Day 8: Dresden-Wurzen (Musikstädtetour)

Nach einem wunderbaren Frühstück starte ich heute um viertel nach acht in einen zunächst ziemlich grauen Tag. Es ist aber schon ziemlich warm. Zunächst fahre ich wieder auf dem Elberadweg Richtung Norden.

Als ich unzählige Schafe erblicke, mache ich mein erstes Foto heute.

Schafe am Elberadweg

Ich hatte mal gelesen, dass Schafe zur Deichpflege eingesetzt werden und das hier ist auch ein Deich. Das Tempo, das ich einschlage, ist zunächst ziemlich gemütlich, da die heutige Etappe kürzer ist als die gestrige. Der Elbfahrradweg ist top und es ist sehr schön, hier zu fahren, denn man befindet sich meist abseits von befahrenen Strassen in Flussnähe.

Auf dem Elbradweg in der Nähe von Meissen

Die erste grössere Stadt, die ich erreiche, heisst Meissen. Sie ist berühmt für ihr Porzellan, welches als erstes europäisches Porzellan seit 1708 hier hergestellt wird. Sie hat aber auch eine sehr schöne Altstadt.

Altstadt von Meissen

Bei der nächsten grösseren Stadt, Riesa, zweigt meine Route von Elbradweg ab. Hier entdecke ich auf einer Hauswand ein Müllerslied, das hier in Noten inklusive Klavierbegleitung aufgemalt ist. Sowas habe ich noch nie gesehen!

Komposition auf Hauswand (Müllerlied von L.D. Kamienski)

Natürlich versuche ich es blatt, respektive hauswand zu singen, was mir auf Anhieb ganz gut gelingt. Wer er sich anhören möchte, leider nur mit Klavier gespielt und nicht gesungen, möge das Youtube-Video aufrufen.

Die Fahrradroute ist in der Folge eher ein Zickzackfahren, bis ich plötzlich auf einer ehemaligen Schmalspur-Eisenbahnstrecke lande.

Fahrradroute auf ehemaliger Bahnstrecke Oschatz-Strehla

Zuerst mache ich hier aber Mittagsrast im Schatten eines Baumes und vis-à-vis der Schautafel, die über diese Bahn informiert. Es gibt heute noch meine letzte Notration, ein paar Dinkel-Crackers und getrocknete Rinderwürstchen, die ich in Salzburg gekauft hatte. Zum Dessert gibt’s ein paar getrocknete Pflaumen, ich achte aber darauf, nicht zu viele davon zu essen; ihr ahnt warum.

In der Zwischenzeit haben sich die Wolken verzogen und es ist sehr heiss geworden. Dazu ist es nun auch wieder welliger als zuvor auf dem Elbradweg. Als ich mich auf eine Anhöhe gekämpft habe, habe ich aber als Belohnung eine wunderbare Aussicht.

Auf einer Anhöhe bei Oschatz

Zum guten Glück führt mich meine app aber wenig später auf eine nicht enden wollende schnurgerade Waldstrecke.

Fahrradroute im Wald

Leider wird der Weg aber immer schlechter, so dass ich nach ca. 5 km einen Ausweg suche und einen kleinen Umweg auf besseren Strassen in Kauf nehme.

Die letzten 10 km sind dann wieder problemlos dank den perfekt asphaltierten Nebenstrassen.

In der Nähe von Wurzen

Gegen 4 Uhr erreiche in mein Ziel Wurzen, eine kleine Kreisstadt, in der wenig los ist.

Ankunft in Wurzen

Mein Hotel befindet sich in einem ehemaligen Schloss gleich neben dem Dom von Wurzen.

Dom, Wurzen

Es hat seinen besonderen Reiz in einem Schloss zu nächtigen und innerhalb der Schlossmauern ist es angenehm kühl.

Das Nachtessen nehme ich dort ein, wo früher die Hängebrücke war, beim äusseren Türrahmen kann man noch die Rollen erkennen, wo die Zugseile darüberliefen.

Nachtessen an historischem Ort

Ich geniesse das historische Ambiente, das gute Essen und die angenehme Temperatur und schreibe hier draussen noch an meinem Blog.

Fakten Etappe 8: DresdenWurzen
Gefahrene Kilometer: 108 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 17
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17.1 km/h (wow!)
Übernachtung im Schloss Hotel Wurzen

Day 7: Litomerice-Dresden (Musikstädtetour)

Als ich um halb acht beim Frühstück bin, treffe ich wieder die beiden Amerikaner, die ich noch am Vorabend gleich nach dem Blogschreiben auf der schönen Terrasse kennenlernte. Sie sind eine Art «Missionare» und wollen hier in Litomerice das Evangelium an den Mann, resp. die Frau bringen, «share the Gospel» wie sie sagen. Natürlich hatten sie mich auch in ein Gespräch verwickelt, das ich als nicht sehr angenehm empfand.

Für einmal ist der Himmel grau, als ich wenig später aufbreche. Das macht aber nichts, solange es nicht regnet.

morgendliches Litomerice

Meine app führt mich wieder zur Moldau, und ich bin sehr froh, dass es nun meist auf qualitativ guten Strassenbelägen diesem Fluss entlang geht. Ich starte wie der Blitz, denn ich möchte trotz langer Etappe zeitig in Dresden sein. So erreiche ich schon bald die nächste grössere Stadt Ústí nad Labem, die sich aber grosstenteils auf der anderen Flussseite befindet.

Blick auf Ústí nad Labem

Nach dieser Stadt folgt ein besonders schöner Abschnitt, auf dem ich weiterhin gut vorankomme.

Fahrradroute an der Moldau

Erst nach knapp 3 Stunden Fahrzeit mache ich in Děčín eine erste Pause. Kurz vor dieser grösseren Stadt erblicke ich ein Märchenschloss auf einem Felsvorsprung.

Märchenschloss bei Děčín

In diesem Ort finde ich auch ein Café mit wunderbaren Torten.

Kaffeehalt in Děčín

In der Folge geht es weiter auf dem tollen Elbradweg. Nach ca. 60 km komme ich an die Grenze zu Deutschland.

Grenze Tschechei-Deutschland

Immer wieder begegne ich einem älteren deutschen Radfahrer mit E-Bike, mit dem ich jeweils ein paar Worte wechsle. Er meint, dass die Schweizer die grössten Banditen seien. Der Ruf der Schweiz hat offenbar sehr gelitten in letzter Zeit und ich verstehe ganz gut, weshalb.

