Day 6: Windorf – Aschach (Isar-Tour)

Der heutige Tag beginnt mit einem tollen Frühstück in einem stylischen Raum. Schade habe ich mein Iphone nicht dabei, um es zu fotografieren.

Da es leicht regnet, als ich mich zur heutigen Etappe bereitmache, montiere ich meine Regenklamotten.

Donauradweg in der Nähe von Windorf

Nach ca. einer Stunde erreiche ich Passau. Da ich diese Stadt schon einmal auf einer Fahrradtour besichtigt habe und es noch zu früh für einen Kaffeehalt ist, fahre ich durch und staune über die vielen Hotelschiffe, die hier vertäut sind.

Passau

Hier fliesst ja der Inn in die Donau und beim Zusammenfluss sieht man, dass der Inn «schmutzigeres« Wasser führt und die Donau deshalb ab hier merklich trüber, fast eine braune Brühe ist.

Etwas ausserhalb von Passau ist offenbar eine Service-Stelle für die Donauhotelschiffe. Ich werde gerade Augenzeuge davon, wie die ganze Crew in einer Schlange Abfällsäcke weiterreicht und danach Bierfässer auflädt.

Service-Station für Donauhotelschiffe

Diesen Abschnitt der heurigen Sommer-Tour bin ich schon einmal gefahren, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich mit einer Fähre aufs andere Donauufer übersetzte.

Fähre ans westliche Donauufer bei Obernzell

Ich bin nun wieder in Österreich, auf der östlichen Seite der Donau ist aber weiterhin deutsches Gebiet. Gerade um die Mittagszeit herum wird auf Werbetafeln Bernhard’s Restaurant angekündigt. Klar, dass ich da hin muss!
Das moderne Restaurant liegt etwas oberhalb der Donau und es hat genügend Platz für Bernhard.

Mittagessen in Bernhard’s Restaurant

Leider treffe ich meinen Namensvetter nicht in diesem Restaurant, aber das Essen, Spaghetti carbonara, ist vorzüglich. Etwas irritiert bin ich über den Apostroph im Namen dieses Restaurants, wir sind ja in Österreich und nicht in England …

Auf der Weiterfahrt befahre ich einen der schönsten Abschnitte des Donauradweges, die sogenannte Donauschleife. Die Fahrradfahrer sind da unter sich, da es hier keine Autostrassen gibt.

Auf der Donauschleife

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu meinem Etappenziel Aschach an der Donau. Ich fahre mit zügigem Tempo und erreiche es um 16 Uhr.

Meine Unterkunft befindet sich in einem leicht heruntergekommenen Renaissance-Schloss, dem Schloss Aschach. Mein Zimmer ist riesig und etwa 4 Meter hoch.

Mein Zimmer im Schloss Aschach

Als ich duschen möchte, sehe ich, dass es zwar eine Badewanne hat, aber keinen Duschvorhang. Deshalb entschliesse ich mich ein Bad zu nehmen, das tut meinem geschundenen Rücken sicher gut.

Nachher mache ich noch eine kleine Schlossbesichtigung; die Räume sind  zugänglich und zum Teil mit Bildern einer Kunstausstellung geschmückt.

Räume des Schlosses Aschach

Es gibt hier aber auch Gruseliges, der «Ritter« erinnert mich spontan an den Feuerreiter von Mörike.

Gruseliges im Schloss Aschach

Nach der Schlossbesichtigung mache ich mich auf den Weg, ein Restaurant zu suchen. Die Schlossherrin hat mir eine Pizzeria ganz in der Nähe empfohlen, wo ich gerne hingehe und herzlich empfangen werde. Im schönen Garten geniesse ich einen Caprese-Salat und eine kleine Pizza und schreibe zwischendurch immer wieder an meinem Blog.

In der Pizzeria Santa Lucia, Aschach

Das Personal ist sehr freundlich und bittet mich, als es zu regnen beginnt, in den Innenbereich, wo ich einen feinen Grappa geniesse und meinen heutigen Blogeintrag fertigschreibe.

Grappa in der Pizzeria Santa Lucia, Aschach

Dort komme ich mit einem anderen Gast ins Gespräch, er heisst Gerold und ist Bassist im Jazz- und Popbereich. Wir finden heraus, dass wir beide am Europa-Cantat-Festival 1997 in Linz waren, er als Bassist einer Begleitband und ich als Chorleiter-Student mit einer Studenten-Klasse von Basel.

PS: Die MSC-Super-Gewitterzelle ist heute wohl woanders durchgezogen, es hat eigentlich gar nicht so viel geregnet und auch nicht gewittert wie vorhergesagt und es herrschten ganz angenehme Fahrradtouren-Temperaturen.

Fakten Etappe 6: Windorf – Aschach
Gefahrene Strecke: 90 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 38
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.0 km/h
Bergauf: 470 m
Bergab: 500 m
Übernachtung im Gästehaus Schloss Aschach

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Day 5: Mamming – Windorf (Isar-Tour)

Die heutige Etappe führt mich schon bald wieder ans Ufer der Isar. Es ist wunderbar frisch an diesem Mittwochmorgen. Ich bin froh, dass die Etappe nach Windorf eher kurz ist und ich so meinen Rücken etwas schonen kann.

Auf dem Isarradweg bei Mamming

Nach einer halben Stunde Fahrzeit erregt eine Holz-Metall-Konstruktion meine Aufmerksamkeit. Was könnte das wohl sein, frag ich mich.

Holz-Metall-Konstruktion bei Mamming

Aha, es ist eine Sitz-/Treppenanlage lese ich auf der Rückseite der Konstruktion.

Sitz-/Treppenanlage

Auf der Weiterfahrt entdecke ich eine weitere Sehenswürdigkeit: Es handelt sich um eine alte Eisenbahnbrücke, die 1903 erbaut wurde und als Wahrzeichen von Landau gilt.

