Day 2: Udine-Koper (Istrien-Tour)

Als ich an diesen Morgen den Rolladen hochziehe, sehe ich, dass es regnet und sehr grau ist.

Blick aus dem Hotelfenster

Das ist nicht überraschend, denn die Wettervorhersagen für diesen Dienstag sind nicht gut.

Also werfe ich mich nach dem typisch italienischen Frühstück (= nicht so gut; trockenes Weissbrot, süsse Gipfel, merkwürdiger Fruchtsaft, Scheibenkäse, wässriger Kaffee etc.) ins Regenkostüm und fahre um viertel vor neun los.

Es ist nicht lustig durch den Regen zu fahren und es sieht so aus, als würde es heute nur einmal regnen. Doch entgegen meinen Erwartungen lockern sich die Wolken nach ca. 1 ½ Stunden etwas auf und es hört auf zu regnen. Das halte ich fotografisch fest, denn es ist landschaftlich ziemlich schön auf diesem Abschnitt.

Friaulische Landschaft

Nachdem ich eine Zeitlang noch auf der Alpe-Adria-Fahrradroute unterwegs war, bin ich nun links abgebogen und fahre Richtung Triest.

Unterwegs komme ich an einer gigantischen Gedenkstätte für Kriegsgefallene vorbei. Es ist das grösste Mahnmal in Italien und erinnert an die 100’000 (!) Gefallenen, die hier bei Schlachten im 1. Weltkrieg gefallen sind.

Gedenkstätte für Kriegsgefallene bei Redipuglia

Hier mach ich einen kleineren Halt, ziehe die Regenkleider aus und esse ein paar Datteln und Nüsse. Meine neue Löffler-Regenhose hat sich bewährt; nur am Oberkörper bin ich etwas nass; das rührt aber wohl vom Schwitzen her.

Die bald folgende Strecke von Monfalcone nach Trieste kenne ich schon, trotzdem bin ich wieder überwältigt vom ersten Blick auf das Meer.

Blick auf das Meer bei Portopiccolo

Ein gigantisches Kreuzfahrtschiff ist im Hintergrund vor Anker; ich sehe es später immer wieder von anderen Blickwinkeln.
Auf der Küstenstrasse nach Trieste weht mir ein heftiger Wind ins Gesicht. Es geht hier eigentlich immer leicht runter, aber trotzdem muss ich in die Pedalen treten wie verrückt!

Auf der Küstenstrasse nach Triest

Unterwegs überholt mich 2x ein Tourenfahrer. Beim zweiten Mal kommen wir etwas ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er Franzose (vom französischen Jura) ist und bis nach Griechenland radelt. Er staunt, dass ich so wenig Gepäck dabei habe. Kein Wunder, denn ich habe nicht noch ein Zelt dabei so wie er.

In Trieste sind gerade Vorbereitungen für eine grosse Messe in Gange; so ist der Blick auf den Palazzo del Governo durch einen Lexus-Stand beeinträchtigt.

Palazzo del Governo, Trieste

Im Hafen ankert ein weiteres riesiges Kreuzfahrtschiff, – da bin ich doch froh, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs bin und mich nicht mit tausenden Leuten wie Sardinen auf dieses Schiff quetschen muss!

Hafen von Trieste mit Kreuzfahrtschiff

In der Innenstadt genehmige ich mir einen Toast und ein kleines Bier, bevor ich diese interessante Stadt wieder verlasse. Leider sind hier die Velofahrer eine «quantité negligeable», denn Fahrradstreifen gibt’s es hier kaum und ich muss höllisch aufpassen im chaotischen Verkehrsgewühl in dieser Stadt.

Froh bin ich, als ich endlich wieder im Grünen bin und auf einem schönen Fahrradweg lande. Wenig später bin ich an der Grenze Italien-Slowenien.

Grenzübertritt nach Slowenien

Meine Freude ist aber nicht lange anhaltend, denn dunkle Wolken künden Regen an, der knapp 10km vor dem Ziel einsetzt. Das müsste jetzt nicht sein, denke ich, bin aber froh, dass ich an einer grossen Kreuzung ein modernes Bushaltestelle-Häuschen entdecke; ein Geschenk des Himmels!

Umziehhalt in Bushaltestelle-Häuschen

So kann ich vor Regen geschützt wieder meine Regenmontur überstreifen, d.h. Regenhose, Regenjacke und Schuhschütze, auch das iPhone wird regendicht in einen Gefrierbeutel verpackt. Nach dieser Prozeder geht’s in strömenden Regen weiter Richtung Koper, einem schönen Städtchen mit einer riesigen Hafenanlage, wo sich unzählige Containertürme stapeln und Autos auf ihre Verschiffung warten.

Die Fahrradwege sind hier wieder vorbildlich, was für ein Kontrast zu Triest.

Als ich im noblen Grandhotel Koper ankomme, habe ich ein ungutes Gefühl, hier mit meinen schmutzigen Taschen und nassen Kleidern einzuchecken, aber das Personal ist sehr freundlich und zerstreut meine Bedenken.

Einchecken im Grand Hotel Koper

Blick von meinem Zimmer

Nach einer wärmenden Dusche und einem kurzen Nickerchen geniesse ich die hervorragende Küche dieses Hotels. So findet ein nicht so angenehmer Tourentag ein Happy-End!

Im Restaurant des Grand Hotel Koper

Fakten Day 2: Udine-Koper
Gefahrene Strecke: 98 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.7 Km/h
Bergauf: 500 m
Bergab: 590 M
Übernachtung im Grand Hotel Koper

Screenshot

Day 1: Tarvisio-Udine (Istrien-Tour)

Nach Anreise am Vortrag beginnt heute meine Herbsttour, die ich Istrien-Tour nenne, weil ich von Tarvisio startend gegen Süden fahre und in den nächsten Tagen die Istrische Halbinsel umrunden möchte.

Tarvisio liegt im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien und ist ein alpiner Kur- und Skiort auf italienischem Gebiet.

Tarvisio mit Blick auf die slowenischen Alpen

Es ist sehr kalt heute morgen, ca. 7° Grad, als ich gegen 9 Uhr losfahre. Nach wenigen Minuten erreiche ich den Bahnhof Tarvisio, wo ich auf den Ciclovia Alpe Adria gelange. Ein Schulklasse auf Ausflug hat sich ebenfalls eingefunden und lässt geduldig eine Rede ihres Lehrers über sich ergehen.

