Day 1 Ulm-Neuburg a. d. Donau (Ulm-Linz-Tour)

Day 1: Ulm-Neuburg a. d. Donau

Nach der Anreise von Zürich am Vortrag startet meine kleine Velotour von Ulm nach Linz um 08.15. Um diese Zeit fahre ich nämlich los und geniesse gleich beim Hotel B&B, in dem ich übernachtete, den ersten Blick auf den grandiosen Ulmer Münsterturm.

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Wenig später befinde ich mich am Ufer der Donau und radle mich warm in der morgendlichen Frische. Schon bald möchte mich Komoot (meine Navigationsapp) von der Donau weglotsen. Ich ignoriere Komoot (was sich als folgenschwer erweisen sollte) und entschliesse mich, dem gut ausgeschilderten Donau-Radweg zu folgen. Ich möchte ja schliesslich den Donauradweg von Ulm bis Linz abfahren und nicht irgendwelche Abkürzungen nehmen. In der Folge entferne ich mich immer weiter von der Komootroute, die südlich der Donau verläuft. Der offizielle Donauradweg verläuft meist nördlich der Donau. Immer wieder erinnert mich die weibliche Komoot-Stimme, dass ich die Tour verlassen habe und wie weit ich mich davon befinden. Ich sollte diesen Tag nie mehr auf die Komoot-Route gelangen. Mir schwant Böses, denn immer wenn man sich nicht an die Komoot-Route hält wird die gefahrene Streck länger – sicher aber nicht kürzer.

Es ist sehr schön in dieser kühlen, ruhigen Morgenstimmung Fahrrad zu fahren.

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Der Donauradweg führt auf der heutigen Etappe oft auch nicht der Donau entlang, sondern durchquert Wälder, Naturschutzgebiete und geht auch manchmal wenig befahrenen Strassen entlang.

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Am schönsten ist es aber doch, wenn man entlang der träge vor sich hinfliessenden Donau oder auch im Staubereich eines Wehrs am Wasser entlangfährt. Vogelkenner kämen da auf ihre Rechnung. Silberreiher, Wildgänse, Taucher und andere Wasservögel geraten mir vor die Linse:

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Ein Stück weiter entdecke ich diese Liege, auf der ich mich kurz entspanne.

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In der Folge durchfahre ich das kleine Städtchen Lauingen mit seiner imposanten Kirche

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Kurz darauf folgt die kleine sehenswerte Stadt Dillingen, in der ich meinen Mittagshalt mache.

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In Donauwörth, wo ich schon bei meiner Deutschlandtour einkehrte (ich erinnere mich noch an die leckere Erdbeerschnitte), mache ich einen kleinen Kaffeehalt – diesmal gibt’s einen Apfelkuchen, die Erdbeersaison ist vorbei.

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In der Folge fahre ich am Schloss Leitheim vorbei, welches heute ein Hotel ist.

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Obwohl der Radweg Donau-Radweg heisst, führt er oft auch abseits der Donau durch schöne Landschaften.

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Es ist herrlich auf diesen Wegen im schönen Abendlicht zu fahren. Nachdem ich zum Schluss noch eine happige Steigung in einem Wald bewältigen musste, komme ich um 17.30 Uhr endlich an meinem Ziel Neuburg a. d. Donau an:

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Statt 110 km waren es aber 132 km, die ich heute gefahren bin. Komoot hätte wie immer die schnellste Strecke gewusst, ich habe es aber vorgezogen, der beschilderten Route des Donau-Radweges zu folgen – selbst schuld.

Nach einer Dusche lasse ich den Abend im Restaurant «Die Aussicht» zur Neige gehen. Es ist ein gehobeneres Restaurant, in dem ich gut speise.

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Zufrieden schlendere ich ich das Hotel Bergbauer zurück, wo ich nach dem anstrengenden Tag schlafe wie ein Stein.

Fakten:
Gefahrene Strecke: 132 km
Fahrzeit: 7 Std. 57 Min.
Höhenmeter: aufw. 910 m / abw. 1010 m
Übernachtung im Hotel Bergbauer in Neuburg a. d. Donau

D1 Ulm-Neuburg a.d.Donau

Day 1-21: Zürich-Hamburg-Zürich-Tour Zusammenfassung

Nachdem ich mich von den Strapazen erholt habe, hier noch eine kurze Zusammenfassung meiner Fahrradtour. Ich habe in den 21 Tagen viele schöne Städte und Landschaften durchfahren. Ich hatte vorher Deutschland noch wenig gekannt, obwohl mein Grossvater väterlicherseits aus Tengen (Baden-Württemberg nahe der Schweizer Grenze) stammt. Deshalb war es nun wirklich Zeit, dieses grosse Land gründlich kennenzulernen; und das geht am Besten, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist.

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Meine Tour führte mich von Egg in der Nähe von Zürich zuerst nach Norden. Es ging über Ulm, Nürnberg, Bamberg, den Thüringer Wald, Erfurt, Halle nach Magdeburg, wo ich den Elberadweg ansteuerte. Der Elbe entlang fahrend erreichte ich mein Ziel Hamburg.

Zurück ging’s über Bremen, dann mehrheitlich dem Weserradweg folgend über Minden und Hameln Richtung Kassel. Weiter folgte ich der Fulda, erreichte bei Schweinfurt den Main und ab Würzburg folgte ich meist der romantischen Strasse bis Füssen ganz im Süden Bayerns. Zurück nach Zürich (genau Egg b. Zürich) ging’s über Lindau am Bodensee und St. Gallen.

Das Radnetz in Deutschland ist erfreulich gut ausgebaut und die Wege sind gut signalisiert. Die Highlight-Etappen waren für mich diejenige an der oberen Weser (von Minden nach Holzminden) sowie die Etappe von Würzburg nach Dinkelsbühl (diese kleinere Stadt ist ein Juwel).

