D2 Como-Vercelli (Lugano-Turin-Tour)

Am zweiten Tag meiner Lugano-Turin-Tour starte ich in einen sehr kühlen Morgen. 4 Grad zeigt mir die Wetterapp, das ist ja fast schon winterlich. Ich lass mich nicht erschrecken und fahre warm eingepackt ca. um 08.30 Uhr los. Ich staune, dass an diesem Karfreitagmorgen schon ordentlich Betrieb herrscht. Ich hatte Grabesstille erwartet, sehe mich aber getäuscht; der Karfreitag scheint in Italien kein religiöser Feiertag zu sein wie bei uns.

Markt am Karfreitag, Como

Nachdem ich bei einem grossen Markt vorbeigefahren bin, geht’s auf stark befahrenen Strassen aufwärts. Ich hätte mir einen schöneren Start gewünscht, finde mich aber damit ab.
Die ersten 35 km sind ziemlich coupiert, ein ständiges Auf und Ab, dazu meist noch mit einigem Verkehr. Zuerst befinde ich mich im Agglomerationskuchen von Como, dann in Vororten von Mailand. Nur einmal führt der Radweg kurz durch schöne Natur.

Radroute im Grünen

Meist aber befinde ich mich auf Strassen, die mehr oder weniger befahren sind.
Glücklich bin, als ich nach ca. 2 Stunden Fahrzeit ein hübsches Café entdecke, das mich zu einem Kaffeehalt einlädt.

Kaffeehalt in Rovello Porro

Das Fruchttörtchen und der Capuccino schmecken ausgezeichnet! Gestärkt mache ich mich auf die Weiterfahrt und gelange nach ca. 35km an einen Kanal, an dem meine Fahrradroute entlangführt. Das gefällt!

Fahrradroute dem Kanal Villoresi entlang

Gemäss meinen Recherchen soll es ein Bewässerungskanal sein, der aber momentan kein Wasser führt, wie man sieht. Das stört mich aber nicht weiter und ich bin froh, endlich auf einem Streckenabschnitt ohne Autoverkehr zu sein. Wohl fast eine Stunde fahre ich entlang diesem Kanal Richtung Westen.

Nachdem mein Weg schliesslich eine anderes Richtung eingeschlagen hat, führt mich meine Route über den Fluss Ticino.

Überquerung des Ticino bei Turbigo

Die Fahrradroute gefällt mir nun besser, da sie nun mehr in der Natur und auf Nebensträsschen mit wenig Verkehr verläuft. Auf einem Rastplatz an meiner Route mache ich meine Mittagsrast.

Mittagsrast in der Nähe von Galliate

Es ist inzwischen wärmer geworden und ich kann erste Kleidungsschichten ausziehen.

Das Wahrzeichen der nächsten grösseren Stadt, durch die ich fahre, ist ein eindrückliches und bedeutsames Kastell.

Kastell von Galliate

Es ist inzwischen mit der Sonne richtig warm geworden, aber im Hintergrund verkünden dunkle Wolken drohendes Unheil.
Die grosse Stadt Novara erreiche ich zusammen mit den ersten Regentropfen.

Novara, Innenstadt

Eigentlich hätte ich hier gerne nochmals einen Kaffeehalt gemacht, aber aufgrund des sich verschlechternden Wetters ziehe ich es vor weiterzufahren. Kurz nach Novara, beginnt es stark zu winden und zu regnen, weshalb ich bei einem Bushaltestelleunterstand meine Regenkleider überziehe, was eine ziemlich aufwändige Prozedur ist.

Montage der Regenbekleidung bei Novara

Es ist ziemlich garstig, als ich weiterfahre und es wird immer noch garstiger. Während einer Stunde peitscht mir starker und kalter Regen ins Gesicht und der Wind bläst so stark, dass ich kaum noch vorankomme und ich kann mich nicht daran erinnern, jemals bei so widrgen Verhältnissen unterwegs gewesen zu sein. Also quäle ich mich durch den Regen und kann nirgends unterstehen, da weit und breit keine Unterstand zu sehen ist.
Nach ca. einer Stunde lässt der Regen zum Glück etwas nach.

kurze Regenpause in der Nähe von Vercelli

Leider ist die Regenpause aber nur kurz und es beginnt wieder zu schütten. Völlig durchnässt komme ich schliesslich um ca. 17.45 Uhr in meinem Hotel an. Dort muss ich zuerst mal alle meine nassen Kleider aufhängen. Und ich bin nass bis auf die Unterhose. Meine Regenkleidung ist offensichtlich ungenügend. Auch meine Schuhe sind pflotschnass trotz Schuhregenschützen. Sogar das Porte-Monnaie und die darin befindlichen Banknoten sind nass – unglaublich! Nur meine Ortlieb-Satteltaschen blieben dicht – zum Glück. So kann ich nach der Dusche trockene Kleider anziehen…

Glücklicherweise gibt’s im Hotel auch eine Pizzeria, wo ich eine warme Mahlzeit bekomme.

Abendessen in der Pizzeria des Hotels Blue Ribbon bei Vercelli

So endet der Tag doch noch versöhnlich! Bevor ich aber den Blog schreibe föhne ich nun schon zum zweiten Mal meine nassen Kleider. Ob sie wohl trocken werden bis morgen früh?

Etappe 2: Como-Vercelli (Lugano-Turin-Tour)
Gefährene Strecke: 102 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.9 km/h
Übernachtung: Hotel Blue Ribbon, Vercelli

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