die Sonne zeigt sich schon.
Fahrradweg Richtung Pavia
Die Fahrradroute ist zu Beginn perfekt. Den Wassermangel spürt man aber auch hier; an manchen Stellen führt der Kanal kein Wasser mehr
Kanal ohne Wasser
Als der Kanal später wieder Wasser führt, sitzen einige Fischer am Wasser und werfen ihre Angeln aus. Ob es in dieser Brühe wohl Fische hat, frage ich mich. Tatsächlich erspähe ich wenig später einige grosse Exemplare. Aber sind die wirklich geniessbar?
Die erste grössere Stadt, die ich nach ca. 35 km erreiche, heisst Pavia. Ich fahre ins Zentrum dieser ausserordentlich schönen Stadt und lasse mich in einem Café nieder.
Pavia
Ich bestelle einen Capuccino und ein Brioche (mit viel Nutella). Der Preis erstaunt mich: ich zahle tatsächlich nur 2.70 Euro für beides.
Capuccino und Brioche in Pavia
Nach dieser kleinen Stärkung mache ich mich wieder auf und freue mich, dass grosse Teile der belebten Innenstadt autofrei sind; das ist wirklich vorbildlich!
Als ich in der Folge einen grössere Ortschaft erreiche, suche ich ein Restaurant, finde aber keines. Dafür gibt’s unzählige Cafés und Bars. Etwas enttäuscht fahre ich weiter – zur Not habe ich ja noch Nüsse und Darwidas – und abnehmen sollte ich ja auch! Ob das gelingt in Italien?
Meist auf Nebenstrasse fahrend komme ich in der Folge gut vorwärts. Erst als ich auf einem Damm eine Naturstrasse vorfinde, geht’s ein bisschen langsamer weiter.
Fahrradweg auf Po-Damm
Den Po, den Namensgeber meiner Tour, habe ich bis jetzt nicht erblickt. Erst als ich auf einer Brücke diesen Fluss überquere, denke ich, dass ich nun auf dem Po-Radweg bin. Auf dieser Brücke hat es aber soviel Verkehr und keinen Radstreifen, dass ich mich nicht getraue anzuhalten, um eine Foto zu schiessen.
Wenig später frage ich mich, ob ich wirklich auf der Po-Radroute bin, denn ich stehe plötzlich vor einem Feldweg, der mitten durch einen Acker führt.
Bin ich auf dem richtigen Weg?
Ich kämpfe mich langsam vorwärts, das (Schwemm)holz auf dem Weg deutet darauf hin, dass ich mich wohl auf Schwemmland des Pos befinde.
Ca. eine Viertelstunde später fahre ich an einer Tafel vorbei, die anzeigt, dass hier der Po-Radweg durchführt. Der Zustand dieser Tafeln wirft aber Fragen auf!!!
Auf dem Po-Radweg.
Wenig später wird’s wieder abenteuerlich – der Weg scheint zu enden – und erneut zweifle ich daran, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Ich fahre neben einer Farm vorbei, in der wohl weit über 100 Kühe gehalten werden; es riecht stark nach Kuhmist und die Haltung dieser Kühe wirkt nicht sehr tierfreundlich. Was für ein Kontrast zu den Schweizer Kühen auf Alpweiden im Berner Oberland, die ich in der Vorwoche bestaunen durfte!
Kuhfarm (Bauernhof klingt zu idyllisch!)
Nach diesem Abschnitt komme ich in der Folge auf eine ziemlich stark befahrene Hauptstrasse; das ist nicht so schön, aber immerhin komme ich nun zügig vorwärts.
Zum guten Glück gibt’s nach etwa 5 km einen Fahrradstreifen, der etwas Schutz bietet vor den grossen Camions. Kurz vor Piacenza, meinem Etappenziel, wird die Trebbia angekündigt, die ich auf einer Brück überquere. Der Fluss führt aber überhaupt kein Wasser – die Trockenheit in der Po-Ebene scheint noch nicht vorbei zu sein.
Brücke über die Trebbia (Wo ist sie geblieben?)
Etwa um 15.30 Uhr erreiche ich das Ortsschild von Piacenza. Ich fahre aber noch weitere 5 Km, bis ich in die Innenstadt komme.