Geplant hatte ich meine Tour mit der app Komoot.de. Diese app sucht einerseits den kürzesten Weg und andrerseits auch die Fahrradwege von einem Ort zum anderen. Beim Fahren zeigt sie einem wie ein Navi den geplanten Weg. Es macht Spass, so Fahrrad zu fahren. Die Hotels habe ich immer einige Tage voraus gebucht. Ich habe meist Mittelklassehotels gewählt, die optimal an meiner Tour lagen oder in Städten Hotels nahe des Zentrums.

Zum Schluss noch die Fakten in einer Übersicht. Ich habe auf meiner Reise fast 2400 km zurückgelegt, worauf ich natürlich auch ein bisschen stolz bin.

Statistik

 

Day 21: Lindau-Egg ZH (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Beim heutigen Frühstück wähne ich mich in China. Wohin ich auch schaue – lauter schmatzende Chinesen, und ich der einzige Europäer. Dabei bin ich doch extra früh aufgestanden, um dieser Invasion zuvorzukommen. «Der frühe Vogel fängt den Wurm» scheint ein Chinesisches Sprichwort zu sein. An der Rezeption erfahre ich, dass in Friedrichshafen momentan die grösste Fahrradmesse Europas stattfindet und alle diese Chinesen dorthin wollen.

Punkt 07.15 Uhr fahr ich los und bei friedlicher Morgenstimmung überquer ich die Brücke zum Festland.

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In der Folge fahre ich dem Bodensee entlang Richtung Bregenz, durchquere dieses, überquere bald den neuen Rhein (furchtbar begradigt – würde man das heute auch noch so machen?) und befinde mich danach noch längere Zeit auf österreichischem Boden, bis ich endlich an den alten Rhein gelange. Dieser bildet die Grenze zur Schweiz. Bei Rheineck ist es dann soweit – ich bin wieder in der Schweiz! Kurz danach schickt mich Komoot bergauf – Richtung Rorschacherberg. Es ist schön hier oben mit Blick auf den Bodensee.

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Doch wäre es wirklich nötig gewesen hier hochzufahren? Denn Komoot schickt mich nun nach Rorschach hinunter (Da hätte ich ja dem See entlangfahren können). Von dort geht’s wieder rauf, mit St. Gallen als Ziel. Eine schöne Stadt, aber ich kenne sie schon. Hier ein Bild von der Innenstadt (Im Hintergrund die Türme des Doms):

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Ich mache einen Kaffeehalt und esse endlich mal wieder ein Schweizer Gipfeli; diese munden mir mehr als die deutschen Croissants – dafür vermisse ich nun die feinen Erdbeertorten…

Bei der Weiterfahrt überquere ich die Sitter und sehe weiter oben die berühmte Sitterbrücke:

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Weiter geht’s über Gossau, Flawil und Uzwil, bis ich die Thur erreiche und dieser bis Wil entlangfahre. Von dort geht’s in den Hinterthurgau, wo es sehr ländlich ist.

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Später, jetzt bin ich schon wieder im Kanton Zürich, mache ich – speziell für die Architekturfreunde – eine Foto von diesem aussergewöhnlichen Haus in der Nähe von Russikon:

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Kurz darauf geniesse ich die Aussicht auf den Pfäffikersee mit den Alpen im Hintergrund:

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45 Min. später, um 17.10 Uhr bin ich endlich wieder zuhause.

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Ich habe die dreiwöchige Deutschlandtour gesund, ohne grössere Beschwerden und unfallfrei überstanden. Ich bin dankbar dafür. Es war eine tolle Erfahrung!

Ein Dankeschön auch für die vielen Rückmeldungen zu meinem Blog; es hat mich gefreut, dass meine Tagesberichte mit Vergnügen gelesen wurden. Es hat mir selbst auch Spass gemacht, meine Erlebnisse aufzuschreiben und ich habe ziemlich viel Zeit investiert darin, habe jetzt dafür aber eine bleibende Erinnerung an meine grosse Reise.

PS: Und ich habe sogar 4 Kilogramm abgenommen, trotz der vielen Kuchen und Bierchen! – also, wenn ihr abnehmen wollt, wisst ihr nun, was zu tun ist…

Fakten: Gefahrene Strecke 124 km / aufw. 1370 m, abw. 1260 m / Fahrzeit 8 Std. 37 Min.

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Day 20: Füssen-Lindau (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Heute darf ich ein wenig länger schlafen, das Hotelfrühstück kann frühestens um 07.30 eingenommen werden. Kein Problem. Ein grösseres Problem erwartet mich aber, als ich die Fahrradgarage betrete und mein Fahrrad beladen will: Das Hinterrad steht auf der Felge. Ich habe wieder einen Plattfuss. Sch…! Ich bin nicht wirklich überrascht, das hatte sich schon am Vortag angekündigt, denn ca. 20 km vor dem Ziel begann mein Hinterrad plötzlich hin- und herzueiern, weil der Schlauch Luft verloren hatte.

Nun, es bleibt mir nichts anderes übrig, als den Schlauch zu wechseln, ich habe ja noch Glück im Unglück, denn hier bin ich geschützt vor dem Regen und eine Fahrradpumpe mit Druckanzeige steht hier auch herum. Ca. 15 Min. brauche ich für das Manöver, ich merke, dass ich dies schon mal geübt hatte auf der Tour – und an die wertvollen Tipps von Loretta kann ich mich auch noch erinnern – nur die Hände sind am Schluss ziemlich schmutzig!

Um 08.30 Uhr fahr ich endlich los – in voller Regenmontur, denn regnen tut’s zu allem Unglück auch noch… Das ist schade, denn hier im Allgäu wär’s eigentlich sehr schön – bei Sonnenschein!

