Day 2: Szentgotthàrd – Köszeg (Burgenland-Tour)

Der zweite Tag meiner Burgenland-Tour beginnt grau und endet grau. Bei diesem Wetter wirken die Häuser der Strasse entlang bei Szentgotthard noch etwas trostloser als sie sonst schon sind.

Unterwegs in der Nähe von Szentgotthàrd

Mein Weg führt mich zuerst auf wenig befahrenen Nebenstrassen Richtung Osten. Unterwegs erblicke ich ein Denkmal, das an den zweiten Weltkrieg erinnert.

Panzerdenkmal

Nach ca. 30 Minunten Fahrzeit endet die asphaltierte Strasse und ich gelange auf einen ziemlich glitschigen Waldweg.

Fahrradroute durch den Wald

Zum Glück erreiche ich bald die Grenze zu Österreich, wo ich wieder bessere Strassen vorfinde.

Grüner Grenze

Die Gegend hier ist hügeliger als erwartet und ich habe immer wieder kleine Steigungen zu bewältigen. Auf meinem Weg entdecke ich strohbedeckte kleine Gebäude.

Historische Weinkeller bei Heiligenbrunn

Ich befinde mich nun offenbar im kleinen Weinbaugebiet des sogenannten Uhudler-Weines, der nur in dieser Region angebaut werden darf und aus Trauben von Direktträgersorten (nicht gepropft, resp. veredelt) gewonnen wird und einen eigenen Charakter hat. Das ist interessant.

Schon bald verlasse ich aber dieses interessante Weinbaugebiet wieder und fahre weiter gegen Nordosten. Dabei begegnet mir wie schon am Vortag ein Velotouren-Schilderbaum; ich befinde mich nun auf dem ökoEnergieland Radweg, dem Weinidylle-Radweg sowie auf der Paradiesroute Südburgenland.

Fahrradparadies Südburgenland

Die Landschaft ist hier dünn besiedelt, ich durchfahre nur wenige kleinere Dörfer wie z.B. Unterbildein:

Unterbildein

Nun befinde ich mich auf dem «Iron Curtain Trail», einer Strasse die der Grenze zwischen Österreich und Ungarn entlangführt. Man könnte hier sogar eine Grenzerfahrung machen auf dem Grenzerfahrungsweg.

Auf dem «Iron Curtain Trail»

Heutzutage ist vom «eisernen Vorhang», der einst den Osten vom Westen hermetisch abriegelte, kaum mehr etwas zu sehen.

Auf ungarischer Seite mache ich nach ca. 3 Stunden Fahrzeit meinen Mittagshalt. Der gedeckte Rastplatz kommt mir sehr gelegen, denn es beginnt ganz leicht zu regnen, kaum habe ich mich hingesetzt.

Mittagspause in Horvàlövö

Von nun an befindet sich meine Route bis ins Ziel auf ungarischem Gebiet. Zum guten Glück hat der Regen wieder aufgehört und ich muss mich deshalb nicht mit den Regenklamotten einkleiden (was ich hasse!).

In der Nähe von Köszeg

Gegen halb vier erreiche ich mein Ziel, die Stadt Köszeg.

Ankunft in Köszeg

Das hellbeige Haus in der Bildmitte ist mein Hotel, wie ich wenig später bemerke. Es handelt sich um ein Gebäude, das die Benediktiner einst nutzten, weshalb es nun Benedict Hotel heisst.

Bevor ich einchecke machen ich einen kleinen Rundgang um das Hotel und entdecke dabei eine Büste von Franz Liszt.

Bronzebüste von Franz Liszt (2013)

Er soll hier 1846 ein Konzert gegeben haben und danach zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden sein.

Das Hotel Benedict ist wunderbar renoviert worden und ich fühle mich in meinem Zimmer sehr wohl.

Mein Zimmer im Hotel Benedict

Nach einem kurzen Nickerchen machen ich noch einen kleinen Bummel durch die äusserst schöne und gepflegte Altstadt von Köszeg.

Altstadt von Köszeg

Nach dem Abendessen in einer Pizzeria in der Nähe des Hotels ziehe ich mich in mein Zimmer zurück und schreibe dort meinen täglichen Blog. Ich bin ziemlich müde und werde wohl bald zu Bett gehen.

Fakten Etappe 2: Szentgotthàrd – Köszeg
Gefahrene Strecke: 72 km
reine Fahrzeit: 4 Std. 33
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.9 km/h
Bergauf: 500 m
Bergab: 450 m
Übernachtung im Hotel Benedict, Köszeg

Screenshot

Day 1: Graz – Szentgotthàrd (Burgenland-Tour)

Nach etwas mühseliger Zugsfahrt nach Graz am Tage zuvor beginnt dort heute bei strahlendem Sonnenschein meine diesjährige Herbsttour. Ich nenne sie Burgenland-Tour, weil sie mich durch das Burgenland zuerst nach Bratislava und schliesslich nach Wien führen soll.

Da Graz schon mal Zielort einer Sommertour war, verzichte ich darauf, durch die Altstadt zu fahren und biege deshalb gleich nach der Fahrt über die Mur-Brücke nach rechts in den Murradweg ein.

Graz in der Morgensonne

Es ist sehr kühl an diesem goldenen Herbsttag, meine Wetterapp zeigte mir morgens 7° an, weshalb ich mich warm angezogen habe – die Sonne wärmt aber so stark, dass ich bald meine Winterhandschuhe wieder ausziehe und eine dünnere Jacke anziehen kann.

Auf dem Murradweg

Bald verlasse ich den Murradweg und meine Reise führt mich in die Hügel.

