Am Vorabend konnte ich die wunderbare Abenstimmung in Montreux geniessen, zuerst am See unten, dann vom Balkon aus, wo ich noch eine ganze Weile sitzen blieb.

Abendstimmung in Montreux
Am Morgen stehe ich früh auf, ich habe eine lange Etappe vor mir und da eine Regenfront angekündigt ist, möchte ich so bald als möglich losfahren und ihr, wenn möglich, entrinnen. Als ich auf den Balkon trete und hinausschaue, ist das Wetter aber noch ganz passabel.

Morgenstimmung in Montreux
Um halb acht fahr ich los. Es geht zuerst dem See entlang, auf der Hauptstrasse, was aber nicht stört, da es noch kaum Verkehr hat an diesem Samstagmorgen.
Bald schon erblicke ich das berühmte Schloss Chillon, das eine beliebte Sehenswürdigkeit ist. Als Kind hatte ich das auch mal aus einem Bastelbogen zusammengebastelt; das war gar nicht so einfach, weil nur schon der Grundriss dieses Schlosses recht komplex ist.

Schloss Chillon bei Montreux
Wenig später verlasse ich den See und fahre zuerst Richtung Südosten meist der Rhone entlang. Es hat kaum Wind und so komme ich gut vorwärts.

Fahrradroute entlang der Rhone
Die Rhone ist meist kanalisiert (leider!) und die Fahrradroute befindet sich oft auf dem Deich.
Das Rhonetal ist hier im unteren Bereich bis St. Maurice, wo es eine enge Stelle hat, sehr breit. Nach St. Maurice hindert mich plötzlich ein heimtückischer Gegenwind am zügigen Vorankommen.

Gegegenwind nach St. Maurice
Das kann ja noch heiter werden, denke ich, hoffe aber, dass sich dies nach dem „Rhoneknick“, wo das Tal gegen Osten abbiegt, bessert. Dazu kommt noch, dass ich mich leicht verfahre und ich wundere mich, dass mir dies trotz Komoot-App und beschilderter Fahrradroute passiert.
Nach dem Rhoneknick ist der lästige Gegenwind tatsächlich wieder weg und ich bin froh, dass ich wieder meine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 18 km/h erreiche.
Das Wetter wird immer besser und ich kann kaum glauben, dass es heute noch regnen soll.

Fahrradroute bei Martigny
Es ist schon viel einfacher, vorwärtszukommen, wenn es eben ist – und ich geniesse es. Es sind ziemlich viele Velofahrer unterwegs an diesem Morgen. Aber der Ansturm auf die Fahrradwege hält sich in Grenzen, wie man auf dem Bild sieht.
Ohne richtige Pause zu machen fahre ich fast bis Sion. In der Agglomeration vor Sion entdecke ich einen Coop Pronto. Endlich kann ich meine Vorräte aufstocken. Ich kaufe Getränke und etwas zu essen und lösche meinen Durst gleich vor dem Laden.
Sion (dt. Sitten) ist die Hauptstadt des Kanton Wallis; da ich sie noch nie richtig besucht habe, weiche ich leicht von der vorgegeben Route ab und fahre langsam durch die für mich mediterran wirkende Altstadt.

Sion, Altstadt
Kurz nach Sion entdecke ich einen Imker, der mit seinem „Astronautenanzug“ bei seinen Bienenvölkern am Hantieren ist. Das erinnert mich an meinen Vater, der passionierter Bienenzüchter war, mir aber seine Begeisterung für dieses Hobby nicht vererben konnte.

Imker an der Arbeit
An einem kleinen Seelein in der Nähe von Siders, wo sich Leute in Badehose tummeln und einige davon schon baden, mache ich eine kleine Mittagsrast. Auf dem gegenüberliegenden Berghang entdecke ich Crans-Montana – hier liegt also dieser bekannte Skiort, den ich nur vom Hörensagen und den Skirennen kenne.

Badeseelein i. d. Nähe v. Siders, im Hintergrund Crans-Montana
Die Sonne ist in der Zwischenzeit verschwunden und dunkle Wolken verdecken den Himmel – also, nichts wie weiter, denn der Weg nach Brig ist immer noch weit.
Als ich in der Nähe von Leuk zurückblicke, sehe ich, dass eine bedrohliche Wetterfront schnell näher kommt.

in der Nähe von Leuk
Dazu setzt plötzlich ein stürmischer Wind ein, der zum Glück von hinten kommt. Jetzt hält mich nichts mehr. Wie ein Verrückter trete ich in die Pedalen und erreiche bis 40 km/h. Vielleicht schaffe ich es ja noch bis ins Ziel, ohne nass zu werden.
Schon fallen die ersten Tropfen und der Wind bläst orkanmässig:
Was für ein Spektakel. Ich geniesse es fast ein wenig. Leid tun mir die paar wenigen Velofahrer, die in die andere Richtung fahren. Das macht bestimmt keinen Spass.
Kurze Zeit später setzt heftiger Regen ein. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als schnell die Regenkleider überziehen und den Rest der Etappe in strömendem Regen zu fahren – und es sind immerhin noch ca. 25 km.

in der Nähe von Visp, Simplon-Bahnstrecke
Es ist aber gar nicht so schlimm, denn der Rückenwind bläst immer noch, und so erreiche doch noch mein Etappenziel Brig.
Fakten:
7 Std. 42 Fahrzeit
134 km Strecke
17.4 km/h Durchschnittsgeschw.
1’110 m bergauf
810 m bergab