Der Tag steht unter keinem guten Stern – es scheint heute nur einmal zu regnen.
Am Hopfensee klaub ich erstmals mein iPhone aus dem Gefrierbeutel; die Szenerie ist auch bei Regen reizvoll:

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Ich kämpf an diesem Morgen gegen alles: den Regen, den Wind, der mir den Regen ins Gesicht peitscht, die Kälte, die Nässe und das Auf und Ab hier im Allgäu.
Vor allem die nassen Handschuhe machen mir zu schaffen. Bei einem Halt zieh ich sie aus – sie triefen vor Nässe, ich winde sie aus wie nasse Waschlappen – Dreckwasser ergiesst sich auf den Boden. Aha, der Dreck meiner vom Radwechsel verschmutzten Hände! –  Die sind zum Glück jetzt wieder sauber. Übrigens – so sehe ich aus in meiner Regenmontur:

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Nach der grösseren Ortschaft Nesselwang überholt mich ein Rudel von fast 20 Rennradfahrern, die einen sogar in kurzen Hosen! Und das bei diesem Sauwetter! Die sind nicht ganz normal («nid ganz putzt» auf Schaffhauserdeutsch), denk ich mir.

Etwa 3 ½ Stunden halt ich durch, bis ich in Immensee den ersten Halt mache, um mich aufzuwärmen und etwas zu essen.

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Weiter geht’s, weiterhin bei strömendem Regen, dem Grossen Alpsee entlang. So macht’s keinen Spass; dabei wäre die Gegend hier so schön! Darauf folgt ein zermürbendes Auf und Ab (bis auf 1020 M.ü.M.!) über Oberstaufen und Weiler im Allgäu nach Scheidegg. Als ich dort oben angelangt bin, hört der Regen endlich auf. In einem Café stärk ich mich mit Käsekuchen und einer heissen Schokolade. Als ich wieder aufbreche, guckt sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor und es ist inzwischen merklich wärmer geworden.

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Das freut mich, denn es ist so viel angenehmer nach Lindau hinunterzusausen.

Als ich erstmals den Bodensee erblicke von dort oben, mach ich eine Foto. Ich bin jetzt wieder viel besser gelaunt!

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Übrigens ich bin jetzt nicht mehr in Deutschland, sondern in einem anderen Land. In welchem? Bald schon erreiche ich Lindau (wieder Deutschland) und werde von Komoot genau vor’s Hotel gelotst. Als ich dort ankomme, bin ich leicht genervt: Just in diesem Moment möchten schätzungsweise 50 Chinesen, die aus einem Bus gestiegen sind, in diesem Hotel einchecken.

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Es ist mir zu blöd, mich hintenanzustellen; da nehm ich doch lieber noch einen Augenschein von dieser auf einer Insel im Bodensee gelegenen Stadt.

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Ich setzt mich in ein Café am Hafen, trink ein Bierchen, ess etwas Kleines und geniesse die Abendsonne. Die Welt ist wieder in Ordnung!

Lösung Rätsel: ich war kurz auf österreichischem Boden
Fakten: gefahrene Strecke 99.5 km / aufw. 1060 m, abw. 1450 m / Fahrzeit 6 Std. 29 Min.
Übernachtung im Hotel vis à vis in Lindau

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Day 19: Augsburg-Füssen (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Heute fahr ich um 07.20 Uhr los. Zuerst geht’s endlos durch die Agglomeration von Augsburg schnurgerade nach Süden; ich komme schlecht voran, da immer wieder Rotlichter den Fahrfluss bremsen.

Als ich aus der Agglo raus bin, habe ich endlich ein Fotosujet, eine Kirche mit Zwiebelturm (gemäss Wikipedia sind Zwiebeltürme ein typisches Kennzeichen barocker süddeutscher Kirchen – und in Süddeutschland bin ich ja gerade)

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Immer wieder sehe ich Schilder, wo «Romantische Strasse» draufsteht. Auf einer Schautafel am Weg kann ich mir (und euch) endlich einen Überblick verschaffen über diesen berühmten Radweg von Würzburg nach Füssen (den ich ja in weiten Teilen selbst auch durchfahren habe).

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Bis jetzt bin ich ganz gut vorangekommen, man meint es sei eben, aber trotzdem steigt die Strasse unmerklich an – es geht ja schliesslich ins höher gelegene Allgäu.

Doch unvermittelt stehe ich vor einer happigen Steigung – mein Weg führt nach Lechsberg (für mich eher Lechzberg). Die Wortspielereien um diesen Ortsnamen lassen  meine Gedanken zu einem kleinen Gedicht führen:

Lichtung
manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

Kennt ihr den Autoren dieses Vierzeilers? (Mein heutiges Rätsel)

Während ich am Begriff «Romantische Strasse» herumstudiere (Können Strassen romantisch sein? Sind die Orte romantisch, an denen die Strasse vorbeiführt? Etc.) biege ich nach dem Lechsberg auf einen Waldweg ein – und voilà – die romantische Strasse liegt vor mir.

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Wenig später fahre ich an einem eindrücklichen Lindenbaum vorbei, welcher in mir die Assoziation weckt zum Schubert’schen Lindenbaum aus der „Winterreise“ («Am Brunnen vor dem Tore da steht ein Lindenbaum…») – Und dazu die bedrohlichen Wolken! – Da ist sie ja schon wieder, die Romantik…

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Ein paar Kilometer weiter lässt eine Schautafel mein Herz höher schlagen. Mein Fahrradweg soll ab hier auf dem ehemaligen Trassé des Sachsenrieder Bähnle (SB nicht SBB) verlaufen – ihr wisst inzwischen, dass das meine Lieblingsvelowege sind…

Eine weitere Schautafel dort stimmt mich nostalgisch: Da ist doch tatsächlich der «geliebte» Schienenbus (zuunterst) abgebildet, der mich in meiner Jugend jeweils von Thayngen nach Schaffhausen (DB-Strecke in der Schweiz) und zurück getragen hat.

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Schienenbusse sollen übrigens noch heute auf einer Museumsbahn hier in der Nähe verkehren (Fuchstalbahn bei Schongau). Die Strecke Thayngen-Schaffhausen wird heute ja von der SBB bedient – zum Glück, denn die DB hat mittlerweile einen ähnlich Ruf wie die FS!

