Nun startet sie also, meine Mosel-Fahrradtour. Am Vortag bin ich von Basel ca. 10 km nach Village-Neuf gefahren, wo ich in der kleinen Privatpension Villa Esterel übernachtete und wo ich wunderbar schlief.

Frühmorgens um 07.10 fahr ich los. Zuerst fahr ich einem idyllischen Kanal entlang. Es ist ziemlich kalt und ich friere an Händen und Füssen.
Wenig später fahr ich lange durch lichte Wälder begleitet von ständigem frühmorgendlichem Vogelgezwitscher. Es ist wunderbar in dieser friedlichen Morgenstimmung.

Ich höre einen Kuckuck rufen und versuche – déformation professionnelle – herauszufinden, ob er nun eine kleine od. grosse Terz kuckuckt; es ist eine grosse, aber vielleicht gibt es auch traurige Kuckucks, die eine kleine Terz (Mollterz) rufen und in meinem Chor singen wir momentan ein Lied, wo er sogar einen Quartsprung macht (singt’s uf em Nussbaum scho gu-ggu).
Nach ca. 30 km erreiche ich Mulhouse, wo ich zu frühstücken gedenke. Leider führt mich Komoot (meine Navigationsapp) mal wieder am Zentrum vorbei, weshalb ich mich entschliesse, dieses selbst zu suchen, was sich als gar nicht so einfach herausstellt. Es ist ziemlich tote Hose an diesem heiligen Freitag (vendredi saint). Schliesslich finde ich doch noch ein Cafe ganz in der Nähe der Cathédrale (eigentlich Temple Saint-Etienne de Mulhouse).

Cathédrale de Mulhouse
Ich muss aber die croissants zum Kaffee zuerst noch selbst organisieren, was ebenfalls nicht einfach ist. Schliesslich habe ich alles organisiert und kann den lange ersehnten Kaffee geniessen.
Nach Mulhouse sichte ich bald die Hügelkette der Vogesen und fahre in der Folge einem Flüsschen namens Thur entlang – ich wusste nicht, dass es auch in Frankreich eine Thur gibt. Es ist idyllisch hier und ich begegne einigen Fahrradfahrern.
In diesem Thurtal (vallée de la Thur) gibt es schmucke Dörfer wie z.B. Thann, das ich in der Folge passiere.

Thann
In der Zwischenzeit ist es fast schon sommerlich warm geworden; ich kann meine warme Softshelljacke ausziehen und komme doch fast ins Schwitzen. Unterwegs schliesst ein älterer Velofahrer zu mir auf, mit dem ich mich ein wenig unterhalte. Er ist auch Fahrradtouren-Freak (volles Programm mit Biwacking). Deshalb staunt er ziemlich über mein weniges Gepäck.
Kurze Zeit später entdecke ich was Buntes in einem blühendem Baum. Was ist das? Wer findet’s heraus?

Leider muss, ich als die Strasse stärker zu steigen beginnt, den angenehmen Veloweg verlassen. Ich befinde mich nun auf einer veritablen Passstrasse mit recht viel Verkehr und sogar Lastwagen.

Der Ausblick ist schön, aber über den Bergen bilden sich dunkle Wolken, aus denen zuerst der Donner grollt und es bald auch leicht zu regnen beginnt.
Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. In der Hoffnung, dass sich das Ganze bald wieder verzieht, warte ich damit, die Regenkleider anzuziehen und als der Regen stärker wird, stelle ich mich unter ein schützendes Dächlein einer Touristikwerbetafel.
Bald kann ich wieder weiterfahren und ich erreiche die Passhöhe des Col de Bussang, der mit Schweizer Pässen natürlich nicht zu vergleichen ist, mich aber dennoch ziemlich viel Energie gekostet hat.
Gleich nachher entdecke ich ein Schild. «Source de la Moselle» steht drauf.

Source de la Moselle
Hier beginnt nun also meine eigentlich Mosel-Fahrradtour, die mich der Mosel/Moselle entlang bis nach Koblenz führen wird.
Leider beginnt es nun wieder zu regnen, weshalb ich bei einem Unterstand Halt mache und mich nun endlich dazu entschliesse, Regenhose und Schuhschütze überzuziehen.
Ich bewundere dabei das Bahnhofsgebäude von Bussang; alles da – nur die Geleise fehlen.

Dafür fahre ich nun dort, wo früher die Geleise waren; das sind immer die schönsten Radwege. Diese Radwege in Frankreich, die auf ehemaligen Zugsgeleisen errichtet wurden, sind unter voiesvertes.com aufgeführt. Diese Website werde ich sicher vor meiner nächsten Frankreich-Tour im Sommer konsultieren.

voie verte (Radweg auf ehemaligem Zugsgeleise) und Mosel
Bald schon erreiche ich Remiremont, das Ziel meiner heutigen Etappe.

Remiremont
Ich bin ziemlich «kaputt», fast alles schmerzt; ein wenig Sorgen bereitet mir der Rücken, es fährt mir immer mal wieder hexenschussartig hinein, ziemlich schmerzhaft u. auch mühsam beim Socken- und Schuheanziehen. Hoffentlich wird das wieder besser.
Nach einer wohlig warmen Dusche schlendere ich ein bisschen im Städtchen herum, werfe einen Blick in die église abbatiale.

église abbatiale de Remiremont
Draussen an der Sonne trinke ich ein Bierchen u. mache nachher Einkäufe.

Remiremont
Zum guten Glück finde ich gleich neben dem Hotel ein italienisches Restaurant, wo ich mein Standardmenu auf Velotour esse: Spaghetti Bolognese. Auf Wein und Dessert verzichte ich für einmal, ich möchte ja auch wieder ein bisschen abnehmen und die Früchte meiner Anstrengungen in Form eines ansehnlicheren Bauches ernten. (Bei einem Corretto con Grappa wäre ich schwach geworden, das bietet das Restaurant aber nicht an; kein Wunder, wenn Franzosen ein italienisches Restaurant betreiben – ich mag mich aber nicht ärgern, sonst war alles tip-top).
Schlafen werde ich heute abend sicher wie ein Bär! Doch zuerst muss ich noch den Blog fertigschreiben…

Fakten:
Village-Neuf (bei Basel) – Remiremont (a. der Mosel)
Gefahrene Strecke : 117 km
Rauf : 940 m/ Runter : 780m
Fahrzeit: 7 St. 34 Min.
Übernachtung im „Hotel du Cheval de Bronze“ (ganz ok, aber alles ein bisschen schräg, wörtlich genommen, und extrem grottiges WLAN, das mich fast in den Wahnsinn getrieben hat beim Bilderhochladen für den Blog)

Streckenplan Village-Neuf (bei Basel) – Remiremont