Am Bahnhof Tarvisio Città

Das Spezielle an diesem Bahnhof ist aber, dass hier keine Züge mehr fahren und es auch keine Gleise mehr hat, dafür führt hier die Fahrradroute vorbei, die auf den ehemaligen Geleisen dieser Zugsstrecke angelegt ist. – Fahrradwege auf ehemaligen Zugssstrecken sind immer sehr angenehm, da sie abseits von Strassen sind und das Gefälle oder die Steigungen sehr moderat ausfallen. So ist es auch heute.

Ciclovia alpe adria in der Nähe von Tarvisio

Ich bin froh, als ich im Sonnenschein fahren kann, so werden meine kalten Muskeln, meine kalten Hände und Beine etwas aufgewärmt. Nach kurzer Steigung fahre ich in der Folge dem Fluss Fella (Fiume Fella) entlang abwärts. Es ist landschaftlich schön hier, aber die Berge sehr schroff.

Fahrradroute entlang dem Fiume Fella

Nach ca. 1 Stunde Fahrzeit erreiche ich die ehemalige italienisch-österreichische Grenze.

Alter Grenzstein bei Pontebbia

Die Route ist sehr interessant und führt manchmal über ehemaligen Eisenbahnbrücke und -tunnels, wobei in einigen sogar die Beleuchtung mit Bewegungsmeldern eingeschaltet wird.

Überquerung einer ehemaligen Eisenbahnbrücke

Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Chiusaforte wurde in ein Café umfunktioniert. Es erscheint gerade zur rechten Zeit auf meinem Weg, denn einen wärmenden Kaffeehalt habe ich bitter nötig.

Kaffeepause in Chiusaforte

Ich trinke eine dickflüssige heisse Schokolade und esse dazu einen feinen selbstgemachten Kuchen.

Bald schon wieder fahre ich gestärkt weiter und werde kurz darauf von einem Kran aufgehalten, der den ganzen Fahrradweg versperrt. Der Kranführer ist aber sehr freundlich und rät mir das Fahrrad über die Standbeine des Krans zu heben und bietet mir sogar an, mir dabei zu helfen; das ist aber nicht nötig.

Kran im Weg

Inzwischen ist die Sonne verschwunden und der Himmel wolkenverhangen. Das Tal, das ich durchfahre «beherbergt» neben der Fahrradstrecke eine Haupstrasse und eine Autobahn, die aber nicht gross stört, da sie sich oft in Tunnels oder auf der anderen Seite des Flusses befindet.

Talwärts auf der Ciclovia alpe adria

In Venzone einem kleinen Städtchen, das von einer mittelalterlichen Stadtmauer mit Graben umgeben ist, mache ich eine weitere Pause und trinke in einem Café draussen einen Capuccino und esse dazu ein Tiramisù. Etwas gar viel Süsses heute, wie ich mit ein wenig schlechtem Gewissen feststelle.

Kaffeepause in Venzone

Nach ca. 50km erreiche ich eine Ebene und verlasse die Berge.

Landschaft bei Gemona del Friuli

Bis jetzt bin ich gut vorangekommen am heutigen Tag, aber ca. 25 km vor dem Etappenziel Udine gerate ich auf Feldwege und ich frage mich, ob ich hier noch auf dem Ciclovia Alpe Adria bin.

Auf einem Feldweg im Naturschutzgebiet

Ca. 15 km fahre auf diesen Feldwegen – landschaftlich zwar schön, aber ich komme kaum mehr vorwärts. Als ich die holprigen Weg endlich hinter mir lassen kann, bin ich schon in den Vororten von Udine angelangt und rasch im Zentrum dieser grösseren Stadt, wo mir ein schönes Gebäude ins Auge springt. Es ist die Loggia del Lionello, das 1448-1457 im Stil der venezianischen Gotik mit offener Loggia im Parterre erbaut wurde.

Loggia del Lionello,  Udine

Auch die Piazza Libertà mit Loggia die San Giovanni und Castello, welches etwas erhöht über der Stadt trohnt, können sich sehen lassen

Auf der Piazza Libertà.

Damit ist meine Stadtbesichtigung aber schon mehr oder weniger zu Ende und ich fahre zu meinem Hotel, das etwas ausserhalb des Stadtzentrums liegt.

Leider ist das hoteleigene Restaurant geschlossen, so dass ich mich nochmals zu Fuss ins Zentrum aufmache, wo ich eine kleines, süsses Café finde, wo ich etwas Warmes essen kann. Beim Essen habe ich das Vergnügen, einem junge Mann zuzuhören, der am Piano einige Songs zum Besten gibt. Es ist aber mehr ein Üben als ein Vorspielen, so dass die Unterhaltung eher etwas nervt.

In einem Café in Udine

Natürlich darf ein Café Corretto nicht fehlen nach den ganz ordentlichen penne amatriciana.

Café Corretto

Nach diesem kurzen Ausflug setze ich mich noch in die Hotelhalle und trinke ein Bier und kriege dabei mit, wie es im Hintergrund ein Gezeter gibt zwischen Hotelbesitzerin und Handwerkern, die eine Tür reparieren sollten. Worüber die beiden Parteien aber genau streiten, finde ich mit meinen eher bescheidenen Italienisch-Kenntnissen nicht heraus.

Im Hotel San Giorgio, Udine

So neigt sich der gelungene erste Tourentag dem Ende entgegen – aber halt!  Ich muss ja noch den Blog schreiben.

Fakten Day 1: Tarvisio-Udine
Gefahrene Strecke: 102 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17.0 Km/h
Bergauf: 350 m
Bergab: 950 M
Übernachtung im Hotel San Giorgio

Screenshot

Day 5: Mojstrana-Ljubljana (Ljubljana-Tour)

Die Schlussetappe meiner Sommertour wird nicht so lang sein, so nehme ich es gemütlich an diesem Donnerstag-Morgen und fahre erst gegen halb neun Uhr los, nicht ohne noch eine Foto zu machen vom Garten dieser aussergewöhnlichen Unterkunft.

Garten meiner Unterkunft in Mojstrana

Die Fahrradroute führt mich im nördlichen Save-Tal weiter nach Osten. Die Fahrradroute ist zu Beginn wieder perfekt, nur die Autobahn ist zuweilen ein kleiner Störfaktor.

