Day 2: Rottenburg – Esslingen (Neckartal-Tour)

Nach tiefem Schlaf und gutem Frühstück breche ich heute um 9 Uhr auf. Die Sonne scheint und es ist angenehm frisch. Gutgelaunt verlasse ich das Städtchen Rottenburg und bin schon bald wieder im Grünen.

Fahrradweg in der Nähe von Rottenburg

Schon bald erreiche ich Tübingen. Diese Stadt möchte ich ein wenig erkunden, denn ich habe heute nur eine kurze Etappe vor mir und somit genügend Zeit. Die Altstadt von Tübingen mit ihren Fachwerkhäusern gefällt mir ausserordentlich gut.

Tübingen Marktplatz

Längere Zeit fahre ich relativ planlos in der Altstadt herum, bis ich ein Café entdecke, in dem man an der Sonne sitzen kann.

Kaffeepause in Tübingen

Der nächste Abschnitt ist sehr schön und ich fahre oft dem Neckar entlang. Es ist heute, ganz anders als gestern, ein wunderschöner Frühlingstag bei angenehmen Temperaturen – perfekt zum Fahrradfahren. Als ich um die Mittagszeit ein schönes, schattiges Plätzchen entdecke mache ich hier meine Mittagspause.

Mittagsrast am Neckar

Auf der Weiterfahrt mache ich einen kleinen Abstecher in das kleine, herzige Städtchen Nürtingen, das auf der anderen Seite des Neckars liegt und vom dem ich bisher noch nie gehört hatte.

Nürtingen

Heute ist es ein Tag zum Geniessen; viele Fahrradfahrer sind unterwegs auf diesem schönen Fahrradweg und manchmal sieht man auch weidende Schafe.

Frühlingsstimmung in der Nähe von Nürtlingen

Schon bald erreiche ich Esslingen a. Neckar, mein heutiges Etappenziel.

Esslingen am Neckar, Schelztor

Es ist viel los hier und die Leute stehen Schlange vor der Gelateria beim Schelztor.
Mein Hotel liegt gleich neben diesem Turm und heisst deshalb „Hotel am Schelztor.“
Nach dem Einchecken, der Dusche und dem Nickerchen schlendere ich ein wenig in der Altstadt herum und suche ein Restaurant, wo man draussen essen kann.  

Esslingen am Neckar

Gleich neben dem Rathaus finde ich Platz in einem Restaurant mit griechischer Küche – und bekomme schon jetzt um 17.15 Uhr etwas Warmes.

Lammkotelets mit Blick auf das Rathaus

Ich beginne hier an meinem Blog zu schreiben und geniesse die friedliche Stimmung und die Musik von zwei Strassenmusikern, die mir wohlbekannte Lieder vortragen wie «Autumn Leaves», «Que Sera» und weiteren.
Genau um 18.02 Uhr setzt das Glockenspiel der Rathausturmglocken ein. Ich kenne doch diese Melodie, aber ich muss lange studieren bis mir Komponist und Stückname einfallen – dabei habe ich doch dieses Stück auch schon gespielt auf der Geige vor langer Zeit …

Glockenspiel am Rathaus Esslingen (leider nur noch die letzten paar Takte)

Von welchem Komponisten stammt das Stück? Wie heisst es?
Hier als Hilfe die Noten der ersten paar Takte des Stückes:

Screenshot

Auch interessant ist dieser Beitrag über den Glöckner von Esslingen, der Arrangeur ist von diesem Stück:

Der Glöckner von Esslingen

Nach dem Abendessen möchte ich noch den dicken Turm besuchen, der über der Stadt thront. Auf überdachtem Wehrgang steige ich viele Stufen hoch, bis ich endlich oben bin.

Wehrgang zum Dicken Turm

Die Mühe hat sich gelohnt, man hat eine wunderbare Aussicht von hier oben

Aussicht vom dicken Turm, Esslingen a. Neckar

Die Anlage mit dem dicken Turm, den Weinreben und den Wehrgängen erinnert mich ein wenig an Schaffhausen mit dem Munot und weckt in mir damit fast etwas heimatliche Gefühle.

Dicker Turm, Esslingen a. Neckar

Zufrieden kehre ich ins Hotel zurück und mache hier noch den Finish meines Blogs.

Fakten Etappe 1: Rottenburg – Esslingen a. Neckar
Gefahrene Strecke: 68.4 km
Fahrzeit: 4 Std. 51
Durchschnittsgeschw.: 14.1 km/h
bergauf: 220 m
bergab: 330 m
Übernachtung im Hotel am Schelztor, Esslingen a. Neckar

PS: Auflösung Rätsel vom Vortag: Ich spiegle mich im Fensterglas des Cafés

Screenshot

Day 1: Rottweil – Rottenburg (Neckartal-Tour)

Endlich beginnt wieder die Fahrradtourensaison. Als heurige Frühlingstour habe ich den Neckartal-Radweg vorgesehen, der mir vor kurzem empfohlen wurde. So sitze ich an diesem Freitag im ersten Zug von Zürich Richtung Stuttgart und werde dann in Rottweil umsteigen, um an den Startort Villingen zu gelangen. Als ich in Rottweil aussteige, bläst mir ein nasskalter Wind entgegen und ich bin froh, dass ich mich eine gute halbe Stunde im Bahnhofscafé aufwärmen kann, denn im Zug war es eisig kalt; immerhin war er fast pünktlich. Als ich so im Café sitze und warte, kommt mir plötzlich die Idee, die heutige Etappe etwas abzukürzen und hier in Rottweil zu starten, denn diese kleine Stadt liegt auch am Neckar und bei diesem nasskalten Wetter über 90 km weit zu fahren ist kein Gedanke, der mich in Euphorie versetzt. Der Entschluss ist schnell gefasst – ich starte mein Tourabenteuer definitiv in Rottweil.

Bahnhofscafé Rottweil

Bei genauen Hinsehen könnt ihr mich übrigens entdecken auf dieser Foto. Wer sieht mich?

Ca. um 9 Uhr breche ich bei leichtem Nieselregen und ca. 4° Grad los. Zuerst durchfahre ich die sehenswerte Altstadt von Rottweil und sehe dabei einen hohen Turm, der quasi das Wahrzeichen ist von dieser Stadt.

