D5 Latisana-Trieste (Mailand-Trieste-Tour)

Der heutige Tag beginnt besser als die vorangegangen, denn es scheint erstmals die Sonne. Nach guter Nacht und etwas mittelmässigem Frühstück im Hotel Bella Venezia mache ich mich startbereit.
Gleichzeitig mit mir bricht ein Paar in meinem Alter ebenfalls zur einer Fahrradetappe auf. Ich spreche die beiden an und erfahre, dass sie aus Australien kommen und eine 10-wöchige Bike-Tour von Rom nach Dubrovnik machen. Respekt! Da kann ich mit meiner kleinen 5-tägigen Tour nicht mithalten.

Latisana ist keine grosse Stadt, so bin ich bald im Grünen freue mich über das gute Wetter und die Fahrradroute abseits vom grossen Verkehr.

Fahrradroute in der Nähe von Latisana

Nach ca. 20 km erblicke ich einen Mann, der gerade neben der Strasse mit einem Hochdruckreiniger ein kleines Brückchen reinigt, das zu seinem Haus führt. Der kommt wie gerufen, denke ich, halte an und frage ihn, ob er vielleicht mein Fahrrad reinigen könnte. Natürlich frage ich ganz nett und kratze mein liebenswürdigstes Italienisch zusammen. Da kann er nicht nein sagen. Nachdem ich meine Satteltaschen abgenommen habe, stellt er das Fahrrad auf die Strasse und und „behandelt“ es mit seinem Hochdruckreiniger, dass es eine Freude ist.

Ein italienischer Engel, der mir mein verdrecktes Fahrrad reinigt

Nach ca. 10 Minuten ist er fertig und mein Fahrrad wieder wie neu. Auf allen meinen weit über 100 Etappentagen war mir bestimmt noch nie ein Mensch mit Hochdruckreiniger begegnet und ausgerechnet als ich einen brauche, steht ein solcher an der Strasse und erfüllt meinen Wunsch. Das nennt man Fügung!

Meine Freude erleidet aber bald schon einen kleinen Dämpfer, denn die Teerstrasse geht zuerst in einen Kiesweg über und dann folgt ein Single-Trail. War die ganze Putzübung vergebens?

Single-Trail auf dem Weg nach Carlino

Nein, es ist hier zwar auch immer noch ein bisschen matschig, aber mein Fahrrad bleibt doch größtenteils sauber.
Bald darauf komme ich in eine kleinere Ortschaft, wo ich Getränke kaufen möchte.

Carlino

Da ich aber nicht fündig werde, fahre ich weiter und mache einen nächsten Versuch in der Ortschaft Torviscosa, wo ich eine Bar finde, wo ältere Männer herumsitzen und -stehen und miteinander quatschen.

Halt in Torviscosa

Hier begegne ich wieder den beiden Australiern, die heute bis nach Grado fahren wollen. Eigentlich war der Besuch der sagenumwobenen Lagunenstadt Grado auch auf meinem Plan; da ich aber gestern umplanen musste und nicht so weit gekommen bin wie vorgesehen, muss ich leider darauf verzichten.

Dafür nehme ich mir heute Zeit für ein Mittagessen in einem Restaurant, denn am Vorabend gab’s nur Bier und Darvidas. Die Pizzeria mit Gartenterasse, die ich um halb zwölf Uhr erblicke, taucht gerade zur rechten Zeit auf.

Mittagessen in der Nähe von Cervignano del Friuli

Ich werde schnell und freundlich von einer Armada von Kellnern bedient. Zuerst bin ich alleine, aber mit der Zeit ist fast die ganze Terrasse gefüllt. Das Essen, ein gemischter Salat und Penne al Ragu, ist ausgezeichnet und so verlasse ich gut gelaunt den Ort der Speise.

Auf meinem weiteren Weg erregen ein paar römisch aussehende Säulen bei Aquileia meine Aufmerksamkeit:

Forum Romanum, Aquileia

In der Folge gelange ich zum Fluss Isonzo und überquere ihn bevor ich rechts an sein linkes Ufer abbiege.

Isonzo, in der Nähe von Aquileia

Die Route diesem Fluss entlang ist wunderbar, nur leider etwas kurz.

Fahrradroute dem Isonzo entlang

Schon bald gelange ich an einen Damm. Was wohl dahinter steckt? Ich steig hinauf und bin überwältigt vom Blick.

Blick auf das Meer, in der Nähe von Monfalcone

Ich bin nun an der Adria angekommen und habe von diesem Punkt eine wunderbare Aussicht. Schräg gegenüber glaube ich mein Etappenziel Trieste zu erkennen. Jetzt muss ich nur noch rundherum dem Ufer entlangfahren, um diese Stadt zu erreichen.

Die nächste grössere Ortschaft, die ich durchfahre, ist Monfalcone. Dies scheint eine Schiffsbaustadt zu sein, denn es gibt hier grosse Werften und etwas entfernt sehe ich zwei riesige Kreuzfahrtschiffe, die im Bau sind,

Hafen und Werft von Monfalcone

An dieser Stelle verlasse ich das Ufer und es geht ein wenig ins Landesinnere. Die Route steigt nun auch ziemlich an, als ich der Hauptstrasse entlang Richtung Trieste entgegenfahre. Aber oben angekommen eröffnet sich mir ein wunderbarer Blick auf das leuchtend blaue Meer.

Fahrradroute, ca. 20 km vor Trieste

Ich geniesse den nun folgenden Abschnitt mit dem tollen Ausblick. Ausserdem geht’s meist leicht abwärts und die Strasse ist so breit, dass mich die Autos nicht stark stören.

Wieder auf Meereshöhe angekommen erwartet mich eine schön angelegte breite Promenade.

Promenade am Meer bei Trieste

Ganz problemlos erreiche ich mein Hotel aber nicht, Bei einer Baustelle beim alten Hafen ist kein Durchkommen und ich muss wieder umkehren.

Bauarbeiten im Hafenarreal

Schliesslich erreiche ich gegen halb fünf das Zentrum, wo sich mein Hotel befindet.

Trieste

Dort werde ich von zwei sympathischen und netten jungen Frauen empfangen, die gut Deutsch sprechen und mir alle Wünsche von den Lippen lesen. So kann ich schnell mein schickes Zimmer beziehen und mir eine wohlverdiente Dusche gönnen.

Schickes Zimmer im Urban Hotel Design

Nachdem ich mich ein bisschen erholt habe, mache ich mich auf, die Altstadt von Trieste zu erkunden. In einer Hauptgasse entdecke ich ein vielversprechendes Restaurant mit freien Plätzen. Ich darf mich hinsetzen, geniesse zuerst einen Aperitif und schreibe dazu ein wenig an meinem Blog. Später bestelle ich zur Feier der erfolgreich abgeschlossenen Tour ein liebevoll präsentiertes Menu.

Nachtessen in Trieste

Der nachfolgende Spaziergang führt mich noch durch andere Teile dieser äusserst sehenswerten Stadt.

Piazza dell‘ Unita D’Italia mit Palazzo del Governo (links)

Mit einem Blick auf den Sonnenuntergang am Meer beende ich meinen Rundgang und schlendere danach zufrieden ins Hotel zurück, wo ich meinen Blog fertigschreibe.

Sonnenuntergang in Trieste

Die nicht ganz so einfache Tour endet somit versöhnlich mit einer sehr schönen Etappe und perfektem Wetter. Das macht Lust auf mehr!

Fakten Etappe 5: Latisana-Trieste
Gefahrene Strecke: 101 km
Durchschnittsgeschw. 15.4 km/h
Übernachtung im Urban Hotel Design, Trieste

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