Day 2: Inzing – St. Johann im Tirol

Als ich um viertel nach sechs aufstehe und aus dem Fenster schaue, ist der Himmel wolkenverhangen. Doch als wir knapp 2 Stunden später aufbrechen, scheint die Sonne, aber es ist ziemlich kühl für die Jahreszeit.

Inntal in der Nähe von Inzing

Bald schon erreichen wir Innsbruck, wo wir einen kurzen Abstecher in die Innenstadt machen.

Innenstadt von Innsbruck

Wir fahren nun längere Zeit dem Inn entlang und es sind heute wieder sehr viele Fahrradfahrer unterwegs. Kein Wunder, denn es ist sehr angenehm auf zumeist asphaltierten Fahrradwegen diesem Fluss entlangzufahren. Im Gegensatz zum Vortag ist es nun auch vorwiegend flach, es gibt also keine ruppigen Steigungen.

Inntalfahrradweg in der Nähe von Innsbruck

Der Inn ist nun ein mächtiger Fluss mit ziemlicher Strömung und trübem Wasser, also nicht geeignet zum Baden.

Überquerung des Inn in der Nähe von Schwaz

Der heutige Tag ist perfekt zum Fahrradfahren. Es ist nicht zu heiss, der Himmel ist strahlend blau, die Fahrradwege sind top und es hat kaum Wind. So kommen wir schnell vorwärts.

Inntalfahrradweg in der Nähe von Schwaz

Nach ca. 50 km finden wir in Schwaz, einem kleinen sehenswerten Städtchen ein Café, wo wir uns stärken.

Schwaz

Etwa 2 Stunden später machen wir unsere Mittagsrast im Schatten einer Zitterpappel.

Mittagsrast in der Nähe von Wörgl

Bei Wörgl verlassen wir den Inn und biegen nach rechts ab. Nun erwartet uns eine happige Steigung.

Steigung in der Nähe von Wörgl

Ich bin froh, dass mir mein Sohn eine Fahrradtasche abnimmt. Er ist noch jung und sehr sportlich und bewältigt fast mühelos auch knackige Steigungen im Fahren, während ich, wenn’s steil wird, schnell vom Rad steige und das Fahrrad schiebe. – Ja ich merke halt dann, dass ich nicht mehr der Jüngste bin.

Die Gegend ist sehr touristisch; kein Wunder beim wunderschönen Panorama mit eindrucksvollen Bergen.

Landschaft bei Ellmau mit Wildem Kaiser (Bergkette)

Bei Ellmau erreichen wir mit ca. 800 m über Meer den höchsten Punkt der heutigen Etappe.

Ellmau

Wir sind nun ziemlich müde und froh, dass es die letzten Kilometer wieder runter geht. So erreichen wir gegen viertel vor fünf unser Hotel in St. Johann im Tirol.
Als ich aus dem Hotelfenster blicke, fallen mir Männer in Lederhosen und Frauen in Trachten auf, die wohl auf dem Weg zu einem Dorffest sind. Eine Lederhosenparty?

St. Johann im Tirol, Blick aus dem Fenster des Hotel Bruggwirt

St. Johann im Tirol ist ein schmuckes grösseres Dorf, das ziemlich touristisch ist, wie wir später auf der Suche nach einem Restaurant feststellen.

Kirchplatz von St. Johann im Tirol

Wir finden eine Pizzeria, wo wir gut essen. Es gibt für mich Spaghetti Bolognese und für den Sohnemann eine Pizza.
Müde, aber zufrieden mit dem heutigen Tag schlendern wir zum Hotel zurück, wo ich noch meinen täglichen Blog schreibe.

Fakten Etappe 2: Inzing – St. Johann im Tirol
Gefahrene Strecke: 115 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 36
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17.4 km/h
bergauf: 770 m
bergab: 610 m m
Übernachtung im Hotel Bruggwirt, St. Johann im Tirol

Day 1: Scuol – Inzing (Graz-Tour)

Heute beginnt meine Sommerfahrradtour. Für einmal bin ich nicht alleine unterwegs, da mich mein Sohn begleiten wird.
Als wir um um 8 Uhr in Scuol (Unterengadin) starten, ist es ziemlich grau und ca. 10° Grad kühl.

bei Scuol, Start in einen kühlen Morgen

Wir nehmen anders als uns unsere Navi-App vorschlägt die Hauptstrasse. Vor acht Jahren waren wir schon mal von hier aus in eine Fahrradtour gestartet und hatten uns in dieser Gegend über ruppige Fahrradwege gequält. Das wollen wir diesmal vermeiden.
Auf der komfortablen Hauptstrasse, auf der es an diesem Samstagmorgen wenig Verkehr hat, kommen wir gut vorwärts und erreichen schon bald die Grenze zu Österreich.

Hier fahren wir nun auf der Inntalfahrradroute, die sehr schön ist.

Inntalfahrradweg in der Nähe von Pfunds

Wir staunen, wieviele Fahrradtourenfahrer heute schon unterwegs sind, denn es ist noch ziemlich früh am Morgen. Manchmal überqueren wir den Inn, um auf der anderen Uferseite dem Fluss zu folgen.

Inn, in der Nähe von Pfunds

Bei einer weiteren Überquerung fahren wir über eine schöne Holzbrücke

Holzbrücke über den Inn

Als wir um ca. 10.45 Uhr Landeck erreichen, gelüstet es uns nach Kaffee und etwas Süssem. Leider fahren wir beim ersten Café vorbei und finden erst 3 Km weiter in Zams eine Bäckerei mit Café. Dort geniessen wir einen feinen Marillenkuchen.

Als wir weiterfahren erblicken wir eine markante Felskuppe auf dem ein Schloss thront. Es ist die Kronburg.

Kronburg bei Zams

Wenig später werden wir von einer Fahrverbotstafel überrascht. Der Grund ist unklar. Also fahren wir weiter. 1 km später wissen wir weshalb: Ein kleiner Bergsturz hatte Felsbrocken auf dem Fahrradweg hinterlassen. Nach dem Passieren dieser Stelle sehen wir auch einen Haufen entwurzelter Bäume oberhalb des Fahrradwegs, die wohl Opfer eines Sturms geworden sind.

