Beim heutigen Frühstück sind die Schweizer unter sich. Mantua scheint sehr beliebt zu sein bei meinen Landsleuten. Gegen 8.15 Uhr verlasse ich das komfortable Hotel dei Gonzaga und starte in den vierten Tourtag. Es kündigt sich ein weiterer schöner Tag an.

Schon bald bin ich wieder in der Natur, wo mich Komoot heute sogar auf einen Single-Trail lotst. Der leicht abenteuerliche Abschnitt führt durch ein Naturschutzgebiet.

Es ist wunderbar, an diesem frischen Morgen durch die Landschaft zu radeln.

Die Fahrradroute führt zuerst längere Zeit diesem Kanal entlang, bis ich wieder an den Po gelange und dort auf der rechten Seite auf dem Deichradweg der Sonne entgegen fahre.

Ich komme gut vorwärts, da die Wege meist geteert sind und es topfeben ist – Po-Ebene halt! In einem kleinen Dörfchen neben dem Po-Deich bietet sich mir ein Spektakel: Ein Arbeiter auf einer Kanzel eines Pneukrans repariert die Spitze eines Kirchturms.

Ein wenig später präsentiert sich mir ein weiteres Schauspiel: vier Jäger und zwei Hunde sind auf der Pirsch nach Hasen. Einer musste schon dran glauben, kann ich erkennen. Es sind übrigens nicht die einzigen Jäger, die ich heute erblicke.

Im Städtchen Revere machen ich nach ca. 40 km den ersten Halt. Bei einer typischen Kaffeebar steige ich vom Velo, setze mich auf einen Plastikstuhl und bestelle einen Café und ein Coca Cola. Die Barkeeperin, die Russin ist, wie sie sagt, ist erfreut über mein Trinkgeld und sagt «mi piacono i tedeschi», worauf ich sie natürlich korrigiere und sage «scusi, sono svizzero!!

Eine Stunde später lädt mich eine kleine Raststätte mit Sonnensegel zur Mittagspause ein. Ich lasse mich nicht zweimal bitten und setze mich auf die Bank im Schatten. Heute gibt’s Nüsse und Datteln zum Apéro, Blévita zum Hauptgang und Biberli zum Nachtisch. Ein bisschen trocken alles, aber sicher nicht ungesund!

Eine halbe Stunde später mache ich mich wieder auf und fahre weiterhin auf dem Deich, von dem man eine schöne Übersicht hat.

Als ich in die Nähe von Ferrara komme, verlasse ich den Po-Deich, der heute mein treuer Begleiter war und komme auf eine schönen alleenartigen Fahrradweg, der bis an die Stadtgrenze von Ferrara führt. Das ist eine Abwechslung und ich geniesse den Schatten der Bäume, da es inzwischen wieder ziemlich warm geworden ist.

Bald schon erreiche ich die Stadtgrenze, wo Ferrara etwas grossmundig als Stadt des Fahrrads (città delle biciclette) angekündigt wird.

Tätsächlich führen mich in der Folge Fahrradwege bis fast vor mein Hotel, das im Zentrum der Stadt liegt.
Nach einer kurzen Dusch- und Verschnaufpause, mache ich mich auf, um ein wenig die interessante Stadt zu erkunden. Eingangs der Altstadt befindet sich ein riesiger Palast, es ist das Castello Estense, das von einem Wassergraben umgeben ist.

Ich staune, wie viel Leute heute in dieser Stadt unterwegs sind. Vor allem in der Nähe des Doms wimmelt es von Leuten.

Nach einem ausgedehnten Rundgang durch belebte Geschäftsstrassen aber auch dunkle Gassen, finde ich ein schönes Restaurant, das noch ein Plätzchen für mich hat. Ich bin froh darüber, denn man merkt, dass heute Samstag ist und deshalb viele Leute auswärts essen gehen. Beim Warten und zwischen den Gängen schreibe ich an meinem Blog.

Mit einem Völlegefühl nach dem abschliessenden Tiramisu verlasse ich das gemütliche Restaurant und begebe mich in mein Hotel, das ganz in der Nähe liegt. Ein sehr schöner Tag geht seinem Ende entgegen.
Fakten Etappe 4: Mantova-Ferrara
Gefahrene Strecke: 101 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.8 km/h
Übernachtung im Hotel De Prati, Ferrara