Ich befinde mich nun in der sächsischen Schweiz, die durch bizarre Felsformationen bekannt ist. Einige davon befinden sich gleich in der Nähe der Elbe.

Felsformationen in der sächsischen Schweiz

Es ist sehr schön in diesem Abschnitt und es sind viele Fahrradfahrer unterwegs. Auf der Gegenseite erblicke ich den Ort Bad Schandau; schade, dass er sich nicht auf meiner Seite befindet, denn eine weitere Pause wäre nun wieder langsam fällig.

Bad Schandau

Ein wenig weiter, in Königstein, mache ich wieder einen Halt. Eigentlich sollte ich jetzt etwas Rechtes essen, aber das Eis mit Erdbeeren ist zu verlockend!

Kaffeehalt in Königstein

Ich komme weiterhin schnell vorwärts; nun habe ich sogar spürbare Windunterstützung. So macht Fahrradfahren Spass! Schon bald bin ich in Pirna, eine grössere Stadt vor Dresden, welche ich mir kurz ansehe.

Pirna

Auf den letzten 20 km sind extrem viele Fahrradfahrer unterwegs. Es ist aber auch sehr schön, der Elbe entlangzufahren.

An der Elbe, in der Nähe von Dresden

Mit etwas Stolz konstatiere ich, dass ich sogar einige E-Bike-Fahrer überhole – ich habe wirklich einen Lauf heute! Gegen viertel vor vier erreiche ich Dresden.

Ankunft in Dresden

Ich staune, wie locker ich die 120 km heute geschafft habe; bestimmt haben die ebenen und guten Fahrradstrassen sowie der Wind, der mich unterstützte, dazu beigetragen.

Mein gediegenes Hotel liegt im Zentrum gleich neben der Frauenkirche – ich checke ein, dusche, mache eine kurze Siesta und finde nachher ein Restaurant, wo ich heute endlich mal was Richtiges esse. Die Aussicht von meinem Platz ist phänomenal:

Abendessen bei der Frauenkirche

Ich muss mich ein wenig sputen, denn ich werde noch ein Konzert im Kulturpalast Dresden besuchen, wo das Junge Sinfonieorchester Dresden auftritt.

Konzert im Kulturpalast Dresden

Es ist beeindruckend, wie die jungen Musiker auf hohem Niveau musizieren. Es freut mich, dass auch weniger gehörte Werke zur Aufführung kommen. So endet der heutige Tag mit Elgar (Enigma-Variationen) und weiteren spannenden Werken von wenig bekannten Komponisten.

Fakten Etappe 7: Litoměřice-Dresden
Gefahrene Kilometer: 119 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 29
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18.3 km/h (wow!)
Übernachtung im Hotel Suitess, Dresden

Day 6: Prag-Litoměřice (Musikstädtetour)

Nach einer lauten Nacht aufgrund einer Bar gleich unterhalb meines Hotelzimmers ist es heute morgen sehr ruhig im Zentrum von Prag als ich losfahre.

Prag Hauptplatz

Das Wetter ist wieder bestens, nachdem gestern an meinem Ruhetag gleich ein paar gewittrige Schauer über diese Stadt gezogen sind.

Anders als erwartet fahre ich zuerst nicht der Moldau entlang, sondern erklimme den Hügel auf der Schlossseite von Prag. Dafür habe ich nun einen herrlichen Ausblick.

Prag, Blick auf die Stadt und Moldau mit Karlsbrücke

Doch es dauert nicht lange, da bin ich wieder am Ufer der Moldau, wo ich auf einem museumswürdigen kleinen Fährschiff auf die andere Seite übersetze. Ich bin wohl der erste Passagier an diesem Sonntagmorgen und sehr froh, dass diese Fähre überhaupt schon fährt.

Fährfahrt über die Moldau

Der nun folgende Abschnitt ist zum Geniessen, denn ich fahre nun längere Zeit auf einem schön angelegten Fahrradweg am Ufer der Moldau entlang; dabei fahre ich längere Zeit parallel zu einem gut gefüllten Raddampferschiff, welches «Vltava», also «Moldau» heisst.

auf dem Fahrradweg entlang der Moldau

Als ich für einmal die Moldau verlasse, gelange ich an ein schmuckes Barockschlösschen (?). Auf die Schnelle finde ich aber nicht heraus, wie es heisst.

Barockschlösschen an der Fahrradroute

Die heutige Etappe ist sehr schön, ziemlich eben und auch der Wind ist mir günstig gestimmt. Die Route führt zumeist auf Fahrradwegen am Ufer der Moldau entlang, wo heute ziemlich viele Fahrradfahrer unterwegs sind. Die Moldau fliesst manchmal mehr oder weniger naturbelassen vor sich hin.

Überquerung der Moldau

Manchmal wirkt sie auch seenartig, was von den häufigen Staustufen hervorgerufen wird.

Fahrradweg an der Moldau

Da ich kaum mehr Vorräte dabei habe, bin ich froh, dass ich mich in einem «Outdoor-Bistro» verpflegen kann. Die Kommunikation mit der Wirtin gestaltet sich aber als schwierig, da sie keine Fremdsprachen spricht. Schliesslich bestelle ich eine Pizza und ein Bier – dieses Wort kenne ich ja auf Tschechisch.

Schon früh bin ich nahe bei meinem Zielort Litoměřice (Leitmeritz). Der letzte Abschnitt ist wieder besonders schön und das warme Wetter lockt sogar Badende zum Schwimmen in die Moldau.

Moldau bei Litoměřice.

Um 15 Uhr erreiche die Stadt.

Ankunft in Litoměřice

Als ich bei meinem Hotel ankomme, empfängt mich der Chef draussen. Die Eingangstüre sei blockiert (wegen Einbrechern?) und ob ich nicht eine halbe Stunde später kommen könnte. Das ist kein Problem und so sehe ich mich in der Zwischenzeit ein wenig in diesem kleinen, aber schmucken Städtchen um und setze mich in ein Café

Hauptplatz von Litoměřice

Beim zweiten Versuch klappt dann das Einchecken. 2 Handwerker sind nun eifrig dabei, die Hoteleingangstüre wieder zu reparieren.

Nach kurzem Erholungsschläfchen suche ich ein Restaurant und werde schnell fündig. Endlich ist es so warm, dass man ohne zu frösteln draussen sitzen kann.

