Als um halb sieben der Wecker klingelt, geht gerade ein Platzregen nieder, der sich zu einem richtigen Gewitter mit Blitz und Donner entwickelt. Das habe ich nicht erwartet, aber als ich bei Kachelmann.com die Wettervoraussichten anschaue, bin ich beruhigt: Die Gewitterfront wird nach Osten weiterziehen und das Wetter sollte besser werden. Schauen wir mal!
Als ich um circa halb neun losfahre – es regnet zum Glück nicht mehr -, mache ich noch einen Umweg über die Kathedrale, denn am Vortrag war ich zu erledigt gewesen, um noch irgendetwas in diesem Städtchen zu besichtigen.

Auch diese Kathedrale ist ein bedeutendes gotisches Baudenkmal.
Ich verlasse die Stadt und fahre auf Haupstrassen mit oder ohne Velostreifen aus der Agglomeration hinaus, bis ich mich wieder im Gründen befinde. Es ist ziemlich frisch und die tief hangenden Wolken verbreiten eine herbstliche Stimmung. Nur die gelb blühenden Rapsfelder bringen etwas Farbe in das Grau.

Der Weg führt mich in der Folge durch das Dorf Foug, welches einen heruntergekommenen Eindruck hinterlässt.

Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit erreiche ich bei Sorcy-Saint-Martin die Meuse (Maas), die träge dahinfliesst. Sie wirkt sehr naturbelassenen. Silberreiher fliegen auf, als sie mich bemerken.

Ich bin nun auf der Maas-Fahrradroute. Der kommende Abschnitt ist sehr schön, ich fahre auf kaum befahrenen Nebenstrassen und überquere immer mal wieder die Meuse. Manche Dörfer wirken wie ausgestorben, nur die parkierten Autos verraten, dass hier Menschen leben.

Die Kirche in dieser Ortschaft wirkt wie aus einer anderen Zeit:

Die Maas mäandriert in dieser Gegend stark, der Fahrradweg führt deshalb selten entlang des Flusses und führt auch manchmal über weiche Hügel, um grosse Flussschlaufen „abzuschneiden“. Das hat den Vorteil, dass man, wenn man oben ist, einen guten Weitblick hat.

Zum ersten Mal zeigt sich am heutigen Tag der blaue Himmel – ich bin froh, dass das Wetter immer besser wird.
Ein schönes Sujet bietet sich mir, als ich bei einer auffallenden Baumgruppe vorbeifahre:

Es sind sehr wenige Tourenfahrer unterwegs am heutigen Tag. Diejenigen, denen ich begegne, kann ich an einer Hand abzählen.
Eine grössere Ortschaft, durch die ich fahre, ist die Stadt St. Mihiel.

Von hier aus geht’s auf einer Departementsstrasse (D34) ziemlich direkt weiter nach Verdun. Es hat hier leider keinen Fahrradweg oder einen Velostreifen und es hat auch mehr Verkehr als sonst am heutigen Tag, dafür komme ich gut vorwärts. Die Strasse führt – neben einem stillgelegten Bahntrassee – oft der Meuse entlang. Als ich ein schönes Plätzchen erblicke, halte ich an und mache neben aufgestapelten alten Bahngeleisen eine kurze Rast.

Da die heutige Etappe etwas kürzer war als diejenige vom Vortage, erreiche ich schon um halb vier das geschichtsträchtige Verdun.

Die Stadt ist grösser als ich mir vorgestellt habe, sie wirkt aber auch ein bisschen heruntergekommen; viele Häuser stehen leer und auch in der Altstadt herrscht wenig Leben.
Bevor ich im Hotel einchecke, fahr ich noch ein wenig in der Stadt herum und gelange dabei auf die Erhebung mit der Kathedrale, dem Bischofssitz und weiteren historischen Bauten. Hier stosse ich auch auf auf das „Centre Mondial du paix“, welches Dokumentationen verschiedener Kriege beherbergt – wohl zur Abschreckung!

Im Innenhof ist gerade eine Fotoausstellung mit grossformatigen Bildern aus Kiew vom 8. März zu sehen.
Nach einem Espresso und einem kleinen Bier draussen an der Sonne kann ich endlich im Hotel einchecken.

Dort werde ich vom Besitzer persönlich und freundlich empfangen. Von aussen wirkte das Hotel unscheinbar, aber drinnen ist es sehr geschmackvoll eingerichtet und ich habe ein sehr geräumiges Zimmer.

Nach dem Leidensweg vom Vortage konnte ich heute eine Osteretappe geniessen mit schöner Wegstrecke und gutem Wetter. – Gerade als ich das schreibe, erfasst mit ein sehr schmerzhafter Muskelkrampf am linken Oberschenkel; ich stehe schleunigst auf und mache Dehnübungen, bis der Schmerz wieder einigermassen vorbei ist.
Ich habe übrigens abends noch eine Pizzeria gefunden, wo ich endlich mal wieder etwas Warmes zwischen die Zähne kriegte.
Fakten Etappe 3: Toul – Verdun
Gefahrene Strecke: 90 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.3 km/h
hinauf: 530 m
herab: 540 m