Mein erstes und auch schon letztes Abenteuer heute ereilt mich, als ich plötzlich vor gesperrter Strasse stehe und ein Graben die Weiterreise verhindert.

Kein Durchkommen

Netterweise fährt der Baggerfahrer etwas zur Seite, so dass ich mein Fahrrad über den Erd- und Schutthaufen hieven kann.

Es sind kleine Pässe, die ich in der Folge überwinden muss; der schöne Ausblick aber belohnt mich für die kleinen Strapazen.

Schöner Ausblick

Am höchsten Punkt der heutigen Etappe (und wohl meiner gesamten Tour) habe ich eine wunderbare Aussicht.

Höchster Punkt meiner Etappe (500 Meter ü. Meer)

Von nun an geht’s meist leicht abwärts, was sehr angenehm ist. Ich fahre heute meistens auf kleinen Nebenstrassen, auf denen kaum Verkehr herrscht. Tourenfahrern begegne ich keinen am heutigen Tag.

Mehlteuer

Auf dem Weg begegnen mir manchmal lustige Ortsnamen wie z.B. Mehlteuer. Es ist eine sehr ländliche Gegend, die ich am heutigen Tag durchfahre, geprägt von vielen Maisfeldern, die meist noch nicht abgeerntet sind.

An einer Stelle, entdecke ich mehrere Tafeln (11!) mit verschiedenen Maissorten-Namen. Wird hier mit genmanipuliertem Mais herumexperimentiert, frage ich mich. Ich weiss es nicht, aber wenn Maissorten «Astronauto» heissen, macht man sich schon solche Gedanken.

Maissorten-Versuch

Ich muss heute lange warten, bis ich einen Kaffeehalt machen kann. Nach 13 Uhr gelange ich endlich in eine kleinere Stadt, wo ich mich draussen in ein Café setzen kann. Ich bestelle einen «Verlängerten» und ein Brioche und  amüsiere mich wieder einmal, dass in Österreich ein «normaler» Kaffee «Verlängerter» heisst.

Kaffeehalt in Feldbach

Da ich bald wieder Hunger habe, mache ich etwa eine Stunde später meinen Mittagshalt auf dem schön gestalteten Hauptplatz von Fehring und esse dort mein Schinken-Käse-Brötchen.

Mittagshalt in Fehring

Ich frage mich auf der Weiterfahrt, ob ich nun denn schon im Burgenland bin und erhalte bald die Antwort.

Einfahrt ins Burgenland

Ca. 15 Kilometer vor dem Ziel erreiche ich das Burgenland und werde hier herzlich willkommen geheissen –  Burgen erblicke ich aber vorerst noch keine.

Es ist nun so warm geworden, dass ich ohne Jacke unterwegs bin. Es sind perfekte Verhältnisse heute zum Fahrradfahren. So gefällt’s!

Auf einem Fahrradschilder-Baum, den ich unterwegs entdecke, lese ich, dass ich auf einer «multiplen» Fahrradroute unterwegs bin, nämlich auf dem Burgenland Jubiläumsradweg R1, dem Dreiländer Radweg, der Waters of Central Euope Route und der Paradiesroute Südburgenland. Interessant!

Multiple Fahrradroute

Bald darauf erreiche ich die Grenze zu Ungarn.

Grenze Österreich – Ungarn

Es ist nun nicht mehr weit zu meinem Hotel, das in Szentgotthàrd liegt. Diese Stadt liegt im äussersten Westen Ungarns an der Raab und ist das Zentrum der slowenischen Minderheit in Ungarn. Der Name leitet sich vom Heiligen Gotthard ab, klärt mich die KI von Google später auf.

Das im Voraus gebuchte Hotel befindet sich an einer Hauptstrasse, ist also alles andere als idyllisch gelegen. Das stört mich aber nicht gross, denn es beherbergt auch ein schönes Restaurant, wo ich mich verköstige und nachher noch meinen Blogeintrag schreibe.

Nachtessen im Hotel Restaurant Andante in Szentgotthàrd

So geht ein schöner Tag zu Ende. Die Tour hätte nicht besser beginnen können!

Fakten Etappe 1: Graz – Szentgotthàrd
Gefahrene Strecke: 86 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 24
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.9 km/h
Bergauf: 460 m
Bergab: 600 m
Übernachtung im Hotel Restaurant Andante in Szentgotthàrd

Screenshot


Day 7: Aschach – Linz (Isar-Tour)

Nach guter Nacht in meinem riesigen Schlosszimmer begebe ich mich in den Frühstücksraum, wo ich von der «Schlossherrin» (zu sehen links im Hintergrund ) bereits erwartet werde.

Frühstücksraum und Café im Schloss Aschach

Ich nehme es sehr gemütlich an diesem Morgen, meine Etappe heute wird sehr kurz sein bis zu meinem Tourziel Linz.

Bevor ich losfahre mache ich noch ein Bild von der Vorderseite des Schlosses; mein Zimmer war ganz links oben im 2. Stock.

Schloss Aschach

Bald schon bin ich wieder auf dem Donauradweg und radle Richtung Südwesten los. Das Wetter ist heute prächtig und die Temperatur angenehm frisch.

Auf dem Donauradweg bei Aschach

Es hat hier viele Burgen und Schlösser. Etwa auf halber Strecke erblicke ich auf der anderen Seite der Donau das Schloss Ottensheim.

Schloss Ottensheim

Hier bringt mich eine Drahtseilfähre ans Ostufer der Donau

Ottensheimer Drahtseilbrücke

Diese Fährgelegenheit gibt’s schon über 150 Jahre. Die Fähre funktioniert mit der Strömungskraft der Donau, nur beim Anlegen kommt noch etwas motorisierte Hilfe dazu.

