Als ich heute um halb acht zum Frühstück auftauche, meint der lustige Gastwirt ich würde aussehen wie ein Schiedsrichter in meiner schwarzen Velobekleidung.
Es ist mal wieder grau und ziemlich kalt, als ich aufbreche, aber immerhin sollte es heute nicht regnen, habe ich in den Nachrichten vernommen.
Komoot meine Veloapp möchte gleich zu Beginn eine Flussschlaufe abschneiden; aber als ich merke, dass es da ziemlich hoch geht, ziehe ich es vor, auf dem Maintalradweg zu bleiben und den Umweg zu machen.
Nachdem ich zuerst durch ein Industriegebiet mit einer riesigen, aber etwas verfallenen Glasfabrik gefahren bin, gelange ich schon bald wieder ins Grüne. Dort werde ich aufgefordert, einen Apfel vom Apfelbaum zu pflücken, aber es gibt 2 Regeln:

Die obligate Apfelpause ist mir aber zu früh, ich bin kaum eine halbe Stunde unterwegs und muss erst noch das Frühstück verdauen.
Bei Mondfeld, einem „staatlich anerkannten Erholungsort“ nehme ich die Fähre und setze nach Stadtprozelten (merkwürdiger Name) auf die andere Seite des Main hinüber. Der Ort wird von einer mächtigen Burgruine überragt.

Der Blick auf den Main ist auch schön:

In der Folge bleibe ich auf der rechten Seite des Mains bis ich bei Freudenberg, einem kleinen Städtchen wieder auf die andere Seite wechsle.

Schade, dass hier relativ starker Verkehr mitten durchs Städtchen führt.
Kurze Zeit später erregt eine rostige, aber laufende „Industrieanlage“ meine Aufmerksamkeit. Hier wird wohl Sand gefördert und gesiebt.

Nach ca. 30km mache ich die obligate Pause in Miltenberg, einer äusserst schmucken Kleinstadt.

Die heutige Stärkung besteht aus einem „saftigen Zwetschgenkuchen auf Hefeteig“ und einer heissen Schokolade. Sehr lecker!

Es tut gut, sich in der warmen Stube etwas aufzuwärmen. Vor allem die Füsse sind trotz Skisocken ein bisschen steif gefroren.
Nach gut einer halbe Stunde mache ich mich wieder auf, der Weg ist noch ziemlich weit, ich sollte mich ein wenig sputen.
Nachdem ich wieder etwa eine Stunde geradelt bin, gelüstet mich nach einem Apfel. – Und täglich grüsst der Apfelbaum:

Der tägliche Apfel ist schon fast zur Gewohnheit geworden. Ich pflücke sogar zwei davon, weil sie ziemlich klein sind. Sie schmecken hervorragend.
Bei Erlenbach am Main gibt es eine Werft zu bestaunen. Ich sehe dabei, auf welche Art grosse Schiffe aus dem Wasser gehievt werden.

Vor Aschaffenburg höre ich schon von weitem Helikopterlärm. Als ich näher komme, sehe ich, welche Arbeiten mit dem Helikopter ausgeführt werden.Zwei Arbeiter auf einer Kanzel, die am Helikopter hängt, versuchen einen Sichtballon an einer Stromleitung(?) zu montieren. So interpretiere ich das Ganze. Nur schon beim Zuschauen wird mir angst und bange.

In der Folge erreiche ich die grössere Stadt Aschaffenburg. Ich sehe mich ein wenig um und habe Mühe, die Altstadt zu finden. Am Abend lese ich, dass grosse Teil von Aschaffenburg im 2. Weltkrieg zerstört wurden.
Vor der Johannisburg kaufe ich an einem Stand gebrannte Mandeln, sie sind mein heutiger „Zvieri“.

Nun ist es nicht mehr weit bis Seligenstadt. Gemächlich nehme ich die letzten 20 km in Angriff.
Als ich mein Etappenziel erreiche, scheint sogar kurz die Sonne. Sie hatte ich an diesem Tag bisher schmerzlich vermisst.

Seligenstadt ist eine wunderschöne Kleinstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Mein Hotel liegt am Main. Bevor ich einchecke, sehe ich gerade wie Fähre und ein Passagierschiff hier anlegen.

Das Hotel MainChateau gefällt mir sehr, auch die Ambiance im Speiseraum ist sehr schön.

Der eher unspektakuläre Tag endet somit sehr erfreulich. Morgen nehme ich meine letzte, kürzere Etappe nach Mainz in Angriff und fahre gleich anschliessend zurück nach Hause.
Fakten Etappe 5: Wertheim-Seligenstadt
gefahrene Strecke: 97 km
Fahrzeit: 6 Std. 43
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.4 km/h
bergauf: 780m
bergab: 800m
