Heute Morgen fahre ich vor Sonnenaufgang los, ich habe eine schwere Etappe vor mir mit vielen Aufstiegen, deshalb scheint es mir vernünftig, schon möglichst früh unterwegs zu sein. Ihr kennt ja unterdessen meine Devise: Der frühe Vogel …
Zuerst fahre ich in Richtung Südosten auf einer Strecke, die ich schon gut kenne. An einer meiner Lieblingsstellen mache ich heute das erste Foto. Der Panoramablick auf die Alpen und die Zürcher-Oberland-Landschaft davor begeistert mich hier immer wieder.

Landschaft bei Oetwil a. See
Wenig später erreiche ich den Lützelsee, ein beliebtes Ausflugsziel und Naturschutzgebiet bei Hombrechtikon. Auf meinen Kurzvelotouren ist er oft Ziel und im Sommer auch herrlich zum Schwimmen. Heute ist er noch in Nebelschwaden gehüllt.

Morgenstimmung am Lützelsee
In der Folge führt mich meine Tour Richtung Rapperswil, welches auch bald aus der Ferne zu erblicken ist:

Rapperswil mit Zürichsee
Als ich mich diesem reizvollen Städtchen nähere, erinnere ich mich daran, dass hier Roger Federer, unser Nationalheld, ein grosses Gründstück mit Seeanstoss erworben hat, auf welchem er eine Villa bauen möchte. Kaum hat sich dieser Gedanke in meinem Kopf ausgebreitet, fahre ich an einer auffällig mit Sichtschutz gesicherten grossen Baustelle vorbei. Ist das Federers neues Grundstück?

Baustelle am See bei Rapperswil (entsteht hier Federers neue Villa?)
Da mich die Sache nicht mehr loslässt, google ich abends „Federer Grundstück Rapperswil“. – Bingo, es ist tatsächlich Federers neues Grundstück. Für Federer-Fans (die gibt’s wie Sand am Meer) hier ein spannender Artikel zum diesem Kauf:
Noch im Ungewissen über diese Sache fahr ich weiter, durchquere Rapperswil und schicke mich an, den Seedamm zu überqueren. Überwältigt vom Blick auf den Zürichsee, halte ich an und möchte ein Foto machen. Da höre ich eine Frauenstimme laut „Achtung“ rufen. Ich kann gerade noch zur Seite springen – eine junge Frau braust mit ihrem Rennrad an mir vorbei.

Zürichsee von Rapperswil aus
Ich geniesse in der Folge die Strecke über den Seedamm. Es hat noch sehr wenig Verkehr und so ist diese gerade und ebene Strecke sehr angenehm zu befahren.
Auf der anderen Seeseite angekommen biege ich nach rechts ab und fahr noch ein Stückchen dem See entlang, bevor ich links abbiege und von nun eine geraume Zeit nur noch aufwärts fahre. Ich befinde mich nun im Kanton Schwyz, dem Steuerparadies.
Bald erreiche ich Wollerau. Dieser Ort ist architektonisch betrachtet keine Schönheit.
Da Wollerau wegen seines tiefen Steuerfusses beliebt ist bei reichen Steuervermeidern , wurde hier in den letzten Jahren wie wild gebaut. Das Resultat sieht man hier:

Wollerau
Ich durchquere diesen Ort – die Autobahn zwängt sich auch noch irgendwie hindurch, aber meist in Tunnels – und bin froh, mich bald wieder in ländlicheren Gefilden zu befinden.
Bis nach Schindellegi geht’s nun mächtig aufwärts, manchmal so steil, dass ich absteige und das Velo schiebe.
In Schindellegi sind auch viele hässliche Neubauten zu sehen, nur bei der Kirche gibt’s noch so etwas wie ländliche Idylle:

Schindellegi
Der kommende Abschnitt bis Biberbrugg ist nicht schön, dafür ist es nun fast wieder eben. Ich fahre zumeist auf einem schmalen Fahrradstreifen neben einer doppelspurigen, ziemlich stark befahrenen autobahnartigen Strasse.
Bei Biberbrugg wird’s zum guten Glück wieder besser. Ich biege rechts ab in eine Strasse, die mit angenehm zu fahrender Steigung zum Raten führt, das ist ein kleiner Pass, der zum Aegerisee führt.

Blick zurück, Hochmoor von Rothenturm (rechts hinten im Bild)
Als ich oben bin (auf 1’077 M.ü.M.) eröffnet sich mir ein neues Panorama mit Blick auf den Ägerisee mit Rigi und Pilatus (zwei berühmte Aussichtsberge) im Hintergrund.

