Day 1: Strasbourg – Sarrebourg (Maas-Tour)

Pünktlich erreiche ich nach problemloser Reise von Zürich kommend um viertel vor zehn Strasbourg. Es ist ziemlich trüb als ich zu meiner Frühlingsradtour aufbreche.

Mein Ziel wird Maastricht in Holland sein und ein grosser Teil meiner Tour wird der Maas (frz. Meuse) entlangführen, weshalb ich diese Tour «Maas-Tour» nenne.

Bahnhof Strasbourg, Startpunkt meiner diesjährigen Frühlingsradtour

Schnell verlasse ich diese grössere Stadt, ohne viel von ihr zu sehen. Bald schon führt mich der Weg an einen Kanal, den Marne-Rhein-Kanal, wie ich später erfahre. Er wird von nun an mein treuer Begleiter sein.

Ich lieber es, Kanälen entlang zu fahren, denn diese Wege sind eben und autofrei.

De la marne au Rhin canal

Ich nehme es ziemlich gemütlich heute morgen, ich möchte nicht gleich am ersten Tag übertreiben. Immer wieder überholt mich eine Radfahrerin, die etwa gleich alt ist wie ich, schätze ich (und das fuchst mich ein kleines bisschen, aber ich steh darüber und erhöhe mein Fahrtempo nicht, obwohl ich das könnte…). Und da sie immer mal wieder Pause macht, überhole ich sie in diesem Moment wieder.

Als ich an einer schön gestalteten Raststätte mit dem Namen „Le Fleischwurst“ vorbeikomme, halte ich kurz. Schade, dass der Grillmeister nicht da ist und keine Würste brät – eine Fleischwurst hätte ich jetzt sehr gerne verzehrt, denn gerade meldet sich der erste Hunger; ich habe aber zum Glück meine Käsebrote dabei und gebe mich damit zufrieden.

In Saverne begegne ich wieder der Fahrradfahrerin. Sie spricht mich an und ich merke, dass sie Engländerin ist. Sie hat ihr Etappenziel erreicht und fährt mit dem Zug wieder nach Strassburg zurück.

Saverne ist ein sehr schönes kleines Städtchen mit einem riesigen Schloss, das oft auch kleines elsässisches Versailles genannt wird.

Château Rohan

Ich suche ein Café, finde aber keines, das mir passt, dafür kann ich verfolgen, wie ein Schiff durch eine mächtige Schleuse geschleust wird. Der Marne-Rhein-Kanal führt hier mitten durch den Ort.

In der Folge schlängelt sich der Kanal durch die Nordvogesen, eine sehr schöne und naturbelassene Gegend. Es sind hier auffallend viele Hausboote unterwegs; darauf sind meist deutschsprachige Touristen, wie ich den Gesprächen, die ich aufschnappe, entnehme.

Leider muss ich den Radweg kurzzeitig verlassen, da Bauarbeiten am Kanal ausgeführt werden und der Fahrradweg gesperrt ist deswegen.

piste barrée bei Saverne

Wenig später überquere ich die Grenze zu Lothringen, Lorraine auf Französisch. Die Ortsnamen hier haben aber oft einen deutschen Einschlag, wie z.B. Lutzelbourg.

Grenze Elsass / Lothringen

Die Wegstrecke wird nun immer idyllischer. An einem stillgelegten Abschnitt des Kanals stehen herzige Schleusenhäuschen, die meist zu Ferienhäuschen umfunktioniert wurden.

Häuschen Nr. 9 am ancien canal

Das Schleusenwärterhäuschen Nr. 2, das wenig später auftaucht, ist meine Rettung, denn hier befindet sich die PAPAR HASARD CREPERIE BAR – sie ist sogar geöffnet und ich der einzige Gast. Ich gönne mir eine Crêpe und einen Capucchino

Crêpe miel et citron avec capucchino in der PAPAR HASARD CREPERIE BAR

Gestärkt und aufgewärmt nehme ich die letzten 15 km unter die Räder. Bald schon erreiche ich Sarrebourg, mein Etappenziel. Das ist ein kleines, charmantes, aber etwas heruntergekommenes Städtchen.

Sarrebourg

Trotz Navigationsapp finde ich das gebuchte Hotel nicht sofort – kein Wunder, denn beim Haupteingang und im Gebäude drin wird mit grosser Kelle herumgehandwerkt, es stehen Gerüste vor dem Eingang und man kann gar nicht hineingehen. Glücklicherweise bemerkt mich eine Hotelangestellte, kommt heraus und führt mich über den Hintereingang ins Hotel.

Bis jetzt verlief der Tag rund, sogar der angekündigte Regen blieb aus. Doch nach der wärmenden Dusche und dem wohltuenden Haarfönen, werde ich vor ein bizarres Problem gestellt: der Fön lässt sich einfach nicht mehr ausschalten. Verzweifelt drücke ich eine Viertelstunde an ihm herum, aber es gelingt mir einfach nicht, das verflixte Ding zum Schweigen zu bringen und das Kabel ausstecken geht auch nicht, weil es fix montiert ist. Mir wird ein wenig mulmig zumute und ich stelle mir schon vor, die ganze Nacht nicht schlafen zu können wegen dem Lärm des laufenden Föns und zusätzlich noch genervte Zimmernachbarn zu haben.  Also melde ich der Rezeption mein Problem. Die Baustelle stellt sich nun als Segen heraus, denn unter den Arbeitern ist auch ein Elektriker, der sich dem Problem annimmt. Er nimmt den Fön auseinander, kann ihn aber auch nicht reparieren. Immerhin läuft er nun aber nicht mehr. Problem gelöst, zum Glück!

Defekter Fön im Hotelzimmer, er liess sich nicht mehr ausschalten…

Nach dieser lustig-tragischen Episode schlendere ich noch ein bisschen in der Altstadt von Sarrebourg herum in der Hoffnung, eine Verpflegungsmöglichkeit zu finden. Ich habe mal wieder Glück und und kann in einer Weinbar mit einem feinen flammkuchenartigen Baguettegebäck meinen Hunger stillen. So geht der Tag versöhnlich zu Ende.

Nachtessen in einer Weinbar (mit Bier!)

Der Tag ist aber noch nicht ganz zu Ende, denn den obligaten Blog zur heutigen Etappe sollte ich ja auch noch schreiben.

Fakten Day 1: Strassburg-Sarrebourg
gefahrene Strecke: 78 km
hinauf: 430m
hinunter: 320m

Day 1

Ein Kommentar zu „Day 1: Strasbourg – Sarrebourg (Maas-Tour)

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