Sturmschäden in der Nähe von Zams

Auf der Weiterfahrt fallen uns nun viele von diesem Unwetter gefällte Bäume auf. Bei einem grossen Bauernhaus, an dem wir vorbeifahren, fehlt sogar das halbe Dach. Der Sturm muss hier extrem gewütet haben vor ein paar Tagen.

Der Inn ist während unserer Fahrt merklich breiter geworden und ist nun ein stattlicher Fluss.

Inn in der Nähe von Ötztal-Bahnhof

Leider ist das Gelände der heutigen Tour ziemlich coupiert. Wir müssen oft kleinere happige Steigungen bewältigen, bevor es wieder runter geht. Trotzdem kommen wir ziemlich gut vorwärts. Nach ca. 90 km machen wir Mittagsrast und essen im Schatten eines Pflaumenbaumes die Salami- und Käsebrote, die wir mitgenommen hatten.

Mittagsrast

Die letzten 35 km sind zum guten Glück nun flacher, dafür haben wir einen strammen Gegenwind, der uns etwas bremst.
Trotzdem erreichen wir schon um 15.45 Uhr Inzing, wo ich im voraus ein Hotel gebucht hatte. Wir sind ziemlich fertig nach der langen Etappe und machen nach der Dusche ein längeres Nickerchen. Nach dem feinen Nachtessen im Hotel machen wir noch einen kleinen Dorfrundgang in der Abendsonne.

Inzing, Kirche

Wir sind froh, dass die erste Etappe unserer Tour pannenfrei und ohne Regen über die Bühne gegangen ist.

Fakten Etappe 1: Scuol-Inzing
Gefahrene Strecke: 125 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 34
Durchschnittsgeschwindigkeit:
bergauf: 800 m
bergab: 1’470 m
Übernachtung im Gasthof zum Stollhofer, Inzing

Day 9: Wurzen-Leipzig (Musikstädtetour)

Heute morgen habe ich keinen Stress, denn die letzte Etappe meiner Musikstädtetour wird sehr kurz sein, denn ich möchte ja noch viel Zeit haben, mich in Leipzig umzusehen. So verlasse ich das Schlosshotel Wurzen erst um viertel vor neun. Auf einer Schautafel lese ich, dass das Schloss Wurzen ein Übergangswerk sei von der mittelalterlichen Wehrburg zum Renaissanceschloss.

Schloss Wurzen (erbaut 1491-1497)

Beim Wegfahren fällt mir eine kleine Bronzestatue auf einem Sockel auf. Sie ist dem Dichter Joachim Ringelnatz gewidmet, der in Wurzen geboren wurde.

Der goldene Reiter, Jana Beerhold («Ringelnatz sitzt gelassen auf einem klapprigen Gaul»)

Die kurze Fahrt nach Leipzig ist schnell beschrieben. Meine app hat den kürzesten Weg gesucht und auch gefunden. Das heisst, mich erwartet ein bunter Mix von Fahrradwegen, -streifen und zum Teil auch Fahrten auf gut befahrenen Landstrassen.

Unterwegs zwischen Wurzen und Leipzig

Es ist schon ziemlich warm an diesem windigen und etwas schwülen Morgen und ich komme trotz gemässigter Fahrweise schon ordentlich ins Schwitzen.

Nach ca. 2 stündiger Fahrt werde ich von einem Strassenschild in Leipzig willkommen geheissen.

Einfahrt in Leipzig

Ich fahre aber noch ein gutes Stückchen, bis ich mein Hotel am Rande des Zentrums erreiche. Kurz nach elf Uhr stelle ich mich an der Rezeption des Travel24 Hotel Leipzig vor. Natürlich kann ich mein Zimmer noch nicht beziehen, aber immerhin mein Gepäck deponieren und das Fahrrad abstellen. Nun kann ich zu Fuss die Bach-Stadt erkunden. Als erstes gelange ich auf den Markt mit Blick auf das alte Rathaus.

Altes Rathaus

Danach setze ich mich in ein Restaurant an diesem Platz und esse Spargeln mit Kartoffeln.

Auf meiner weiteren Erkundung höre ich schon von weitem einen Dudelsackspieler zusammen mit einem Trommler. Die beiden spielen packende irische Musik, sind aber Deutsche.

Strassenmusikanten in Leipzig

Nun möchte ich der Thomaskirche einen Besuch abstatten. Hier erhielt Bach im Jahre 1723 vor genau 300 Jahren die Stelle als Thomaskantor.

Thomaskirche, Leipzig

Ich habe Glück, denn um 13.30 Uhr soll ein exklusives Orgelkonzert stattfinden. So setze ich mich in diese geschichtsträchtige Kirche und warte ehrfurchtsvoll auf das angekündigte Konzert.

Innenraum der Thomaskirche

Für eine Reisegruppe, die in einem abgetrennten Sektor sitzen darf, wurde wohl dieses Extrakonzert organisiert. Aber alle Anwesenden dürfen auch mithören. Ganz ergriffen lausche ich den Orgeltönen. Es wird natürlich Bach gespielt, es erklingen aber auch romantische Werke, die ich nicht kenne.

Nach diesem schönen Konzerterlebnis sehe ich mich noch genauer in der Kirche um und fotografiere das Grabmal des grossen Meisters.

Grabmal von Johann Sebastian Bach in der Thomaskirche

Danach statte ich dem Bach-Museum einen Besuch ab und vertiefe mich in verschiedene Ausstellungsgegenstände. Unter anderem ist in diesem Museum das einzige originale Bach-Porträt ausgestellt.

Bach-Porträt von E.G. Haussmann aus dem Jahre 1748.

Es zeigt den etwas 60-jährigen Thomaskantor in Amtskleidung und Perücke. In der Hand hält er einen selbst komponierten kunstvollen sechsstimmigen Kanon.