Auf der Überfahrt

Es sind noch einige andere Fahrradfahrer Passagier bei dieser Überfahrt.

Von hier an ist die Fahrradroute weniger idyllisch und führt meist einer stark befahrenen Hauptstrasse entlang nach Linz.

Ankunft in Linz

Diese Stadt habe ich nun schon des öfteren befahren auf meinen Fahrradtouren und ich verzichte deshalb auf ein Sightseeing und lasse mich stattdessen in einem Café nieder, in dem ich auch schon war.

Stärkung vor der Rückreise

Meine Sommertour ist nun zuende; ich bin froh, dass ich sie pannen- und unfallfrei abschliessen kann. Es war eine sehr schöne Tour mit viel Natur, vor allem der Isar entlang. Leider hat mein Rücken nicht mitgespielt und mich nach der Hexenschussattacke vor ein paar Tagen immer wieder geplagt. Zum guten Glück hat er mich aber beim Fahrradfahren kaum beeinträchtigt. Abgesehen von einem Regentag war das Wetter ideal zum Fahrradfahren; es herrschten sehr angenehme Temperaturen und der Wind kam auch meist von hinten.

Vielen Dank auch für die Rückmeldungen, Likes und Aufmunterungen. Wie schon bei meiner letzten Herbsttour wurde mir sogar wieder ein Gedicht gewidmet; herzlichen Dank dafür!

Dem begeisterten Radtourenfahrer
Wenn einer eine Reise tut,
so, sagt man, kann er was erzählen,
es sei für Leib und Seele gut,
man könne dabei gar nicht fehlen.
Drum frisch entschlossen. Auf zur Tat!

So packt, sobald ein Urlaub naht,
ganz losgelöst von Jahreszeiten,
Freund Bernhard flink sein treues Rad
und füllt die Taschen beider Seiten
mit Regenschutz und Notvorrat.

Klug wählt er seine Route dann,
er startet hoch im Engadin,
so spart er Kraft, so viel er kann,
denn abwärts fliesst zumeist der Inn.
Wenn nur das Wetter besser wär!

Wo geht sie hin, die Fahrt dies Jahr?
Anfänglich noch bergab, entspannt,
den Inn «durab» bis zur Isar,
wo Berge fehlen, flach das Land,
doch leider nicht so flach wie’s Meer.

Er saust durch Dörfer, schiebt am Hang,
geniesst Radwege, meidet Pfützen,
die frecherweis sein Rad bespritzen,
und weiter geht’s, Isar entlang.
Die Wolken weichen, es wird hell.

Nun ist’s erreicht, hat er sein Ziel.
Vergessen sind die Müh’n und Plagen,
von all dem spürt er nicht mehr viel.
Er rechnet nach und kann sich sagen,
wie gross die Strecke, das Gefäll.

In all den harten Fahrradstunden
hat er den Alltag abgewälzt
und grosse Strecken überwunden,
am meisten aber wohl sich selbst.
(Angelus Hux)

Fakten Etappe 7: Aschach – Linz
Gefahrene Strecke: 30 km
reine Fahrzeit: 2 Std. 8
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.3 km/h
Bergauf: 90 m
Bergab: 100 m

Screenshot

Überblick Fahrradtour Scuol – Linz

Day 6: Windorf – Aschach (Isar-Tour)

Der heutige Tag beginnt mit einem tollen Frühstück in einem stylischen Raum. Schade habe ich mein Iphone nicht dabei, um es zu fotografieren.

Da es leicht regnet, als ich mich zur heutigen Etappe bereitmache, montiere ich meine Regenklamotten.

Donauradweg in der Nähe von Windorf

Nach ca. einer Stunde erreiche ich Passau. Da ich diese Stadt schon einmal auf einer Fahrradtour besichtigt habe und es noch zu früh für einen Kaffeehalt ist, fahre ich durch und staune über die vielen Hotelschiffe, die hier vertäut sind.

Passau

Hier fliesst ja der Inn in die Donau und beim Zusammenfluss sieht man, dass der Inn «schmutzigeres« Wasser führt und die Donau deshalb ab hier merklich trüber, fast eine braune Brühe ist.

Etwas ausserhalb von Passau ist offenbar eine Service-Stelle für die Donauhotelschiffe. Ich werde gerade Augenzeuge davon, wie die ganze Crew in einer Schlange Abfällsäcke weiterreicht und danach Bierfässer auflädt.

Service-Station für Donauhotelschiffe

Diesen Abschnitt der heurigen Sommer-Tour bin ich schon einmal gefahren, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich mit einer Fähre aufs andere Donauufer übersetzte.

Fähre ans westliche Donauufer bei Obernzell

Ich bin nun wieder in Österreich, auf der östlichen Seite der Donau ist aber weiterhin deutsches Gebiet. Gerade um die Mittagszeit herum wird auf Werbetafeln Bernhard’s Restaurant angekündigt. Klar, dass ich da hin muss!
Das moderne Restaurant liegt etwas oberhalb der Donau und es hat genügend Platz für Bernhard.

Mittagessen in Bernhard’s Restaurant

Leider treffe ich meinen Namensvetter nicht in diesem Restaurant, aber das Essen, Spaghetti carbonara, ist vorzüglich. Etwas irritiert bin ich über den Apostroph im Namen dieses Restaurants, wir sind ja in Österreich und nicht in England …

Auf der Weiterfahrt befahre ich einen der schönsten Abschnitte des Donauradweges, die sogenannte Donauschleife. Die Fahrradfahrer sind da unter sich, da es hier keine Autostrassen gibt.

Auf der Donauschleife

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu meinem Etappenziel Aschach an der Donau. Ich fahre mit zügigem Tempo und erreiche es um 16 Uhr.

