Day 5: Mâcon – Lyon (Basel-Arles-Tour)

Als ich heute morgen um 8 Uhr aus dem Hotel trete, ist es ziemlich grau – «la rue est grise et triste» kommt mir in den Sinn, einer der ersten Sätze, den ich vor langer Zeit in der Sekundarschule gelernt habe.

„la rue est grise et triste“ in Macôn

Als ich kurze Zeit später am Bahnhof von Mâcon vorbeifahre, halte ich und suche den Schalter, um endlich ein Rückfahrticket zu buchen. Er ist aber leider noch geschlossen und öffnet erst um 09.45 Uhr! So fahre ich halt unverrichteter Dinge weiter.

Kurz nach Mâcon überquere ich mal wieder die Saône und mache zum Abschied dieses Foto:

Mâcon

Nach kurzer Zeit auf Hauptstrassen biege ich ab und komme auf einen Feldweg, der entlang der Saône führt; das Fahrverbotsschild macht mich zwar ein bisschen stutzig, aber da Komoot mich hier durchführt, wird es schon seine Richtigkeit haben, denke ich. Kurze Zeit später überfahre ich einen sogenannten «bovi-stop», d.h. ich bin nun auf einer Kuhweide. Und da tauchen schon die ersten Rinder auf meinem Weg auf – ich weiss nicht, ob ich mich ein bisschen fürchten sollte. Die Angst ist unbegründet, die Rinder nehmen Reissaus und finden einen Ausgang zur Weide nebenan. Der Weg ist katastrophal; eine Schotterpiste mit grossen Wasserpfützen und Schlammlöchern, das Ganze gemischt mit Kuhscheisse – auf einen tollen Fahrradweg bin ich da geraten.

„Fahrradweg“ bei Mâcon

Ich komme kaum noch vorwärts – kurze Zeit später wird es aber noch schlimmer, der Weg ist wieder fast komplett mit Wasser bedeckt und die Gräben nebenan sind auch voll Wasser; und es ist nicht frisches Regenwasser, sondern güllig stinkendes „Brackwasser“. Sowas habe ich noch nie erlebt. Ich bin froh, dass ich diesen Weg bald Richtung Hauptstrasse verlassen kann, denn aggressive Mücken hat es hier auch noch schwarmweise. Ich ziehe es nun vor, längere Zeit auf der Hauptstrasse zu fahren, die parallel zur Saône in den Süden führt. Auf dieser Strasse komme ich nun endlich flott voran, es gibt dafür nun aber auch ein wenig Verkehr, der aber aushaltbar ist.

auf der Hauptstrasse Richtung Süden

Nach ca. 30 km, in Montmerle-sur-Saône, trifft diese Strasse wieder mit der «Fahrradroute» zusammen. Ein Kaffeehalt wäre jetzt doch angebracht, denke ich und habe Glück. Das Bistro «la plage» hat soeben geöffnet und der junge Mann an der Theke ist froh um den ersten Gast. Er erzählt mir, dass wegen des Hochwassers Wildschweine in grosser Zahl von der gegenüberliegenden Halbinsel hierher ans sichere Ufer geschwommen seien und dass wegen der Mückenplage sogar Helikopter eingesetzt worden seien, um Insektizide zu versprühen.

Kaffeehalt in Montmerle-sur-Saône

Von hier weg mache ich nochmals den Versuch dem Uferweg entlangzufahren, gebe es aber bald wieder auf; es ist einfach zu mühsam: schlechte Wege und immer wieder grosse Pfützen und Schlammlöcher lassen keine Freude aufkommen.

In Saint-Bernard fahre ich an einem Restaurant vorbei und kann nicht widerstehen – zur Not hätte ich  ich mich heute mit Studentenfutter, Cashewnüssen und gedörrten Aprikosen ernährt, aber es ist doch schöner sich hinzusetzen und sich bedienen zu lassen

Mittagspause in Saint-Bernard

Da die heutige Etappe für meine Begriffe ziemlich kurz ist, nehme ich es gemütlich und mache ziemlich bald wieder eine Pause und lege mich an einem schönen Ort unter einem grossen Baum auf eine Bank und mache eine kleines Nickerchen.

Pause in Trévoux

Je mehr ich mich Lyon nähere, desto mehr Betrieb herrscht auf den Strassen. Der Fahrradweg ist nun z.T. auch nur ein Streifen neben einer Hauptstrasse, es herrscht also keine Naturidylle mehr.

Deshalb bin ich froh, dass ich schon bald die Innenstadt von Lyon erreiche.

Lyon

Mein Hotel, das Hotel Simplon, befindet sich auf der Halbinsel, die zwischen Rhône und Saône liegt. Nach Einchecken, Dusche und Erholung mache ich mich zum nahegelegenen Bahnhof Lyon-Perrache auf, vielleicht kann ich ja hier mein Rückticket lösen, aber nun bin ich zu spät, die Schalter sind um 17.55 Uhr schon geschlossen. Pech gehabt.

Der Aufenthalt in einem Bistro gegenüber dem Hotel hebt meine Laune aber wieder. Lustige und kommunikative Wirtsleute bringen mich immer wieder zum Schmunzeln. Omelette und Crème Brulée schmecken ausgezeichnet. So endet der Tag versöhnlich.

Das Bistro am anderen Morgen, schon wieder geöffnet

Day 5: Mâcon – Lyon
Gefahrene Strecke : 85 km
Fahrzeit: 5 Std. 54
Durchschnittsgeschw.: 14.5 km/h
Bergauf: 350 m
Bergab: 380 m

Day 5: Mâcon – Lyon

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