Nach diesem Ausflug in die Musikgeschichte checke ich in meinem Hotel ein. Dort überrascht mich ein modernes Zimmer mit einer nicht zu übersehenden «Schuh-Badewanne» mitten im Zimmer.

Zimmer im Travel24 Hotel Leipzig

Fakten Etappe 9:  Wurzen-Leipzig
Gefahrene Kilometer: 30 km
reine Fahrzeit: 2 Std. 6
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.1 km/h
Übernachtung im Travel24 Hotel Leipzig

Mit diesen Eindrücken enden meine Schilderungen über meine Musikstädte-Fahrradtour. Ich bin dankbar, dass ich nach insgesamt 820 gefahrenen Kilometern heil und gesund an meinem Tourziel Leipzig angekommen bin. Das Wetter war perfekt, die Etappen zumeist sehr schön und ich bin auch von Beschwerden aller Art verschont geblieben – im Gegenteil: Meine fast schon chronischen Rückenschmerzen, die mir vor der Tour einige Sorgen bereiteten, haben sich während der Tour verringert. Jetzt sollte ich morgen nur noch problemlos nach Zürich kommen – bei der Zuverlässigkeit der DB und der angekündigten Unwetter könnte das ein Abenteuer werden.
PS: für einmal hat die Reise mit der DB wunderbar geklappt und der ICE hat mich von Leipzig fast ohne Verspätung bis nach Zürich gebracht.

Übersicht Musikstädtetour von Salzburg nach Leipzig (820km):

Day 8: Dresden-Wurzen (Musikstädtetour)

Nach einem wunderbaren Frühstück starte ich heute um viertel nach acht in einen zunächst ziemlich grauen Tag. Es ist aber schon ziemlich warm. Zunächst fahre ich wieder auf dem Elberadweg Richtung Norden.

Als ich unzählige Schafe erblicke, mache ich mein erstes Foto heute.

Schafe am Elberadweg

Ich hatte mal gelesen, dass Schafe zur Deichpflege eingesetzt werden und das hier ist auch ein Deich. Das Tempo, das ich einschlage, ist zunächst ziemlich gemütlich, da die heutige Etappe kürzer ist als die gestrige. Der Elbfahrradweg ist top und es ist sehr schön, hier zu fahren, denn man befindet sich meist abseits von befahrenen Strassen in Flussnähe.

Auf dem Elbradweg in der Nähe von Meissen

Die erste grössere Stadt, die ich erreiche, heisst Meissen. Sie ist berühmt für ihr Porzellan, welches als erstes europäisches Porzellan seit 1708 hier hergestellt wird. Sie hat aber auch eine sehr schöne Altstadt.

Altstadt von Meissen

Bei der nächsten grösseren Stadt, Riesa, zweigt meine Route von Elbradweg ab. Hier entdecke ich auf einer Hauswand ein Müllerslied, das hier in Noten inklusive Klavierbegleitung aufgemalt ist. Sowas habe ich noch nie gesehen!

Komposition auf Hauswand (Müllerlied von L.D. Kamienski)

Natürlich versuche ich es blatt, respektive hauswand zu singen, was mir auf Anhieb ganz gut gelingt. Wer er sich anhören möchte, leider nur mit Klavier gespielt und nicht gesungen, möge das Youtube-Video aufrufen.

Die Fahrradroute ist in der Folge eher ein Zickzackfahren, bis ich plötzlich auf einer ehemaligen Schmalspur-Eisenbahnstrecke lande.

Fahrradroute auf ehemaliger Bahnstrecke Oschatz-Strehla

Zuerst mache ich hier aber Mittagsrast im Schatten eines Baumes und vis-à-vis der Schautafel, die über diese Bahn informiert. Es gibt heute noch meine letzte Notration, ein paar Dinkel-Crackers und getrocknete Rinderwürstchen, die ich in Salzburg gekauft hatte. Zum Dessert gibt’s ein paar getrocknete Pflaumen, ich achte aber darauf, nicht zu viele davon zu essen; ihr ahnt warum.

In der Zwischenzeit haben sich die Wolken verzogen und es ist sehr heiss geworden. Dazu ist es nun auch wieder welliger als zuvor auf dem Elbradweg. Als ich mich auf eine Anhöhe gekämpft habe, habe ich aber als Belohnung eine wunderbare Aussicht.

Auf einer Anhöhe bei Oschatz

Zum guten Glück führt mich meine app aber wenig später auf eine nicht enden wollende schnurgerade Waldstrecke.

Fahrradroute im Wald

Leider wird der Weg aber immer schlechter, so dass ich nach ca. 5 km einen Ausweg suche und einen kleinen Umweg auf besseren Strassen in Kauf nehme.

Die letzten 10 km sind dann wieder problemlos dank den perfekt asphaltierten Nebenstrassen.

In der Nähe von Wurzen

Gegen 4 Uhr erreiche in mein Ziel Wurzen, eine kleine Kreisstadt, in der wenig los ist.

Ankunft in Wurzen

Mein Hotel befindet sich in einem ehemaligen Schloss gleich neben dem Dom von Wurzen.

Dom, Wurzen

Es hat seinen besonderen Reiz in einem Schloss zu nächtigen und innerhalb der Schlossmauern ist es angenehm kühl.

Das Nachtessen nehme ich dort ein, wo früher die Hängebrücke war, beim äusseren Türrahmen kann man noch die Rollen erkennen, wo die Zugseile darüberliefen.

Nachtessen an historischem Ort

Ich geniesse das historische Ambiente, das gute Essen und die angenehme Temperatur und schreibe hier draussen noch an meinem Blog.

Fakten Etappe 8: DresdenWurzen
Gefahrene Kilometer: 108 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 17
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17.1 km/h (wow!)
Übernachtung im Schloss Hotel Wurzen

Day 7: Litomerice-Dresden (Musikstädtetour)

Als ich um halb acht beim Frühstück bin, treffe ich wieder die beiden Amerikaner, die ich noch am Vorabend gleich nach dem Blogschreiben auf der schönen Terrasse kennenlernte. Sie sind eine Art «Missionare» und wollen hier in Litomerice das Evangelium an den Mann, resp. die Frau bringen, «share the Gospel» wie sie sagen. Natürlich hatten sie mich auch in ein Gespräch verwickelt, das ich als nicht sehr angenehm empfand.

