Punkt 07.00 Uhr finde ich mich heute im Frühstücksraum ein. Ich könnte draussen frühstücken, aber das ist mir doch noch zu frisch.

Blick vom Hotel Tiefwarensee nach Waren
Es ist schon ein Herr da, er ist etwa in meinem Alter. Wir kommen ins Gespräch. Er ist auch passionierter Radfahrer und momentan hier in Waren in den Ferien. Er schwärmt von den Fahrradtouren, die man in der Gegend der Mecklenburgischen Seenplatte machen kann.

Karte der Mecklenburgischen Seenplatte
Ich breche um 08.00 Uhr auf. Doch zuerst mache ich noch einen kurzen Rundgang durch die schmucke Kleinstadt Waren, die am nördlichen Ende der Müritz liegt; so heisst dieser See, der der grösste Binnensee Deutschlands ist. Der Bodensee ist noch grösser, der gehört zum Teil aber auch uns Schweizern.

Waren

Waren, Marktplatz
Kurz nachdem ich Waren Richtung Süden verlassen habe, durchquere ich schöne Landschaften.

Landschaft bei Waren
Bald schon befinde ich mich im Müritz-Nationalpark. Die Fahrradwege sind jetzt Naturstrassen, aber schön glatt, so dass ich trotzdem ganz zügig vorankomme. Es ist wunderbar hier, fast noch niemand unterwegs, nur ein Park-Mitarbeiter fegt mit seinem Besen den Fahrradweg, was mich sehr erstaunt.

Fahrradroute im Müritz-Nationalpark
Fast zwei Stunden bin ich unterwegs in diesem Park und geniesse es, es ist sehr ruhig und die Luft ganz rein, ein toller Start in den Tag.

Aussicht von einem Beobachtungsturm im Müritz-Nationalpark
Weiter südlich komme ich wieder auf landschaftlich kultiviertes Gebiet; es ist auch hier schön.

Brach- und Haferfeld südlich der Müritz
Nachdem ich ca. 40 km gefahren bin, beginne ich wieder an Kaffee und Kuchen zu denken. Ich habe aber wenig Hoffnung, dass meine Wünsche erfüllt werden, denn die Gegend, die ich durchfahre, ist kaum besiedelt. Doch ich habe wieder Glück: gerade als ich so richtig hungrig werde, werde ich in einem kleinen Dorf vom einLADEN eingeladen.

Kaffee im einLaden in Zempow
Es gibt zwar keine Erdbeerschnitten oder Pflaumenkuchen hier, aber der Käsekuchen ist auch ganz lecker.
Auf der Weiterfahrt bringt mich eine muhende Kuhherde zum Schmunzeln.
Kuhherde in der Nähe von Zempow
Bald erreiche ich Rheinsberg. Das ist ein grösserer, touristischer Ort mit schönem Schloss am Grienericksee und einem barocken Lustgarten, der für Friedrich den II. angelegt wurde. Leider habe ich zuwenig Zeit, Schloss und Garten genauer zu besichtigen. Immerhin mache ich ein Bild von aussen.

Schloss Rheinsberg am Grienericksee
Die Fahrradroute führt auch in dieser Gegend meist schön angelegten Fahrradwegen entlang. Nur manchmal sind die Wege auch sehr holprig, weil Wurzeln den Asphalt anheben und so unangenehme Rillen entstehen. Der Wald ist hier eine Monokultur, lauter Föhren. Ist das im Sinne des Erfinders?

Fahrradweg in der Nähe von Rheinsberg, Föhrenmonokultur (rechts)
An einem weiteren See – es wimmelt hier von Seen – mache ich meine Mittagspause. Es ist schon 14.00 Uhr und ich bin schon 85 km weit gefahren. Ich esse ein vertrocknetes Brötchen, einen Getreideriegel und ein paar Cashewnüsse.

Mittagsrast in Lindow am Gudelacksee
Der letzte Abschnitt bietet wenig neue Eindrücke. Gegen Ende der Etappe fahre ich längere Zeit einer Bundesstrasse mit sehr viel Verkehr entlang. Zum Glück habe ich einen perfekten Veloweg und Rückenwind. So komme ich früher als geplant in Oranienburg an.
Das Wahrzeichen dieser im Einzugsbereich von Berlin liegenden Stadt mit ca. 40’000 Einwohnern ist das Schloss Oranienburg.

Schloss Oranienburg
Die Stadt Oranienburg liegt an der Havel, also im Havelland, das ja Schauplatz von Fontanes berühmten Gedicht ist, welches so beginnt:
Herr von Ribeck auf Ribeck im Havelland,
ein Birnbaum in seinem Garten stand, …
Ganz zum Schluss meiner Etappe fahre ich noch ein Stückchen diesem Fluss entlang, bevor ich im Hotel an der Havel absteige. Eine sehr schöne Etappe findet somit ihr Ende.
Morgen werde ich noch das kurze Stück bis Berlin zurücklegen, mich in Berlin ein wenig umschauen und dann den Zug zurück nach Zürich nehmen.
Fakten 5. Etappe: Waren-Oranienburg
Strecke: 125 km
Fahrzeit: 7 Std. 10
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17.5 km/h
bergauf: 970 m (so viel? es war ja meist eben!)
bergab: 1000 m
tiefster Punkt: – 40 m (das ist wohl ein Messfehler!)