Viel zu kurz dauert das Radeln auf dieser ehemaligen Bahnstrecke, denn bald kündigt die Frauenstimme von Komoot wieder Singglee-Trails an – was das bedeutet, wisst ihr ja inzwischen. Diesmal sind es einfach ganz gewöhnliche (umgangsspachlich «hundskommune») Waldwege, die ein zügiges Vorankommen verhindern. Zu allem Elend beginnt es nun auch noch zu regnen. Ich montiere meine Regenkleider und packe das iPhone in einen Gefrierbeutel; es soll ja auch trocken bleiben.

Als der Regen wieder aufhört, kann ich auch wieder fotografieren und diese grüne Landschaft festhalten:

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Wenig später erreiche ich einen der Lech-Stauseen, in dessen Wasser sich die dunklen Wolken spiegeln – wie romantisch!

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Auch Romantiker verspüren manchmal Hunger und sind deshalb froh, eine Bäckerei mit Café zu entdecken. In Lechbrück ist dies der Fall. Die Verkäuferin hat Freude an meinem Schweizerdeutsch (obwohl ich Standarddeutsch spreche) und verabschiedet – wohl inspiriert durch mich – auch deutsche Kunden mit «uf Widerluege».
Es gibt übrigens mal einen anderen Kuchen: Johannisbeerbaiser – mega lecker!

Nach diesem kleinen Aufsteller kämpfe ich auf den letzten Kilometern der heutigen Etappe gegen den Wind. Dieser weht nun kräftig aus dem Westen – ich fahr in diese Richtung. Ich kann nicht immer Glück haben!

Als ich den angekündigten Forggensee erreiche, bin ich erstaunt: Da ist kein See, nur eine merkwürdig anmutende Kies- und Sandlandschaft. Eine Einheimische klärt mich auf: Der Staudamm muss erneuert werden und deshalb wurde das Wasser abgelassen.

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Auf diesem Bild ist übrigens – ganz klein in der Bildmitte – ein berühmtes Schloss zu sehen. Kennt ihr seinen Namen? Erbaut hat es der sogenannte Märchenkönig Ludwig II, König von Bayern (er war ein bisschen „romantisch“ verrückt und hatte eine Riesenfreude an Schlössern).

Um 16.50 Uhr bin ich – ziemlich erschöpft – endlich am Ziel: Füssen. Ich fahr punktgenau zum Hotel und beziehe mein Zimmer. Es gefällt mir – nur das Schweizer Braunvieh müsste nicht sein!

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Ein kleines Problem muss ich noch lösen; der Zimmerschlüssel steckt aussen im Schloss fest, ich bring ihn nicht mehr raus…
Die Receptionistin kennt den Kniff und hilft mir aus der Patsche.

Lösung Rätsel:
– Der Dichter von „Lichtung“ heisst Ernst Jandl
– Das Schloss heisst „Schloss Neuschwanstein“ und liegt ca. 5 km von Füssen entfernt
– gestern habe ich mir zum Abschluss einen Coretto con Grappa (cürüttcüngrüpp) gegönnt

Fakten: gefahrene Strecke 113 km / aufw. 1010 m, abw. 690 m / Fahrzeit 7 Std. 54 Min.
Übernachtung im Hotel Filser in Füssen

D19

Day 18: Dinkelsbühl-Augsburg (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Um 07.40 verlasse ich das geschichtsträchtige und eindrückliche Hotel Deutsches Haus in Dinkelsbühl, nicht ohne noch einmal eine Foto zu schiessen davon.

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In der Folge fahre ich durch unspektakuläre Landschaften, so dass ich wenig Lust verspüre, einen Halt zu machen, um etwas zu fotografieren.

Nach ca. 2 Stunden Fahrt realisiere ich, dass ich nun meinen Hinweg definitiv kreuze – dies bei einer Stadt, an die ich mich gut erinnere, weil ich ein wenig von der Komoot-Route abgewichen bin, um sie mir anzuschauen. Diesmal schickt mich Komoot mitten durchs Zentrum, ich mach eine Foto von der mächtigen Kirche mit ihrem imposanten Turm, den man schon von weitem sieht:

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Wie heisst diese Stadt? In ihrem Namen kommt eine Himmelsrichtung vor. (Lösung wie immer am Schluss des heutigen Blogs)

Da es noch zu früh ist für eine Kaffeepause, fahre ich weiter und erreiche so gegen 12 Uhr das Städtchen Donauwörth.

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Jetzt habe ich aber wirklich Hunger und so mache ich Halt in einem Café an der Hauptstrasse (Bäckerei & Café Pfister). Zur Abwechslung esse ich mal wieder eine Erdbeerschnitte.

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Durch Donauwörth fliesst bestimmt auch die Donau, denk ich; so ist es auch und ich überquere sie, als ich den Ort verlasse.

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Erstmals seit Tagen ist der Himmel heute nicht wolkenlos. Seit dem frühen Morgen verdecken immer wieder Wolkenschleier die Sonne. Ich finde es ganz angenehm und auch meine sonnengeplagten Arme und Beine wissen es zu schätzen.

Die Gegend hier ist nun ziemlich flach, ich komme schnell voran und der Wind ist mir gut gesinnt.

Etwa 20 km vor Augsburg biege ich auf einen Radweg ein, der dem Lech entlangführt. Es ist wunderbar kühl auf diesem schattigen Kiesweg.

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Der Lech führt ziemlich klares Wasser; dies im Gegensatz zu meist relativ braunen Suppen, welche die Flüsse hier mit sich tragen (und die einen nicht zum Bade laden).

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Wenig später stelle ich mit Schrecken fest, dass sich hinter mir dunkle Wolken zusammenbrauen. Ob wohl ein Gewitter im Anzug ist? Ich erhöhe die Kadenz und flieg nur so über die Kieselsteine. Vergebens – die dunklen Wolken holen mich ein, es beginnt zu blitzen und zu donnern und grosse Regentropfen fallen hernieder.