Da mir die tschechischen Kronen auszugehen drohen – Prag war ziemlich kostenintensiv – bestelle ich heute mein Abendessen mit dem Rechner im Kopf. Ich muss aber nicht darben, da im tschechischen Hinterland die Preise sehr moderat sind.

Abendessen im Restaurant Radniční sklípek, Litoměřice

Ich geniesse die ruhige und friedliche Stimmung an diesem Abend und bin sehr zufrieden mit dem heutigen Tag. Im Hotel zurück vollende ich den angefangenen Blogeintrag auf einer wunderbaren Terrasse des Hotels.

Abendstimmung im Hotel Dejmalik, Litoměřice

Fakten Etappe 6: Prag-Litoměřice
Gefahrene Kilometer: 98 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 9
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.1 km/h
Übernachtung Hotel Dejmalik, Litoměřice

Day 5: Pisek-Prag (Musikstädtetour)

Heute möchte ich möglichst früh losfahren, denn die Etappe nach Prag ist mit 120 km ziemlich happig. Zum guten Glück gibt’s im Art Hotel, wo ich gut nächtigte, schon um 7 Uhr Frühstück. So bin ich um 7 Uhr 45 startklar und starte in einen neuen Tourentag. Meine app führt mich zuerst an den Fluss Otava, dem ich ein Stück entlangfahre.

Fluss Otava bei Pisek

Leider biegt meine Route bald wieder vom Fluss ab und es geht in die Hügel. Immerhin hat man dort oft einen schönen Weitblick.

Landschaft bei Pisek

Nach einem Auf und Ab in lande ich nach ca. 25 km wieder bei der Moldau.

Überquerung der Moldau.

Darauf geht’s auf der rechten Moldauseite durch hügelige Landschaften weiter . Die Gegend hier ist wenig besiedelt, was seinen Reiz hat. Nur selten durchfahre ich grössere Ortschaften, meist sind es kleine Weiler oder Dörfer.

Nach 2 Stunden Fahrzeit beginnt es plötzlich leicht zu regnen. Das ist unerwartet, ich hatte mich ans schöne Wetter gewöhnt. Zum guten Glück kann ich bei einem Bushäuschen unterstehen und überlegen, was ich tun soll.

Regenpause

Da der Regen stärker wird, beschliesse ich, Regenjacke, Regenhose und Helmschutz überzuziehen. Als ich wieder losfahre, hat der Regen fast wieder aufgehört und 10 Minuten später scheint wieder die Sonne. Glück gehabt! Ich bin froh, dass ich die Regenkleider wieder ausziehen kann.

Die heutige Etappe ist mit dem ständigen Auf und Ab sehr anstrengend; es gibt kaum ein Stück, wo die Strasse eben ist.

Um ca. 12 Uhr entdecke ich einen schönen Rastplatz, der extra für Fahrradfahrer errichtet wurde.

Rastplatz

Hier esse ich eine Banane, ein Brötchen, ein paar Datteln und gesalzene Erdnüsschen. Darauf lege ich mich für ein kleineres Nickerchen auf die harte, schmale und zu kurze Bank hin und muss aufpassen, dass ich nicht herunterfalle.

Danach geht es mit dem Auf und Ab weiter. Auf dem Höhenprofil meiner heutigen Etappe sieht das aus wie ein «Zackenbarsch». Also nenne ich die heutige Tour «Zackenbarsch-Tour»

Zackenbarsch-Höhenprofil

Auch wenn ich bei sehr steilen Steigungen jeweils das Fahrrad schiebe, komme ich langsam aber stetig vorwärts. Zu guter Letzt beginnt es im letzten Aufstieg nochmals zu regnen. Die darauffolgende Abfahrt an die Moldau fahre ich mit Regenjacke. So friere ich nicht. Glücklicherweise hört es auch diesmal bald zu regnen auf.

Die letzten 35 km bleibe ich nun endlich am Ufer der Moldau. Ich bin aber enttäuscht, dass meine Route hier auf einer stark befahrenen Autostrasse verläuft. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Route an der Moldau

Nicht einmal einen Velostreifen hat es. Immerhin komme ich nun schnell vorwärts. Doch unvermittelt lotst mich meine app an das Moldauufer herunter. Hier hat es tatsächlich eine kleine Seilfähre, die mich an das andere Ufer bringt.

Seilfähre über die Moldau

Der Fährmann ist aber sehr kurz angebunden, er kann wahrscheinlich keine Fremdsprache, und ich bin ja auch nicht der Tschechisch-Spezialist.

Ich drücker ihm nach der Überfahrt 100 Kronen in die Hand, worauf er mir ungezählt einige Münzen als Retourgeld zurückgibt.

Auf dieser Seite der Moldau befindet sich nun tatsächlich der romantische Fahrradweg, von dem ich geträumt habe …

Fahrradweg an der Moldau

Es hat hier sehr viele sportliche Leute unterwegs – auf dem Fahrrad, auf Rollerblades, auf neuartigen Trottinets, joggend – und sogar ein Rollski-Langläufer ist unterwegs.

So nähere ich mich dem Zentrum von Prag. Dort wird es allerdings kompliziert als Fahrradfahrer: Zuviele Fussgänger, keine richtigen Fahrradwege mehr, Autos, Trams – da muss man höllisch aufpassen, dass man nicht unter die Räder kommt.

Prag, Innenstadt

Schliesslich schaffe ich es bis zum meinem Hotel mitten im Zentrum. Ich bin froh, dass ich gut angekommen bin.

Später auf der Restaurant-Suche lande ich in einem bei Touristen sehr beliebten tschechischen Restaurant. Ein Barpianist macht hier auf Stimmung, indem er pausenlos sein ganzes Repertoire runterspielt. Das Essen ist gut, aber wohl eher etwas teuer.

Dessert im Restaurant U Modré Kachnicky

Ein bisschen bin ich stolz auf meine radfahrerische Leistung heute, dementsprechend werde ich sehr müde ins Bett fallen. Morgen ist mein Ruhetag, dann werde ich Prag erkunden und für einmal keinen Blog schreiben.

Fakten Etappe 5: Písek-Prag
Gefahrene Kilometer: 118 km
reine Fahrzeit: 8 Std. 8
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.5 km/h
hinauf: 1370 m / hinab: 1540 m
Übernachtung Hotel Melantrich, Prag

Day 4: Krumlov-Písek (Musikstädtetour)

Heute fahre ich erst gegen 9 Uhr los. Ich habe noch aufs Frühstück gewartet, welches erst ab 8 Uhr eingenommen werden konnte. Das Warten hat sich aber gelohnt. Das liebevoll hergerichtete Buffet hat keinen Wunsch offengelassen.

