Day 2: Montbéliard – Besançon (Basel-Arles-Tour)

Der heutige Tag beginnt besser als der vorangegangene. Nach reichhaltigem Frühstück fahre ich um 08.20 Uhr los. Ich staune, dass an diesem frühen Sonntagmorgen schon ein Trödelmarkt für ziemlich Betrieb sorgt.

Trödelmarkt in Montbéliard

Das Wetter ist gut und es ist erfrischend kühl. Bald schon erreiche ich einen Fluss, der mich südwärts führt. Er heisst l’Allan und fliesst kurz nach Montbéliard in den Doubs. Auch der Kanal ist wieder da, oft parallel zum Fluss laufend – das kenne ich nun schon von gestern. Was ich gestern nicht gesehen habe, nämlich fahrende Schiffe, gibt es nun dafür heute – wenn auch ganz wenige.

Als ich eine Schleuse (zone éclusière) passiere, steckt dort gerade ein grösseres, älteres Schiff drin mit Schweizer Flagge und geschmückt mit vielen Blumen. Da schau ich natürlich gerne eine Weile zu und sehe wie das Schiff ziemlich schnell angehoben wird vom in die Schleuse laufenden Wasser. Das ganze scheint hydraulisch gesteuert zu funktionieren, also ohne kurbelnden Schleusenwärter.

Schleuse in Aktion

Als das Niveau des höheren Kanalabschnittes erreicht ist, öffnet sich das Schleusentor und das Schiff tuckert gemächlich weiter.

Gerade als ich weiter fahren möchte, huscht ein futuristisches Gefährt vorbei. Ist das das Velo der Zukunft?

Futuristisches Fahrrad

Die heutige Etappe ist landschaftlich sehr schön und führt bald dem Doubs oder parallel laufenden Kanalabschnitten entlang.

Überquerung des Doubs bei L’isle sur le Doubs

Das Wetter ist heute perfekt, es ist ca. 25 Grad warm und oft spenden vorbeiziehende Wolken etwas Schatten – besser kann man es sich kaum vorstellen.

le Doubs

Ich geniesse es heute, diesem Fluss entlangzufahren, ich staune nur, dass ich nirgends Badende entdecke – kein Wunder, es ist überall verboten und ich frage mich warum. Gerne wäre ich unterwegs mal eingekehrt um etwas Kleines zu essen; es hat aber lange Zeit keine Verpflegungsmöglichkeiten und als ich endlich in einem kleinen Dorf ein Restaurant entdecke, ist dieses proppenvoll. Enttäuscht fahre ich weiter und mache immer mal wieder eine Foto von dieser grandiosen Flusslandschaft:

Le Doubs

So erreiche ich bald schon mein heutiges Etappenziel, die Stadt Besançon, die sich durch ihre die Stadt überragende Festung ankündigt.

Festung bei Besançon

Bald schon bin ich in der Innenstadt und fahre durch die interessante, aber etwas nüchtern wirkende Altstadt.

Besançon, Fussgängerzone

Gegen 16.00 steuere ich mein Hotel an, das direkt am Doubs liegt:

Hotel Vauban am Doubs

Dummerweise öffnet es erst um 17.00. So bleibt mir nichts anderes übrig, als nochmals eine Streiffahrt durch die Innenstadt zu machen. Ich könnte doch schon meinen heutigen Blog beginnen, denke ich, und finde dazu einen sehr schönes, schattiges Gartencafé. Ich habe aber keine Lust auf Kaffee; ich gönne mir mein erstes Bier auf dieser Tour. Es gibt nichts Besseres nach einem anstrengenden Tourentag!

Am Blogschreiben im Biergarten

Punkt 17.00 fahre ich beim Hotel Vauban vor und kann einchecken. Der freundliche Herr an der Reception erklärt mir, dass dies auch früher möglich gewesen wäre, ich hätte nur läuten müssen.

Nach der obligaten Dusche und einem längeren Nickerchen, möchte ich am Blog weiterschreiben, Bilder hochladen etc. doch es gibt Probleme über Probleme. Ich ärgere mich über das schlechte Hotelinternet, über die Office-Software und das WordPress-Blog-Programm. Letzteres funktioniert anders als am Vortrag und ich habe meine liebe Mühe damit. Der Blick aus meinem Hotelzimmer im 4. Stock ist aber atemberaubend (ein bisschen übertrieben):

Besançon von oben

Danach esse ich im hoteleigenen Restaurant; kulinarisch stimmt es heute. Das Saltimbocca-Fleisch ist zwar ein bisschen zäh, aber mundet trotzdem und die Ambiance an diesem Sonntagabend ist schön und belebend. Dank öffentlichem Internet kann ich nun fast problemlos den heutigen Blog fertig machen.

Abendessen im le vesontio

Das war ein sehr schöner Tag heute und eine superschöne Etappe mit wunderbarem Radweg.
Morgen habe ich meine längste Etappe zu bewältigen und bin gespannt darauf, wie ich das schaffe.

Day 2: Montbéliard – Besançon
Gefahrene Strecke: 98 km (inklusive Stadtrundfahrt)
Durchschnittsgeschw. 15.1 km/h
Bergauf: 1’550 m (das stimmt definitiv nicht, was rechnet die App nur!)
Bergab: 1’620 m (stimmt auch nicht, logischerweise)
Tiefster Punkt: -100m – (da liegt der Hund, resp. Der Fehler begraben…)

Day 2: Montbéliard – Besançon

Day 1: Basel – Montbéliard (Basel-Arles-Tour)

Die diesjährige Sommertour, die mich von Basel in den Süden Frankreichs führen wird, startet grau und regnerisch. Im Bahnhof Basel, den ich von Zürich kommend morgens um 07.55 erreiche, muss ich zuerst die Regenkleider überziehen. Das dauert ein bisschen; so fahre ich ich ca. um 08.15 Uhr im Regen los; bald schon erreiche ich den Rhein, der immer noch sehr viel Wasser führt:

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Rhein bei Basel

Die Grenze zu Frankreich passiere ich bald ohne Kontrolle; niemand will mein Impfzertifikat sehen.

Bald schon verlasse ich das Ufer des Rheins und fahre in der Folge (eigentlich bis zum Zielort) immer einem Kanal entlang.

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Fahrradweg einem Kanal entlang

Nach ca. 30 km mache ich die erste Pause, ziehe meine Regenkleider aus, esse ein von zuhause mitgebrachtes Salamibrot und bin froh, dass man nun auch ein Stückchen blauen Himmel sieht.

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Znünipause 10 km vor Mulhouse.

Mein Weg führt auf der Euro-Route 6 zuerst in nordwestlicher Richtung nach Mulhouse, bevor es dann in südwestlicher Richtung weitergeht.

