Heute bin ich ein bisschen später dran, die letzte Etappe meiner diesjährigen Sommertour ist nicht so weit, so habe ich mir erlaubt, mal ein bisschen länger zu schlafen und später loszufahren.

Heute morgen hole ich das Verpasste des Vortages nach. Ich werfe noch einen Blick auf das römische Theater von Orange, welches ja die Sehenswürdigkeit dieser Stadt ist. Mein Hotel liegt nur unweit dieses monumentalen Baus aus der Römerzeit.

Es ist heute morgen wieder leicht bewölkt, ich bin froh darüber. Schon bald bin ich wieder in der Natur draussen und bin erstaunt, dass die Strasse ziemlich stark ansteigt.

Ich bin nun in der Region von Château-Neuf-du-Pape, in der Gegend eines berühmten Weinbaugebiets. In der Tat „streife“ ich die auf einer Anhöhe gelegene Ortschaft gleichen Namens. Ich vermute, dass die grosse Schlossruine wohl das Schloss eines Papstes von Avignon war und der Ort deshalb so heisst.

Die Fahrt geht nun längere Zeit auf guten Wegen durch Weinberge und führt nun meist leicht abwärts. Unten, wieder in der Rhone-Ebene angekommen, ist schon bald die Agglomeration von Avignon spürbar, ich fahr nun meist auf Velostreifen auf Autostrassen, die in einem schlechten Zustand sind – ein richtiger Flickenteppich mit vielen Unebenheiten, ich muss gut aufpassen, wo ich durchfahre.
Als ich nach ca. 2 Stunden das geschichtsträchtige Avignon erreiche, lasse ich es mir nicht nehmen, mitten durch die Altstadt zu fahren und beim Palais des Papes einen grösseren Kaffeehalt zu machen. Seit längerem höre ich wieder einmal Schweizerdeutsch, Zürichdeutsch genau genommen, ich habe es nicht vermisst.
Es ist schon spürbar, dass aufgrund von COVID weniger ausländische Touristen als sonst die touristischen Hotspots bevölkern. Asiatische Touristen sind zum Beispiel keine zu sehen.

Als ich Avignon verlasse, erblicke ich die alte, nicht mehr vollständig erhaltene Brücke über die Rhone, die wohl der Gegenstand des berühmten französischen Volksliedes «Sur le Pont d’Avignon» ist.
Sur le pont d’Avignon (Lied):
Lied
Sur le pont d’Avignon (Doku):
Film über rekonstruierte Brücke

Die Fahrradroute ist nach Avignon wieder sehr schön und abwechslungsreich. Vor allem die «voies vertes», Radwege auf stillgelegten Bahntrassees, mag ich besonders.

Die Stadt Beaucaire, die ich als nächstes durchfahre, verströmt in eigenartiges Flair. Die Altstadt ist sehr gross, sie wirkt aber ziemlich verlottert und es hat kaum Geschäfte und Leben. Nur eine südamerikanische Hochzeit (bolivianische Indios, vermute ich), in dessen Corso ich gerate, versprüht Lebensfreude.

Das Leben spielt sich am Rande dieser Stadt ab, merke ich wenig später, als ich an den Kanal Rhône-Sète gelange. Hier hat es einige Strassenbistros und es ist belebter als in der Innenstadt. Ein kleines Bistro auf einem ausrangierten kleineren Schiff, weckt meine Aufmerksamkeit – das wäre doch ein schöner Ort für einen kleinen Glace-Halt.

Ein Coupe „pêche melba“ stillt mein Verlangen nach Süssem und lädt meine Batterien wieder auf.
Bis Arles ist es nun nicht mehr weit. Der Wind ist mir heute gnädig gesinnt und gibt mir ordentlich Schub, auch die Hitze ist so einigermassen erträglich.

Um halb Vier bin ich am Ziel meiner Reise; Arles ist erreicht.

Mein Hotel liegt am Rande der Altstadt und ist ein guter Ausgangspunkt zur Erkundung dieser Stadt. Heute bin ich zum Glück früher dran als am Vortag und habe genügend Zeit, nach Dusche und Erholungsnickerchen ein wenig durch die Stadt zu schlendern.

Beim Amphitheater entdecke ich ein kleines Restaurant, das Bio- und Vegiessen anbietet. Genau das Richtige für mich nach dem exzessiven Fleischkonsum in den letzten Tagen, denke ich, und setze mich an einen freien Tisch.

Meine diesjährige Sommertour findet somit auch kulinarisch ein erfreuliches Ende (felix sum). Die Tour selbst war zumeist sehr schön und das Wetter hat fast immer mitgespielt. Die Etappen waren für meine alten Knochen manchmal etwas gar lang, aber Herausforderungen und die Meisterung derselben haben noch nie geschadet. Von Pannen und grösseren Beschwerden bin ich zum Glück verschont geblieben. Vielen Dank für die Rückmeldungen meiner treuen Leserschaft. Es ist schön zu wissen, dass meine Berichte mit Interesse gelesen werden.
Day 8: Orange – Arles
Gefahrene Strecke : 90 km
Fahrzeit: 5 Std. 45
Durchschnittsgeschw.: 15.6 km/h
Bergauf: 160 m
Bergab: 130 m

Day 1-8: Basel – Arles
Gefahrene Strecke : 836 km
