Heute darf ich ein wenig länger schlafen, das Hotelfrühstück kann frühestens um 07.30 eingenommen werden. Kein Problem. Ein grösseres Problem erwartet mich aber, als ich die Fahrradgarage betrete und mein Fahrrad beladen will: Das Hinterrad steht auf der Felge. Ich habe wieder einen Plattfuss. Sch…! Ich bin nicht wirklich überrascht, das hatte sich schon am Vortag angekündigt, denn ca. 20 km vor dem Ziel begann mein Hinterrad plötzlich hin- und herzueiern, weil der Schlauch Luft verloren hatte.
Nun, es bleibt mir nichts anderes übrig, als den Schlauch zu wechseln, ich habe ja noch Glück im Unglück, denn hier bin ich geschützt vor dem Regen und eine Fahrradpumpe mit Druckanzeige steht hier auch herum. Ca. 15 Min. brauche ich für das Manöver, ich merke, dass ich dies schon mal geübt hatte auf der Tour – und an die wertvollen Tipps von Loretta kann ich mich auch noch erinnern – nur die Hände sind am Schluss ziemlich schmutzig!
Um 08.30 Uhr fahr ich endlich los – in voller Regenmontur, denn regnen tut’s zu allem Unglück auch noch… Das ist schade, denn hier im Allgäu wär’s eigentlich sehr schön – bei Sonnenschein!
Der Tag steht unter keinem guten Stern – es scheint heute nur einmal zu regnen.
Am Hopfensee klaub ich erstmals mein iPhone aus dem Gefrierbeutel; die Szenerie ist auch bei Regen reizvoll:

Ich kämpf an diesem Morgen gegen alles: den Regen, den Wind, der mir den Regen ins Gesicht peitscht, die Kälte, die Nässe und das Auf und Ab hier im Allgäu.
Vor allem die nassen Handschuhe machen mir zu schaffen. Bei einem Halt zieh ich sie aus – sie triefen vor Nässe, ich winde sie aus wie nasse Waschlappen – Dreckwasser ergiesst sich auf den Boden. Aha, der Dreck meiner vom Radwechsel verschmutzten Hände! – Die sind zum Glück jetzt wieder sauber. Übrigens – so sehe ich aus in meiner Regenmontur:

Nach der grösseren Ortschaft Nesselwang überholt mich ein Rudel von fast 20 Rennradfahrern, die einen sogar in kurzen Hosen! Und das bei diesem Sauwetter! Die sind nicht ganz normal («nid ganz putzt» auf Schaffhauserdeutsch), denk ich mir.
Etwa 3 ½ Stunden halt ich durch, bis ich in Immensee den ersten Halt mache, um mich aufzuwärmen und etwas zu essen.

Weiter geht’s, weiterhin bei strömendem Regen, dem Grossen Alpsee entlang. So macht’s keinen Spass; dabei wäre die Gegend hier so schön! Darauf folgt ein zermürbendes Auf und Ab (bis auf 1020 M.ü.M.!) über Oberstaufen und Weiler im Allgäu nach Scheidegg. Als ich dort oben angelangt bin, hört der Regen endlich auf. In einem Café stärk ich mich mit Käsekuchen und einer heissen Schokolade. Als ich wieder aufbreche, guckt sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor und es ist inzwischen merklich wärmer geworden.

Das freut mich, denn es ist so viel angenehmer nach Lindau hinunterzusausen.
Als ich erstmals den Bodensee erblicke von dort oben, mach ich eine Foto. Ich bin jetzt wieder viel besser gelaunt!

Übrigens ich bin jetzt nicht mehr in Deutschland, sondern in einem anderen Land. In welchem? Bald schon erreiche ich Lindau (wieder Deutschland) und werde von Komoot genau vor’s Hotel gelotst. Als ich dort ankomme, bin ich leicht genervt: Just in diesem Moment möchten schätzungsweise 50 Chinesen, die aus einem Bus gestiegen sind, in diesem Hotel einchecken.

Es ist mir zu blöd, mich hintenanzustellen; da nehm ich doch lieber noch einen Augenschein von dieser auf einer Insel im Bodensee gelegenen Stadt.

Ich setzt mich in ein Café am Hafen, trink ein Bierchen, ess etwas Kleines und geniesse die Abendsonne. Die Welt ist wieder in Ordnung!
Lösung Rätsel: ich war kurz auf österreichischem Boden
Fakten: gefahrene Strecke 99.5 km / aufw. 1060 m, abw. 1450 m / Fahrzeit 6 Std. 29 Min.
Übernachtung im Hotel vis à vis in Lindau
