Für einmal habe ich nicht durchgeschlafen; immer wieder peitschte der Wind Regentropfen an die Scheiben meines Hotelzimmers. Aber als ich morgens aus dem Fenster schaue, hat sich das Wetter wieder beruhigt. Nach ordentlichem Frühstück in diesem noblen Hotel fahre ich ca. viertel vor zehn los. Das ist sehr spät für meine Verhältnisse, aber die heutige Etappe ist ziemlich kurz, so ist das kein Problem.
Ich mache noch einen kurzen Abstecher ins Zentrum dieses sehenswerten Städtchen.

Koper
Bald darauf befinde ich mich auf einem tollen Fahrradweg, der dem Meer entlangführt. Das ist ein schöner Start in die heutige Etappe!

Fahrradroute dem Meer entlang
Das Vergnügen dauert aber nicht sehr lange und die Route führt mich in hügeliges Gelände.

Hügelige Landschaft bei Koper
Bald befinde ich mich auf der Trasse einer stillgelegten Eisenbahnstrecke. Sie heisst Parenzana-Bahn, weil sie von Trieste nach Parenzo (heute Poreč) führte.

Längstes Tunnel der ehemaligen Parenzana-Bahn
Diese Bahn wurde 1902 im ehemaligen österreichisch-ungarischen Kaiserreich erbaut und war nur etwas über 30 Jahre in Betrieb.
Heutzutage wird die Trasse genutzt als multinationaler Radwanderweg, als sogenannter Weg der Gesundheit und Freundschaft.
Die nächste Sehenswürdigkeit auf dem Weg sind die Salinen von Sečovlje/Sicciole. Es wird hier offenbar immer noch Salz gewonnen, aber das Gebiet ist auch gleichzeitig Naturschutzgebiet.

Salinen von Sečovlje/Sicciole
Hier beobachte ich eine grosse Gruppe deutscher Touristen, die gerade ihre E-Bikes aus einem Car nehmen und sich für eine Tour bereitmachen. Überhaupt hat man das Gefühl, dass vor allem Deutsche hier Urlaub machen. Andere Sprachen hört man kaum, auch nicht Schweizerdeutsch.
Auf meiner Weiterfahrt erreiche ich bald die Grenze zu Kroatien; zwei grosse Zollbebäude sind zu passieren, aber es ist niemand da, der die Passierenden kontrolliert. So gelange auch ich fast unmerklich nach Kroatien. Was man aber sofort merkt, ist, dass die Fahrradwege nicht mehr so komfortabel asphaltiert sind wie in Slowenien.
Bald muss ich sogar vom Rad steigen, denn eine kurze steinig-felsige Passage ist fahrerisch nicht zu bewältigen.

Absteigen!
Immerhin bin ich alsbald wieder auf dem Parenzana, nur ist diesmal der Weg ziemlich steinig und holprig. Von einem schönen Aussichtspunkt hat man wieder einen schönen Blick auf die Salinen von von Sečovlje/Sicciole.

Auf dem Parenzana-Radweg mit Blick auf die Salinen
Die heutige Etappe ist geprägt von einem stetigen Auf und Ab, was ziemlich ermüdend ist. So entscheide ich mich für einen kurzen Kaffeehalt im schönen Touristenstädtchen Umag.

Kaffeehalt in Umag
In der Folge fahre ich an unzähligen grossen Geisterresorts und Geistercampingplätzen im Nirgendwo vorbei. Die Saison scheint vorbei zu sein für diese Art von Tourismus.
Immer wieder führt mich meine Fahrradroute direkt dem Meer entlang. Das ist natürlich besonders schön.

Panoramaradweg dem Meer entlang
Es ist angenehm warm heute, ca. 22° Grad und ich fahre ohne Jacke. Die nächstgrössere Stadt auf meiner Route heisst Novigrad (Cittanova). Es fällt mir auf, dass alle Ortschaftsnamen zweisprachig angeschrieben sind. Abends lese ich, dass Istrien offiziell zweisprachig ist, also im kroatischen Teil kroatisch/italienisch. Vor allem an der Westküste gibt es noch eine italienisch sprechende Minderheit.

Blick auf Novigrad/Cittanova
Ich weiche etwas von meiner Route ab und fahre ins Zentrum dieses schönen Städtchens, wo ich ein Bier trinke und dazu etwas Pommes esse.

Zwischenhalt in Novigrad
Auf meiner Weiterfahrt durchquere ich das Meer auf einer auf einem Damm angelegten Strasse.

Dammstrasse
Auf der anderen Seite geht es wieder eine steile Strasse hoch, die ich zu Fuss bewältige. Etwas später gelange ich auf einen abenteuerlichen holprigen Weg, wo ich manchmal Slalom um Pfützen herum fahren muss.

abenteuerliche Radroute
In der Nähe von Poreč bewundere ich einen wunderbar angelegten Meer-Swimming-Pool. Beim heutigen starkem Wind getraut sich aber niemand ins Wasser.

Badegelegenheit
Nun ist es nicht mehr weit bis Poreč, meinem Etappenziel. Obwohl die Strecke heute ziemlich kurz war für meine Verhältnisse, bin ich ziemlich ausgepowert durch das ständige Auf und Ab und deshalb froh um 17 Uhr anzukommen.

Ankunft in Poreč
Das heutige Hotel ist auch wieder ziemlich edel – man gönnt sich ja sonst nichts, denke ich.
Das Abendessen im Hotel hab ich gleich mitgebucht. So lasse ich mich nach einem Apéro im Hotel-Restaurant nieder und werde nicht enttäuscht.

Lammkoteletts im Hotelrestaurant
Draussen ist’s wieder ziemlich stürmig. – Wie wird das Wetter wohl morgen sein?
Fakten Day 3: Koper-Poreč
Gefahrene Strecke: 78 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.4 Km/h
Bergauf: 730 m
Bergab: 730 m
Übernachtung im BO Hotel Palazzo
