D3 San Bonifazio-Treviso (Mailand-Trieste-Tour)

Am heutigen Tag ist die Wetterprognose nicht gut, d.h. ich muss viel Regen erwarten. Schon als ich losfahren möchte, regnet es leicht und ich ziehe deshalb meine Regenkleidung an.

Ich mache noch schnell ein Foto des landhausartigen und gepflegten Le Muse Hotels, bevor ich losfahre.

Le Muse Hotel, San Bonifazio

Bald schon fahre ich auf einer stark befahrenen Haupstrasse gegen Osten, verlasse sie zum Glück aber bald wieder, bevor ich auf einen von meiner App angekündigten Single-Trail abbiegen muss. Das verheisst nichts Gutes – umso überraschter bin ich aber, dass ich einen neu angelegten Fahrradweg vor mir sehe.

Fahrradweg in der Nähe von San Bonifazio

Leider dauert das Vergnügen, auf diesem tollen Fahrradweg mühelos dahinzufahren, nicht allzu lang – es folt ein Mix von verschiedenen Strassen, den ich in der Folge durchfahre. Und wenn es nicht regnen würde, wären manche Abschnitte sehr idyllisch.

Fahrradroute in der Nähe von Vicenza

Nach ca. 30 km erreiche ich die schöne Stadt Vicenza, die an meiner letztjährigen Herbsttour Zielort war. Die Fahrradwege in die Stadt hinein sind sehr gut signalisiert und ziemlich komfortabel. Auf der Piazza ist gerade Markt, das Interesse an den dargebotenen Kleidungsstücken hält sich aber in Grenzen.

Vicenza, Piazza

Gerade als ich ein Café gefunden habe, wo ich mich draussen hinsetzen kann, spricht mich ein älterer Herr auf Deutsch an und lädt mich zu einem Capuccino ein – er hat wohl Mitleid mit mir in meinen nassen Kleidern. Ich bleibe aber lieber draussen denn mit meiner nassen und schmutzigen Regenbekleidung traue ich mich nicht ins Café hinein. Ich bestelle eine cioccolata calda, ein Stück „Crèmeschnitte“ (wunderbar) und eine Coca Cola.

Kaffeehalt in Vicenza

Als der ältere Herr wieder aus dem Kaffee kommt, sagt er, dass er alles bezahlt habe. Was für eine Überraschung! Ich wechsle ein paar Wort mit ihm und erfahre, dass er in München studiert hat und später in der Lederbranche gearbeitet hat. Interessant!

In der Folge gehts weiter Richtung Osten und ich fahre dabei auf einem Abschnitt, welchen ich im Herbst schon von Padua kommend in der Gegenrichtung befahren hatte. Nach ca. 10 km aber biegt die Route links ab und ich gelange auf den Ciclovia Ostiglia Treviso. Dieser Fahrradweg wurde erst vor kurzem auf einem ehemaligen Bahntrassee angelegt und ist unglaublich komfortabel.

Fahrradroute Ciclovia Ostiglia Treviso

Auf diesem Fahrradweg fahre ich nun bis nach Treviso. Das hellt meine etwas gedämpfte Stimmung ziemlich auf. Staunend fahre ich später über eine schöne Brücke, die extra für diesen Fahrradweg gebaut wurde.

eindrückliche Fahrradwegbrücke über den Fluss Brenta

Natürlich ist der Weg auch ein bisschen „langweilig“, denn es sieht immer ähnlich aus: Viel Grün und praktisch immer geradeaus.

Als mal wieder eine Pause fällig wäre, entdecke ich am Weg einen gross angekündigten Bike-Park, wo ich anhalte. Heute bin ich aber der einzige Biker; nur 3 ältere Herren befinden sich in gedeckten Bereich und plaudern miteinander. Ich setze mich an einen Tisch, es kommt aber keine Bedienung. Es hätte einen Getränkautomat, aber ich habe kein Kleingeld. So sitze ich einfach da, erhole mich ein wenig und lade das iPhone auf mit meiner Powerbank.

kurzer Halt im Bikepark, 16 km vor Treviso

Ein bisschen enttäuscht mache ich mich wieder auf den Weg. Es regnet immer noch und die Strasse ist bis Treviso nicht mehr geteert, sondern gekiest, was das Fahren bei diesem Regen und Dreck nicht sehr angenehm macht.

Genau als ich 100 km geschafft habe, erreiche ich eine weitere Bike-Gaststätte. Da würde ich mir jetzt bei schönem Wetter ein Eis gönnen. Das Wetter ist aber schlecht, das Lokal geschlossen – und so fahre ich halt weiter.

Ich kann mich an keinen solchen Regentag erinnern, an dem ich mit dem Fahrrad unterwegs war. Es regnet fast ununterbrochen, zwar nicht stark, aber ziemlich gleichmässig. So bin ich froh, dass ich um ca. viertel nach fünf endlich Treviso erreiche und im B&B-Hotel einchecken kann. Mein Zimmer in diesem Hotel hat zwar den Charme eines Kühlschrankes, aber die Dusche ist schön warm und hat einen kräftigen Strahl und das ist im Moment das Wichtigste.

Mein Zimmer im B&B Hotel, Treviso

Nach der Dusche kann ich mich dazu aufraffen, noch eine kleine Stadtbesichtigung zu machen. Es regnet noch immer, aber dank meiner regendichten Jacke macht mir der Regen nichts aus.

Kathedrale (rechts) von Treviso

Bei der Piazza finde ich das Restaurant, das mir im Hotel empfohlen wurde. Ich bin froh, dass ich nach meiner kleinen Lebensmittelvergiftung nun endlich wieder so richtig Appetit verspüre und mit Heisshunger die Tomatenspaghetti vertilgen kann.

Piazza von Treviso mit eindrücklicher Prefettura

So geht ein etwas trostloser Tag versöhnlich zu Ende. Morgen sollte das Wetter wieder besser sein.

Fakten Etappe 3 San Bonifazio-Treviso
Gefahrene Strecke: 103 km
Durchschnittsgeschw.: 13.8 km/h
Übernachtung im B&B Hotel, Treviso

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