Heute bin ich etwas früher dran als sonst, denn das Frühstück gibt es in diesem mondänen Hotel schon ab 06.30 Uhr. Das Hotel ist für mich einfachen Fahrradtourenfahrer natürlich viel zu nobel und so geniere ich mich ein wenig mit der Fahrradbekleidung am Frühstück zu erscheinen. Ich ziehe stattdessen «normalen» Kleider an, um nicht aufzufallen.
Wieder unterwegs gelange ich bald an den Neckar. Dabei geniesse ich die morgendliche Ruhe und Frische.

Fahrradroute bei Bad Wimpfen
Nach ca. 20 km stehe ich vor einem etwas unerwarteten Problem: Baumaschinen versperren den ganzen Weg und ich sehe, wie mir entgegenkommende Fahrradfahrer sich fluchend ein Wiesenbord hochkämpfen.

Bauarbeiten an der Fahrradroute
Irgendwie schaffe auch ich es, am Hindernis vorbeizukommen. Nach dieser etwas ärgerlichen Episode, wäre ein erster Kaffeehalt angesagt, aber es gibt auf diesem Abschnitt nur wenig grössere Ortschaften, so dass ich mich gedulden muss, bis ich endlich in Neckargerach eine Bäckerei mit «Steh-Kaffee» entdecke.

Kaffee und Kuchen in der Bäckerei Zumtobel, Neckargerach
Der Rhabarberkuchen schmeckt ausgezeichnet und ich muss mich beherrschen, dass ich nicht noch ein zweites Stück bestelle. Überrascht bin ich, als es ans Zahlen geht; die Dame hinter der Theke verlangt für Kaffee, Kuchen, eine Flasche Mineralwasser und ein Rosinenbrötchen sage und schreibe nur 6 Euro 60.
Wenig später überquere ich wieder einmal den Neckar und habe dabei eine schöne Aussicht auf Zwingenberg mit seinem Schloss.

Zwingenberg
Überhaupt säumen hier viele Burgen, Burgruinen und Schlösser den Weg – und es würde den Rahmen sprengen, alle zu fotografieren und zu dokumentieren
Der kommende Abschnitt durch den Wald ist wunderbar, nur ist der Weg etwas holprig, so dass ich nur noch sehr langsam vorankomme. Dabei kitzelt immer wieder ein intensiver Duft meine Nase. Von welcher Pflanze stammt der Duft? (das heutige Rätsel).

Fahrradroute dem Neckar entlang
Die Pflanze, die hier en masse vorkommt, ist sogar Thema auf einigen Schautafeln am Wegrand. Etwas später fahre ich an weiteren Schautafeln vorbei, die diesmal über den historischen Sandstein-Abbau informieren, der prägend für diese Region war.
Offenbar wird dieser rötliche Sandstein immer noch abgebaut, wie ich wenig später auf der anderen Talseite beobachten kann.

Sandstein-Abbau bei Hirschhorn
Gerade als ich das schöne Städtchen Hirschhorn auf der gegenüberliegenden Seite fotografieren möchte, fährt ein Lastschiff, das Metallschrott geladen hat ins Bild. Eine interessante Kombination!

Hirschhorn und Schiff mit Metallschrott
Der heutige Tag ist wunderbar zum Fahrradfahren. Die Sonne scheint zumeist, es ist etwa 20° Grad warm und es hat kaum Wind; das sind wirklich optimale Verhältnisse.

Im Naturpark Neckartal-Odenwald
Nun ist es nicht mehr weit und schon bald stehe ich vor den Stadttoren von Heidelberg, meinem heutigen Etappenziel.

Ankunft in Heidelberg
Mein Hotel befindet sich in der belebten Altstadt unweit der alten Brücke.

Steingasse mit dem Hotel-Restaurant Hackteufel
Das Nachmittags-Nickerchen halte ich diesmal kurz, ich möchte genügend Zeit haben für die Besichtigung dieser aussergewöhnlich schönen Stadt. So ziehe ich bald los und trete als erstes in die Heiliggeistkirche am Marktplatz.

Innenraum der Heiliggeistkirche, Heidelberg
Darauf schlendere ich längere Zeit der verkehrsfreien Hauptstrasse entlang. Sie scheint unendlich zu sein und später lese ich, dass dies die längste verkehrsfreie Innenstadt Deutschlands sei, also hat mich mein Eindruck nicht getäuscht.

Hauptstrasse von Heidelberg
Für einen Montag sind erstaunlich viele Leute unterwegs. Wie wird das wohl in der Ferienzeit im Sommer sein?
Als ich aus einer Seitengasse Musik höre, zieht es mich dorthin. Eine jüngere Jazzsängerin singt Lieder und begleitet sich selbst auf der Gitarre. Ich höre eine Zeitlang zu und lausche gespannt ihren manchmal witzigen Erklärungen zu ihren Songs.

Konzert von LUVA
Die Songs, die sie (Laura Volk alias Luva) selbst geschrieben hat, gefallen mir gut – später lese ich, dass ihr Stil als «melancholischen Pop mit Jazzeinflüssen beschrieben» wird. Hier ein Beispiel:
Wieder zurück im Hotel, nehme ich dort das Nachtessen ein. Für einmal bestelle ich etwas Einfaches: Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat.
In der gemütlichen Gaststube fallen mir die Lampen ins Auge: Alle sind mit echten Musikinstrumenten verziert.

Gaststube Hotel Hackteufel, Heidelberg
Nach dem Nachtessen ist es noch zu früh, mich ins Zimmer zurückzuziehen – so beschliesse ich, zum Heidelberger Schloss hochzusteigen, wo ich mit einer herrlichen Aussicht auf die Stadt belohnt werde.

Aussicht vom Heidelberger Schloss
Als ich im öffentlich zugänglichen Park noch etwas herumschlendere, erblicke ich den «gesprengten Turm», dessen Anblick offenbar romantische Künstler und auch Goethe inspirierte.

Motiv der Romantik: «Der gesprengte Turm»
Nach diesem Ausflug kehre ich mit vielen Eindrücken ins Hotel zurück, wo ich noch meinen Blogeintrag über diesen schönen Tag schreibe.
Fakten Etappe 4: Bad Wimpfen – Heidelberg
Gefahrene Strecke: 77 km
Fahrzeit: 5 Std. 26
Durchschnittsgeschw.: 14.2 km/h
bergauf: 400 m
bergab: 480 m
Übernachtung im Hotel Hackteufel, Heidelberg

PS: Auflösung Rätsel Etappe 3: Ich habe das Fahrrad hochgehoben (über meinem Kopf) und über die parkierten Autos hinweggetragen.