Piacenza
Wie angekündigt, erreiche ich um 16.00 Uhr meine Unterkunft. Die Hausherrin erwartet mich schon und zeigt mir in der Folge mein ausserordentlich schönes Zimmer. Für die «digitale» Dusche gibt sie mir Instruktionen – ich bin froh drum…
Modernes Badezimmer im ANTICA PIACENZA
Nach der wohligen Dusche mache ich mich auf zur Erkundung des Stadtzentrums, das nur wenige Schritte von der Unterkunft liegt.
Domplatz von Piacenza
An diesem Platz finde ich eine Bar, wo ich etwas zu essen bekomme. Ein Lachsburger mit Salat; mal was anderes und sicher gesund.
Nachtessen
Zufrieden schlendere ich nach dem Corretto con Grappa zu meiner Unterkunft zurück. Ich bin froh, dass ich meinen ersten Tourtag ohne Probleme gemeistert habe.
Fakten Etappe 1: Mailand-Piacenza Gefahrene Strecke: 98 km Durchschnittsgeschw.: 14.9 km/h Übernachtung im ANTICA PIACENZA
Die letzte Etappe meiner Dänemarktour wird komplett auf deutschem Boden sein. Schon bald nach meinem Start ca. um 9 Uhr erblicke ich die Fehmarnsundbrücke, die die Insel Fehmarn mit dem deutschen Festland verbindet.
Fehmarnsundbrücke
Bald schon befinde ich mich auf dieser imposanten Brücke und habe von dort einen tollen Ausblick:
Blick von der Fehmarnsundbrücke Richtung Festland
In der Folge fahre ich weiter auf dem Ostsee-Küsten-Radweg, der sich meist in Küstennähe befindet.
Der Weg führt mich über eine weitere Brücke, die ich achtlos überquert hätte, wenn nicht ein Schild über deren Bedeutung hingewiesen hätte.
Bogenbrücke aus dem 16. Jahrhundert
Es handelt sich nämlich um eine historisch Bogenbrücke aus dem 16. jahrhundert, die vor kurzem renoviert wurde und auf der damaligen „Hauptstrasse“ nach Fehmarn lag.
Bald erblicke ich wieder das Meer.
Auf dem Ostsee-Küsten-Radweg
Wenig später als der Radweg hinter der Düne verläuft, überquert vor mir plötzlich ein älterer nackter Mann den Radweg – dann noch einer und noch einer. Was ist denn hier los? Des Rätsels Lösung: Ich durchquere ein FKK-Gebiet. Der Strand ist hier unendlich. Bei Dahme, einem Touristenort, wage ich mich mit meinem Fahrrad auf den Strandweg gleich oberhalb des Strandes und werde von dem kleinen Knirps in der Bildmitte zurechtgewiesen: «Hier ist Fahrradfahren verboten».
Am Strand von Dahme
Als ich wenig später bei einem schön gelegenen Restaurant vorbeifahre, kann ich nicht widerstehen und setze mich an ein schattiges Plätzchen auf der Gartenterrasse. Es ist sehr heiss heute, wohl fast 30 Grad warm, und deshalb bin ich froh um das kühlende Lüftchen, das mich hier umweht.
Mittagessen in der Nähe von Kellenhusen
Auf meiner Weiterfahrt komme ich bald nach Grömitz. Hier soll sich der schönste Ostseestrand befinden. Tatsächlich tummeln sich hier die Leute zu Hunderten (wenn nicht Tausenden) am Strand und lassen sich von der Sonne grillieren oder vergnügen sich im Wasser.
Strand von Grömitz
Bald fahre ich wieder weiter, verlasse den Ostsee-Küsten-Radweg und drehe nach rechts ab Richtung Oldenburg, welches mein letztes Etappenziel dieser Tour sein wird.
In der Nähe von Grömitz
Die heutige Etappe ist auch wieder ziemlich kurz für meine Verhältnisse. Ich bin froh, darüber denn die Hitze und der Gegenwind machen mir doch ein bisschen zu schaffen. So bin ich froh, schon um 16 Uhr an meinem Etappenziel zu landen, einem Landgasthof etwas ausserhalb von Oldenburg.
