Den Wecker, der um 05.40 Uhr los geht, stell ich ab und schlaf wieder ein – das erste Mal, das ich verschlafe auf meiner grossen Tour. Es ist aber nicht so schlimm, um 06.15 Uhr wach ich wieder auf und packe nun wie der Blitz, ich möchte doch spätestens um 16.00 Uhr am Ziel sein, damit ich den WM-Match der Schweizer nicht verpasse.
Um 07.40 verlasse ich Würzburg und befinde mich schon bald am Main, an dessen Ufer ich in südöstlicher Richtung weiterfahre. Ich staune, wieviele junge Joggerinnen schon keuchend unterwegs sind – die wollen nicht so enden wie ihre Mütter, denke ich und dabei kommen mir die feinen Kuchen in den Sinn…
Fast 20 km fahre ich nun dem Main entlang; ich bin froh, dass ich den heutigen Tag so easy beginnen kann. Der Maintalradweg hat fast schon Formel-1-Qualität hier: schön eben und frisch asphaltiert.
Als ich vor Ochsenfurt rechts vom Main abzweige, sehe ich auf einer Schautafel, dass ich mich nun auf dem Gaubahn-Radweg befinde. Das ist eine gute Nachricht, denn Radwege auf ehemaligen Bahnstrecken, wie es auch hier der Fall ist, sind einzigartig: es geht nie ruppig auf- od. abwärts und die Strecken sind meist fernab der Strassen. So ist es auch hier:

Mehr als 20 km fahre ich nun auf diesem Gaubahn-Radweg und komme gut vorwärts. Menschen begegnen mir fast keine.
Plötzlich taucht ein typischer bayrischer Kirchturm auf. Ich stutze ein bisschen und frage mich, ob es derselbe ist, den ich beim Hinweg fotografiert habe (Mein heutiges Rätsel). So abwegig ist das nicht, denn heute oder morgen kreuze ich den Hinweg, den ich Richtung Elberadweg genommen habe.

Nachdem ich diesen bequemen Radweg verlassen habe, stehe ich schon vor der nächsten Schautafel: „Radweg liebliches Taubertal“ wird hier angekündigt. Da hab ich ja mal wieder Glück, Komoot will nur das Beste für mich heute!
Es ist wirklich ein sehr schöner Radweg in diesem Taubertal, es geht zwar ein bisschen mehr rauf und runter als vorher, dafür werde ich mit lieblichen Landschaften verwöhnt.

In einem kleinen Städtchen namens Creglingen mache ich meinen obligaten Kaffeehalt und esse für einmal einen Aprikosenkuchen – ist auch lecker!

Dieser Radweg muss berühmt sein, denn plötzlich begegnen mir sehr viele Radfahrer, oft auch wieder älteren Semesters, die mit E-Bikes unterwegs sind. Es macht mich fast ein bisschen stolz, dass ich manchmal sogar mit den E-Bikern mithalten kann.
Ganz unerwartet erreiche ich ein Bijou einer Stadt, Rotenburg ob der Tauber. Staunend besichtige ich diese mittelalterlich anmutende Stadt, ich hatte vorher noch nie von ihr gehört.

Es sind hier unglaublich viele Touristen unterwegs: Chinesen, Amerikaner etc. Als eine Gruppe amerikanischer Studenten an mir vorbeigeht, höre ich einen davon staunend ausrufen: „Holy Shit“ – diesen Ausdruck kenne ich doch von irgendwoher (von wem?), denke ich.
Nach Rotenburg verlasse ich den lieblichen Tauberradweg und fahre nun auf verschiedensten Strassen – es ist inzwischen ziemlich heiss geworden, und die Sonne brennt hernieder. Dazu ein Auf und Ab, es ist ziemlich ermüdend.
In Feuchtwangen möchte ich ein kühlendes Getränk kaufen, um meinen trockenen Gaumen zu benetzen, sehe aber nirgends eine Gelegenheit dies zu tun – so fahr ich halt weiter, meinem Ziel Dinkelsbühl entgegen. Ich freue mich auf diese kleine Stadt und werde nicht enttäuscht. Einfahrt Dinkelsbühl:

Mein Hotel (Deutsches Haus) befindet sich im Zentrum dieses Kleinods – man fühlt sich hier fast wie in einer Museumsstadt – und ist wohl das schönste Gebäude hier:

Mit seinem kunstvollen Schnitzwerk ist es das bedeudendste Bürgerhaus der deutschen Renaissance (Quelle Wikipedia). Es ist ein Erlebnis in diesem Haus zu logieren.
Am Abend geniesse ich das Essen auf der Terrasse dieses aussergewöhnlichen Hotels

und vergesse dabei fast, dass die Schweiz an der WM ausgeschieden ist – ok, der Williams musste dabei noch ein wenig nachhelfen…
Rätsel: Nein, das ist ein anderer Kirchturm, den Hinweg kreuz ich erst am folgenden Tag.
Fakten: Gefahrene Strecke 115 km / aufw. 1030 m, abw. 770 m / Fahrzeit 7 Std. 4 Min.
Übernachtung im Hotel Deutsches Haus, Dinkelsbühl