Als ich – kaum gestartet – das wunderschöne Städtchen Krumlov auf einer Moldauschlaufe umrunde, halte ich an und mache ein Foto.

Krumlov

Bald darauf lotst mich meine app wieder in die Hügel. Die Höhenmeter, die ich diesmal überwinden muss, halten sich aber in Grenzen. Circa 10 km weiter lande ich wieder an der Moldau und ich staune über die vielen Leute, die sich hier tummeln. Es sind zumeist Jugendliche, wahrscheinlich in Schullagern, die hier in Zelten übernachten und Bootsfahrten auf der Moldau unternehmen.

An der Moldau, in der Nähe von Krumlov

Ich fahre nun kurze Zeit dem Fluss entlang, bis ich wieder abbiege und in eine extrem knackige Steigung gerate. 12% Steigung verrät das Warnschild.

Knackige Steigung

Klar, dass ich hier vom Rad steige und es schiebe. Es ist zum Glück angenehm kühl im Schatten der Bäume. Oben angekommen geht’s meist ziemlich geradeaus weiter. Das schätze ich sehr nach dem mühsamen Auf und Ab am Vortag.

Landschaft zwischen Krumlov und Budweis

Die erste grössere Stadt, die ich durchfahre, ist Budweis (České Budějovice). Ich verlasse kurzzeitig die geplante Tour und fahre ins Zentrum, wo mich der imposante Přemysl-Otakar-II-Platz sehr beeindruckt.

Přemysl-Otakar-II-Platz, Budweis

Ich setze mich in ein Restaurant an diesem Platz und geniesse ausnahmsweise mal ein Bier (Budweis ist ja eine Bierstadt) und esse einen Insalata Caprese, ich möchte ja abnehmen.

Zwischenverpflegung am Přemysl-Otakar-II-Platz, Budweis

Darauf geht’s bis Hluboká nad Vltavou wieder ein Stück der Moldau entlang. Unterwegs spricht mich eine Fahrradfahrerin auf Tschechisch an – ich versteh Spanisch! Das gleiche passiert mir wenig später noch einmal. Immerhin lerne ich heute mein erstes tschechisches Wort, es ist «Pivo» (Bier). Ich staune übrigens immer wieder, wieviele Akzentzeichen die tschechische Schrift benutzt. Praktisch in jedem Wort stehen welche über den Buchstaben.

Fahrradweg der Moldau entlang

In Hluboká hätte es ein wunderbares Märchenschloss. Ich sehe es von weitem, als ich mich dem Ort nähere. Aber als ich dort bin, ist es wie vom Erdboden verschluckt. Deshalb mache ich halt ein Foto von dieser Ortschaft ohne Schloss.

Hluboká

Nun verlasse ich die Moldau und fahre über Land. Die Fahrradroute befindet sich jetzt meist auf wenig befahrenen Nebenstrassen.

Landschaft in der Nähe von Hluboká

Gegen 14 Uhr macht sich langsam ein Hüngerchen bemerkbar, deshalb kommt ein kleiner Park mit schattigen Bäumen und vielen Sitzbänken gerade zur rechten Zeit in mein Blickfeld.

Mittagsrast in Protivín

Nun ist es nicht mehr weit bis nach Písek, meinem Zielort.

Ankunft in Písek

Diese Stadt ist nicht so touristisch wie Krumlov, aber sie hat auch einige Sehenwürdigkeiten zu bieten, die ich nach kurzer Erholungspause erkunde.

Impression von Písek

Ich bin froh, eine Pizzeria zu finden, wo es genügend Platz hat und wo ich zwischen den Gängen meinen täglichen Blog schreiben kann. Beim ersten Gang komme ich mir vor wie eine Kuh, denn die riesige Schüssel mit Salat würde für eine ganze Familie reichen. Zum guten Glück ist mein Hauptgang, Spaghetti Bolognese, normal gross – so muss ich mich nicht überessen.

In der Pizzeria San Marco, Písek

Zufrieden mit dem heutigen Tag schlendere ich in mein Hotel zurück.

Fakten Etappe 4: Krumlov-Písek
Gefahrene Kilometer: 86 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 56
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.5 km/h
Übernachtung im Hotel Art, Písek

Day 3: Linz-Krumlov (Musikstädtetour)

 Auch heute breche ich wieder bei schönem Wetter auf. Mein Weg führt mich über die Donau, wo ich ein Stückchen auf dem Donauradweg fahre.

Ich blicke noch einmal auf Linz zurück und mache ein letztes Fotos dieser schönen Stadt.

Linz

Bald biege ich links ab und muss einen steilen, nicht endenwollenden Anstieg bewältigen. Zum guten Glück bin ich noch frisch, so dass ich ihn meist im kleinsten Gang fahrend gerade noch bewältigen kann. Als ich oben bin, habe ich eine tolle Aussicht.

Landschaft in der Nähe von Linz

Der zweite, längere Anstieg an diesem Tag führt durch das Gusental.

Fahrradweg durch das Gusental

Hier fahre ich meistens im Schatten und es ist nicht so steil, so dass ich ganz passabel voran komme. Es hat auch kaum Verkehr. In der ersten grösseren Ortschaft, die ich erreiche, mache ich eine Pause, denn es ist inzwischen schon 11 Uhr geworden. In einem griechisch-italienischen Restaurant setze ich mich draussen an einen Tisch und bestelle eine Tomatensuppe und einen Salat. Beides ist etwas enttäuschend, macht aber immerhin halbwegs satt.

Mittagsrast in Reichenau

Die Landschaft hier erinnert mich ein wenig an den Schweizer Jura: Weiden, Tannenwälder und weiche Hügel

Landschaft zwischen Reichenau und Bad Leonfelden

Die nächste grössere Ortschaft, die ich erreiche, heisst Bad Leonfelden. Hier mache ich einen kleinen Fotohalt.

Bad Leonfelden

Wenig später erreiche ich ein kleines Denkmal, das an die Salztransporte mit Wägen und Saumtieren erinnert, die von der Donau über diese Hügel hier zur Moldau führten.

Denkmal zur «alten Salzstrasse»

Nun steigt die Strasse wieder an und ich erreiche staunend ein kleines Skigebiet. Das hatte ich nicht erwartet.