Ankunft im Landhotel Teichwiesenhof
Es ist herrlich ruhig hier und draussen vor meinem Zimmer schreibe ich nach einem Nickerchen und als es ein wenig kühler ist, meinen Blog der heutigen Etappe. Auf ein Nachtessen verzichte ich heute, es gibt kein Restaurant hier, dafür aber Bier, welches wunderbar passt zu meiner Notration, den Darvidas mit Käsegeschmack.
Abendstimmung beim Landhotel Teichwiesenhof
Eine tolle Tour findet damit ihren Abschluss. Es war sehr schön, Dänemark, ein Land das ich bisher nicht kannte, zu entdecken. Zum Glück war das Wetter fast immer perfekt, ich hatte kaum Regen, und auch die Temperaturen waren fast immer sehr angenehm zum Fahrradfahren. Das meist flache Gelände kam mir älterem Semester auch entgegen. Meine Etappen waren zu Beginn ein wenig zu ambitiös, was sich dann auch in Knie- und Beinschmerzen manifestierte. Glücklicherweise besserten sich diese im Laufe der Tour wieder.
Etappenplan Dänemarktour Sommer 2022
Vielen Dank für das Lesen meines Blogs, die Likes und die netten Rückmeldungen. Sogar mit einem Gedicht wurde meine Dänemarktour gewürdigt (siehe Nebenspalte), ein besonderes Dankeschön auch dafür.
Ich werde mich als Blogschreiber wieder von meiner Herbsttour melden, die mich wahrscheinlich nach Italien führen wird.
Fakten Etappe 7: Avendorf – Oldenburg Holst. Gefahrene Strecke: 67 km Übernachtung im Landhotel Teichwiesenhof, Johannisdorf bei Oldenburg Holst.
Der heutige beginnt gemütlich und wird auch gemütlich werden. Ich habe keine Eile, denn die heutige Etappe ist mit ca. 75 km die kürzeste meiner Dänemark-Tour. Nach etwas enttäuschendem Frühstück verlasse ich das schön gelegene Hotel in Maribo um ca. 9 Uhr.
Es ist ein herrlicher Tag heute und schon angenehm warm. Die Strecke verläuft auf oder neben wenig befahrenen Nebenstrassen durch ländlich geprägte Landschaften.
Landschaft bei Maribo
Nach ca. 15 km gibt’s die erste Pause. Brombeeren am Strassenrand fallen mir fast in den Mund, da muss ich doch einen kurzen Halt machen.
Brombeerhalt
Mein erstes Ziel ist der Hafen von Rødby. Von hier aus setzen die grossen Fähren nach Fehmarn (Deutschland) über. Als ich am Hafen ankomme, reihe ich mich bei den wartenden Autos vor den Zahlstationen ein, für Velos gibt’s natürlich mal wieder keine genaueren Angaben wo, also nehme ich die Spur für die Motorräder. Dort kann ich problemlos ein Ticket für die nächste Fähre lösen und mich anschliessend zu den wartenden Autos, Lastwagen (u.a. solche mit lebenden Schweinen) und Motorräder gesellen. Ich bin der einzige Fahrradfahrer, der auf die Überfahrt wartet.
Warten auf die Fähre
Als die Fahrzeuge endlich auf die Fähre fahren dürfen, muss ich warten bis am Schluss – und das macht mich fast ein bisschen kribbelig. Aber ich werde nicht vergessen und darf als allerletzter auf die Fähre.
in der Fähre
Die Überfahrt ist herrlich, nebst Restaurants und Shops hat es viele Bereiche auf dem Oberdeck im Freien, wo man eine fantastische Sicht hat.
Überfahrt nach Puttgarden
Die Überfahrt dauert ingesamt eine knappe Stunde und als ich wieder ins Parkdeck komme stinkt es hier nach Schweinestall – aha, die ca. 150 Schweine mussten auch mal.
Wenig später betrete ich wieder deutschen Boden. Ich nehme aber nicht den direktesten Weg zu meinem Hotel in Avendorf, sondern fahre entlang der Nord- und Ostküste der Insel Fehmarn. Das ist ein guter Entscheid, denn es folgt einer der schönsten Abschnitte meiner diesjährigen Sommertour. Der Fahrradweg führt meist auf einem Deich neben einem wunderbaren Sandstrand mit Blick auf das tiefblaue Meer. Die Freude an diesem wunderbaren Ausblick wird einzig ein bisschen durch die grosse Anzahl von Fahrradfahrern auf diesem Abschnitt getrübt.