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Fahrradwege im Elsass

In Mulhouse suche und finde ich das Zentrum der Stadt; direkt vor der Kathedrale lasse ich mich in einem Café nieder und trinke einen Capuccino.

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Mulhouse, Centre-Ville

In der Folge hat der Rhein-Rhone-Kanal, dem ich entlangfahre, viele Schleusen (frz. écluse). Jede ist mit einer Nummer und einem Ortsnamen bezeichnet.

écluse no. 27 Saint-Bernard mit Schleusenwärterhaus

Bei jeder Schleuse steht übrigens ein Schleusenwärterhäuschen, welches zumeist schön herausgeputzt und bewohnt ist. Die Schleusen werden heute aber kaum mehr gebraucht, ich sehe jedenfalls am heutigen Tag kein einziges fahrendes Schiff…

Dafür sehe ich eine Rekordzahl an Bibern, neun Stück zähle ich insgesamt. Die einen sind sehr scheu und springen ins Wasser, wenn man sich ihnen nähert – andere lassen sich nicht stören beim Vertilgen von Blümchen.

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Biber frisst Blumen

Die heutige Etappe ist eine Flachetappe – zum Glück, denn ich bin ziemlich ausser Form, wie ich auch befürchtet hatte.

Nach 70 Kilometer beginnen die Beine zu schmerzen, nach 80 km habe ich das Gefühl, dass alles schmerzt. So sind die letzten Kilometer eine ziemliche Qual und ich kann die schöne Landschaft gar nicht mehr so geniessen.

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Rhein-Rhone-Kanal, ca. 20 km vor Montbéliard

Das Wetter wäre eigentlich ganz angenehm, wenn nicht immer wieder Regenschauer vorbeiziehen würden, die ein Montieren und Demontieren der Regenkleidung erforderlich machen würde. Sicher insgesamt viermal mache ich diese unangenehme Übung.

Ca. um 16.15 Uhr erreiche ich Montbéliard, mein erstes Etappenziel und check in einem schönen, altehrwürdigen Hotel ein.

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Montbéliard, Hotel Balance

Nach einer wohltuenden Dusche muss ich mich zuerst einmal hinlegen und ein Nickerchen machen, so kaputt bin ich…

Nachher erkundige ich noch ein wenig das sehenswerte Städtchen, das von einer riesigen Burganlage überragt wird, es ist aber recht wenig los hier, vielleicht drückt auch COVID und das kühle, graue Wetter auf die Stimmung.

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Château von Montbéliard

Zum Nachtessen gibt’s einen Salatteller – mehr schlecht als recht – aber immerhin kann ich draussen sitzen.

Schon bald schlendere ich wieder ins Hotel zurück, denn ich sollte ja noch den Blog schreiben.

PS: Kaum war mein Blog online, erhielt ich von einem treuen Leser und Freund folgendes Gedicht:

Von Basel bis nach Mömpelgard
dünkt’ dich das Trampeln scheint’s noch hart.
Doch auf dem Weg entlang Kanälen
musst du dich nicht mehr so sehr quälen,
denn Wasser fliesst ja stets bergab,
was ich selbst auch am liebsten hab.

Da bleibt dir hoffentlich auch Musse,
um deinen Fans zu kurzem Grusse
den Tages-Blog samt Bild zu mailen,
mit ihnen deine Tour zu teilen.
Ich wünsch dir Sonn’ und Schatten viel
und gute Fitness bis zum Ziel.

(Angelus Hux)

D1: Basel – Montbéliard:
Gefahrene Strecke: 98 km
Gefahrene Zeit: 6 Std. 40
Durchschnittsgeschw.: 14.7 km/h
Bergauf: 1’000 m (kann ich kaum glauben, es war doch fast alles flach!)
Bergab: 1’020 m

 

D1: Basel – Montbéliard

Day 3: Langenthal – Egg b. Zürich (Genf-Zürich-Tour)

Auf Velotouren schlafe ich meistens sehr gut. Abends falle ich sofort in Tiefschlaf, wenn ich zu Bett gehe und ich schlafe dann in der Regel wie ein Stein, bis mich der Wecker wieder aus meinen Träumen holt. Hier im schönen Hotel Bären in Langenthal war es auch genau so.

Der Frühstücksraum und das -buffet können sich sehen lassen:

Frühstück im Hotel Bären, Langenthal

Reichlich verpflegt mache ich mich um 08.30 Uhr auf den Weg. Es ist grau und ein wenig trostlos zu Beginn, immerhin habe ich meist einen Velostreifen oder sogar einen Fahrradweg. Die Strasse führt mich in Richtung Aarburg, wo ich wieder den Aare-Radweg erreichen sollte.

Radweg in der Nähe von Langenthal

In Aarburg bin ich wieder an der Aare und damit auf dem Aare-Radweg. Aarburg ist eine mächtige Festungsanlage, die im Mittelalter entstand und im 17. Jahrhundert zu einer 400 m langen Festung ausgebaut wurde.

Festung Aarburg mit Aare

Von hier fahre ich wieder ein längeres Wegstück der Aare entlang. Die nächste grössere Stadt ist Olten, die man vor allem als wichtigen SBB-Verkehrsknotenpunkt kennt. Die Altstadt von Olten ist aber auch sehenswert. Vor allem dieses geschichtsträchtige Haus hat es mir angetan:

Ratskeller-Haus in Olten mit Darstellung des Auszugs der Oltner in den Bauernkrieg um 1653

Als ich Olten verlasse, überquere ich eine imposante Holzbrücke, die über die Aare führt.

Holzbrücke über die Aare, Olten

Weiter gehts es auf zuweilen idyllischen Wegen der Aare oder Aare-Kanälen entlang. Nur die Sicht auf das immer noch aktive Atomkraftwerk Gösgen trübt ein wenig meine Stimmung. Gösgen gehört noch zu den relativ neuen Atomkraftwerken der Schweiz und wird deshalb wohl nicht so bald abgeschaltet.

Radweg an der Aare mit Blick auf des Atomkraftwerk Gösgen

Der Fluss der Aaare oder parallel zur Aare verlaufende Kanäle werden immer wieder von Flusskraftwerken „unterbrochen“. Hier laufen gerade vorbereitende Arbeiten für eine Erneuerung eines solchen Flusskraftwerkes. Was der Bagger wohl aus der Tiefe des Flusses holt?

Arbeiten beim Aare-Kraftwerk bei Aarau

Bald darauf erreiche ich Aarau, die Hauptstadt des Kantons Aargau. Da ich diese Stadt nicht wirklich kenne, gucke ich sie mir näher an und mache eine kurze Besichtigungsfahrt durch die kleine, aber sehr schöne Altstadt.