Fahrradroute bei Jesenice

Bei der grösseren Ortschaft Jesenice hört der tolle Fahrradweg leider auf. Die Route verläuft nun bis Ljubljana meist auf Nebenstrassen mit wenig Verkehr.

Eine kleinere böse Überraschung erlebe ich, als eine Brücke wegen Bauarbeiten gesperrt ist; ich frage mich, wie ich auf die andere Seite des Tobels gelangen kann.

Gesperrte Brücke

Glücklicherweise wurde nicht weit entfert eine kleine Ersatzbrücke für die Fahrradfahrer und Fussgänger gebaut.

Ersatzbrücke

Sonst bleibt die heutige Etappe ziemlich ereignislos. Auch heute ist das Wetter wieder perfekt zum Fahrradfahren und die Temperatur um 25°-27° Grad herum sehr angenehm.

Unterwegs

Als ich gegen die Mittagszeit bei einem schönen Gartenrestaurant vorbeifahre, kann ich nicht widerstehen und ich setze mich an einen Tisch im Schatten.

Mittagshalt in Naklo

Die tagliatelle bolognese schmecken ausgezeichnet und die Portion ist so riesig, dass ich beschliesse, abends nicht nochmals etwas Warmes zu essen.

Eine grössere Stadt auf der heutigen Etappe ist Kranj.

Kranj

Als ich wieder mal am Ufer der Save bin, sehe ich, dass der Fluss an dieser Stelle wohl zu einem See gestaut ist.

An der Save

Die heutige Etappe ist ziemlich coupiert. Überhaupt scheint Slowenien ziemlich bergig und hüglig zu sein – zumindest die Gebiete, die ich bis jetzt kennengelernt habe.

Schon um etwa 14 Uhr erreiche ich die Agglomeration von Ljubljana.

In der Agglomeration von Ljubljana

Von hier geht es noch ca. 8 km schnurgerade ins Stadtzentrum, wo ich um viertel vor drei bei meinem Hotel ankomme und damit mein Tourziel heil und ohne Unfall erreicht habe.
Ich geniesse mein kühles klimatisiertes Zimmer, bevor ich mich auf einen Stadtrundgang aufmache. Ljubljana kannte ich bisher nicht, weshalb ich mir ziemlich viel Zeit nehme, möglichst viel von dieser schönen Stadt aufzusaugen.

Besonders gefällt mir der Bereich unterhalb der Burg.

Alstadt von Ljubljana

Sehr schön ist auch der Fluss (nicht die Save), die die Altstadt in zwei Teile trennt. Immer wieder fahren hier Touristenboote vorbei und sogar Stand-Up-Paddlers paddeln darauf.

Stand-Up-Paddlers auf der Lubljanica mit Burg im Hintergrund

Es hat ziemlich viele Touristen hier, aber es hält sich in Grenzen. Man hört viele Sprachen, manchmal vernehme ich auch Schweizerdeutsch.
Nach dem ausgedehnten Stadtrundgang ziehe ich mich wieder in mein Hotel zurück, denn ich möchte ja noch den heutigen Blog schreiben. Die hoteleigene Dachterrasse ist dafür gerade richtig, es gibt sogar Life-Musik hier.

Auf der Hotelterrasse am Blogschreiben.

Damit enden meine Berichte über meine wunderbare Sommertour, die ich wärmstens empfehlen kann. Gefreut habe ich mich über die vielen Feedbacks zu meinen Blogeinträgen. Herzlichen Dank dafür.

Fakten Etappe 4: Mojstrana-Ljubljana
Gefahrene Strecke: 75 km
Durchschnittsgeschw. 15.1 km/h
bergauf: 420 m
bergab: 780 m
Übernachtung im City Hotel Ljubljana

Day 5: Paternion-Mojstrana (Ljubljana-Tour)

Der Gasthof Tell, in dem ich nächtigte, ist schon seit 1509 (!) eine Herberge. Ich geniesse deshalb nochmals den Aufenthalt in diesen historischen Gemäuern beim Frühstück.

Frühstück im Gasthof Tell, Paternion

Beim Auschecken frage ich die nicht mehr ganz junge Wirtin, wie der Gasthof zu seinem Namen gekommen ist. Sie gibt mir gerne Antwort. Ihr Grossvater sei 1902 der beste Schütze im österreichischen Kaiserreich gewesen und hätte deshalb die Tell-Auszeichnung erhalten und er hätte dann dem Gasthof diesen Namen gegeben. Ziemlich interessant!

Als ich um viertel nach acht losfahre, sind die Strassen noch nass vom nächtlichen Regen. Bald schon bin ich wieder auf dem Drautalradweg, der mich gegen Osten führt.

Auf dem Drautalradweg

Ich starte in gemütlichem Tempo an diesem wolkenverhangenen und angenehm kühlen Morgen. Bei Villach überquere ich die Drau zum letzten Mal, denn ich biege nun rechts ab auf den Gailtalradweg. Hier führt auch die Alpe-Adria-Radtour durch, weshalb hier ziemlich viele Radfahrer unterwegs sind.

Auf dem Gailtalradweg bei Villach

Ich überquere diesen Fluss nach ca. 10 km und fahre noch ca. eine Stunde bis ich die Grenze zu Italien erreiche.

Überquerung der Gail

Beim Zoll mache ich meinen ersten Halt, und da es schon halb zwölf Uhr ist, setze ich mich in den Aussenbereich einer Pizzeria und esse eine kleine Lasagne.
Die Veloroute ist auch hier abseits von Hauptstrassen angelegt, dafür geht es so ziemlich auf und ab, bis der Weg wieder auf einem ehemaligen Bahntrassee weiterführt.

Fahrradroute bei Tarvisio

Bald darauf verlasse ich aber den Alpe-Adria-Radweg und zweige links Richtung Slowenien ab. Überrascht und zufrieden merke ich, dass auch hier die Radroute auf einer ehemaligen Bahnstrecke in angenehmer Steigung Richtung Osten weiterführt.

Unterwegs Richtung Slowenien

So erreiche ich fast mühelos die Passhöhe auf 870 m.ü. M. Hier befindet sich auch die Grenze von Italien zu Slowenien.

