Zum frühstmöglichen Zeitpunkt finde ich mich an diesem Morgen im Frühstücksraum ein, es ist 7 Uhr 30. Bald schon breche ich auf und ich freue mich auf diesen Tag, denn das Wetter ist herrlich.
Kaum bin ich einen Kilometer gefahren, halte ich schon wieder an, weil nun Eiger, Mönch und Jungfrau miteinander zu sehen sind.

Eiger, Mönch und Jungfrau
Nach kurzer Zeit erreiche ich den Thunersee, der an diesem Morgen unglaublich schön daliegt – ein Stück Bilderbuchschweiz.

Thunersee
Ich fahre auf dem linken Ufer dieses Sees entlang und mache immer wieder eine Foto. Bei Spiez führt der Radweg etwas weiter weg vom See über eine Anhöhe, von der ich das Schloss Spiez erblicke.

Thunersee bei Spiez
Wenn ich zurückblicke, kann ich immer wieder die grandiose Berner Oberländer Bergwelt bestaunen.

Thunersee mit Berner Alpen
Am Ende des Thunersee befindet sich die grössere Stadt Thun, die ich kaum kenne; nur einmal musste ich vor Jahren hierhin zu einem militärischen Wiederholungskurs einrücken, aber von der Stadt hatte ich kaum etwas gesehen damals. Deshalb nehme ich mir Zeit, diesen Ort etwas näher anzuschauen.
An einem erstaunlich belebten Platz, lasse ich mich in einem Strassencafé nieder und trinke einen Kaffee und esse ein Gipfeli dazu. Würde die Kellnerin nicht einen Mundschutz tragen, würde man meinen, die Corona-Zeiten wären nun endgültig vorbei.

Café in Thun
Nachher fahre ich noch langsam durch die schmucke Altstadt und mache noch ein Foto von diesem schönen Platz:

Thun, Rathausplatz ?
Auch das Schloss, das oberhalb von Thun auf eine Anhöhe thront, entdecke ich.

Schloss Thun
Nach Thun geht es noch eine Weile in der Ebene weiter, nach Uetendorf aber beginnt die Strasse anzusteigen und ein stetiges Auf und Ab erwartet mich nun. Ich schau nochmals zurück auf die Berner Alpen.

Blick auf die Berner Alpen mit Niesen, rechts und Blüemisalp, schneebedeckt
Bei Seftigen erwartet mich eine ziemlich happige Steigung. Da ich mich aber auf einer kaum befahrenen Nebenstrasse befinde, nehme ich es gemütlich und stosse das Fahrrad, wenn es mir zu steil wird.

Landschaft bei Seftigen, da geht’s den Berg hoch
Es ist sehr ländlich hier, die Bauernschweiz, die so etwas wie heile Welt vermittelt, begleitet mich auf diesem Abschnitt meiner Etappe. Ich kenne diese Region gar nicht, so bin ich gespannt, durch welche Ortschaften mich meine Route führt.

Ländliche Idylle bei Riggisberg
In der etwas grösserer Ortschaft Riggisberg, von der ich auch schon gehört hatte, erblicke ich auf einer Anhöhe ein grösseres, schlossähnliches Gebäude.

Riggisberg
In der Folge fahre ich endlich mal eine längere Strecke mehr oder weniger gerade aus auf dieser Hochebene, die ca. 800 M. ü. Meer liegt.

Landschaft bei Riggisberg und Schwarzenburg mit Ziegen
In der Ortschaft Schwarzenburg entdecke ich ein Verkehrsschild auf dem «Guggisberg» draufsteht.

Verkehrsschilder in Schwarzenburg
Dieses Schild erinnert mich an das wohl berühmteste und auch schönste Schweizer Volkslied, das sogenannte «Guggisbärglied», das auch «‘S Vreneli ab äm Guggisbärg» betitelt wird. Es ist eines der wenigen Schweizer Volkslieder, welches in Moll steht und so die Tragik der Liebesgeschichte in diesem Lied gut zum Ausdruck bringt. Hier zwei speziell für meine Leser ausgewählte Versionen dieses Liedes.
https://www.youtube.com/watch?v=ao-6AfFkIcI
https://www.youtube.com/watch?v=WN0PS9yHoaY
Von Schwarzenburg sause ich hinunter an die Sense, den Grenzfluss zwischen dem Kanton Bern und dem Kanton Fribourg. Leider geht’s auf der anderen Seite gleich wieder hoch. Es ist so heiss heute wie im Sommer und da es auf dieser Strasse einigen Verkehr hat, bräuchte ich diese Steigung nicht zu meinem Glück.

Grenze zum Kanton Fribourg bei Sense
Glücklicherweise bietet sich auf dreiviertel Höhe dieser Steigung ein wunderbares schattiges Plätzchen für eine Mittagsrast an.

Mittagsrast
Zum Glück ist dies die letzte Steigung des Tages. Von nun an geht’s meist abwärts Richtung Fribourg, meinem heutigen Etappenziel. Ich erblicke im Westen den Höhenzug des Juras mit dem Chasseral als höchstem Punkt.

Bei Heitenried, Aussicht in den Jura mit Chasseral (Bildmitte)
Mit dem Chasseral verknüpfe ich Jugenderinnerungen. Mit unserem Deutschlehrer haben wir dort einst vor vielen Jahren auf einer Schulreise übernachtet. Und es war nicht irgendein Deutschlehrer, sondern der berühmte Markus Werner, der nach seiner wohl nicht so befriedigenden Lehrerzeit bedeutender Schweizer Schriftsteller geworden ist. Ein Satz, den Markus Werner abends, als wir zusammensassen, an mich richtete, ist mir bis heute in Erinnerung geblieben: «Wäber, suufsch kän Wii?» (Weber, trinkst du keinen Wein?). Ich muss anfügen, dass wir damals etwa 17 Jahre alt waren.
Markus Werners Erstlingsroman „Zündels Abgang“ finde ich übrigens sein gelungenstes Werk.
kurze Radiosendung über „Zündels Abgang“
Bald schon bin ich in Fribourg/Freiburg, eine zweisprachige Stadt, die an der Sprachgrenze liegt und die von einer Flussschlaufe der Saane umgeben ist.

Fribourg und Saane (mit vergitterte Brücke, damit man nicht von der Brücke springt)
Es war ein unglaublich schöner Tag heute mit Bilderbuchwetter und dazu auch eine landschaftlich sehr reizvolle Etappe. Nur das Auf und Ab hat mich ziemlich fertig gemacht am heutigen Tag. Deshalb lege ich mich nach der Dusche aufs Bett und mache ein ausgiebiges Nachmittagsschläfchen, bevor ich mich ans Blogschreiben mache.
Abends schlendere ich noch ein wenig in dieser etwas nüchtern wirkenden, aber interessanten Stadt herum auf der Suche nach einem lauschigen Plätzchen in einem Restaurant.

Fribourg im Abendlicht
Ich habe Glück und find eines. Mmh, lecker, Spaghetti Bolognese:

Fakten Interlaken – Fribourg:
Fahrzeit ca. 5 Std. 30 Min.
74.4 km Strecke
1’040 m hinauf
1’000 m hinab