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Schnell ziehe ich die Regenjacke über und bolze weiter. So erreiche ich Augsburg in Windeseile und kann dem Gewitter, das weiterzieht, ein Schnippchen schlagen.

Nun habe ich ja genügend Zeit, mich noch ein wenig in dieser grösseren Stadt umzusehen.

Zuerst zieht es mich zum Dom, einem eindrücklichen, riesigen Bau mit einer langen Entstehungsgeschichte.

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drinnen:

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Als ich mich im Innern umsehe, kommt mir ein Gefährt mit Fahrer entgegen. Leicht belustigt bemerke ich, dass es sich hier um ein Kärcher-Mobil handelt, mit dem der grossflächige Kirchenboden geputzt wird – hab noch nie sowas gesehen! Und ich frage mich, wie solch grosse Gotteshäuser wohl früher geputzt wurden.

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Nachher schlendere ich auf Empfehlung zur Fuggerei, kann mir aber nicht so genau vorstellen, was mich dort erwartet. Dort angekommen erfahre ich, dass die reiche Fuggerfamilie (eine äusserst erfolgreiche Kaufleute- und Bankiersfamilie, die bis in den Hochadel aufstieg) dieses Quartier im 16. Jh. für arme Leute bauen liess, also quasi die ersten Sozialwohnungen in Europa erbauen liess.

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Auf einer Tafel in der Fuggerei lese ich, dass der Urgrossvater von Wolfgang Amadeus Mozart hier wohnte – die Mozart-Familie somit ursprünglich aus Augsburg stammte (was ich ja eigentlich schon wusste).

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Mit diesen Eindrücken von Augsburg kehre ich in mein Hotel zurück und setze mich bald darauf in den kühlen Innenhof des ristorante italiano, wo ich von einem Kellner bedient werde, der Schweizerdeutsch spricht. Ich erfahre, dass er einst in Volketswil wohnte – die Welt ist klein!

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Fegato alla Veneziana – lecker! Und zum Schluss einen „Cürüttcüngrüpp“ (Was das wohl ist? Ratet mal!)

Lösung Rätsel: Es ist die Stadt Nördlingen
Fakten: Gefahrene Strecke 109 km / aufw. 670 m, abw. 630 m / Fahrzeit 6 Std. 30 Min.
Übernachtung im Hotel am Rathaus, Augsburg

D18

Day 17: Würzburg-Dinkelsbühl (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Den Wecker, der um 05.40 Uhr los geht, stell ich ab und schlaf wieder ein – das erste Mal, das ich verschlafe auf meiner grossen Tour. Es ist aber nicht so schlimm, um 06.15 Uhr wach ich wieder auf und packe nun wie der Blitz, ich möchte doch spätestens um 16.00 Uhr am Ziel sein, damit ich den WM-Match der Schweizer nicht verpasse.

Um 07.40 verlasse ich Würzburg und befinde mich schon bald am Main, an dessen Ufer ich in südöstlicher Richtung weiterfahre. Ich staune, wieviele junge Joggerinnen schon keuchend unterwegs sind – die wollen nicht so enden wie ihre Mütter, denke ich und dabei kommen mir die feinen Kuchen in den Sinn…

Fast 20 km fahre ich nun dem Main entlang; ich bin froh, dass ich den heutigen Tag so easy beginnen kann. Der Maintalradweg hat fast schon Formel-1-Qualität hier: schön eben und frisch asphaltiert.

Als ich vor Ochsenfurt rechts vom Main abzweige, sehe ich auf einer Schautafel, dass ich mich nun auf dem Gaubahn-Radweg befinde. Das ist eine gute Nachricht, denn Radwege auf ehemaligen Bahnstrecken, wie es auch hier der Fall ist, sind einzigartig: es geht nie ruppig auf- od. abwärts und die Strecken sind meist fernab der Strassen. So ist es auch hier:

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Mehr als 20 km fahre ich nun auf diesem Gaubahn-Radweg und komme gut vorwärts. Menschen begegnen mir fast keine.

Plötzlich taucht ein typischer bayrischer Kirchturm auf. Ich stutze ein bisschen und frage mich, ob es derselbe ist, den ich beim Hinweg fotografiert habe (Mein heutiges Rätsel). So abwegig ist das nicht, denn heute oder morgen kreuze ich den Hinweg, den ich Richtung Elberadweg genommen habe.

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Nachdem ich diesen bequemen Radweg verlassen habe, stehe ich schon vor der nächsten Schautafel: „Radweg liebliches Taubertal“ wird hier angekündigt. Da hab ich ja mal wieder Glück, Komoot will nur das Beste für mich heute!

Es ist wirklich ein sehr schöner Radweg in diesem Taubertal, es geht zwar ein bisschen mehr rauf und runter als vorher, dafür werde ich mit lieblichen Landschaften verwöhnt.

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In einem kleinen Städtchen namens Creglingen mache ich meinen obligaten Kaffeehalt und esse für einmal einen Aprikosenkuchen – ist auch lecker!

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Dieser Radweg muss berühmt sein, denn plötzlich begegnen mir sehr viele Radfahrer, oft auch wieder älteren Semesters, die mit E-Bikes unterwegs sind. Es macht mich fast ein bisschen stolz, dass ich manchmal sogar mit den E-Bikern mithalten kann.

Ganz unerwartet erreiche ich ein Bijou einer Stadt, Rotenburg ob der Tauber. Staunend besichtige ich diese mittelalterlich anmutende Stadt, ich hatte vorher noch nie von ihr gehört.

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Es sind hier unglaublich viele Touristen unterwegs: Chinesen, Amerikaner etc. Als eine Gruppe amerikanischer Studenten an mir vorbeigeht, höre ich einen davon staunend ausrufen: „Holy Shit“ – diesen Ausdruck kenne ich doch von irgendwoher (von wem?), denke ich.

