Der heutige Tag beginnt mit einer Zugsfahrt. Ohne gefrühstückt zu haben fahre ich zum Bahnhof Brig, wo ich mit zwei Mountainbikern in den Zug nach Andermatt steige – sonst ist der Zug ziemlich leer. Auch sonst ist noch wenig los an diesem frühen Sonntagmorgen, nur 3 Leute mit Skis stapfen zu einem Postauto

Bahnhof Brig
Die heutige Fahrradtour startet in Andermatt. Natürlich hätte ich auch über den Furkapass dorthin gelangen können, aber das tue ich mir nicht an; dieser Pass ist mit über 2400 m einer der höchsten Pässe der Schweiz und heute vielleicht sogar schneebedeckt nach dem Kälteeinbruch.
Viel lieber sitze ich gemütlich im Zug, der im Tunnel den Furka durchqueren wird. Die Fahrt durch den obersten Teil des Rhonetals, des sogenannten Obergoms ist sehr schön. Als der Zug in einem der vielen kleinen Dörfchen hält, kann ich folgendes Foto schiessen.

Obergoms
Bald erreicht der Zug den Furkatunnel, der mit 15.4 km Länge einer der längsten Bahntunnels Europas ist. Auf der anderen Seite komme ich ins rauhere Hospental, das Tal vor dem Gotthardmassiv. In Andermatt steige ich aus. Es ist sehr kalt heute morgen. Nach einem Kaffee, der mich ein wenig aufwärt, nehme ich die Abfahrt zum Vierwaldstättersee in Angriff. Zu Beginn verläuft die Fahrradroute auf der Hauptstrasse, auf der schon viel Rückreiseverkehr unterwegs ist.

Schöllenen-Schlucht bei Andermatt
Weiter unten verlässt die Fahrradroute die Hauptstrasse und es wird angenehmer, da mich nun auch die Sonne wieder ein wenig aufwärmt.

Oberes Reusstal bei Wassen
Ich geniesse den nun folgenden Teil und bin schon bald in Flüelen. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf den südlichen Arm des Vierwaldstättersees, den Urnersee.

Urnersee bei Flüelen
Ab Flüelen werde ich ein kurzes Stück mit dem Zug fahren. Die Axenstrasse entlang dem Urnersee ist mit ihren Tunnels und dem vielen Verkehr ziemlich gefährlich für Velofahrer. Als ich auf den Zug warte, sehe ich beim Hafen alle Kantonsflaggen der Schweiz im Wind flattern.

Kantonsflaggen der Schweiz, Flüelen
Ich beginne innerlich aufzuzählen, durch welche Kantone ich auf meiner Schweizer Rundreise gefahren bin: Zürich, Aargau, Luzern, Bern, Fribourg, Waadt, Wallis, Uri, Schwyz, Zug und wieder Zürich. Das sind 10 Kantone.
Der Zug führt mich ans andere Seeende des Urnersees, nach Brunnen. Dort steige ich aus und habe die Hausberge von Schwyz, die Mythen im Blick.

grosser u. kleiner Mythen, bei Schwyz
In der Folge fahre ich dem Lauerzersee entlang in Richtung Arth-Goldau. Dieser Ort ist bekannt wegen eines gewaltigen Bergsturzes im Jahre 1806, der den Ort ausradierte und über 450 Menschen das Leben kostete.

Bergsturz von Arth-Goldau
Erinnert an diese Katastrophe werde ich von grossen Felsbrocken die bei Arth-Goldau die Fahrradroute säumen und von diesem Bergsturz herrühren.

Felsbrocken neben der Fahrradroute bei Arth-Goldau
Arth-Goldau ist auch ein Bahnverkehrsknotenpunkt wie anhand der nächsten Foto unschwer zu erkennen ist. Von hier aus fährt auch eine Zahnradbahn auf die berühmte Rigi, einem beliebten Ausflugsziel.

Bahnhof von Arth-Goldau mit Rigi
Kurze Zeit später bin ich am Zugersee, der sich tiefblau präsentiert an diesem schönen Tag.

Zugersee
Die Fahrradroute führt nun dem See entlang; es sind hier viele Leute unterwegs an diesem herrlichen Tag: Fahrradfahrer, Töfffahrer, Autofahrer, Spaziergänger. Aber es stört mich nicht.
In Zug führt die Route durch die aparte Altstadt. Sie ist überschaubar klein.

Altstadt von Zug
Zug ist bekannt durch die vielen (Briefkasten)firmen, die – wegen den niedrigen Steuern – von hier aus geschäften. Und leider sind einige schwarze Schafe darunter, wie spätestens seit den sogenannten Panama-Papers allgemein bekannt ist.
Der Weg führt nochmals an das Seeufer und hier ist allerhand Betrieb.

Zug, Seepromenade
Das darauffolgende Wegstück bis Sihlbrugg ist weniger interessant und verläuft oft entlang einer stark befahrenen Strasse.
Nach Sihlbrugg folgt die Route der Sihl, einem Fluss, der beim Zürcher Hauptbahnhof in die Limmat mündet. Ich bin überrascht von der Schönheit des nun folgenden Streckenabschnittes.

Fahrradroute im Sihltal
Bei Gattikon verlasse ich das Sihltal und habe wenig später einen schönen Blick auf den Uetliberg, den Hausberg von Zürich.

Fahrradroute bei Rüschlikon
Wenig später erreiche ich Zürich und umrunde das Seebecken. Es herrscht wieder „Normalbetrieb“, d.h. die Coronobeschränkungen sind aufgehoben oder man meint zumindest, sie seien es.

Zürich, Seebecken
Gegen 16.30 Uhr erreiche ich den Sechseläuteplatz beim Opernhaus, wo meine 6-tägige Schweizer Rundfahrt zu Ende geht.

Zürich, Sechseläuteplatz u. Opernhaus
Es war sehr schön, wieder einmal in der Schweiz eine längere Rundtour zu machen und ich bin fast geneigt zu sagen, dass es in der Schweiz halt doch am Schönsten ist. Natürlich hat das perfekte Wetter auch zu diesem Eindruck beigetragen; und es war ein gute Idee, touristische Brennpunkte (Luzern, Interlaken, Montreux) anzusteuern in dieser coronabedingten Flautezeit – so konnte ich das Flair dieser Orte ohne die sonst üblichen Touristenmassen geniessen.
Fakten Andermatt – Zürich:
6 Std 8 Fahrzeit
111 km Strecke (davon ca. 96 km gefahren mit Fahrrad
18 km/h Durchschnittsgeschw. (ist da die Zugsfahrt drin?)
990 m bergauf (so viel?)
2’020 m bergab