Aarau, Altstadt

Ich suche ein Café, finde aber keines. Als ich schon weiterfahren möchte, entdecke ich eine kleine Crêperie – meine Rettung!

Stärkung in einer Crêperie in der Altstadt von Aarau

Der Kalorienschub verleiht mir neue Kräfte – es kann wieder weitergehen; nur hat dummerweise meine Navi-App Komoot eine kleine Krise, sie weigert sich ein geraumes Weilchen, mich zu orten und mich zu navigieren. Erst als ich die App neu starte, funktioniert’s wieder.

Das folgende Wegstück bis Brugg ist besonders schön und führt mich meist der Aare entlang.

Fahrradweg entlang der Aare zwischen Aarau und Brugg

Brugg ist ein auch herziges, kleines Städtchen. Ich mache schnell ein Bild, fahre aber bald wieder weiter.

Brugg

Bald gelange ich in die Agglomeration von Baden. Diese Stadt ist geprägt durch die Firma ABB, die hier ihren Hauptsitz hat.

bei Baden, Fabrikgebäude der ABB

Baden, welches auch eine historisch interessante Stadt ist, lasse ich links liegen. Über Wettingen und Würenlos gelange ich in der Folge schon bald in den Kanton Zürich. Über das Furttal geht’s nun Richtung Zürich-Affoltern.

In der Nähe von Regensdorf

Es ist nun noch grauer geworden und als ich in Zürich-Affoltern bin, beginnt’s leicht zu tröpfeln. Ich erhöhe ein wenig das Tempo, ich will doch noch trocken nach Hause kommen. Über Oerlikon und Schwamendingen komme ich wieder in heimatlichere Gefilde. Besonders schön ist der Abschnitt dem Greifensee entlang.

Greifensee bei Fällanden

Nun hab ich nicht mehr weit. Zuguterletzt wartet noch diese Steigung auf mich – die nehm‘ ich normalerweise locker, doch heute sind die Beine ziemlich schwer, weshalb ich das Fahrrad ein Stückchen schiebe.

Steigung von Mönchaltorf nach Egg b. Zürich

Bald darauf bin ich wieder zuhause.

Ich hatte trotz schlechter Prognosen ziemliches Wetterglück auf dieser „Ersatztour“ quer durch die Schweiz. Und es war auch, alles in allem, eine sehr schöne Tour. Natürlich wäre ich lieber der Rhône entlang Richtung Mittelmeer gefahren, aber das war aufgrund der Corona-Situation mit den aktuellen Quarantäne-Bestimmungen und auch des „schlechten“ Wetters wegen nicht ratsam. Bestimmt aber werde ich die Rhône-Tour auch irgendwann mal noch nachholen – aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Fakten Etappe 3: Langenthal – Egg b. Zürich
Strecke: 111 km
Fahrzeit: 6 Std. 29
Durschnittsgeschw.: 17.1 km/h
Bergauf: 990 m
Bergab: 960 m

Etappe 3: Langenthal – Egg b. Zürich

Day 2: Estavayer – Langenthal (Genf-Zürich-Tour)

Nach tiefem Schlaf frühstücke ich in einem ausserordentlich schönen Saal.

Frühstück im Hotel Le Rive Sud, Estavayer-le-lac

Ich lasse mir Zeit und geniesse die Ambiance dieses schönen Raumes; dazu erklingt tolle Jazzmusik, ganz nach meinem Geschmack.

So fahre ich erst ca. um 09.00 Uhr los, das ist für meine Begriffe ziemlich spät. Das Wetter ist viel besser als erwartet und so starte ich frohgemut in den neuen Tag. Beim Stadtausgang mache ich noch eine Foto des eindrücklichen Schlosses von Estavayer.

Château von Estavayer

Die Tour beginnt gut, ich habe Rückenwind und fahre auf kleinen Nebensträsschen durch schöne Landschaften parallel zum Neuenburgersee.

Landschaft in der Nähe von Estavayer

Manchmal erhasche ich einen Blick auf den Neuenburgersee, der links von mir etwas tiefer liegt.

Blick auf den Neuenburgersee mit Chasseral im Hintergrund

Schon bald überquere ich den Canal de la Broye, der den Murtensee mit dem Neuenburgersee verbindet.

Canal de la Broyer mit Berner Alpen im Hintergrund

Bei Ins, zwischen dem Neuenburger- und Bielersee gelegen, muss ich ein Anhöhe überwinden. Dafür habe ich einen schönen Blick zurück.

Bei Ins, Blick auf Neuenburg mit Juragebirgskette

Wenig später fahre ich dem Bielersee entlang. Beim Hagneck-Kraftwerk mache ich einen kurzen Fotohalt. Hier wird das Wasser des Hagneck-Kanals zur Stromproduktion verwendet, bervor es in den Bielersee geleitet wird. Der Hagneck-Kanal ist eine Umleitung der Aare in den Bielersee.

Mündung des Hagneckkanals in den Bielersee, mit Chasseral im Hintergrund

Der Wind wird immer stärker, auf dem Bielersee haben sich Schaumkronen gebildet. Mutige Surfer und Kite-Surfer nutzen den heftigen Wind. Ich schau eine Weile lang zu und staune über die bis zu ca. 3 Meter hohen Sprünge der Kite-Surfer.

Surfer auf dem Bielersee

Die Stadt Biel umfahre ich leider, ich hätte sie mir auch gerne angeschaut, da sie aber etwas abseits der Veloroute liegt, lasse ich es bleiben. Stattdessen fahre ich nun dem Nidau-Büren-Kanal entlang, dem Abfluss des Bielersees, der sich bei Büren wieder mit der alten Aare vereint.

Büren an der Aare

Meine Fahrradroute führt nun meist der Aare entlang, das Wetter ist immer noch gut und der Rückenwind ist mir eine grosse Unterstützung. So komme ich gut vorwärts und bin schon bald in Solothurn. Ich nehme mir hier ein wenig Zeit, um mich in dieser schönen Stadt umzusehen. Ich erinnere mich dabei an ein legendäres* Konzert mit dem Kammerchor der Musikakademie Basel in der eindrücklichen Kathedrale dieser Stadt, bei dem ich als Sänger mitwirkte (* Ich verrate hier nicht mehr, das würde den Rahmen dieses Blogs sprengen).

Altstadt von Solothurn, mit Kathedrale im Hintergrund

Ich gönne mir in dieser Stadt in einem Café einen Latte Macchiato und ein Stück Honig-Torte und sitze dabei wie viele andere draussen, obwohl es ziemlich kühl ist heute.

Das darauffolgende Wegstück führt weiter meist der Aare entlang; es gibt sehr schöne, aber auch weniger schöne Abschnitte hier.

