Nach einem Tag Pause – die Pflichten riefen – zieht es mich heute wieder auf’s Fahrrad. Ziel der heutigen Rundfahrt ist das Zürcher RehaZentrum Wald (bis 2015 Höhenklinik Wald), welches auf einer Aussichtsterrasse gelegen ist.
Es ist sehr kalt heute morgen, kaum über dem Gefrierpunkt, aber ich habe mich warm angezogen, so dass mir die Kälte nichts anhaben kann.
Der Weg führt mich zuerst nach Grüningen, ein kleines Städtchen (mit Stadtrecht), im Grünen gelegen.

Schloss und Kirche von Grüningen
Wiedereinmal komme ich an meinem Lieblingsseelein vorbei, dem Lützelsee. Diesmal aber von Norden her. Bekannt ist der Ort für seine grosse Storchenkolonie. Auf dem grossen Baum habe ich vor kurzem 14 bewohnte Storchennester gezählt.

Storchenkolonie am Lützelsee
Die Fussgänger dürfen übrigens coronabedingt nur im Uhrzeigersinn um den See spazieren. Das ist sicher die bessere Lösung als den ganzen Uferweg zu schliessen.

Lützelsee
In der Folge führt mich mein Weg ostwärts über Wolfhausen nach Rüti, einem grösseren Industrieort. Während ich gemütlich durch die morgendliche Landschaft fahre, denke ich an ein schönes E-Mail, das ich gestern von einem „väterlichen“ Freund erhalten habe, einem Pädagogen, Historiker, Musiker, Poeten (soeben entdeckt) und ehemaligen Mitstreiter bei Lehrmittelprojekten. Er hat meinen Blog über meine Corona-Touren gelesen und mir darauf mit einem sinnigen Gedicht geantwortet, und dazu geschrieben, es sei die Fortsetzung des Gedichtes in meiner Seitenspalte. (Ihr findet nun dieses Gedicht, ich habe es „Ich bleibe zuhaus“ betitelt, nun ebenfalls in der Seitenspalte).
In Rüti habe ich leider kein schönes Foto-Sujet entdeckt, dafür aber dieses einmalige Bild in Wikipedia gefunden, das der berühmte Walter Mittelholzer vom Flugzeug aus aufgenommen hat:

Rüti (historische Aufnahem von 1919), Rüti war bekannt für seine Textilindustrie
Nach Rüti folgt bald ein langer, gerader, aber zuerst angenehmer Aufstieg Richtung Goldingen.

Blick auf den Atzmännig (Bildmitte)
Es ist ziemlich ruhig hier abseits der grossen Verkehrsströme. Auch am Himmel ist kein einziges Flugzeug zu sehen.

Blick zurück oberhalb von Wald (ZH)
Die Strasse steigt stetig und windet sich nun den Hügeln entlang, bis ich nach einer Kurve die Höhenklinik erblicke. Die Kälber im Vordergrund gucken mich neugierig an, sind aber ziemlich schüchtern, als ich sie streicheln möchte. Sie scheinen das Social Distancing auch schon verinnerlicht zu haben.

Rindvieh mit Höhenklinik Wald (im Hintergrund)
Am höchsten Punkt (930 M.ü.M.) mache ich eine Rast und geniesse den tollen Ausblick. Die Sicht geht dabei bis in die Berner Alpen: Eiger, Mönch und Jungfrau glaube ich zu erkennen.

Ortschaft Laupen, Obersee u. Zürichsee, Schweizer Alpen
Gerne hätte ich im Café der Höhenklinik Kaffee und Kuchen genossen – wie auch schon, als ich vor zwei Jahren einen meiner Chorsänger dort besuchte. Das wird heute aber nicht möglich sein, leider, deshalb fahre ich an der Klinik vorbei. Auf der anderen Seite eröffnet sich mir dafür ein tolles Panorama mit Blick auf die Hügelkette beim Bachtel.

Nähe Höhenklinik Wald, mit Bachtel (Bildmitte)
Die nun folgende Abfahrt führt über Oberholz (dort gibt’s sogar ein kleines Skigebiet) nach Gibswil. Von dort geht’s zuerst wieder steil aufwärts. Ich steig vom Velo und schiebe meinen Drahtesel, das mache ich immer, wenn’s zu steil wird, ich bin ja keine junge Bergziege mehr.
Unterwegs muss ich anhalten, eine grosse Kuhherde wird über die Strasse auf die Weide getrieben. 57 Kühe seien es insgesamt, sagt mir der Bauer. Das ist beachtlich.

Oberhalb von Gibswil
Wenig später fahre ich an diesem mit viel Liebe gemalten Bleib-Gesund-Gruss vorbei. Ich bin gerührt.

Bliib gsund / Bleib gesund
Im Rückblick sehe ich nun erstmals auch die Churfirsten, eine Bergkette zwischen Toggenburg und Walensee.

Landschaft bei Gibswil, mit Blick auf Churfirsten (Bildmitte)
Bald schon bin ich oben, fast auf 1’000 M.ü.M., auf dem höchsten Punkt meiner heutigen Etappe. Die Bachtelspitze mit dem Aussichtsturm befindet sich zu meiner Linken in unmittelbarer Nähe.
Auf der anderen Seite dieser Passstrasse bietet sich mir eine neue, traumhafte Aussicht. Bis zur nördlichen Agglomeration von Zürich geht der Fernblick von hier aus.

Blick auf Wetzikon und Pfäffikersee (Bildmitte).
Nach rasender Abfahrt über Girenbad und Wermatswil bin ich schon bald wieder in ebenerem Gelände. Kurz nach Hinwil hat man einen schönen Blick auf den Glärnisch mit seinem „Vrenelis Gärtli“, worüber es eine bekannte Sage gibt.

Glärnisch
Auf mir bekannten Wegen geht es nun wieder Richtung Egg, wo ich zuhause bin.
Schon fast zuhause:

Egg, Pfannenstil (links) und ref. Kirche (rechts)
Eine tolle Tour bei wunderbarem Wetter geht damit zu Ende.
C-Tour 5: Höhenklinik Wald u. Bachtel
04:47 Fahrzeit
59,8 km Strecke
12,5 km/h Durchschnittsgeschw.
1’140 m hinauf
1’140 m hinunter
