Als ich um halb acht beim Frühstück bin, treffe ich wieder die beiden Amerikaner, die ich noch am Vorabend gleich nach dem Blogschreiben auf der schönen Terrasse kennenlernte. Sie sind eine Art «Missionare» und wollen hier in Litomerice das Evangelium an den Mann, resp. die Frau bringen, «share the Gospel» wie sie sagen. Natürlich hatten sie mich auch in ein Gespräch verwickelt, das ich als nicht sehr angenehm empfand.
Für einmal ist der Himmel grau, als ich wenig später aufbreche. Das macht aber nichts, solange es nicht regnet.

morgendliches Litomerice
Meine app führt mich wieder zur Moldau, und ich bin sehr froh, dass es nun meist auf qualitativ guten Strassenbelägen diesem Fluss entlang geht. Ich starte wie der Blitz, denn ich möchte trotz langer Etappe zeitig in Dresden sein. So erreiche ich schon bald die nächste grössere Stadt Ústí nad Labem, die sich aber grosstenteils auf der anderen Flussseite befindet.

Blick auf Ústí nad Labem
Nach dieser Stadt folgt ein besonders schöner Abschnitt, auf dem ich weiterhin gut vorankomme.

Fahrradroute an der Moldau
Erst nach knapp 3 Stunden Fahrzeit mache ich in Děčín eine erste Pause. Kurz vor dieser grösseren Stadt erblicke ich ein Märchenschloss auf einem Felsvorsprung.

Märchenschloss bei Děčín
In diesem Ort finde ich auch ein Café mit wunderbaren Torten.

Kaffeehalt in Děčín
In der Folge geht es weiter auf dem tollen Elbradweg. Nach ca. 60 km komme ich an die Grenze zu Deutschland.

Grenze Tschechei-Deutschland
Immer wieder begegne ich einem älteren deutschen Radfahrer mit E-Bike, mit dem ich jeweils ein paar Worte wechsle. Er meint, dass die Schweizer die grössten Banditen seien. Der Ruf der Schweiz hat offenbar sehr gelitten in letzter Zeit und ich verstehe ganz gut, weshalb.
Ich befinde mich nun in der sächsischen Schweiz, die durch bizarre Felsformationen bekannt ist. Einige davon befinden sich gleich in der Nähe der Elbe.

Felsformationen in der sächsischen Schweiz
Es ist sehr schön in diesem Abschnitt und es sind viele Fahrradfahrer unterwegs. Auf der Gegenseite erblicke ich den Ort Bad Schandau; schade, dass er sich nicht auf meiner Seite befindet, denn eine weitere Pause wäre nun wieder langsam fällig.

Bad Schandau
Ein wenig weiter, in Königstein, mache ich wieder einen Halt. Eigentlich sollte ich jetzt etwas Rechtes essen, aber das Eis mit Erdbeeren ist zu verlockend!

Kaffeehalt in Königstein
Ich komme weiterhin schnell vorwärts; nun habe ich sogar spürbare Windunterstützung. So macht Fahrradfahren Spass! Schon bald bin ich in Pirna, eine grössere Stadt vor Dresden, welche ich mir kurz ansehe.

Pirna
Auf den letzten 20 km sind extrem viele Fahrradfahrer unterwegs. Es ist aber auch sehr schön, der Elbe entlangzufahren.

An der Elbe, in der Nähe von Dresden
Mit etwas Stolz konstatiere ich, dass ich sogar einige E-Bike-Fahrer überhole – ich habe wirklich einen Lauf heute! Gegen viertel vor vier erreiche ich Dresden.

Ankunft in Dresden
Ich staune, wie locker ich die 120 km heute geschafft habe; bestimmt haben die ebenen und guten Fahrradstrassen sowie der Wind, der mich unterstützte, dazu beigetragen.
Mein gediegenes Hotel liegt im Zentrum gleich neben der Frauenkirche – ich checke ein, dusche, mache eine kurze Siesta und finde nachher ein Restaurant, wo ich heute endlich mal was Richtiges esse. Die Aussicht von meinem Platz ist phänomenal:

Abendessen bei der Frauenkirche
Ich muss mich ein wenig sputen, denn ich werde noch ein Konzert im Kulturpalast Dresden besuchen, wo das Junge Sinfonieorchester Dresden auftritt.

Konzert im Kulturpalast Dresden
Es ist beeindruckend, wie die jungen Musiker auf hohem Niveau musizieren. Es freut mich, dass auch weniger gehörte Werke zur Aufführung kommen. So endet der heutige Tag mit Elgar (Enigma-Variationen) und weiteren spannenden Werken von wenig bekannten Komponisten.
Fakten Etappe 7: Litoměřice-Dresden
Gefahrene Kilometer: 119 km
reine Fahrzeit: 6 Std. 29
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18.3 km/h (wow!)
Übernachtung im Hotel Suitess, Dresden
