Heute ist es grau und trüb, als ich aus dem Hotelfenster schaue. Ich beeile mich beim Frühstück und beim Packen, denn ich habe eine längere Etappe vor mir. Doch als ich um halb neun mein Velo aus dem Fahrradschuppen holen möchte, stehe ich vor einem unerwarteten Problem. Er ist so mit parkierten Autos zugestellt, dass ich das Fahrrad nicht aus diesem Gefängnis herausschieben kann. Insbesondere ärgert mich der weisse Riesen-BMW mit ZH-Kontrollschild, der vor dem Schuppen parkiert hat, obwohl hier kein Parkfeld markiert ist.

Zuparkierter Fahrradschuppen
Ich finde dann aber doch eine Lösung, wie ich das Fahrrad aus diesem «Gefängnis» herausbringe. Wie habe ich das gemacht? (Das heutige Rätsel)
Glücklicherweise bleibt dieses kleine Ungemach das einzige auf meiner heutigen Etappe.
Es ist etwa 10° Grad kühl und immer noch grau, als ich um 08.40 Uhr losfahre. Bald gelange ich wieder auf den Neckarradweg und bin froh, dass mir meine App im Strassengewirr um Stuttgart herum den Weg weist. Ohne die Hilfe dieser App hätte ich hier wohl nicht immer den richtigen Weg gefunden.

Fahrradweg im Industriegebiet bei Stuttgart
Ich glaube, ich fahre in der Folge an den Mercedes-Benz-Werken vorbei, denn der Stern an einem grossen modernen Fabrikgebäude ist unübersehbar.
Nach ca. 30km mache ich einen Abstecher nach Marbach, welches auf der gegenüberliegenden Neckar-Seite liegt. Auf einem Schild lese ich, dass Marbach die Schiller-Stadt genannt wird, weil Friedrich Schiller hier geboren wurde und man hier sein Geburtshaus und ein ihm gewidmetes Museum besichtigen kann. Mir ist der Sinn aber eher nach einem Café; die Suche danach verläuft zuerst aber etwas enttäuschend – erst als ich schon aufgeben will, erblicke ich ein Gelateria-Café, welches von einem Italiener aus Salerno betrieben wird.

Kaffeehalt in Marbach am Necker
Es ist aber nicht viel los in diesem an und für sich schmucken Kleinstädtchen, weshalb ich bald wieder weiterfahre.
In der Folge merke ich, dass 2 Velofahrer längere Zeit hinter mir her fahren und der eine davon mich irgendwann etwas ungeduldig überholt, und der andere, eine Frau, hartnäckig weiter hinter mir herfährt. Irgendwann spricht sie mich an und sagt, dass mein Tempo perfekt für sie sei und ihr Mann für ihre Verhältnisse immer ein wenig zu schnell fahre. Als ich mich ein paar Kilometer später «ausklinke», weil ich Mittagspause machen möchte, bedankt sie sich für mein Voranfahren und wünscht mir weiterhin ein gute Reise. Fast hätte ich ihr gesagt, dass sie nächstes Mal besser mit mir eine Fahrradtour machen sollte, aber da war sie schon weg.

Mittagspause bei Mundelsheim
Die Region hier erinnert mich ein wenig an die Mosel-Region, denn auch hier säumen steile Rebberge das Flussufer.
Mein nächster Abstecher auf meiner Weiterfahrt ist Besigheim. Das ist ein unglaublich schönes, kleines und fast schon kitschig anmutendes Städtchen, welche auf einem Hügel in einer Neckar-Flussschlaufe gelegen ist.

Besigheim
Das Wetter ist nun wieder besser. Plötzlich zeigt sich der blaue Himmel und es ist spürbar wärmer, so dass ich meine Jacke ausziehen kann.

Auf dem Neckartal-Radweg bei Besigheim
Der Neckar ist nun zu einem erstaunlich breiten Fluss angewachsen, der auch dank der vielen Staufstufen und Schleusenanlagen für die Schiffahrt genutzt wird. Als ich wieder einmal den Neckar überquere, werde ich Zeuge von einer Schleusenquerung eines grossen Lastkahnes.

Schleuse in der Nähe von Heilbronn
Von der Stadt Heilbronn sehe ich nicht viel; sie liegt wohl etwas weiter vom Neckar entfernt. Immerhin lässt aber das grosse Industriegebiet erahnen, dass ich in der Nähe einer grösseren Stadt bin.

Industriegebiet bei Heilbronn
Nach rund 100 km erblicke ich mein Etappenziel Bad Wimpfen. Diese Stadt liegt etwas erhöht am Ufer des Neckars und wird vom einem hohen mittelalterlichen Turm überragt.

Blick auf Bad Wimpfen
Mein Hotel liegt am Rande der Altstadt und gehört zur «nobleren Sorte», wie ich bald bemerke. Mein Zimmer ist gross und luxuriös eingerichtet. Nur schon die Dusche lässt mich staunen:

Dusche in meinem Zimmer, Hotel Neues Tor, Bad Wimpfen
Auch der Fernseher hat es in sich; zuerst suche ich ihn vergeblich, dann lese ich, dass er im grossen Spiegel vis-à-vis des Betts integriert ist.

Spiegel-Fernseher
Ich bin übrigens auch mal wieder im Bild. Wer findet mich? Am Fernseher läuft gerade eine Sendung, welche die Musikerziehung in Schweden zum Thema hat – sehr interessant. Die wichtigste Erkenntnis dabei: Es ist absolut entscheidend, möglichst früh mit den Kindern zu musizieren und zu singen zu beginnen und dies während der ganzen Schulzeit beizubehalten. Da bin ich als Musikpädagoge komplett gleicher Meinung.
Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, noch einen kleinen Rundgang im Städtchen zu machen. Sehr langsam bummle ich durch die Strassen, denn meine Beine sind ziemlich müde. Beeindruckend sind die vielen schönen Fachwerkhäuser, die das Stadtbild prägen.

Bad Wimpfen
Das Nachtessen nehme ich im Hotel ein. Die Ambiance, das Essen und die Bedienung begeistern mich. Ich fühle mich sehr wohl und werde von einer Armada von freundlichen und sympathischen Bediensteten sehr aufmerksam umsorgt – das ist aussergewöhnlich.

Dessert im Hotel Neues Tor, Bad Wimpfen
Ein schöner Tag neigt sich dem Ende entgegen. Ich ziehe mich in mein Zimmer zurück, wo ich meinen Blogeintrag fertig schreibe.
Fakten Etappe 3: Esslingen a. Neckar – Bad Wimpfen
Gefahrene Strecke: 100 km
Fahrzeit: 6 Std. 16
Durchschnittsgeschw.: 15.9 km/h
bergauf: 390 m
bergab: 440 m
Übernachtung im Hotel Neues Tor, Bad Wimpfen
PS: Auflösung Rätsel Etappe 2: Humoreske von Antonín Dvořák