Grenze Italien-Slowenien in der Nähe von Kranska Gora

Nun ist es nicht mehr weit bis zu meinem Etappenziel Mojstrana. Es ist sehr schön hier in den slowenischen Alpen. Zu meiner rechten Seite befindet sich der «Triglavski Narodni Park», der wohl etwa vergleichbar mit dem Schweizer Nationalpark ist.

Blick Richtung «Triglavski Narodni Park»

Bald erreiche ich den bekannten Skiort Kranska Gora, wo ich einen kurzen Kaffeehalt mache.

Halt in Kranska Gora

Die nördliche Save entspringt in der Nähe von Kranska Gora und ich befinde mich im nördlichen Save-Tal (es gibt noch eine südliche Save).

ausgewaschenens Flussbett der nördlichen Save

Der Radweg hier ist wirklich aussergewöhnlich schön – der begeisterte Tourenfahrer (das bin ich) ist begeistert!

Fahrradroute zwischen Kranska Gora und Mojstrana

Ca. um 15.15 Uhr bin ich schon bei meiner Unterkunft, die ich vor einiger Zeit vorreserviert hatte.
Die nette Gastwirtin zeigt mir mein Zimmer und beglückt mich mit einem eisgekühlten Willkommens-Wein; eine nette Geste, aber ich hätte ein Bier bevorzugt. So setze ich mich auf den Balkon meines Zimmer und genehmige mir ein Gläschen.

Willkommensdrink in meiner Unterkunft

Nach ausgiebigerer Siesta als sonst – der Wein zeigte Wirkung – setze ich mich in den Garten des einzigen Restaurants in diesem Ort. Die schöne Etappe findet auch kulinarisch ein gutes Ende!

Nachtessen in Mojstrana

Fakten Etappe 4: Paternion-Mojstrana
Gefahrene Strecke: 84 km
Durchschnittsgeschw. 14.6 km/h
bergauf: 720 m
bergab: 580 m
Übernachtung im Aparthotel Pr’Jakapč, Mojstrana

Day 4: Lienz-Paternion (Ljubljana-Tour)

Als wir heute um 7 Uhr ans Frühstücksbuffet kommen in der Erwartung wir seien die ersten, erleben wir eine Überraschung, denn es wird schon von ca. 20 Chinesen belagert. Es hat aber genug von allem und auch genug Platz. Wir lassen uns auf der Gartenterrasse nieder und geniessen das tolle Frühstück am Ufer der Isel.

Frühstück draussen

Wir beeilen uns nachher beim Packen und fahren wie geplant genau um 8 Uhr los, denn wir sollten spätestens um 13.30 Uhr in Spittal sein – immerhin 76 km entfernt – , wo mein Sohn den Zug nach Zürich nehmen wird.

Es ist angenehm kühl an diesem Morgen und oft verdecken Wolken die brennende Sonne.

Auf dem Drauradweg Richtung Spittal

Zu Beginn fahren wir auf dem Damm der Drau, wo wir ein forsches Tempo anschlagen und 20 km/h schaffen.

Überquerung der Drau

Wir haben wieder grosses Glück mit dem Wetter und geniessen die Fahrt dementsprechend.

Drauradweg zwischen Lienz und Spittal

Etwas später führt die Route durch etwas coupierteres Gelände und es folgt ein ständiges Auf und Ab – das ist nicht schlimm, aber ziemlich anstrengend.

Ca. um 11 Uhr machen wir die erste Pause an einer etwas erhöhten Stelle, von der wir eine schöne Aussicht haben.

Znünipause

Der Weg ist heute nicht immer asphaltiert, oft befahren wir Naturstrassen, so wie hier:

Fahrradweg in der Nähe von Spittal

Schon um 12.15 Uhr erreichen wir Spittal. So bleibt uns Zeit, miteinander essen zu gehen, bevor wir uns trennen.
Als wir am Bahnhof ankommen, erfahren wir, dass der Zug nach Salzburg eine halbe Stunde Verpätung hat.

Abschied von meinem Sohn in Spittal

Es war sehr schön, 4 Tage mit meinem Sohn zu radeln. Wir haben nun schon einige Touren miteinander gemacht und irgendwann wird er wohl nicht mehr mitkommen …
Wegen der grossen Verspätung des Zuges verabschieden wir uns, ohne dass ich den Zug abwarte.

Gemütlich fahre ich weiter, denn es ist nicht mehr weit bis zu meinem Etappenziel.

Auf dem Drauradweg bei Spittal

Als ich nach hinten blicke, sehe ich, dass dunkle Wolken aufziehen und schnell in meine Richtung wandern.

Dunkle Wolken im Anzug

So erhöhe ich mein Tempo, denn ich möchte trocken an meinem Zielort Paternion ankommen. Etwas später komme ich an eine Barriere und lese, dass der Fahrradweg wegen Mäharbeiten gesperrt ist.

Gesperrter Fahrradweg

Glücklicherweise ist die Umleitung gut signalisiert, so dass ich kaum Zeit verliere.

Als ich die Drau auf einem Stauwehr überquere, sind die Regenwolken schon sehr nahe und ich höre schon entferntes Donnergrollen.

Drauüberquerung bei Paternion

Schliesslich schaffe ich es dennoch gerade noch vor dem Regen im Hotel anzukommen. Es heisst Gasthof Tell und ich frage mich wie der Schweizer Nationalheld es hierhin geschafft hat.

Ankunft im Gasthof Tell, Paternion

Beim Warten sehe ich mich etwas um in diesem Gasthof und fühle mich dabei in eine andere Zeit versetzt.

Gaststube, Gasthof Tell, Paternion

Als ich mein nicht zugeschlossenes Zimmer 9 betrete, habe ich einen kleinen Schock. Es ist unaufgeräumt, Dinge liegen herum und die Bettdecke liegt zerknüllt auf dem Bett. Ich möchte schon zur Rezeption gehen und reklamieren, als ich auf die Idee komme, die Zimmernummer zu überprüfen: Die 9 könnte vielleicht eine 6 sein, denke ich – richtig gedacht. Meine Zimmer hat die Nummer 6, die Aufregung also umsonst.

Das «richtige» Zimmer

Ich bin froh, dass alles in Ordnung ist und ich die ersehnte Dusche nehmen kann, bevor ich mich etwas hinlege.

Nachher schlendere ich noch etwas im kleinen Dorf herum und suche das Schwimmbad, das als besonders schön angepriesen wird und wo es ein Café geben sollte gemäss Google Maps. Es ist aber alles geschlossen und keine Seele zu sehen – und das mitten im Sommer!