Bockerlbahnbrücke Landau von 1903

Heute fahren da wohl keine Züge mehr darüber.

Das Wetter ist ideal zum Fahrradfahren. Es ist ca. 22-24 Grad warm und meist scheint die Sonne. Als ich wieder einmal die Isar überquere, bin ich nicht mehr allzu weit weg von der Mündung der Isar in die Donau.

Überquerung der Isar bei Niederpöring

Wenig später versperrt mal wieder ein Lastwagen den Fahrradweg. Hier wird mit grossem Gerät, einem Bagger mit Rotationssäge, gerodet.

Grobes Gerät auf dem Fahrradweg

In der Folge verlasse ich den Flusslauf der Isar und fahre ca. 10 km über Land. Das ist auch schön.

Landschaft in der Nähe von Deggendorf

Bald überquere ich die Donau und lande im ganz schönen Städtchen Deggendorf, wo ich endlich eine Pause machen will.

Deggendorf

Hier verpflege ich mich bei einer Imbissbude. Es gibt eine Ofenkartoffel mit Salat und Putenstreifen; ganz lecker.

Mein Mittagessen in Deggendorf

Nach Deggendorf gestaltet sich die Suche nach der richtigen Route etwas schwierig. Es sind Bauarbeiten am Fahrradweg im Gange und die Ausweichroute ist nicht konsequent ausgeschildert. Auf der Suche nach dem Weg treffe ich auf eine deutsche Tourenfahrerin. Gemeinsam finden wir wieder die richtige Spur und beginnen miteinander zu plaudern. Sie heisst Sabine und ist von Bielefeld aus nach Albanien unterwegs – das ist beachtlich.

Auf dem Donauradweg bei Hofkirchen

Bis zu meinem Etappenziel Windorf unterhalten wir uns über unsere Fahrradtouren, über die deutsche Bahn und deutsche Politik. Sie erzählt mir auch von der Organisation dachgeber.de, über die sie bei Privaten kostenfrei übernachten kann. Das scheint eine tolle Sache zu sein, vor allem wenn man monatelang wie sie unterwegs ist.

Das Hotel, in dem ich heute übernachte, ist wunderbar ruhig und idyllisch an der Donau gelegen. Es hat sogar einen Pool direkt vor meinem Zimmer. Ich ziehe aber ein kleines Nickerchen vor und gehe bald abend essen. Zur Abwechslung gibt es für einmal Fisch. Das schmeckt auch gut!

Zander zum Abendessen im Landgasthof Moser

So neigt sich ein schöner Tag dem Ende entgegen. Morgen soll die Kaltfront Karlheinz schwere Gewitter auslösen in Bayern lese ich im Münchner Merkur. Man spricht in diesem Artikel von Superzellen oder sogar von MCS (mesoskaliges konvektives System, vereinfacht ein Riesengewitter). Schauen wir mal!

Fakten Etappe 5: Mamming – Windorf
Gefahrene Strecke: 79 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 15
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.0 km/h
Bergauf: 260 m
Bergab: 310 m
Übernachtung im Landgasthof Moser

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Day 4: Freising – Mamming (Isar-Tour)

Der heutige Tag beginnt mit einem üppigen Frühstück und danach mit einem Schreckmoment, da mir beim Packen mal wieder die Hexe in den Rücken fährt. Das müsste jetzt nicht sein. Ich bewege mich danach krumm wie eine Banane – wie ein Opa im Altersheim, meint mein Sohn.

Das Wetter ist wieder besser als am Vortag und wir geniessen die Fahrt, die uns durch eine paradiesische Fluss- und Wälderlandschaft führt. Glücklicherweise sind die Rückenschmerzen beim Fahrradfahren aushaltbar.

Der Isar entlang bei Freising

Wir haben viel Rückenwind, so dass wir trotz der Kieswege gut vorwärts kommen.
Bei einem Isar-Stausee sehen wir viele Wildgänse und andere Wasservögel und lesen auf einer Schautafel, dass hier viele Zugvögel Rast machen.

Am Echinger Stausee

Gegen 11 Uhr erreichen wir Landshut, welches uns mit einer sehr schönen Altstadt beeindruckt. Hier machen wir einen kurzen Halt in einem griechischen Restaurant (schon wieder griechisch) und essen was Kleines.

Altstadt von Landshut

Auf der Weiterfahrt werden wir von zwei Lastwagen aufgehalten, die den Fahrradweg gerade frisch kiesen. Wir müssen uns ein wenig gedulden, bis wir sie überholen können.

Der Fahrradweg wird erneuert

Das Wetter ändert heute sehr schnell – wir sind plötzlich von bedrohlichen dunklen Wolken umgeben.

Dunkle Wolken bei Dingolfing

Als ein heftiger Schauer niedergeht, können wir uns unter eine Autostrassenbrücke retten. Dort machen wir auch gerade unseren Mittagshalt und warten bis der Regen wieder aufhört.

Mittagshalt im Trockenen

Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem Etappenziel Mammingen. Eine sehr schöne Etappe endet in diesem kleineren Ort beim Landgasthof Apfelbeck. Dort verabschiede ich meinen Sohn, der noch bis Landau weiterfährt und von dort zurück nach Zürich reist. Es hat mich sehr gefreut, dass er mich auch dieses Jahr wieder ein Stück begleitet hat auf meiner Sommertour.

Abends sitze ich fast ganz alleine im riesigen Gartenrestaurant des Hotels, schreibe an meinem Blog und esse mal wieder ein Wienerschnitzel.