Für einmal ist der Himmel grau, als ich wenig später aufbreche. Das macht aber nichts, solange es nicht regnet.

morgendliches Litomerice

Meine app führt mich wieder zur Moldau, und ich bin sehr froh, dass es nun meist auf qualitativ guten Strassenbelägen diesem Fluss entlang geht. Ich starte wie der Blitz, denn ich möchte trotz langer Etappe zeitig in Dresden sein. So erreiche ich schon bald die nächste grössere Stadt Ústí nad Labem, die sich aber grosstenteils auf der anderen Flussseite befindet.

Blick auf Ústí nad Labem

Nach dieser Stadt folgt ein besonders schöner Abschnitt, auf dem ich weiterhin gut vorankomme.

Fahrradroute an der Moldau

Erst nach knapp 3 Stunden Fahrzeit mache ich in Děčín eine erste Pause. Kurz vor dieser grösseren Stadt erblicke ich ein Märchenschloss auf einem Felsvorsprung.

Märchenschloss bei Děčín

In diesem Ort finde ich auch ein Café mit wunderbaren Torten.

Kaffeehalt in Děčín

In der Folge geht es weiter auf dem tollen Elbradweg. Nach ca. 60 km komme ich an die Grenze zu Deutschland.

Grenze Tschechei-Deutschland

Immer wieder begegne ich einem älteren deutschen Radfahrer mit E-Bike, mit dem ich jeweils ein paar Worte wechsle. Er meint, dass die Schweizer die grössten Banditen seien. Der Ruf der Schweiz hat offenbar sehr gelitten in letzter Zeit und ich verstehe ganz gut, weshalb.

Ich befinde mich nun in der sächsischen Schweiz, die durch bizarre Felsformationen bekannt ist. Einige davon befinden sich gleich in der Nähe der Elbe.

Felsformationen in der sächsischen Schweiz

Es ist sehr schön in diesem Abschnitt und es sind viele Fahrradfahrer unterwegs. Auf der Gegenseite erblicke ich den Ort Bad Schandau; schade, dass er sich nicht auf meiner Seite befindet, denn eine weitere Pause wäre nun wieder langsam fällig.

Bad Schandau

Ein wenig weiter, in Königstein, mache ich wieder einen Halt. Eigentlich sollte ich jetzt etwas Rechtes essen, aber das Eis mit Erdbeeren ist zu verlockend!

Kaffeehalt in Königstein

Ich komme weiterhin schnell vorwärts; nun habe ich sogar spürbare Windunterstützung. So macht Fahrradfahren Spass! Schon bald bin ich in Pirna, eine grössere Stadt vor Dresden, welche ich mir kurz ansehe.

Pirna

Auf den letzten 20 km sind extrem viele Fahrradfahrer unterwegs. Es ist aber auch sehr schön, der Elbe entlangzufahren.

An der Elbe, in der Nähe von Dresden

Mit etwas Stolz konstatiere ich, dass ich sogar einige E-Bike-Fahrer überhole – ich habe wirklich einen Lauf heute! Gegen viertel vor vier erreiche ich Dresden.

Ankunft in Dresden

Ich staune, wie locker ich die 120 km heute geschafft habe; bestimmt haben die ebenen und guten Fahrradstrassen sowie der Wind, der mich unterstützte, dazu beigetragen.

Mein gediegenes Hotel liegt im Zentrum gleich neben der Frauenkirche – ich checke ein, dusche, mache eine kurze Siesta und finde nachher ein Restaurant, wo ich heute endlich mal was Richtiges esse. Die Aussicht von meinem Platz ist phänomenal:

Abendessen bei der Frauenkirche

Ich muss mich ein wenig sputen, denn ich werde noch ein Konzert im Kulturpalast Dresden besuchen, wo das Junge Sinfonieorchester Dresden auftritt.

Konzert im Kulturpalast Dresden

Es ist beeindruckend, wie die jungen Musiker auf hohem Niveau musizieren. Es freut mich, dass auch weniger gehörte Werke zur Aufführung kommen. So endet der heutige Tag mit Elgar (Enigma-Variationen) und weiteren spannenden Werken von wenig bekannten Komponisten.

Fakten Etappe 7: Litoměřice-Dresden
Gefahrene Kilometer: 119 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 29
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18.3 km/h (wow!)
Übernachtung im Hotel Suitess, Dresden

Day 6: Prag-Litoměřice (Musikstädtetour)

Nach einer lauten Nacht aufgrund einer Bar gleich unterhalb meines Hotelzimmers ist es heute morgen sehr ruhig im Zentrum von Prag als ich losfahre.

Prag Hauptplatz

Das Wetter ist wieder bestens, nachdem gestern an meinem Ruhetag gleich ein paar gewittrige Schauer über diese Stadt gezogen sind.

Anders als erwartet fahre ich zuerst nicht der Moldau entlang, sondern erklimme den Hügel auf der Schlossseite von Prag. Dafür habe ich nun einen herrlichen Ausblick.

Prag, Blick auf die Stadt und Moldau mit Karlsbrücke

Doch es dauert nicht lange, da bin ich wieder am Ufer der Moldau, wo ich auf einem museumswürdigen kleinen Fährschiff auf die andere Seite übersetze. Ich bin wohl der erste Passagier an diesem Sonntagmorgen und sehr froh, dass diese Fähre überhaupt schon fährt.

Fährfahrt über die Moldau

Der nun folgende Abschnitt ist zum Geniessen, denn ich fahre nun längere Zeit auf einem schön angelegten Fahrradweg am Ufer der Moldau entlang; dabei fahre ich längere Zeit parallel zu einem gut gefüllten Raddampferschiff, welches «Vltava», also «Moldau» heisst.

auf dem Fahrradweg entlang der Moldau

Als ich für einmal die Moldau verlasse, gelange ich an ein schmuckes Barockschlösschen (?). Auf die Schnelle finde ich aber nicht heraus, wie es heisst.