Altstadt von Rottweil mit Testturm im Hintergrund

Wie ich später lese, werden in diesem 246 m hohen Turm neue Liftsysteme getestet, er wird deshalb auch als Testturm bezeichnet. Für Technik-Interessierte:
https://testturm.tkelevator.com/global-de/der-testturm

Natürlich ist es nicht so lustig bei diesem kalten Niesel-Wetter Fahrrad zu fahren, aber dank meiner guten Ausrüstung bleibe ich komplett trocken. Mein Handy habe ich in einen wasserdichten Gefrierbeutel eingepackt, so bleibt es auch trocken.

Am Neckar bei Rottweil

Das Fotografieren ist bei diesen Bedingungen etwas umständlich. So mache ich wenige Fotos heute; nur bei besonders interessanten Sujets ziehe ich meine Handschuhe aus und klaube das Handy aus Halterung und Gefrierbeutel. So zum Beispiel als ich auf einer Hühnerwiese eine an die Wand gelehnte Person erblicke.

Hühnerwiese, Bauwagen, Person (?)

Beim Näherkommen stellt sich die Person als verkleidete Schaufensterpuppe heraus. Soll sie vielleicht Raubvögel abhalten?

Herangezoomt

Nach ca. 2 Stunden Fahrt mache ich die erste Pause und esse mein Käsebrötchen, ein Rüebli und etwas gesalzene Nüsse.

Rast am Neckartalradweg bei Horb

Am Städtchen Horb wäre ich beinahe vorbeigefahren, aber im letzten Moment zweige ich von der Fahrradroute ab und überquere den Neckar, um dieses Städtchen zu besichtigen – ich habe ja genug Zeit dazu.

Horb, von der gegenüberliegenden Talseite aus betrachtet.

Mit einem Lift fahre ich auf den Marktplatz hoch, der sich oben bei der Kirche befindet.

Marktplatz von Horb

Eigentlich hätte ich hier gerne einen Kaffeehalt gemacht, aber es gibt diesbezüglich rein gar nichts hier oben.
Gerade als ich Horb wieder verlassen möchte, entdecke ich doch noch eine Bäckerei mit ein paar Tischen und Stühlen, wo ich endlich etwas Warmes trinken kann – auch eine Erdbeertorte lacht mich an; ich kann ihr nicht widerstehen.

Tee und Kuchen in Horb

Nun ist es nicht mehr weit bis Rottenburg, meinem Etappenziel. Nach einem kleinen Umweg über schmutzig nasse Wege, fahre ich auf dem letzten Abschnitt auf frisch asphaltierten Fahrradwegen. Nach meinem Geschmack geht es hier aber etwas zu viel rauf und runter. Das ist ermüdend und so bin ich froh, dass ich schon circa um viertel nach drei in Rottenburg ankomme.

Zentrum von Rottenburg am Necker

Nach einem längeren Nickerchen im Hotel, das am Rande der Altstadt liegt, schlendere ich noch ein wenig in diesem schönen Städtchen herum. Dabei geniesse ich heute die ersten Sonnenstrahlen.

Rottenburg bei Abendstimmung

Zufrieden finde ich mich wieder im Hotel ein, wo ein feines Essen auf mich wartet: Felchenfilet mit Spargeln.

Abendessen im Hotel Martinshof

So endet dieser erste nasskalte Tourentag versöhnlich.

Fakten Etappe 1: Rottweil – Rottenburg am Neckar
Gefahrene Strecke: 75.4 km
Fahrzeit: 6 Std. 19
Durchschnittsgeschw.: 14.6 km/h
hinauf: 500m
hinunter: 700m
Übernachtung im Hotel Martinshof, Rottenburg

Screenshot

Day 4: Strassburg – Colmar (Strassburg Tour)

Ursprünglich hatte ich geplant, meine Tour in Strassburg zu beenden. Da das unglaublich warme und schöne Herbstwetter aber weiterhin anhält, habe ich mich entschieden, einen Tag anzuhängen und die Tour bis Colmar zu verlängern.

Der Himmer ist strahlend blau, als ich um halb neun aufbreche und ein Stückchen der Ill entlangfahre. Das ist der Fluss, der die Altstadt von Strassburg auf der südlichen Seite umschliesst.

Strassburg, an der Ill

Strassburg ist auch eine Velostadt. Es ist erstaunlich, wieviele Velofahrer in die Stadt strömen. Nur wenige – wie ich – fahren aus der Stadt heraus. Bald schon komme ich an den Rhin-Rhône-Kanal, dem ich auf schönem Fahrradweg längere Zeit folge. Es ist ein leuchtend strahlender Morgen, ganz nach meinem Sinn.

dem Rhin-Rhône-Kanal entlang

Nach ca. 25 km verlasse ich den Kanal und fahre in südwestlicher Richtung weiter. Bald schon erblicke ich die Hügelkette der Vogesen.

Bei Erstein

In der Folge durchquere ich immer wieder Dörfer, welche zumeist ganz ansehnlich sind, wie z.B. Benfeld.

Benfeld

Es ist ein Tag zum Geniessen heute.

Wunderbare Landschaft bei Benfeld

Meist ist wenig los in diesen Dörfern, Cafés sind weit und breit nicht in Sicht, dafür entdecke ich in einem weiteren Dorf ein schönes Rathaus, auf französisch «la mairie».

Mairie, Ebersheim?

Genau in der Mitte der heutigen Etappe steht ein herziges Kappellchen, welches mich dazu einlädt, eine Pause zu machen.

Pause bei der Chappelle de la Feldlach

Einzigartig sollen die beiden Hundekopf-Wasserspeier (les deux gargouilles) sein für diese Art von Kappellen im Elsass lese ich auf der kleinen Infotafel.
Nach der kleinen Rast geht’s weiter Richtung Vogesen. Dabei erregt ein Feld zu meiner Rechten meine Aufmerksamkeit. Errät ihr die Pflanze, die hier kultiviert wird?

???felder bei Sélestat

Richtig, es ist ein Tabakfeld. Dies erinnert mich an meinen Frankreichaufenthalt vor über 30 Jahren. Damals war ich einen Sommer lang bei einem Bauern in der Bretagne und half unter anderem bei der Tabakpflege und -ernte, eine bleibende Erinnerung.