Im Landgasthof Apfelbeck

Fakten Etappe 4: Freising – Mamming
Gefahrene Strecke: 81 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 14
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.5 km/h
Bergauf: 200 m
Bergab: 310 m
Übernachtung im Landgasthof Apfelbeck

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Day 3: Bad Tölz – Freising (Isar-Tour)

Als wir um 6.45 Uhr aufstehen regnet es. Schon in der Nacht hatte es ziemlich heftig geregnet, aber die angekündigten Unwetter sind ausgeblieben.

Wir ziehen unser komplettes Regenset an, bevor wir losfahren, denn gemäss Prognose wird es wohl den ganzen Tag nass sein.

An der Isar bei Bad Tölz

Nach kurzer Fahrt auf geteertem Fahrradweg entlang der Isar, biegen wir links ab und gelangen in hügeliges Gelände. Es wäre wohl sehr schön in dieser grünen Landschaft, aber die tiefliegenden Wolken verhindern den Blick in die Ferne.

Auf dem Isarradweg in der Nähe von Bad Tölz

Nach einigen Kilometern auf aspaltierten Strassen, befahren wir in der Folge oft gekieste Wege, die aber zumeist gut befestigt und nicht allzu holprig sind. Dennoch ist es ein stetiges Auf und Ab, was ziemlich anstrengend ist; auch versuchen wir den vielen Pfützen soweit möglich auszuweichen.

Unterwegs auf gekiesten Wegen

Der Regen ist unser konstanter Begleiter an diesem Tag; es regnet mal mehr und mal weniger heftig. Als es gerade einmal aus allen Kübeln giesst, suchen wir Schutz bei einem Buswartehäuschen, verpflegen uns und warten darauf, dass sich das Wetter wieder bessert.

Schutz vor dem Regen

Auf der Weiterfahrt überqueren wir heute erstmals die Isar.

Isar bei Puppling

Wir sind froh, dass unsere Route ab hier einen geteerten Abschnitt enthält und wir deshalb auch wieder schneller vorwärtskommen.

Wenig später ist ein Teil der Isar kanalisiert. Von weiten sehen wir ein flossähnliches Gebilde darauf. Aus der Nähe betrachtet sehen wir ein grosses Baumstämmefloss, auf welchem eine Gesellschaft eine Art Party abhält bei Live-Musik, Grillwürsten und Bier. Sogar ein kleines WC-Häuschen ist in einer Ecke des Flosses zu sehen (das braucht’s bei den Biermengen, die die Bayern trinken).

Party-Floss auf dem Isar-Kanal

Circa um ein Uhr sind wir in München, sehen aber interessanterweise von dieser Milionenstadt kaum etwas, weil wir immer der Isar entlangfahren und wir dort kaum etwas von der Stadt wahrnehmen.

Isar bei München

Eigentlich hätten wir uns hier gerne in einem Restaurant oder Café aufgewärmt, aber wir entdecken nichts dergleiches. So fahren wir durch, machen einen kurzen Halt, essen eine Banane, ein paar Nüsse und ein kleines Brötchen.

Bis nach Freising, unserem Etappenziel, fahren wir auf manchmal etwas holprigen Kieswegen der Isar entlang. Der Fluss ist erstaunlich naturbelassen und man fühlt sich weitab von jeglicher Zivilisation.

Isarradweg zwischen München und Freising

Als plötzlich eine Schranke mit einer Fahrverbotstafel den Weg versperrt, ignorieren wir diese. Wenig später bemerken wir den Grund des Verbots: Die Strasse wurde von der Isar weggespült.

Weggespülter Fahrradweg

Glücklicherweise entdecken wir einen schmalen Ersatzpfad durch den Wald, der uns auf die andere Seite bringt.

Inzwischen hat es aufgehört zu regnen und wir sehen erstmals ein Stückchen blauen Himmels.

Um 16.30 Uhr treffen wir in Freising ein. Vor dem Einchecken im relativ noblen Munich Airport Marriott Hotel, müssen wir zuerst unsere vor Dreck starrenden Satteltaschen reinigen. Auch die Fahrräder sehen schrecklich aus nach dem heutigen Ritt durch Pfützen und Schlamm.

Fahrrad nach der heutigen Etappe

Mein Fahrrad sieht dank Schutzblechen zum guten Glück etwas weniger schlimm aus.

Später im Hotelzimmer begrüsst mich in der Dusche eine Kuh, die nicht so richtig zu diesem Hotel passt.

Kuh in der Dusche

Nach der Dusche machen wir uns auf den Weg in die Altstadt von Freising, welche einen ganz hübschen Eindruck macht.

Freising

Die Sonne scheint und es ist spürbar wärmer geworden, weshalb wir uns am Hauptplatz draussen an einem Tisch eines griechischen Restaurants niederlassen und einen feinen Znacht inkl. offeriertem Ouzo geniessen

So endet eine regnerische Etappe versöhnlich.

Fakten Etappe 3: Bad Tölz – Freising
Gefahrene Strecke: 93 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 55
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.8 km/h
bergauf: 510 m
bergab: 710 m
Übernachtung im Munich Airport Marriott Hotel

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Day 2: Rietz – Bad Tölz (Isar-Tour)

Als wir heute um 08.15 Uhr von Rietz losfahren, ist es angenehm frisch und der Himmel verhangen mit einigen Nebelwolken.

Auf dem Innradweg bei Rietz

Wir fahren noch kurze Zeit dem Innradweg entlang, bevor wir bei Telfs links abbiegen und schon bald in eine heftige Steigung geraten. Zu Beginn fahre ich tapfer den Berg hoch, doch die Steigung ist zu happig für mich, so dass ich bald vom Rad steige und es zumeist schiebe auf dieser Passstrasse, auf der wir insgesamt 600 Höhenmeter bewältigen.

