D2: Piacenza-Sabbioneta (Po-Ebene-Tour)

Als ich am morgens um 7.30 Uhr aus meinem Hotelfenster blicke, sehe ich, dass mich wieder ein schöner Tag erwartet.

Morgenstimmung in Piacenza

Ich staune, wie ruhig es ist im Zentrum dieser doch ziemlich grossen Stadt (100’000 Einwohner), als ich um ca. halb neun losfahre. Bald schon befinde ich mich auf dem Deich, der vor Hochwasser schützt, gleichzeitig aber meist meine heutige Fahrradroute ist.

Fahrradweg auf Deich

Selten ist der Po in Sichtweite. Als es wieder einmal soweit ist, mach ich eine Foto.

Po in der Nähe von Piacenza

Als ich bei einer Abzweigung unsicher bin, auf welchem Weg es weiter geht, kommen zwei ältere Herren herbei und halten mich davon ab, auf der Komoot-Route weiterzufahren, da diese über die Felder führen würde. Ich bin froh um den Tipp und fahre auf guten Strassen einen kleinen Umweg.

Wenig später ist meine Fahrradroute aber abgesperrt – Bauarbeiten sind  der Grund. Da ich aber keine alternative Route finde, zwänge ich mich an der Absperrung vorbei – niemand hat’s gesehen…

Bauarbeiten auf der Fahrradroute

Das ganze ist aber nicht so dramatisch: nach ca. 100m kann ich wieder normal weiterfahren. Als die Fahrradroute sich ausnahmsweise wieder dem Po nähert, fahr ich ans Ufer runter und schau ein wenig den Fischern zu.

Fischer am Po

Kurz nach 11 Uhr treffe ich in Cremona ein. Ich bin gespannt auf diese Stadt, in der ich noch nie war. Sie ist ja bekannt als Geigenbauerstadt, in der Stradivari und andere berühmte Geigenbauer gewirkt haben.

Schon von weitem ist der hohe Turm des Doms zu erblicken. Als ich nah genug bin, mache ich ein Foto von diesem imposanten Bauwerk (Der Turm war mit seinen 112 m lange Zeit der höchste Turm Italiens).

Torre del Duomo und Piazza Stradivari, Cremona

Ich schlendere ein wenig im Zentrum dieser sehenswerten Stadt herum und suche ein Restaurant. Ich bin ziemlich hungrig, da ich am heutigen Tag noch kaum etwas gegessen habe. Im Restaurant del Duomo ist schon aufgetischt. Ich habe Glück und bekomme einen Tisch mit wunderbarem Ausblick.

Mittagessen in Cremona mit Blick auf die Fassade des Doms

Die Fassade des Doms ist sehr interessant: eigentlich romanisch, aber mit Renaissance- und Gotikelementen, wie ich mich durch wikipedia belehren lasse.

Die Fahrradroute führt mich nach diesem schönen Abstecher wieder auf die Po-Deiche. Ich bin sehr zufrieden mit der Route und der Qualität der Fahrradwege. Es sind nun auch ziemlich viele Velofahrer unterwegs, aber keine Tourenfahrer so wie ich.

kleines Dorf am Fahrradweg

Es sind vor allem ältere Herren unterwegs mit Rennrad. Einige im Rudel, andere alleine.

Ein Velofahrer, der mich überholt, verlangsamt seine Fahrt und möchte mit mir ins Gespräch kommen. Das Interesse freut mich – es ist aber gar nicht so einfach miteinander zu kommunizieren, ich versteh nur etwa 50% von dem, was er mir erzählt und zu sprechen fällt mir auch nicht leicht. Immerhin fahren wir wohl fast eine halbe Stunde miteinander und plaudern über dies und das.

Carlo von Casalmaggiore

Bevor er sich von mir verabschiedet zeigt er mir noch ein wenig seinen Wohnort Casalmaggiore, ein kleines Städtchen direkt am Po – der einzige Ort neben Turin, welcher so nahe am Fluss liege, wie er mir versichert.

Piazza von Casalmaggiore.

In diesem Städtchen verlasse ich den Po-Radweg, denn mein Zielort Sabbioneta liegt ein bisschen vom Fluss entfernt.

Um ca. 16.30 Uhr erreiche ich nach genau 100 km mein Ziel. Sabbioneta ist ein schmucke kleine Renaissance-Stadt, welche ins Unesco-Kulturerbe aufgenommen wurde. Ausser der Chilbi ist aber nicht so viel los an diesem Tag.

Piazza Ducale, Sabbioneta

Nach dem Einchecken in meiner Unterkunft (B&B-Style), erkunde ich noch ein wenig das Städtchen und entdecke dabei die Galleria, ein erstaunliches Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert, das nicht einen wirklichen Zweck erfüllte.

Galleria di Sabbioneta

Leider öffnet das einzige wirkliche Restaurant erst um 19.30, so dass ich mich auf der Piazza in einer Bar von Bier und Chips ernähre und dabei an meinem Blog schreibe.

Ein bisschen beduselt mache ich mich im Dunklen auf den Heimweg in meine Unterkunft.

Fakten Etappe 2 Piacenza-Sabbioneta
Gefahrene Strecke: 100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.5 km/h
Übernachtung im B&B da Nina

D1 Mailand-Piacenza (Po-Ebene-Tour)

Heute beginnt meine Herbstfahrradtour. Sie startet in Mailand, das ich am Vorabend per Zug erreicht hatte. Das Hotel, in dem ich übernachtetete, liegt nahe beim Dom, so dass ich zu Beginn meiner Tour dieses berühmte Bauwerk im Morgenlicht fotografisch festhalte.

Dom von Mailand

Es herrscht schon viel Betrieb heute morgen in dieser Grossstadt. Ich muss aufpassen, dass nichts passiert. Die Italiener halten sich nämlich nicht so gerne an Verkehrsregeln. Es kommen mir sogar Velofahrer entgegen, die eigentlich auf der anderen Seite der Strasse fahren müssten. Aber immerhin gibt es Velofahrer; das hatte ich gar nicht erwartet.

Mailand am Morgen

Nach etwa 45 Minuten komme ich ins Grüne und verlasse Mailand. Ich bin sehr froh, dass mich Komoot auf einen Fahrradweg entlang eines Kanals (oder Flusses) lotst. Das Wetter ist angenehm; es hat ca. 15 Grad und die Sonne zeigt sich schon.

Fahrradweg Richtung Pavia

Die Fahrradroute ist zu Beginn perfekt. Den Wassermangel spürt man aber auch hier; an manchen Stellen führt der Kanal kein Wasser mehr

Kanal ohne Wasser

Als der Kanal später wieder Wasser führt, sitzen einige Fischer am Wasser und werfen ihre Angeln aus. Ob es in dieser Brühe wohl Fische hat, frage ich mich. Tatsächlich erspähe ich wenig später einige grosse Exemplare. Aber sind die wirklich geniessbar?