Nach Rotenburg verlasse ich den lieblichen Tauberradweg und fahre nun auf verschiedensten Strassen – es ist inzwischen ziemlich heiss geworden, und die Sonne brennt hernieder. Dazu ein Auf und Ab, es ist ziemlich ermüdend.

In Feuchtwangen möchte ich ein kühlendes Getränk kaufen, um meinen trockenen Gaumen zu benetzen, sehe aber nirgends eine Gelegenheit dies zu tun – so fahr ich halt weiter, meinem Ziel Dinkelsbühl entgegen. Ich freue mich auf diese kleine Stadt und werde nicht enttäuscht. Einfahrt Dinkelsbühl:

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Mein Hotel (Deutsches Haus) befindet sich im Zentrum dieses Kleinods – man fühlt sich hier fast wie in einer Museumsstadt –  und ist wohl das schönste Gebäude hier:

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Mit seinem kunstvollen Schnitzwerk ist es das bedeudendste Bürgerhaus der deutschen Renaissance (Quelle Wikipedia). Es ist ein Erlebnis in diesem Haus zu logieren.

Am Abend geniesse ich das Essen auf der Terrasse dieses aussergewöhnlichen Hotels

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und vergesse dabei fast, dass die Schweiz an der WM ausgeschieden ist – ok, der Williams musste dabei noch ein wenig nachhelfen…

Rätsel: Nein, das ist ein anderer Kirchturm, den Hinweg kreuz ich erst am folgenden Tag.
Fakten: Gefahrene Strecke 115 km / aufw. 1030 m, abw. 770 m / Fahrzeit 7 Std. 4 Min.
Übernachtung im Hotel Deutsches Haus, Dinkelsbühl

D17

 

Day 16: Gersfeld-Würzburg (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Heute fahre ich um 07.40 Uhr los – reichlich spät, denn es ist schon lange hell. Die heutige Etappe beginnt gleich mit einer happigen Steigung; ich schieb das Fahrrad zumeist, denn ich möchte mit meinen Kräften sparsam umgehen. Ich werf noch einen Blick zurück auf Gersfeld, einem Kurort in der Rhön, so heisst das Gebiet hier.

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Nach knapp einer Stunde habe ich die Passhöhe erreicht und bin jetzt auf über 700 m über Meer, eine Höhe, die ich seit dem Thüringer Wald (der nicht weit entfernt ist von hier) nicht mehr erreicht habe.

Es ist so schön –
hier in der Rhön

beginne ich zu dichten. Das Gebiet trägt den Namen «Biosphärenreservat Rhön» und ist landschaftlich sehr reizvoll.

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Zum guten Glück geht’s auf der anderen Seite sanft nach unten; dazu auf neu asphaltierten Velostrassen (Triple A!) – so macht’s Spass, und ich komme jetzt auch wieder flott vorwärts.

Ich passiere ein hübsches Kleinstädtchen namens Bischofsheim, fahr vorbei an Bad Neustadt an der Saale und bin bald darauf in Münnerstadt, einer aparten Stadt mit schönen Häusern:

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Nach Münnerstadt führt mich mein Weg durch eine liebliche Naturlandschaft fern jeglicher Zivilisation –  ich bin ganz alleine unterwegs.

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In der Folge überquere ich eine Hügelkuppe und habe, als ich oben bin, einen wunderbaren Fernblick:

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Nun folgen wieder rasante Abfahrten (auf Triple-A-Velowegen) und so bin ich schon bald in Schweinfurt, einer Stadt mit viel Betrieb:

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Kaum habe ich Schweinfurt verlassen, stehe ich vor einer überwältigenden Flusslandschaft. Ich weiss nicht, welchen Fluss ich vor mir habe und muss mich danach erkundigen. Hättet ihr es gewusst? (Meine heutige Quizfrage, Lösung am Schluss)

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Nun fahre ich mehrheitlich Richtung Westen, was optimal ist, denn der Wind bläst aus Osten. An einer schönen Stelle erblicke ich ein Café, wo ich einkehre. Zur Abwechslung esse ich einen Käsekuchen, der auch gut schmeckt. Mit einem älteren Pärchen (auf der Foto zu sehen) komme ich ins Gespräch; sie sind aus Schweinfurt und auf einem Fahrradausflug hierher und empfehlen mir u.a. einen fränkischen Wein zu trinken abends (was ich aber nicht tun werde; ich steh eher auf Bier, wenn’s heiss ist).

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Schon bald geht’s wieder in die Hügel nach der Rast und zu meinem Erstaunen durch grosse Weinkulturen – aha, von hier kommt der fränkische Wein!

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Meine heutige Etappe ist landschaftlich sehr abwechslungsreich, es herrscht mal wieder Kaiserwetter, ich fahr meist auf Triple-A-Velowegen: kurz, eine Traumetappe!

Gegen 16.00 Uhr erreiche ich Würzburg, eine Stadt mit über 120’000 Einwohnern.

Ich fahre zu meinem Hotel, welches ich schon von weitem erkenne, denn es ist ein hoher Glasbau mit 17 Stockwerken.

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Nach kurzer Aufregung – mein Zimmer ist extrem verraucht; ich bekomme aber schnell ein andres – geniesse ich die Aussicht vom 13. Stock aus:

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Es ist das teuerste Hotel auf meiner Reise – das habe ich mir gegönnt. Ob das im Sinne von Bernhard von Clairvaux ist – siehe Rätsel vom Vortag – bleibe dahingestellt!

Nach der erfrischenden Dusche mache ich noch einen Spaziergang durch Würzburg, bin aber wieder einmal ein bisschen enttäuscht: Eine Altstadt ist fast inexistent – ihr ahnt, warum – es ist so schade!

Dafür ist der Blick auf den Main, die alte Mainbrücke und die Marienfestung atemberaubend:

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Ein wunderschöner Tag neigt sich mit dieser Abendstimmung dem Ende entgegen:

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Lösung Quiz: Es ist der Main (einer der wenigen Flüsse Europas, der von Ost nach West fliesst).

