Das kleine Hotel, in dem ich übernachtete, begeistert mich. Es ist so stilvoll und mit Geschmack eingerichtet, dass ich den Besitzer morgens darauf anspreche und ihn dafür lobe. Er freut sich natürlich über die Komplimente. Auch das Frühstück ist exquisit. So breche ich wohlgenährt um halb neun auf meine letzte Etappe auf. Der Himmel ist tiefblau und ich bin gespannt darauf, was der heutige Tag für Überraschungen bereithält.

Bald schon erreiche ich die grössere Stadt Namur, die von einer Festungsanlage überragt wird.

Die Altstadt von Namur liegt auf der anderen Flussseite. Da die heutige Etappe ziemlich lang ist, verzichte ich darauf diese zu erkunden und fahre weiter.
Je weiter ich fahre, desto industrieller wird die Gegend an der Meuse. Auf der anderen Flussseite erblicke ich eine Schiffwässerungsanlage; es sieht aber eher danach aus, als das zu sehende Schiff demnächst verschrottet wird.

Die erste Pause mache ich wie am Vortrag wieder nach ca. 2 Stunden Fahrzeit. Leider ist heute kein Café in Sicht.

Die erste grössere Stadt nach Namur heisst Huy. Auch in dieser Stadt gibt es ein Fort.

In dieser Stadt werde ich Zeuge eines Verkehrsunfalls. In einem Kreisel schneidet ein Lastwagen einem Auto den Weg ab und es kommt zu einem seitlichen Crash, bei dem der Kotflügel des Autos abgerissen wird. Der Lastwagenfahrer steigt aus, fotografiert die Szene und versucht, den Kotflügel wieder am Auto zu befestigen…
Ich fahre weiter und komme bald schon zu einem AKW, um das ich herumfahren muss. Es herrscht Fotografieverbot, aber als ich die Verbotsschilder sehe, habe ich es schon fotografiert.

In der Folge kommt ein Abschnitt mit viel Industrie. Es ist vor allem „grobmechanische“ Industrie: Metall wird zerschreddert, Kies und Sand herumgebaggert, Kalk abgebaut und verarbeitet etc.

Die Fahrradroute führt mich nun längere Zeit durch solche Gebiete. Eigentlich würde ich gerne eine Mittagspause machen, aber ich finde einfach kein idyllisches und ruhiges Plätzchen. So fahre ich halt einfach weiter.

Wenig später fahre ich durch eine „Arbeiterstadt“, die fast wie eine Geisterstadt aus den Anfängen der Industralisierung wirkt. Ziemlich surreal. Ich vermute, dass hier die Stahlindustrie heimisch war.

Tipisch für diese Region sind die kleinen roten Reihenbacksteinhäusern, die gleich an die Strasse gebaut sind.

Da ein idyllischer Rastplatz weiter auf sich warten lässt, fahre ich ohne Pause immer weiter, bis ich um ca. 14.30 Uhr Liège (Lüttich) erreiche. Das ist eine grosse Stadt mit ca. 200’000 Einwohnern.
Auf einer Fussgängerbrücke, auf der es Sitzgelegenheiten gibt, mache ich endlich die Mittagspause und esse meine Brötchen.

Jetzt ist es nicht mehr so weit bis nach Maastricht, aber ich habe natürlich mal wieder Gegenwind, der im Verlauf des Tages immer stärker wird.
So sind die letzten 30 Kilometer ziemlich anstrengend, obwohl die Strecke eben ist.

Ich bin hier ziemlich schutzlos dem Ostwind ausgeliefert, der heftig bläst heute. Wenig später bewundere ich eine Riesenschleuse, in der gleich mehrere grosse Schiffe gleichzeitig abgefertigt werden.

Um 17.30 erreiche ich endlich Maastricht, das Ziel meiner diesjährigen Frühlingstour. Anders als in Belgien fühlt man sich hier als Fahrradfahrer wie ein König. Die Fahrradwege sind vorbildlich mit roter Farbe markiert und man spürt, dass die Holländer ein Volk von Fahrradfahrern sind – das macht sie mir sympathisch! Und ihre Sprache ist ja dem Schweizerdeutschen auch irgendwie ähnlich.

Maastricht ist eine sehr schöne Stadt. Als ich ins Zentrum abbiege, komme ich auf den belebten Hauptplatz dieser Stadt, wo die Leute die Abendsonne in den Strassencafés geniessen.

Die heutige nicht ganz einfache Tour findet somit einen versöhnlichen Abschluss. Auch das Hotel, in dem ich übernachten werde, macht einen guten Eindruck.
Zur Feier der erfolgreich absolvierten Tour gönne ich mir im hoteleigenen Restaurant ein feines Nachtessen und ein leckeres Dessert.

Im Rückblick war das eine interessante Tour durch ganz verschiedenartige Landschaften: Sie begann mit der Fahrt entlang des Marne-Rhein-Kanals von Strassburg aus und führte mich in der Folge an den natürlichen „Mittellauf“ der Meuse nach Verdun und durch ziemlich menschenleere Gegenden im Norden Frankreis. Die Etappe von Charlesville durch die Ardennen nach Belgien war mit Abstand die schönste. Es war interessant zu sehen, wie sich die Meuse vom gemütlichen Flüsslein zur immer grösseren Wasserstrasse wandelt. Ausser bei der Regenetappe am zweiten Tag war das Wetter passabel bis sehr gut; nur der kalte Wind machte mir manchmal etwas zu schaffen, vor allem auch weil er mir meist nicht günstig gewogen war.

Vielen Dank meine treuen Leserinnen und Lesern für die Rückmeldungen. Es ist schön zu wissen, dass meine Berichte mit Interesse gelesen werden und es ist mir Ansporn, den Blog weiter zu führen. Im Sommer werde ich mich wieder melden von meiner nächsten Tour – in Planung ist eine Dänemark-Tour – soviel sei jetzt schon verraten.
Fakten Etappe 6: Profondéville – Maastricht
Gefahrene Strecke: 107 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.5 km/h (Der Wind ist schuld!)
Hinauf: 420 m
Hinab: 450 m

Schade, ist deine Tour beendet. Ich habe deinen Blog einmal mehr sehr gern gelesen und freue mich schon auf die Dänemarktour! Gute Heimreise und liebe Grüsse
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