Aare in der Nähe von Wangen a. d. Aare

Wenig später verlässt meine Radroute den Fluss und es geht ein Stück weit happig aufwärts und es ist dabei so steil, dass ich vom Velo steige und es schiebe.

Langenthal ist mein heutiges Etappenziel und ich frage mich, als ich mich nähere, weshalb ich gerade diesen Ort als heutiges Ziel gewählt habe. Nun, es lag genau in der Mitte zwischen Estavayer und Egg ZH, wo ich wohne. Immerhin, das Hotel, in dem ich übernachte, sollte sehr schön sein, wenn ich mich nicht von den Bildern auf booking.com habe täuschen lassen.

Kurz vor Ankunft decke ich mich noch mit Verpflegung ein, da ich wahrscheinlich abends nicht noch ein Restaurant suchen möchte; das Hotel-Restaurant ist leider geschlossen ist an diesem Sonntagabend.

Um 16.30 Uhr komme ich beim Hotel an.

Hotel Bären, Langenthal

Ein prächtiger Bau. Den Schlüssel zu meinem Zimmer nehme ich aus einer Safe-Box beim Hintereingang, da niemand da ist zum Empfang. Mein Zimmer ist sehr schön, aber das Beste ist der tolle Yamaha-Flügel in einer öffentlich zugänglichen Halle. Den muss ich doch ein wenig ausprobieren, es ist ja sonst niemand im Hause:

Somewhere Over The Rainbow

Es hat sich also doch gelohnt, in Langenthal abzusteigen. Die heutige Etappe war sehr schön, empfehlenswert vor allem der erste Teil der Strecke bis Solothurn.

Fakten Etappe 2: Estavayer – Langenthal
Strecke: 111 km
Fahrzeit: 6 Std. 50
Durschnittsgeschw.: 16.3 km/h
Bergauf: 990 m
Bergab: 970 m


Etappe 2: Estavayer – Langenthal

Day 1: Genf – Estavayer (Genf-Zürich-Tour)

Heute ist der Starttag meiner Herbsttour. Es ist aber wieder einmal anders gekommen als ursprünglich geplant. Eigentlich wollte ich von Genf das Rhone-Tal bis nach Arles durchfahren, aber Corona (Südfrankreich ist von der Schweiz als Quarantäne-Gebiet eingestuft worden) und das schlechte Wetter verhinderten diese Pläne. Deshalb werde ich nun in drei Tagen von Genf nach Zürich fahren.

Der Tag beginnt aber nicht gut. Als ich um 8 Uhr in Genf meine Navi-app Komoot starten will, erlebe ich eine böse Überraschung: Die app ist nicht auffindbar auf meinem Handybildschirm. Das gibt’s doch nicht, denke ich, ich hab sie ja nicht gelöscht. Als ich sie über den App-Store neu laden will, geht das auch nicht. Ohne Navi bin ich aufgeschmissen. Ich versuche ruhig Blut zu bewahren und schaffe es schliesslich über eine Update auf die aktuelle iOS-Systemsoftware die App wieder zu installieren. Ich versumme (= verplempere) dabei aber eine geschlagene Stunde! Statt um 08.15 kann ich erst um 09.15 Uhr losfahren. Zum Glück regnet es nicht, aber es ist ziemlich grau in grau und recht frisch.

Bis Rolle fahre ich dem Genfersee entlang. Es geht der Seestrasse entlang, meist auf Fahrradstreifen. Das ist nicht spektakulär und den See sieht man selten. Villen mit hohen Hecken und Zäunen versperren die Sicht.

Bei Coppet mache ich die ersten Bilder. Taucher schicken sich an, im Genfersee zu tauchen. Das wäre nichts für mich; da bleib ich lieber beim Fahrrad!

Taucher bei Coppet

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit erreiche ich Nyon. Dort ist der Hauptsitz der UEFA. Das muss ich natürlich festhalten:

Hauptsitz der UEFA bei Nyon

Wenig später fahr ich durch die Altstadt dieses Städtchen. Er ist noch sehr ruhig hier an diesem Samstagmorgen.

Altstadt von Nyon

Ich fahre aber schnell weiter, die Etappe ist ziemlich lange heute und ich habe ja so viel Zeit verplempert am Morgen.

In Rolle würde ich gerne einen Kaffee trinken, finde aber nichts Passendes und so geht’s halt ohne Koffein-Schub weiter. Die Strasse steigt nun kräftig an – der Weg führt mich in die Weinberge oberhalb von Rolle.

Schade ist die Weinernte schon vorbei – die Staren haben die Trauben-Reste auch schon ratzekahlgefressen, nur einen tiefhängenden Trauben entdecke ich noch – mmh, schmeckt lecker.

Weinberge oberhalb von Rolle

Als ich zurückblicke, präsentiert sich der Genfersee silbergau. Und unglücklicherweise beginnt es nun auch zu regnen. Wohl oder übel streife ich meine Regenkleidung über, ich will ja nicht nass werden.

Blick auf den Genfersee und die Savoyer Alpen

In der Folge fahre ich nun auf einem Höhenweg durch Ortschaften, die ich bisher nur als Weissweinnamen kannte: Féchy, Lavigny, Vufflens-le-Chateau sind dabei die bekanntesten.

Es gibt kaum ein ebenes Stück Strasse hier oben; das macht das Fahren ziemlich mühsam, vor allem auch, wenn man noch Regenkleidung an hat. Nach einer Weile verlasse ich die Weinberge und komme nun in ziemlich ländliches Gebiet. Ich treffe auf eine Schweineherde, die Tiere wühlen im Freien im Dreck nach Nahrung. Ich frage, mich ob das jetzt glückliche Schweine sind. Sie machen jedenfalls einen ganz zufriedenen Eindruck, während ich sie beobachte.

Glückliche Schweine?

Das Wetter ist nun merklich besser, es hat wieder aufgehört zu regnen und im Hintergrund sieht man die Schneeberge der Alpen. Ich bin nun mit dem besseren Wetter auch wieder besser gelaunt.

Blick auf die Alpen (Fribourger-, Wadtländer-, Walliser- und Savoyeralpen)

Als ich mich Yverdon nähere, verlässt die Veloroute die Autostrasse und zweigt auf ein kleineres Nebensträsschen ohne Autoverkehr ab. Das gefällt mir nun viel besser. Inzwischen scheint sogar die Sonne und wärmt meine unterkühlten und auch ein wenig schmerzenden Beine.