Die erste grössere Stadt, die ich nach ca. 35 km erreiche, heisst Pavia. Ich fahre ins Zentrum dieser ausserordentlich schönen Stadt und lasse mich in einem Café nieder.

Pavia

Ich bestelle einen Capuccino und ein Brioche (mit viel Nutella). Der Preis erstaunt mich: ich zahle tatsächlich nur 2.70 Euro für beides.

Capuccino und Brioche in Pavia

Nach dieser kleinen Stärkung mache ich mich wieder auf und freue mich, dass grosse Teile der belebten Innenstadt autofrei sind; das ist wirklich vorbildlich!

Als ich in der Folge einen grössere Ortschaft erreiche, suche ich ein Restaurant, finde aber keines. Dafür gibt’s unzählige Cafés und Bars. Etwas enttäuscht fahre ich weiter – zur Not habe ich ja noch Nüsse und Darwidas – und abnehmen sollte ich ja auch! Ob das gelingt in Italien?

Meist auf Nebenstrasse fahrend komme ich in der Folge gut vorwärts. Erst als ich auf einem Damm eine Naturstrasse vorfinde, geht’s ein bisschen langsamer weiter.

Fahrradweg auf Po-Damm

Den Po, den Namensgeber meiner Tour, habe ich bis jetzt nicht erblickt. Erst als ich auf einer Brücke diesen Fluss überquere, denke ich, dass ich nun auf dem Po-Radweg bin. Auf dieser Brücke hat es aber soviel Verkehr und keinen Radstreifen, dass ich mich nicht getraue anzuhalten, um eine Foto zu schiessen.

Wenig später frage ich mich, ob ich wirklich auf der Po-Radroute bin, denn ich stehe plötzlich vor einem Feldweg, der mitten durch einen Acker führt.

Bin ich auf dem richtigen Weg?

Ich kämpfe mich langsam vorwärts, das (Schwemm)holz auf dem Weg deutet darauf hin, dass ich mich wohl auf Schwemmland des Pos befinde.

Ca. eine Viertelstunde später fahre ich an einer Tafel vorbei, die anzeigt, dass hier der Po-Radweg durchführt. Der Zustand dieser Tafeln wirft aber Fragen auf!!!

Auf dem Po-Radweg.

Wenig später wird’s wieder abenteuerlich – der Weg scheint zu enden – und erneut zweifle ich daran, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Ich fahre neben einer Farm vorbei, in der wohl weit über 100 Kühe gehalten werden; es riecht stark nach Kuhmist und die Haltung dieser Kühe wirkt nicht sehr tierfreundlich. Was für ein Kontrast zu den Schweizer Kühen auf Alpweiden im Berner Oberland, die ich in der Vorwoche bestaunen durfte!

Kuhfarm (Bauernhof klingt zu idyllisch!)

Nach diesem Abschnitt komme ich in der Folge auf eine ziemlich stark befahrene Hauptstrasse; das ist nicht so schön, aber immerhin komme ich nun zügig vorwärts.

Zum guten Glück gibt’s nach etwa 5 km einen Fahrradstreifen, der etwas Schutz bietet vor den grossen Camions. Kurz vor Piacenza, meinem Etappenziel, wird die Trebbia angekündigt, die ich auf einer Brück überquere. Der Fluss führt aber überhaupt kein Wasser – die Trockenheit in der Po-Ebene scheint noch nicht vorbei zu sein.

Brücke über die Trebbia (Wo ist sie geblieben?)

Etwa um 15.30 Uhr erreiche ich das Ortsschild von Piacenza. Ich fahre aber noch weitere 5 Km, bis ich in die Innenstadt komme.

Piacenza

Wie angekündigt, erreiche ich um 16.00 Uhr meine Unterkunft. Die Hausherrin erwartet mich schon und zeigt mir in der Folge mein ausserordentlich schönes Zimmer. Für die «digitale» Dusche gibt sie mir Instruktionen – ich bin froh drum…

Modernes Badezimmer im ANTICA PIACENZA

Nach der wohligen Dusche mache ich mich auf zur Erkundung des Stadtzentrums, das nur wenige Schritte von der Unterkunft liegt.

Domplatz von Piacenza

An diesem Platz finde ich eine Bar, wo ich etwas zu essen bekomme. Ein Lachsburger mit Salat; mal was anderes und sicher gesund.

Nachtessen

Zufrieden schlendere ich nach dem Corretto con Grappa zu meiner Unterkunft zurück. Ich bin froh, dass ich meinen ersten Tourtag ohne Probleme gemeistert habe.

Fakten Etappe 1: Mailand-Piacenza
Gefahrene Strecke: 98 km
Durchschnittsgeschw.: 14.9 km/h
Übernachtung im ANTICA PIACENZA

Day 7: Avendorf – Oldenburg Holst. (Dänemark-Tour)

Die letzte Etappe meiner Dänemarktour wird komplett auf deutschem Boden sein. Schon bald nach meinem Start ca. um 9 Uhr erblicke ich die Fehmarnsundbrücke, die die Insel Fehmarn mit dem deutschen Festland verbindet.

Fehmarnsundbrücke

Bald schon befinde ich mich auf dieser imposanten Brücke und habe von dort einen tollen Ausblick:

Blick von der Fehmarnsundbrücke Richtung Festland

In der Folge fahre ich weiter auf dem Ostsee-Küsten-Radweg, der sich meist in Küstennähe befindet.

Der Weg führt mich über eine weitere Brücke, die ich achtlos überquert hätte, wenn nicht ein Schild über deren Bedeutung hingewiesen hätte.

Bogenbrücke aus dem 16. Jahrhundert

Es handelt sich nämlich um eine historisch Bogenbrücke aus dem 16. jahrhundert, die vor kurzem renoviert wurde und auf der damaligen „Hauptstrasse“ nach Fehmarn lag.

Bald erblicke ich wieder das Meer.

Auf dem Ostsee-Küsten-Radweg

Wenig später als der Radweg hinter der Düne verläuft, überquert vor mir plötzlich ein älterer nackter Mann den Radweg – dann noch einer und noch einer. Was ist denn hier los? Des Rätsels Lösung: Ich durchquere ein FKK-Gebiet.
Der Strand ist hier unendlich. Bei Dahme, einem Touristenort, wage ich mich mit meinem Fahrrad auf den Strandweg gleich oberhalb des Strandes und werde von dem kleinen Knirps in der Bildmitte zurechtgewiesen: «Hier ist Fahrradfahren verboten».

Am Strand von Dahme

Als ich wenig später bei einem schön gelegenen Restaurant vorbeifahre, kann ich nicht widerstehen und setze mich an ein schattiges Plätzchen auf der Gartenterrasse. Es ist sehr heiss heute, wohl fast 30 Grad warm, und deshalb bin ich froh um das kühlende Lüftchen, das mich hier umweht.

Mittagessen in der Nähe von Kellenhusen

Auf meiner Weiterfahrt komme ich bald nach Grömitz. Hier soll sich der schönste Ostseestrand befinden. Tatsächlich tummeln sich hier die Leute zu Hunderten (wenn nicht Tausenden) am Strand und lassen sich von der Sonne grillieren oder vergnügen sich im Wasser.