Meine Unterkunft befindet sich in einem leicht heruntergekommenen Renaissance-Schloss, dem Schloss Aschach. Mein Zimmer ist riesig und etwa 4 Meter hoch.

Mein Zimmer im Schloss Aschach

Als ich duschen möchte, sehe ich, dass es zwar eine Badewanne hat, aber keinen Duschvorhang. Deshalb entschliesse ich mich ein Bad zu nehmen, das tut meinem geschundenen Rücken sicher gut.

Nachher mache ich noch eine kleine Schlossbesichtigung; die Räume sind  zugänglich und zum Teil mit Bildern einer Kunstausstellung geschmückt.

Räume des Schlosses Aschach

Es gibt hier aber auch Gruseliges, der «Ritter« erinnert mich spontan an den Feuerreiter von Mörike.

Gruseliges im Schloss Aschach

Nach der Schlossbesichtigung mache ich mich auf den Weg, ein Restaurant zu suchen. Die Schlossherrin hat mir eine Pizzeria ganz in der Nähe empfohlen, wo ich gerne hingehe und herzlich empfangen werde. Im schönen Garten geniesse ich einen Caprese-Salat und eine kleine Pizza und schreibe zwischendurch immer wieder an meinem Blog.

In der Pizzeria Santa Lucia, Aschach

Das Personal ist sehr freundlich und bittet mich, als es zu regnen beginnt, in den Innenbereich, wo ich einen feinen Grappa geniesse und meinen heutigen Blogeintrag fertigschreibe.

Grappa in der Pizzeria Santa Lucia, Aschach

Dort komme ich mit einem anderen Gast ins Gespräch, er heisst Gerold und ist Bassist im Jazz- und Popbereich. Wir finden heraus, dass wir beide am Europa-Cantat-Festival 1997 in Linz waren, er als Bassist einer Begleitband und ich als Chorleiter-Student mit einer Studenten-Klasse von Basel.

PS: Die MSC-Super-Gewitterzelle ist heute wohl woanders durchgezogen, es hat eigentlich gar nicht so viel geregnet und auch nicht gewittert wie vorhergesagt und es herrschten ganz angenehme Fahrradtouren-Temperaturen.

Fakten Etappe 6: Windorf – Aschach
Gefahrene Strecke: 90 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 38
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.0 km/h
Bergauf: 470 m
Bergab: 500 m
Übernachtung im Gästehaus Schloss Aschach

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Day 5: Mamming – Windorf (Isar-Tour)

Die heutige Etappe führt mich schon bald wieder ans Ufer der Isar. Es ist wunderbar frisch an diesem Mittwochmorgen. Ich bin froh, dass die Etappe nach Windorf eher kurz ist und ich so meinen Rücken etwas schonen kann.

Auf dem Isarradweg bei Mamming

Nach einer halben Stunde Fahrzeit erregt eine Holz-Metall-Konstruktion meine Aufmerksamkeit. Was könnte das wohl sein, frag ich mich.

Holz-Metall-Konstruktion bei Mamming

Aha, es ist eine Sitz-/Treppenanlage lese ich auf der Rückseite der Konstruktion.

Sitz-/Treppenanlage

Auf der Weiterfahrt entdecke ich eine weitere Sehenswürdigkeit: Es handelt sich um eine alte Eisenbahnbrücke, die 1903 erbaut wurde und als Wahrzeichen von Landau gilt.

Bockerlbahnbrücke Landau von 1903

Heute fahren da wohl keine Züge mehr darüber.

Das Wetter ist ideal zum Fahrradfahren. Es ist ca. 22-24 Grad warm und meist scheint die Sonne. Als ich wieder einmal die Isar überquere, bin ich nicht mehr allzu weit weg von der Mündung der Isar in die Donau.

Überquerung der Isar bei Niederpöring

Wenig später versperrt mal wieder ein Lastwagen den Fahrradweg. Hier wird mit grossem Gerät, einem Bagger mit Rotationssäge, gerodet.

Grobes Gerät auf dem Fahrradweg

In der Folge verlasse ich den Flusslauf der Isar und fahre ca. 10 km über Land. Das ist auch schön.

Landschaft in der Nähe von Deggendorf

Bald überquere ich die Donau und lande im ganz schönen Städtchen Deggendorf, wo ich endlich eine Pause machen will.

Deggendorf

Hier verpflege ich mich bei einer Imbissbude. Es gibt eine Ofenkartoffel mit Salat und Putenstreifen; ganz lecker.

Mein Mittagessen in Deggendorf

Nach Deggendorf gestaltet sich die Suche nach der richtigen Route etwas schwierig. Es sind Bauarbeiten am Fahrradweg im Gange und die Ausweichroute ist nicht konsequent ausgeschildert. Auf der Suche nach dem Weg treffe ich auf eine deutsche Tourenfahrerin. Gemeinsam finden wir wieder die richtige Spur und beginnen miteinander zu plaudern. Sie heisst Sabine und ist von Bielefeld aus nach Albanien unterwegs – das ist beachtlich.

Auf dem Donauradweg bei Hofkirchen

Bis zu meinem Etappenziel Windorf unterhalten wir uns über unsere Fahrradtouren, über die deutsche Bahn und deutsche Politik. Sie erzählt mir auch von der Organisation dachgeber.de, über die sie bei Privaten kostenfrei übernachten kann. Das scheint eine tolle Sache zu sein, vor allem wenn man monatelang wie sie unterwegs ist.

Das Hotel, in dem ich heute übernachte, ist wunderbar ruhig und idyllisch an der Donau gelegen. Es hat sogar einen Pool direkt vor meinem Zimmer. Ich ziehe aber ein kleines Nickerchen vor und gehe bald abend essen. Zur Abwechslung gibt es für einmal Fisch. Das schmeckt auch gut!

