Ursprünglich hatte ich geplant, meine Tour in Strassburg zu beenden. Da das unglaublich warme und schöne Herbstwetter aber weiterhin anhält, habe ich mich entschieden, einen Tag anzuhängen und die Tour bis Colmar zu verlängern.
Der Himmer ist strahlend blau, als ich um halb neun aufbreche und ein Stückchen der Ill entlangfahre. Das ist der Fluss, der die Altstadt von Strassburg auf der südlichen Seite umschliesst.

Strassburg, an der Ill
Strassburg ist auch eine Velostadt. Es ist erstaunlich, wieviele Velofahrer in die Stadt strömen. Nur wenige – wie ich – fahren aus der Stadt heraus. Bald schon komme ich an den Rhin-Rhône-Kanal, dem ich auf schönem Fahrradweg längere Zeit folge. Es ist ein leuchtend strahlender Morgen, ganz nach meinem Sinn.

dem Rhin-Rhône-Kanal entlang
Nach ca. 25 km verlasse ich den Kanal und fahre in südwestlicher Richtung weiter. Bald schon erblicke ich die Hügelkette der Vogesen.

Bei Erstein
In der Folge durchquere ich immer wieder Dörfer, welche zumeist ganz ansehnlich sind, wie z.B. Benfeld.

Benfeld
Es ist ein Tag zum Geniessen heute.

Wunderbare Landschaft bei Benfeld
Meist ist wenig los in diesen Dörfern, Cafés sind weit und breit nicht in Sicht, dafür entdecke ich in einem weiteren Dorf ein schönes Rathaus, auf französisch «la mairie».

Mairie, Ebersheim?
Genau in der Mitte der heutigen Etappe steht ein herziges Kappellchen, welches mich dazu einlädt, eine Pause zu machen.

Pause bei der Chappelle de la Feldlach
Einzigartig sollen die beiden Hundekopf-Wasserspeier (les deux gargouilles) sein für diese Art von Kappellen im Elsass lese ich auf der kleinen Infotafel.
Nach der kleinen Rast geht’s weiter Richtung Vogesen. Dabei erregt ein Feld zu meiner Rechten meine Aufmerksamkeit. Errät ihr die Pflanze, die hier kultiviert wird?

???felder bei Sélestat
Richtig, es ist ein Tabakfeld. Dies erinnert mich an meinen Frankreichaufenthalt vor über 30 Jahren. Damals war ich einen Sommer lang bei einem Bauern in der Bretagne und half unter anderem bei der Tabakpflege und -ernte, eine bleibende Erinnerung.
Bei Scherwiller erreiche ich die véloroute du vignoble (Weinbergfahrradweg). Das ist ein toller Fahrradweg den Weinbergen entlang. Immer wieder führt er durch schöne Dörfer wie z.B. Scherwiller.

Schwerwiller
In nächsten Weinbergdorf, Châtenois macht sich bei mir ein Hüngerchen bemerkbar. Da kommt das Restaurant mit Gartenterrasse direkt am Weg wie gerufen.
Für einmal leiste ich mir ein schönes Stück Fleisch, ein «Entrecôte Simmental» mit Pommes und Salat. Das Fleisch stammt aber lustigerweise aus Österreich, also von einem österreichischen Simmentalerrind. Es schmeckt trotzdem ausgezeichnet.

Mittagessen in Châtenois
Nach dem üppigen Mahl mache ich mich – nun in Sommermontur – wieder auf den Weg. Es ist nicht mehr weit bis Colmar, so nehme ich es ziemlich gemütlich.
Nach ca. einer Viertelstunde glaube ich die Hohkönigsburg zu erblicken auf einem Hügel zu meiner Rechten. Das ist ein ziemlich absurdes Bauwerk, denn es ist eine anfangs des 20. Jahrhunderts mittelalterlich nachrekonstruierte Burg, die mit jährlich über 500’000 Besuchern aber ein grosser Touristenmagnet ist.

Hohkönigsburg bei Orschwiller (im Hintergrund auf dem Hügel)
Gegen halb vier erreiche ich mein Etappenziel Colmar. Das ist eine schöne Stadt, an deren Häusern man sich kaum sattsehen kann.

Altstadt von Colmar
Ich fahre mit dem Velo langsam in dieser ausserordentlich sehenswerten Stadt herum und lasse mich schliesslich in einem Bistro mit Blick auf das Seitenportal der Kathedrale nieder.

Kühles Bier im Schatten bei der Kathedrale Colmar
Somit findet die letzte Etappe einer wunderbaren Tour ihren Abschluss. So optimale gleichbleibende Wetterverhältnisse hatte ich noch nie; auch die Tour selbst war sehr schön, ich kann sie uneingeschränkt weiterempfehlen.
PS: Die Heimreise nach Zürich im Anschluss an diese Etappe gestaltet sich zum Glück völlig problemlos.
Fakten Etappe 4: Strassburg – Colmar
Gefahrene Strecke: 80 km
Fahrzeit: 5 Std. 3
Durchschnittsgeschw.: 15.8 km/h