Skigebiet Bad Leonfelden

Darauf steigt das kleine Strässchen so stark an, dass ich vom Velo steigen muss und es schieben muss. Nach ca. einer halben Stunde erreiche ich den höchsten Punkt meiner heutigen Etappe: 910 Meter über Meer. Überhaupt fühlt sich diese Etappe wie eine Bergetappe an, denn die Steigungen hören nicht auf.

Höchster Punkt der heutigen Etappe

Zum guten Glück geht’s nun eine Zeitlang bergab und ich fahre so schnell, dass ich fast die Abbiegung zur tschechischen Grenze verpasst hätte.

Hier geht’s lang

Die Infos auf diesem Schild machen mich ein wenig stutzig. Eigentlich dürfte ich diesen Grenzübergang gar nicht passieren, da ich nicht EU-Bürger bin. Dieser Grenzübergang ist aber alternativlos (Gruss an Frau Merkel), so dass ich mich mutig der tschechischen Grenze nähere. Aber natürlich wartet dort kein Grenzwächter, der mich wieder zurückschickt.

Grenzübertritt nach Tschechien

Die nachfolgende Abfahrt ist zum Geniessen, denn der Weg ist meist geteert und in ganz gutem Zustand. In der kleinen Stadt Vyšší Brod (meine Übersetzung: Weissbrot) finde ich einen Bankomaten und kann mich somit mit Tschechischen Kronen eindecken. Aufs Geratewohl ordere ich 6000 Kronen, ohne den Kurs zu kennen.

Kloster Vyšší Brod (Hohenfurth)

Vyšší Brod liegt an der Moldau; ich überquere hier diesen sagenumwobenenen Fluss und muss gleich nachher wieder happige Steigungen bewältigen, nur um ca. eine halbe Stunde erneut an diesem Fluss zu landen.

Rožmberk nad Vltavou (Rosenberg an der Moldau)

Die Moldau scheint sehr beliebt zu sein bei Gummiböötlern, Kajak- und Kanufahren, denn es wimmelt auf diesem Fluss von Böötlern; dabei ist ja noch gar nicht Sommersaison.

Natürlich führt mich meine Route darauf wieder in die Hügel; und ich muss mir eingestehen, dass mich das ewige Auf und Ab langsam nervt. Auch meine Kräfte lassen nach und ich steige immer wieder vom Rad, wenn es aufwärts geht. Zu allem Unglück verfahre ich mich noch, d.h. der von Komoot vorgegebene Weg scheint nicht zu existieren oder ich habe ihn nicht entdeckt. So mache ich einen grossen Umweg und fahre wieder weit in die böhmischen Hügel hinein. Immerhin ist es hier sehr schön in dieser fast menschenleeren Gegend

Irgendwo in den böhmischen Wäldern bei Rožmitál na Šumavě

Ich bin froh, dass ich irgendwann wieder nach einer rauschenden Talfahrt die Moldau erreiche.

Moldau

Auf meiner geplanten Tour sehe ich, dass mein Weg abermals in die Hügel führen würde – ich habe jetzt aber genug vom Auf und Ab und entschliesse mich, der Hauptstrasse entlang der Moldau zu folgen, denn ich bin ziemlich fix und fertig. Ein guter Entscheid, wie sich herausstellt, denn so erreiche ich viel schneller mein Etappenziel Krumlov (dt. Krumau), welches eine sehr sehenswerte Stadt in einer «Doppelschlaufe» der Donau ist.

Krumlov

Ich finde sogar ein gutes Restaurant mit tollem Ausblick.

Abendessen im Gotika Restaurant, Krumlov

Nachher schlendere ich noch ein wenig in dieser tollen Stadt herum, sie ist ein wahrhaftes Bijou, ich bin begeistert.

Krumlov

So endet dieser anstrengende Tag versöhnlich.

Fakten Etappe 3: Linz-Krumlov (Krumau)
Gefahrene Kilometer: 89 km
reine Fahrzeit: 7 Std. 45
Durchschnittsgeschwindigkeit: 11.5 km/h
Hinauf: 1560 m!
Hinab: 1340 m
Übernachtung im Boutique Hotel Romantick, Krumlov

Day 2: Gmunden-Linz (Musikstädtetour)

Der heutige Tag beginnt mit strahlend blauem Himmel. Bevor ich um ca. viertel nach acht losfahre, mache ich eine Foto des Rathauses, ein Prachtsbau im Renaissancestil, welches gleich vis-à-vis des Seehotels Schwan liegt.

Rathaus von Gmunden

Die ersten 10 Kilometer der heutigen Tour fordern mich ziemlich; denn es geht zumeist aufwärts, dazu noch auf Landstrassen ohne Fahrradwege oder -streifen. Danach wird es schöner, denn nun befinde ich mich auf Nebensträsschen, die durch schöne, aber meist etwas hügelige Landschaften des sogenannten Salzkammergutes führen. Ein Schild, auf dem «Zwergerlwald» steht, erregt beim Vorbeifahren meine Aufmerksamkeit; da muss ich doch genauer hinschauen und entdecke dabei Schneewittchen und die sieben Zwerge.

Schneewittchen und die sieben Zwerge.

Ich geniesse den kühlen, sonnigen Morgen und die schönen Landschaften. Dabei fallen mir immer mal wieder grössere Gebäude auf, die alle in ähnlichem Stil erbaut sind und mit vielen Fenstern versehen sind. Mit der Zeit merke ich, dass das Bauernhöfe sind, die aufgrund ihrer vielen Fenster den Anschein erwecken, etwas anderes zu sein. Alles wirkt bei diesen Höfen sehr aufgeräumt, die Traktoren, Landmaschinen etc. sind wohl im Innenhof verstaut, so dass man zuerst gar nicht auf die Idee kommt an einem Bauernhof vorbeizufahren. – Sie scheinen sehr ordentlich zu sein die Oberösterreicher!

Landschaft mit Bauernhof

Nach ca. 35 km verlasse ich die höher gelegenen Gebiete und komme in einer rasanten Schussfahrt an die Krems. Das ist ein kleiner Fluss, welcher mich fast bis nach Linz begleiten wird.

In Warthburg an der Krems mache ich einen kleinen Kaffeehalt in einem modern gestylten Bäckerei-Café. Ich trinke einen «Verlängerten» und esse ein Mandelgebäck.

Kaffeehalt in Warthburg an der Krems

In der Folge fahre ich längere Zeit auf dem Kremstalradweg. Unterwegs erblicke ich schon von weitem eine riesige Klosteranlage. Diese befindet sich in Kremsmünster.

