Nach Anreise am Vortrag beginnt heute meine Herbsttour, die ich Istrien-Tour nenne, weil ich von Tarvisio startend gegen Süden fahre und in den nächsten Tagen die Istrische Halbinsel umrunden möchte.
Tarvisio liegt im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien und ist ein alpiner Kur- und Skiort auf italienischem Gebiet.

Tarvisio mit Blick auf die slowenischen Alpen
Es ist sehr kalt heute morgen, ca. 7° Grad, als ich gegen 9 Uhr losfahre. Nach wenigen Minuten erreiche ich den Bahnhof Tarvisio, wo ich auf den Ciclovia Alpe Adria gelange. Ein Schulklasse auf Ausflug hat sich ebenfalls eingefunden und lässt geduldig eine Rede ihres Lehrers über sich ergehen.

Am Bahnhof Tarvisio Città
Das Spezielle an diesem Bahnhof ist aber, dass hier keine Züge mehr fahren und es auch keine Gleise mehr hat, dafür führt hier die Fahrradroute vorbei, die auf den ehemaligen Geleisen dieser Zugsstrecke angelegt ist. – Fahrradwege auf ehemaligen Zugssstrecken sind immer sehr angenehm, da sie abseits von Strassen sind und das Gefälle oder die Steigungen sehr moderat ausfallen. So ist es auch heute.

Ciclovia alpe adria in der Nähe von Tarvisio
Ich bin froh, als ich im Sonnenschein fahren kann, so werden meine kalten Muskeln, meine kalten Hände und Beine etwas aufgewärmt. Nach kurzer Steigung fahre ich in der Folge dem Fluss Fella (Fiume Fella) entlang abwärts. Es ist landschaftlich schön hier, aber die Berge sehr schroff.

Fahrradroute entlang dem Fiume Fella
Nach ca. 1 Stunde Fahrzeit erreiche ich die ehemalige italienisch-österreichische Grenze.

Alter Grenzstein bei Pontebbia
Die Route ist sehr interessant und führt manchmal über ehemaligen Eisenbahnbrücke und -tunnels, wobei in einigen sogar die Beleuchtung mit Bewegungsmeldern eingeschaltet wird.

Überquerung einer ehemaligen Eisenbahnbrücke
Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Chiusaforte wurde in ein Café umfunktioniert. Es erscheint gerade zur rechten Zeit auf meinem Weg, denn einen wärmenden Kaffeehalt habe ich bitter nötig.

Kaffeepause in Chiusaforte
Ich trinke eine dickflüssige heisse Schokolade und esse dazu einen feinen selbstgemachten Kuchen.
Bald schon wieder fahre ich gestärkt weiter und werde kurz darauf von einem Kran aufgehalten, der den ganzen Fahrradweg versperrt. Der Kranführer ist aber sehr freundlich und rät mir das Fahrrad über die Standbeine des Krans zu heben und bietet mir sogar an, mir dabei zu helfen; das ist aber nicht nötig.

Kran im Weg
Inzwischen ist die Sonne verschwunden und der Himmel wolkenverhangen. Das Tal, das ich durchfahre «beherbergt» neben der Fahrradstrecke eine Haupstrasse und eine Autobahn, die aber nicht gross stört, da sie sich oft in Tunnels oder auf der anderen Seite des Flusses befindet.

Talwärts auf der Ciclovia alpe adria
In Venzone einem kleinen Städtchen, das von einer mittelalterlichen Stadtmauer mit Graben umgeben ist, mache ich eine weitere Pause und trinke in einem Café draussen einen Capuccino und esse dazu ein Tiramisù. Etwas gar viel Süsses heute, wie ich mit ein wenig schlechtem Gewissen feststelle.

Kaffeepause in Venzone
Nach ca. 50km erreiche ich eine Ebene und verlasse die Berge.

Landschaft bei Gemona del Friuli
Bis jetzt bin ich gut vorangekommen am heutigen Tag, aber ca. 25 km vor dem Etappenziel Udine gerate ich auf Feldwege und ich frage mich, ob ich hier noch auf dem Ciclovia Alpe Adria bin.

Auf einem Feldweg im Naturschutzgebiet
Ca. 15 km fahre auf diesen Feldwegen – landschaftlich zwar schön, aber ich komme kaum mehr vorwärts. Als ich die holprigen Weg endlich hinter mir lassen kann, bin ich schon in den Vororten von Udine angelangt und rasch im Zentrum dieser grösseren Stadt, wo mir ein schönes Gebäude ins Auge springt. Es ist die Loggia del Lionello, das 1448-1457 im Stil der venezianischen Gotik mit offener Loggia im Parterre erbaut wurde.

Loggia del Lionello, Udine
Auch die Piazza Libertà mit Loggia die San Giovanni und Castello, welches etwas erhöht über der Stadt trohnt, können sich sehen lassen

Auf der Piazza Libertà.
Damit ist meine Stadtbesichtigung aber schon mehr oder weniger zu Ende und ich fahre zu meinem Hotel, das etwas ausserhalb des Stadtzentrums liegt.
Leider ist das hoteleigene Restaurant geschlossen, so dass ich mich nochmals zu Fuss ins Zentrum aufmache, wo ich eine kleines, süsses Café finde, wo ich etwas Warmes essen kann. Beim Essen habe ich das Vergnügen, einem junge Mann zuzuhören, der am Piano einige Songs zum Besten gibt. Es ist aber mehr ein Üben als ein Vorspielen, so dass die Unterhaltung eher etwas nervt.

In einem Café in Udine
Natürlich darf ein Café Corretto nicht fehlen nach den ganz ordentlichen penne amatriciana.

Café Corretto
Nach diesem kurzen Ausflug setze ich mich noch in die Hotelhalle und trinke ein Bier und kriege dabei mit, wie es im Hintergrund ein Gezeter gibt zwischen Hotelbesitzerin und Handwerkern, die eine Tür reparieren sollten. Worüber die beiden Parteien aber genau streiten, finde ich mit meinen eher bescheidenen Italienisch-Kenntnissen nicht heraus.

Im Hotel San Giorgio, Udine
So neigt sich der gelungene erste Tourentag dem Ende entgegen – aber halt! Ich muss ja noch den Blog schreiben.
Fakten Day 1: Tarvisio-Udine
Gefahrene Strecke: 102 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17.0 Km/h
Bergauf: 350 m
Bergab: 950 M
Übernachtung im Hotel San Giorgio

Lieber Benni,
wir wünschen dir eine gute unfallfreie Fahrt mit viel Sonnenschein durch Istrien.
Herzliche Grüsse
Elsbeth und Fritz
LikeLike