Ein jüngerer Mann, der mir begegnet, meint zu mir: «Na, ein bissl die Beine vertreten?» – Ihm ist wohl mein extrem langsamer Gang aufgefallen, so als wäre ich rekonvaleszent.

Unterwegs staune ich über Bäume, die auf einem verlassenen Haus wachsen:

Baumgarten auf einem Dach

Nach dem Spaziergang gibt’s schon bald etwas zu essen und ich bin froh, gleich im Hotel essen zu können, denn es ist wohl das einzige Restaurant im Dorf.

Zwischen den Gängen schreibe ich an meinem Blog, so vergesse ich fast, dass ich heute alleine speise.

Fakten Etappe 4: Lienz-Paternion
Gefahrene Strecke: 95 km
Durchschnittsgeschw. 18.1 km/h
bergauf: 500 m
bergab: 680 m
Übernachtung im Gasthof Tell, Paternion

Day 3: Obervintl-Lienz (Ljubljana-Tour)

Als wir am heutigen Tag losfahren, ist es ziemlich grau und trüb; aber das ist uns gerade recht, denn so kommen wir nicht so sehr zum Schwitzen beim Aufstieg, der uns bis auf 1120 m. ü. M. führen wird.

Auf dem Pustertalradweg i. der Nähe von Obervintl

Nach knapp 2 Stunden erreichen wir den ersten grösseren Ort, das kleine Städtchen Bruneck, wo wir einen kurzen Kaffehalt machen.

Bruneck

Wir folgen nun dem Fluss Rienz, der im Gebiet der drei Zinnen entspringt. Besonders idyllisch ist der Abschnitt nach Bruneck, wo die Fahrradroute auf Naturstrassen Richtung Toblach führt.

Der Rienz entlang

Auf einem ersten Plateau erreichen wir den Kurort Olang, der in drei Ortschaften gegliedert ist: Niederolang, Mittelolang und Oberolang.

Niederolang

In Niederdorf machen wir eine kurze Mittagsrast und essen unsere Brötchen.

Mittagsrast in Niederdorf

Von hier führt eine Strasse an den berühmten Pragser Wildsee, der von Touristen förmlich überrannt wird aufgrund seiner aussergewöhnlichen Schönheit. Auch das Gebiet der drei Zinnen ist von hier gut erreichbar.

Wenig später erreichen wir Toblach welches auf einer grossen europäischen Wasserscheide liegt, denn hier in der Nähe entspringt die Drau, die im Gegensatz zur Rienz in die Donau und schliesslich ins schwarze Meer mündet.

Bei Toblach

Nach Toblach folgen wir nun eben dieser Drau, die uns bis ans Etappenziel begleiten wird.

Auf dem Drauradweg in der Nähe von Toblach

Dieser Radweg ist einer der schönsten Radwege, den ich kenne; vor allem wenn man ihn flussabwärts befährt so wie wir.  Meist geht es in angenehmen Gefälle dem Fluss entlang abwärts und der Fahrradweg ist völlig entfernt von der Haupstrasse, man erlebt hier also Natur pur!

Auf dem Drauradweg

Es sind einige Fahrradradfahrer unterwegs an diesem Montag. Viele auch auf Mietvelos, die man an den Bahnhöfen ausleihen kann.
Die Wolken haben sich in der Zwischenzeit verzogen und wir geniessen nun das herrliche, angenehme Sommerwetter.

Auf dem Drauradweg

Wir kommen nun forsch voran und gönnen uns deshalb bei einem kleinen Zwischenhalt einen süssen Dessert.

Dessert!

Nun ist es nicht mehr weit bis Lienz, unserem heutigen Etappenziel. Es war gar nicht so einfach hier ein Hotel zu finden; schliesslich gab es noch freie Zimmer im edlen Grand-Hotel Lienz, was mein Budget aber arg strapaziert.

Unser Zimmer im Grand-Hotel Lienz

Wir sind zu müde, um den Wellness-Bereich zu erkunden und chillen deshalb ein wenig im Zimmer, bevor wir uns auf die Suche nach einem Restaurant machen.

Auf der Suche nach einem Restaurant

Die Suche gestaltet sich ziemlich schwierig, schliesslich werden wir aber fündig und bekommen den letzten Tisch in einem Restaurant im Zentrum.
Zufrieden mit dem Essen und dem heutigen Tag schlendern wir ins Hotel zurück, wo ich bis zum Eindunkeln auf dem Balkon unseres Zimmers an meinem Blog schreibe.

Am Blogschreiben

So endet ein ausserordentlich schöner Tag.

Fakten Etappe 3: Obervintl-Lienz
Gefahrene Strecke: 99 km
Durchschnittsgeschw. 14.9 km/h
bergauf: 820 m
bergab: 890 m
Übernachtung im Grand-Hotel Lienz

Day 2: Gargazon-Obervintl (Ljubljana-Tour)

Nach guter Nacht geniessen wir das Frühstück auf der wunderbaren Terrasse der Pension Sonnenheim, bevor wir um 9 Uhr losfahren.

Bald schon sind wir wieder auf dem Radweg entlang der Etsch und freuen uns über das schöne Wetter und die tolle Aussicht in die Berge.

Etsch-Radweg bei Gargazon

Es sind schon viele Radfahrer unterwegs an diesem Sonntagmorgen, zumeist Männer auf ihren Rennrädern, die uns überholen, was uns aber nichts ausmacht.

Nach ca. 1 Stunde Fahrzeit erreichen wir die Agglomeration von Bozen. Nun biegen wir links ab und fahren in der Folge dem Fluss Eisack entlang, der wie die Etsch auch ziemlich viel Wasser führt.

Die Altstadt von Bozen lassen wir links liegen – bestimmt werde ich ein andermal hier eine Stadtbesichtigung machen.

Fahrradroute dem Eisack entlang.

Der Fahrradweg nach Brixen ist sehr schön. Er ist an manchen Orten auf einem stillgelegten Eisenbahntrassee angelegt und ist meist abseits von Autobahn und Hauptstrasse, die auch durch das zu Beginn enge Tal führen.