Barockschlösschen an der Fahrradroute

Die heutige Etappe ist sehr schön, ziemlich eben und auch der Wind ist mir günstig gestimmt. Die Route führt zumeist auf Fahrradwegen am Ufer der Moldau entlang, wo heute ziemlich viele Fahrradfahrer unterwegs sind. Die Moldau fliesst manchmal mehr oder weniger naturbelassen vor sich hin.

Überquerung der Moldau

Manchmal wirkt sie auch seenartig, was von den häufigen Staustufen hervorgerufen wird.

Fahrradweg an der Moldau

Da ich kaum mehr Vorräte dabei habe, bin ich froh, dass ich mich in einem «Outdoor-Bistro» verpflegen kann. Die Kommunikation mit der Wirtin gestaltet sich aber als schwierig, da sie keine Fremdsprachen spricht. Schliesslich bestelle ich eine Pizza und ein Bier – dieses Wort kenne ich ja auf Tschechisch.

Schon früh bin ich nahe bei meinem Zielort Litoměřice (Leitmeritz). Der letzte Abschnitt ist wieder besonders schön und das warme Wetter lockt sogar Badende zum Schwimmen in die Moldau.

Moldau bei Litoměřice.

Um 15 Uhr erreiche die Stadt.

Ankunft in Litoměřice

Als ich bei meinem Hotel ankomme, empfängt mich der Chef draussen. Die Eingangstüre sei blockiert (wegen Einbrechern?) und ob ich nicht eine halbe Stunde später kommen könnte. Das ist kein Problem und so sehe ich mich in der Zwischenzeit ein wenig in diesem kleinen, aber schmucken Städtchen um und setze mich in ein Café

Hauptplatz von Litoměřice

Beim zweiten Versuch klappt dann das Einchecken. 2 Handwerker sind nun eifrig dabei, die Hoteleingangstüre wieder zu reparieren.

Nach kurzem Erholungsschläfchen suche ich ein Restaurant und werde schnell fündig. Endlich ist es so warm, dass man ohne zu frösteln draussen sitzen kann.

Da mir die tschechischen Kronen auszugehen drohen – Prag war ziemlich kostenintensiv – bestelle ich heute mein Abendessen mit dem Rechner im Kopf. Ich muss aber nicht darben, da im tschechischen Hinterland die Preise sehr moderat sind.

Abendessen im Restaurant Radniční sklípek, Litoměřice

Ich geniesse die ruhige und friedliche Stimmung an diesem Abend und bin sehr zufrieden mit dem heutigen Tag. Im Hotel zurück vollende ich den angefangenen Blogeintrag auf einer wunderbaren Terrasse des Hotels.

Abendstimmung im Hotel Dejmalik, Litoměřice

Fakten Etappe 6: Prag-Litoměřice
Gefahrene Kilometer: 98 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 9
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.1 km/h
Übernachtung Hotel Dejmalik, Litoměřice

Day 5: Pisek-Prag (Musikstädtetour)

Heute möchte ich möglichst früh losfahren, denn die Etappe nach Prag ist mit 120 km ziemlich happig. Zum guten Glück gibt’s im Art Hotel, wo ich gut nächtigte, schon um 7 Uhr Frühstück. So bin ich um 7 Uhr 45 startklar und starte in einen neuen Tourentag. Meine app führt mich zuerst an den Fluss Otava, dem ich ein Stück entlangfahre.

Fluss Otava bei Pisek

Leider biegt meine Route bald wieder vom Fluss ab und es geht in die Hügel. Immerhin hat man dort oft einen schönen Weitblick.

Landschaft bei Pisek

Nach einem Auf und Ab in lande ich nach ca. 25 km wieder bei der Moldau.

Überquerung der Moldau.

Darauf geht’s auf der rechten Moldauseite durch hügelige Landschaften weiter . Die Gegend hier ist wenig besiedelt, was seinen Reiz hat. Nur selten durchfahre ich grössere Ortschaften, meist sind es kleine Weiler oder Dörfer.

Nach 2 Stunden Fahrzeit beginnt es plötzlich leicht zu regnen. Das ist unerwartet, ich hatte mich ans schöne Wetter gewöhnt. Zum guten Glück kann ich bei einem Bushäuschen unterstehen und überlegen, was ich tun soll.

Regenpause

Da der Regen stärker wird, beschliesse ich, Regenjacke, Regenhose und Helmschutz überzuziehen. Als ich wieder losfahre, hat der Regen fast wieder aufgehört und 10 Minuten später scheint wieder die Sonne. Glück gehabt! Ich bin froh, dass ich die Regenkleider wieder ausziehen kann.

Die heutige Etappe ist mit dem ständigen Auf und Ab sehr anstrengend; es gibt kaum ein Stück, wo die Strasse eben ist.

Um ca. 12 Uhr entdecke ich einen schönen Rastplatz, der extra für Fahrradfahrer errichtet wurde.

Rastplatz

Hier esse ich eine Banane, ein Brötchen, ein paar Datteln und gesalzene Erdnüsschen. Darauf lege ich mich für ein kleineres Nickerchen auf die harte, schmale und zu kurze Bank hin und muss aufpassen, dass ich nicht herunterfalle.

Danach geht es mit dem Auf und Ab weiter. Auf dem Höhenprofil meiner heutigen Etappe sieht das aus wie ein «Zackenbarsch». Also nenne ich die heutige Tour «Zackenbarsch-Tour»

Zackenbarsch-Höhenprofil

Auch wenn ich bei sehr steilen Steigungen jeweils das Fahrrad schiebe, komme ich langsam aber stetig vorwärts. Zu guter Letzt beginnt es im letzten Aufstieg nochmals zu regnen. Die darauffolgende Abfahrt an die Moldau fahre ich mit Regenjacke. So friere ich nicht. Glücklicherweise hört es auch diesmal bald zu regnen auf.