Blick Richtung Yverdon und Juragebirgskette

In Yverdon war ich vor 4 Jahren mit einer Schulklasse auf Klassenlager und kenne deshalb diese schöne, am Südende des Neuenburgersees gelegene Stadt schon ein wenig. Ich schlendere durch die Altstadt und mache eine Foto:

Yverdon, Altstadt

Nun kommt der schönste Abschnitt der heutigen Tour. Ich fahre am rechten Seeufer des Neuenburger Sees entlang, zuerst auf einem schönen Veloweg entlang der Strasse, danach auch manchmal dem See entlang, wo ich bei Yvonand einen wunderbaren Blick auf den See habe.

Blick auf den Neuenburgersee bei Yvonand

Als ich wenig später durch ein Schilfgebiet fahre, versperrt mir eine umgestürzte Esche den Weg.

Ein umgestürzter Baum auf der Fahhradroute

Ist nicht weiter schlimm. Die letzten Kilometer bis zum Etappenziel sind zum Geniessen. Ich mache deshalb wieder mal ein Schattenselfie.

That’s me…

Es ist nun nicht mehr weit bis zu meinem Etappenziel Estavayer-le-lac. Um 17.30 Uhr treffe ich in diesem schönen Städtchen ein:

Estavayer-le-lac

Das Hotel, in dem ich übernachte, ist ziemlich luxuriös, in meinem Badezimmer hat’s sogar einen Whirlpool – den werde ich bestimmt ausprobieren nach dem Essen.

Whirlpool im Hotel le Beau Rive

Gesagt getan. Eine schöne Etappe findet nach harzigem Start ein entspannendes Ende. – Aber halt, ich muss noch den täglichen Blog schreiben…

Fakten Day 1: Genf – Estavayer
Strecke: 110 km
Fahrzeit: 7 Std. 24
Durchschnittsgeschw.: 14.9 km/h
bergauf: 1160 m
bergab: 1110 m

Day 1: Genf – Estavayer

Day 6: Oranienburg – Berlin (Ostsee-Berlin-Tour)

Die heutige Etappe ist mit 30 km sehr kurz. Da ich genügend Zeit habe, bis um 13.28 Uhr mein ICE-Zug in Berlin wegfährt, habe ich an diesem Morgen keine Eile. Um 8.30 Uhr fahre ich in Oranienburg los. Auf direktestem Weg geht’s nach Berlin. Die heutige Etappe ist nicht das Highlight dieser Tour, meist geht es auf Velostreifen od. Velowegen entlang einer stark befahrenen Strasse Richtung Süden.

Nach wenigen Kilometern überquere ich die Havel und entdecke sogar einen Schwimmer in den Fluten.

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Havel bei Oranienburg

Vor allem, wenn der Velostreifen auf dem Bürgersteig angelegt ist, muss man ziemlich aufpassen, abbiegende Autos, Fussgänger etc. sind immer eine Gefahr; ich fahre dementsprechend vorsichtig und langsam.

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Zwischen Oranienburg und Berlin

Ca. 15 km vor meinem Ziel, dem Brandenburgertor, entdecke ich das Ortschild von Berlin am Strassenrand. Nun bin ich also in Berlin, das erste Mal in meinem Leben.

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Stadtgrenze Berlin

Es geht aber noch eine ganze Weile, bis ich am Brandenburgertor eintreffe. Um  11.00 Uhr ist es soweit.

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Berlin, Brandenburger Tor

Da ich noch ziemlich viel Zeit habe, bis mein Zug fährt, fahr ich noch ein bisschen im Regierungsviertel herum, entdecke die Schweizer Botschaft, den Reichstag, fahre ein wenig der Spree entlang und lande schliesslich beim Bahnhof in einem Café, wo ich mit W-Lan die Zeit totschlage.

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Berlin, Schweizer Botschaft, Hauptbahnhof im Hintergrund

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Berlin, Reichstagsgebäude

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Berlin, An der Spree

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Berlin, Hauptbahnhof (rechts) und „The Cube“ (links)

Eine tolle Fahrradtour geht somit zu Ende. Gerne möchte ich ein andermal von Wismar auf dem Ostseefernradweg weiter ostwärts fahren, er führt ja bis zu den baltischen Staaten.

Wie zu Beginn meiner Tour verschafft mir die DB noch eine kleine Aufregung zum Abschluss. Die Wagenreihenfolge ist umgekehrt wie angekündigt, ich stehe deshalb am falschen Zugsende, als ich einsteigen will. Ich schaffe es aber doch noch – nachdem ich mich durch das Menschengewühl durchgekämpft habe – im richtigen Wagen einzusteigen, um danach gemütlich mit W-Lan meinen heutigen Blogeintrag zu schreiben.

Fakten 6. Etappe: Oranienburg-Berlin (Brandenburger Tor)
Strecke: 31.5 km
Fahrzeit: 2 Std. 8
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.4 km/h
bergauf: 250 m
bergab: 240 m

 

6. Etappe: Oranienburg-Berlin

Day 5: Waren – Oranienburg (Ostsee-Berlin-Tour)

Punkt 07.00 Uhr finde ich mich heute im Frühstücksraum ein. Ich könnte draussen frühstücken, aber das ist mir doch noch zu frisch.

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Blick vom Hotel Tiefwarensee nach Waren

Es ist schon ein Herr da, er ist etwa in meinem Alter. Wir kommen ins Gespräch. Er ist auch passionierter Radfahrer und momentan hier in Waren in den Ferien. Er schwärmt von den Fahrradtouren, die man in der Gegend der Mecklenburgischen Seenplatte machen kann.

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Karte der Mecklenburgischen Seenplatte

Ich breche um 08.00 Uhr auf. Doch zuerst mache ich noch einen kurzen Rundgang durch die schmucke Kleinstadt Waren, die am nördlichen Ende der Müritz liegt; so heisst dieser See, der der grösste Binnensee Deutschlands ist. Der Bodensee ist noch grösser, der gehört zum Teil aber auch uns Schweizern.

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Waren

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Waren, Marktplatz

Kurz nachdem ich Waren Richtung Süden verlassen habe, durchquere ich schöne Landschaften.

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Landschaft bei Waren

Bald schon befinde ich mich im Müritz-Nationalpark. Die Fahrradwege sind jetzt Naturstrassen, aber schön glatt, so dass ich trotzdem ganz zügig vorankomme. Es ist wunderbar hier, fast noch niemand unterwegs, nur ein Park-Mitarbeiter fegt mit seinem Besen den Fahrradweg, was mich sehr erstaunt.

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Fahrradroute im Müritz-Nationalpark

Fast zwei Stunden bin ich unterwegs in diesem Park und geniesse es, es ist sehr ruhig und die Luft ganz rein, ein toller Start in den Tag.

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Aussicht von einem Beobachtungsturm im Müritz-Nationalpark

Weiter südlich komme ich wieder auf landschaftlich kultiviertes Gebiet; es ist auch hier schön.