Fahrradroute auf stillgelegtem Eisenbahntrassee

Der Wind ist uns gnädig gestimmt und hilft uns, die leichte Steigung bis Brixen problemlos zu bewältigen. Auch gibt es oft schattige Abschnitte, die etwas Abkühlung bringen.

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit lädt uns ein Biorestaurant mit schönem Garten ein, unseren Mittagshalt zu machen.

Zwischenverpflegung in Bio-Restaurant in Atzwang

Wir essen einen Salat mit Käse und Ei – ein bisschen gar viel Grünzeug für meinen Geschmack, aber man hat das Gefühl etwas gegessen zu haben.

Auf der Weiterfahrt bestaunen wir immer wieder Burgen, die hoch oben auf den Felsen thronen wie z.B. bei Klausen, einem kleineren Städtchen.

Burg bei Klausen

Etwa um 2 Uhr treffen wir in Brixen ein, einem grösseren Städtchen mit schöner Innenstadt. Hier machen wir unsere zweite Pause und genehmigen uns in einem Café an der Piazza ein Eis.

Brixen, Hauptplatz

Es ist nun ziemlich heiss geworden, die Wetter-App zeigt 30° Grad. Bald nachdem wir Brixen verlassen haben, verlässt die Fahrradroute den Fluss Eisack und führt uns nun steil aufwärts. Die Sonne brennt gnadenlos und ich muss schon bald vom Rad steigen und es bergauf schieben.

Ein Kloster in meinem Blickfeld erregt meine Aufmerksamkeit.

Kloster Neustift bei Brixen

Es handelt sich um das Kloster Neustift, welches eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat, wie ich abends auf Wikipedia lese.

Der Anstieg ist endlos und die Hitze macht mir so sehr zu schaffen, dass ich kaum noch vorwärts komme, währenddessen mir mein Sohn leichtfüssig wie eine Bergziege davon fährt. Schliesslich schaffe auch ich es auf den höchsten Punkt der Steigung. Mittlerweile haben nun aber drohende Wolken den Himmel bedeckt.

Gewitter im Anzug?

Schnell fahren wir weiter, wir möchten nicht noch in ein Gewitter geraten. Mit gütiger Unterstützung von heftigem Rückenwind erreichen wir kurz vor 17 Uhr unser Ziel, das Aktiv & Genusshotel Lodenwirt in Obervintl.

Ankunft im Hotel

Ich bin ziemlich fix und fertig und lege mich nach der Dusche aufs Bett und mache ein ausgedehntes Nickerchen. Nachher essen wir im hoteleigenen Restaurant ein feines Wienerschnitzel, dazu geniesse ich ein extra für dieses Hotel gebraute Bier, welches sehr lecker ist. Nun geht es mir wieder viel besser!

Nachtessen im Restaurant des Hotels Lodenwirt.

Fakten Etappe 2: Gargazon-Obervintl
Gefahrene Strecke: 82 km
Durchschnittsgeschw. 14.6 km/h
bergauf: 850 m
bergab: 370 m
Übernachtung im Aktiv & Genusshotel Lodenwirt in Obervintl.

Screenshot

Day 1: Ofenpass-Gargazon (Ljubljana-Tour)

Die diesjährige Sommerfahrradtour beginnt auf dem Ofenpass. Nach einer Woche Family-Ferien im Engadin fahre ich frühmorgens um 08.15 Uhr mit dem Postauto von Zernez auf die Passhöhe. Mein Fahrrad darf auf dem Anhänger des Postautos mitfahren. Auch mein Sohn ist auf dieser Tour wieder dabei, allerdings nur die ersten 4 Tage.

Nach einer guten halben Stunde Fahrzeit kommen wir auf dem Ofenpass an; Süsom Givè heisst der Ort oben auf der Passhöhe auf 2149 m ü. M.

Auf dem Ofenpass

Es ist ziemlich kalt hier oben, wohl weniger als 10° Grad. Deshalb packen wir uns warm ein, bevor wir die Fahrt unter die Räder nehmen.

Genau um 9 Uhr beginnt unsere Tour mit der Abfahrt vom Ofenpass ins Münstertal. Wir fahren vorsichtig die Passstrasse runter. Es hat schon ziemlich viel Verkehr für diese frühe Zeit, auch die «geliebten» Motorradfahrer sind schon unterwegs. Für einmal nerven sie mich aber kaum, da sie zumeist «anständig» unterwegs sind. Bald schon erreichen wir die ersten Siedlungen des Münstertals.

Blick auf Tschierv

Wenig später erreichen wir den Hauptort des Münstertals, Müstair. Hier gibt es ein berühmtes Kloster, das im 8. Jahrhundert gegründet wurde. Die heutige Anlage gehört zum Weltkulturerbe der Unesco.

Klosterkirche Müstair

Kurz darauf gelangen wir an die Grenze zu Italien. Dort gibt es einen kleinen Stau, weil die Guardia di Finanza ein Auto samt ihren Insassen näher unter die Lupe nimmt. Uns kümmert das nicht weiter und wir fahren an den wartenden Autos und am Zoll vorbei.

Auf der italienischen Seite des Münstertals folgt ein sehr schöner Abschnitt der meist einem tosenden Bergbach folgt und abseits der Hauptstrasse talwärts führt.

Unterwegs Richtung Malls

Genau nach einer Stunde Fahrzeit erreichen wir in der Nähe von Malls den Vinschgau und damit die Fahrradroute, die vom Reschenpass herkommend nach Meran führt. Da es nun merklich wärmer geworden ist, ziehen wir unsere Jacken, Pullover und Beinschütze aus, bevor wir weiterfahren.

Umziehpause

Die Route durch den Vinschgau gehört zu den schönsten Fahrradwegen überhaupt; man fährt fast immer leicht abwärts, ist immer auf schönen Fahrradwegen unterwegs, dies oft der Etsch entlang oder durch endlose Apfelplantagen und die umgebende Berglandschaft ist umwerfend. Heute passt auch das Wetter: es ist meist etwas bewölkt, was sehr angenehm ist, weil so die Sonne nicht allzu stark brennt.

Unseren ersten Mittagshalt machen wir an einer Stelle, wo ich vor ein paar Jahren mit meiner Tochter schon einmal Rast machte.

Mittagsrast bei Prad am Stilfserjoch

Etwa eine Stunde später gibt’s einen Kaffeehalt direkt beim Fluss.

Kaffeehalt in Göflan

Der Apfelstrudel ist zwar ein bisschen trocken, aber trotzdem lecker.