Bei Scherwiller erreiche ich die véloroute du vignoble (Weinbergfahrradweg). Das ist ein toller Fahrradweg den Weinbergen entlang. Immer wieder führt er durch schöne Dörfer wie z.B. Scherwiller.

Schwerwiller

In nächsten Weinbergdorf, Châtenois macht sich bei mir ein Hüngerchen bemerkbar. Da kommt das Restaurant mit Gartenterrasse direkt am Weg wie gerufen.
Für einmal leiste ich mir ein schönes Stück Fleisch, ein «Entrecôte Simmental» mit Pommes und Salat. Das Fleisch stammt aber lustigerweise aus Österreich, also von einem österreichischen Simmentalerrind. Es schmeckt trotzdem ausgezeichnet.

Mittagessen in Châtenois

Nach dem üppigen Mahl mache ich mich – nun in Sommermontur – wieder auf den Weg. Es ist nicht mehr weit bis Colmar, so nehme ich es ziemlich gemütlich.
Nach ca. einer Viertelstunde glaube ich die Hohkönigsburg zu erblicken auf einem Hügel zu meiner Rechten. Das ist ein ziemlich absurdes Bauwerk, denn es ist eine anfangs des 20. Jahrhunderts mittelalterlich nachrekonstruierte Burg, die mit jährlich über 500’000 Besuchern aber ein grosser Touristenmagnet ist.

Hohkönigsburg bei Orschwiller (im Hintergrund auf dem Hügel)

Gegen halb vier erreiche ich mein Etappenziel Colmar. Das ist eine schöne Stadt, an deren Häusern man sich kaum sattsehen kann.

Altstadt von Colmar

Ich fahre mit dem Velo langsam in dieser ausserordentlich sehenswerten Stadt herum und lasse mich schliesslich in einem Bistro mit Blick auf das Seitenportal der Kathedrale nieder.

Kühles Bier im Schatten bei der Kathedrale Colmar

Somit findet die letzte Etappe einer wunderbaren Tour ihren Abschluss. So optimale gleichbleibende Wetterverhältnisse hatte ich noch nie; auch die Tour selbst war sehr schön, ich kann sie uneingeschränkt weiterempfehlen.

PS: Die Heimreise nach Zürich im Anschluss an diese Etappe gestaltet sich zum Glück völlig problemlos.

Fakten Etappe 4: Strassburg – Colmar
Gefahrene Strecke: 80 km
Fahrzeit: 5 Std. 3
Durchschnittsgeschw.: 15.8 km/h


Day 3: Freiburg i. Br. – Strassburg (Strassburg Tour)

Der heutige Tag beginnt mit der Suche nach dem Frühstücksraum. Er befindet sich um die Ecke im Restaurant, in dem ich am Vorabend das Nachtessen eingenommen habe, wie ich dann irgendwann merke.

Um halb Neun Uhr mache ich mich auf den Weg. Auf gut markierten Velowegen verlasse ich das fahrradfreundliche Freiburg im Breisgau und bin schon bald im Grünen. Ich fahre Richtung Nordwesten, um wieder auf den Rheinradweg zu gelangen; meine Route führt zuerst meist auf Fahrradwegen entlang von grösseren Strassen. Unterwegs erregt eine Burgruine meine Aufmerksamkeit, welche von Rebbergen umgeben ist.

Burgruine bei Hecklingen

Nach der Durchquerung eines Auwaldes erreiche ich nach ca. 40 km den Rheinradweg.

Rheinradweg in der Nähe von Rust

Er führt längere Zeit durch ein Naturschutzgebiet, wo es herrlich ruhig ist und wo ich kaum Leute antreffe.
Ca. eine halbe Stunde später – der Rhein ist nun breiter – stosse ich auf eine Fahrverbotstafel. Soll ich einfach durchfahren, frage ich mich, denn meine Navigations-App ignoriert diese Sperrung.

Hier geht’s nicht mehr weiter

Ich entschliesse mich, den Umweg über ein paar Dörfer zu machen und bin schliesslich froh, denn die Wege sind dort asphaltiert und ausserdem entdecke ich ein Café in einer kleinen Einkaufslandschaft.

Kaffeehalt in Nonnenweier

Es ist zwar nicht idyllisch an diesem Ort, ich bin aber froh, hier eine kleine Pause machen zu können bei Kaffee und Kuchen.
In der nächsten Ortschaft, Meissenheim, fällt mir die schöne Kirche auf, bei der ich vorbeifahre.

Kirche in Meissenheim

Nach dem Abstecher ins Landesinnere stosse ich bald wieder auf den Rheinradweg, dem ich nun bis nach Kehl folgen werde.

Rheinradweg bei Ichenheim

Hier begegnet mir auch erstmals ein grösseres Rheinschiff, welches vor allem Container geladen hat. Nach weiteren Abschnitten durch schöne Naturschutzgebiete erreiche ich schliesslich Kehl. Dort mache ich meine Mittagspause, esse mein Brötchen, eine Banane, einen Apfel und ein paar getrocknete Feigen. Vor mir liegt ein unendliches langes Touristenschiff vor Anker.

Mittagspause in Kehl

Nun ist es nicht mehr weit bis Strassburg. Ich überquere den Rhein, nicht ohne ein Foto zu machen.

Rhein bei Kehl

Zielsicher wie immer führt mich meine App in der Folge zu meinem Hotel in Strassburg an der Rue de Zurich, welche nicht weit von der Innenstadt von Strassburg liegt.

Das Einchecken gestaltet sich etwas schwierig, da der Concierge zuerst sagt, er hätte keinen Platz für ein Fahrrad, bis er schliesslich einwilligt, dass ich das Velo ausnahmsweise im Untergeschoss bei der Wäscherei hinstellen kann. Geht doch!
Nach der Dusche mache ich mich sogleich auf, die Altstadt von Strassburg zu erkunden. Ich war zwar auch schon mal da vor langer Zeit, habe aber kaum mehr Erinnerungen daran.
Kaum habe ich das Hotel verlassen, erblicke ich auch schon den Turm des Strassburger Münsters, welcher mit seinen 142 Meter lange Zeit das höchste Bauwerk der Menschheit und das höchste im Mittelalter vollendete Bauwerk war.