Steigung nach Mösern

Ein netter österreichischer Autofahrer hält sogar an, als er sieht, wie ich mühsam mein Rad den Berg hochschiebe und fragt mich, ob ich mein «Radel» aufladen möchte. Das lässt mein Stolz natürlich nicht zu.

Fast 2 Stunden verbringen wir auf dieser unendlichen Strasse, werden aber, als wir oben sind von einem wunderbaren Blick zurück ins Inntal belohnt.

Blick ins Inntal zurück

In der Folge gelangen wir nach Seefeld im Tirol, welches sehr touristisch ist.

Seefeld im Tirol

Der Radweg führt uns nun abseits von Hauptstrassen auf Kieswegen talabwärts. Es ist sehr schön hier in diesem Teil von Österreich und wir beobachten sogar eine Hirschkuh, die verängstigt auf einer Wiese herumspringt.

Fahrradweg in der Nähe von Scharnitz

Bei Scharnitz gelangen wir erstmals an die Isar, die im Karwendelgebirge nördlich von Innsbruck entspringt.

Es folgt ein sehr schöner Abschnitt dem natürlichen Flusslauf entlang.

Auf dem Isarradweg bei Scharnitz

Schon bald passieren wir die Grenze zu Deutschland. Im Geigenbauerdorf Mittenwald (meine Geige stammt wohl aus dieser Schule) machen wir unseren Mittagshalt und lassen uns im Garten eines griechischen Restaurants nieder, wo wir zwei verschiedene griechische Salate vertilgen.

Auf der Weiterfahrt gelangen wir an eine Art Panoramastrasse auf der man oft auf den naturbelassenen Flusslauf der Isar sieht. Solche Flusslandschaften sind sehr selten zu finden in Europa.

Panoramaweg der Isar entlang.

Der Fahrradweg führt danach ca. 15 km einer Hauptstrasse entlang, auf der ziemlich viel Sonntagsverkehr herrscht. Vor allem die lauten Töfffahrer sind ein bisschen nervig. Am Sylvensteinsee (die Isar wird hier gestaut) machen wir eine kurze Rast und füllen an einem Brunnen unsere Wasservorräte auf.

Blick auf den Sylvensteinsee

Von dort sind es noch ca. 15 km bis an unser Etappenziel Bad Tölz, welches wir um 16.45 Uhr ziemlich abgekämpft erreichen. Bad Tölz ist ein schmuckes Kleinstädtchen, welches mir bisher nur durch die alte Krimiserie «Der Bulle von Tölz» bekannt war.

Unser Hotel in Bad Tölz

Wir sind ziemlich hungrig, weshalb wir uns bald im hoteleigenen Strassenrestaurant niederlassen und uns ein Wienerschnitzel gönnen (es sind sogar zwei wie wir erfreut feststellen, als uns der Teller serviert wird).

Abendessen im Hotel Kolberbräu

Nachher sitzen wir noch ein wenig auf unseren Balkon und geniessen den warmen Sommerabend. Mein Sohn liest ein spannendes Buch und ich schreibe meinen Blog.

Etwas Sorgen macht uns das Wetter: Es soll morgen heftige Unwetter geben in dieser Region. Schauen wir mal…

Fakten Etappe 2: Rietz – Bad Tölz
Gefahrene Strecke: 92 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 24
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.4 km/h
bergauf: 1030 m
bergab: 1020 m
Übernachtung im Posthotel Kolberbräu

Screenshot

Day 1: Scuol – Rietz (Isar-Tour)

Die diesjährige Sommertour wird mich vom Unterengadin an die Isar führen, welcher ich bis zur Mündung in die Donau entlangfahren werde. Ich nenne sie deshalb Isar-Tour.

Die erste Etappe beginnt an einem sonnigen Samstagmorgen um viertel nach acht  in Scuol.

Bahnhof Scuol; Start ins Tourabenteuer

Es ist nicht das erste Mal, das ich von hier aus dem Inn entlangfahre und wie in den letzten beiden Sommertouren begleitet mich wieder mein Sohn für ein paar Tage.

Es ist ein angenehmer Sommertag heute, nicht zu warm und manchmal verdecken Wolken die Sonne, so dass keine Sonnenbrandgefahr besteht.

Zu Beginn fahren wir auf der Hauptstrasse Richtung österreiche Grenze und kommen so gut vorwärts.

Dem Inn entlang in der Nähe von Martina

Sobald wir in Österreich sind, folgen wir dem Innradweg, der sehr schön, aber auch ziemlich coupiert ist.

Auf dem Innradweg in der Nähe von Pfunds

In der Nähe von Zams erblicken wir wieder das Schlösschen auf einer Bergspitze, ein schönes Sujet:

Auf dem Innradweg in der Nähe von Zams

Bei Imst queren wir ein grössere Gruppe von Riverrafting-Abenteurern, die ihre Gummiboote ans Ufer des Inn tragen.

Riverrafting-Gruppe bei Imst

Obwohl die heutige Strecke eigentlich grösstenteils ein Gefälle aufweist, ist sie doch ziemlich happig wegen den vielen Gegensteigungen, die uns immer wieder ein bisschen ärgern. So bin ich nach ca. 90 km ziemlich fertig und quäle mich über die letzten 20 km.

Auch verspüre ich Schmerzen am ganzen Körper; das hatte ich noch selten so extrem. Ich bin wohl einfach ein bisschen ausser Form. Aber das wird sich sicher bessern im Verlaufe der Tour – das hoffe ich wenigstens.

Kurz vor unserem Etappenziel Rietz fahren wir bei Stams vorbei, welches bekannt ist für seine eindrückliche Klosteranlage, genannt Stift Stams und sein Skigymnasium.

Stams

Um 16.30 erreichen wir das heutige Etappenziel Rietz, welches ein kleineres Dorf ist.

Wenig später beobachten wir vom Balkon unseres Hotelzimmers aus eine Unwetterfront, die schnell näher kommt.

