Der heutige Tag startet in Sylt, wo ich frühmorgens von unserer Ferienwohnung zum Bahnhof fahre, um den Zug nach Husum zu nehmen. Ich bin genug früh dort, aber der Zug ist verspätet. Als er endlich da ist, steige ich mit wenig anderen Fahrgästen ein; wir warten und warten, der Zug fährt einfach nicht los. Nach 20 Minuten erfahren wir von einem jungen Mann, dass nur der vordere Teil des Zuges losgefahren sei. Der hintere Teil blieb einfach in Sylt stehen. Infos gab’s null – nur die sich immer wiederholende Durchsage „Die Deutsche Bahn ist auch in schwierigen Zeiten für Sie da – mit der Bahn kommen Sie sicher an’s Ziel“ – das klingt schon fast wie Satire in dieser Situation.
Nun – es bleibt mir und den anderen betroffenen Fahrgästen nichts anderes übrig als auf den nächsten Zug zu warten, der eine Stunde später fährt; nicht so schlimm für mich, für andere aber, die in Hamburg auf Anschlusszüge müssen, aber schon.
Der Fahrt nach Husum ist gemütlich, immer wieder hält der Zug, die Landschaft ist eben und geprägt durch die vielen Windräder.

im Zug nach Husum
Um 09.45 Uhr kann meine Tour endlich starten. Da die Tour mit ca. 90 km heute nicht so lang ist, kann ich mit der Verspätung gut leben.
Von Husum geht’s Richtung Osten, Kiel ist mein Tagesziel. Wie erhofft weht heute ein ziemlich kräftiger Westwind, der mir ordentlich Schub gibt. So komm ich schnell voran. Ausserdem ist es topfeben, was eine zusätzliche Erleichterung ist – das wird eine easy Etappe, denke ich.
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Landschaft in der Nähe von Husum
Nach ca. 40 km fahre ich durch eine grössere Ortschaft, in der ich eine Café entdecke. Nichts wie hin, dort gibt’s bestimmt Erdbeerschnitten. – Meine Erwartungen werden nicht enttäuscht. Allerdings muss ich zuerst die Hände desinfizieren, die Personalien angeben und dies natürlich mit Maske – die Deutschen sind da ziemlich pingelig, pingeliger als wir Schweizer.
Nach dieser kleinen Stärkung geht’s schnell wieder weiter. Der Wind ist mir weiterhin günstig gesinnt und die Windräder sind meine stetigen Begleiter.

Landschaft bei Kropp
Bei einem Monument aus Steinen halte ich kurz an und entnehme der Infotafel, dass es sich hier um eine Steinkammer handelt, welche als Grab benutzt wurde vor sehr langer Zeit.

Steinkammer
Am Wittensee machen ich den Mittagshalt und esse mein Käsebrot.

Wittensee
Wenig später habe ich zum ersten Mal ein Stück Naturstrasse. Zuguterletzt verschmälert sich der Weg zu einem sogenannten „Single Trail“. Das ist Waldromantik pur – leider kommt man auf solchen Wegen aber nicht so zügig vorwärts.

„Single Trail“
Kurz darauf stosse ich an den NOK, den Nord-Ostsee-Kanal, der die Nordsee mit der Ostsee verbindet. Leider ist aber kein Durchkommen beim geplanten Weg und ich muss wieder umkehren und einen anderen Weg nehmen.

Nord-Ostsee-Kanal (mit Radwegumleitung)
Bald darauf überquere ich den Kanal mit einer Fähre. Auf dieser Fähre herrscht Maskenpflicht, was ein bisschen absurd ist.

Überfahrt über den NOK mit Fähre.
Das folgende Stück diesem Kanal entlang ist sehr schön. Einen Fischer, der hier angelt, frage ich, ob der Kanal Süss- oder Salzwasser führe. Brackwasser sei dies, und manchmal hätte es mehr und manchmal weniger Salz drin und es gebe hier Zander, Dorsch und in der Nacht Aal zu fangen. Wieder etwas klüger fahre ich weiter und bestaune die grossen Schiffe, die den Kanal durchqueren:

Schiff auf dem NOK
Dieser Kanal soll einer der am meisten befahrene Kanäle sein, lese ich auf einer Informationstafel. Die Schiffe ersparen sich damit einen grossen Umweg.

Landkarte zum NOK
Es ist nun nicht mehr weit bis nach Kiel, der nördlichsten Grossstadt Deutschlands. Um 15.30 Uhr treffe ich beim gebuchten Hotel in Kiel ein, dem Hotel Steigenberger.
Nach einer Dusche mache ich mich auf – ich möchte genügend Zeit haben, diese berühmte Stadt zu besichtigen. Ich bin aber ein bisschen enttäuscht: von der angekündigten Altstadt ist fast nichts zu sehen; denn leider wurde auch Kiel wie so viele andere deutsche Städte im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört.
Schöne Ausblicke bieten sich mir aber am Hafen. Von hier fahren z.B. Fähren nach Göteborg in Schweden.

Hafen von Kiel
Auf dem Rückweg zum Hotel mache ich noch eine Foto von der Nicolai-Kirche. Die roten Backsteine sind typisch für die Häuser hier ganz im Norden Deutschlands.

Nicolai-Kirche Kiel
Im hoteleigenen Restaurant nehme ich nach diesem Stadtrundgang das Abendessen ein. Wienerschnitzel, ganz lecker. Ich bin der einzige Gast an diesem Abend, so hat der Kellner Zeit, mit mir ein bisschen zu plaudern und ich schreibe nachher zum Kaffeee an meinem Blog.
Fakten 1. Etappe: Husum-Kiel
Strecke: 93.2 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18.6 km/h
bergauf/bergab: 530 m

Danke
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