Fahradweg der Etsch entlang

Es sind ziemlich viele Fahrradfahrer unterwegs, oft ältere Semester so wie ich, und mit E-Bikes ausgerüstet – ich bin halt noch ein wenig altmodisch und bleib bei meinem Bio-Bike.

Gegen zwei Uhr erblicken wir erstmals Meran, welches hinten rechts in der Ebene liegt.

Blick auf Meran

Wir fahren aber nicht in die Stadt hinein, sondern umrunden sie etwas. Ich war schön öfters in Meran, weshalb wir gut auf die Stadtbesichtigung verzichten können.

Auf den letzten Kilometern unserer Tour geht es wieder durch Apfelplantagen.

Radweg durch Apfelplantagen bei Meran

Die Wolken haben sich fast ganz verzogen und es ist nun plötzlich sehr heiss geworden. Zum Glück ist es nicht mehr weit zur Pension Sonnheim in Gargazon, unserem ersten Etappenort. Wir haben Glück; wir können gleich einchecken, als wir ankommen und nachher den schönen Pool geniessen. Was will man mehr?

Ein Bad im Pool

Etwas schwieriger wird es, ein Restaurant zu finden; wir werden schliesslich aber fündig und finden ein Plätzchen im Restaurant des Tennis-Clubs.

Abendessen draussen

Vor dem Einnachten sitzen wir noch ein wenig auf der Hotelterrasse und geniessen die sommerliche Abendstimmung. Gabriel lernt auf seine letzte Prüfung und ich schreibe meinen Blog. So endet ein ausserordentlich schöner Tourentag.

Fakten Etappe 1:
Gefahrene Strecke: 101 km
Durchschnittsgeschw. 20.9 km/h
bergauf: 250 m
bergab: 2100 m

Screenshot


Day 5: Heidelberg – Mannheim (Neckartal-Tour)

Als ich heute morgen allein beim Frühstück in der reizvollen Gaststube sitze, beginne ich die Musikinstrumente zählen, die als Lampendekoration dienen oder irgendwo im Raum aufgehängt sind. Ich zähle insgesamt 15 Instrumente: 5 Geigen, 9 Blechblasinstrumente jeglicher Art und ein Akkordeon und alle sind echt. Das ist eine aussergewöhnliche Dekoration.

Gaststube im Hotel Hackteufel, Heidelberg

Ich hab’s heute nicht eilig. Meine letzte kurze Etappe wird mich nach Mannheim führen, von wo ich den Zug nach Zürich nehmen werde. Beim Verlassen dieser schönen Stadt entdecke ich den Affen, der so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt ist.

Affe von Heidelberg

In der Folge fahre ich noch längere Zeit in der Agglomeration von Heidelberg herum, bis ich wieder im Grünen bin und auf gut signalisierter Fahrradroute Richtung Mannheim fahre.

Fahrradroute zwischen Heidelberg und Mannheim

Heute ist es fast schon sommerlich warm und ich trage zum ersten Mal auf meiner Tour von Beginn weg keine Jacke.

Ein bisschen Abwechslung gibt’s, als ich mit einer kleinen Fähre über den Neckar setzen muss.

Fähre bei Neckarhausen

Die heutige Etappe ist topfeben und so komme ich mühelos vorwärts.
Als ich so daherfahre, kommt mir der Begriff «Mannheimer Rakete» in den Sinn. Wer weiss, was das ist? (Das heutige Rätsel, man darf gerne danach googeln).
 In einem Vorort von Mannheim fahre ich am Fernmelde-Turm vorbei. Er gehört zu den Wahrzeichen der Stadt, ist 218 m hoch ist und mit einem Drehrestaurant versehen.

Fernmeldeturm, Mannheim

Schon bald bin ich im Stadtzentrum von Mannheim und möchte mich dort ein wenig umsehen. Vergeblich suche ich aber eine Altstadt; ich lese später, dass sie im Krieg zerstört wurde. Die ursprüngliche quadratische Gesamtanlage ist aber immer noch gut zu erkennen.

Das Barockschloss Mannheim, nach Versailles das zweitgrösste in Europa, befindet sich am Rande des Zentrums und ist gigantisch gross.

Schloss Mannheim

Der Wasserturm gehört ebenfalls zu den Wahrzeichen der Stadt. Deshalb statte ich auch ihm einen Besuch ab.

Wasserturm von Mannheim

Nach einem kurzen Kaffeehalt fahre ich Richtung Bahnhof und bin gespannt, ob die Rückreise mit dem ICE nach Zürich klappt wie vorgesehen – das würde mich wundern. Aber das Wunder bleibt aus. Zuerst wird der Zug mit einer Stunde, dann mit zwei Stunden Verspätung angekündigt, bis schliesslich die Information kommt, dass er ganz ausfällt.
Das ist ärgerlich, aber glücklicherweise kann ich wenigstens eine Stunde später auf einen EC steigen, der mich samt Fahrrad nach Basel bringt. Von dort sollte ich dann problemlos nach Zürich kommen.

Somit endet mein Bericht über die Neckartal-Tour – eine Route, die ich sehr empfehlen kann. Trotz der Nähe zu meinem Heimatort Schaffhausen kannte ich das Neckargebiet mit den vielen schönen kleineren und grösseren Städten bisher kaum. Diese Bildungslücke habe ich nun geschlossen.

Und nicht zuletzt ein herzliches Dankeschön für alle die Wünsche, Rückmeldungen und Likes zu meinen Beiträgen.

Fakten Etappe 5: Heidelberg – Mannheim
Gefahrene Strecke: 30 km
Fahrzeit: 2 Std. 26
Durchschnittsgeschw.: 12.2 km/h
bergauf: 60 m
bergab: 70 m

Screenshot

PS: Auflösung Rätsel Etappe 4: Der Geruch von Bärlauch

Map Gesamttour: Rottweil – Mannheim (Neckartal-Tour)

Day 4: Bad Wimpfen – Heidelberg (Neckartal-Tour)

Heute bin ich etwas früher dran als sonst, denn das Frühstück gibt es in diesem mondänen Hotel schon ab 06.30 Uhr. Das Hotel ist für mich einfachen Fahrradtourenfahrer natürlich viel zu nobel und so geniere ich mich ein wenig mit der Fahrradbekleidung am Frühstück zu erscheinen. Ich ziehe stattdessen «normalen» Kleider an, um nicht aufzufallen.
Wieder unterwegs gelange ich bald an den Neckar. Dabei geniesse ich die morgendliche Ruhe und Frische.