Zander zum Abendessen im Landgasthof Moser

So neigt sich ein schöner Tag dem Ende entgegen. Morgen soll die Kaltfront Karlheinz schwere Gewitter auslösen in Bayern lese ich im Münchner Merkur. Man spricht in diesem Artikel von Superzellen oder sogar von MCS (mesoskaliges konvektives System, vereinfacht ein Riesengewitter). Schauen wir mal!

Fakten Etappe 5: Mamming – Windorf
Gefahrene Strecke: 79 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 15
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.0 km/h
Bergauf: 260 m
Bergab: 310 m
Übernachtung im Landgasthof Moser

Screenshot

Day 4: Freising – Mamming (Isar-Tour)

Der heutige Tag beginnt mit einem üppigen Frühstück und danach mit einem Schreckmoment, da mir beim Packen mal wieder die Hexe in den Rücken fährt. Das müsste jetzt nicht sein. Ich bewege mich danach krumm wie eine Banane – wie ein Opa im Altersheim, meint mein Sohn.

Das Wetter ist wieder besser als am Vortag und wir geniessen die Fahrt, die uns durch eine paradiesische Fluss- und Wälderlandschaft führt. Glücklicherweise sind die Rückenschmerzen beim Fahrradfahren aushaltbar.

Der Isar entlang bei Freising

Wir haben viel Rückenwind, so dass wir trotz der Kieswege gut vorwärts kommen.
Bei einem Isar-Stausee sehen wir viele Wildgänse und andere Wasservögel und lesen auf einer Schautafel, dass hier viele Zugvögel Rast machen.

Am Echinger Stausee

Gegen 11 Uhr erreichen wir Landshut, welches uns mit einer sehr schönen Altstadt beeindruckt. Hier machen wir einen kurzen Halt in einem griechischen Restaurant (schon wieder griechisch) und essen was Kleines.

Altstadt von Landshut

Auf der Weiterfahrt werden wir von zwei Lastwagen aufgehalten, die den Fahrradweg gerade frisch kiesen. Wir müssen uns ein wenig gedulden, bis wir sie überholen können.

Der Fahrradweg wird erneuert

Das Wetter ändert heute sehr schnell – wir sind plötzlich von bedrohlichen dunklen Wolken umgeben.

Dunkle Wolken bei Dingolfing

Als ein heftiger Schauer niedergeht, können wir uns unter eine Autostrassenbrücke retten. Dort machen wir auch gerade unseren Mittagshalt und warten bis der Regen wieder aufhört.

Mittagshalt im Trockenen

Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem Etappenziel Mammingen. Eine sehr schöne Etappe endet in diesem kleineren Ort beim Landgasthof Apfelbeck. Dort verabschiede ich meinen Sohn, der noch bis Landau weiterfährt und von dort zurück nach Zürich reist. Es hat mich sehr gefreut, dass er mich auch dieses Jahr wieder ein Stück begleitet hat auf meiner Sommertour.

Abends sitze ich fast ganz alleine im riesigen Gartenrestaurant des Hotels, schreibe an meinem Blog und esse mal wieder ein Wienerschnitzel.

Im Landgasthof Apfelbeck

Fakten Etappe 4: Freising – Mamming
Gefahrene Strecke: 81 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 14
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.5 km/h
Bergauf: 200 m
Bergab: 310 m
Übernachtung im Landgasthof Apfelbeck

Screenshot

Day 3: Bad Tölz – Freising (Isar-Tour)

Als wir um 6.45 Uhr aufstehen regnet es. Schon in der Nacht hatte es ziemlich heftig geregnet, aber die angekündigten Unwetter sind ausgeblieben.

Wir ziehen unser komplettes Regenset an, bevor wir losfahren, denn gemäss Prognose wird es wohl den ganzen Tag nass sein.

An der Isar bei Bad Tölz

Nach kurzer Fahrt auf geteertem Fahrradweg entlang der Isar, biegen wir links ab und gelangen in hügeliges Gelände. Es wäre wohl sehr schön in dieser grünen Landschaft, aber die tiefliegenden Wolken verhindern den Blick in die Ferne.

Auf dem Isarradweg in der Nähe von Bad Tölz

Nach einigen Kilometern auf aspaltierten Strassen, befahren wir in der Folge oft gekieste Wege, die aber zumeist gut befestigt und nicht allzu holprig sind. Dennoch ist es ein stetiges Auf und Ab, was ziemlich anstrengend ist; auch versuchen wir den vielen Pfützen soweit möglich auszuweichen.

Unterwegs auf gekiesten Wegen

Der Regen ist unser konstanter Begleiter an diesem Tag; es regnet mal mehr und mal weniger heftig. Als es gerade einmal aus allen Kübeln giesst, suchen wir Schutz bei einem Buswartehäuschen, verpflegen uns und warten darauf, dass sich das Wetter wieder bessert.

Schutz vor dem Regen

Auf der Weiterfahrt überqueren wir heute erstmals die Isar.

Isar bei Puppling

Wir sind froh, dass unsere Route ab hier einen geteerten Abschnitt enthält und wir deshalb auch wieder schneller vorwärtskommen.

Wenig später ist ein Teil der Isar kanalisiert. Von weiten sehen wir ein flossähnliches Gebilde darauf. Aus der Nähe betrachtet sehen wir ein grosses Baumstämmefloss, auf welchem eine Gesellschaft eine Art Party abhält bei Live-Musik, Grillwürsten und Bier. Sogar ein kleines WC-Häuschen ist in einer Ecke des Flosses zu sehen (das braucht’s bei den Biermengen, die die Bayern trinken).