Strassburg, mit Münsterturm

Ich schlendere in der Altstadt herum und staune über die Grösse der Innenstadt.

Münsterplatz, Strassburg

Mein Rundgang führt mich zur berühmten Place Kléber, welche nach einem General benannt wurde.

Place Kléber

Auf dem Rückweg komme ich wieder beim Münster vorbei und entdecke eine Perspektive, bei der der ganze Turm Platz hat.

Strassburger Münster

Schliesslich lande ich auf einem hübschen kleinen Platz, der Place du Marché Gayot (dt. Am Verbrennte Hof) wo ich mich in einer Brasserie niederlasse, ein Bier trinke und an meinem Blog schreibe.

Beim Blogschreiben

Kulinarisch endet der Tag in einem grossen italienischen Restaurant, wo es Spaghetti al Pesto gibt. Auch nicht schlecht.

Fakten Etappe 3: Freiburg i. Br.Strassburg
Gefahrene Strecke: 89 km
Fahrzeit: 5 Std. 33
Durchschnittsgeschw.: 16.0 km/h
Übernachtung im Hotel Roses, Freiburg i. Br.

Day 2: Bad Säckingen – Freiburg i. Breisgau (Strassburg Tour)

Nach erholsamem, tiefem Schlaf und gediegenem Frühstück bin ich um halb neun wieder auf dem Rad und nehme Kurs auf Basel. Es ist wieder merklich frisch, aber dank Stirnband, Handschuhen, Skisocken und Odlo-Jacke friere ich nicht und kann den kühlen Morgen geniessen. Die Radroute ist gut signalisiert und so komme ich flott vorwärts und bin schon bald in Rheinfelden, wo einige Fabriken angesiedelt sind.

Fahrradroute bei Rheinfelden

Nach ca. 30 Kilometern passiere ich die Grenze und bin nun wieder in der Schweiz. Schon von weitem sind die Hoffmann-la-Roche Türme zu sehen, das neue Wahrzeichen von Basel.

Vor Basel

In der Folge führt meine Veloroute auf der rechten Rheinseite durch Kleinbasel. Von hier habe ich einen guten Blick auf die andere Seite mit dem Basler Münster.

Basel, mit Münster

Eigentlich wäre ich jetzt reif für einen Kaffee, aber leider entdecke ich kein Café auf meinem Weg durch Basel. So fahre ich halt weiter.

In Kleinhüningen merke ich, dass eine E-Bikerin in meinem Alter (also nicht mehr ganz jung) an meinem Hinterrad klebt. Bei einem Lichtsignal-Halt fragt sie mich auf Berndeutsch nach dem Weg zum Rheinradweg. Sie hat keine app wie ich und wirkt ein bisschen verloren. So lade ich sie ein mir zu folgen. Sie ist froh, als wir schliesslich ans Rheinufer gelangen.

Am Rheinradweg in der Nähe von Basel

Als ich einen kurzen Fotohalt mache, fährt sie mit ihrem E-Bike weiter und ich sehe sie in der Folge nicht mehr. Der Radweg entlang dem Rhein ist wunderbar und obwohl es eine Naturstrasse ist, komme ich gut vorwärts.

Rheinradweg bei Istein

Nicht erwartet hatte ich, dass der Rhein hier richtig fliesst und es sogar kleine Flussschnellen hat. Auf der Karte entdecke ich abends, dass es hier neben dem natürlichen offenbar einen zweiten, kanalisierten Teil des Rheins gibt.
Nachdem ich schon fast 60 km gefahren bin, mache ich um die Mittagszeit in Bad Bellingen meine erste grössere Pause. Ich setze mich in einer «Pizzeria» an einen Tisch auf einer schattigen Gartenterrasse. Da ich aber noch viel Verpflegung bei mir habe, bestelle ich nur einen kleinen gemischten Salat.
In der Folge werde ich Zeuge eine lustigen Begebenheit mit Berner Beteiligung – der heutige Tag scheint ein Berner Tag zu sein: Ein älterer Herr, der aus einem Auto mit Berner Kennzeichen gestiegen ist, steuert auf die beiden Herren am Nebentisch zu und fragt sie auf Berner Dialekt, ob sie wüssten wo das Haus Schmidt sei, wahrscheinlich seine Ferienunterkunft. Die beiden, die schon tüchtig Bier getrunken haben und wohl Serben oder Kroaten sind, verstehen nur noch Bahnhof, wollen aber trotzdem helfen. Das ganze Unterfangen scheitert aber schon am Buchstabieren des Namens Schmidt …

Wo ist das Haus Schmidt?

Nach dieser lustigen Episode mache ich mich wieder auf den Weg. Ich verlasse nun den Rhein, denn Freiburg liegt etwas vom Rhein entfernt. Der Fahrradweg folgt nun meist der Bundesstrasse Richtung Freiburg. Ich bin nun im Marktgräfler-Land, welches durch seinen Wein bekannt ist. Als ich an einer einer kleinen Obstplantage vorbeifahre, entdecke ich Zwetschgen auf einigen Bäumen. Ich stibitze einige davon, da diese wohl nicht mehr geerntet werden, denn die meisten liegen schon am Boden.

Zwetschgenpause

Der Himmel hat sich inzwischen überzogen, was mich aber nicht stört, da es wieder sommerlich warm geworden ist und ich so nicht Gefahr laufe, einen Sonnenbrand zu bekommen.

Kürbisfeld in der Nähe von Bad Krozingen

Da ich auf dem letzten Stück von Rückenwind profitiere bin ich schon gegen 4 Uhr in Freiburg. Die perfekt markierten Fahrradstreifen führen mich problemlos ins Zentrum dieser grösseren Stadt. Kurz vor meinem Ziel fahre ich einen kurzes Stück entlang der Dreisam:

Fahrradweg an der Dreisam

Lustigerweise gibt’s in Freiburg – wie in meiner Heimatstadt Schaffhausen – ein Schwabentor. Aber hier wird wohl nicht der Spruch «Lappi, tue d’Auge uf» stehen wie in Schaffhausen.

Schwabentor, Freiburg

Kurz darauf erreiche ich mein Hotel, welches neben dem Münster von Freiburg liegt und schon seit über 250 Jahren besteht.

