Nach erholsamem, tiefem Schlaf und gediegenem Frühstück bin ich um halb neun wieder auf dem Rad und nehme Kurs auf Basel. Es ist wieder merklich frisch, aber dank Stirnband, Handschuhen, Skisocken und Odlo-Jacke friere ich nicht und kann den kühlen Morgen geniessen. Die Radroute ist gut signalisiert und so komme ich flott vorwärts und bin schon bald in Rheinfelden, wo einige Fabriken angesiedelt sind.

Fahrradroute bei Rheinfelden
Nach ca. 30 Kilometern passiere ich die Grenze und bin nun wieder in der Schweiz. Schon von weitem sind die Hoffmann-la-Roche Türme zu sehen, das neue Wahrzeichen von Basel.

Vor Basel
In der Folge führt meine Veloroute auf der rechten Rheinseite durch Kleinbasel. Von hier habe ich einen guten Blick auf die andere Seite mit dem Basler Münster.

Basel, mit Münster
Eigentlich wäre ich jetzt reif für einen Kaffee, aber leider entdecke ich kein Café auf meinem Weg durch Basel. So fahre ich halt weiter.
In Kleinhüningen merke ich, dass eine E-Bikerin in meinem Alter (also nicht mehr ganz jung) an meinem Hinterrad klebt. Bei einem Lichtsignal-Halt fragt sie mich auf Berndeutsch nach dem Weg zum Rheinradweg. Sie hat keine app wie ich und wirkt ein bisschen verloren. So lade ich sie ein mir zu folgen. Sie ist froh, als wir schliesslich ans Rheinufer gelangen.

Am Rheinradweg in der Nähe von Basel
Als ich einen kurzen Fotohalt mache, fährt sie mit ihrem E-Bike weiter und ich sehe sie in der Folge nicht mehr. Der Radweg entlang dem Rhein ist wunderbar und obwohl es eine Naturstrasse ist, komme ich gut vorwärts.

Rheinradweg bei Istein
Nicht erwartet hatte ich, dass der Rhein hier richtig fliesst und es sogar kleine Flussschnellen hat. Auf der Karte entdecke ich abends, dass es hier neben dem natürlichen offenbar einen zweiten, kanalisierten Teil des Rheins gibt.
Nachdem ich schon fast 60 km gefahren bin, mache ich um die Mittagszeit in Bad Bellingen meine erste grössere Pause. Ich setze mich in einer «Pizzeria» an einen Tisch auf einer schattigen Gartenterrasse. Da ich aber noch viel Verpflegung bei mir habe, bestelle ich nur einen kleinen gemischten Salat.
In der Folge werde ich Zeuge eine lustigen Begebenheit mit Berner Beteiligung – der heutige Tag scheint ein Berner Tag zu sein: Ein älterer Herr, der aus einem Auto mit Berner Kennzeichen gestiegen ist, steuert auf die beiden Herren am Nebentisch zu und fragt sie auf Berner Dialekt, ob sie wüssten wo das Haus Schmidt sei, wahrscheinlich seine Ferienunterkunft. Die beiden, die schon tüchtig Bier getrunken haben und wohl Serben oder Kroaten sind, verstehen nur noch Bahnhof, wollen aber trotzdem helfen. Das ganze Unterfangen scheitert aber schon am Buchstabieren des Namens Schmidt …

Wo ist das Haus Schmidt?
Nach dieser lustigen Episode mache ich mich wieder auf den Weg. Ich verlasse nun den Rhein, denn Freiburg liegt etwas vom Rhein entfernt. Der Fahrradweg folgt nun meist der Bundesstrasse Richtung Freiburg. Ich bin nun im Marktgräfler-Land, welches durch seinen Wein bekannt ist. Als ich an einer einer kleinen Obstplantage vorbeifahre, entdecke ich Zwetschgen auf einigen Bäumen. Ich stibitze einige davon, da diese wohl nicht mehr geerntet werden, denn die meisten liegen schon am Boden.

Zwetschgenpause
Der Himmel hat sich inzwischen überzogen, was mich aber nicht stört, da es wieder sommerlich warm geworden ist und ich so nicht Gefahr laufe, einen Sonnenbrand zu bekommen.

Kürbisfeld in der Nähe von Bad Krozingen
Da ich auf dem letzten Stück von Rückenwind profitiere bin ich schon gegen 4 Uhr in Freiburg. Die perfekt markierten Fahrradstreifen führen mich problemlos ins Zentrum dieser grösseren Stadt. Kurz vor meinem Ziel fahre ich einen kurzes Stück entlang der Dreisam:

Fahrradweg an der Dreisam
Lustigerweise gibt’s in Freiburg – wie in meiner Heimatstadt Schaffhausen – ein Schwabentor. Aber hier wird wohl nicht der Spruch «Lappi, tue d’Auge uf» stehen wie in Schaffhausen.

Schwabentor, Freiburg
Kurz darauf erreiche ich mein Hotel, welches neben dem Münster von Freiburg liegt und schon seit über 250 Jahren besteht.

Zimmer im Boutiquehotel Oberkirch, Freiburg
Da ich Freiburg schon etwas kenne, verichte ich auf Erkundungstouren und begebe mich schon früh ins hoteleigene Restaurant direkt vor dem Münster. Dort schreibe ich beim Apéro an meinem Blog, plaudere mit holländischen Tischnachbarn, die wissen wollen, worüber ich schreibe und geniesse nachher ein feines Abendessen.

Nachtessen in Oberkirchs Weinstuben
Ich geniesse die tolle Ambiance und den angenehm warmen Abend. Es ist unglaublich, dass man am 9. Oktober abends gemütlich draussen sitzen kann ohne zu frösteln.
So neigt sich ein schöner Tourentag dem Ende zu.
Fakten Etappe 2: Bad Säckingen – Freiburg i. Br.
Gefahrene Strecke: 100 km
Fahrzeit: 5 Std. 44
Durchschnittsgeschw.: 17.4 km/h
Übernachtung im Boutiquehotel Oberkirch, Freiburg i. Br.