Panoramablick vom Raten aus
Ich mache hier oben eine kurze Rast, esse zwei Riegel und trinke Orangensaft dazu.
Die Abfahrt auf Nebensträsschen hinunter an den Ägerisee ist traumhaft; immer wieder halte ich an und mache ein Foto nach dem anderen und kann mich nun kaum entscheiden, welches ich für diesen Blog verwende.

Ägerisee mit Oberägeri und Unterägeri
Nach Unterägeri folgt ein sehr schönes Teilstück, das entlang der Lorze führt, so heisst der Fluss, der aus dem Ägerisee abfliesst.

Lorze oberhalb von Baar
In diesem Teilstück befinden sich die berühmten Höllgrotten, die man unbedingt einmal besucht haben muss – momentan sind sie aber leider coronabedingt geschlossen.
Verwegen wie ich bin, suche und finde ich aber einen geheimen Eingang und mache zum Beweis dieses tolle Bild:

Höllgrotten bei Baar
Natürlich habe ich ein bisschen geflunkert. Das Bild stammt von einem Besuch im Jahre 2013.
Die Lorze fliesst weiter unten durch die Ortschaft Baar und dort, gerade neben dem Fahrradweg, wohnt ein Studienfreund aus alten Zeiten. Er ist zuhause und so statte ich ihm und seiner Frau einen kurzen Besuch ab. Es ist schön, sich so spontan zu sehen und miteinander plaudern zu können.

Paul und Cornelia
Gestärkt durch ein alkoholfreies Bier breche ich nach gut einer halben Stunde wieder auf, ich habe ja immer noch ein rechtes Stück vor mir.
Auf ziemlich ebener, aber nicht sehr attraktiver Strecke geht’s nun weiter bis Sihlbrugg. Dort erwartet mich eine happige Steigung, ein ziemlich hoher Hügelzug muss überwunden werden.
Ich gerate nun in ein Stück „Kuhschweiz“ hinein, und damit wie in eine vergangene, idyllische Zeit mit verstreuten Bauernhöfen und Kuhweiden.

Blick auf die Höhi bei Sihlbrugg
Auf der Höhi angelangt bietet sich mir ein wunderbarer Rundblick. Ein weiterer See gerät dabei in mein Blickfeld: Der Zugersee.

Blick von der Höhi, mit Zugersee (rechts hinten im Bild)
Auf die Aufstiegsstrapazen folgt eine lange Abfahrt bis hinunter nach Horgen.

Blick auf den Zürichsee (oberhalb von Horgen aufgenommen)
Bald bin ich unten bei der Fähre, die mich auf die andere Seeseite bringen soll. Da wegen Corona der Fährenfahrplan aber ausgedünnt wurde, habe ich beim Warten Zeit, mir eine Bratwurst zu gönnen. Mmm, sie schmeckt lecker, und ich habe einen Riesenhunger, merke ich.
Die Fahrt über den Zürichsee ist immer wieder ein Highlight, besonders bei diesem wunderbaren Wetter.

Auf dem Zürichsee
Die Fähre steuert Meilen an. Im Hintegrund sieht man den Pfannestil, das letzte Hindernis, das ich heute überwinden muss.

Meilen mit Pfannenstil
Es ist inzwischen heiss geworden und ich muss meine letzten Reserven anzapfen, damit ich diese Steigung auch noch schaffe. Aber ich bin zäh und quäle mich mit letzter Kraft über diesen Berg, und so sehe ich bald schon Egg vor mir und werde bald zuhause sein.

Blick auf Egg (ZH)
Eine abwechslungsreiche, aber auch anstrengende Etappe geht damit zu Ende.
C-Tour 3: Raten und Aegerisee
06:57 Fahrzeit
80,4 km gefahrene Strecke
11,6 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit (so langsam?)
1’710 m hinauf (das ist ziemlich happig, erklärt die Frage oben)
1’710 m hinab

Es ist immer wieder interessant solch Streckenbeschreibungen und deren Bilder zu sehen und davon zu lesen: 2012 bin ich auf dem Jakobsweg durch die Scweiz geradelt und dabei in Rapperswil gelandet . Ich habe in der dortigen Pilgerherberge freundliche Aufnahme gefunden und habe schöne Erinnerungen an diesen Ort, den Zürchersee und an die Gastfreundlichkeit , die ich erleben durfte! Herzliche Grüße in die Schweiz!
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Hallo deingruenerdaumen
Danke für die Rückmeldung. Bist du bis Santiago de Compostela geradelt? Das würde ich nämlich auch mal gerne tun…
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Ja, ich habe in Österreich an meinem Heimatort begonnen und bin bis Santiago geradelt. Einzige Ausnahme war die Strecke Sankt Anton am Arlberg bis Feldkirch. Auf anraten meiner Zimmerwirtin fuhr ich sie mit dem Zug. Liebe Grüße !
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