Gewitterfront im Anzug

Bevor das Gewitter eintrifft, machen wir uns auf den Weg ins Dorf-Café, welches heute abend ausnahmsweise geöffnet hat und wo wir einen Grillabend geniessen dürfen wie wir telefonisch in Erfahrung bringen.

Als wir dort ankommen, ist auf der Terrasse des Cafés eine grössere Geburtstagsparty im Gange. Ganz unkomplizert dürfen wir uns zu den Gästen gesellen und uns am Salat- und Fleischbuffet bedienen. Das ist toll und wir geniessen das feine Essen.

Kaum haben wir im Innenbereich Platz genommen, beginnt es zu stürmen und stark zu regnen, worauf die Geburtstagsgesellschaft auch nach innen flüchtet.

Grillplausch in Rietz

Zufrieden und wohlgenährt schlendern wir im Regen ins Hotel zurück. Heute ist ja noch Frauenfussball angesagt und den Blog über die heutige Etappe sollte ich auch noch schreiben…

Fakten Etappe 1: Scuol – Rietz
Gefahrene Strecke: 109 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 24
Durchschnittsgeschw.;
bergauf: 810 m (deshalb bin ich so kaputt)
bergab: 1450 m
Übernachtung im Hotel Rietzerhof, Rietz

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Day 4: Reggio – Bologna

Das heutige Frühstück darf ich im Hotel Posta einnehmen, das ist ein eindrücklicher Palazzo aus dem 16. Jahrhundert.

Hotel Posta, Reggio nell’Emilia

Ich nehme es gemütlich an diesem Morgen, denn die heutige letzte Etappe ist nur ca. 80 km lang, fast schon «Peanuts» für mich. Das Wetter ist wieder prächtig und auch meine Fahrradroute ist schön.

Unterwegs zwischen Reggio und Modena

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit erreiche ich Modena. Hier mache ich einen kleinen Halt und setze mich in ein Café im Schatten des Doms. Für einmal erlaube ich mir zum Kaffee etwas Süsses (ich bin ja sonst sehr diszipliniert diesbezüglich!). Das berlinerartige Gebäck mundet vorzüglich. Es heisst Bombolone und erinnert mich an meine Jugend, als ich mit meinen Eltern die Herbstferien an der Riviera bei Alassio verbrachte und ein Einheimischer jeweils den Strand ablief und von seiner Frau gebackene Bombolone verkaufte und sein Kommen mit lautem Rufen ankündigte.

Kaffeehalt in Modena

Der Dom soll eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke sein, lese ich – so lasse ich es mir nicht nehmen, nach dem Kaffee einen günstigen Ort zu suchen, um diesen Bau möglichst optimal fotografisch festzuhalten.

Dom von Modena

Es hätte bestimmt noch weitere Dinge zu entdecken gegeben in Modena, aber ich setze meine Fahrt nach ca. 45 Min. wieder fort. Ich habe eine schöne Route geplant heute und es freut mich, dass es sich gelohnt hat, sie nach den Erlebnissen vom Vortrag etwas umzuplanen. Aber als mich Komoot plötzlich zum Umkehren (d.h. Spitzkehre machen) auffordert, stutze ich, denn ich kann beim besten Willen keinen Weg entdecken im hohen Gras.

Fahrradroute ins Dickicht (?)

Vielleicht gab’s hier mal einen Weg, aber er ist nun völlig überwuchert. Also fahre ich weiter und suche einen Ersatzweg, den ich zum guten Glück finde und der mich wieder auf die geplante Route führt. Doch schon bald erwartet mich das nächste kleine Abenteuer. An einer Stelle ist der Weg komplett überschwemmt und ich sehe keine Möglichkeit die Pfützen zu umgehen.

Überschwemmter Fahrradweg

ich muss da durch und versuche es fahrenderweise, verliere aber, als ich es fast schon geschafft habe, das Gleichgewicht und zieh wortwörtlich einen Schuh voll heraus. So ein Pech!

Wenig später führt mich mein Weg an einen Park.

Parco Villa Sorra

Ich soll hier links abbiegen, aber ich sehe nur eine Wiese. Heute hat Komoot irgendwie einen schlechten Tag, denke ich. Da ich aber mit ein bisschen Fantasie einen Single-Trail erkennen kann, fahre ich da durch und gelange zum Glück nach 250 Metern wieder auf einer Teerstrasse.

Single-Trail durch die Wiese

Die kleinen Abenteuer wollen heute einfach nicht aufhören, denn plötztlich stehe ich vor einer Barrikade.

Gesperrte Strasse

Ich bin ein wenig irritiert, aber mangels Alternativen fahr ich bei der kleinen Lücke auf der rechten Seite durch und lande später auf einem sehr schönen Abschnitt, wo ich ganz alleine bin.

Fahrradroute in der Nähe von Bologna

Generell begegnen mir auf dieser Tour fast keine Tourenfahrer – die Velofahrer, dir mir begegnen, sind meist pensionierte ältere Herren, die auf dem Rennrad unterwegs sind – und einige rufen mir «Ciao» oder «Salve» zu.

Schon wieder gerate ich an eine Strassensperre, das wird langsam inflationär.

Gesperrte Strasse

Zum guten Glück kann ich mich auch hier wieder durchzwängen mit meinem Fahrrad. Wieso die Strasse gesperrt ist, finde ich nicht heraus.

Nach diesen kleinen Abenteuern kündigt sich bald Bologna an. Ich fahre nun längere Zeit auf einer Einfallstrasse, die von unendlichen Baustellen geprägt ist. Das ist etwas mühsam, da sich das kilometerweise hinzieht und ich deshalb meist auf der engen Strasse fahre, weil da, wo der Fahrradstreifen gewesen wäre, gebuddelt wird.

