Der heutige Tag beginnt mit einem tollen Frühstück – unter anderem darf ich verschiedene delikate Käsesorten, Wurst- und Fleischwaren geniessen, alles wunderschon präpariert. Ich habe wohl das grosse Los gezogen mit der Hostellerie Bourguignonne und seinem preisgekrönten Gault-Millau-Koch, wie ich erst heute morgen erfahre. Sparfüchse werden wohl einen grossen Bogen machen um diese Gaststätte, für mich war’s aber schon jetzt das Highlight dieser Tour.

Um ca. 8.30 Uhr fahre ich heute wieder bei idealen Bedingungen los; ich habe die Monsteretappe vom Vortag gut verdaut und starte frohgemut in den neuen Tag, der mich bald ans Ufer der Saône führt. Ich bin noch nicht lange unterwegs, da versperrt mir ein heruntergestürzter Baum den Weg:

Da ist kein Vorbeikommen. Ich höre Motorsägen und hoffe, dass dieser Baum beseitigt wird, doch es sind offenbar mehrere Bäume, die ein Sturm gefällt hat und es ist kein Durchkommen, wie mir ein Forstarbeiter erklärt. So suche ich halt eine Umfahrungsmöglichkeit, die ich glücklicherweise dank Komoot ziemlich problemlos finde.
Offenbar hat hier vor kurzem ein heftiges Unwetter gewütet, denn wenig später passiere ich eine Brücke, die teilweise weggerissen wurde von einem reissenden Bach.

Die Saône hat vor kurzem Hochwasser geführt, der Fahrradweg ist mancherorts überspült worden und von vertrocknetem oder noch feuchtem Schlamm bedeckt und die angrenzenden Wiesen und Felden stehen teilweise unter Wasser. An einer Stelle steht sogar der Fahrradweg unter Wasser; kein Problem, denke ich und fahre langsam durch das Wasser und schaffe es knapp mit trockenen Füssen auf die andere Seite:

Es wird aber noch schlimmer, beim nächsten Wegstück, das unter Wasser steht, bräuchte ich ein Kanu – hab ich aber nicht.

Es gibt kein zurück, also fahr ich durch das Wasser, welches an den tiefsten Stellen ca. 20 cm hoch steht und bis zum Tretlager reicht. Mit pflotschnassen Füssen, Schuhen und Socken erreiche ich die andere Seite. Zum guten Glück habe ich Sandalen dabei, die ich nun anziehen kann. Die nassen Schuhe klemme ich auf den Gepäckträger und die Socken schmeiss ich weg.
Der Weg führt nun praktisch immer der Saône entlang und überall sieht man die Spuren der Überschwemmungen. Manchmal sieht man auch Schilder, die ankündigen, dass der Weg gesperrt sei – aber niemand beachtet sie, ich auch nicht.

In einem kleineren Städtchen namens Tournus mache ich nach ca. 60 km den ersten grösseren Halt und esse einen Tomaten-Mozarella-Salat in einem kleinen, sehr schön gelegenen Gartenrestaurant über der Saône.

Das Wetter ist heute wieder perfekt, es ist nicht zu heiss und der Himmel ist oft wolkenverhangen; auch der Wind ist mir heute freundlicher gesinnt. Nur gegen Abend baut sich zu meiner Rechten eine bedrohliche dunkle Wolkenwand auf.

Ich trete nun heftiger in die Pedalen, ich will nicht noch nass werden. So erreiche ich schon nach 16.00 Uhr Mâcon, meinen Zielort.

In einem kleinen von aussen unscheinbaren Hotel checke ich ein. Heute sollte ich noch ein bisschen dreckige Wäsche waschen – aber zuerst trinke ich etwas (was wohl?) im idyllischen Hotelgarten und schreibe an meinem Blog.

Day 4: Verdun-sur-le-Doubs – Mâcon
Gefahrene Strecke : 94 km
Fahrzeit: 5 Std. 57
Durchschnittsgeschw.: 15.8 km/h
Bergauf: 520 m
Bergab: 500 m