An der Nordküste der Insel Fehmarn
Kilometerlang geht es diesem Strand entlang. Zur linken befinden sich dabei oft Campingplätze – kein Wunder, denn hier ist es wirklich sehr schön – und die Natur wird hier respektiert, habe ich das Gefühl.
Ein kleines Gartenrestaurant am Weg lockt mich zum Anhalten. Ich bereue es nicht, denn es gibt hier wunderbaren, selbstgemachten Kartoffelsalat.
Kartoffelsalat mit Frankfurter Würstchen
Wenig später entgegnen mir Lamas:
Kinderprogramm mit Lamas
An der Westküste von Fehmarn ist es auch schön und ich wage es hier für einmal fahrenderweise die Landschaft zu filmen:
An der Westküste von Fehmarn
Der heutige Tag ist zum Geniessen und weil die Strecke so kurz war, komme ich schon um 15.30 Uhr in meinem vor langer Zeit gebuchten Hotel an. Nach Dusche und kurzer Siesta mache ich mich in das nahegelegene italienische Restaurant auf. Ein Wunder, dass es in diesem kleinen Nest überhaupt ein gastronomisches Angebot hat. Dort bestelle ich Spaghetti Bolognese und einen gemischten Salat und geniesse es draussen im Garten zu sein. Den Dessert, ein hausgemachtes Haselnusseis, nehme ich drinnen zum mir, da es inzwischen leicht zu regnen begonnen hat. Ich wechsle ein paar Worte mit dem netten Wirt, der Grieche ist und Angst hat, dass sein Restaurant wahrscheinlich bald einer Grossüberbauung weichen muss.
Dessert in der Pizzeria von Avendorf
Ein wunderbarer Tag neigt sich dem Ende zu. Auch meine Tour endet bald, denn morgen steht meine letzte Etappe der diesjährigen Sommertour auf dem Programm.
Fakten Etappe 6: Maribo – Avendorf (Fehmarn) Gefahrene Strecke: 77km (inkl. knapp 20km Fährenüberfahrt) Übernachtung im Hotel Sonneninsel, Avendorf
Als ich um halb sieben aufstehe, ist es trüb und es regnet ein bisschen. Natürlich bin ich auf diese Situation vorbereitet und ich montiere meine Regenklamotten bevor ich zu meiner 5. Etappe aufbreche. Es ist erstaunlich windstill an diesem grauen Morgen und ich bin froh, dass der Regen gerade aufhört, als ich losfahre.
Nach ca. einer Viertelstunde Fahrzeit staune ich über einen Cellokasten, der an einen Baum neben der Strasse angebunden ist. Hat da jemand sein Instrument an den Baum statt an den Nagel gehängt?
Cellokasten am Strassenrand bei Rodvig
Das Rätsel löst sich schnell auf: Auf dem Schild am Häuschen zur Linken kann ich lesen, dass hier die „Scandinavian Cello School“ von Jacob Shaw beheimatet ist. Es ist interessant, hier mitten im Nirgendwo eine Cello-Schule vorzufinden; und ich erinnere mich nun, dass ich inmitten der Corona-Zeit in der NZZ einen Artikel gelesen hatte über Cellisten, die in Dänemark Konzerte vor Kühen gegeben hatten. Und voilà – das waren genau die Cellisten dieser Schule, wie man in verschiedenen Online-Zeitungen immer noch lesen kann:
Ein schöne Geschichte, über die ich schmunzeln muss.
Etwas weiter merke ich, dass ich plötzlich sehr nahe beim Meer bin und als ich vom Velo steige und ein paar Schritte mache, entdecke ich einen schönen Sandstrand.
Sandstrand zwischen Rødvig und Faxe Ladeplads
Nach ca. 20km passiere ich den ersten grösseren Ort, der Faxe Ladeplads heisst. Lustiger Name, der mich an „Wiki und die starken Männer“ aber auch an meine Jugend erinnert, in der mich einige Jugendfreunde „Faxe“ nannten. – Aber das ist schon lange her.