Zimmer im Boutiquehotel Oberkirch, Freiburg

Da ich Freiburg schon etwas kenne, verichte ich auf Erkundungstouren und begebe mich schon früh ins hoteleigene Restaurant direkt vor dem Münster. Dort schreibe ich beim Apéro an meinem Blog, plaudere mit holländischen Tischnachbarn, die wissen wollen, worüber ich schreibe und geniesse nachher ein feines Abendessen.

Nachtessen in Oberkirchs Weinstuben

Ich geniesse die tolle Ambiance und den angenehm warmen Abend. Es ist unglaublich, dass man am 9. Oktober abends gemütlich draussen sitzen kann ohne zu frösteln.

So neigt sich ein schöner Tourentag dem Ende zu.

Fakten Etappe 2: Bad Säckingen – Freiburg i. Br.
Gefahrene Strecke: 100 km
Fahrzeit: 5 Std. 44
Durchschnittsgeschw.: 17.4 km/h
Übernachtung im Boutiquehotel Oberkirch, Freiburg i. Br.

Day 1: Egg b. Zürich – Bad Säckingen (Zürich-Strassburg-Tour)

Als ich heute zu meiner kleinen Herbsttour aufbreche, scheint die Sonne, es ist aber ziemlich kühl. Meine Aufregung wegen meiner verloren gegangen ID legt sich als ich Richtung Greifensee fahre, denn es ist herrlich in dieser Frische Fahrrad zu fahren. Es riecht zwar bald nach Gülle (Jauche) und ich fahre an weidenden Rindern vorbei – die sogenannte Kuhschweiz ist sogar hier ganz in der Nähe der Weltstadt Zürich zu entdecken.

Blick auf den Greifensee, in der Nähe von Maur

Bevor ich in die Agglomeration rund um Zürich eintauche, fahre ich ein Stückcken dem Greifensee entlang. Danach geht’s meist der Glatt entlang Richtung Flughafen Zürich. Startende und landende Flugzeuge sind nun längere Zeit meine akustischen Begleiter. Das nervt ein wenig, denn der Lärm stört die morgendliche Idylle.

Fahrradweg an der Glatt

Irgendwann verlasse ich die Glatt und fahre etwas weiter westlich Richtung Rhein. Ich komme gut vorwärts, obwohl ich es ziemlich gemütlich nehme. Nach drei Stunden Fahrzeit mache ich meine erste Pause in der Nähe von Zurzach, es ist sogleich meine Mittagsrast. Nach kurzer Zeit gesellt sich ein junges Paar dazu, mit dem ich ins Gespräch komme.

Mittagsrast in der Nähe von Zurzach

Sie kommen ursprünglich aus der Eiffel (Deutschland), wohnen in Samedan und machen hier momentan eine Weiterbildung. Der sportliche junge Mann arbeitet als Langlauflehrer und Masseur im Engadin. Den Langlaufsport habe ich selbst vor kurzem wiederentdeckt und Samedan ist für diesen Zweck meine Lieblingsdestination. Wer weiss – vielleicht trifft man sich dort wieder.

Nach der fast einstündigen Pause erreiche ich bald schon Zurzach, ein kleines Städtchen, das mir bisher wenig bekannt war und das ja vor allem durch sein Thermalbad berühmt ist.

Zurzach

Nach weiteren ca. 10 km Fahrt auf der Schweizer Seite des Rheins überquere ich bei Koblenz den Rhein und fahre in der Folge auf der deutschen Rheinseite weiter. Es gibt mitunter sehr schöne Abschnitte dem Ufer entlang. Nur das Atomkraftwerk bei Leibstadt will nicht so recht in die Landschaft passen.

Auf dem rechten Rheinufer in der Nähe von Leibstadt

Der nächste grössere Ort, den ich erreiche, ist das Städtchen Laufenburg, welches sich auf beiden Rheinseiten erstreckt. Gerne hätte ich hier einen Kaffeehalt gemacht, finde aber nirgends was.

Laufenburg

So fahre ich weiter und geniesse den ausserordentlich warmen Oktobertag.

Fahrradroute zwischen Laufenburg und Bad Säckingen

Schon gegen 15.30 Uhr erreiche ich Bad Säckingen, mein heutiges Etappenziel. Das war eine ziemlich leichte Etappe, super für den Einstieg, kaum Steigungen und kaum Wind. So darf es weitergehen!

Altstadt von Bad Säckingen

Bevor ich das Städtchen erkunde, setze ich mich noch in Fahrradmontur auf die Hotelterrasse und trinke ein Bierchen – das habe ich verdient!

Blick auf Rhein und die Holzbrücke bei Bad Säckingen

Diese Holzbrücke sei mit über 200m Länge die längste gedeckte Holzbrücke Europas, lese ich später.
Nach der obligaten Dusche und einem kurzen Nickerchen schlendere ich ein wenig durch die äusserst schmucke Stadt, suche und finde bald ein italienisches Restaurant, wo man draussen essen kann. Das ist ganz nach meinem Sinn. Ich esse Spaghetti Bolognese und einen gemischten Salat und bin ganz zufrieden.

Danach statte ich dem Schloss Schönau einen Besuch ab. Hier soll sich die berühmte Liebesgeschichte «Der Trompeter von Säckingen» abgespielt haben, in der sich ein einfacher Bürger in eine Adelstochter verliebt und schliesslich trotz aller Widerstände heiratet. Der Dichter Joseph Victor von Scheffel hat in seinem «Sang von Oberrhein» die Geschichte aber leicht abgewandelt. Auch sei der Trompeter in Wirklichkeit gar nicht Trompeter gewesen, sondern Chorleiter – interessant!

Schloss Schönau mit einer Skulptur des Trompeters von Säckingen

Sogar eine Oper soll es geben über diese Geschichte, ich habe davon aber noch nie gehört.

Arie aus der Oper «der Trompeter von Säckingen»?

Das Schloss hat übrigens einen schönen Park, wo sich noch ziemlich Leute tummeln an diesem Abend.

Sukkulenten im Park des Schloss Schönau

Im Hotel setze ich mich nochmals auf die schöne Terrasse und schreibe meinen Blog. Als ich fertig bin, ist es schon ganz dunkel.