Die letzten 35 km bleibe ich nun endlich am Ufer der Moldau. Ich bin aber enttäuscht, dass meine Route hier auf einer stark befahrenen Autostrasse verläuft. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Route an der Moldau

Nicht einmal einen Velostreifen hat es. Immerhin komme ich nun schnell vorwärts. Doch unvermittelt lotst mich meine app an das Moldauufer herunter. Hier hat es tatsächlich eine kleine Seilfähre, die mich an das andere Ufer bringt.

Seilfähre über die Moldau

Der Fährmann ist aber sehr kurz angebunden, er kann wahrscheinlich keine Fremdsprache, und ich bin ja auch nicht der Tschechisch-Spezialist.

Ich drücker ihm nach der Überfahrt 100 Kronen in die Hand, worauf er mir ungezählt einige Münzen als Retourgeld zurückgibt.

Auf dieser Seite der Moldau befindet sich nun tatsächlich der romantische Fahrradweg, von dem ich geträumt habe …

Fahrradweg an der Moldau

Es hat hier sehr viele sportliche Leute unterwegs – auf dem Fahrrad, auf Rollerblades, auf neuartigen Trottinets, joggend – und sogar ein Rollski-Langläufer ist unterwegs.

So nähere ich mich dem Zentrum von Prag. Dort wird es allerdings kompliziert als Fahrradfahrer: Zuviele Fussgänger, keine richtigen Fahrradwege mehr, Autos, Trams – da muss man höllisch aufpassen, dass man nicht unter die Räder kommt.

Prag, Innenstadt

Schliesslich schaffe ich es bis zum meinem Hotel mitten im Zentrum. Ich bin froh, dass ich gut angekommen bin.

Später auf der Restaurant-Suche lande ich in einem bei Touristen sehr beliebten tschechischen Restaurant. Ein Barpianist macht hier auf Stimmung, indem er pausenlos sein ganzes Repertoire runterspielt. Das Essen ist gut, aber wohl eher etwas teuer.

Dessert im Restaurant U Modré Kachnicky

Ein bisschen bin ich stolz auf meine radfahrerische Leistung heute, dementsprechend werde ich sehr müde ins Bett fallen. Morgen ist mein Ruhetag, dann werde ich Prag erkunden und für einmal keinen Blog schreiben.

Fakten Etappe 5: Písek-Prag
Gefahrene Kilometer: 118 km
reine Fahrzeit: 8 Std. 8
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.5 km/h
hinauf: 1370 m / hinab: 1540 m
Übernachtung Hotel Melantrich, Prag

Day 4: Krumlov-Písek (Musikstädtetour)

Heute fahre ich erst gegen 9 Uhr los. Ich habe noch aufs Frühstück gewartet, welches erst ab 8 Uhr eingenommen werden konnte. Das Warten hat sich aber gelohnt. Das liebevoll hergerichtete Buffet hat keinen Wunsch offengelassen.

Als ich – kaum gestartet – das wunderschöne Städtchen Krumlov auf einer Moldauschlaufe umrunde, halte ich an und mache ein Foto.

Krumlov

Bald darauf lotst mich meine app wieder in die Hügel. Die Höhenmeter, die ich diesmal überwinden muss, halten sich aber in Grenzen. Circa 10 km weiter lande ich wieder an der Moldau und ich staune über die vielen Leute, die sich hier tummeln. Es sind zumeist Jugendliche, wahrscheinlich in Schullagern, die hier in Zelten übernachten und Bootsfahrten auf der Moldau unternehmen.

An der Moldau, in der Nähe von Krumlov

Ich fahre nun kurze Zeit dem Fluss entlang, bis ich wieder abbiege und in eine extrem knackige Steigung gerate. 12% Steigung verrät das Warnschild.

Knackige Steigung

Klar, dass ich hier vom Rad steige und es schiebe. Es ist zum Glück angenehm kühl im Schatten der Bäume. Oben angekommen geht’s meist ziemlich geradeaus weiter. Das schätze ich sehr nach dem mühsamen Auf und Ab am Vortag.

Landschaft zwischen Krumlov und Budweis

Die erste grössere Stadt, die ich durchfahre, ist Budweis (České Budějovice). Ich verlasse kurzzeitig die geplante Tour und fahre ins Zentrum, wo mich der imposante Přemysl-Otakar-II-Platz sehr beeindruckt.

Přemysl-Otakar-II-Platz, Budweis

Ich setze mich in ein Restaurant an diesem Platz und geniesse ausnahmsweise mal ein Bier (Budweis ist ja eine Bierstadt) und esse einen Insalata Caprese, ich möchte ja abnehmen.

Zwischenverpflegung am Přemysl-Otakar-II-Platz, Budweis

Darauf geht’s bis Hluboká nad Vltavou wieder ein Stück der Moldau entlang. Unterwegs spricht mich eine Fahrradfahrerin auf Tschechisch an – ich versteh Spanisch! Das gleiche passiert mir wenig später noch einmal. Immerhin lerne ich heute mein erstes tschechisches Wort, es ist «Pivo» (Bier). Ich staune übrigens immer wieder, wieviele Akzentzeichen die tschechische Schrift benutzt. Praktisch in jedem Wort stehen welche über den Buchstaben.

Fahrradweg der Moldau entlang

In Hluboká hätte es ein wunderbares Märchenschloss. Ich sehe es von weitem, als ich mich dem Ort nähere. Aber als ich dort bin, ist es wie vom Erdboden verschluckt. Deshalb mache ich halt ein Foto von dieser Ortschaft ohne Schloss.

Hluboká

Nun verlasse ich die Moldau und fahre über Land. Die Fahrradroute befindet sich jetzt meist auf wenig befahrenen Nebenstrassen.

Landschaft in der Nähe von Hluboká

Gegen 14 Uhr macht sich langsam ein Hüngerchen bemerkbar, deshalb kommt ein kleiner Park mit schattigen Bäumen und vielen Sitzbänken gerade zur rechten Zeit in mein Blickfeld.

Mittagsrast in Protivín

Nun ist es nicht mehr weit bis nach Písek, meinem Zielort.