Gerade als ich über eine Znüni-Pause nachdenke, lachen mich wilde Pflaumen am Wegrand an – ich kann nicht widerstehen und geniesse die kleinen, aber wohlschmeckenden Früchte.
wilde Pflaumen zum Znüni
Es ist übrigens erstaunlich, wie viele dieser Wildpflaumenbäume (auch mit gelben und violett-blauen Früchten) man hier in Dänemark vorfindet – in der Schweiz z.B. gibt es meines Wissens keine Wildpflaumen.
Nach Praesto, eine Ortschaft die ich nur streife, fällt mir ein Schild ins Auge, bei dem ich über die dänische Sprache schmunzeln muss. Und ausnahmsweise verstehe ich das Angepriesene:
Blomster selvpluk
Die Kirche rechts im Bild, die „Skibinge Kirke“, ist eine bedeutsame Kirche, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen und deshalb auch Etappenort des sogenannten Mönchswegs ist. Der Mönchsweg (www.munkevejen.dk) ist ein Radfernweg, der in Hamburg beginnt und in Roskilde endet und die Christianisierung Dänemarks nachzeichnet.
Nach diesen historisch interessanten Fakten widme ich mich im Folgenden eher wieder weltlichen Bedürfnissen, denn ein Hüngerchen, das befriedigt werden will, beginnt sich immer heftiger anzumelden. Ein Café in der Ortschaft Vordingborg kommt deshalb gerade zur rechten Zeit. Von der imposanten nur auf dänisch verfügbaren Speisekarte wähle ich den „Tigersalat“, dessen Zutaten ich zumeist erraten kann.
Tigersalat in Vordingbord
Als mir der Salat serviert wird, stelle ich aber mit Schrecken fest, dass Shrimps der Hauptbestandteil des Salats sind. Ich bin ja eher konservativ, was das Essen anbelangt, und Meeresfrüchte gehören in der Regel zu den Speisen, um die ich einen Bogen mache. Der Salat schmeckt aber vorzüglich und ich esse fast alle Shrimps auf.
Der Himmel hat sich in der Zwischenzeit aufgeklart und ich geniesse wieder Sonnenschein und blauen Himmel. Nach Vordingbord gelange ich in der Folge auf die kleine Insel Masnedo. Von hier aus erblicke ich eine imposante Brücke, die zur grossen Insel Falster führt.
Brücke nach Falster
Die Brücke ist über 3km lang und wurde in den dreissiger Jahren erbaut. (https://de.wikipedia.org/wiki/Storstr%C3%B8msbroen) Mein Weg führt über diese Brücke. Die Durchfahrt ist ziemlich abenteuerlich, da es heftig windet und ich das Gefühl habe, Brille und Helm könnte der Wind mitreissen. Aber die Sicht von der Brücke aus ist fantastisch.
Blick von der Storstrømsbroen
Da diese Brücke schon ziemlich baufällig ist, wird eine neue Brücke gebaut. Erste Arbeiten mitten im Meer sind dabei erkennbar.
Dies Insel Falster ist sehr von der Landwirtschaft geprägt aber wenig besiedelt. Ich überquere sie an ihrem nordwestlichem Rand und bin schon bald auf der Nachbarinsel Lolland, auf der mein heutiges Etappenziel liegt.
In Sakskobing lege ich eine Kaffeepause ein, denn ich bin gut vorwärts gekommen heute und habe keine Eile.
Sakskobing
Der letzte Abschnitt führt entlang einer wenig befahrenen Strasse nach Maribo.
Zwischen Sakskobing und Maribo
Um viertel vor fünf erreiche ich mein Etappenziel Maribo und stehe erstaunt vor meinem Hotel.
Hotel Søpark in Maribo
Nach dem Einchecken versorge ich mein Fahrrad in der gedeckten Garage und finde dort eine „Flugzeugbestuhlung“ der anderen Art vor:
alternative Flugzeugbestuhlung
Das Schnmunzeln geht weiter als ich das Zimmer betrete:
zum Schmunzeln
Toll ist die Terrasse des Hotels. Hier verbringe ich den Grossteil des Abends und schreibe an meinem Blog.