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Brach- und Haferfeld südlich der Müritz

Nachdem ich ca. 40 km gefahren bin, beginne ich wieder an Kaffee und Kuchen zu denken. Ich habe aber wenig Hoffnung, dass meine Wünsche erfüllt werden, denn die Gegend, die ich durchfahre, ist kaum besiedelt. Doch ich habe wieder Glück: gerade als ich so richtig hungrig werde, werde ich in einem kleinen Dorf vom einLADEN eingeladen.

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Kaffee im einLaden in Zempow

Es gibt zwar keine Erdbeerschnitten oder Pflaumenkuchen hier, aber der Käsekuchen ist auch ganz lecker.

Auf der Weiterfahrt bringt mich eine muhende Kuhherde zum Schmunzeln.

Kuhherde in der Nähe von Zempow

Bald erreiche ich Rheinsberg. Das ist ein grösserer, touristischer Ort mit schönem Schloss am Grienericksee und einem barocken Lustgarten, der für Friedrich den II. angelegt wurde. Leider habe ich zuwenig Zeit, Schloss und Garten genauer zu besichtigen. Immerhin mache ich ein Bild von aussen.

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Schloss Rheinsberg am Grienericksee

Die Fahrradroute führt auch in dieser Gegend meist schön angelegten Fahrradwegen entlang. Nur manchmal sind die Wege auch sehr holprig, weil Wurzeln den Asphalt anheben und so unangenehme Rillen entstehen. Der Wald ist hier eine Monokultur, lauter Föhren. Ist das im Sinne des Erfinders?

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Fahrradweg in der Nähe von Rheinsberg, Föhrenmonokultur (rechts)

An einem weiteren See – es wimmelt hier von Seen – mache ich meine Mittagspause. Es ist schon 14.00 Uhr und ich bin schon 85 km weit gefahren. Ich esse ein vertrocknetes Brötchen, einen Getreideriegel und ein paar Cashewnüsse.

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Mittagsrast in Lindow am Gudelacksee

Der letzte Abschnitt bietet wenig neue Eindrücke. Gegen Ende der Etappe fahre ich längere Zeit einer Bundesstrasse mit sehr viel Verkehr entlang. Zum Glück habe ich einen perfekten Veloweg und Rückenwind. So komme ich früher als geplant in Oranienburg an.
Das Wahrzeichen dieser im Einzugsbereich von Berlin liegenden Stadt mit ca. 40’000 Einwohnern ist das Schloss Oranienburg.

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Schloss Oranienburg

Die Stadt Oranienburg liegt an der Havel, also im Havelland, das ja Schauplatz von Fontanes berühmten Gedicht ist, welches so beginnt:
Herr von Ribeck auf Ribeck im Havelland,
ein Birnbaum in seinem Garten stand, …

Ganz zum Schluss meiner Etappe fahre ich noch ein Stückchen diesem Fluss entlang, bevor ich im Hotel an der Havel absteige. Eine sehr schöne Etappe findet somit ihr Ende.

Morgen werde ich noch das kurze Stück bis Berlin zurücklegen, mich in Berlin ein wenig umschauen und dann den Zug zurück nach Zürich nehmen.

Fakten 5. Etappe: Waren-Oranienburg
Strecke: 125 km
Fahrzeit: 7 Std. 10
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17.5 km/h
bergauf: 970 m (so viel? es war ja meist eben!)
bergab: 1000 m
tiefster Punkt: – 40 m (das ist wohl ein Messfehler!)

5. Etappe: Waren-Oranienburg

Day 4: Wismar – Waren (Ostsee-Berlin-Tour)

Als ich heute um halb sieben aus meinem Hotelfenster gucke, ist der Himmel grau, und es hat wohl geregnet in der Nacht, denn die Strassen sind ein wenig nass.

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Wismar, Blick aus dem Hotelfenster

Auch in diesem Hotel gibt’s um 7.00 Uhr Frühstück. Ich bin – wie meist – der erste, der im Frühstücksraum auftaucht, es ist wieder ein „Corona-Frühstück“, diesmal muss man sogar Vinyl-Handschuhe benutzen, wenn man sich am Buffet bedienen möchte; das ist sehr gewöhnungsbedürftig.

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Hotel New Orleans, Wismar

Um 08.00 Uhr fahr ich los. Ich verlasse den Ostseefernradweg und fahre heute Richtung Südosten. Ziel ist Waren am Müritz in der Mecklenburgischen Seenplatte.

Die Etappe beginnt unspektakulär, gemütlich gondle ich durch die graue, ländliche Landschaft. Der erste grössere Ort, den ich erreiche, ist Warin, es ist aber noch zu früh für eine Kaffeepause, weshalb ich nur kurz eine Foto mache und gleich wieder weiterfahre.

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Warin

Nach Warin führt der Weg längere Zeit durch ein bewaldetes Gebiet. Die Route ist ziemlich coupiert in diesem Abschnitt, ein ständiges Auf und Ab.

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Fahrradroute durch den Wald, bei Warin

Es ist sehr feucht, die Strassen sind immer noch nass und plötzlich beginnt es heftig zu regnen. Ich kann mich unter einen Baum flüchten, wo ich schnell meine Regenkleider überziehe.

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in der Nähe von Sternberg

Das ist nicht weiter schlimm, denn es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung und ich habe ja eine ganz neue, tolle Schöffel-Regenjacke. Wie vermutet, hört es auch bald wieder zu regnen auf – ich zieh die Regenklamotten aus, nur um sie später wieder überzuziehen, weil es wieder zu regnen beginnt.

In Sternberg, der nächsten grösseren Ortschaft, möchte ich endlich die fällige Kaffeepause machen.

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Sternberg

Ich habe aber kein Glück. Der Gasthof, der Kaffee und Kuchen auf einem grossen Schild ankündigt, ist zwar offen, bedient wird aber erst um 11.30 Uhr, muss ich erfahren. Enttäuscht und auch ein bisschen verärgert fahre ich weiter, hatte ich doch extra die Regenklamotten ausgezogen.
Muss ich den heutigen Kuchen wohl ganz abschreiben? Und dies an einem Sonntag, wo’s traditionellerweise Kuchen gibt?

Unverhofft komme ich doch noch zu Kaffee und Kuchen. In Dobbertin am Dobbertiner See fahre ich an einer Konditorei mit Café vorbei. Ohne die Regenkleider auszuziehen, setze ich mich auf der gedeckten Terrasse an einen Tisch und geniesse das erste Highlight an diesem Tag.