Benediktinerstift Kremsmünster und Sternwarte «Mathematischer Turm»

Der Turm zur rechten Seite gilt als erstes Hochhaus Europas, wie ich später auf Wikipedia darüber lese, und er soll eine der ersten Sternwarten überhaupt sein.

Der Kremstalradweg ist sehr schön, eine kurze Strecke fahre ich auf einem Kiesweg, was besonders idyllisch ist.

Kremstalradweg

Die heutige Etappe ist mit rund 80 km für meine Verhältnisse ziemlich kurz. So komme ich schon gegen 15.00 Uhr an die Stadtgrenze von Linz, von der ich noch eine kurze Zeit auf dem Traunradweg Richtung Innenstadt fahre. Dort angekommen mache ich ein Foto vom Hauptplatz.

Linz, Hauptplatz

Mein Hotel liegt nur 50 Meter von diesem Platz entfernt. Mein Zimmer ist sehr modern und mit Stil eingerichtet, aber nicht ganz billig. Nach kurzer Erholungspause sehe ich mich noch ein wenig in der Stadt um und geniesse den schönen, aber ziemlich kühlen Sommerabend.

Als ich Hunger bekomme, esse ich in einem Strassenrestaurant eine feine Spargelsuppe und flaniere darauf an der Donau, wo es dank Sonnenlicht noch schön warm ist.

Donau bei Linz

Darauf schlendere ich zum Hauptplatz zurück, wo eine Blasmusik ein Konzert gibt; dabei muss ich ein wenig schmunzeln über den Dirigenten, der eine grüne, kurze Lederhose trägt.

Ich setze mich in ein Café und höre dem Konzert zu. Ich bestelle eine «heisse Liebe», Vanilleeis mit warmen Beeren und Schlagobers, sowie einen doppelten Espresso. Als ihn die Kellnerin bringt, sagt sie: Hier der Verlängerte, pardon, ein grosser Brauner! – Sie entlockt mir dabei wieder ein Schmunzeln.

«heisse Liebe» mit einem «grossen Braunen»!

Ich geniesse beides und sogar das kleine Konzert, das mit dem Radetzky-Marsch endet. Man soll mitklatschen, deutet der Dirigent an; ich lasse das aber bleiben.

So neigt sich ein schöner Tag dem Ende zu.

Fakten Etappe 2: Gmunden-Linz
Gefahrene Kilometer: 80 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 15
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.2 km/h
Übernachtung im Hotel Göttfried

Day 1: Salzburg-Gmunden (Musikstädtetour)

Die diesjährige Sonderurlaubstour nenne ich Musikstädtetour, da ich heute in Salzburg starte und über Linz, Prag, Dresden nach Leipzig radeln werde. Die Anreise am Vortag von Zürich nach Salzburg verlief problemlos und so hatte ich Zeit mich in Salzburg ein wenig umzusehen; ich kenne diese Stadt schon ziemlich gut, da ich schon oft hier war. Ein Besuch ist aber immer wieder lohneswert, vor allem bei diesem Prachtswetter.

Salzburg, Altstadt

Immer wieder schön ist der Anblick auf die Altstadt mit der darüber thronenden Festung und dem Fluss Salzach

Salzburg

Nach tiefem Schlaf im Gästehaus am Priesterseminar fahre ich um 08.00 Uhr los und starte in ein neues Fahrradtouren-Abenteuer. Schon bald bin ich im Grünen und befinde mich auf dem sogenannten Mozart-Radweg. Der grosse Meister wird wohl aber kaum Fahrrad gefahren sein. Das Wetter ist perfekt, und ich komme gut voran trotz der leichten Steigung, die ich die ersten Kilometer zu bewältigen habe. Der Fahrradweg verläuft abseits von Strassen und ist sehr schön.

Fahrradweg in der Nähe von Salzburg

Schon bald erreiche ich den türkis schimmernden Mondsee, an dem ich entlangfahre und an dem ich eine Kaffeepause gemacht hätte, wenn ich ein Café entdeckt hätte.

Mondsee

So fahre ich ohne Kaffee weiter und erreiche schon bald den Attersee, der grösser ist als der Mondsee. Diesem See fahre ich aber nur ein kurzes Stückchen entlang, mache aber hier erstmals eine Pause, nachdem ich schon 48 km zurückgelegt hab.

Attersee

Bald biege ich rechts ab und komme ins Weissenbachtal. Zu Beginn gerate ich auf den sogenannten Künstlerweg und lese auf einer Schautafel, dass hier ein berühmter Komponist mehrmals den Sommer verbrachte und an seinen Sinfonien schrieb. Erkennt ihr ihn?

Schautafel am Künstlerweg (Attersee)

Richtig, es ist Gustav Mahler, der am Attersee Sommermonate verbrachte und komponierte. Ich kann mich daran erinnern, dass ich in meiner Jugendzeit einige Schallplatten mit Mahler-Sinfonien (gespielt vom Cleveland Orchestra, mit George Szell) besass und diese gerne hörte. Heute sind die Mahler-Sinfonien nicht mehr meine erste Wahl. Mahler-Fans mögen mir verzeihen. Der Fahrradweg im Weissenbachtal führt sehr idyllisch durch schattigen Wald und steigt nur langsam an.

Fahrradweg im Weissenbachtal

Als es aber wieder abwärts geht, ziehe ich es vor auf der Strasse zu fahren, da man auf dem gekiesten Fahrradweg keine Schussfahrt machen kann.
Nachdem ich in der Folge eine zeitlang auf einem Fahrradweg entlang einer stark befahrenen Strasse dem Fluss Traun entlanggefahren bin, erreiche ich den Traunsee, wo ich einen kurzen Halt mache.

Verpflegungspause in Ebensee am Traunsee

Da heute eine ziemliche kräftige Bise weht, habe ich meist kühlenden Fahrtwind. Das ist einerseits angenehm, andererseits aber auch ein bisschen mühsam, da es Gegenwind ist und ich so nicht schnell vorankomme. Das macht aber nichts, da die heutige Etappe nicht sehr lang ist. Ich fahre nun bis an mein Etappenziel Gmunden diesem schönen See entlang.

Fahrradweg am Traunsee mit Blick auf Traunkirchen

Nach einem kleinen Kaffeehalt in Traunkirchen bin ich schon bald in Gmunden, eine kleinere touristische Stadt am Seeende.

Gmunden

Das Hotel, in dem ich übernachten werde, liegt direkt am See und von meinem grossen Zimmer habe ich eine wunderbare Aussicht.

