Heute fahre ich schon um 8 Uhr los, denn ich habe wieder eine lange Etappe vor mir. Es ist kalt, dafür scheint die Sonne. Schon bald bin ich wieder auf der Maas-Fahrradroute, die mich gegen Norden führt. Es ist schön, im Morgenlicht auf dieser exzellenten Fahrradpiste zu fahren und ich komme sehr gut vorwärts.
Immer wieder sehe ich Wildgänse, die manchmal neben oder sogar auf der Fahrradroute herumschnattern . Ich halte an, als ich ein Paar mit vielen Küken erblicke und möchte ein paar Fotos machen; aber zu nahe darf ich nicht herangehen, sonst faucht mich der Gänserich (?) an.

Ein paar Kilometer weiter treffe ich auf die fast Szenerie: Wieder eine Wildgansfamilie mit vielen Küken. Ich verlangsame die Fahrt und möchte die Küken zählen beim Vorbeifahren – da attackiert mich der wütende Gänserich und geht flatternd auf mich los und schnappt nach meinen Oberschenkel. Erschreckt trete ich in die Pedalen und suche das Weite.
Als ich wenig später eine weitere Wildgansfamilie neben der Fahrradroute erblicke, fahre ich ganz vorsichtig und diskret vorbei und spreche beruhigend auf die Gänse ein.
Ich komme gut vorwärts und es ist traumhaft, in dieser ruhigen, sonnigen Morgenstimmung ganz allein unterwegs zu sein.

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit möchte ich die erste Pause machen. Ich habe schon 35 km geschafft und bin froh darüber. Bei einer Schautafel über die Maas-Fahrradroute halte ich an und fotografiere sie.

Die Maas-Fahrradroute heisst hier „Voie verte Trans-Ardennes“, also übersetzt etwa „grünes Geleise durch die Ardennen“.
Gleich nebenan erblicke ich so etwas wie eine Raststätte: ein paar Tische sowie ein Bar-Wagon. Ob schon offen ist? Ich habe Glück, die Besitzerin ist schon da und ich kann einen Kaffee bestellen. Heute ist wirklich mein Glückstag! Ich wechsle ein paar Worte mit der sympathischen Frau und fahre bald wieder los.

Bis dahin verlief die Fahrt pannenfrei und in gutem Tempo, doch als ich an eine Tunneleinfahrt geführt werde von meiner App, bin ich etwas ratlos. Darf man da durchfahren oder nicht?

Ich zwäng mich unter dem Gitter hindurch und fahre langsam durch das dunkle und nasse Tunnel hindurch. – Geschafft!
Die Meuse (Maas) ist hier ähnlich wie die Mosel immer wieder durch Staustufen gebändigt. Für die Schiffe gibt es an diesen Stellen Schleusen.

In Fumay, einem kleinen Städtchen ist gerade Markt – nichts Grossartiges wird hier feilgeboten: ein paar Kleider, Ramsch, Pflanzen, Früchte und Gemüse – das ist schon fast alles. Nichtsdestotrotz kommen zwei Polizisten auf mich zu, als ich kurz anhalte, und bitten mich vom Fahrrad zu steigen. Es sei hier verboten, Fahrrad zu fahren; dabei fahre ich nicht mal …

Beim Früchte/Gemüsestand kaufe ich 2 Äpfel, 2 Mandarinen und 2 Bananen. Auf der anderen Seite der Meuse mache ich nochmals eine Foto von diesem aparten Städtchen.

In Fumay hätte es sogar ein Restaurant gehabt – ein Wunder – aber es ist noch eindeutig zu früh für mich zu essen, denn es ist erst 11.45 Uhr. Also fahr ich weiter und plane meine Mittagspause auf etwa 12.30 Uhr ein. Um diese Zeit treffe ich in der grösseren Ortschaft Vireux-Molhain ein – und ich fahr tatsächlich an einem italienischen Restaurant vorbei namens „Pizzeria Chez Salvatore“. Ich trete ein und bekomme den letzten freien Tisch – mein Glückstag geht weiter …

Ich bestelle Spaghetti Bolognaise und einen grünen Salat. Die perfekte Mahlzeit, wenn man auf Fahrradtour ist.
Jetzt fehlt nur noch der Liegestuhl fürs Verdauungsschläfchen, aber der fliegt nicht vom Himmel. So fahre ich halt ohne Mittagsschlaf weiter, denn der Weg ist noch weit.
Wieder einmal schneide ich in der Folge eine riesige Flussschlaufe ab und fahre kurzzeitig auf einer stark befahrenen Haupstrasse; deshalb bin ich auch sehr plötzlich im Grenzort Givet, wo die „Voie verte Trans-Ardennes“ endet. Zunächst bin ich etwas ratlos, wie es nun weitergeht, aber meine App führt mich zielsicher über die „liason voie verte“ zum belgischen Pendant der Maas-Fahrradroute. So lande ich irgendwann in Belgien und weiss gar nicht so genau wo.

Bei einem grünen Container, der mit einer belgischen und französischen Flagge geschmückt ist, und vielleicht das Zollhaus ist, vermute ich die Grenze, bin mir aber nicht ganz sicher. Villeicht ist es auch eine Kinderkrippe.
Auf jeden Fall bin ich nun in Belgien, wie ich an den Autoschildern unschwer feststellen kann. Übrigens – ich bin zum ersten Mal in diesem Land.
Nach kurzem Abstecher ins „Landesinnere“ bin ich aber bald wieder an der Meuse (die Stimme meiner Navigationsapp sagt dann jeweils immer „Mäuse“, was mich jedesmal ein wenig belustigt – z.B. „Ruhe dela Mäuse“ = rue de la Meuse)

Die Fahrradroute befindet sich nun auch manchmal auf Nebenstrasse mit Verkehr. Die Gegend hier macht einen touristischen Eindruck.
Wenig später entdecke ich sogar Kletterer an einem steilen Felsen vis-à-vis:

Sehr touristisch wirkt die Stadt Dinant, die bald darauf folgt.

Gerne hätte ich hier noch einen kurzen Kaffeehalt gemacht, lasse es aber bleiben, weil ich nicht zu spät am Etappenziel ankommen möchte.
Kurz nach Dinant bin ich etwas genervt. Der Fahrradweg geht unverhofft nicht mehr weiter, weil er neu geteert werden sollte. „Piste non cyclable“ heisst es lapidar, ohne dass eine Alternative angeboten wird. Ein ältere Frau, die mir mit einem kleinen Hund entgegenkommt, frage ich, ob das lange so dahingeht. Sie weiss es nicht so recht, sagt mir aber, dass Fahrradfahrer trotzdem durchfahren. So fahre ich halt auch weiter und kämpfe mich über einen Kilometer im Schritttempo über die Schotterpiste. So komme ich natürlich überhaupt nicht mehr vorwärts und als es endlich wieder besser ist, kommen noch Kopfsteinpflaster – diese sind am allerschlimmsten für die Fahrradfahrer!
Trotz allen Hindernissen erreiche ich schliesslich um 17.45 Uhr mein Ziel Profondéville, einen kleinen touristischen Ort in der Nähe von Namur.

Das Hotel, das ich gebucht habe, haut mich aus den Socken! Es ist darin alles so stylish:

Das Apéro-Plättchen, das ich vorbestellt habe, ist heute mein Abendessen. Dazu gibt’s ein feines belgisches Bier.

Ein wunderschöner Tag geht somit perfekt zu Ende. Was will man mehr?
Fakten Etappe 5: Charlesville – Profondéville (Belgien)
Gefahrene Strecke: Ca. 120 km
Weitere Daten leider nicht abgespeichert…
