Der heutige Tag beginnt mit einem Corona-Frühstück im Hotel, wo ich übernachtete. Ich erscheine genau um 7.00, um das vereinbarte Zeitfenster einhalten zu können. Am Buffet muss ich die Maske überziehen; Käse, Wurst, Müsli etc. ist alles schön in kleinen Portionen in Folie abgepackt und die Bediensteten kümmern sich eifrig um die drei Gäste. Was für ein Aufwand!
Punkt 8.00 Uhr fahr ich los. Zum Abschied mache ich nochmals eine Foto von Kiel. Man beachte das schräg gebaute Haus im Hintergrund. Macht eine solche Architektur Sinn, frage ich mich.

Kiel, Hafen
Zuerst geht’s vielbefahrenen Strassen entlang. Als ich ein Rotlicht überfahre bei einer Strassenquerung ohne Verkehr, werde ich von einem jungen Mann, der auf der anderen Seite brav wartete, angeschnauzt: „Die Strassenverkehrsordung kennst du nicht?“ Ich bin perplex, erstens weil ich einfach so geduzt werde und zweitens, weil ich diese Reaktion nicht erwartete.
Nach ca. einer Dreiviertelstunde bin ich endlich wieder im Grünen, das gefällt mir nun besser. Die Sonne scheint und es ist merklich wärmer als an den vorherigen Tagen.

Landschaft in der Nähe von Kiel
Es ist welliger als am Vortag und auch ziemlich windstill, so dass ich nicht so rasant vorwärtskomme. Bald schon erreiche ich einen See, den Dobersdorfersee, der touristisch nicht erschlossen ist, er liegt wohl in einem Naturschutzgebiet.

Dobersdorfersee
Ich umrunde ihn auf einem schön angelegten Weg, der durch einen Wald führt

Waldroute beim Dobersdorfersee
Nach ca. 2. Stunden Fahrzeit erreiche ich den Selentersee, an dem ich meine erste Pause mache.

Selentersee
Dieser See soll sich in Privatbesitz befinden, lese ich auf einer Schautafel und staune: ein so grosser See in Privathänden?
In der Ortschaft Selent mache ich meinen obligaten Kaffeehalt. Diesmal gibt’s Pflaumenkuchen – auch lecker!
Auf der Weiterfahrt mache ich einen kurzen Halt beim eindrücklichen Hohenhof.

Hohenhof (gebaut 1798), Meierhof von Gut Rantzau
Bei dieser Ansicht sieht man das Torhaus mit einer Allee zum Gutshaus. Ich getraue mich, durch das Tor zu fahren und erblicke nun 2 riesige Ökonomiegebäude, eines zur linken, das andere zur rechten:

Hohenhof
Mit diesen Eindrücken setze ich meine Fahrt fort. Wie am Vortag fahre ich meist auf Nebenstrassen und wenn ich auf Hauptstrassen fahre, hat es meist Fahrradwege.
Es ist eine sehr abwechlungsreiche Tour heute mit vielen Sehenswürdigkeiten. Einen weiteren See erreiche ich bei der kleinen Stadt Eutin. Hier mache ich meine Mittagsrast und setze mich auf eine Bank am See.

Grosser Eutiner See
Eutin selbst ist eine aparte Stadt mit einem schönen Marktplatz.

Marktplatz von Eutin
Carl Maria von Weber, der grosse deutsche Komponist und mein Namensvetter ist in dieser Stadt geboren. Das „von“ trägt er unrechtsmässig lese ich abends über ihn, als ich mich näher informiere.
Nach der kurzen Mittagspause fahr ich bald wieder los, ich möcht ja genügend Zeit haben für die Besichtigung von Lübeck, meinem heutigen Etappenziel.
Nach ca. 1 1/2 Stunden erreiche ich die Ostsee und gerate mitten in die Badetouristen, die zuhauf die Strände bevölkern. Alle Strandkörbe sind vergeben, höre ich von der Strandkorbvermieterin. Offenbar bin ich an einem sehr beliebten Badestrand gelandet.

Ostseestrand bei Haffkrug
In der Folge fahre ich der Küste entlang – ich bin nun wohl auf der Ostseefahrradroute. Es hat extrem viele Touristen hier und auch der Fahrradweg ist sehr bevölkert.

Strand bei Scharbeutz
Bald verlasse ich die Ostseeküste aber wieder – trotzdem: der kurze Abstecher hat sich gelohnt; der kürzeste Weg nach Lübeck hätte nicht an die Ostseeküste geführt.
Bald schon erblicke ich die Kirchtürme von Lübeck – auch Stadt der 7 Türme genannt.

Lübeck aus der Ferne
Bald schon bin ich im Hotel Ko15 am Koberg, welches sich mitten in der Innenstadt befindet. Nach einer Dusche und einem kurzem Nickerchen mache ich mich auf, ein wenig die Innenstadt zu erkunden. Als ich aus dem Hotel trete, bietet sich mir ein Glockengebimmelspektakel:
Lübeck, Koberg mit Heiligen-Geist-Hospital und St.-Jacobi-Kirche
Ich schlendere Richtung Marktplatz, der sich inmitten dieser rundum von Kanälen umgebenen ausserordentlich schönen Stadt befindet. Unterwegs bewundere ich einen Spray-Künstler, der die Bilder gleich vor Ort sprayt.

Spray-Künstler in der Breite Strasse

Lübeck, Marktplatz mit Rathaus
Natürlich muss ich auch noch das Holstentor aufsuchen, das Wahrzeichen der Stadt.

Lübeck, Holstentor
Im Holstenhafen, tummeln sich Stand-Up-Paddler und Tretbötler:

Lübeck, Holstenhafen
Natürlich hätte diese Stadt noch mehr Sehenswertes zu bieten, aber da ich hungrig bin und ja noch den heutigen Blog schreiben will, spaziere ich zum Hotel zurück und setze mich in die Pizzeria, die zum Hotel gehört, beginne am Blog zu schreiben und freue mich auf die Spaghetti Bolognese.
Fakten 2. Etappe: Kiel-Lübeck
Strecke: 99.5 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.4 km/h
bergauf/bergab: 1’000 m (soviel?)