Blick von meinem Zimmer auf den Traunsee

Nach der obligaten Dusche, einem kühlen Bier auf dem Zimmerbalkon und einem kleinen Nickerchen speise ich im hoteleigenen Restaurant.

Abendessen im Seehotel Schwan, Gmunden

Nachher setze ich mich auf eine Parkbank, schreibe an meinem Blog und lasse so den schönen Tag ausklingen. So kann es weitergehen!

Fakten Etappe 1: Salzburg-Gmunden
Gefahrene Kilometer: 93 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 46
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.1 km/h

D5 Latisana-Trieste (Mailand-Trieste-Tour)

Der heutige Tag beginnt besser als die vorangegangen, denn es scheint erstmals die Sonne. Nach guter Nacht und etwas mittelmässigem Frühstück im Hotel Bella Venezia mache ich mich startbereit.
Gleichzeitig mit mir bricht ein Paar in meinem Alter ebenfalls zur einer Fahrradetappe auf. Ich spreche die beiden an und erfahre, dass sie aus Australien kommen und eine 10-wöchige Bike-Tour von Rom nach Dubrovnik machen. Respekt! Da kann ich mit meiner kleinen 5-tägigen Tour nicht mithalten.

Latisana ist keine grosse Stadt, so bin ich bald im Grünen freue mich über das gute Wetter und die Fahrradroute abseits vom grossen Verkehr.

Fahrradroute in der Nähe von Latisana

Nach ca. 20 km erblicke ich einen Mann, der gerade neben der Strasse mit einem Hochdruckreiniger ein kleines Brückchen reinigt, das zu seinem Haus führt. Der kommt wie gerufen, denke ich, halte an und frage ihn, ob er vielleicht mein Fahrrad reinigen könnte. Natürlich frage ich ganz nett und kratze mein liebenswürdigstes Italienisch zusammen. Da kann er nicht nein sagen. Nachdem ich meine Satteltaschen abgenommen habe, stellt er das Fahrrad auf die Strasse und und „behandelt“ es mit seinem Hochdruckreiniger, dass es eine Freude ist.

Ein italienischer Engel, der mir mein verdrecktes Fahrrad reinigt

Nach ca. 10 Minuten ist er fertig und mein Fahrrad wieder wie neu. Auf allen meinen weit über 100 Etappentagen war mir bestimmt noch nie ein Mensch mit Hochdruckreiniger begegnet und ausgerechnet als ich einen brauche, steht ein solcher an der Strasse und erfüllt meinen Wunsch. Das nennt man Fügung!

Meine Freude erleidet aber bald schon einen kleinen Dämpfer, denn die Teerstrasse geht zuerst in einen Kiesweg über und dann folgt ein Single-Trail. War die ganze Putzübung vergebens?

Single-Trail auf dem Weg nach Carlino

Nein, es ist hier zwar auch immer noch ein bisschen matschig, aber mein Fahrrad bleibt doch größtenteils sauber.
Bald darauf komme ich in eine kleinere Ortschaft, wo ich Getränke kaufen möchte.

Carlino

Da ich aber nicht fündig werde, fahre ich weiter und mache einen nächsten Versuch in der Ortschaft Torviscosa, wo ich eine Bar finde, wo ältere Männer herumsitzen und -stehen und miteinander quatschen.

Halt in Torviscosa

Hier begegne ich wieder den beiden Australiern, die heute bis nach Grado fahren wollen. Eigentlich war der Besuch der sagenumwobenen Lagunenstadt Grado auch auf meinem Plan; da ich aber gestern umplanen musste und nicht so weit gekommen bin wie vorgesehen, muss ich leider darauf verzichten.

Dafür nehme ich mir heute Zeit für ein Mittagessen in einem Restaurant, denn am Vorabend gab’s nur Bier und Darvidas. Die Pizzeria mit Gartenterasse, die ich um halb zwölf Uhr erblicke, taucht gerade zur rechten Zeit auf.

Mittagessen in der Nähe von Cervignano del Friuli

Ich werde schnell und freundlich von einer Armada von Kellnern bedient. Zuerst bin ich alleine, aber mit der Zeit ist fast die ganze Terrasse gefüllt. Das Essen, ein gemischter Salat und Penne al Ragu, ist ausgezeichnet und so verlasse ich gut gelaunt den Ort der Speise.

Auf meinem weiteren Weg erregen ein paar römisch aussehende Säulen bei Aquileia meine Aufmerksamkeit:

Forum Romanum, Aquileia

In der Folge gelange ich zum Fluss Isonzo und überquere ihn bevor ich rechts an sein linkes Ufer abbiege.

Isonzo, in der Nähe von Aquileia

Die Route diesem Fluss entlang ist wunderbar, nur leider etwas kurz.

Fahrradroute dem Isonzo entlang

Schon bald gelange ich an einen Damm. Was wohl dahinter steckt? Ich steig hinauf und bin überwältigt vom Blick.

Blick auf das Meer, in der Nähe von Monfalcone

Ich bin nun an der Adria angekommen und habe von diesem Punkt eine wunderbare Aussicht. Schräg gegenüber glaube ich mein Etappenziel Trieste zu erkennen. Jetzt muss ich nur noch rundherum dem Ufer entlangfahren, um diese Stadt zu erreichen.

Die nächste grössere Ortschaft, die ich durchfahre, ist Monfalcone. Dies scheint eine Schiffsbaustadt zu sein, denn es gibt hier grosse Werften und etwas entfernt sehe ich zwei riesige Kreuzfahrtschiffe, die im Bau sind,

Hafen und Werft von Monfalcone

An dieser Stelle verlasse ich das Ufer und es geht ein wenig ins Landesinnere. Die Route steigt nun auch ziemlich an, als ich der Hauptstrasse entlang Richtung Trieste entgegenfahre. Aber oben angekommen eröffnet sich mir ein wunderbarer Blick auf das leuchtend blaue Meer.

Fahrradroute, ca. 20 km vor Trieste

Ich geniesse den nun folgenden Abschnitt mit dem tollen Ausblick. Ausserdem geht’s meist leicht abwärts und die Strasse ist so breit, dass mich die Autos nicht stark stören.

Wieder auf Meereshöhe angekommen erwartet mich eine schön angelegte breite Promenade.

Promenade am Meer bei Trieste

Ganz problemlos erreiche ich mein Hotel aber nicht, Bei einer Baustelle beim alten Hafen ist kein Durchkommen und ich muss wieder umkehren.