Strand von Grömitz

Bald fahre ich wieder weiter, verlasse den Ostsee-Küsten-Radweg und drehe nach rechts ab Richtung Oldenburg, welches mein letztes Etappenziel dieser Tour sein wird.

In der Nähe von Grömitz

Die heutige Etappe ist auch wieder ziemlich kurz für meine Verhältnisse. Ich bin froh, darüber denn die Hitze und der Gegenwind machen mir doch ein bisschen zu schaffen. So bin ich froh, schon um 16 Uhr an meinem Etappenziel zu landen, einem Landgasthof etwas ausserhalb von Oldenburg.

Ankunft im Landhotel Teichwiesenhof

Es ist herrlich ruhig hier und draussen vor meinem Zimmer schreibe ich nach einem Nickerchen und als es ein wenig kühler ist, meinen Blog der heutigen Etappe. Auf ein Nachtessen verzichte ich heute, es gibt kein Restaurant hier, dafür aber Bier, welches wunderbar passt zu meiner Notration, den Darvidas mit Käsegeschmack.

Abendstimmung beim Landhotel Teichwiesenhof

Eine tolle Tour findet damit ihren Abschluss. Es war sehr schön, Dänemark, ein Land das ich bisher nicht kannte, zu entdecken. Zum Glück war das Wetter fast immer perfekt, ich hatte kaum Regen, und auch die Temperaturen waren fast immer sehr angenehm zum Fahrradfahren. Das meist flache Gelände kam mir älterem Semester auch entgegen. Meine Etappen waren zu Beginn ein wenig zu ambitiös, was sich dann auch in Knie- und Beinschmerzen manifestierte. Glücklicherweise besserten sich diese im Laufe der Tour wieder.

Etappenplan Dänemarktour Sommer 2022

Vielen Dank für das Lesen meines Blogs, die Likes und die netten Rückmeldungen. Sogar mit einem Gedicht wurde meine Dänemarktour gewürdigt (siehe Nebenspalte), ein besonderes Dankeschön auch dafür.

Ich werde mich als Blogschreiber wieder von meiner Herbsttour melden, die mich wahrscheinlich nach Italien führen wird.

Fakten Etappe 7: Avendorf – Oldenburg Holst.
Gefahrene Strecke: 67 km
Übernachtung im Landhotel Teichwiesenhof, Johannisdorf bei Oldenburg Holst.

Etappe 7: Avendorf – Oldenburg Holst.

Day 6: Maribo – Avendorf (Dänemark-Tour)

Der heutige beginnt gemütlich und wird auch gemütlich werden. Ich habe keine Eile, denn die heutige Etappe ist mit ca. 75 km die kürzeste meiner Dänemark-Tour.
Nach etwas enttäuschendem Frühstück verlasse ich das schön gelegene Hotel in Maribo um ca. 9 Uhr.

Es ist ein herrlicher Tag heute und schon angenehm warm. Die Strecke verläuft auf oder neben wenig befahrenen Nebenstrassen durch ländlich geprägte Landschaften.

Landschaft bei Maribo

Nach ca. 15 km gibt’s die erste Pause. Brombeeren am Strassenrand fallen mir fast in den Mund, da muss ich doch einen kurzen Halt machen.

Brombeerhalt

Mein erstes Ziel ist der Hafen von Rødby. Von hier aus setzen die grossen Fähren nach Fehmarn (Deutschland) über. Als ich am Hafen ankomme, reihe ich mich bei den wartenden Autos vor den Zahlstationen ein, für Velos gibt’s natürlich mal wieder keine genaueren Angaben wo, also nehme ich die Spur für die Motorräder. Dort kann ich problemlos ein Ticket für die nächste Fähre lösen und mich anschliessend zu den wartenden Autos, Lastwagen (u.a. solche mit lebenden Schweinen) und Motorräder gesellen. Ich bin der einzige Fahrradfahrer, der auf die Überfahrt wartet.

Warten auf die Fähre

Als die Fahrzeuge endlich auf die Fähre fahren dürfen, muss ich warten bis am Schluss – und das macht mich fast ein bisschen kribbelig. Aber ich werde nicht vergessen und darf als allerletzter auf die Fähre.

in der Fähre

Die Überfahrt ist herrlich, nebst Restaurants und Shops hat es viele Bereiche auf dem Oberdeck im Freien, wo man eine fantastische Sicht hat.

Überfahrt nach Puttgarden

Die Überfahrt dauert ingesamt eine knappe Stunde und als ich wieder ins Parkdeck komme stinkt es hier nach Schweinestall – aha, die ca. 150 Schweine mussten auch mal.

Wenig später betrete ich wieder deutschen Boden. Ich nehme aber nicht den direktesten Weg zu meinem Hotel in Avendorf, sondern fahre entlang der Nord- und Ostküste der Insel Fehmarn. Das ist ein guter Entscheid, denn es folgt einer der schönsten Abschnitte meiner diesjährigen Sommertour. Der Fahrradweg führt meist auf einem Deich neben einem wunderbaren Sandstrand mit Blick auf das tiefblaue Meer. Die Freude an diesem wunderbaren Ausblick wird einzig ein bisschen durch die grosse Anzahl von Fahrradfahrern auf diesem Abschnitt getrübt.

An der Nordküste der Insel Fehmarn

Kilometerlang geht es diesem Strand entlang. Zur linken befinden sich dabei oft Campingplätze – kein Wunder, denn hier ist es wirklich sehr schön – und die Natur wird hier respektiert, habe ich das Gefühl.

Ein kleines Gartenrestaurant am Weg lockt mich zum Anhalten. Ich bereue es nicht, denn es gibt hier wunderbaren, selbstgemachten Kartoffelsalat.

Kartoffelsalat mit Frankfurter Würstchen

Wenig später entgegnen mir Lamas:

Kinderprogramm mit Lamas

An der Westküste von Fehmarn ist es auch schön und ich wage es hier für einmal fahrenderweise die Landschaft zu filmen:

An der Westküste von Fehmarn

Der heutige Tag ist zum Geniessen und weil die Strecke so kurz war, komme ich schon um 15.30 Uhr in meinem vor langer Zeit gebuchten Hotel an.
Nach Dusche und kurzer Siesta mache ich mich in das nahegelegene italienische Restaurant auf. Ein Wunder, dass es in diesem kleinen Nest überhaupt ein gastronomisches Angebot hat. Dort bestelle ich Spaghetti Bolognese und einen gemischten Salat und geniesse es draussen im Garten zu sein. Den Dessert, ein hausgemachtes Haselnusseis, nehme ich drinnen zum mir, da es inzwischen leicht zu regnen begonnen hat. Ich wechsle ein paar Worte mit dem netten Wirt, der Grieche ist und Angst hat, dass sein Restaurant wahrscheinlich bald einer Grossüberbauung weichen muss.