Fahrradroute bei Bad Wimpfen

Nach ca. 20 km stehe ich vor einem etwas unerwarteten Problem: Baumaschinen versperren den ganzen Weg und ich sehe, wie mir entgegenkommende Fahrradfahrer sich fluchend ein Wiesenbord hochkämpfen.

Bauarbeiten an der Fahrradroute

Irgendwie schaffe auch ich es, am Hindernis vorbeizukommen. Nach dieser etwas ärgerlichen Episode, wäre ein erster Kaffeehalt angesagt, aber es gibt auf diesem Abschnitt nur wenig grössere Ortschaften, so dass ich mich gedulden muss, bis ich endlich in Neckargerach eine Bäckerei mit «Steh-Kaffee» entdecke.

Kaffee und Kuchen in der Bäckerei Zumtobel, Neckargerach

Der Rhabarberkuchen schmeckt ausgezeichnet und ich muss mich beherrschen, dass ich nicht noch ein zweites Stück bestelle. Überrascht bin ich, als es ans Zahlen geht; die Dame hinter der Theke verlangt für Kaffee, Kuchen, eine Flasche Mineralwasser und ein Rosinenbrötchen sage und schreibe nur 6 Euro 60.

Wenig später überquere ich wieder einmal den Neckar und habe dabei eine schöne Aussicht auf Zwingenberg mit seinem Schloss.

Zwingenberg

Überhaupt säumen hier viele Burgen, Burgruinen und Schlösser den Weg – und es würde den Rahmen sprengen, alle zu fotografieren und zu dokumentieren
Der kommende Abschnitt durch den Wald ist wunderbar, nur ist der Weg etwas holprig, so dass ich nur noch sehr langsam vorankomme. Dabei kitzelt immer wieder ein intensiver Duft meine Nase. Von welcher Pflanze stammt der Duft? (das heutige Rätsel).

Fahrradroute dem Neckar entlang

Die Pflanze, die hier en masse vorkommt, ist sogar Thema auf einigen Schautafeln am Wegrand. Etwas später fahre ich an weiteren Schautafeln vorbei, die diesmal über den historischen Sandstein-Abbau informieren, der prägend für diese Region war.

Offenbar wird dieser rötliche Sandstein immer noch abgebaut, wie ich wenig später auf der anderen Talseite beobachten kann.

Sandstein-Abbau bei Hirschhorn

Gerade als ich das schöne Städtchen Hirschhorn auf der gegenüberliegenden Seite fotografieren möchte, fährt ein Lastschiff, das Metallschrott geladen hat ins Bild. Eine interessante Kombination!

Hirschhorn und Schiff mit Metallschrott

Der heutige Tag ist wunderbar zum Fahrradfahren. Die Sonne scheint zumeist, es ist etwa 20° Grad warm und es hat kaum Wind; das sind wirklich optimale Verhältnisse.

Im Naturpark Neckartal-Odenwald

Nun ist es nicht mehr weit und schon bald stehe ich vor den Stadttoren von Heidelberg, meinem heutigen Etappenziel.

Ankunft in Heidelberg

Mein Hotel befindet sich in der belebten Altstadt unweit der alten Brücke.

Steingasse mit dem Hotel-Restaurant Hackteufel

Das Nachmittags-Nickerchen halte ich diesmal kurz, ich möchte genügend Zeit haben für die Besichtigung dieser aussergewöhnlich schönen Stadt. So ziehe ich bald los und trete als erstes in die Heiliggeistkirche am Marktplatz.

Innenraum der Heiliggeistkirche, Heidelberg

Darauf schlendere ich längere Zeit der verkehrsfreien Hauptstrasse entlang. Sie scheint unendlich zu sein und später lese ich, dass dies die längste verkehrsfreie Innenstadt Deutschlands sei, also hat mich mein Eindruck nicht getäuscht.

Hauptstrasse von Heidelberg

Für einen Montag sind erstaunlich viele Leute unterwegs. Wie wird das wohl in der Ferienzeit im Sommer sein?
Als ich aus einer Seitengasse Musik höre, zieht es mich dorthin. Eine jüngere Jazzsängerin singt Lieder und begleitet sich selbst auf der Gitarre. Ich höre eine Zeitlang zu und lausche gespannt ihren manchmal witzigen Erklärungen zu ihren Songs.

Konzert von LUVA

Die Songs, die sie (Laura Volk alias Luva) selbst geschrieben hat, gefallen mir gut – später lese ich, dass ihr Stil als «melancholischen Pop mit Jazzeinflüssen beschrieben» wird. Hier ein Beispiel:

Wieder zurück im Hotel, nehme ich dort das Nachtessen ein. Für einmal bestelle ich etwas Einfaches: Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat.
In der gemütlichen Gaststube fallen mir die Lampen ins Auge: Alle sind mit echten Musikinstrumenten verziert.

Gaststube Hotel Hackteufel, Heidelberg

Nach dem Nachtessen ist es noch zu früh, mich ins Zimmer zurückzuziehen – so beschliesse ich, zum Heidelberger Schloss hochzusteigen, wo ich mit einer herrlichen Aussicht auf die Stadt belohnt werde.

Aussicht vom Heidelberger Schloss

Als ich im öffentlich zugänglichen Park noch etwas herumschlendere, erblicke ich den «gesprengten Turm», dessen Anblick offenbar romantische Künstler und auch Goethe inspirierte.

Motiv der Romantik: «Der gesprengte Turm»

Nach diesem Ausflug kehre ich mit vielen Eindrücken ins Hotel zurück, wo ich noch meinen Blogeintrag über diesen schönen Tag schreibe.

Fakten Etappe 4: Bad Wimpfen – Heidelberg
Gefahrene Strecke: 77 km
Fahrzeit: 5 Std. 26
Durchschnittsgeschw.: 14.2 km/h
bergauf: 400 m
bergab: 480 m
Übernachtung im Hotel Hackteufel, Heidelberg

Screenshot

PS: Auflösung Rätsel Etappe 3: Ich habe das Fahrrad hochgehoben (über meinem Kopf) und über die parkierten Autos hinweggetragen.