Der heutige Tag beginnt mit einem frühen Frühstück um 06.15 Uhr. Da ich heute wieder eine lange Etappe vor mir habe, bin ich froh, so früh frühstücken zu können im Hotel Simplon, welches ideal war für eine Nacht. Circa eine Stunde später mache ich mich auf den Weg und gerate in den morgendlichen Verkehr dieser grossen Stadt. Stark befahrenen Strassen entlang fahr ich Richtung Süden und erblicke bald von weitem ein futuristisch anmutendes Gebäude, das aussieht wie ein Ufo. Beim Näherkommen entpuppt es sich als ein Museum. Es ist das „musée des confluences“.

Der Name ist nicht zufällig gewählt; es befindet sich nämlich an der Stelle, wo Saône und Rhône zusammenfliessen. Ein letztes Mal überquere ich die Saône, die zugunsten der Rhone (frz. le Rhône) ihren Namen aufgibt.

In der Folge fahre ich auf Fahrradstreifen stark befahrenen Strassen entlang. Manchmal hat’s auch keine Fahrradstreifen. Das ist nicht schön und ich frage mich, ob ich den Rhone-Radweg verpasst habe. Endlich, nach fast 30km bin ich wieder an der Rhone und nun taucht auch die Beschilderung dieses Radweges wie aus dem Nichts auf. Ich bin froh, denn es folgen nun meist sehr schöne Wegstücke dem Fluss entlang.

Das Wetter ist prächtig heute, jedenfalls viel besser als es in der Wettervorhersage tags zuvor verkündet wurde. Kaum ein Wölklein trübt den blauen Himmel.
Fast ohne Pause pedale ich die ersten Stunden, es ist sehr angenehm und noch nicht zu heiss. Gegen Mittag halte ich Ausschau nach Restaurants. Mein Blick schweift dabei auch auf die andere Seite der Rhone. Leuchtet da nicht ein roter Sonnenstoren? Das sieht nach einem Restaurant aus. Nichts wie hin!

Wie vermutet befindet sich bei den roten Sonnenstoren tatsächlich ein Restaurant. Als einer der ersten Gäste nehme ich Platz an einem Tisch im Schatten. Ich bestelle einen Salat und côtes de boeuf.

Als mir der Kellner das grosse Stück Fleisch hinstellt, sagt er: «côtes de boeuf en forme d’Afrique». Ich bin nicht „sage“ (brav) und esse nur die magereren Stücke davon. Aber es schmeckt ausgezeichnet zusammen mit dem Gratin.
Nach einer Stunde breche ich wieder auf und fühle mich leicht beduselt nach diesem opulenten Mahl und dem Bierchen, das ich mir gegönnt habe.
Kaum bin ich losgefahren, entdecke ich zum ersten Mal in meinem Leben einen schwarzen Schwan, der friedlich mit zwei weissen Schwänen auf Futtersuche ist.

Ich lese übrigens immer mal wieder, dass ein Black-Swan-Ereignis die nächste Finanzkrise auslösen wird, also ein unerwartetes kaum denkbares Ereignis ein Kettenereignis auslösen wird. Wir werden sehen…
Die Fahrradroute bleibt ausserordentlich schön, anders als die Saône ist die Rhone oft von weichen Hügeln umgeben, auf denen auch Weinbau betrieben wird.

Es ist nun richtig heiss geworden, die Sonne brennt erbarmungslos nieder. (Als ich abends in den Spiegel schaue, sehe ich aus wie eine Schweizer Flagge: aussen rum rot und in der Mitte weiss).
Immer mal wieder wechselt der Radweg von der einen auf die andere Seite der Rhone und von den Brücken aus hat man meist einen besonders schönen Blick auf die Landschaft:

Die Wege heute sind im Gegensatz zu gestern sehr gut, meist geteert oder wie hier gut befahrbare Naturstrassen:

So komme ich schnell vorwärts und erblicke ca. um 17.00 von weitem Valence, meine Zielstadt.
Dort angekommen, möchte ich endlich mein Rückticket buchen. Der Schalter ist tatsächlich noch offen um diese Zeit und ich kann problemlos mein Rückfahrticket mit Velo von Arles bis Genf buchen (etwas, das ich mit der Oui.sncf App einfach nicht schaffte – da lob ich mir wieder die SBB-App, wo man problemlos Veloplätze reservieren kann).
Als ich endlich ins Hotel einchecke um 18.00, bin ich ziemlich müde und lege mich kurz hin; was ein Powernap hätte sein sollen, wird aber ein zweistündiger Bärenschlaf – ich erwache gerade noch rechtzeitig, um im hoteleigenen Restaurant auf der Strassenterrasse noch etwas Kleines essen zu können und nachher den heutigen Blog zu schreiben.

Dabei werde ich überrascht von einem Telefonanruf meines Sohnes, der gerade per Fahrrad in Mexico unterwegs ist. Ich bin froh, wieder einmal etwas von ihm zu hören auf seiner abenteuerlichen Fahrradtour.
Ein schöner Tag geht gemütlich zu Ende.
Day 6: Lyon – Valence
Gefahrene Strecke : 126 km
Fahrzeit: 8 Std. 2
Durchschnittsgeschw.: 15.6 km/h
Bergauf: 300 m
Bergab: 350 m