Fakten Etappe 1 Egg b. Zürich – Bad Säckingen:
Gefahrene Strecke: 88 km
Fahrzeit: 5 Std. 33
Durchschnittsgeschw.: 15.8 km/h
Übernachtung im Ringhotel Goldener Knopf

Day 6: Leoben – Graz

Heute morgen nehmen wir es gemütlich. Unsere letzte Etappe ist nicht sehr lang und wir werden auch nicht mehr über Pässe fahren.
Zuerst durchqueren wir die Altstadt von Leoben, die auch ihre Reize hat.

Brücke und Stadttorturm zur Altstadt von Leoben

Vom auffälligsten Gebäude der Stadt mache ich schnell eine Foto.

Leoben, Innenstadt

Die Innenstadt von Leoben liegt in einer Flussschlaufe der Mur. Dieser Fluss führt momentan viel Wasser aufgrund der heftigen Niederschläge der vergangenen Tage.

Heute sollten wir unbedingt unsere Velos reinigen. Sie sind extrem verschmutzt nach unserem gestrigen Schlammabenteuer. Ich bin deshalb erleichtert, als ich nach kurzer Fahrzeit an unserem Weg eine Autowaschanlage entdecke. Kurz entschlossen fahren wir hin und reinigen unsere Fahrräder unter Hochdruck und mit Seife. Auch die Schuhe und Taschen profitieren zum Schluss noch vom Säuberungsritual.

Veloputz bei Leoben

Mit blitzblanken Fahrrädern folgen wir nun bis Graz der Mur und passieren mit Brück die erste grössere Stadt. Es ist aber noch zu früh für einen Kaffeehalt, weshalb es nur einen kleinen Fotostopp gibt.

Brück

Der Murradweg, dem wir folgen, ist ein schöner Radweg, der meist dem Ufer des Flusses entlangführt.

Murradweg bei Brück

Immer wieder aber gibt es kleine Gegensteigungen, die etwas nervig sind, die uns aber schöne Aussichten bescheren.

Murradweg bei Mixnitz (lustiger Name)

Gegen halb zwölf erreichen wir Frohnleiten, eine hübsche Kleinstadt, wo wir ein wunderbar gelegenes Garten-Café aufsuchen.

Frohnleiten

Nach der kleinen Stärkung setzen wir unsere Reise auf dem Murradweg fort und kommen bald an der eindrücklichen Burg Rabenstein vorbei.

Burg Rabenstein

Unsere Mittagsrast machen wir auf einem extra für Fahrradfahrer angelegten Rastplatz. Die komfortablen Sitzbänke laden uns hier zu einem kleinen Nickerchen ein.

Mittagsrast mit Nickerchen

Die heutige Etappe ist ziemlich easy. Oft geht es leicht abwärts, dazu profitieren wir noch von Rückenwind, weshalb wir gut und mit wenig Kraftanstrengung vorwärtskommen. Es ist heute auch wieder viel wärmer als am Vortag, ohne heiss zu sein – also perfekte Verhältnisse! So erreichen wir schon bald Graz.

Erster Eindruck von Graz

Wir fahren mitten durch die schöne und eindrückliche Altstadt und sind schon um 15 Uhr an unserem Ziel, dem OneMotel. Wir checken ein und machen uns bald darauf auf, diese Stadt näher zu entdecken.
Unser erstes Ziel ist die Grazer Murinsel, eine künstliche Insel inmitten der Mur in Form einer Muschel.

Grazer Murinsel

Beim nachfolgenden Abendessen in einem italienischen Restaurant gibt’s zur Abwechslung (nach den vielen Wiener-Schnitzeln) wieder einmal Pasta. 
Darauf erklimmen wir den beachtlich hohen Schlossberg, wo wir bei einem Dessert die herrliche Aussicht auf Graz und seine Umgebung geniessen.

Aussicht vom Schlossberg Graz

Von hier oben hören wir die Klänge einer Balkan-Brassband. Da müssen wir doch hin, denken wir und steigen wieder vom Berg runter und gesellen uns unter die vielen Leute, die dieser Balkanband lauschen. Die Musik ist hinreissend und man kann beim Hinhören kaum die Beine ruhighalten.

Fetzige Klezmer-Balkan-Band

Mit vielen Eindrücken schlendern wir zum Hotel zurück, wo ich noch meinen Blog schreibe und mein Sohn währenddessen auf seine nächste Prüfung lernt.

Die Tour vom Unterengadin nach Graz war eine sehr schöne Tour. Trotz zwei kalten etwas regnerischen Tagen können wir ein positives Fazit ziehen. Österreich bietet ein gutes Netz an tollen Fahrradwegen und kann mit schönen abwechlungsreichen Landschaften punkten. Auch kulinarisch kamen wir auf unsere Rechnung, Wienerschnitzel sei dank. Wir sind auch dankbar, dass wir von Pannen, Unfällen und Krankheit verschont geblieben sind.

Fakten Etappe 6:  Leoben – Graz
Gefahrene Strecke: 80 km
reine Fahrzeit: 4 Std. 47
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.7 km/h
bergauf: 620 m
bergab: 800 m
Übernachtung im MotelOne in Graz

Day 5: Aigen im Ennstal – Leoben (Graz-Tour)

Als wir heute morgen um ca. halb neun in Aigen losfahren ist es nur 13 Grad kalt. Das ist aussergewöhnlich für diesen sonst heissen Sommer.

Beim Hotel in Aigen

Glücklicherweise regnet es aber nicht, obwohl wir von dunklen Wolken umgeben sind, die die Sicht auf die Berge verunmöglichen. Wir folgen zuerst ein Stückchen dem Enns-Tal, bevor wir rechts abbiegen und ein kleines Tal hochfahren. Nachher geht’s weiter auf dem Rastland-Radweg, der durch das Paltental führt.
Nach einer Stunde Fahrzeit beginnt es leicht zu regnen.

Bei Rottmann

Als der Regen stärker wird, finden wir Schutz in einem grossen Bushäuschen. Gerade als wir es uns dort gemütlich gemacht haben, sucht hier eine weitere Radfahrergruppe Schutz vor dem Regen. Es handelt sich um eine Familie aus Grenoble mit 3 noch ziemlich kleinen Kindern, die seit 2 ½ Monaten von Griechenland her kommend mit dem Fahrrad unterwegs ist. Da staunen wir!