Dessert in der Pizzeria von Avendorf

Ein wunderbarer Tag neigt sich dem Ende zu. Auch meine Tour endet bald, denn morgen steht meine letzte Etappe der diesjährigen Sommertour auf dem Programm.

Fakten Etappe 6: Maribo – Avendorf (Fehmarn)
Gefahrene Strecke: 77km (inkl. knapp 20km Fährenüberfahrt)
Übernachtung im Hotel Sonneninsel, Avendorf

Etappe 6: Maribo – Avendorf (Fehmarn)

Day 5: Rødvig – Maribo (Dänemark-Tour)

Als ich um halb sieben aufstehe, ist es trüb und es regnet ein bisschen. Natürlich bin ich auf diese Situation vorbereitet und ich montiere meine Regenklamotten bevor ich zu meiner 5. Etappe aufbreche. Es ist erstaunlich windstill an diesem grauen Morgen und ich bin froh, dass der Regen gerade aufhört, als ich losfahre.

Nach ca. einer Viertelstunde Fahrzeit staune ich über einen Cellokasten, der an einen Baum neben der Strasse angebunden ist. Hat da jemand sein Instrument an den Baum statt an den Nagel gehängt?

Cellokasten am Strassenrand bei Rodvig

Das Rätsel löst sich schnell auf: Auf dem Schild am Häuschen zur Linken kann ich lesen, dass hier die „Scandinavian Cello School“ von Jacob Shaw beheimatet ist. Es ist interessant, hier mitten im Nirgendwo eine Cello-Schule vorzufinden; und ich erinnere mich nun, dass ich inmitten der Corona-Zeit in der NZZ einen Artikel gelesen hatte über Cellisten, die in Dänemark Konzerte vor Kühen gegeben hatten. Und voilà – das waren genau die Cellisten dieser Schule, wie man in verschiedenen Online-Zeitungen immer noch lesen kann:

https://www.sueddeutsche.de/panorama/bester-dinge-konzert-kuehe-cello-1.5286766

Ein schöne Geschichte, über die ich schmunzeln muss.

Etwas weiter merke ich, dass ich plötzlich sehr nahe beim Meer bin und als ich vom Velo steige und ein paar Schritte mache, entdecke ich einen schönen Sandstrand.

Sandstrand zwischen Rødvig und Faxe Ladeplads

Nach ca. 20km passiere ich den ersten grösseren Ort, der Faxe Ladeplads heisst. Lustiger Name, der mich an „Wiki und die starken Männer“ aber auch an meine Jugend erinnert, in der mich einige Jugendfreunde „Faxe“ nannten. – Aber das ist schon lange her.

Gerade als ich über eine Znüni-Pause nachdenke, lachen mich wilde Pflaumen am Wegrand an – ich kann nicht widerstehen und geniesse die kleinen, aber wohlschmeckenden Früchte.

wilde Pflaumen zum Znüni

Es ist übrigens erstaunlich, wie viele dieser Wildpflaumenbäume (auch mit gelben und violett-blauen Früchten) man hier in Dänemark vorfindet – in der Schweiz z.B. gibt es meines Wissens keine Wildpflaumen.

Nach Praesto, eine Ortschaft die ich nur streife, fällt mir ein Schild ins Auge, bei dem ich über die dänische Sprache schmunzeln muss. Und ausnahmsweise verstehe ich das Angepriesene:

Blomster selvpluk

Die Kirche rechts im Bild, die „Skibinge Kirke“, ist eine bedeutsame Kirche, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen und deshalb auch Etappenort des sogenannten Mönchswegs ist. Der Mönchsweg (www.munkevejen.dk) ist ein Radfernweg, der in Hamburg beginnt und in Roskilde endet und die Christianisierung Dänemarks nachzeichnet.

Nach diesen historisch interessanten Fakten widme ich mich im Folgenden eher wieder weltlichen Bedürfnissen, denn ein Hüngerchen, das befriedigt werden will, beginnt sich immer heftiger anzumelden. Ein Café in der Ortschaft Vordingborg kommt deshalb gerade zur rechten Zeit. Von der imposanten nur auf dänisch verfügbaren Speisekarte wähle ich den „Tigersalat“, dessen Zutaten ich zumeist erraten kann.

Tigersalat in Vordingbord

Als mir der Salat serviert wird, stelle ich aber mit Schrecken fest, dass Shrimps der Hauptbestandteil des Salats sind. Ich bin ja eher konservativ, was das Essen anbelangt, und Meeresfrüchte gehören in der Regel zu den Speisen, um die ich einen Bogen mache. Der Salat schmeckt aber vorzüglich und ich esse fast alle Shrimps auf.

Der Himmel hat sich in der Zwischenzeit aufgeklart und ich geniesse wieder Sonnenschein und blauen Himmel.
Nach Vordingbord gelange ich in der Folge auf die kleine Insel Masnedo. Von hier aus erblicke ich eine imposante Brücke, die zur grossen Insel Falster führt.

Brücke nach Falster

Die Brücke ist über 3km lang und wurde in den dreissiger Jahren erbaut.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Storstr%C3%B8msbroen)
Mein Weg führt über diese Brücke. Die Durchfahrt ist ziemlich abenteuerlich, da es heftig windet und ich das Gefühl habe, Brille und Helm könnte der Wind mitreissen. Aber die Sicht von der Brücke aus ist fantastisch.

Blick von der Storstrømsbroen

Da diese Brücke schon ziemlich baufällig ist, wird eine neue Brücke gebaut. Erste Arbeiten mitten im Meer sind dabei erkennbar.

Dies Insel Falster ist sehr von der Landwirtschaft geprägt aber wenig besiedelt. Ich überquere sie an ihrem nordwestlichem Rand und bin schon bald auf der Nachbarinsel Lolland, auf der mein heutiges Etappenziel liegt.

In Sakskobing lege ich eine Kaffeepause ein, denn ich bin gut vorwärts gekommen heute und habe keine Eile.

Sakskobing

Der letzte Abschnitt führt entlang einer wenig befahrenen Strasse nach Maribo.

Zwischen Sakskobing und Maribo

Um viertel vor fünf erreiche ich mein Etappenziel Maribo und stehe erstaunt vor meinem Hotel.

Hotel Søpark in Maribo

Nach dem Einchecken versorge ich mein Fahrrad in der gedeckten Garage und finde dort eine „Flugzeugbestuhlung“ der anderen Art vor:

alternative Flugzeugbestuhlung

Das Schnmunzeln geht weiter als ich das Zimmer betrete:

zum Schmunzeln

Toll ist die Terrasse des Hotels. Hier verbringe ich den Grossteil des Abends und schreibe an meinem Blog.

B&B (Bier u. Blog)

Gegessen haben ich noch nichts, aber Bier soll ja gleichzeitig Getränk und Mahlzeit sein.