Baustellen ohne Ende

Endlich erreiche ich das Zentrum der Stadt, das imposante Stadttor lässt mich das vermuten.

Stadttor von Bologna

Ein wenig später – ich bin schon nahe der Innenstadt – herrscht ein ziemliches Verkehrschaos, Busse stauen sich und Unmengen von Touristen strömen über die Zebrastreifen.

Viel los in Bologna

Nun ist es nicht mehr weit zu meinem Hotel, das am Rande der Altstadt liegt und das ich gegen 16 Uhr erreiche. Somit ist das Ziel meiner diesjährigen Frühlingstour erreicht. Ich bin froh, dass ich pannen- und beschwerdefrei diese Tour zu Ende gebracht habe; das ist nicht selbstverständlich. Auch das Wetter war perfekt und Rückenwind hatte ich auch oft.

Natürlich erkunde ich nach dem Einchecken und dem Frischmachen die Stadt Bologna. Ich war noch nie hier; deshalb bin ich überrascht von der ganzen Pracht, die ich auf meinem Rundgang entdecke.

Bologna

Bologna ist eine ausserordentlich schöne Stadt mit unzähligen Palazzi, Kirchen, Türmen, schönen Häusern und langen Bogengängen (ähnlich wie die Lauben in Bern, nur viel höher und länger). Kein Wunder sind so viele Touristen hier.

Bologna

Mit diesen Eindrücken schliesse ich den Blog meiner spannenden Frühlingsradtour durch interessante Städte in der Po-Ebene und möchte mich gleichzeitig bedanken für die Rückmeldungen und Likes. Sogar ein selbstverfasstes Gedicht über meine «Heldentaten» wurde mir gewidmet!

Fakten Etappe 4: Reggio nell’Emilia – Bologna
Gefahrene km: 80
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.9 km/h
Bergauf: 140 m
Bergab: 140 m
Übernachtung im Hotel Regina, Bologna

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Day 3: Cremona – Reggio nell’Emilia (Bologna-Tour)

Auch heute scheint wieder die Sonne, als ich um 9 Uhr von Cremona aufbreche. Zuerst kämpfe ich mich zu Fuss durch einen grossen Markt; es werden zumeist billige Kleider angeboten.

Markt in Cremona

Doch bald bin ich wieder auf dem Po-Radweg. Und es ist schon ziemlich warm und sehr angenehm an diesem schönen Morgen auf perfektem Belag auf dem Po-Damm Richtung Osten zu fahren.

Po-Radweg bei Cremona

Man hat einen guten Überblick auf die weite, ebene Landschaft rundum. Immer mal wieder fahre ich an grossen Gutshöfen vorbei; die einen scheinen unbewohnt, wie dieses festungsartige Gebäude.

Ehemaliger Gutshof

Als ich den Po auf einer langen Brücke überqueren muss, stehe ich erstmals vor einem kleinen Problem, denn eine Spur ist gesperrt und die andere wird abwechslungsweise jeweils in beiden Richtungen benutzt.

Bauarbeiten an Po-Brücke

Fahrradfahrer sind nicht eingeplant, wie ich etwas genervt feststelle. Ein bisschen frech befahre ich die freie Spur bei Rot, als ich sehe, dass kein Gegenverkehr mehr in Sicht ist. Ein cleverer Schachzug, denn so vermeide ich, dass mich Lastwagen von hinten bedrängen und mich überholen wollen.
Nach dieser kurzen Eskapade kann ich bald wieder von der Bundestrasse links abbiegen und meinen Weg auf Nebenstrassen fortsetzen.

Heute fühle ich mich ein wenig wie ein Tierfotograf: nachdem ich ein Kaninchen und eine Bisamratte fotografiert hatte und ausserdem Rebhühner sah, entdecke ich an einem Wassertümpel ein weiteres Tier, das ich nicht erwartete. Was könnte das wohl für eines sein? (Das heutige Rätsel)

Landschaft in der Nähe von Parma

Richtig, es sind Schildkröten, die ein Sonnenbad nehmen.
Wenig später biege ich nach rechts ab und folge dem Fluss Taro, der viel Wasser führt.

Fiume Taro

Wiederum ist der Radweg auf einem Damm angelegt. Rechts ist der Fiume Taro und links entdecke ich ein Bauwerk, das ich nicht so recht einordnen kann. Ist es ein Bewässerungskanal?

Auf dem Radweg beim Fiume Taro

Rastplätze sind entlang der Radrouten in Italien selten, deshalb nutze ich die Gelegenheit, als ich einen entdecke und mache hier meinen Mittagshalt.

Mittagspause

Als mich meine Route unter Autostrassen durchführt, folgt das nächste kleine Abenteuer, denn der Fahrradweg ist komplett überflutet.

Überschwemmter Fahrradweg

Zum guten Glück haben aber schon andere Velofahrer eine Ersatzschneise durch die Neophyten gebahnt, welche ich gerne benutze. So komme ich einigermassen heil aus dem Schlammassel heraus.
So erreiche ich nach einigen kleinen Abenteuern die Stadt Parma, die mich mit einem riesigen, und etwas protzigen Palazzo empfängt.

Palazzo della pilotta, Parma

Ich durchquere diese imposante und grosse Stadt schnell und befinde mich bald auf einer Strasse, die mich schnurgeradeaus nach Reggio Emillia führen soll, meinem Etappenziel.

Leider ist es nun aber vorbei mit den schönen Fahrradwegen, denn ich soll auf einem mickrigen und holprigen Weg neben einer stark befahrenen Bundesstrasse noch ca. 25 km zurücklegen.