Bauarbeiten im Hafenarreal

Schliesslich erreiche ich gegen halb fünf das Zentrum, wo sich mein Hotel befindet.

Trieste

Dort werde ich von zwei sympathischen und netten jungen Frauen empfangen, die gut Deutsch sprechen und mir alle Wünsche von den Lippen lesen. So kann ich schnell mein schickes Zimmer beziehen und mir eine wohlverdiente Dusche gönnen.

Schickes Zimmer im Urban Hotel Design

Nachdem ich mich ein bisschen erholt habe, mache ich mich auf, die Altstadt von Trieste zu erkunden. In einer Hauptgasse entdecke ich ein vielversprechendes Restaurant mit freien Plätzen. Ich darf mich hinsetzen, geniesse zuerst einen Aperitif und schreibe dazu ein wenig an meinem Blog. Später bestelle ich zur Feier der erfolgreich abgeschlossenen Tour ein liebevoll präsentiertes Menu.

Nachtessen in Trieste

Der nachfolgende Spaziergang führt mich noch durch andere Teile dieser äusserst sehenswerten Stadt.

Piazza dell‘ Unita D’Italia mit Palazzo del Governo (links)

Mit einem Blick auf den Sonnenuntergang am Meer beende ich meinen Rundgang und schlendere danach zufrieden ins Hotel zurück, wo ich meinen Blog fertigschreibe.

Sonnenuntergang in Trieste

Die nicht ganz so einfache Tour endet somit versöhnlich mit einer sehr schönen Etappe und perfektem Wetter. Das macht Lust auf mehr!

Fakten Etappe 5: Latisana-Trieste
Gefahrene Strecke: 101 km
Durchschnittsgeschw. 15.4 km/h
Übernachtung im Urban Hotel Design, Trieste

D4 Treviso-Latisana (Mailand-Trieste-Tour)

Nach erholsamer Nacht im etwas unpersönlichen B&B Hotel in Treviso breche ich um ca. halb neun Uhr auf. Es ist immer noch nass und grau, aber es regnet zum Glück nicht mehr. Kurz nach Treviso führt mich meine app an ein Flüsschen.

Fahrradweg bei Treviso

Leider dauert die Idylle nicht allzu lang an und es geht darauf umromantischen Provinzstrassen entlang.

Später führt mich mein Weg auf eine historische Strasse mit wenig Verkehr, aber leider wird die Strasse nach und nach immer schlechter, bis ich zum Schluss auf einem schlammigen Feldweg lande, auf dem ich nicht mehr vorwärts komme und absteigen muss.

Fahrradroute in der Nähe von Treviso

Ich qüale mich zu Fuss durch den matschigen und klebrigen Schlamm. Zum guten Glück wird’s nach 50m wieder besser.

Was für ein Dreck!

So dreckig war mein Fahrrad noch nie; aber es fährt nach wie vor einwandfrei.

Oft fahre ich heute irgendwelchen Gewässern entlang, das ist einerseits schön, andererseits sind die Wege oft ein wenig holprig und ich komme nur langsam voran.

Fahrradroute Richtung Lagune Veneto

Schon bald gelange ich an die Lagune Veneto, ich bin also gar nicht so weit von Venedig entfernt. Um den östlichen Teil der Lagune führt ein schön angelegter Fahrradweg.

Fahrradweg an der Lagune Veneto

Ich umrunde dieses Lagune und gelange dabei nach Jesolo, wo ich einen kurzen Halt mache.

Jesolo

Die Fahrradroute führt mich aber nicht an das berühmte Lido von Jesolo, sondern ist etwas entfernt vom Strand.

Als ich gemütlich unterwegs bin, werde ich Zeuge, wie auf einem Feldweg etwas unterhalb meiner Route eine Postbotin mit ihrem Elektrotöff auf dem schlammigen Untergrund ausrutscht und stürzt. Sie rappelt sich auf, sieht mich und ruft mir verzweifelt zu, ob ich ihr helfen könne. Ich steige von der Strasse runter und bin froh, dass auch ein Anwohner das Malheur gesehen hat und zu Hilfe eilt. So schaffen wir es, das schwere Gefährt wieder „auf die Beine“ zu stellen.

Postbotin nach Unfall

Etwas weiter habe ich erstmals Blick auf das Meer, die Adria. Das muss ich festhalten.

Blick auf das Meer in der Nähe von Caorle

Wenig später mache ich einen kleinen Abstecher Richtung Meer, denn ich möchte das bekannte Fischerstädtchen Caorle besichtigen.

Caorle, Blick aufs Meer

Ich sehe mich ein bisschen in diesem charmanten Städtchen um und setze mich in ein Café.

Kaffeehalt in Caorle

Es hat schon erstaunlich viele Touristen in diesem Städtchen, auch Schweizerdeutsch ist zu vernehmen.
Ich breche aber bald wieder auf, denn mein Weg ist noch ziemlich weit. Wieder fahre ich in der Folge einem Kanal entlang und bin nach ca. 3 km erstaunt, dass mich meine app links abbiegen lässt – da ist aber nur der Kanal und eine kleine Schiffsanlegestelle. Ich brauche ein Weilchen, bis ich kapiere, was los ist: Von hier sollte mich ein Schiff nach Bibiano bringen – das hatte ich bei meiner Planung übersehen, denn heute fahren keine Schiffe. Pech gehabt! Ich muss wieder umkehren und einen anderen Weg an meinen Zielort Marano Lagunare suchen. Als ich von Caorle nun Richtung Norden fahre, plant mir meine app zwar eine neue Route, aber bis an meinen Zielort sind es nun noch 45 km und es ist schon bald 4 Uhr. Das ist happig.

Ersatzroute Richtung Norden

Auch heute musste ich wieder mit viel Gegenwind kämpfen und ich kann mir nicht vorstellen, wie ich insgesamt 130 km unter diesen Umständen schaffen soll. So suche ich in der nächst grösseren Stadt nach einem Hotel und bin froh, dass ich fündig werde.

Latisana, ungeplantes Etappenziel

Ich ärgere mich, dass ich diese Etappe schlecht geplant habe und nicht gemerkt habe, dass die geplante Fahrradroute von Schiffskursen abhängig ist. Tja, wieder etwas gelernt.

Fakten Etappe 4: Treviso-Latisana
Gefahrene Strecke: 108 km
Durchschnittsgeschw. 13.9 km/h
Übernachtung im Hotel Bella Venezia, Latisana