Party-Floss auf dem Isar-Kanal

Circa um ein Uhr sind wir in München, sehen aber interessanterweise von dieser Milionenstadt kaum etwas, weil wir immer der Isar entlangfahren und wir dort kaum etwas von der Stadt wahrnehmen.

Isar bei München

Eigentlich hätten wir uns hier gerne in einem Restaurant oder Café aufgewärmt, aber wir entdecken nichts dergleiches. So fahren wir durch, machen einen kurzen Halt, essen eine Banane, ein paar Nüsse und ein kleines Brötchen.

Bis nach Freising, unserem Etappenziel, fahren wir auf manchmal etwas holprigen Kieswegen der Isar entlang. Der Fluss ist erstaunlich naturbelassen und man fühlt sich weitab von jeglicher Zivilisation.

Isarradweg zwischen München und Freising

Als plötzlich eine Schranke mit einer Fahrverbotstafel den Weg versperrt, ignorieren wir diese. Wenig später bemerken wir den Grund des Verbots: Die Strasse wurde von der Isar weggespült.

Weggespülter Fahrradweg

Glücklicherweise entdecken wir einen schmalen Ersatzpfad durch den Wald, der uns auf die andere Seite bringt.

Inzwischen hat es aufgehört zu regnen und wir sehen erstmals ein Stückchen blauen Himmels.

Um 16.30 Uhr treffen wir in Freising ein. Vor dem Einchecken im relativ noblen Munich Airport Marriott Hotel, müssen wir zuerst unsere vor Dreck starrenden Satteltaschen reinigen. Auch die Fahrräder sehen schrecklich aus nach dem heutigen Ritt durch Pfützen und Schlamm.

Fahrrad nach der heutigen Etappe

Mein Fahrrad sieht dank Schutzblechen zum guten Glück etwas weniger schlimm aus.

Später im Hotelzimmer begrüsst mich in der Dusche eine Kuh, die nicht so richtig zu diesem Hotel passt.

Kuh in der Dusche

Nach der Dusche machen wir uns auf den Weg in die Altstadt von Freising, welche einen ganz hübschen Eindruck macht.

Freising

Die Sonne scheint und es ist spürbar wärmer geworden, weshalb wir uns am Hauptplatz draussen an einem Tisch eines griechischen Restaurants niederlassen und einen feinen Znacht inkl. offeriertem Ouzo geniessen

So endet eine regnerische Etappe versöhnlich.

Fakten Etappe 3: Bad Tölz – Freising
Gefahrene Strecke: 93 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 55
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.8 km/h
bergauf: 510 m
bergab: 710 m
Übernachtung im Munich Airport Marriott Hotel

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Day 2: Rietz – Bad Tölz (Isar-Tour)

Als wir heute um 08.15 Uhr von Rietz losfahren, ist es angenehm frisch und der Himmel verhangen mit einigen Nebelwolken.

Auf dem Innradweg bei Rietz

Wir fahren noch kurze Zeit dem Innradweg entlang, bevor wir bei Telfs links abbiegen und schon bald in eine heftige Steigung geraten. Zu Beginn fahre ich tapfer den Berg hoch, doch die Steigung ist zu happig für mich, so dass ich bald vom Rad steige und es zumeist schiebe auf dieser Passstrasse, auf der wir insgesamt 600 Höhenmeter bewältigen.

Steigung nach Mösern

Ein netter österreichischer Autofahrer hält sogar an, als er sieht, wie ich mühsam mein Rad den Berg hochschiebe und fragt mich, ob ich mein «Radel» aufladen möchte. Das lässt mein Stolz natürlich nicht zu.

Fast 2 Stunden verbringen wir auf dieser unendlichen Strasse, werden aber, als wir oben sind von einem wunderbaren Blick zurück ins Inntal belohnt.

Blick ins Inntal zurück

In der Folge gelangen wir nach Seefeld im Tirol, welches sehr touristisch ist.

Seefeld im Tirol

Der Radweg führt uns nun abseits von Hauptstrassen auf Kieswegen talabwärts. Es ist sehr schön hier in diesem Teil von Österreich und wir beobachten sogar eine Hirschkuh, die verängstigt auf einer Wiese herumspringt.

Fahrradweg in der Nähe von Scharnitz

Bei Scharnitz gelangen wir erstmals an die Isar, die im Karwendelgebirge nördlich von Innsbruck entspringt.

Es folgt ein sehr schöner Abschnitt dem natürlichen Flusslauf entlang.

Auf dem Isarradweg bei Scharnitz

Schon bald passieren wir die Grenze zu Deutschland. Im Geigenbauerdorf Mittenwald (meine Geige stammt wohl aus dieser Schule) machen wir unseren Mittagshalt und lassen uns im Garten eines griechischen Restaurants nieder, wo wir zwei verschiedene griechische Salate vertilgen.

Auf der Weiterfahrt gelangen wir an eine Art Panoramastrasse auf der man oft auf den naturbelassenen Flusslauf der Isar sieht. Solche Flusslandschaften sind sehr selten zu finden in Europa.

Panoramaweg der Isar entlang.

Der Fahrradweg führt danach ca. 15 km einer Hauptstrasse entlang, auf der ziemlich viel Sonntagsverkehr herrscht. Vor allem die lauten Töfffahrer sind ein bisschen nervig. Am Sylvensteinsee (die Isar wird hier gestaut) machen wir eine kurze Rast und füllen an einem Brunnen unsere Wasservorräte auf.