Fakten Etappe 5: Rødvig – Maribo
Gefahrene Strecke: 100km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.8 km/h
Übernachtung im Hotel Søpark, Maribo

Etappe 5: Rødvig – Maribo

Day 4: Kopenhagen – Rødvig (Dänemarktour)

Heute morgen nehme ich es gemütlich. Bis ich endlich losfahre ist es schon viertel nach neun. Aber das macht nichts, denn die heutige Etappe ist mit knapp 80km ziemlich kurz. Die erste halbe Stunde fahre ich durch die breiten Boulevards von Kopenhagen mit ihren tollen Velowegen. Ein Haus mit optisch täuschender Malerei erregt meine Aufmerksamkeit. Und sie ist wirklich unglaublich gut gemacht.

optische Täuschung in Kopenhagen

Es ist ein friedlicher Sonntagmorgen und es hat kaum Verkehr.

Die Fahrradroute führt mich in der Folge einer Küstenstrasse entlang, von der aus ich aber kaum Meersicht habe, weil der Küstenstreifen hier meist bebaut ist – wohl mit Ferienhäuschen.
Als ich einmal freie Sicht habe, mache ich eine Foto.

Küstenstrasse südwestlich von Kopenhagen

Da im Laufe des Tages der Verkehr immer mehr zugenommen hat, bin ich froh, dass bei Køge, einem hübschen kleinen Städtlein, meine Route auf eine weniger befahrene Strasse abbiegt.

Køge

Die Strecke nach Køge führt mich durch einen Wald. Das ist ziemlich aussergewöhnlich, da das Land sonst ziemlich waldarm ist.

Fahrradroute bei Køge

Als ich wenig später einen schönen Rastplatz am Meer entdecke, entschliesse ich mich dazu, hier meinen Mittagshalt zu machen. Das Plätzchen liegt im Schatten und es ist fast ein bisschen kühl deshalb.

Mittagshalt in Stroby Egede

Die letzten 25 Km der heutigen Etappe sind wunderbar; nur der starke Gegenwind ist manchmal ein bisschen lästig.
Ein auffällig grosser Gutshof mit Schloss erregt meine Aufmerksamkeit. Er ist privat, ich kann aber von aussen trotzdem ein tolles Foto machen.

Gjorslev Gods

Mit dem Dänisch auf der Infotafel bin ich ein wenig überfordert. Vielleicht gibt es ja Dänisch-Kenner, die die Infos übersetzen können. Dänisch ist schon ein sehr spezielle Sprache; es klingt ein bisschen wie holländisch – mit dem Unterschied, dass man rein gar nichts versteht. Ein Dänin selbst sagte mir, dass Dänisch eine „crazy language“ sei.

Infotafel bei Gjorslev Gods

Abends finde ich heraus, dass dies ein bedeutendes mittelalterliches Schloss mit gotischer Architektur ist.

Auch landschaftlich ist die Gegend hier äusserst reizvoll und die Gerstenfelder mit ihrer schönen Gelbfarbe sind ein besonders schönes Sujet.

Gerstenfeld in der Nähe von Gjorslev Gods

Die letzten Kilometer sind zum Geniessen und schon bald erreiche ich das heutige Etappenziel Rødvig.

Meerblick bei Rødvig

Das Hotel, das ich gebucht habe, gefällt mir. Hier suchen ältere Leute nach Ruhe – als ich das schreibe, merke ich, dass ich auch schon bald zu den älteren Leuten gehöre, deshalb gefällt es mir hier wohl so sehr.
Von meinem hübschen kleinen Zimmer mit Sitzplatz habe ich Meerblick. Einige Untentwegte tummeln sich im Wasser, das wohl nicht so warm sein wird.

Mein Zimmer im Hotel Klinten in Rørvig

Im hoteleigenen Restaurant darf ich um 20 Uhr dinieren; das trifft sich gut, so kann ich das Frauen-Fussball-EM-Finalspiel schauen, das um 18 Uhr beginnt.

Mit einem feinen Nachtessen endet ein Tag der gemütlicheren Sorte. Aber das hatte ich gerade gebraucht.

Fakten Etappe 4: Kopenhagen – Rørvig
Gefahrene Strecke: 78 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.5 km/h
Übernachtung im Hotel Klinten, Rørvig

Etappe 4: Kopenhagen – Rørvig

Day 3: Aarhus – Kopenhagen (Dänemark-Tour)

Nach schlechtem Schlaf – ein wummernder Bass eines nahegelegenen Partylokals, der bis 03.00 Uhr dröhnte und der mich am Schlaf hinderte – stehe ich heute schon um 6 Uhr auf, denn ich sollte um 08.15 Uhr die Fähre nach Seeland erwischen. Beim Frühstück erscheine ich als erster an diesem Samstagmorgen. Der Frühstücksraum ist das Beste an diesem Hotel; er befindet sich im 10. Stock mit dementsprechender Aussicht, mit Blick auf Meer und die Hafenanlagen von Aarhus.

Blick auf Meer und Hafenanlagen bei Aarhus

Um 7.30 Uhr fahr ich zum Hafen, wo die Fähre nach Seeland fährt. Es sind fast 5 km und ich brauche eine gute Viertelstunde. Als ich dort ankomme, weiss ich gar nicht so recht, wo ich mit meinem Velo durchfahren muss. Dass die Beschilderung nur auf dänisch ist, ist auch keine Hilfe. Ich versuche es beim Fussgängerzugang und fahr mit meinem Velo einen Lift hoch, worauf ich über eine Gangway direkt zur Fähre gelange und dort mit meinem Velo mitten in den Passagierraum gelange. War das wirklich so gemeint mit den Velos? Ein Matrose, der später vorbeikommt, guckt ein wenig komisch und sagt, es sei nicht normal, aber ok.

Beladen der Fähre nach Seeland

Pünktlich um 8.30 Uhr fährt die Fähre ab. Ich staune, wie schnell sie fährt, Sie erreicht fast 70km/h. Kein Wunder, dass Gischt aufschäumt und die Leute, die sich hinten im Aussenbereich aufhalten, eingenebelt werden.

In voller Fahrt

Unterwegs kreuzt uns eine Fähre gleichen Bautyps.

Fähre in der Gegenrichtung

Nach ca. 70 km Fahrt über das Meer erreichen wir ein lange, schmale Landzunge, an deren äusserstem Ende die Fähre anlegt. Hier startet nun meine Fahrradetappe, die mich bis Kopenhagen führen soll.

Der heutige Tag ist sonnig und ziemlich warm, aber angenehm zum Fahrradfahren. Oft sehe ich nun das Meer, entweder zu meiner Linken oder auch zu meiner Rechten.

Blick auf das Meer

In dieser Region fahre ich auch an Pflanzen-Kulturen vorbei, die ich nicht sofort erkenne. Beim Nähertreten merke ich, dass hier Cassis-Beeren kultiviert werden – was für eine Überraschung.

Cassis-Kulturen

Ich habe heute kein Glück mit dem Wind, er kommt von Süden und ich fahre Richtung Süden. Dafür habe ich schönes Wetter, was den Nachteil wieder aufwiegt.