B&B (Bier u. Blog)
Gegessen haben ich noch nichts, aber Bier soll ja gleichzeitig Getränk und Mahlzeit sein.
Fakten Etappe 5: Rødvig – Maribo Gefahrene Strecke: 100km Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.8 km/h Übernachtung im Hotel Søpark, Maribo
Heute morgen nehme ich es gemütlich. Bis ich endlich losfahre ist es schon viertel nach neun. Aber das macht nichts, denn die heutige Etappe ist mit knapp 80km ziemlich kurz. Die erste halbe Stunde fahre ich durch die breiten Boulevards von Kopenhagen mit ihren tollen Velowegen. Ein Haus mit optisch täuschender Malerei erregt meine Aufmerksamkeit. Und sie ist wirklich unglaublich gut gemacht.
optische Täuschung in Kopenhagen
Es ist ein friedlicher Sonntagmorgen und es hat kaum Verkehr.
Die Fahrradroute führt mich in der Folge einer Küstenstrasse entlang, von der aus ich aber kaum Meersicht habe, weil der Küstenstreifen hier meist bebaut ist – wohl mit Ferienhäuschen. Als ich einmal freie Sicht habe, mache ich eine Foto.
Küstenstrasse südwestlich von Kopenhagen
Da im Laufe des Tages der Verkehr immer mehr zugenommen hat, bin ich froh, dass bei Køge, einem hübschen kleinen Städtlein, meine Route auf eine weniger befahrene Strasse abbiegt.
Køge
Die Strecke nach Køge führt mich durch einen Wald. Das ist ziemlich aussergewöhnlich, da das Land sonst ziemlich waldarm ist.
Fahrradroute bei Køge
Als ich wenig später einen schönen Rastplatz am Meer entdecke, entschliesse ich mich dazu, hier meinen Mittagshalt zu machen. Das Plätzchen liegt im Schatten und es ist fast ein bisschen kühl deshalb.
Mittagshalt in Stroby Egede
Die letzten 25 Km der heutigen Etappe sind wunderbar; nur der starke Gegenwind ist manchmal ein bisschen lästig. Ein auffällig grosser Gutshof mit Schloss erregt meine Aufmerksamkeit. Er ist privat, ich kann aber von aussen trotzdem ein tolles Foto machen.
Gjorslev Gods
Mit dem Dänisch auf der Infotafel bin ich ein wenig überfordert. Vielleicht gibt es ja Dänisch-Kenner, die die Infos übersetzen können. Dänisch ist schon ein sehr spezielle Sprache; es klingt ein bisschen wie holländisch – mit dem Unterschied, dass man rein gar nichts versteht. Ein Dänin selbst sagte mir, dass Dänisch eine „crazy language“ sei.
Infotafel bei Gjorslev Gods
Abends finde ich heraus, dass dies ein bedeutendes mittelalterliches Schloss mit gotischer Architektur ist.
Auch landschaftlich ist die Gegend hier äusserst reizvoll und die Gerstenfelder mit ihrer schönen Gelbfarbe sind ein besonders schönes Sujet.
Gerstenfeld in der Nähe von Gjorslev Gods
Die letzten Kilometer sind zum Geniessen und schon bald erreiche ich das heutige Etappenziel Rødvig.
Meerblick bei Rødvig
Das Hotel, das ich gebucht habe, gefällt mir. Hier suchen ältere Leute nach Ruhe – als ich das schreibe, merke ich, dass ich auch schon bald zu den älteren Leuten gehöre, deshalb gefällt es mir hier wohl so sehr. Von meinem hübschen kleinen Zimmer mit Sitzplatz habe ich Meerblick. Einige Untentwegte tummeln sich im Wasser, das wohl nicht so warm sein wird.
Mein Zimmer im Hotel Klinten in Rørvig
Im hoteleigenen Restaurant darf ich um 20 Uhr dinieren; das trifft sich gut, so kann ich das Frauen-Fussball-EM-Finalspiel schauen, das um 18 Uhr beginnt.
Mit einem feinen Nachtessen endet ein Tag der gemütlicheren Sorte. Aber das hatte ich gerade gebraucht.
Fakten Etappe 4: Kopenhagen – Rørvig Gefahrene Strecke: 78 km Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.5 km/h Übernachtung im Hotel Klinten, Rørvig