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Erdbeerschnitte in Dobbertin

Voller Elan nehme ich meine Reise wieder auf. Dass sich meine Fahrradroute nun während ca. 10 km auf einer stark befahrenene Bundesstrasse befindet, ist ziemlich unangenehm, immerhin geht es nun ganz flott voran und bald schon erreiche ich das Gebiet der Mecklenburgischen Seenplatte.

Der erste See der Meck-See-Platte, den ich erblicke, ist der Plauer See. An seinem Ufer hat sich eine riesige Kolonie von Wildgänsen niedergelassen; grob geschätzt sind es sicher ca. 500 Stück.

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Plauer See

Der See präsentiert sich heute aber grau in grau und nicht plau. Wenig später führt der Radweg direkt durch einen Camping-Platz, wo sich Wohnmobil an Wohnmobil reiht.

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Wohnmobile am Plauer See

Die Route ist nun interessanter, auch das Wetter ist wieder besser. In Alt-Schwerin fahre ich an einem Museum für Landwirtschaft vorbei, dem Agroneum. Von aussen erblicke ich ein Monstergefährt, was das wohl ist?

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Dampfpflug-Lokomobile aus dem Jahre 1915

Wie diese Maschinen gebraucht wurden? „Zwei Lokomobile stehen sich auf Feldrändern gegenüber und ziehen mit Drahtseilen den Pflug hin und her“ lese ich auf der Schautafel. Interessant.

Man merkt nun, dass diese Gegend ein Fahrradparadies ist; die Wege sind wunderbar und alles ist gut beschildert.

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Fahrradweg (Single-Trail) in der Mecklenburgischen Seenplatte

So komme ich ohne Langeweile an mein Ziel, dem Hotel am Tiefwarensee in Waren. Es liegt etwas ausserhalb dieser schönen Kleinstadt. Um 17.00 Uhr checke ich ein, nachdem ich heute 120 km gefahren bin – das ist ziemlich viel. Dementsprechend bin ich müde und lege mich nach der Dusche kurz aufs Bett, wo ich sogleich einnicke, der Schlaf dauert 17 Minuten, dann weckt mich mein iPhone, denn ich muss mich bereitmachen für das Nachtessen, das ich um halb sieben im Hotel einnehmen darf. Es gibt Maishähnchenbrust mit Risotto, sehr lecker zubereitet.

Für eine Besichtigung von Waren bin ich zu müde, das mache ich morgen früh, dafür geniesse ich den Blick aus dem Fenster dieses sympathischen Hotels und schreibe meinen heutigen Blog fertig.

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Blick aus dem Hotel Tiefwarensee in Waren

Fakten 4. Etappe: Wismar-Waren
Gefahrene Strecke: 121 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.8 km/h
bergauf: 1’150 m
bergab: 1’080 m

4. Etappe: Wismar-Waren

Day 3: Lübeck – Wismar (Ostsee-Berlin-Tour)

Der heutige Tag beginnt ähnlich wie der Vortag: um 7.00 Uhr gibt’s Frühstück, um 8.00 Uhr ist Abfahrt. Es ist ein sonniger Tag heute, ich verlasse Lübeck im schönen Morgenlicht.

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Lübeck

Zuerst fahre ich auf dem gleichen Weg, auf dem ich am Vortag gekommen bin. Auf der Brücke, die die Trave überquert, mache ich wieder ein Bild

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Lübeck

Dann geht’s relativ unspektakulär Richtung Travemünde, meist der Bahn oder der Trave entlang. Als ich in Travemünde ankomme, habe ich kaum Zeit, mich gross umzusehen, da eine Fähre bereitsteht, die Autos, mich und andere Fahrradfahrer auf die andere Seite bringt.

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Travemünde

Dort fahre ich ein Stückchen der Hafenmauer entlang und halte bei einem grossen Bilderrahmen.

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Yachthafen bei Travemünde

Als kurz darauf zwei Fahrradfahrerinnen – etwa so alt wie ich – hinter den Bilderrahmen stehen und mich fragen, ob ich Sie fotografieren könne, merke ich erst, wie die Sache mit dem Bilderrahmen wohl gemeint ist. Natürlich machen sie danach auch eine Foto von mir. Somit bin ich auch einmal im Bild.

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Der eingerahmte Blogschreiber

In der Folge verläuft der Ostseeradfernweg, dies ist die offizielle Bezeichnung, auf Naturstrassen. Das ist zwar idyllisch, aber sehr holprig.

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Naturstrasse auf dem Ostseeradfernweg

Die beiden Radfahrerinnen von vorhin überholen mich, sie habe E-Bikes und fahren auch bis Wismar. Kurze Zeit später sehe ich sie wieder, denn sie haben bei einem sogenannten Strandzugang angehalten.

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Strandzugang mit Blick auf die Ostsee

Immer wieder hat es solche Strandzugänge und bei einem mit einem gedeckten Rastplatz mache ich eine kurze Pause, trinke Orangensaft und esse ein wenig Studentenfutter.

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Rast an der Ostsee

Es ist sehr schön hier und an diesem Strandbschnitt hat es nur wenige Leute.

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Ostsee

Die heutige Tour ist aber keinesfalls topfeben, immer wieder gibt es kleinere oder grössere Wellen, die ich „schlucken“ muss; bei einer muss ich sogar vom Rad steigen und schieben, so steil ist es. Dafür werde ich oben mit einer wunderbaren Aussicht belohnt.

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Aussicht von einer Klippe

Nicht immer führt der Radweg der Ostsee entlang, manchmal entfernt sich der Radweg auch von ihr.

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Blick auf eine Bucht bei Wismar

Immer wieder fahre ich an Strandabschnitten vorbei, wo gebadet wird. Es ist aber oft sehr flach, die Leute stehen meist nur im Wasser; vielleicht ist es aber einfach nur zu kalt.

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Strand in der Nähe von Wismar

Die heutige Etappe ist mit knapp 80 km ziemlich kurz für meine Verhältnisse; so komme ich schon um 15.00 in Wismar, meinem heutigen Etappenziel, an. Es war eine ausserordentlich schöne Etappe, bestimmt eine der schönsten, die ich je gemacht habe.

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Wismar, alter Hafen

Nach Dusche und obligatem Nickerchen, heute auch Powernap genannt, mache ich einen kleinen Stadtrundgang. Wismar ist kulturhistorisch eine sehr interessante Stadt, die mir sehr gefällt. Die eindrücklichen Kirchen sind im sogenannten Backstein-Gotik Stil gebaut.

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Innenraum der St. Georgen Kirche, Wismar

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Kirchturm der Marien-Kirche (ohne Kirchenschiff, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde)

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Wismar, Marktplatz

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Wismar Strassenzug

Voller Eindrücke schlendere ich Richtung Hotel zurück und mache noch einen Abstecher zum alten Hafen.

