Nach gutem Schlaf in einem aussergewöhnlichen Hotel mache ich mich um viertel vor neun zur Abfahrt bereit, nicht ohne den etwas speziellen Hoteleingang zu fotografieren.

Eingang zum Nine Hotel, Monza
Der Himmel präsentiert sich heute in schönstem Blau, das war aufgrund der Wetterprognosen nicht zu erwarten gewesen. So starte ich frohgemut zur 2. Etappe meiner Bologna-Tour. Zu Beginn ist die Etappe nicht so schön, ich befinde mich längere Zeit in der erweiterten Agglomeration von Mailand mit Velostreifen entlang von Ausfallstrassen, es hat Verkehrskreisel ohne Ende und relativ viel Morgenverkehr. Zum Glück wird es nach ca. 30 km besser und ich gelange auf einen tollen Fahrradweg einem kleinen See entlang.

toller Fahrradweg
Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit mache ich eine Pause und setze mich in ein Strassencafé in einer kleineren Ortschaft und trinke einen Capuchino. Es ist schon ziemlich warm und ich bin froh, dass ich den Sonnenhut dabei habe.

Kaffeepause
Es herrscht ideales Fahrradtourenwetter heute und ich beginne den Tag zu geniessen, denn ich befinde mich nun auf einer schönen, beschilderten Fahrradroute, die mich meist abseits von Autostrassen Richtung Süden führt.
In der Nähe von Lodi fahre ich an einem riesigen schlossartigen Gebilde vorbei und ich frage mich, was das ist, denn es ist auf ca. 200m x 200m komplett von hohen Backsteinmauern umgeben. Wer errät, was es sein könnte?

Eindrückliches Gebäude bei Lodi
Richtig, es ist ein Friedhof, nämlich der Hauptfriedhof von Lodi, der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde und neuromanische Elemente enthält. Seine Umrisse sind sogar 280m x 175m mit total 35’000 m2. Das ist beachtlich.
Der Fahrradweg ist nun optimal, er scheint ziemlich neu zu sein und er führt einem kleinen Fluss entlang – so gefällt’s.

Neuer Fahrradweg
Jetzt fehlt nur noch ein lauschiges Plätzchen, wo ich meine Mittagspause machen kann. Kaum habe ich diesen Gedanken, wird mein Wunsch schon erfüllt:

Mittagspause
Die Gegend ist hier nur noch spärlich besiedelt und ich fahre selten durch Dörfer wie dieses:

Dorf
Circa nach 50 km überquere ich den Fluss Adda, dem ich in der Folge bis fast zur Einmündung in den Po folge. Ein italienisches Sprichwort lautet: Il Po non sarebbe Po, se l’Adda ed il Ticin non ci mettesser co’ (= capo) („Der Po würde Po nicht sein, flössen nicht die Adda und der Tessin hinein“).

Überquerung der Adda
Auch auf dem Damm des Po gibt’s wieder einen tollen Radweg, der mich bis nach Cremona begleitet.

Radweg auf dem Po-Damm
Man sieht, dass der Po immer noch sehr viel Wasser führt, und das Wasser eine braune Brühe ist. Kurz vor Cremona sind etliche Leute daran, Wege und Stege vom Schlamm zu säubern – offenbar hat der Fluss vor kurzem noch sehr viel mehr Wasser mit sich geführt.

Am Po bei Cremona
Die heutige Etappe endet nach 105 km um viertel nach vier. Ich erreiche mein Hotel, das gleich beim eindrücklichen Dom liegt.
Wie üblich schlendere ich nach der obligaten Dusche noch ein wenig in dieser schönen Stadt herum. Leider ist das Stradivari-Museum schon zu. So begnüge ich mich mit dem Hineinschauen in einige Geigenbauer-Ateliers, die sich auf meinem Rundgang befinden. Cremona ist heute immer noch eine bekannte Geigenbauerstadt.
Am Hauptplatz setze ich mich an einen Tisch mit wunderbarer Sicht auf die Fassade des Doms und den 112 m hohen Turm (zuerst viereckig, ganz oben dann achteckig).

Cremona, Dom mit Turm
Dieser Turm soll bis ins 20. Jahrhundert der höchste Turm Italiens gewesen sein; er wurde vor über 700 Jahren erbaut. Das ist unglaublich. Auch die Fassade des Doms ist faszinierend, sie enthält Elemente aus Gotik, Romanik und Renaissance und die beiden Türmchen zur Seite sind in mittelalterlichem Stil, so lese ich auf Wikipedia.
Nach dem kleinen Ausflug geht’s wieder in Hotel zurück, wo ich das Abendessen geniesse und an meinem Blog schreibe.
Fakten Etappe 2: Monza-Cremona
Gefahrene km: 105
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.9 km/h
Bergauf: 170 m
Bergab: 290 m
Übernachtung im Albergo Duomo, Cremona
