Heute fahre ich ziemlich spät los für meine Verhältnisse, nämlich um 8 Uhr. Das macht aber nichts, denn die heutige Etappe ist eine „Dessert-Tour“ nach der „Hauptgang-Tour“ vom Vortag.
Zu Beginn führt mich der Weg wieder nach Rapperswil, denn ich möchte von dort den Obersee umrunden. Ich nehme zuerst wieder den gleichen Weg wie am Vortag und mach wieder eine Foto an meiner Lieblingsstelle:

Landschaft bei Oetwil a. See
Wenig später muss ich wieder eine Foto machen, denn von hier erspähe ich den Tödi, den mit 3’614 M. hohen höchsten Berg der Glarner Alpen.

Glarner Alpen mit Glärnisch-Massiv (links) und Tödi (rechts)
Der Lützelsee präsentiert sich heute ganz anders als gestern, deshalb beglücke ich meine Leser wieder mit einem Bild dieses reizenden Seeleins, an dem schon Leute unterwegs sind an diesem frühen Morgen.

Lützelsee
Wenig später fahre ich wieder an Roger Federers 50-Mio.-Grundstück vorbei. Ich muss jetzt nicht mehr werweissen, ob das sein Grundstück sei, ich weiss es jetzt. Ich bin auch nicht neidisch – vor allem auch, wenn ich daran denke, wieviel Rasen ich hier mähen müsste.
Da ich heute mehr Zeit habe als gestern, fahr ich mitten durchs Städtchen Rapperswil:

Rapperswil
Auch aus der Distanz ein tolles Sujet. Das Schloss habe ich vor langer, langer Zeit, als Primarschüler mal nachgefertigt, mithilfe eines Bastelbogens aus Karton.

Rapperswil mit Hafen
Nach der Überquerung des Seedamms biege ich diesmal nach links ab, denn ich möchte ja den Obersee umrunden; das ist ein durch den Seedamm abgeschnittenes Teilstück des Zürich-Sees. Ich habe die nun folgende Strecke noch nie befahren und bin gespannt, was mich erwartet.
Zuerst führt mich die Route entlang einer breiten Strasse, was nicht sehr attraktiv ist. Deshalb fahre ich bei Gelegenheit an den See hinunter, muss aber erkennen, das hier auf dem Seeuferweg Fahrverbot herrscht.
Da es aber eine sehr schöne Stelle ist, mache ich eine kurze Pause. Wie schon bei meiner ersten Corona-Tour amüsiere ich mich über einen lustigen Hundenamen. „Gogo, nein, komm her“ wird ein Hund von seinem Herrchen hergerufen, als er der sitzenden Velofahrerin etwas von ihrem Frühstück erbetteln will.

Szene am Obersee (Gogo im Wasser schwimmend)
Der Name erheitert mich, denn ich muss daran denken, wie unsere Tochter sich im Alter von ca. 6 oder 7 Jahren sehnlichst einen „Gogo“ zu Weihnachten wünschte, einen batteriebetriebenen elektronischen Stoffhund – und sich das Ganze zu einem Drama entwickelte, weil einfach kein „Gogo“ aufzutreiben war, weil die „Gogos“ damals gerade in Mode waren und alle einen „Gogo“ wollten. Den „Gogo“ konnten wir schliesslich doch noch organisieren – die Freude über „Gogo“ war aber, wie zu erwarten war , leider nur kurzlebig.
Die Veloroute verlässt glücklicherweise wenig später die Hauptstrasse und führt mich mitten durch den Ort Lachen, der von einer riesigen Kirche dominiert wird. Die Zwiebeldächer der beiden Kirchtürme erinnern mich dabei an die Kirchtürme in Bayern.

Lachen
Wenig später – beim Flughafen Lachen (ohne Flugzeuge) – habe ich einen wunderbaren Weitblick in die Linthebene.

Linthebene bei Lachen
Es ist sehr eben hier und deshalb ideal zum Rollerbladen und Velofahren.
Nachdem ich die kleinere Ortschaft Nuolen durchquert habe, muss ich rechts abbiegen, von nun an führt die Strasse nicht mehr dem See entlang. Als ich abbiege, entdecke ich ein Schild, auf dem „Kuster Sandsteine“ steht. Interessant, denke ich, denn ein sehr guter Freund meines Sohnes ist ein Sprössling der Kuster-Sandstein-Dynastie. Und als ich sehe, dass sich zu meiner Rechten ein Golfplatz befindet und ich mich daran erinnere, gehört zu haben, dass mal ein Golfball bei Kusters ins Badezimmer flog, habe ich die Vermutung, dass die Kusters wohl irgenwo hier in der Nähe wohnen. Und so ist es denn auch. 50 m weiter, direkt an der Veloroute – ist der Briefkasten eines Hauses mit „Kuster“ angeschrieben. Ich sehe durch ein Fenster Personen am Frühstücken und winke deshalb einfach mal. Und tatsächlich: Kusti, so nennt mein Sohn seinen Freund, erscheint und ist sehr überrascht mich hier zu sehen. Netterweise werde ich zu einem Kaffee eingeladen und habe dabei Gelegenheit, ein wenig mit Kusti und seiner Freundin zu plaudern.