Fahrradfahrer im Bushäuschen

In der nächsten Ortschaft, Trieben, machen wir einen Kaffeehalt. Wir haben es bis hierher geschafft, ohne uns die Regenklamotten anzuziehen.
Es tut gut sich bei Kaffee, Tiramisu und Kirschentorte aufzuwärmen und besseres Wetter abzuwarten.

Kaffeehalt im Café Rita in Trieben

Aufgrund des Kaffeehalts wurde unsere Route von unserer Navigations-App Komoot etwas umgeplant. Aufgrund dieser Anpassung stehen wir plötzlich vor einem Abschnitt, der offensichtlich überschwemmt wurde.

Unsere Route bei Trieben

Ein wenig später wird es richtig schlimm schlammig. Der ganze Weg wurde auf ca. 50 m völlig überschwemmt und von einer dicken Schlamm- und Sandschicht überdeckt. Hier müssen wir uns nun durchquälen, wenn wir nicht wieder umkehren möchten.

Fahrradweg über überschwemmtes Gelände

Es ist unmöglich in diesem Schlamm zu fahren, wir müssen unsere Räder schieben und versinken dabei mit unseren Schuhen knöcheltief im Dreck. Als wir das Hindernis überwunden haben, starren wir und die Räder vor Dreck.

Glücklicherweise kommen wir nachher wieder auf festen Grund und können unsere Reise unbehelligt fortsetzen.

Auf dem Rastland-Fahrradweg in der Nähe von Trieben

Wir fahren nun das Paltental hoch und erreichen um 13 Uhr den höchsten Punkt, den Schober-Pass.

Wald am Schoberpass

Kaum haben wir die Passhöhe erreicht, beginnt es wieder zu regnen. Wie schon oft, rettet uns auch dieses Mal wieder ein Bushäuschen.

Warten auf besseres Wetter, am Schoberpass

Wir essen unsere Brote, eine Banane und ein paar Bisquits und warten auf besseres Wetter. Leider hört der Regen nicht auf und da wir frieren, ziehen wir unsere Regenkleider an und fahren weiter. Wir nehmen nun die Bundesstrasse, da es darauf wenig Verkehr hat und die Fahrradroute im Zickzack der Bundesstrasse entlangführen würde.
Für einmal haben wir kräftigen Rückenwind, der uns bei der leicht abfallenden Strasse bei hohem Tempo vor sich hertreibt. Bald hört auch der Regen wieder auf und wir können die Regenkleider ausziehen.
Kurz vor unserem Ziel verlassen wir das Liesing-Tal und überwinden in der Folge eine kleine Anhöhe.

Anhöhe bei Sankt Peter-Freienstein

Kurz danach erreichen wir unseren Zielort Leoben. Dieser Ortschaft ist geprägt durch das riesige Stahlwerk von Voestalpine, das sich hunderte von Metern entlang der Strasse erstreckt.

Stahlwerk Voestalpine

Leoben selbst macht einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Was für ein Kontrast zu den schönen Touristenorten, die wir bis anhin durchfahren hatten!

Im Hotel angekommen wasche ich zuerst die sandigen Socken und Beinstulpen.

Nachher belohnen wir uns im hoteleigenen Restaurant mit einem feinen Nachtessen. Es gibt immer etwa dasselbe: Wienerschnitzel mit Pommes und zur Abwechslung mal einen Fisch.

Nachtessen im Restaurant Greif, Leoben

Fakten Etappe 5: Aigen im Ennstal – Leoben
Gefahrene Strecke: 88 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 17
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.7 km/h
bergauf: 690 m
bergab: 810 m
Übernachtung im Hotel Puttererseehof in Aigen im Ennstal

Day 4: St. Johann im Pongau – Aigen im Ennstal (Graz-Tour)

Als ich heute morgen aufwache, höre ich, dass es stark regnet. Das war zu erwarten, denn die Wetteraussichten für heute sind schlecht. Es wird praktisch den ganzen Tag regnen, wenn ich das Regenradar richtig interpretiere. Dazu lese ich noch von Unwetterwarnungen für ganz Österreich. Das sind Aussichten!
Beim Frühstück kommen wir mit anderen Radlern ins Gespräch. Eine Gruppe von Deutschen befindet sich auf der Alpe-Adria-Tour und fährt heute Richtung Süden.

Bevor wir losfahren, montieren wir die komplette Regengarnitur, d.h. Regenhose, Regenjacke, Helmregenschutz und Schuhregenschütze. Das Handy packe ich in einen Gefrierbeutel, bevor ich es in die Handyhalterung klemme.

Auch das Handy wird vor dem Regen geschützt

Um viertel nach acht starten wir ins Regenabenteuer.

Start bei Regen in St. Johann im Pongau

Schon kurz nach dem Start kraxeln wir in St. Johann steile Strassen empor, bis wir die Bundesstrasse erreichen, die uns über einen kleinen Pass führen wird.
Es regnet in Strömen und wir befinden uns auf einer Strasse, auf der schon ordentlich Verkehr herrscht und auf der es nicht einmal einen Velostreifen hat. Das ist nicht sehr angenehm. Zum Glück steigt die Strasse aber nie so steil an, dass ich vom Rad steigen muss.

Nach knapp 2 Stunden erreichen wir den höchsten Punkt, auf fast 1000 m über Meer bei Wagrain.

bei Wagrain

Ganz überraschend hat es in der Zwischenzeit aufgehört zu regnen; das war nicht zu erwarten. Bis zu unserem Kaffeehalt um ca. 11 Uhr lassen wir die Regenkleider aber an. So trocknen sie am besten. Im touristisch angehauchten Altenmarkt finden wir ein Café mit leckeren Kuchen. Das entschädigt uns für den nassen Start in den Tag.

Kaffehalt in Altenmarkt

In der Nähe von Flachau kommen wir an die Enns und folgen nun diesem Fluss auf dem Enns-Radweg bis zu unserem Etappenziel. Dieser Radweg ist sehr abwechlungsreich und führt uns teils auf schönen Naturwegen gegen Osten.

Auf dem Enns-Radweg

Auf unserer Strecke liegt Schladming, welches für die Skirennen auf der Planai berühmt ist.