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Wismar, alter Hafen mit Blick zur Altstadt

Ein sehr schöner Tag geht damit zur Neige. Ich bin froh, dass ich die 1.-August-Knallerei heute nicht miterleben muss und bestimmt bald ruhig schlafen kann.

Fakten 3. Etappe: Lübeck-Wismar
Strecke: 79 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.3 km/h
bergauf: 700 m

3. Etappe: Lübeck-Wismar

Day 2: Kiel – Lübeck (Ostsee-Berlin-Tour)

Der heutige Tag beginnt mit einem Corona-Frühstück im Hotel, wo ich übernachtete. Ich erscheine genau um 7.00, um das vereinbarte Zeitfenster einhalten zu können. Am Buffet muss ich die Maske überziehen; Käse, Wurst, Müsli etc. ist alles schön in kleinen Portionen in Folie abgepackt und die Bediensteten kümmern sich eifrig um die drei Gäste. Was für ein Aufwand!

Punkt 8.00 Uhr fahr ich los. Zum Abschied mache ich nochmals eine Foto von Kiel. Man beachte das schräg gebaute Haus im Hintergrund. Macht eine solche Architektur Sinn, frage ich mich.

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Kiel, Hafen

Zuerst geht’s vielbefahrenen Strassen entlang. Als ich ein Rotlicht überfahre bei einer Strassenquerung ohne Verkehr, werde ich von einem jungen Mann, der auf der anderen Seite brav wartete, angeschnauzt: „Die Strassenverkehrsordung kennst du nicht?“ Ich bin perplex, erstens weil ich einfach so geduzt werde und zweitens, weil ich diese Reaktion nicht erwartete.

Nach ca. einer Dreiviertelstunde bin ich endlich wieder im Grünen, das gefällt mir nun besser. Die Sonne scheint und es ist merklich wärmer als an den vorherigen Tagen.

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Landschaft in der Nähe von Kiel

Es ist welliger als am Vortag und auch ziemlich windstill, so dass ich nicht so rasant vorwärtskomme. Bald schon erreiche ich einen See, den Dobersdorfersee, der touristisch nicht erschlossen ist, er liegt wohl in einem Naturschutzgebiet.

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Dobersdorfersee

Ich umrunde ihn auf einem schön angelegten Weg, der durch einen Wald führt

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Waldroute beim Dobersdorfersee

Nach ca. 2. Stunden Fahrzeit erreiche ich den Selentersee, an dem ich meine erste Pause mache.

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Selentersee

Dieser See soll sich in Privatbesitz befinden, lese ich auf einer Schautafel und staune: ein so grosser See in Privathänden?

In der Ortschaft Selent mache ich meinen obligaten Kaffeehalt. Diesmal gibt’s Pflaumenkuchen – auch lecker!

Auf der Weiterfahrt mache ich einen kurzen Halt beim eindrücklichen Hohenhof.

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Hohenhof (gebaut 1798), Meierhof von Gut Rantzau

Bei dieser Ansicht sieht man das Torhaus mit einer Allee zum Gutshaus. Ich getraue mich, durch das Tor zu fahren und erblicke nun 2 riesige Ökonomiegebäude, eines zur linken, das andere zur rechten:

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Hohenhof

Mit diesen Eindrücken setze ich meine Fahrt fort. Wie am Vortag fahre ich meist auf Nebenstrassen und wenn ich auf Hauptstrassen fahre, hat es meist Fahrradwege.

Es ist eine sehr abwechlungsreiche Tour heute mit vielen Sehenswürdigkeiten. Einen weiteren See erreiche ich bei der kleinen Stadt Eutin. Hier mache ich meine Mittagsrast und setze mich auf eine Bank am See.

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Grosser Eutiner See

Eutin selbst ist eine aparte Stadt mit einem schönen Marktplatz.

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Marktplatz von Eutin

Carl Maria von Weber, der grosse deutsche Komponist und mein Namensvetter ist in dieser Stadt geboren. Das „von“ trägt er unrechtsmässig lese ich abends über ihn, als ich mich näher informiere.

Nach der kurzen Mittagspause fahr ich bald wieder los, ich möcht ja genügend Zeit haben für die Besichtigung von Lübeck, meinem heutigen Etappenziel.

Nach ca. 1 1/2 Stunden erreiche ich die Ostsee und gerate mitten in die Badetouristen, die zuhauf die Strände bevölkern. Alle Strandkörbe sind vergeben, höre ich von der Strandkorbvermieterin. Offenbar bin ich an einem sehr beliebten Badestrand gelandet.

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Ostseestrand bei Haffkrug

In der Folge fahre ich der Küste entlang – ich bin nun wohl auf der Ostseefahrradroute. Es hat extrem viele Touristen hier und auch der Fahrradweg ist sehr bevölkert.

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Strand bei Scharbeutz

Bald verlasse ich die Ostseeküste aber wieder – trotzdem: der kurze Abstecher hat sich gelohnt; der kürzeste Weg nach Lübeck hätte nicht an die Ostseeküste geführt.

Bald schon erblicke ich die Kirchtürme von Lübeck – auch Stadt der 7 Türme genannt.

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Lübeck aus der Ferne

Bald schon bin ich im Hotel Ko15 am Koberg, welches sich mitten in der Innenstadt befindet. Nach einer Dusche und einem kurzem Nickerchen mache ich mich auf, ein wenig die Innenstadt zu erkunden. Als ich aus dem Hotel trete, bietet sich mir ein Glockengebimmelspektakel:

Lübeck, Koberg mit Heiligen-Geist-Hospital und St.-Jacobi-Kirche

Ich schlendere Richtung Marktplatz, der sich inmitten dieser rundum von Kanälen umgebenen ausserordentlich schönen Stadt befindet. Unterwegs bewundere ich einen Spray-Künstler, der die Bilder gleich vor Ort sprayt.

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Spray-Künstler in der Breite Strasse

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Lübeck, Marktplatz mit Rathaus

Natürlich muss ich auch noch das Holstentor aufsuchen, das Wahrzeichen der Stadt.

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Lübeck, Holstentor

Im Holstenhafen, tummeln sich Stand-Up-Paddler und Tretbötler:

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Lübeck, Holstenhafen

Natürlich hätte diese Stadt noch mehr Sehenswertes zu bieten, aber da ich hungrig bin und ja noch den heutigen Blog schreiben will, spaziere ich zum Hotel zurück und setze mich in die Pizzeria, die zum Hotel gehört, beginne am Blog zu schreiben und freue mich auf die Spaghetti Bolognese.

Fakten 2. Etappe: Kiel-Lübeck
Strecke: 99.5 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.4 km/h
bergauf/bergab: 1’000 m (soviel?)

2. Etappe: Kiel-Lübeck