Blick auf den Sylvensteinsee

Von dort sind es noch ca. 15 km bis an unser Etappenziel Bad Tölz, welches wir um 16.45 Uhr ziemlich abgekämpft erreichen. Bad Tölz ist ein schmuckes Kleinstädtchen, welches mir bisher nur durch die alte Krimiserie «Der Bulle von Tölz» bekannt war.

Unser Hotel in Bad Tölz

Wir sind ziemlich hungrig, weshalb wir uns bald im hoteleigenen Strassenrestaurant niederlassen und uns ein Wienerschnitzel gönnen (es sind sogar zwei wie wir erfreut feststellen, als uns der Teller serviert wird).

Abendessen im Hotel Kolberbräu

Nachher sitzen wir noch ein wenig auf unseren Balkon und geniessen den warmen Sommerabend. Mein Sohn liest ein spannendes Buch und ich schreibe meinen Blog.

Etwas Sorgen macht uns das Wetter: Es soll morgen heftige Unwetter geben in dieser Region. Schauen wir mal…

Fakten Etappe 2: Rietz – Bad Tölz
Gefahrene Strecke: 92 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 24
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.4 km/h
bergauf: 1030 m
bergab: 1020 m
Übernachtung im Posthotel Kolberbräu

Screenshot

Day 1: Scuol – Rietz (Isar-Tour)

Die diesjährige Sommertour wird mich vom Unterengadin an die Isar führen, welcher ich bis zur Mündung in die Donau entlangfahren werde. Ich nenne sie deshalb Isar-Tour.

Die erste Etappe beginnt an einem sonnigen Samstagmorgen um viertel nach acht  in Scuol.

Bahnhof Scuol; Start ins Tourabenteuer

Es ist nicht das erste Mal, das ich von hier aus dem Inn entlangfahre und wie in den letzten beiden Sommertouren begleitet mich wieder mein Sohn für ein paar Tage.

Es ist ein angenehmer Sommertag heute, nicht zu warm und manchmal verdecken Wolken die Sonne, so dass keine Sonnenbrandgefahr besteht.

Zu Beginn fahren wir auf der Hauptstrasse Richtung österreiche Grenze und kommen so gut vorwärts.

Dem Inn entlang in der Nähe von Martina

Sobald wir in Österreich sind, folgen wir dem Innradweg, der sehr schön, aber auch ziemlich coupiert ist.

Auf dem Innradweg in der Nähe von Pfunds

In der Nähe von Zams erblicken wir wieder das Schlösschen auf einer Bergspitze, ein schönes Sujet:

Auf dem Innradweg in der Nähe von Zams

Bei Imst queren wir ein grössere Gruppe von Riverrafting-Abenteurern, die ihre Gummiboote ans Ufer des Inn tragen.

Riverrafting-Gruppe bei Imst

Obwohl die heutige Strecke eigentlich grösstenteils ein Gefälle aufweist, ist sie doch ziemlich happig wegen den vielen Gegensteigungen, die uns immer wieder ein bisschen ärgern. So bin ich nach ca. 90 km ziemlich fertig und quäle mich über die letzten 20 km.

Auch verspüre ich Schmerzen am ganzen Körper; das hatte ich noch selten so extrem. Ich bin wohl einfach ein bisschen ausser Form. Aber das wird sich sicher bessern im Verlaufe der Tour – das hoffe ich wenigstens.

Kurz vor unserem Etappenziel Rietz fahren wir bei Stams vorbei, welches bekannt ist für seine eindrückliche Klosteranlage, genannt Stift Stams und sein Skigymnasium.

Stams

Um 16.30 erreichen wir das heutige Etappenziel Rietz, welches ein kleineres Dorf ist.

Wenig später beobachten wir vom Balkon unseres Hotelzimmers aus eine Unwetterfront, die schnell näher kommt.

Gewitterfront im Anzug

Bevor das Gewitter eintrifft, machen wir uns auf den Weg ins Dorf-Café, welches heute abend ausnahmsweise geöffnet hat und wo wir einen Grillabend geniessen dürfen wie wir telefonisch in Erfahrung bringen.

Als wir dort ankommen, ist auf der Terrasse des Cafés eine grössere Geburtstagsparty im Gange. Ganz unkomplizert dürfen wir uns zu den Gästen gesellen und uns am Salat- und Fleischbuffet bedienen. Das ist toll und wir geniessen das feine Essen.

Kaum haben wir im Innenbereich Platz genommen, beginnt es zu stürmen und stark zu regnen, worauf die Geburtstagsgesellschaft auch nach innen flüchtet.

Grillplausch in Rietz

Zufrieden und wohlgenährt schlendern wir im Regen ins Hotel zurück. Heute ist ja noch Frauenfussball angesagt und den Blog über die heutige Etappe sollte ich auch noch schreiben…

Fakten Etappe 1: Scuol – Rietz
Gefahrene Strecke: 109 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 24
Durchschnittsgeschw.;
bergauf: 810 m (deshalb bin ich so kaputt)
bergab: 1450 m
Übernachtung im Hotel Rietzerhof, Rietz

Screenshot


Day 4: Reggio – Bologna

Das heutige Frühstück darf ich im Hotel Posta einnehmen, das ist ein eindrücklicher Palazzo aus dem 16. Jahrhundert.

Hotel Posta, Reggio nell’Emilia

Ich nehme es gemütlich an diesem Morgen, denn die heutige letzte Etappe ist nur ca. 80 km lang, fast schon «Peanuts» für mich. Das Wetter ist wieder prächtig und auch meine Fahrradroute ist schön.