Fahrradroute zwischen Parma und Reggio

Das wird mir bald zu bunt, so dass ich eine Ausweichroute suche. Ich mache dabei natürlich einen grossen Umweg, aber immerhin fahre ich nun auf wenig befahrenen Nebenstrassen.

Schliesslich erreiche ich ein wenig verspätet meine Zielstadt Reggio. Auch heute wieder war mir der Wettergott gnädig gesinnt – trotz einiger dunkler Wolken blieb der Tag regenfrei.

Reggio, Piazza

Nach dem Einchecken und der Dusche erkunde ich noch ein wenig diese mir bisher unbekannte Stadt und lasse mich schliesslich in einem Strassencafé nieder.

Reggio, in der Abendsonne

Ich schreibe ein wenig an meinem Blog, bevor ich ein kleines Restaurant aufsuche, das in der Nähe meines Hotels liegt. Auf Empfehlung esse ich Spaghetti Amatriciana mit Zucchini, es ist lecker und eine Abwechslung nach den Fleischmenus, die ich an den Vortagen genossen habe.

Abendessen in der Bottiglieria San Giovanni, Reggio

So neigt sich ein schöner Tourentag dem Ende entgegen. Nur noch das Beenden des heutigen Blogs erwartet mich im Hotelzimmer.

Fakten Etappe 3: Cremona-Reggio nell’Emilia
Gefahrene km: 98
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.7 km/h
Bergauf: 210 m
Bergab: 200 m
Übernachtung im Hotel Reggio

Screenshot

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Day 2: Monza – Cremona (Bologna-Tour)

Nach gutem Schlaf in einem aussergewöhnlichen Hotel mache ich mich um viertel vor neun zur Abfahrt bereit, nicht ohne den etwas speziellen Hoteleingang zu fotografieren.

Eingang zum Nine Hotel, Monza

Der Himmel präsentiert sich heute in schönstem Blau, das war aufgrund der Wetterprognosen nicht zu erwarten gewesen. So starte ich frohgemut zur 2. Etappe meiner Bologna-Tour. Zu Beginn ist die Etappe nicht so schön, ich befinde mich längere Zeit in der erweiterten Agglomeration von Mailand mit Velostreifen entlang von Ausfallstrassen, es hat Verkehrskreisel ohne Ende und relativ viel Morgenverkehr. Zum Glück wird es nach ca. 30 km besser und ich gelange auf einen tollen Fahrradweg einem kleinen See entlang.

toller Fahrradweg

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit mache ich eine Pause und setze mich in ein Strassencafé in einer kleineren Ortschaft und trinke einen Capuchino. Es ist schon ziemlich warm und ich bin froh, dass ich den Sonnenhut dabei habe.

Kaffeepause

Es herrscht ideales Fahrradtourenwetter heute und ich beginne den Tag zu geniessen, denn ich befinde mich nun auf einer schönen, beschilderten Fahrradroute, die mich meist abseits von Autostrassen Richtung Süden führt.
In der Nähe von Lodi fahre ich an einem riesigen schlossartigen Gebilde vorbei und ich frage mich, was das ist, denn es ist auf ca. 200m x 200m komplett von hohen Backsteinmauern umgeben. Wer errät, was es sein könnte?

Eindrückliches Gebäude bei Lodi

Richtig, es ist ein Friedhof, nämlich der Hauptfriedhof von Lodi, der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde und neuromanische Elemente enthält. Seine Umrisse sind sogar 280m x 175m mit total 35’000 m2. Das ist beachtlich.

Der Fahrradweg ist nun optimal, er scheint ziemlich neu zu sein und er führt einem kleinen Fluss entlang – so gefällt’s.

Neuer Fahrradweg

Jetzt fehlt nur noch ein lauschiges Plätzchen, wo ich meine Mittagspause machen kann. Kaum habe ich diesen Gedanken, wird mein Wunsch schon erfüllt:

Mittagspause

Die Gegend ist hier nur noch spärlich besiedelt und ich fahre selten durch Dörfer wie dieses:

Dorf

Circa nach 50 km überquere ich den Fluss Adda, dem ich in der Folge bis fast zur Einmündung in den Po folge. Ein italienisches Sprichwort lautet: Il Po non sarebbe Po, se l’Adda ed il Ticin non ci mettesser co’ (= capo) („Der Po würde Po nicht sein, flössen nicht die Adda und der Tessin hinein“).

Überquerung der Adda

Auch auf dem Damm des Po gibt’s wieder einen tollen Radweg, der mich bis nach Cremona begleitet.

Radweg auf dem Po-Damm

Man sieht, dass der Po immer noch sehr viel Wasser führt, und das Wasser eine braune Brühe ist. Kurz vor Cremona sind etliche Leute daran, Wege und Stege vom Schlamm zu säubern – offenbar hat der Fluss vor kurzem noch sehr viel mehr Wasser mit sich geführt.

Am Po bei Cremona

Die heutige Etappe endet nach 105 km um viertel nach vier. Ich erreiche mein Hotel, das gleich beim eindrücklichen Dom liegt.
Wie üblich schlendere ich nach der obligaten Dusche noch ein wenig in dieser schönen Stadt herum. Leider ist das Stradivari-Museum schon zu. So begnüge ich mich mit dem Hineinschauen in einige Geigenbauer-Ateliers, die sich auf meinem Rundgang befinden. Cremona ist heute immer noch eine bekannte Geigenbauerstadt.

Am Hauptplatz setze ich mich an einen Tisch mit wunderbarer Sicht auf die Fassade des Doms und den 112 m hohen Turm (zuerst viereckig, ganz oben dann achteckig).

Cremona, Dom mit Turm

Dieser Turm soll bis ins 20. Jahrhundert der höchste Turm Italiens gewesen sein; er wurde vor über 700 Jahren erbaut. Das ist unglaublich. Auch die Fassade des Doms ist faszinierend, sie enthält Elemente aus Gotik, Romanik und Renaissance und die beiden Türmchen zur Seite sind in mittelalterlichem Stil, so lese ich auf Wikipedia.