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit steht schon die nächste Fährenüberfahrt von Rørvig nach Hundested an. Ich habe ein bisschen Pech, da mir die bereitstehende Fähre vor der Nase wegfährt. Das ist aber weiter nicht schlimm, denn in einer halben Stunde fährt schon die nächste. In der Wartezeit esse ich mein Salamibrot, das ich mir beim Frühstücksbuffet zubereitet hatte.

Die Gegend bei Rørvig ist sehr touristisch, hier verbringen die Dänen wohl ihre Sommerferien in ihren Ferienhäuschen, von denen es hier soviele gibt.

Fähre Rørvig – Hundested

Bald schon wartet die nächste Fährenüberfahrt auf mich – es ist unglaublich wie wie viele Meerarme und Binnenmeere es hier gibt. Man hat den Eindruck, dass Dänermark aus mehr Meer als Land besteht…

In der Folge fahre ich bei Jaegerspris an einer eindrücklichen Schlossanlage vorbei.

Schloss Jaegerspris

Es hätte hier sogar ein Café, aber da mein Weg noch weit ist, verzichte ich schweren Herzens auf die Versuchung.

Bei Frederikssund, einer grösseren Ortschaft, muss wieder ein Meeresarm überquert werden. Diesmal hindert eine hochgezogene Zugbrücke meine Weiterfahrt.

Zugbrücke bei Frederikssund

Nun sollten bis Kopenhagen keine weiteren Wasserhindernisse mehr meine Fahrt aufhalten. Längere Zeit führt in der Folge meine Route einer Zugslinie entlang, was ziemlich schön ist.

Fahrradroute entlang der Bahn

Gegen 17 Uhr komme ich in erste Vororte von Kopenhagen. Es hat ziemlich wenig Verkehr an diesem Samstagnachmittag, Sind die Kopenhagener wohl alle in den Ferien? So komme ich nun gut voran und bin froh, dass ich auf meinem schnurgeraden Weg direkt ins Zentrum von Kopenhagen hinein immer eine breite Velospur zur Verfügung habe, also Verhältnisse fast wie in Holland. Je näher ich zum Zentrum komme, desto belebter sind die Strassen. Auf meinem Velostreifen tummelt sich nun ein ganzer Pulk von zumeist jüngeren Fahrradfahrern, die mit dem Fahrrad zum Ausgang radeln. Ein schönes Bild!

So erreiche ich gegen halb sieben die Innenstadt von Kopenhagen.

Erster Eindruck von Kopenhagen

Es ist ca. 18.30 Uhr als ich nach langem Tag endlich beim Hotel WakeUp ankomme. Das ist ein preisgünstiges, modernes und auch sehr grosses Hotel nahe bei der Innenstadt.

Nach der obligaten Dusche mache ich mich zur Suche nach einer Verpflegungsmöglichkeit auf und gleichzeitig möchte ich natürlich auch noch ein wenig diese mir bisher unbekannte Stadt erkunden.

Kopenhagen

Es sind sehr viele Leute unterwegs an diesem Samstagabend. Vor alllem die „Fressmeile“ am Nyhavn ist voll von Leuten. Trotzdem finde ich hier nach einigem Suchen ein Plätzchen in einem britisch angehauchtem Lokal. Ich bestelle Wienerschnitzel und bin ganz happy damit.

Nachtessen am Nyhavn

Satt und komplett müde schlendere ich wieder ins Hotel zurück. Ich sollte ja noch den Blog schreiben.

Fakten Etappe 3: Aarhus – Kopenhagen
Gefahrene Strecke: ca. 105 km (dazu noch ca. 75km Fährenfahrten)
Durchsschnittsgeschwindigkeit: ca. 15km/h
Übernachtung im Hotel Wakeup, Kopenhagen

Day 2: Kolding – Aarhus (Dänemark-Tour)

Nach nicht so gutem Schlaf, geniesse ich ein ziemlich exquisites Frühstück – vor allem der Roquefortkäse (Blauschimmelkäse) findet mein Gefallen. Wenig später – ich wollte gerade das Zimmer verlassen – erreicht mich eine Mitteilung des Hotels, in dem ich heute übernachten werde. Mir wird vorgeschlagen, schon jetzt digital einzuchecken. Keine schlechte Idee, denke ich und klicke mich durch unzählige Formulare. Zuguterletzt muss ich noch eine App runterladen, mit der ich dann die Zimmertür öffnen kann. Mit dem ganzen Prozedere verplempere ich aber mindestens 20 Minuten, so dass ich erst gegen halb neun losfahre in Kolding.

Nach einer heftigen Steigung – Dänemark ist gar nicht so flach wie ich dachte – bin ich schon bald wieder im Grünen.

Landschaft bei Kolding

Eigentlich habe ich mich ganz gut erholt von der langen Etappe des Vortages, aber mein rechtes Knie beginnt schon bald wieder zu schmerzen und so komme ich nicht so schnell vorwärts wie ich möchte. Die Landschaft mit den gelben Kornfeldern, der blaue Himmel und die angenehme Temperatur lässt mich den Schmerz aber ein bisschen vergessen. Die ersten 30 km fahre ich auf kaum befahrenen Nebenstrassen durch Korn- und Rapsfelder.

Nach knapp 2 Stunden Fahrzeit erreiche ich Veijle, ein kleineres Städtchen mit Meeranstoss.

Altstadt von Veijle

Auf der Suche nach einem Café werde ich schnell fündig, in einem windgeschützten Innenhof geniesse ich die wohlverdiente Pause an der Sonne.

Kaffeehalt in Veijle

In der Folge fahre ich meist auf Velowegen entlang von Hauptstrassen. Immerhin komme ich nun besser vorwärts, auch meine Knieschmerzen sind zurückgegangen – zum Glück.

Fahrradroute der Hauptstrasse entlang

Nach weiteren 2 Stunden erreiche ich die nächste Stadt mir Meeranstoss, Horsen. Der schöne Strand lädt mich hier zur Mittagspause ein.

Strand in Horsen

Als Verpflegung esse ich das beim Hotelfrühstück stibitzte hartgekochte Ei und den letzten Rest des Dinkel-Roggen-Brotes von Sylt (mit Ukraine-Benefiz-Zuschlag).

Auf der Weiterfahrt folgen wieder landschaftlich schöne Abschnitte, bis es zum Schluss vor allem Hauptstrassen entlanggeht.

Landschaft zwischen Horsen und Aarhus

Nach einem zermürbenden Auf und Ab erreiche ich um 17 Uhr endlich Aarhus, mein heutiges Etappenziel.

Blick auf Hafenanlagen von Aarhus

Um 17.15 Uhr checke ich im Hotel ein und da ich wissen muss, wo ich mein Fahrrad hinstellen kann, muss ich mich trotz dem Online-Check-In bei der Rezeption melden.

Mein Zimmer ist im 7. Stock und der online gebuchte Balkon stellt sich als Flop heraus. Er ist so schmal, dass nicht mal ein Stuhl Platz hat darauf. Immerhin habe ich einen interessanten Ausblick.

