Der heutige Tag beginnt mit wunderbarer Morgendämmerung, die ich von unserem Dachzimmer aus festhalte:

Fast zur gleichen Zeit wie gestern fahr ich los und bin schon bald wieder am Greifensee, den ich diesmal auf seiner schmalen Ostseite kurz streife. Das Naturschutzgebiet auf dieser Seite des Sees liegt noch ruhig da, nur eine einzelne Ente sucht schon Futter in einer kleinen „Pfütze“.

Naturschutzgebiet beim Greifensee
Kurz darauf erreiche ich Uster. Das ist die drittgrösste Stadt des Kantons Zürich. Es sieht aber aus dieser Perspektive eher wie ein Dorf aus (und es ist eigentlich auch ein grosses Dorf – Ustermer vezeiht mir!)

Uster mit reformierter Kirche und Schloss
Nach Uster folgt eine Steigung nach Gutenswil. Ein blühender Apfelbaum gibt ein tolles Sujet her, denke ich, fokussiere mich darauf aber eher auf mein Schattenbild:

bei Gutenswil
Bald schon erreiche ich Illnau. Ich erinnere mich daran, vor einigen Jahren in der Dorfbäckerei in diesem Ort feine Gipfelis gekauft zu haben. Also nichts wie hin – und es gibt sogar noch Kaffee dazu. Vis-a-vis erblicke ich eine lange Menschenschlange, die auf Einlass in eine Metzgerei wartet, die Wartenden schön im 2-Meter-Abstand zueinander.

Kaffeehalt in Illnau, Bäckerei Nüssli
Nach Illnau, das in einer Senke liegt, steigt die Strasse stark an, aber bald hat man dafür einen wunderbaren Ausblick:

Landschaft oberhalb Illnau
In der Folge gelange ich über Theilingen und Weisslingen hinunter ins Tösstal. Bei Kollbrunn erblicke ich erstmals die Töss:

Töss bei Kollbrunn (mit Hundekotsäckchen, das sich auch noch ins Bild gedrängt hat, wie ich erst jetzt sehe)
Ich fahre nun tössaufwärts. Die Strecke führt meist entlang des Flusses, der in diesem Bereich noch ziemlich viel Wasser führt. Es ist wunderbar, auf guten Fahrradwegen diesem gemächlich dahinplätscherndem Flüsschen entlangzufahren. Wer aber die Töss schon einmal bei Hochwasser erlebt hat, weiss, dass aus diesem Flüsschen schnell ein tosender Fluss werden kann. Die Bedeutung des Namens Töss ist deshalb „die Tosende“. Das wusste ich nicht, aber dank Wikipedia weiss ich es jetzt.
Kurz vor Zell mache ich dieses Foto:

Töss bei Zell (im Hintergrund)
In Zell wurde das von Paul Burkhard komponierte berühmte Krippen- und Singspiel
„D Zäller Wiehnacht“ im Jahr 1960 erstmals aufgeführt. Einige Lieder daraus gehören auch heute noch zum festen Repertoire von Weihnachtssingen. Hier das berühmteste dieser Lieder (zur Information an meine deutschen Leser: Das Lied wird auf Zürichdeutsch gesungen):
Das isch dä Schtärn vo Bethlehem
Nach diesem gedanklichen Ausflug in die Weihnachtszeit, wird’s bald darauf romantisch: Das mit Tannzapfen geformte Herz möchte auch verewigt werden:

Töss bei Zell
Bei Wila mache ich erstmals ein grössere Pause; ich setze mich auf eine Bank, nimm ein paar Schlücke Orangensaft, ess einen Riegel und eine Banane und geniesse die Sonne.

Wila
Nun bin ich im oberen Tössbergland und bei Steg erblicke ich erstmals den höchsten Gipfel des Kantons Zürich, das Schnebelhorn:

bei Steg, Schnebelhorn (1’292 M.ü.M.) in der Bildmitte
Hier in der Nähe befindet sich auch das einzige grössere Skigebiet im Kanton Zürich und wenig später entdecke ich im Rückblick auf Gibswil eine Skisprungschanze. Der Klimawandel wird sich hier aber wahrscheinlich besonders drastisch zeigen, diesen Winter gab’s ja praktisch keinen Schnee und hier wohl auch nicht.

Blick auf Gibswil und Hörnli (im Hintergrund)
Kurz nachdem ich mit 810 Meter ü. Meer den höchsten Punkt meiner heutigen Tour erreicht hatte, eröffnet sich mir eine wunderbare Aussicht auf den Ort Wald und die Glarner Berge im Hintergrund.

Ortschaft Wald mit Glarner Alpen
Ich umrunde nun den Bachtel, einen Aussichtsberg bei Hinwil und es bieten sich mir deshalb immer wieder neue Ausblicke:

Blick auf den Zürichsee
Als ich Oberdürnten erreiche, habe ich die Idee, meinen ehemaligen Rektor (also meinen ehemaligen Chef) aufzusuchen, der hier wohnt. Ich klingle an der Haustür und er ist tatsächlich zuhause. Ich bin froh zu hören, dass er und seine Frau bei guter Gesundheit sind, nicht selbstverständlich, sie sind ja nicht mehr die allerjüngsten. Wir plaudern ein wenig vor der Haustüre – natürlich im 2-Meter-Abstand – über dies und das und ich habe endlich Gelegenheit, mich über die Geburtstagskarte zu bedanken, die er mir auch dieses Jahr wieder zugeschickt hatte.

Nick und Ann
Auf meiner Weiterfahrt erreiche ich Hinwil. Dort führt mich mein Weg beim AMP (Armeemotorfahrzeugpark) vorbei. Da ich daran militärische Erinnerungen knüpfe – ich wurde hierhin oft aufgeboten bei WKs – mache ich eine Foto und hoffe, damit nicht militärische Geheimnisse zu verraten.

AMP Hinwil
Besonders ist mir das sogenannte „Abdieseln“ bei der Fahrzeugrückgabe in Erinnerung geblieben: Das „Reinigen“ der Fahrzeuge mit stinkenden in Diesel getränkten Putzfäden, bei dem man mit B-Kleidung (zweitbeste Kleidung) unter das Fahrzeug kriechen und alles mit Diesel einschmieren musste! Würde mich wundern, wenn man das heute noch so macht. – Ich werde bald meinen Sohn darüber befragen, der momentan Militärdienst leistet und Fahrer bei den Übermittlungstruppen geworden ist – genau so wie ich dazumals!
Nun ist es nicht mehr weit nach Hause. Zwischen Gossau und Mönchaltorf mache ich noch schnell eine Foto des Pfannenstils, das ist eine Hügelkette auf der Nordseite des Zürichsees. In diese Hügelkette hineingeschmiegt erkennt man in der Bildmitte den Ort Egg, also den Ort, wo ich wohne.

Pfannenstil (Hügelkette im Hintergrund)
Auf dem kurzen aber ruppigen Aufstieg nach Egg, mache ich das letzte Foto der heutigen Etappe. Es zeigt wunderbar blühende Obstbäume und im Hintergrund sieht man wieder den Greifensee.

Aufstieg nach Egg mit Greifensee im Hintergrund
Ein sehr schöne und empfehlenswerte Rundfahrt geht damit zu Ende.
C-Tour 2: Tösstal und Bachtel
05:19 Fahrzeit
77,9 km Strecke
14,6 km/h Durchschnittsgeschw.
1 000 m hinauf
1 000 m hinunter