Fakten: Gefahrene Strecke 115 km / aufw. 1040 m, abw. 1370 m / Fahrzeit 6 Std. 52 Min.
Übernachtung im GHOTEL Würzburg

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Day 15: Kloster Haydau – Gersfeld (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Kurz nachdem ich um 05.45 Uhr aufgestanden bin, entdecke ich auf der Wand über dem Bett folgenden Spruch:
„Gönne dich dir selbst! Ich sage nicht: Tu das immer. Aber ich sage: Tu es wieder einmal. Sei wie für alle anderen Menschen auch für dich selbst da!“
Diese Weisheit stammt von einem berühmten Namensvetter von mir, der vor fast tausend Jahren gelebt hat. Was ist das für ein Bernhard? (Die Lösung des heutigen Rätsels findet ihr wie immer am Schluss des heutigen Blogs)

Beim Frühstück in diesem einzigartigen Klosterhotel werde ich Zeuge einer kuriosen Szene: Fünf junge Leute – versprengte Gäste einer Hochzeitsgesellschaft – schleppen sich über den Platz vor der Kirche zum Hotel. Zuerst denke ich, sie spielen Theater; aber nein, sie sind offenbar so betrunken und fertig vom durchzechten Fest, dass sie sich nur noch schleppend fortbewegen können; eine Frau (ist es sogar die Braut?) muss sogar getragen werden, weil sie so nudelfertig ist! Ungläubig betrachte ich die Szene an diesem Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe.

Um 07.15 steig ich aufs Velo, halte aber sogleich wieder, um eine Foto vom Hotelgebäude zu machen – Architekturfreunde sollen doch auch sehen können, wie beeindruckend dieses Gebäude ist – nicht wahr?

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Es ist frisch an diesem herrlichen Morgen, ich trete fest in die Pedalen, um ein bisschen warm zu bekommen. Der Weg geht weiter der friedlich vor sich hinplätschernden Fulda entlang und manchmal auch ein wenig entfernt von ihr. Zum erstenmal schiess ich eine Foto, während ich radle – ein bisschen gefährlich zwar, aber es gelingt mir.

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Nach Bad Hersfeld, einer grösseren Stadt, welche ich zur rechten Seite liegenlasse, verlasse ich den Fuldaradweg und biege in ein Seitental ab, in das Haunetal. Dieses ist landschaftlich sehr reizvoll und es führt ebenfalls ein Radweg hindurch.

Nach zügiger Fahrt mache ich nach drei Stunden erstmals richtig Pause in einem Café in Burghaun – dabei blicke ich auf eine schöne barocke Kirche:

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Es folgt ein sehr schöner Abschnitt mit toll ausgebauten Radwegen durch naturreservatähnliche Landschaften. Ich mache einen kurzen Halt am Haunestausee.

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Wenig später verlasse ich das Haunetal und überquere ein hohe Hügelkuppe – der Weg ist so steil, dass ich das Fahrrad längere Zeit schiebe.

Als ich auf der anderen Seite die Talsohle erreiche, bin ich wieder bei der Fulda (merke das aber erst, als ich im Hotel einen Blick auf die Karte werfe). Noch ca. 10 km fahre ich dieses grüne Tal hoch – ich bin jetzt ziemlich auf den Felgen, das Auf und Ab der letzten 20 Kilometer hat seine Spuren hinterlassen.

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Um 15.00 erreiche ich mein Ziel Gersfeld, welches am Oberlauf der Fulda und damit nicht mehr weit von der Quelle diese Flüsschens liegt.

Ein schöner Tag mit wolkenlosem Himmel und Wind aus fast allen Richtungen geht gemütlich im Hotel Gersfelder Hof zu Ende.

Lösung Rätsel: Bernhard de Clairvaux
Der heilige Bernhard von Clairvaux (10901153) war ein mittelalterlicher Abt, Kreuzzugsprediger und Mystiker. Er gilt als einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens, für dessen Ausbreitung über ganz Europa er verantwortlich war. (Quelle Wikipedia)

Fakten: Gefahrende Strecke 107 km / aufw. 1130 m, abw. 800 m / Fahrzeit 7 Std. 4 Min.
Übernachtung im Hotel Gersfelder Hof

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Day 14: Holzminden-Kloster Haydau (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Nach einem üppigen Frühstück im Hotel Buntrock begleitet mich die Frau für alles (der Chef ist in den Ferien) zum Fahrradraum. Als ich in den Raum sehe, trifft mich fast der Schlag: Mein Fahrrad steht zuhinterst und ist von mind. 20 anderen Fahrrädern komplett zugestellt! Also zuerst Velos umbeigen, bis ich losfahren kann. Dies soll mir eine Lehre sein; heute abend stell ich mein Velo beim Eingang hin…

So fahr ich schliesslich erst um 07.40 Uhr los, das ist ziemlich spät. Deshalb leg ich los wie die Feuerwehr, denn ich möchte doch spätestens um 16.00 am Ziel sein, um das erste Finalspiel der WM nicht zu verpassen.

Doch kaum bin ich 5 Minuten unterwegs, muss ich einen kleinen Fotohalt einlegen – und dieses erste Foto heute mache ich speziell für Bruno, meinen enthusiastischen Chorsänger, der nicht nur gerne singt, sondern auch ein grosser Fan von Wohnmobilferien ist.

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Es ist ein wunderbarer Morgen heute und ich komme gut vorwärts, zuerst meist entlang der Weser, und dann – ein wenig später entlang der Godelsheimer Seenplatte:

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Bei Bad Karlshafen verlasse ich den Weserfahrradweg und biege rechts ab – auf einer Tafel sehe ich, dass ich mich nun im Weser-Bergland befinde, wie zum Beweis geht es nun heftig aufwärts. Wenig später möchte mich Komoot auf einen abenteuerlichen Weg lotsen:

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Ich fahr lieber auf der Strasse, die einen grossen Bogen macht. Der Dame von Komoot passt das nicht und kaum 10 Sekunden später höre ich ihre Stimme: «Du hast ………………………………. . …………………………………. !
(Bitte ergänzen, 1 Aussagesatz und 1 Befehlssatz. Aufmerksame Blogleser sollten die Lösung wissen! Auflösung am Schluss des Blogs)

Wenig später komme ich auf eine Anhöhe mit grossartiger Aussicht – ich frage mich nur, wo sich denn die angekündigten Berge befinden; ich sehe nur kleine Erhebungen, kaum höher als 400 m über Meer….