Kusti und der Blogschreiber
Nach dieser für alle Beteiligten überraschenden Begegnung geht’s nun auf der Vorderseite des Buechbergs einem Golfplatz entlang, der sich über ein grosses Gebiet erstreckt.

Golfplatz bei Nuolen
Da mich die Veloroute nun weit oberhalb der Linthebene durchführt, habe ich einen wunderbaren Weitblick und nachdem ich die Ortschaft Tuggen durchfahren habe, komme ich bald an die Stelle, wo der Linthkanal überquert werden muss.

Linthkanal bei Schloss Grynau, mit Mürtschenstock (Bilmitte) im Hintergrund
Wenig später erreiche ich die Ortschaft Schmerikon. Hier möchte ich einen ehemaligen Lehrerkollegen besuchen, der mir auf meinen ersten Corona-Tour-Bericht hin geschrieben hatte, ich solle doch vorbeikommen, wenn ich in der Gegend sei. Das mache ich natürlich gerne, ich habe heute ja auch genügend Zeit für einen zweiten Schwatz.

Bei Koe und Ruth
Koe (eigentlich Hans-Jakob) ist legendär für seine professorale Vergesslichkeit. Die lustigste Begebenheit diesbezüglich: Da ein Schüler eine Nachprüfung schreiben sollte in der letzten Lektion an einem Samstagmorgen (!), schloss er diesen mangels freier Zimmer zu diesem Zweck in den Luftschutzraum ein – vergass ihn dann aber und fuhr nach Hause. Unterwegs bemerkte er glücklicherweise sein Malheur…
Kurz nachdem ich wieder aufgebrochen war, befahre ich die Strandpromenade von Schmerikon. Es ist unglaublich schön hier:

Schmerikon
Das Stück das darauf folgt, ist traumhaft, die Fahrradroute führt nun meist dem Seeufer entlang. Es sind ziemlich viele Leute unterwegs an diesem schönen Ostermontag, aber die Menge hält sich, wohl coronabedingt, in Grenzen.

Bild Obersee
Als ich auf die gegenüberliegende Seeseite blicke, entdecke ich Kusters Sandsteinbruch und die kleine Hügelkuppe rechts davon, wo ich ca. 2 Stunden vorher durchgefahren bin

Kuster Sandsteinbruch im Wald am gegenüberliegenden Seeufer
Wenig später passiere ich das wunderschön am See gelegene Kloster Mariazell in Wurmsbach, welches auch ein bekanntes Mädcheninternat beherbergt. Gemäss Infotafel existiert dieses Zisterzienserinnen-Kloster seit 1259 (also schon vor Gründung der Eidgenossenschaft um 1291). Offenbar gibt es auch ein Gästehaus hier für (Jakobs)pilger. Das wusste ich nicht.

Kloster Mariazell, Wurmsbach
Bald schon bin ich wieder in Rapperswil, nehme von dort nun aber einen anderen Rückweg nach Egg. Die Veloroute führt mich durch die schöne Züri-Oberland-Landschaft an Gossau und Grüningen vorbei.

Gossau (ZH)
Bald schon befinde ich mich wieder kurz vor Egg. Ich steige vom Velo und mache ein Bild dieser mir wohlvertrauten Landschaft. Unter dem blühenden Apfelbaum ist gerade eine (Hobby)fotografin am Werk. Mit Hingabe fotografiert sie die Blüten dieses Baumes.

Landschaft bei Egg (ZH)
Eine wunderbare, auch für Senioren geeignete Etappe, geht damit zu Ende.
Ich habe vier sehr schöne österliche Touren rund um meinen Wohnort herum gemacht und dankbar und staunend die Schönheit meiner näheren Umgebung wiederentdecken und geniessen können (Warum in die Ferne schweifen? – Das Gute liegt so nahe) – und dies bei strahlendem Frühlingswetter! Das Tüpfelchem auf dem i waren dabei die täglichen unverhofften und überraschenden Begegnungen mit mir lieben Menschen.
Damit sind meine Oster-Corona-Touren 2020 beendet. Da ich nun aber noch zwei Wochen Ferien habe und die geplanten Tessin-Ferien coronabedingt im Lago Maggiore versenkt wurden, werde ich bei schönem Wetter weitere Corona-Rundtouren von zuhause aus durchführen.
Ich danke allen meinen Lesern für ihre Feedbacks und Kommentare. Es tut immer gut, wenn man hört, dass die Berichte Gefallen finden. Und falls ihr automatisch informiert sein wollt, ich weitere Velotouren-Berichte veröffentliche, dürft ihr mich gerne „followen“.
Bleibt gesund!!!
C-Tour 4: Obersee
04:59 Fahrzeit
69,9 km Strecke
14,0 km/h Durchschnittsgeschw.
740 m hinauf
740 m hinunter