Schladming

Es ist unglaublich, wieviele Touristen sich hier befinden. Der Ort scheint auch im Sommer sehr beliebt zu sein.
Unsere Mittagsrast machen wir heute in einem Bus-Wartehäuschen. Da es ziemlich kühl ist, sind wir froh um den Windschutz, den uns dieses Häuschen bietet.

Mittagspause im Bushäuschen

Die Enns führt viel Wasser nach den heftigen Regenfällen der Nacht, zum Glück aber gab es keine Überschwemmungen.

Enns bei Assach

Es ist weiterhin ziemlich grau, aber wir sind nun schon ca. 3 Stunden ohne Regen unterwegs. Als wir aber hinter uns eine bedrohliche Regenwand erblicken, die schnell näherkommt, beschliessen wir, einen Kaffeehalt einzulegen. In Öblarn entdecken wir ein kleines Café neben der Kirche und kehren dort ein.

Kaffeehalt in Öblarn

In diesem Kaffee spricht uns ein älterer Herr (97 Jahre alt) an, der in Öblarn wohnt. Er schwärmt von der Dorfdichterin Paula Grogger, die offenbar von grosser Bedeutung ist und deren Stücke manchmal vom ganzen Dorf aufgeführt werden. Auch mit seiner Tochter (?) kommen wir ins Gespräch.
Nach ca. dreiviertel Stunden brechen wir wieder auf. Es regnet nur noch wenig und hört bald ganz auf.

Landschaft bei Irdning

So schaffen wir die letzten 15 km auch noch ohne gross nass zu werden und erreichen unser Hotel in Aigen gegen halb fünf.

Hotel Puttererseehof in Aigen im Ennstal

Es ist zu nass und zu kühl, um draussen noch am Blog zu schreiben. So setzen wir uns drinnen in die Wärme, arbeiten ein wenig (lernen, resp. Blog schreiben) und geniessen darauf ein feines Nachtessen.

Fakten Etappe 4: St. Johann im Pongau – Aigen im Ennstal
Gefahrene Strecke: 91 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 55
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.3 km/h
bergauf: 830 m
bergab: 740 m
Übernachtung im Hotel Puttererseehof in Aigen im Ennstal

Day 3: St. Johann im Tirol – St. Johann im Pongau (Graz-Tour)

Heute starten wir ziemlich spät. Das ist dem Frühstück geschuldet, das wir erst um halb acht einnehmen konnten.
Der erste Abschnitt führt uns entlang eines Flüsschens.

Fahrradroute bei St. Johann im Tirol

Es ist schon ziemlich warm, weshalb ich ohne Beinwärmer und Windjacke die Etappe in Angriff genommen habe. Kurze Zeit später beginnt die heutige grosse Steigung. Zum guten Glück sind meine Beine noch frisch an diesem Morgen, so dass ich meistens fahren kann. Nur als uns Komoot auf einen Wanderweg führt, steig ich vom Rad und schiebe es durch das noch nasse Gras.

Fahrradroute auf Wanderweg, im Hintegrund das Kitzbühler Horn.

Es ist landschaftlich sehr schön in dieser Gegend und wir geniessen die Aussichten, die sich uns bieten.

Berge in der Nähe von St. Jakob

Ein besonders schöner Abschnitt ist der Weg durch das Tal Richtung Hochfilzen

Bei Hochfilzen

In der Zwischenzeit ist es wieder ziemlich grau geworden und als wir beim höchsten Punkt der heutigen Etappe ankommen, beginnt es leicht zu regnen. Glücklicherweise verziehen sich die Regenwolken bald wieder, so dass wir darum herumkommen, die Regenkleider zu montieren.

Die Route führt uns nun längere Zeit abwärts. Auf unserem Weg liegt Leogang, wo sich bei einer Bergbahn viele Leute tummeln. Bei genauerem Hinsehen bemerken wir, dass Bike-Fahrer mit Schutzhelmen auf den Transport mit der Gondel warten. Die wollen wohl alle vom Berg herunterdüsen.

Downhillbiker bei einer Bergbahn in Leogang

Auch heute sind die Fahrradwege wieder top. Wir fahren fast nie auf Autostrassen.

Fahrradroute bei Leogang

Unsere Route führt uns in der Folge nach Zell am See. Hier machen wir einen Halt in einem italienischen Restaurant in der Hauptgasse dieses touristischen Ortes und wir staunen über die vielen Leute, die an uns vorbeischlendern. Es sind auffallend viele Araber darunter.

Mittagshalt in Zell am See

Der Fahrradweg führt danach noch ein Stück dem Zeller See entlang.

Fahrradweg am Zeller See

Wir sind nun auf dem Trauernradweg, der bis ins Ziel dem Fluss Salzach entlangführt. Unterwegs fallen uns ca. 50 helmbewehrte Leute auf, die wohl auf eine Riverrafting-Tour auf der Salzach vorbereitet werden.

Vorbereitungen zum Riverrafting auf der Salzach

Wenig später sehen wir dann auch Schlauchboote, die durch die Stromschnellen der Salzach navigieren.

Riverrafting auf der Salzach

Eigentlich dürften wir hier gar nicht durchfahren. Ein Fahrverbotsschild deutete unmissverständlich an, dass hier wegen Bauarbeiten kein Durchkommen sei. Wir passieren die verweiste Baustelle aber ohne Probleme.
Ein happige Schlusssteigung führt uns etwa 10 km vor dem Etappenziel nochmals in die Höhe. Statt des auf der Karte eruirten Seeleins erwartet uns hier oben aber ein riesiger, aber kaum gefüllter Speichersee.

Speichersee bei St. Johann im Pongau

Die darauf folgende Talfahrt führt uns schnell nach St. Johann im Pongau, wo wir müde, aber zufrieden mit der heutigen Etappe, im Hotel unser Zimmer beziehen.
Das anschliessende feine Nachtessen im hoteleigenen Restaurant entschädigt uns für das ziemlich dunkle und aussichtslose Zimmer.

Nachtessen im Hotel Hubertus, St. Johann im Pongau

Was wir uns wohl der morgige Tag bringen? Die Wetteraussichten sind leider nicht allzu rosig …

Fakten Etappe 3: St. Johann im TirolSt. Johann im Pongau
Gefahrene Strecke: 98 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 33
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.9 km/h
bergauf: 920 m
bergab: 1010 m
Übernachtung im Hotel Hubertus, St. Johann im Pongau