Unterwegs zwischen Reggio und Modena

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit erreiche ich Modena. Hier mache ich einen kleinen Halt und setze mich in ein Café im Schatten des Doms. Für einmal erlaube ich mir zum Kaffee etwas Süsses (ich bin ja sonst sehr diszipliniert diesbezüglich!). Das berlinerartige Gebäck mundet vorzüglich. Es heisst Bombolone und erinnert mich an meine Jugend, als ich mit meinen Eltern die Herbstferien an der Riviera bei Alassio verbrachte und ein Einheimischer jeweils den Strand ablief und von seiner Frau gebackene Bombolone verkaufte und sein Kommen mit lautem Rufen ankündigte.

Kaffeehalt in Modena

Der Dom soll eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke sein, lese ich – so lasse ich es mir nicht nehmen, nach dem Kaffee einen günstigen Ort zu suchen, um diesen Bau möglichst optimal fotografisch festzuhalten.

Dom von Modena

Es hätte bestimmt noch weitere Dinge zu entdecken gegeben in Modena, aber ich setze meine Fahrt nach ca. 45 Min. wieder fort. Ich habe eine schöne Route geplant heute und es freut mich, dass es sich gelohnt hat, sie nach den Erlebnissen vom Vortrag etwas umzuplanen. Aber als mich Komoot plötzlich zum Umkehren (d.h. Spitzkehre machen) auffordert, stutze ich, denn ich kann beim besten Willen keinen Weg entdecken im hohen Gras.

Fahrradroute ins Dickicht (?)

Vielleicht gab’s hier mal einen Weg, aber er ist nun völlig überwuchert. Also fahre ich weiter und suche einen Ersatzweg, den ich zum guten Glück finde und der mich wieder auf die geplante Route führt. Doch schon bald erwartet mich das nächste kleine Abenteuer. An einer Stelle ist der Weg komplett überschwemmt und ich sehe keine Möglichkeit die Pfützen zu umgehen.

Überschwemmter Fahrradweg

ich muss da durch und versuche es fahrenderweise, verliere aber, als ich es fast schon geschafft habe, das Gleichgewicht und zieh wortwörtlich einen Schuh voll heraus. So ein Pech!

Wenig später führt mich mein Weg an einen Park.

Parco Villa Sorra

Ich soll hier links abbiegen, aber ich sehe nur eine Wiese. Heute hat Komoot irgendwie einen schlechten Tag, denke ich. Da ich aber mit ein bisschen Fantasie einen Single-Trail erkennen kann, fahre ich da durch und gelange zum Glück nach 250 Metern wieder auf einer Teerstrasse.

Single-Trail durch die Wiese

Die kleinen Abenteuer wollen heute einfach nicht aufhören, denn plötztlich stehe ich vor einer Barrikade.

Gesperrte Strasse

Ich bin ein wenig irritiert, aber mangels Alternativen fahr ich bei der kleinen Lücke auf der rechten Seite durch und lande später auf einem sehr schönen Abschnitt, wo ich ganz alleine bin.

Fahrradroute in der Nähe von Bologna

Generell begegnen mir auf dieser Tour fast keine Tourenfahrer – die Velofahrer, dir mir begegnen, sind meist pensionierte ältere Herren, die auf dem Rennrad unterwegs sind – und einige rufen mir «Ciao» oder «Salve» zu.

Schon wieder gerate ich an eine Strassensperre, das wird langsam inflationär.

Gesperrte Strasse

Zum guten Glück kann ich mich auch hier wieder durchzwängen mit meinem Fahrrad. Wieso die Strasse gesperrt ist, finde ich nicht heraus.

Nach diesen kleinen Abenteuern kündigt sich bald Bologna an. Ich fahre nun längere Zeit auf einer Einfallstrasse, die von unendlichen Baustellen geprägt ist. Das ist etwas mühsam, da sich das kilometerweise hinzieht und ich deshalb meist auf der engen Strasse fahre, weil da, wo der Fahrradstreifen gewesen wäre, gebuddelt wird.

Baustellen ohne Ende

Endlich erreiche ich das Zentrum der Stadt, das imposante Stadttor lässt mich das vermuten.

Stadttor von Bologna

Ein wenig später – ich bin schon nahe der Innenstadt – herrscht ein ziemliches Verkehrschaos, Busse stauen sich und Unmengen von Touristen strömen über die Zebrastreifen.

Viel los in Bologna

Nun ist es nicht mehr weit zu meinem Hotel, das am Rande der Altstadt liegt und das ich gegen 16 Uhr erreiche. Somit ist das Ziel meiner diesjährigen Frühlingstour erreicht. Ich bin froh, dass ich pannen- und beschwerdefrei diese Tour zu Ende gebracht habe; das ist nicht selbstverständlich. Auch das Wetter war perfekt und Rückenwind hatte ich auch oft.

Natürlich erkunde ich nach dem Einchecken und dem Frischmachen die Stadt Bologna. Ich war noch nie hier; deshalb bin ich überrascht von der ganzen Pracht, die ich auf meinem Rundgang entdecke.

Bologna

Bologna ist eine ausserordentlich schöne Stadt mit unzähligen Palazzi, Kirchen, Türmen, schönen Häusern und langen Bogengängen (ähnlich wie die Lauben in Bern, nur viel höher und länger). Kein Wunder sind so viele Touristen hier.

Bologna

Mit diesen Eindrücken schliesse ich den Blog meiner spannenden Frühlingsradtour durch interessante Städte in der Po-Ebene und möchte mich gleichzeitig bedanken für die Rückmeldungen und Likes. Sogar ein selbstverfasstes Gedicht über meine «Heldentaten» wurde mir gewidmet!

Fakten Etappe 4: Reggio nell’Emilia – Bologna
Gefahrene km: 80
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.9 km/h
Bergauf: 140 m
Bergab: 140 m
Übernachtung im Hotel Regina, Bologna

Screenshot