Blick vom Hotelzimmer aus (Hotel Atlantis, Aarhus)

Nach der Dusche mache ich mich in die nahegelegene Altstadt auf, wo ich schnell in einem Gartenrestaurant lande. Ich habe mal wieder Glück und finde ein schönes Plätzchen. Das bestellte Ribeye-Steak mundet ausgezeichnet und die Bedienung ist sehr nett. Zum guten Glück können alle hier englisch, denn dänisch verstehe ich kein Wort.

ohne Kommentar!

Nachher sehe ich mich noch ein wenig in der sehenswerten Stadt um. Es herrscht eine friedliche und belebte Stimmung.

Hauptkirche von Aarhus

Auf dieser Foto bin ich übrigens auch verewigt. Wer entdeckt mich?

Vor dieser Kirche geniesse ich die letzten Sonnenstrahlen und schreibe an meinem Blog. Dabei werde ich von einem holländischen, nicht mehr ganz jungen Tanzanimateur unterhalten, der Passanten mit Erfolg zum Tanzen animiert.

Abendliche Tanzeinlage

Ganz beschwingt von den heissen Rhythmen kehre ich in mein Hotel zurück und mache dort den Blog-Finish. Ein schöner Tag geht langsam zu Ende.

Abendstimmung über Aarhus

Fakten Etappe 2: Kolding – Aarhus
Gefahrene Kilometer: 105 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: ca 15,5 Km/h
Übernachtung im Hotel Atlantic, Aarhus

Day 1: Klanxbüll – Kolding (Dänemarktour)

Endlich bin ich wieder auf Tour. Die diesjährige Sommertour startet dieses Jahr in Klanxbüll, ganz im  Norden von Schleswig-Holstein. Nach ein paar erholsamen Faulenzertagen auf Sylt (immer wieder wunderbar) setze ich mich an diesem Tag in Westerland in den Zug; diesmal aber ganz vorne – ich möchte nicht wieder stehengelassen werden wie vor zwei Jahren.

Auf dem Hindenburgdamm, der die Insel mit dem Festland verbindet, knipse ich schon mein erstes Bild dieser Tour.

Hindeburgdamm (Verbindung Festland zu Sylt)

Um mich zu beschäftigen zähle ich die Windräder, die ich vom Zug aus erblicke – es sind über 100, aber die wenigsten drehen sich; der Wind bläst wohl zu schwach.

Nach ca. 20 Minuten erreiche ich Klanxbüll, wo ich aussteige. Es ist ziemlich grau und ich spüre erste Regentropfen. Trotzdem fahre ich bald los.

Bahnhof Klanxbüll

Wenig später beginnt es auch schon leicht zu regnen. Das müsste jetzt nicht sein, Kachelmann hatte doch einen regenfreien Tag vorausgesagt! Ein bisschen verärgert ziehe ich Regenjacke und Regenhose über.

Zum guten Glück hört der Regen aber bald wieder auf; trotzdem behalte ich die Regenkleider aber noch ein wenig an, da es ziemlich frisch ist an diesem Morgen und ich so ein wenig wärmer habe.

Nach ca. 15 km erreiche ich die dänische Grenze. Wenn mich nicht ein Schild darauf aufmerksam machen würde, hätte ich es kaum bemerkt.

an der dänischen Grenze

In der Folge geht es ziemlich unspektakulär, aber landschaftlich durchaus reizvoll, Richtung Nordosten. Ich bin froh, dass ich ein wenig Windunterstützung habe, so dass ich auf den ebenen Nebenstrassen gut vorankomme. Es hat kaum Verkehr und ich bin ziemlich alleine unterwegs an diesem Morgen.

typische Landschaft

Es hat bisher kaum Ortschaften auf meinem Weg – und das heisst leider auch keine Cafés. Als ich durch einen kleinen Ort komme, gefällt mir die Kirche in ihrem typischen Weiss und das Kirchgemeindehaus im Vordergrund (so vermute ich).

typische Kirche und Haus mit Schilfdach

Nach knapp 2 Stunden Fahrt mache ich meine erste Pause bei einer wunderschönen Blumenwiese, die wohl extra angelegt wurde auf einem 2 Meter breiten Streifen neben einem Kornfeld.

wunderschöne Blumenwiese

Nach der Stärkung mit Banane, Dörrfrüchten und Karotte, geht es aber bald wieder weiter, denn die heutige Etappe ist ziemlich weit.

Nach weiteren zwei Stunden Fahrt erblicke ich einen kleinen Rastplatz. Der kommt gerade richtig für meinen Mittagshalt.

Mittagshalt nach 60 km

Auf meiner Weiterfahrt profitiere ich von besserem Wetter – es scheint nun meist die Sonne, und so macht das Velofahren mehr Spass.

Landschaft in der Nàhe von Haderslev

Nach ca. 70km beginnen die Beine aber ziemlich zu schmerzen, dazu kommen noch Kopfschmerzen – das müsste nicht sein, aber natürlich quäle ich mich weiter, einfach langsamer als am Morgen. Das Gelände ist nun ein wenig coupierter, es geht auch mal ein bisschen bergauf. In einer solchen Steigung überholt mich eine Tourenfahrerin – das schmerzt fast noch mehr als meine Beine. O.k., sie ist ein bisschen jünger als ich.

Etwa 15km vor dem Ziel durchfahre ich eine ansehnliche Ortschaft; es hätte hier sogar ein Café, aber ich ziehe es vor weiterzufahren, denn Kolding mein Etappenziel ist nicht mehr weit.

Christiansfeld

Wenig später passiere ich einen merkwürdigen Gedenkstein wo ein gewisser Herr Kong (King Kong?) für irgend etwas geehrt wird. (Kong ist der König, wie ich später an der Reception des Hotels in Erfahrung bringe).

Gedenkstein

Um ca. 17 Uhr erreiche ich nach 118km Kolding. Ich bin ziemlich k.o., denn am Schluss hatte ich zu all meinen Schmerzen noch mit Gegenwind zu kämpfen.

Nach der wohltuenden Dusche und fast Ganzkörper-Einbalsamierung mit der Kneipp Wärmecrème mit Arnika (Hinweis: mein Bericht enthält Produkteplazierungen), suche ich ein Restaurant. Ich werde schnell fündig; geich vis-à-vis gibt’s ein italienisches Restaurant, wo ich draussen noch Platz finde. Was für ein Glück!

Pasta Bolognese im Ristorante Segafreddo, Kolding

Man bezahlt hier mit Dänischen Kronen (Umrechnung DKK geteilt durch 13, dann habe ich den Preis in CHF). Ich merke erfreut, dass das Essen gar nicht so teuer war (ca. CHF 24 mit Getränken) und Salat).

Nachher sehe ich mich noch ein wenig um und finde einen kleinen See, an dessen Ufer ich mich auf einer Bank niederlasse und meinen Blog schreibe.

Abendstimmung in Kolding

So endet ein anstrengender Tag ganz gemütlich und beschaulich.