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Komoot schickt mich an dieser Kreuzung geradeaus und kündigt mal wieder einen Single Trail an: in so schlechtem Englisch, dass ich’s kaum verstehe (Schickt die Dame doch mal in einen Englisch-Kurs). Ausserdem verheisst „Single Trail“ in der Regel nichts Gutes: Für Komoot sind Single-Trails kaum befahrbare Wege. So ist es denn auch, ich fahre im Schritttempo – möchte ja nicht wieder einen Plattfuss einfangen, denn heute hätte ich nicht eine so charmante und kompetente Hilfe wie bei der Tour nach Merseburg!

In der Folge fahre ich durch wunderschöne Landschaften – es gefällt mir hier im Bundesland Hessen.

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In einem kleinen Dorf sehe ich eine kleine Kirche in Riegelbauweise, diese Bauweise ist hier sehr beliebt und erinnert mich ein wenig an Dörfer in der Schweiz (z.B. Stammheim).

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Nach ca. 70 km erreiche ich die Stadt Kassel (über 200’000 Einwohner) – das ist keine schöne Stadt (kein Wunder – sie wurde leider im Krieg fast vollständig zerstört) und ausserdem eine einzige grosse Baustelle in diesem Moment:

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Für das heutige Rätsel verlasse ich wieder einmal die von Komoot vorgeschlagen Route (und höre was? Du hast ………. – Diese zwei Sätze höre ich jeden Tag mindestens 10 Mal!)

Und hier die zwei Protagonisten des heutigen Rätsels – ein berühmtes Brüderpaar:

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Die zwei haben lange in Kassel gewirkt und deshalb hier eine Denkmal erhalten (es ist zwar enttäuschend klein), und auch der Platz an dem diese steht, ist nach diesen Brüdern benannt. Also, wer sind die zwei? Sie haben mit dem gestrigen Rätsel zu tun…

Ich verlasse Kassel und befinde mich nun plötzlich an der Fulda (wo ist denn die Weser geblieben?) Ich freue mich, dass ich nun an diesem Flüsschen entlangfahren darf, werde von Komoot aber bald wieder in eine andere Richtung geführt. Eine Abkürzung? Ich weiss es nicht, befolge aber für einmal wieder die Befehle der Frauenstimme. Es geht wieder happig aufwärts und als Höhepunkt komme ich zu guter letzt auf einen Single Trail (hier eher Double Trail):

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Es ist schön kühl hier im schattigen Wald, so will ich nicht hadern.

Ein kräfteraubendes Auf und Ab folgt, oft auf schlechten Strassen.
Als ich zu bereuen beginne, in Kassel nichts gegessen zu haben, entdecke ich am Wegrand einen wilden Kirschbaum. Da kann ich nicht widerstehen und schlag mir den Bauch voll (na ja, leicht übertrieben bei diesen kleinen, aber süssen Kirschen)

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Irgendwann biege ich endlich wieder auf den Fuldaradweg ein – ich bin erleichtert – dafür kämpfe ich plötzlich gegen starken Gegenwind. Der Wind ist mir heute nicht so freundlich gesinnt wie am Vortag: er hat leicht gedreht und weht von Osten, während ich nach wie vor Richtung Süden fahre. Je nachdem, in welche Richtung ich genau fahre, habe ich nun Seitenwind, Rückenwind oder eben auch Gegenwind. Ich muss mich damit abfinden – nach der gestrigen Spazierfahrt darf es auch wieder ein bisschen härter werden. Man kann nicht immer alles haben – so wie im richtigen Leben auch!

In Melsungen, einem hübschen Städtchen, mache ich einen Halt (Panna Cotta mit frischen Erdbeeren!) und erhole mich ein wenig von den Strapazen.

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Als ich anfange mit dem Ziel zu liebäugeln, endet der Weg plötzlich an der Fulda. Ich hoffe auf eine Fähre, realisiere aber bald, dass eine Seilbahn über den Fluss führt; was für eine Überraschung! Das Dumme ist nur, dass sich die Seilbahnkabine auf der anderen Seite befindet und ich diese mit einer Handkurbel auf meine Seite kurbeln muss. Sieht easy aus, braucht aber ziemlich viel Kraft. Ich kurble und kurble, bis die Kabine endlich auf meiner Seite ist – und kurble und kurble, um nach drüben zu gelangen. Ein Pärchen, das sich inzwischen auf der anderen Seite eingefunden hat, hat Erbarmen mit mir und kurbelt auch mit. So schaffe ich es endlich…

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Erst um 17.20 Uhr treffe ich endlich an meinem Ziel ein, dem Kloster Haydau. Was ich hier sehe, ist eine Entschädigung für diesen anstrengenden Tag.

Die Anlage:

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Das Hotel:

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Der Blick von meinem Zimmer:

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Die Abendstimmung beim Blogschreiben:

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Es ist unglaublich schön hier – was für ein Volltreffer!

Die Auflösung der Rätsel:
Komoot: «Du hast die Tour verlassen. Wirf einen Blick auf die Karte!»
Statue: Zeigt die Brüder (oder Gebrüder) Grimm, die nicht nur die uns allen bekannten Märchen aufgeschrieben haben, sondern eben auch «den Rattenfänger von Hameln»

Fakten: Gefahrene Strecke 122 km, 7 Std. 45 Min. / aufw. 1110 m, abw. 1020 m / Fahrzeit 7 Std. 45 Min.
Übernachtung im Hotel Kloster Haydau (sehr empfehlenswert!)

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