Ankunft in Písek

Diese Stadt ist nicht so touristisch wie Krumlov, aber sie hat auch einige Sehenwürdigkeiten zu bieten, die ich nach kurzer Erholungspause erkunde.

Impression von Písek

Ich bin froh, eine Pizzeria zu finden, wo es genügend Platz hat und wo ich zwischen den Gängen meinen täglichen Blog schreiben kann. Beim ersten Gang komme ich mir vor wie eine Kuh, denn die riesige Schüssel mit Salat würde für eine ganze Familie reichen. Zum guten Glück ist mein Hauptgang, Spaghetti Bolognese, normal gross – so muss ich mich nicht überessen.

In der Pizzeria San Marco, Písek

Zufrieden mit dem heutigen Tag schlendere ich in mein Hotel zurück.

Fakten Etappe 4: Krumlov-Písek
Gefahrene Kilometer: 86 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 56
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.5 km/h
Übernachtung im Hotel Art, Písek

Day 3: Linz-Krumlov (Musikstädtetour)

 Auch heute breche ich wieder bei schönem Wetter auf. Mein Weg führt mich über die Donau, wo ich ein Stückchen auf dem Donauradweg fahre.

Ich blicke noch einmal auf Linz zurück und mache ein letztes Fotos dieser schönen Stadt.

Linz

Bald biege ich links ab und muss einen steilen, nicht endenwollenden Anstieg bewältigen. Zum guten Glück bin ich noch frisch, so dass ich ihn meist im kleinsten Gang fahrend gerade noch bewältigen kann. Als ich oben bin, habe ich eine tolle Aussicht.

Landschaft in der Nähe von Linz

Der zweite, längere Anstieg an diesem Tag führt durch das Gusental.

Fahrradweg durch das Gusental

Hier fahre ich meistens im Schatten und es ist nicht so steil, so dass ich ganz passabel voran komme. Es hat auch kaum Verkehr. In der ersten grösseren Ortschaft, die ich erreiche, mache ich eine Pause, denn es ist inzwischen schon 11 Uhr geworden. In einem griechisch-italienischen Restaurant setze ich mich draussen an einen Tisch und bestelle eine Tomatensuppe und einen Salat. Beides ist etwas enttäuschend, macht aber immerhin halbwegs satt.

Mittagsrast in Reichenau

Die Landschaft hier erinnert mich ein wenig an den Schweizer Jura: Weiden, Tannenwälder und weiche Hügel

Landschaft zwischen Reichenau und Bad Leonfelden

Die nächste grössere Ortschaft, die ich erreiche, heisst Bad Leonfelden. Hier mache ich einen kleinen Fotohalt.

Bad Leonfelden

Wenig später erreiche ich ein kleines Denkmal, das an die Salztransporte mit Wägen und Saumtieren erinnert, die von der Donau über diese Hügel hier zur Moldau führten.

Denkmal zur «alten Salzstrasse»

Nun steigt die Strasse wieder an und ich erreiche staunend ein kleines Skigebiet. Das hatte ich nicht erwartet.

Skigebiet Bad Leonfelden

Darauf steigt das kleine Strässchen so stark an, dass ich vom Velo steigen muss und es schieben muss. Nach ca. einer halben Stunde erreiche ich den höchsten Punkt meiner heutigen Etappe: 910 Meter über Meer. Überhaupt fühlt sich diese Etappe wie eine Bergetappe an, denn die Steigungen hören nicht auf.

Höchster Punkt der heutigen Etappe

Zum guten Glück geht’s nun eine Zeitlang bergab und ich fahre so schnell, dass ich fast die Abbiegung zur tschechischen Grenze verpasst hätte.

Hier geht’s lang

Die Infos auf diesem Schild machen mich ein wenig stutzig. Eigentlich dürfte ich diesen Grenzübergang gar nicht passieren, da ich nicht EU-Bürger bin. Dieser Grenzübergang ist aber alternativlos (Gruss an Frau Merkel), so dass ich mich mutig der tschechischen Grenze nähere. Aber natürlich wartet dort kein Grenzwächter, der mich wieder zurückschickt.

Grenzübertritt nach Tschechien

Die nachfolgende Abfahrt ist zum Geniessen, denn der Weg ist meist geteert und in ganz gutem Zustand. In der kleinen Stadt Vyšší Brod (meine Übersetzung: Weissbrot) finde ich einen Bankomaten und kann mich somit mit Tschechischen Kronen eindecken. Aufs Geratewohl ordere ich 6000 Kronen, ohne den Kurs zu kennen.

Kloster Vyšší Brod (Hohenfurth)

Vyšší Brod liegt an der Moldau; ich überquere hier diesen sagenumwobenenen Fluss und muss gleich nachher wieder happige Steigungen bewältigen, nur um ca. eine halbe Stunde erneut an diesem Fluss zu landen.

Rožmberk nad Vltavou (Rosenberg an der Moldau)

Die Moldau scheint sehr beliebt zu sein bei Gummiböötlern, Kajak- und Kanufahren, denn es wimmelt auf diesem Fluss von Böötlern; dabei ist ja noch gar nicht Sommersaison.

Natürlich führt mich meine Route darauf wieder in die Hügel; und ich muss mir eingestehen, dass mich das ewige Auf und Ab langsam nervt. Auch meine Kräfte lassen nach und ich steige immer wieder vom Rad, wenn es aufwärts geht. Zu allem Unglück verfahre ich mich noch, d.h. der von Komoot vorgegebene Weg scheint nicht zu existieren oder ich habe ihn nicht entdeckt. So mache ich einen grossen Umweg und fahre wieder weit in die böhmischen Hügel hinein. Immerhin ist es hier sehr schön in dieser fast menschenleeren Gegend

Irgendwo in den böhmischen Wäldern bei Rožmitál na Šumavě

Ich bin froh, dass ich irgendwann wieder nach einer rauschenden Talfahrt die Moldau erreiche.