Nach dem kleinen Ausflug geht’s wieder in Hotel zurück, wo ich das Abendessen geniesse und an meinem Blog schreibe.

Fakten Etappe 2: Monza-Cremona
Gefahrene km: 105
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.9 km/h
Bergauf: 170 m
Bergab: 290 m
Übernachtung im Albergo Duomo, Cremona

Screenshot

Day 1: Lugano – Monza (Bologna-Tour)

Die diesjährige Frühlingstour wird mich von Lugano aus nach Bologna führen. Nach einem regnerischen, grauen Ostersonntag in Paradiso ist das Wetter am Ostermontagmorgen freundlicher, als ich um viertel vor 10 zu einem weiteren Veloabenteuer aufbreche. Die heutige Etappe wird nicht allzu lange sein, so dass ich es gemütlich nehme und auch gleich nach dem Start wieder vom Rad steige, um das schöne Panorama bei Lugano festzuhalten.

Rückblick auf Lugano

In der Folge fahre ich dem See entlang nach Melide und gelange dort auf eine Radroute, die mich meist auf Fahrradwegen bis zur Grenze begleiten wird. Bei Bissone fotografiere ich den Monte San Giorgio, ein Berg, auf dem ich vor vielen Jahren einst Fossilien suchte. Er ist berühmt dafür.

Blick auf den Monte San Giorgio

Wie schon auf einer früheren Tour durchfahre ich die sehenswerte Altstadt von Mendrisio.

Mendrisio

Der folgende Weg Richtung Chiasso bietet schöne Aussichten auf alle Seiten.

Route vor Chiasso

Statt aber bis nach Chiasso zu fahren, biege ich wenig später rechts ab und bin schon bald an der italienischen Grenze. Von hier führt mich der Weg aufwärts in hügeliges Gelände und ich komme bei den Steigungen ziemlich  ins Schwitzen, obwohl es eigentlich noch ziemlich kühl ist.
Ich fahre nun auf Regionalsstrassen (strada provinciale, abgekürzt SP), wobei sich der Verkehr zum Glück meist in Grenzen hält.

Bei einer modernen kleinen Kirche mit Sitzbänken aus Granit mache ich meinen Mittagshalt, nachdem ich immerhin schon fast 35 km geschafft habe.

Mittagshalt nach 35 km

Die heutige Etappe führt mich meist durch bebaute Landschaften – man merkt, dass man sich in der erweiterten Agglomeration von Mailand befindet.

Fahrradweg neben Regionalstrasse

Als ich an einem eindrücklichen Rohbau vorbeifahre und die Werbetafel daneben erblicke, frage ich mich, ob die Erbauer wohl pleite gegangen sind und es deshalb beim Bau nicht mehr weitergeht.

Imposanter Rohbau

Nachdem ich auf der heutigen Radtour bislang tolle Fahrradwege vermisst habe, führt mich Komoot 10 km vor meinem Etappenziel doch noch auf eine frisch geteerte, prächtige Fahrradstrasse.

Fahrradroute in der Nähe von Monza

Und zum Schluss wird es sogar noch idyllisch:

Route bei Monza

Schon um 15 Uhr erreiche ich mein Hotel; ich habe zuerst Mühe, es zu entdecken, denn es ist – wie mir scheint – vor allem ein riesiges Restaurant, in dem Hochbetrieb herrscht an diesem Ostermontag. Das Einchecken wird fast zum grössten Abenteuer an diesem sonst unproblematischen Tourentag: Ich muss mich in eine Riesenschlange bei der Kasse einreihen, denn offenbar ist der Restaurantkassier gleichzeitig auch Rezeptionist des an gleichen Ortes befindlichen Hotels. Ich warte über 10 Minuten, bis ich endlich an der Reihe bin und meinen Zimmerschlüssel bekomme.

Überrascht bin ich vom meinem Zimmer, denn es ist ein grosses Appartement mit Wohnraum und separatem Schlafzimmer – nicht schlecht für den moderaten Preis.

Blick von meinem Hotelzimmer aus, unter den Zelten befindet sich ein Teil des riesigen Hotel-Restaurants.

Nach obligater Dusche sehe ich mich noch ein wenig im schönen Städtchen Monza um.

Dom von Monza

Und nach einigem Suchen entdecke ich ein lauschiges Plätzchen in einem Strassencafé, wo ich den heutigen Blog schreibe.

Am Blogschreiben

Kulinarisch endet der Tag im Hotelrestaurant. Anfangs bin ich alleine

Doch nach und nach füllt sich das Lokal – die Italiener essen später als wir Schweizer. Mit offeriertem Limoncello endet der kulinarisch befriedigende Abend; ich ziehe mich in mein Appartment zurück, um den Blogfinish zu erledigen.

Nachtrag: Kaum hatte ich den Blog veröffentlicht, erreichte mich schon per E-Mail ein Gedicht eines Dichterfreundes, das ich hier teilweise veröffentliche:

Monza heisst sein erstes Ziel.
Dass ihm dieser Ort einfiel
für den ersten Boxenhalt
und den kleinen Aufenthalt,
scheint mir klar im Wunsch zu liegen,
statt mit «Treten» mal mit «Fliegen»
und mit Bleifuss auf Pedal
auf dem Monza-Ring einmal
Rund’ um Runde hinzudrehn.
Bernhard! – ehrlich! – wär’s nicht schön?

(Angelus Hux)

Fakten Etappe 1: Lugano-Monza
Gefahrene km: 67
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.6 km/h
Bergauf: 460 m
Bergab: 590 m
Übernachtung im Nine Hotel, Monza

Screenshot