Fakten Etappe 1: Klanxbüll – Kolding
gefahrene Strecke: 118 km
Durchschnittsgeeschwindigkeit: ca. 16.5 km/h
Übernachtung im Hotel Kolding, Kolding

Day 6: Profondéville – Maastricht (Maas-Tour)

Das kleine Hotel, in dem ich übernachtete, begeistert mich. Es ist so stilvoll und mit Geschmack eingerichtet, dass ich den Besitzer morgens darauf anspreche und ihn dafür lobe. Er freut sich natürlich über die Komplimente. Auch das Frühstück ist exquisit. So breche ich wohlgenährt um halb neun auf meine letzte Etappe auf. Der Himmel ist tiefblau und ich bin gespannt darauf, was der heutige Tag für Überraschungen bereithält.

An der Meuse bei Profondéville

Bald schon erreiche ich die grössere Stadt Namur, die von einer Festungsanlage überragt wird.

Namur

Die Altstadt von Namur liegt auf der anderen Flussseite. Da die heutige Etappe ziemlich lang ist, verzichte ich darauf diese zu erkunden und fahre weiter.

Je weiter ich fahre, desto industrieller wird die Gegend an der Meuse. Auf der anderen Flussseite erblicke ich eine Schiffwässerungsanlage; es sieht aber eher danach aus, als das zu sehende Schiff demnächst verschrottet wird.

Wässerungsstelle für Flussschiffe

Die erste Pause mache ich wie am Vortrag wieder nach ca. 2 Stunden Fahrzeit. Leider ist heute kein Café in Sicht.

erste Pause zwischen Namur u. Huy

Die erste grössere Stadt nach Namur heisst Huy. Auch in dieser Stadt gibt es ein Fort.

Blick auf Huy

In dieser Stadt werde ich Zeuge eines Verkehrsunfalls. In einem Kreisel schneidet ein Lastwagen einem Auto den Weg ab und es kommt zu einem seitlichen Crash, bei dem der Kotflügel des Autos abgerissen wird. Der Lastwagenfahrer steigt aus, fotografiert die Szene und versucht, den Kotflügel wieder am Auto zu befestigen…

Ich fahre weiter und komme bald schon zu einem AKW, um das ich herumfahren muss. Es herrscht Fotografieverbot, aber als ich die Verbotsschilder sehe, habe ich es schon fotografiert.

AKW bei Huy

In der Folge kommt ein Abschnitt mit viel Industrie. Es ist vor allem „grobmechanische“ Industrie: Metall wird zerschreddert, Kies und Sand herumgebaggert, Kalk abgebaut und verarbeitet etc.

„grobmechanische Arbeiten“

Die Fahrradroute führt mich nun längere Zeit durch solche Gebiete. Eigentlich würde ich gerne eine Mittagspause machen, aber ich finde einfach kein idyllisches und ruhiges Plätzchen. So fahre ich halt einfach weiter.

Stahlindustrie?

Wenig später fahre ich durch eine „Arbeiterstadt“, die fast wie eine Geisterstadt aus den Anfängen der Industralisierung wirkt. Ziemlich surreal. Ich vermute, dass hier die Stahlindustrie heimisch war.

3 Wartburg Oldtimer in einem Schaufenster in Seraing

Tipisch für diese Region sind die kleinen roten Reihenbacksteinhäusern, die gleich an die Strasse gebaut sind.

Arbeiterhäuser (?) in Seraing

Da ein idyllischer Rastplatz weiter auf sich warten lässt, fahre ich ohne Pause immer weiter, bis ich um ca. 14.30 Uhr Liège (Lüttich) erreiche. Das ist eine grosse Stadt mit ca. 200’000 Einwohnern.
Auf einer Fussgängerbrücke, auf der es Sitzgelegenheiten gibt, mache ich endlich die Mittagspause und esse meine Brötchen.

Liége / Lüttich

Jetzt ist es nicht mehr so weit bis nach Maastricht, aber ich habe natürlich mal wieder Gegenwind, der im Verlauf des Tages immer stärker wird.
So sind die letzten 30 Kilometer ziemlich anstrengend, obwohl die Strecke eben ist.

Kanalverzweigung zwischen Liège und Maastricht

Ich bin hier ziemlich schutzlos dem Ostwind ausgeliefert, der heftig bläst heute. Wenig später bewundere ich eine Riesenschleuse, in der gleich mehrere grosse Schiffe gleichzeitig abgefertigt werden.

Riesenschleuse in der Nähe von Maastricht

Um 17.30 erreiche ich endlich Maastricht, das Ziel meiner diesjährigen Frühlingstour. Anders als in Belgien fühlt man sich hier als Fahrradfahrer wie ein König. Die Fahrradwege sind vorbildlich mit roter Farbe markiert und man spürt, dass die Holländer ein Volk von Fahrradfahrern sind – das macht sie mir sympathisch! Und ihre Sprache ist ja dem Schweizerdeutschen auch irgendwie ähnlich.

Maastricht

Maastricht ist eine sehr schöne Stadt. Als ich ins Zentrum abbiege, komme ich auf den belebten Hauptplatz dieser Stadt, wo die Leute die Abendsonne in den Strassencafés geniessen.

Maastricht

Die heutige nicht ganz einfache Tour findet somit einen versöhnlichen Abschluss. Auch das Hotel, in dem ich übernachten werde, macht einen guten Eindruck.
Zur Feier der erfolgreich absolvierten Tour gönne ich mir im hoteleigenen Restaurant ein feines Nachtessen und ein leckeres Dessert.

feines Dessert im Hotel Monastère in Maastricht

Im Rückblick war das eine interessante Tour durch ganz verschiedenartige Landschaften: Sie begann mit der Fahrt entlang des Marne-Rhein-Kanals von Strassburg aus und führte mich in der Folge an den natürlichen „Mittellauf“ der Meuse nach Verdun und durch ziemlich menschenleere Gegenden im Norden Frankreis. Die Etappe von Charlesville durch die Ardennen nach Belgien war mit Abstand die schönste. Es war interessant zu sehen, wie sich die Meuse vom gemütlichen Flüsslein zur immer grösseren Wasserstrasse wandelt. Ausser bei der Regenetappe am zweiten Tag war das Wetter passabel bis sehr gut; nur der kalte Wind machte mir manchmal etwas zu schaffen, vor allem auch weil er mir meist nicht günstig gewogen war.

Meine Maastour Frühling 2022

Vielen Dank meine treuen Leserinnen und Lesern für die Rückmeldungen. Es ist schön zu wissen, dass meine Berichte mit Interesse gelesen werden und es ist mir Ansporn, den Blog weiter zu führen. Im Sommer werde ich mich wieder melden von meiner nächsten Tour – in Planung ist eine Dänemark-Tour – soviel sei jetzt schon verraten.

Fakten Etappe 6: Profondéville – Maastricht
Gefahrene Strecke: 107 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.5 km/h (Der Wind ist schuld!)
Hinauf: 420 m
Hinab: 450 m