Moldau

Auf meiner geplanten Tour sehe ich, dass mein Weg abermals in die Hügel führen würde – ich habe jetzt aber genug vom Auf und Ab und entschliesse mich, der Hauptstrasse entlang der Moldau zu folgen, denn ich bin ziemlich fix und fertig. Ein guter Entscheid, wie sich herausstellt, denn so erreiche ich viel schneller mein Etappenziel Krumlov (dt. Krumau), welches eine sehr sehenswerte Stadt in einer «Doppelschlaufe» der Donau ist.

Krumlov

Ich finde sogar ein gutes Restaurant mit tollem Ausblick.

Abendessen im Gotika Restaurant, Krumlov

Nachher schlendere ich noch ein wenig in dieser tollen Stadt herum, sie ist ein wahrhaftes Bijou, ich bin begeistert.

Krumlov

So endet dieser anstrengende Tag versöhnlich.

Fakten Etappe 3: Linz-Krumlov (Krumau)
Gefahrene Kilometer: 89 km
reine Fahrzeit: 7 Std. 45
Durchschnittsgeschwindigkeit: 11.5 km/h
Hinauf: 1560 m!
Hinab: 1340 m
Übernachtung im Boutique Hotel Romantick, Krumlov

Day 2: Gmunden-Linz (Musikstädtetour)

Der heutige Tag beginnt mit strahlend blauem Himmel. Bevor ich um ca. viertel nach acht losfahre, mache ich eine Foto des Rathauses, ein Prachtsbau im Renaissancestil, welches gleich vis-à-vis des Seehotels Schwan liegt.

Rathaus von Gmunden

Die ersten 10 Kilometer der heutigen Tour fordern mich ziemlich; denn es geht zumeist aufwärts, dazu noch auf Landstrassen ohne Fahrradwege oder -streifen. Danach wird es schöner, denn nun befinde ich mich auf Nebensträsschen, die durch schöne, aber meist etwas hügelige Landschaften des sogenannten Salzkammergutes führen. Ein Schild, auf dem «Zwergerlwald» steht, erregt beim Vorbeifahren meine Aufmerksamkeit; da muss ich doch genauer hinschauen und entdecke dabei Schneewittchen und die sieben Zwerge.

Schneewittchen und die sieben Zwerge.

Ich geniesse den kühlen, sonnigen Morgen und die schönen Landschaften. Dabei fallen mir immer mal wieder grössere Gebäude auf, die alle in ähnlichem Stil erbaut sind und mit vielen Fenstern versehen sind. Mit der Zeit merke ich, dass das Bauernhöfe sind, die aufgrund ihrer vielen Fenster den Anschein erwecken, etwas anderes zu sein. Alles wirkt bei diesen Höfen sehr aufgeräumt, die Traktoren, Landmaschinen etc. sind wohl im Innenhof verstaut, so dass man zuerst gar nicht auf die Idee kommt an einem Bauernhof vorbeizufahren. – Sie scheinen sehr ordentlich zu sein die Oberösterreicher!

Landschaft mit Bauernhof

Nach ca. 35 km verlasse ich die höher gelegenen Gebiete und komme in einer rasanten Schussfahrt an die Krems. Das ist ein kleiner Fluss, welcher mich fast bis nach Linz begleiten wird.

In Warthburg an der Krems mache ich einen kleinen Kaffeehalt in einem modern gestylten Bäckerei-Café. Ich trinke einen «Verlängerten» und esse ein Mandelgebäck.

Kaffeehalt in Warthburg an der Krems

In der Folge fahre ich längere Zeit auf dem Kremstalradweg. Unterwegs erblicke ich schon von weitem eine riesige Klosteranlage. Diese befindet sich in Kremsmünster.

Benediktinerstift Kremsmünster und Sternwarte «Mathematischer Turm»

Der Turm zur rechten Seite gilt als erstes Hochhaus Europas, wie ich später auf Wikipedia darüber lese, und er soll eine der ersten Sternwarten überhaupt sein.

Der Kremstalradweg ist sehr schön, eine kurze Strecke fahre ich auf einem Kiesweg, was besonders idyllisch ist.

Kremstalradweg

Die heutige Etappe ist mit rund 80 km für meine Verhältnisse ziemlich kurz. So komme ich schon gegen 15.00 Uhr an die Stadtgrenze von Linz, von der ich noch eine kurze Zeit auf dem Traunradweg Richtung Innenstadt fahre. Dort angekommen mache ich ein Foto vom Hauptplatz.

Linz, Hauptplatz

Mein Hotel liegt nur 50 Meter von diesem Platz entfernt. Mein Zimmer ist sehr modern und mit Stil eingerichtet, aber nicht ganz billig. Nach kurzer Erholungspause sehe ich mich noch ein wenig in der Stadt um und geniesse den schönen, aber ziemlich kühlen Sommerabend.

Als ich Hunger bekomme, esse ich in einem Strassenrestaurant eine feine Spargelsuppe und flaniere darauf an der Donau, wo es dank Sonnenlicht noch schön warm ist.

Donau bei Linz

Darauf schlendere ich zum Hauptplatz zurück, wo eine Blasmusik ein Konzert gibt; dabei muss ich ein wenig schmunzeln über den Dirigenten, der eine grüne, kurze Lederhose trägt.

Ich setze mich in ein Café und höre dem Konzert zu. Ich bestelle eine «heisse Liebe», Vanilleeis mit warmen Beeren und Schlagobers, sowie einen doppelten Espresso. Als ihn die Kellnerin bringt, sagt sie: Hier der Verlängerte, pardon, ein grosser Brauner! – Sie entlockt mir dabei wieder ein Schmunzeln.

«heisse Liebe» mit einem «grossen Braunen»!

Ich geniesse beides und sogar das kleine Konzert, das mit dem Radetzky-Marsch endet. Man soll mitklatschen, deutet der Dirigent an; ich lasse das aber bleiben.

So neigt sich ein schöner Tag dem Ende zu.

Fakten Etappe 2: Gmunden-Linz
Gefahrene Kilometer: 80 km
reine Fahrzeit: 5 Std. 15
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.2 km/h
Übernachtung im Hotel Göttfried